{"id":62742,"date":"2020-07-07T12:49:07","date_gmt":"2020-07-07T10:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62742"},"modified":"2020-07-07T17:38:38","modified_gmt":"2020-07-07T15:38:38","slug":"der-mohr-hat-seine-schuldigkeit-getan-der-mohr-soll-weichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62742","title":{"rendered":"Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr soll weichen."},"content":{"rendered":"<p>Zu Beginn des Sommerlochs treibt die neu entflammte Rassismusdebatte seltsame Bl&uuml;ten. Selbsternannte Anti-Rassisten haben jetzt ihren gerechten Zorn auf das &bdquo;M-Wort&ldquo; fokussiert. Der Mohr soll weichen &ndash; Stra&szlig;en- und Apothekennamen, Stadtwappen und sogar Kanaldeckel, die teils seit Jahrhunderten den Mohren im Namen tragen oder abbilden, werden nun als rassistisch empfunden und passen offenbar nicht mehr in unsere ach so aufgekl&auml;rte Zeit. Die Berliner Verkehrsbetriebe sahen sich bereits gen&ouml;tigt, eine U-Bahn-Station umzubenennen und in Coburg tobt ein erbitterter Streit um den Schutzpatron der Stadt, den &bdquo;Coburger Mohr&ldquo;. Die Enkel der Nazis schaffen es wom&ouml;glich sogar, woran ihre Gro&szlig;- und Urgro&szlig;m&uuml;tter und -v&auml;ter gescheitert sind &ndash; den Mohren in Wort und Bild aus dem Stadtbild zu vertreiben. Gerade so, als w&uuml;rde unsere Gesellschaft und unsere Geschichte besser, wenn wir alle paar Jahre Stra&szlig;ennamen &auml;ndern und Denkm&auml;ler entfernen, anstatt aus der Geschichte zu lernen und Dinge, die nicht stromlinienf&ouml;rmig unserer Gesinnung entsprechen, als Stolpersteine zu begreifen, die zum Nachdenken anregen k&ouml;nnen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_530\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62742-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62742-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200707_Der_Mohr_hat_seine_Schuldigkeit_getan_der_Mohr_soll_weichen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Um den &bdquo;Mohrenstreit&ldquo; besser einordnen zu k&ouml;nnen, ist leider ein kurzer geschichtlicher Exkurs notwendig. Der deutsche Begriff &bdquo;Mohr&ldquo; tauchte erstmals in seiner althochdeutschen Form im 8. Jahrhundert auf und stellt eine Ableitung des lateinischen Begriffes &bdquo;Maurus&ldquo; dar, der seinerseits als Ableitung des altgriechischen Begriffs &bdquo;Mauros&ldquo; (deutsch: dunkel) als Adjektiv f&uuml;r die nordwestafrikanische r&ouml;mische Provinz &bdquo;Mauretania&ldquo; verwendet wurde und heute korrekterweise mit &bdquo;maurisch&ldquo; &uuml;bersetzt werden m&uuml;sste, damals aber &ndash; sicher vor allem aufgrund nur rudiment&auml;rer geografischer Kenntnisse &ndash; auch als Synonym f&uuml;r den Begriff &bdquo;afrikanisch&ldquo; verwendet wurde. Im sp&auml;ten Mittelalter wurde aus dem &bdquo;Mohren&ldquo; im Deutschen ein Synonym f&uuml;r die dunkelh&auml;utigen Bewohner des afrikanischen Kontinents. Verantwortlich daf&uuml;r war vor allem eine Legende und der christliche Brauch der Heiligenverehrung. Es geht um den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mauritius_(Heiliger)\">heiligen Mauritius<\/a>, dessen Name sich auf eben jene Wortherkunft begr&uuml;ndet. Im Deutschen wurde aus dem lateinischen Mauritius bzw. Maurus der heute noch verbreitete Name Moritz, der in den vorigen Jahrhunderten oft in der Alltagssprache auch schlicht mit &bdquo;Mohr&ldquo; verk&uuml;rzt wurde. <\/p><p>Mauritius war, so will es die Legende, ein in der damals zum r&ouml;mischen Reich geh&ouml;renden &auml;gyptischen Provinz Theben geborener r&ouml;mischer General, der mit seiner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thebaische_Legion\">thebaischen Legion<\/a> fern der Heimat im Namen