{"id":6252,"date":"2010-07-22T09:41:18","date_gmt":"2010-07-22T07:41:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6252"},"modified":"2018-08-15T14:59:38","modified_gmt":"2018-08-15T12:59:38","slug":"der-verfassungsschutz-dient-dem-machterhalt-der-herrschenden-kreise-so-ist-es-so-war-es-von-anfang-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6252","title":{"rendered":"Der Verfassungsschutz dient dem Machterhalt der herrschenden Kreise. So ist es. So war es von Anfang an."},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden. Die Partei Die Linke und auch Bodo Ramelow d&uuml;rfen vom Verfassungsschutz beobachtet werden. L&auml;cherlich. Aber diese antidemokratische L&auml;cherlichkeit hat Tradition in dieser FdGO. In einem <a href=\"?p=5624\">Beitrag vom 21. Mai<\/a> hatte ich schon darauf hingewiesen, wie wir als Sch&uuml;ler Anfang der F&uuml;nfzigerjahre ungesch&uuml;tzt von irgend einem Verfassungsschutz den verbliebenen Nazi-Lehrern und ihrer Verherrlichung des Milit&auml;rs ausgesetzt waren. Sp&auml;ter habe ich dann als Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt mit SPD-Parteibuch erlebt, wie der Verfassungsschutz offen Jagd auf Sozialdemokraten gemacht hat. Diese sollten sich nicht zu fr&uuml;h freuen &uuml;ber das Urteil von Leipzig. Ihre Option zur politischen F&uuml;hrung und zu einer politischen Alternative zu Schwarz-Gelb ist in Leipzig neben der Demokratie auch noch zu Grabe getragen worden, wie die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/sabotage-der-demokrate\/\">taz in diesem Beitrag<\/a> zu Recht feststellt. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nUm die Dreistigkeit und zugleich die Doofheit der Verfassungssch&uuml;tzer zu beschreiben muss ich eine kleine Geschichte erz&auml;hlen: Ich war ab Februar 1973 Leiter der Planungsabteilung im sozialdemokratisch gef&uuml;hrten Bundeskanzleramt. Als solcher wurde ich gelegentlich von Verfassungssch&uuml;tzern befragt, wenn eine\/r meiner Mitarbeiter vom Status eines Honorarvertrags-Mitarbeiters zum Status eines Angestellten wechseln konnte. Die Befragung kreiste um alles M&ouml;gliche, dann auch um die Gef&auml;hrdung der Kandidaten durch die ber&uuml;hmten &bdquo;Fs&ldquo; &ndash; erpressbar durch finanzielle Probleme oder durch Frauengeschichten? Bei Letzterem musste ich schon immer lachen, weil meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen solcher Geschichten in der Regel nicht erpressbar waren. Aber diese Des-Orientierung der Verfassungssch&uuml;tzer konnte man ihnen gerne durchgehen lassen.<br>\nRichtig am&uuml;sant wurde es dann, wenn das Thema &bdquo;Neigung zum Extremismus&ldquo; aufgerufen wurde. Ich wurde befragt, ob der\/die Kandidat\/in rechtsextreme Neigungen habe. Ich verneinte wahrheitsgem&auml;&szlig;. Dann wurde ich gefragt, ob der Kandidat linksextreme Neigungen habe. Darauf fragte ich regelm&auml;&szlig;ig zur&uuml;ck, was der Befragende mit &bdquo;linksextrem&ldquo; meine. Dann kam in mindestens drei F&auml;llen, also bei drei verschiedenen Gelegenheiten, die Antwort: &bdquo;Juso oder so.&ldquo;<\/p><p>Diese Einlassung der Verfassungssch&uuml;tzer ist zumindest in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:<\/p><p>Erstens: Die Befrager &ndash; die &uuml;brigens meist aus dem Kreis von ausgedienten Offizieren kamen &ndash; haben einfach unterstellt, dass ein Sozialdemokrat im Range eines Abteilungsleiters nur ein rechtskonservativer Sozialdemokrat und Juso-Hasser sein kann.