{"id":62779,"date":"2020-07-08T11:56:03","date_gmt":"2020-07-08T09:56:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62779"},"modified":"2020-07-09T14:23:51","modified_gmt":"2020-07-09T12:23:51","slug":"venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-john-r-boltons-memoiren-und-die-oval-office-kriegsspiele-donald-trumps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62779","title":{"rendered":"\u201eVenezuela zu erst\u00fcrmen, w\u00e4re cool!\u201c \u2013 John R. Boltons Memoiren und die Oval-Office-Kriegsspiele Donald Trumps"},"content":{"rendered":"<p>Knapp zwei Monate vor dem Parteitag der Republikanischen Partei, der zwischen dem 24. und 27. August den offiziellen Parteikandidaten der konservativen GOP (&bdquo;Grand Old Party&ldquo;) f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahl vom kommenden 3. November 2020 nominieren wird, ist der amtierende und zur Wiederwahl antretende US-Pr&auml;sident Donald Trump zugleich Protagonist und Zielscheibe von zwei Buchver&ouml;ffentlichungen mit gewaltigem Z&uuml;ndstoff. Zum einen in den Wei&szlig;es-Haus-Memoiren seines 2019 gefeuerten Sicherheitsberaters John R. Bolton, <em>The Room Where It Happened<\/em> (Der Raum, in dem es passiert ist), zum anderen in der familienpolitischen Abrechnung seiner Nichte Mary L. Trump, <em>Too Much And Never Enough: How My Family Created the World&rsquo;s Most Dangerous Man<\/em> (Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gef&auml;hrlichsten Mann der Welt erschuf); beide herausgegeben vom renommierten Verlag Simon &amp; Schuster, heute im Besitz des Medienkonzerns ViacomCBS Inc., seinerseits mehrheitlich kontrolliert von Investment-Fonds wie The Vanguard Group und BlackRock. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1892\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62779-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62779-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200708-Venezuela-zu-erstuermen-waere-cool-John-Boltons-Memoiren-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem Ausz&uuml;ge von Boltons Buch den Medien l&auml;ngst vor dem offiziellen Erscheinungsdatum gezielt zugespielt worden waren, z&ouml;gerte Donald Trump nicht mit einer Klage wegen angeblichem Verrat von Staatsgeheimnissen. Die Klage wurde zwar vom New Yorker Bezirksrichter Royce Lamberth als hemds&auml;rmelig begr&uuml;ndet <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/news\/2020\/06\/19\/judge-trump-john-bolton-lamberth-329665\">zur&uuml;ckgewiesen<\/a>, Bolton jedoch vor m&ouml;glichen strafrechtlichen Folge-Klagen gewarnt.<\/p><p>Mit &auml;hnlichen Argumenten, wie der Sicherung des Anrechts auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung, hatte ein anderer Richter die Klage von Trumps Bruder Robert gegen das Buch ihrer gemeinsamen Nichte abgelehnt, doch Richter Hal B. Greenwald vom Obersten Gerichtshof des Staates New York ordnete das <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2020\/06\/30\/media\/mary-trump-book\/index.html\">vor&uuml;bergehende Verbot des Buchvertriebs<\/a> an. Ebenso wie Robert Trump appellierte, versprach umgekehrt Mary L. Trumps prominenter Anwalt Ted Boutrous &ndash; der in der Vergangenheit u.a. den TV-Sender CNN vertreten hat &ndash; in Revision zu gehen, weil die richterliche Anordnung &bdquo;rundweg gegen den First Amendment&ldquo; &ndash; den 1. Zusatzartikel des als Bill of Rights bezeichneten Grundrechtekatalogs der US-Verfassung &ndash; versto&szlig;e.