des Kaisers in der heutigen Schweiz zur Niederschlagung von Aufst&auml;nden eingesetzt wurde. Da der Christ Mauritius es jedoch ablehnte, Christen zu t&ouml;ten und den r&ouml;mischen Kaiser als Gott anzubeten, wurde er als M&auml;rtyrer im Jahre 290 hingerichtet, am Fu&szlig; des Gro&szlig;en St. Bernhard im Wallis begraben und von den ersten Walliser Bisch&ouml;fen als Symbol f&uuml;r Mut, Charakterst&auml;rke und Tugendhaftigkeit f&uuml;r ihre Missionierungst&auml;tigkeit instrumentalisiert. Was daran Legende und was &uuml;berlieferte Geschichte ist, ist unklar. Klar ist jedoch, dass der Afrikaner, der gem&auml;&szlig; seiner biographischen Daten wohl eher ein hellh&auml;utiger &Auml;gypter war, seitdem vor allem in der Schweiz und sp&auml;ter im S&uuml;den Deutschlands als Schutzheiliger und sp&auml;ter als Ritter-Heiliger verehrt wurde. Letzteres ist vor allem dem ersten r&ouml;misch-deutschen Kaiser Otto I. zu verdanken, der seinen Sieg &uuml;ber die Ungarn in der Schlacht am Lechfeld, die &ndash; wie man damals sagte &ndash; die deutschen St&auml;mme vereinte, auf die g&ouml;ttliche Hilfe des heiligen Mauritius <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mohr#Heiliger_Mauritius\">zur&uuml;ckf&uuml;hrte<\/a> und ihm sp&auml;ter sogar seinen wichtigsten Kirchenbau, den Magdeburger Dom, weihen lie&szlig;. In der Folge wurde der Afrikaner Mauritius so unter den Ottonen und Stauferkaisern zu einem verehrten Reichsheiligen und zum vom Hochadel bevorzugten Kriegerheiligen, dessen Name und Abbildung sich in unz&auml;hligen Familien- und Stadtwappen wiederfinden &ndash; meist in einer zugegebenerma&szlig;en stereotypen Form, hatten die deutschen Heraldiker und Maler des Hochmittelalters doch nur eine sehr grobe Ahnung davon, wie ein Afrikaner eigentlich aussieht. <\/p><p>Zu suggerieren, diese mittelalterlichen Darstellungen seien rassistisch, ist jedoch grotesk. Es war vielmehr so, dass der &bdquo;Mohr&ldquo; Mauritius wegen der ihm zugeschriebenen Tugendhaftigkeit von Hochadel und Kirche verehrt wurde und Name und Bildnisse ausnahmslos in einem positiven Kontext standen. Ein Heiliger, nach dem zahlreiche St&auml;dte (u.a. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saint-Maurice_VS\">Saint Maurice<\/a> im Wallis und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/St._Moritz\">St. Moritz<\/a> im Engadin), Kl&ouml;ster und Kirchen benannt wurden und dessen Abbild in die Wappen von St&auml;dten und Adelsgeschlechtern aufgenommen wurde, sollte damit jedoch ganz sicher nicht aufgrund seiner Herkunft oder Rasse herabgesetzt werden. Interessant ist in diesem Kontext, dass Mauritius in sp&auml;teren Zeiten in Kunst und Heraldik oft hellh&auml;utig dargestellt wurde. Auch dies ist ein Beleg daf&uuml;r, dass die fr&uuml;heren Darstellungen mit afrikanischen Stereotypen ganz sicher keine Herabsetzung, sondern vielmehr eine W&uuml;rdigung dunkelh&auml;utiger Menschen waren.<\/p><p>Womit wir den Exkurs beenden und zum Coburger &bdquo;Mohrenstreit&ldquo; kommen k&ouml;nnen. Der &bdquo;Coburger Mohr&ldquo;, der Schutzpatron der Stadt, <a href=\"https:\/\/www.coburg.de\/startseite\/950Jahre\/demografie\/Stadtwappen-und-Coburger-Mohr.aspx\">ist eben jener heilige Mauritius<\/a>, der im Wappen der Stadt und im Stadtbild auf zahlreichen Wappen, H&auml;usern und seit langer Zeit auch auf den traditionellen Kanaldeckeln verewigt ist. Dies stellt nun f&uuml;r eine Berlinerin eine &bdquo;Diskriminierung, Traumatisierung und Erniedrigung&ldquo; von &bdquo;schwarzen Menschen&ldquo; dar. Daher startete sie mit einer Freundin <a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/zuendfunk\/rassismus-debatte-petition-gegen-das-coburger-stadtwappen-100.html\">eine Petition<\/a>, um den Mohren aus dem