<\/p><p>Zweitens: Das Urteil &uuml;ber die Jusos folgte damals, wie heute das Urteil &uuml;ber die Linke, aus einer Dauerkampagne der permanent betriebenen Stigmatisierung. Die Stigmatisierung der Jusos reichte damals sogar &uuml;ber den gro&szlig;en Teich hinweg. Als ich 1973 anl&auml;sslich eines USA-Besuchs auch das Deutschlandreferat des State Departments zum Gespr&auml;ch aufsuchte, fragte mich mein Gespr&auml;chspartner ernsthaft und besorgt nach der Macht der Jusos. Auch dies war ein Reflex auf die mediale und parteipolitische Daueragitation in Deutschland, verst&auml;rkt vermutlich durch das, was Gespr&auml;chpartner aus dem konservativen Lager incl. jenes der SPD selbst in Washington abgeladen hatten.<br>\nDiese Stigmatisierung der Jusos und der damals von ihnen vertretenen eher linken Positionen in der SPD sollte den innerparteilichen Kl&auml;rungsprozess mit dem Ziel des Rechtsrutsches bef&ouml;rdern. So ist es auch gekommen.<\/p><p>P.S: Die SPD selbst hat damals die sogenannten Verfassungssch&uuml;tzer indirekt ermuntert &ndash; mit dem sogenannten Radikalenerlass.<\/p><p><strong>Anlage &ndash; ein lesenswerter Artikel aus der taz:<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Urteil zur Linken-Beobachtung<br>\nSabotage der Demokrate<\/strong><br>\nKOMMENTAR VON CHRISTIAN RATH<br>\nSo ein bescheuertes Urteil! Nicht nur die Linke kann weiter vom Verfassungsschutz beobachtet werden, auch &uuml;ber den nun wirklich v&ouml;llig unrevolution&auml;ren Abgeordnten Bodo Ramelow darf wieder eine Personenakte des Geheimdienstes angelegt werden.<\/p>\n<p>Da behaupten die obersten Verwaltungsrichter in Leipzig allen Ernstes, dass das Sammeln von Zeitungsausschnitten &uuml;ber die T&auml;tigkeit von Abgeordneten sinnvoll sei, um die Diktatur des Proletariats zu verhindern. Nichts als vorgeschobene Argumente. Nicht der Inhalt der Akte ist entscheidend, sondern dass der Dienst &uuml;berhaupt Akten &uuml;ber die Linke und ihre Abgeordneten angelegen darf, ist die Botschaft. &ldquo;Die sind gef&auml;hrlich, die f&uuml;hren vielleicht finstere Pl&auml;ne im Schilde, die m&uuml;ssen jedenfalls genau &uuml;berwacht werden.&rdquo; Das sind die Botschaften, die mit einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz transportiert werden. Der Anwalt des Dienstes hat es in Leipzig ganz offen gesagt: Die Stigmatisierung der &Uuml;berwachten sei keine unbeabsichtigte Nebenfolge, sondern geradezu ein Zweck der Ma&szlig;nahme.<\/p>\n<p>Deutlicher als mit der &Uuml;berwachung der Linken, kann man auch kaum zeigen, wie der Verfassungsschutz in den politischen Meinungskampf eingreift und ihn verzerrt. Da werden einige romantische Revoluzzer und ML-Traditionalisten in der Linken zum Anlass genommen, um eine zutiefst links-sozialdemokratisch Partei in Verruf zu bringen. Das hilft der SPD, die Nummer eins im linken Spektrum zu bleiben. Und es nutzt der Union, weil es rot-rot-gr&uuml;ne B&uuml;ndnisse erschwert. Das Leipziger Urteil kommt wie bestellt.<\/p>\n<p>Doch weil hier so unverhohlen die Demokratie sabotiert wird, ist das Urteil ein dringender Fall f&uuml;r das Bundesverfassungsgericht. In Karlsruhe wird die Entscheidung vermutlich nicht lange Bestand haben.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/sabotage-der-demokrate\/\">taz<\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden. Die Partei Die Linke und auch Bodo Ramelow d&uuml;rfen vom Verfassungsschutz beobachtet werden. L&auml;cherlich. Aber diese antidemokratische L&auml;cherlichkeit hat Tradition in dieser FdGO. In einem <a href=\"?p=5624\">Beitrag vom 21. 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