<\/p><p><strong>Donald Trumps konservative Basis schmilzt weg<\/strong><\/p><p>Die B&uuml;cher-Polemik k&ouml;nnte nun vereinfachend als Schattenspiel-Inszenierung hoher Tiere des US-Establishments zur medialen Er&ouml;ffnung der Pr&auml;sidentschaftskampagne gesehen werden. Bolton-Kenner, die ihm Charakterschw&auml;chen wie Vergeltungstrieb nachsagen, sinnieren, der Zeitpunkt des Memoiren-Publishings k&ouml;nne eine Rache des Autors gegen seine fristlose Entlassung sein und das Ziel verfolgen, Trumps Wahlchancen zu torpedieren.<\/p><p>Allerdings wird der amtierende Pr&auml;sident und weiterregieren wollende Milliard&auml;r in diesen Tagen sowohl auf den Stra&szlig;en der USA als auch vom Mainstream und Medien links von ihm mit schweren Anschuldigungen konfrontiert, die nicht in den Bolton-Memoiren stehen. Neue ger&auml;uschvolle B&uuml;rgerproteste erheben sich gegen Trumps katastrophale Handhabung der Covid-19-Pandemie. Die <a href=\"https:\/\/www.citizen.org\/news\/trump-death-clock-circles-white-house-trump-international-hotel-during-fourth-of-july-celebrations\/\">Death-Clock<\/a> (Totenz&auml;hler) auf dem New Yorker Broadway und ein gleichnamiger LKW, der am Nationalfeiertag des 4. Juli vor dem Wei&szlig;en Haus auffuhr, schmettern tagt&auml;glich dem ultrakonservativen Staatschef sein unverantwortliches und menschenverachtendes Verhalten mit haneb&uuml;chenen und trostlosen Pandemie-Zahlen entgegen, die sich nach dem Stand vom 4. Juli auf ann&auml;hernd 3 Millionen Infizierte und &uuml;ber 130.000 Virus-Tote summieren.<\/p><p>Der Schlachtruf #NoMoreTrump findet mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/explore\/tags\/nomoretrump\/\">starke Verbreitung<\/a>. Mit dem gleichen Aufruf hatte eine Kampagne in Venezuela bis Mitte September 2019 stolze <a href=\"https:\/\/www.telesurtv.net\/news\/venezuela-culmina-campana-no-more-trump-20190915-0026.html\">13 Millionen Unterschriften gegen die US-Sanktionen<\/a> gesammelt.<\/p><p>Trumps Ausgangslage ist vier Monate vor der Wahl alles andere als g&uuml;nstig. Was im November passiert, steht auf einem anderen Blatt. Seine Zustimmungsrate sank jedenfalls am 20. Juni auf den bisher <a href=\"https:\/\/www.axios.com\/trumps-approval-rating-sinks-to-lowest-point-yet-1513303108-83a3109b-04d0-44a2-b9ab-7677d7ba9781.html\">niedrigsten Stand von 36 Prozent<\/a> und in den ersten Meinungsumfragen liegt Trump 17 Prozentpunkte hinter Barack Obamas ehemaligem Vize und <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/as-primary-voting-nears-joe-biden-remains-strong-with-black-democrats-11579538921\">Herausforderer Joe Biden<\/a>.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/americas\/bolton-trump-joe-biden-vote-2020-election-a9578741.html\">John Bolton dementierte<\/a> zwar, er werde Biden w&auml;hlen, erkl&auml;rte jedoch auch, warum er nicht Trump w&auml;hlen will: &bdquo;Ich glaube nicht, dass er f&uuml;r das Amt geeignet ist, dass er die Kompetenz hat.&ldquo; und &bdquo;Ich glaube nicht, dass er ein konservativer Republikaner ist. Ich werde ihn im November nicht w&auml;hlen. Ich werde sicherlich auch nicht f&uuml;r Joe Biden stimmen. Ich werde einen (anderen) konservativen Republikaner finden, dessen Namen ich ankreuzen kann.&ldquo; Das Festhalten am konservativen Kurs hinderte wiederum hunderte ehemalige Funktion&auml;re der George-W.-Bush-Administration nicht daran, zu Joe Biden &uuml;berzulaufen. &bdquo;Sie sind alarmiert &uuml;ber das Verhalten von Pr&auml;sident Trump im Amt&ldquo;, vermerkte <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/campaign\/505425-alumni-of-george-w-bush-administration-form-super-pac-to-back-biden\">das Internet-Magazin <em>Hill<\/em><\/a>.