Stadtwappen zu verbannen. Was als Posse h&auml;tte enden m&uuml;ssen, hat sich &ndash; dank der neu entflammten Rassismusdebatte in Folge des Mordes an dem Afroamerikaner George Floyd &ndash; zum hei&szlig; debattierten Feuilleton-Thema im Sommerloch entwickelt. <\/p><p>Dies ist einfach grotesk. H&auml;tte die Stadt stattdessen den wei&szlig;en Ritterheiligen St. Georg als Schutzpatron, w&auml;re dies &ndash; gem&auml;&szlig; der Logik der selbsternannten Anti-Rassisten &ndash; kein Problem. Der schwarze Heilige soll jedoch weichen; nicht weil er weniger tugendhaft als der heilige Georg war, sondern wegen seiner Hautfarbe. Genau das ist Rassismus! Wer eine Person aufgrund &auml;u&szlig;erlicher Merkmale &ndash; die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen &ndash; kategorisiert und behandelt, ist per Definition ein Rassist, auch wenn er vorgibt, es doch eigentlich gut zu meinen. <\/p><p>Als traurige Fu&szlig;note der Geschichte sei an dieser Stelle noch erw&auml;hnt, dass die beiden Petitionsschreiberinnen mit ihrem Werk genau das erreichen k&ouml;nnten, was zuletzt die Nazis versucht haben. Das Coburger Rathaus war das erste deutsche Rathaus, an dem bereits 1931 die Hakenkreuzfahnen gehisst wurden und 1934 musste auch der Mohr aus dem Stadtwappen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Coburg_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus\">weichen<\/a> &ndash; er wurde durch einen SA-Dolch mit Hakenkreuz im Knauf in einem von Schwarz und Gold gespaltenen Schild ersetzt. Nur f&uuml;r den Austausch der historischen Kanaldeckel fehlte den Nazis dann zum Gl&uuml;ck die Zeit. Wahrscheinlich werden sie nun in ihren Gr&auml;bern lachen, dass ausgerechnet selbsternannte Anti-Rassisten ihr Werk fortsetzen.<\/p><p>Coburg ist &uuml;berall. Mohrenk&ouml;pfe gibt es als S&uuml;&szlig;speise schon lange nicht mehr, der &bdquo;Sarotti-Mohr&ldquo; wurde durch einen &bdquo;Sarotti-Magier der Sinne&ldquo; ersetzt. Auch in der Schweiz tobt der Streit um die Mohren in den <a href=\"https:\/\/www.nau.ch\/news\/schweiz\/rassismus-debatte-oberweninger-stehen-hinter-ihrem-wappen-65723094\">Stadtwappen<\/a>. In Frankfurt haben es die selbsternannten Anti-Rassisten auf zwei Apotheken <a href=\"https:\/\/www.fnp.de\/frankfurt\/mohren-apotheke-entfernt-logo-10416230.html\">abgesehen<\/a>, die mit ihren traditionellen Namen &bdquo;Zum Mohren&ldquo; bzw. &bdquo;Mohren-Apotheke&ldquo; angeblich rassistisch sind. In Deutschland gibt es &uuml;ber 100 Apotheken, die den &bdquo;Mohr&ldquo; in ihren Namen tragen, teils bereits seit 1578, wie die N&uuml;rnberger Mohren-Apotheke zu St. Lorenz &ndash; hier ist der Namensbestandteil &uuml;brigens eine Reminiszenz an die im Sp&auml;tmittelalter <a href=\"https:\/\/www.deutsche-apotheker-zeitung.de\/news\/artikel\/2016\/10\/21\/von-moehren-mauren-und-dem-heiligen-mauritius\">&uuml;berlegene Medizin und Pharmazie der &bdquo;Mauren&ldquo;<\/a>, die sich seiner Zeit positiv von den &bdquo;wei&szlig;en&ldquo; Badern und Kurpfuschern unterschied, die durch unsere Lande zogen. Auch hier wird aus einem eigentlich positiven Bezug ein so nicht erkennbarer Rassismus fabriziert, der letzten Endes selbst rassistische Untert&ouml;ne hat.