<\/p><p><strong>Mauerbau zu Mexiko mit 600 Millionen Dollar aus beschlagnahmten venezolanischen Konten finanziert<\/strong><\/p><p>Im weltweiten Aufschrei gegen die Wiederwahl Donald Trumps scheint sich der Aufruf zur politischen und menschenw&uuml;rdigen Gesundung des Planeten mit dem Gebot der Sittlichkeit, vor allem in finanziellen Angelegenheiten, zu vermischen. Und in der Tat zieht sich in den vielf&auml;ltigen Vorw&uuml;rfen gegen die spezifische Unehrlichkeit und politische Unversch&auml;mtheit des Pr&auml;sidenten ein roter Faden von New York &uuml;ber die Grenze zu Mexiko bis nach Caracas.<\/p><p>In ihrer Buchank&uuml;ndigung <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-us-canada-53058811\">behauptete Trumps Nichte<\/a> bereits in einer mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Reportage der New York Times, der Pr&auml;sident habe &bdquo;betr&uuml;gerische&rdquo; Steuertricks angewendet, um sich mehr als 400 Millionen US-Dollar vom Immobilienimperium seines Vaters unter den Nagel zu rei&szlig;en und damit den gesamten Familienclan bei der Erbverteilung zu betr&uuml;gen. Wenn von Anh&auml;ngern des Pr&auml;sidenten die Buch-Abrechnung der New Yorker PhD, Psychologin und &bdquo;Black-Lives-Matter&ldquo;-Aktivistin Mary L. Trump als blo&szlig;er &bdquo;Familienklatsch&ldquo; abgetan wird, was soll man dann davon halten, dass Donald Trump 2019 das US-Finanzministerium dazu n&ouml;tigte, 601 Millionen US-Dollar <a href=\"https:\/\/www.univision.com\/univision-news\/latin-america\/legal-battle-over-venezuelas-looted-billions-heats-up\">aus eingefrorenen US-Konten Venezuelas &bdquo;abzuziehen&ldquo;<\/a> &ndash; man lese: zu usurpieren &ndash; um den Bau der Grenzmauer gegen Migranten zu finanzieren?<\/p><p><strong>&bdquo;Bad cop&ldquo; Bolton, der globale Kriegstreiber<\/strong><\/p><p>Doch wer ist John R. Bolton? Der Jurist aus lutherischem Hause war von 1985 bis 1989 stellvertretender Generalstaatsanwalt der USA w&auml;hrend der Regierung Ronald Reagan. Von 1989 bis 1993 war er im Au&szlig;enministerium als stellvertretender Staatssekret&auml;r f&uuml;r internationale Angelegenheiten und von 2001 bis 2005 als Staatssekret&auml;r f&uuml;r R&uuml;stungskontrolle und internationale Sicherheitsangelegenheiten t&auml;tig. Bolton war ein hei&szlig;bl&uuml;tiger Verfechter des Irak-Krieges und Direktor des Think Tanks &bdquo;Projekte f&uuml;r das neue amerikanische Jahrhundert&ldquo;, das den Krieg gegen den Irak bef&uuml;rwortete. Nach dem Interregnum der von der Demokratischen Partei gef&uuml;hrten US-Regierungen kehrte Bolton nach seiner Nominierung durch Pr&auml;sident Donald Trump 2018 als Sicherheitsberater ins Wei&szlig;e Haus zur&uuml;ck, wurde jedoch vorzeitig 2019 wegen un&uuml;berwindbaren Kontroversen von Trump entlassen.<\/p><p>Zu den peinlichsten Enth&uuml;llungen der Bolton-Memoiren &uuml;ber Trump geh&ouml;ren seine &bdquo;Besessenheit von der Wiederwahl&ldquo;, sein Hilfeersuchen an China, die Wiederwahl zu sichern, der Vorwurf, der Pr&auml;sident helfe Diktatoren (darunter Recep T. Erdo&#287;an aus der T&uuml;rkei und Nordkoreas Kim Jong-Un) und seine Begeisterung f&uuml;r eine Invasion Venezuelas &ndash; &bdquo;das w&auml;re cool!&ldquo;, soll Donald Trump geschw&auml;rmt haben. In den Memoiren ist eine 35 Seiten lange Chronik &bdquo;Venezuela Libre&ldquo; &ndash; hier <a href=\"https:\/\/www.aporrea.org\/media\/2020\/06\/traduccion_del_esti_capitulo_venezuela_libro_de_bolton.pdf\">in spanischer &Uuml;bersetzung<\/a> &ndash; der desastr&ouml;sen Interventionspolitik der US-Regierung gegen&uuml;ber dem Chavismo gewidmet und beschreibt den verh&auml;ngnisvollen Aufbau Juan Guaid&oacute;s zu &bdquo;our man in Caracas&ldquo;.<\/p><p>Doch stimmt alles, was Bolton hier niederschrieb? Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, dass es sich um einen Rundumschlag gegen das Versagen der gesamten US-Regierung im Fall Venezuela handelt. Vor allem aber erz&auml;hlt hier die Stimme eines eingefleischten &bdquo;warmongers&ldquo;, also eines kaltbl&uuml;tigen Kriegstreibers. Die investigative Plattform The Intercept <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/09\/10\/john-bolton-tried-his-best-to-draw-the-u-s-into-a-war-luckily-he-failed\/\">erinnerte k&uuml;rzlich<\/a> an einen der fr&uuml;hen verbalen Ausf&auml;lle des Neocon-Falken, als er 2005, in der Rolle des UN-Botschafters der George-W.-Bush-Regierung, die hasserf&uuml;llte Ironie aussprach, es mache &bdquo;keinen Unterschied, wenn das Hauptquartier der Vereinten Nationen um 10 Stockwerke zusammenschrumpfen w&uuml;rde&ldquo;. F&uuml;nfzehn Jahre sp&auml;ter avancierte jedenfalls Boltons Verachtung f&uuml;r die UN und die internationalen Institutionen schlechthin zur au&szlig;enpolitischen Doktrin der Regierung Donald Trump, wie ihr Vorgehen gegen die Welthandels-Organisation (WTO), die UNESCO, den Internationalen Strafgerichtshof in den Haag und neuerdings gegen die Weltgesundheits-Organisation (WHO) verdeutlichen.<\/p><p>Bolton war es, der, kaum zum Sicherheitsberater ernannt, im Mai 2018 die US-Regierung zur K&uuml;ndigung des Nuklearabkommens mit dem Iran &uuml;berredete und State Department plus Pentagon die Eskalierung anriet. Die K&uuml;ndigung des &uuml;ber Jahre hinweg m&uuml;hevoll ausgearbeiteten Vertrages war ihm offenbar als Troph&auml;e derartig bedeutend, dass er eine gerahmte Kopie der &bdquo;Executive Order&ldquo; in seinem B&uuml;ro aufh&auml;ngte. Auf einen kurzen Nenner gebracht und unabh&auml;ngig jeglicher Ergebnisse wird Boltons Strategie im Amt als die kontinuierliche Torpedierung der Diplomatie mit einer m&ouml;glichst hochgradig aggressiven internationalen Positionierung der USA definiert.<\/p><p>Ein Beispiel f&uuml;r den angeratenen bellizistischen Kurs war Boltons fr&uuml;hzeitige Empfehlung, den Iran zu bombardieren; zweifellos ein Wunsch Israels, der nicht von allen US-Funktion&auml;ren geteilt wurde. <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2015\/03\/26\/opinion\/to-stop-irans-bomb-bomb-iran.html\">&bdquo;To Stop Iran&rsquo;s Bomb, Bomb Iran&ldquo;<\/a>, hatte der Kriegstreiber einen Op-ed-Leitartikel in der New York Times vom 26. M&auml;rz 2015 betitelt.<\/p><p>Bolton sch&auml;tzte, die US-Gegner w&uuml;rden vor dem harten Auftreten der USA kapitulieren. Doch das Kalk&uuml;l des &bdquo;bad cops&ldquo; (des b&ouml;sen Bullen), die USA intensiver zum &bdquo;Weltpolizisten&ldquo; aufzubauen, schlug auf der ganzen Linie fehl. Der Iran gab nicht nach und wurde, im Gegenteil, zur Renuklearisierung gedr&auml;ngt. Mehr noch: Seitdem die USA Sanktionen verh&auml;ngt haben, um die iranischen &Ouml;lexporte auf null zu bringen und die Wirtschaft zu l&auml;hmen, ist die iranische Regierung weder zusammengebrochen noch hat sie den Forderungen der USA nachgegeben. Nach der Einstufung der Islamischen Revolutionsgarde als &bdquo;Terroristen-Organisation&ldquo;, nach neuen Truppen- und Tr&auml;gereins&auml;tzen im Nahen Osten, nach einem US-Cyberangriff gegen den Iran, nachdem die USA eine iranische Drohne abgeschossen hatten, und selbst nachdem Trump getwittert hatte, die USA h&auml;tten den Iran &bdquo;fast bombardiert&ldquo;, hat sich der aggressive au&szlig;enpolitische Kurs der Trump-Administration auf Boltons Gehei&szlig; nicht ausgezahlt.