<\/p><p>Nicht ganz so einfach ist die Debattenlage im Berliner Streit um die Mohrenstra&szlig;e und die gleichnamige U-Bahn-Station. War der Begriff &bdquo;Mohr&ldquo; im Mittelalter und der vorkolonialen deutschen Geschichte noch neutral konnotiert, &auml;nderte sich dies mit der beginnenden Kolonialisierung und den nationalistischen und rassistischen &Uuml;berlegenheitsd&uuml;nkeln sp&auml;terer Jahre. Nun wurden Afrikaner auch nach Deutschland verschleppt &ndash; zun&auml;chst als Statussymbole in Form von Dienern an Adelsh&ouml;fen, dann als Spielleute beim preu&szlig;ischen Milit&auml;r und schlie&szlig;lich als Ausstellungsobjekte in V&ouml;lkerschauen. <\/p><p>Die Berliner Mohrenstra&szlig;e bekam ihren Namen um das Jahr 1700 herum; der genaue Grund f&uuml;r die Namensgebung ist strittig, steht aber in Verbindung mit der Ansiedlung mit schwarzh&auml;utigen Bewohnern der Stra&szlig;e, die in der damaligen deutschen Sprache als &bdquo;Mohren&ldquo; bezeichnet wurden. Kritiker sehen dies als Diskriminierung, Kritiker der Kritiker, wie der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/auf-zur-rettung-der-mohrenstrasse-li.90318\">Historiker G&ouml;tz Aly<\/a>, vertreten indes die Position, die Namensgebung sei eher ein Zeichen f&uuml;r die &bdquo;Achtung vor anders sprechenden, anders aussehenden Menschen&ldquo; und damit ein positives Symbol f&uuml;r die Epoche der Aufkl&auml;rung. <\/p><p>Soweit muss man ja nicht gehen. Auch wenn der Begriff &bdquo;Mohr&ldquo; in diesen Zeiten als solcher sicherlich kein herabsetzender Begriff war, so war das Bild der Deutschen von Schwarzen damals und mehr noch in der kolonialen wilhelminischen &Auml;ra sicher alles andere als positiv. Was beim <a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/Nickneger\">&bdquo;Nickneger&ldquo;<\/a> (eine Sammelb&uuml;chse in Kirchen) begann, entwickelte sich &uuml;ber heute gruselig empfundene <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%C3%B6lkerschau\">V&ouml;lkerschauen in Tierparks<\/a> bis zum von Deutschen durchgef&uuml;hrten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%C3%B6lkermord_an_den_Herero_und_Nama\">V&ouml;lkermord an den Herero und Nama<\/a> und einem zutiefst rassistischen Weltbild, das sich sp&auml;ter im Nationalsozialismus kumulieren sollte. Als dies schwingt beim Namen &bdquo;Mohrenstra&szlig;e&ldquo; mit. All dies ist jedoch auch kein Grund, eine Stra&szlig;e, die nicht nach den T&auml;tern, sondern nach den Opfern von Rassismus benannt ist, umzubenennen.<\/p><p>Geschichte ist nun einmal nicht gleichf&ouml;rmig und vieles, was heute bestenfalls Kopfsch&uuml;tteln und schlimmstenfalls Scham und Schrecken hervorruft, war fr&uuml;her &bdquo;normal&ldquo;. Dies zu erkennen, ist eigentlich banal. Daraus auch zu lernen, ist jedoch elementar und unverzichtbar, will man aus seiner Geschichte lernen. Wer die Schattenseiten seiner Geschichte stets verdr&auml;ngt und alles, was an sie ermahnt, dem Zeitgeist folgend umbenennt oder aus dem Stadtbild verbannt, bringt sich jedoch um die Chance, tagt&auml;glich &uuml;ber seine Geschichte zu reflektieren und daraus die richtigen Schl&uuml;sse zu ziehen. Wenn wir unser Stadtbild von s&auml;mtlichen Stolpersteinen befreien, laufen wir zwar bequemer, vergessen jedoch auch schneller. Der unselige Streit um den &bdquo;Coburger Mohren&ldquo; zeigt, dass wir bereits viel zu viel vergessen haben; offenbar k&ouml;nnen wir uns gar nicht mehr vorstellen, dass der &bdquo;Mohr&ldquo; &uuml;ber fast zwei Jahrtausende hinweg in unserer Kultur &uuml;berhaupt nicht negativ besetzt war. Wer ihn nun aus unserem Stadtbild verbannen will, ist daher eher &ndash; sicher ohne es zu wissen oder gar zu wollen &ndash; ein geistiges Kind der dunkleren Perioden unserer Geschichte. W&auml;re es nicht sch&ouml;n, wenn kommenden Generationen auch dank solcher Stolpersteine diese Erfahrung erspart bliebe?<\/p><p>Titelbild: &copy; Stadt Coburg<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/c591a43d7fdb4902846ddd1319fdfa4e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn des Sommerlochs treibt die neu entflammte Rassismusdebatte seltsame Bl&uuml;ten. Selbsternannte Anti-Rassisten haben jetzt ihren gerechten Zorn auf das &bdquo;M-Wort&ldquo; fokussiert. 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