<\/p><p><strong>&bdquo;Venezuela geh&ouml;rt in Wirklichkeit zu den USA&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nicht anders erging es den Regime-Change-Pl&auml;nen Boltons f&uuml;r Venezuela. S&auml;mtliche Versuche einer milit&auml;rischen Intervention, angef&uuml;hrt von der von Bolton aufgebauten Marionette Juan Guaid&oacute;, endeten als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60837\">erb&auml;rmliches Fiasko<\/a>.<\/p><p>Im Kapitel &bdquo;Venezuela Libre&ldquo; zitiert Bolton mit ged&auml;mpft ironischem Unterton jenen Satz, mit dem Donald Trump im Oval Office herausplatzte: &bdquo;Venezuela zu erst&uuml;rmen, w&auml;re cool, schlie&szlig;lich geh&ouml;rt das Land ja zu den USA &hellip;&ldquo;.<\/p><p>Die erste Reaktion des Lesers ist &ndash; fern jeder Ideologie, und zwar auf dem Boden von Geschichte und Geographie &ndash; die Emp&ouml;rung &uuml;ber eine derartig platte und freche imperialistische Anma&szlig;ung. Doch wer Boltons Vita nicht kennt, regt sich hier &uuml;ber den Falschen auf. Mit Nachdruck vertritt der rechtsextreme Jurist die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin von 1823. Damit erhob der damalige US-Pr&auml;sident James Monroe das Prinzip der Nichteinmischung Europas in die Angelegenheiten der neuen unabh&auml;ngigen Staaten auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, behielt aber den USA das Recht vor, im Falle der Bedrohung seiner Sicherheit in jedes dieser L&auml;nder einmarschieren zu d&uuml;rfen. So sollte Kuba im Austausch f&uuml;r die US-Hilfe im Krieg gegen Spanien nachtr&auml;glich die Besetzung der Insel hinnehmen und so wurde 1888 Puerto Rico &uuml;berfallen und zum US-Territorium deklariert.<\/p><p>Die in gesamt Lateinamerika als kolonialistisch und imperialistisch verschriene Monroe-Doktrin wagte in den vergangenen Jahrzehnten kaum eine US-Regierung in den Mund zu nehmen. Doch einer tat es: John R. Bolton. Im Venezuela-Kapitel seiner Memoiren und davor &ouml;ffentlich. Zum Beispiel w&auml;hrend einer Rede im April 2019 in Miami. <em>The Economist<\/em> war zuf&auml;llig anwesend und registrierte mit Befremden <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/leaders\/2019\/05\/09\/john-bolton-and-the-monroe-doctrine\">Boltons Worte<\/a>, als er behauptete, die &bdquo;Monroe-Doktrin ist am Leben und gut&ldquo;. Der Verweis auf das zweihundert Jahre alte Bekenntnis der wei&szlig;en, imperialistischen Gr&uuml;ndungsv&auml;ter der USA wurde diesmal als Warnung an Russland und China verstanden, sich nicht in den sogenannten &bdquo;amerikanischen Hinterhof&ldquo; &ndash; sprich: in Lateinamerika &ndash; einzumischen. &bdquo;Herr Bolton gab der Doktrin neues Leben, indem er neue Wirtschaftssanktionen gegen Kuba, Nicaragua und Venezuela ank&uuml;ndigte, die er gerne als &bdquo;Troika der Tyrannei&ldquo; bezeichnet&ldquo;, kommentierte das britische Wirtschaftsmagazin.<\/p><p>Glaubt man dem Memoiren-Narrativ Boltons, war Venezuela zun&auml;chst keine nationale Sicherheitspriorit&auml;t der USA. Vielleicht keine &bdquo;oberste&ldquo;, doch bereits im M&auml;rz 2015 erkl&auml;rte Trumps Vorg&auml;nger Barack Obama, Venezuela stelle eine &bdquo;Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA&ldquo; dar, und <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/obama-declares-venezuela-a-threat-to-us-national-security-2015-3?r=DE&amp;IR=T\">ordnete die ersten US-Sanktionen an<\/a>. &bdquo;Wenn es um Venezuela geht, tritt Trump in die Fu&szlig;stapfen Obamas&ldquo;, <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2017\/06\/01\/when-it-comes-to-venezuela-trump-follows-in-obama-footsteps\/\">folgerte bereits vor drei Jahren<\/a> die Zeitschrift Foreign Policy; allerdings eine Folgerung, die Bolton nicht ohne Weiteres mit den kriegstreibenden Konkurrenten der Demokratischen Partei teilen, sondern als seine eigene Agenda sehen will.<\/p><p>Mit den engeren Beziehungen der Regierung Nicol&aacute;s Maduro zu Kuba, China, Russland und dem Iran, als Folge der US-Sanktionen und der zunehmenden Blockade, &auml;nderte sich die Einsch&auml;tzung zusehends ab 2019. Hinzu kam der Disput Venezuelas mit dem Nachbarland Guyana um das Esequibo-Grenzgebiet mit beachtlichen &Ouml;lvorkommen, die nach US-Planungen von Exxon Mobil ausgebeutet werden sollen. Weswegen Bolton im Kapitel &bdquo;Venezuela Libre&ldquo; sinniert, es gehe nicht nur um Demokratie und Menschenrechte in Venezuela, sondern auch darum, milliardenschwere Profite zu sch&ouml;pfen, die Energieversorgung der USA in der westlichen Hemisph&auml;re zu sichern und Trumps Devise &bdquo;America first!&ldquo; zu verwirklichen.<\/p><p><strong>Juan Guaid&oacute;, das &bdquo;zarte J&uuml;ngelchen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Doch es kam anders. Juan Guaid&oacute; entpuppte sich als gro&szlig;m&auml;uliger, unzuverl&auml;ssiger Schw&auml;chling, das venezolanische Milit&auml;r spaltete sich nicht und Nicol&aacute;s Maduro sitzt fester im Sattel denn je.<\/p><p>Daf&uuml;r macht Bolton in seinem 35-seitigen Venezuela-Kapitel die gesamte Trump-Administration &ndash; von Finanzminister Steve Mnuchin &uuml;ber die B&uuml;rokraten des State Department bis hin zu Au&szlig;enminister Mike Pompeo und nat&uuml;rlich Pr&auml;sident Trump &ndash; verantwortlich. Auch Juan Guaid&oacute; bleibt &auml;tzende Kritik nicht erspart, ebenso wenig dem konservativen kolumbianischen Pr&auml;sidenten Iv&aacute;n Duque. Ausgenommen davon sind die beiden &bdquo;Architekten&ldquo; der Katastrophe, n&auml;mlich der rechtsradikale Kuba-Amerikaner Mauricio Claver-Carone &ndash; von Bolton seinerzeit als Hauptdirektor des Nationalen Sicherheitsrates f&uuml;r die westliche Hemisph&auml;re nominiert &ndash; und Autor John R. Bolton selbst.<\/p><p>Neben Erfindungen, Halbwahrheiten, Propaganda und Eigenlob sorgt indes Boltons Note zur Beschreibung Guaid&oacute;s durch Donald Trump f&uuml;r wohltemperiertes Leser-L&auml;cheln. Ausz&uuml;ge aus Boltons Buch wollen belegen, dass der US-Pr&auml;sident seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Juan Guaid&oacute; bereits 30 Stunden nach seiner Selbsterkl&auml;rung zum &bdquo;Interimspr&auml;sidenten&ldquo; Venezuelas zur&uuml;ckziehen wollte.<\/p><p>Der gefeuerte Sicherheitsberater moniert, dass Trump Juan Guaid&oacute; nie sehr ernstgenommen habe. In Anlehnung an den demokratischen Politiker-&bdquo;Sch&ouml;nling&ldquo; Beto O&rsquo;Rourke gab Trump im Fr&uuml;hjahr 2019 Guaid&oacute; den Spitznamen &bdquo;Beto O&rsquo;Rourke von Venezuela&ldquo;. Im darauffolgenden November 2019 nannte Trump O&rsquo;Rourke einen &bdquo;armen Bastard&ldquo;; der Seitenhieb war doppeldeutig und bezog Caracas mit ein. Trump bezweifelte au&szlig;erdem, dass Maduro fallen w&uuml;rde, und bezeichnete ihn als zu klug und zu hart. Guaid&oacute; hingegen beschrieb er vergleichbar als &bdquo;zartes J&uuml;ngelchen&ldquo;.<\/p><p>Bolton berichtet jedoch auch, Trump sei erst nach einem Telefongespr&auml;ch mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin im Mai 2019 &bdquo;weitgehend davon &uuml;berzeugt&rdquo; worden, dass der Sturz Nicol&aacute;s Maduros ein aussichtsloses Unterfangen sei; eine Gelegenheit, bei der Putin Guaid&oacute; ironisch mit Trumps Rivalin Hillary Clinton verglich, was Bolton wiederum als &bdquo;brillante Propaganda-Darstellung im sowjetischen Stil&rdquo; bezeichnete.<\/p><p>Ja, Trumps wiederholte &Uuml;berlegung, sich pers&ouml;nlich mit Nicol&aacute;s Maduro zu treffen, beschreibt Bolton mit k&uuml;hler Verachtung. Das erneute Angebot des Pr&auml;sidenten vom vergangenen Juni mag sehr wohl ein Wahltrick und Wink in Richtung der Latino-Amerikaner aus dem demokratischen Lager gewesen sein. Jedenfalls scheint die Dialogbereitschaft mit dem gew&auml;hlten und nicht selbsternannten Pr&auml;sidenten Venezuelas die kalten Krieger und Kriegstreiber quer durch beide Parteien des Establishments zu vereinen. Joe Biden setzte sofort am 21. Juni einen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/JoeBiden\/status\/1274910217508196352\">donnernden Tweet<\/a> mit den Worten ab, &bdquo;Trump w&auml;hlt harte Worte beim Thema Venezuela, bewundert aber Schl&auml;ger und Diktatoren wie Nicolas Maduro. Als Pr&auml;sident werde ich mich f&uuml;r das venezolanische Volk und f&uuml;r die Demokratie einsetzen&ldquo;. Inzwischen r&uuml;ckte der amtierende Pr&auml;sident von seinem Angebot ab. Wenn &uuml;berhaupt, dann wolle er mit Maduro &uuml;ber den Termin seines Abgangs reden.<\/p><p>Klage gegen John R. Bolton hin, Klage her. Auch Donald Trump wollte sich keinen Klartext &uuml;ber die Memoiren seines Ex-Sicherheitsberaters ersparen und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realdonaldtrump\/status\/1273468029712707584\">twitterte am 18. Juni<\/a>, &bdquo;Wacko (Spinner) John Boltons &bdquo;au&szlig;erordentlich langweiliges Buch&ldquo; (New York Times) besteht aus L&uuml;gen und falschen Angaben. In gedruckter Form sagte er stets alles Gute &uuml;ber mich, bis zu dem Tag, an dem ich ihn gefeuert habe. Ein ver&auml;rgerter, langweiliger Dummkopf, der nur in den Krieg ziehen wollte. Hatte nie eine Ahnung, wurde ge&auml;chtet und freudig ausgeladen. Was f&uuml;r ein Trottel!&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: paparazzza\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp zwei Monate vor dem Parteitag der Republikanischen Partei, der zwischen dem 24. und 27. August den offiziellen Parteikandidaten der konservativen GOP (&bdquo;Grand Old Party&ldquo;) f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahl vom kommenden 3. November 2020 nominieren wird, ist der amtierende und zur Wiederwahl antretende US-Pr&auml;sident Donald Trump zugleich Protagonist und Zielscheibe von zwei Buchver&ouml;ffentlichungen mit gewaltigem Z&uuml;ndstoff.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62779\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":62780,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,174,190],"tags":[282,1460,2315,1334,2565,1426,951,2301,1222,1800,1556,1333,1019],"class_list":["post-62779","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-usa","category-wahlen","tag-buergerproteste","tag-biden-joe","tag-bolton-john","tag-erdoel","tag-guaido-juan","tag-hegemonie","tag-iran","tag-konfrontationspolitik","tag-pandemie","tag-trump-donald","tag-usa","tag-venezuela","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/shutterstock_1411557380.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62779"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62825,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62779\/revisions\/62825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}