{"id":62796,"date":"2020-07-09T09:00:34","date_gmt":"2020-07-09T07:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62796"},"modified":"2026-01-27T11:36:50","modified_gmt":"2026-01-27T10:36:50","slug":"timm-koch-wasserstoffgedanke-bedeutet-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62796","title":{"rendered":"Timm Koch: Wasserstoffgedanke bedeutet die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;In Industrie und Gesellschaft spricht sich allm&auml;hlich herum, dass der Wasserstoffgedanke die Zukunft bedeutet.&ldquo; Das sagt <strong><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Das-Supermolekuel.html\">Timm Koch<\/a><\/strong>, der sich mit dem &bdquo;Super-Molek&uuml;l&ldquo; Wasserstoff auseinandersetzt. Der Autor beobachtet die aktuellen Vorst&ouml;&szlig;e der Bundesrepublik in Sachen Wasserstoff genau und sieht Licht und Schatten. Die Bundesregierung habe ein gutes Ausgangspapier, das allerdings Schw&auml;chen aufweise. Ein Interview &uuml;ber die neuesten politischen Entwicklungen zum Thema Wasserstoff und die M&ouml;glichkeiten, diese Technologie weiter voranzutreiben. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_988\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62796-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62796-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200709_Timm_Koch_Wasserstoffgedanke_bedeutet_die_Zukunft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>&bdquo;Deutschland wird dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, wie wir es vor 20 Jahren bereits mit der F&ouml;rderung der erneuerbaren Energien getan haben.&ldquo; Die Aussage stammt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, es geht um die Wasserstofftechnologie. <\/strong><br>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OX9nzEMg1Nk\">Herr Koch<\/a>, was halten Sie von dem Vorsto&szlig; der Bundesregierung?<\/strong><\/p><p>Bei der F&ouml;rderung der erneuerbaren Energien l&auml;uft einiges schief. Hier wird der Preis f&uuml;r &Ouml;kostrom k&uuml;nstlich hochgehalten, w&auml;hrend gleichzeitig unser Ausstieg aus der dreckigen Kohleverstromung bis ans Ende des n&auml;chsten Jahrzehnts verschoben wird. Da w&uuml;rde ich mich an Stelle des Ministers nicht so auf die Brust schlagen. An der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung st&ouml;rt mich das Wort &bdquo;National&ldquo;. Das bekommen wir in letzter Zeit viel zu h&auml;ufig zu h&ouml;ren. Abgesehen davon halte ich das Papier f&uuml;r durchaus ambitioniert. Zudem wird es flankiert von der Norddeutschen und der Bayerischen Wasserstoffstrategie. Die Nordlichter beabsichtigen, bis 2030 f&uuml;nf Gigawatt Elektrolyseleistung in Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu realisieren. Es geht also vornehmlich darum, den &uuml;ppig vorhandenen Windstrom in Form von &bdquo;gr&uuml;nem&ldquo; H2 zu veredeln; sprich ihn lager-, transport- und somit auch grundlastf&auml;hig zu machen. Bayern hingegen stellt seine Strategie auf folgende drei S&auml;ulen:<\/p><ol>\n<li>Innovation und Technologief&uuml;hrerschaft anstreben und weltweite Marktpotentiale erschlie&szlig;en und ausbauen.<\/li>\n<li>Industrielle Skalierung und Wirtschaftlichkeit beschleunigen.<\/li>\n<li>Wasserstoffanwendungen in Verkehr und Industrie und den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur beschleunigt vorantreiben. (Quelle: Bayerische Wasserstoffstrategie)<\/li>\n<\/ol><p>Ich habe Markus S&ouml;der ein Exemplar meines Buches zukommen lassen. Er hat sich zwar nicht bedankt, aber wenigstens scheint er es gelesen zu haben. In S&uuml;ddeutschland f&uuml;rchtet man aufgrund der taumelnden Autoindustrie um die Zukunftsf&auml;higkeit des Wirtschaftsstandortes. H2 soll den Neuanfang bringen.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie uns bitte schildern: Worum geht es konkret? Was hat die Bundesregierung vor?<\/strong><\/p><p>Insgesamt enth&auml;lt das Papier 38 konkrete Ma&szlig;nahmen. Sie betreffen die Erzeugung &bdquo;gr&uuml;nen&ldquo; Wasserstoffs, seine Anwendungsgebiete, F&ouml;rderung des Markthochlaufes, Forschung, Infrastruktur, Innovation und die Einbindung des Ganzen in EU-Prozesse. Sie alle aufzuz&auml;hlen und zu kommentieren, w&uuml;rde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Ich beschr&auml;nke mich also auf einige wenige Punkte, die ich f&uuml;r besonders erw&auml;hnenswert halte: Ma&szlig;nahme Nummer 1 beinhaltet die seit langer Zeit von Vertretern der Branche geforderte Abschaffung der EEG-Umlage auf die Produktion von gr&uuml;nem Wasserstoff. Bisher werden die Produzenten dieses Stoffs, der ja in Wahrheit ein Speicher f&uuml;r ansonsten ungenutzt verpuffenden gr&uuml;nen Strom ist, preislich wie Endabnehmer behandelt. Weiterhin soll der Ausbau eines H2-Tankstellennetzes gerade auch f&uuml;r den Schwerlastverkehr gef&ouml;rdert werden, ebenso wie Reallabore, in denen Power-to-X-Systeme [Anmerkung Redaktion: Eine Erkl&auml;rung zu diesen Systemen findet sich etwa <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/power-to-x-technologien-sind-reif-fuer-den-markt\/1658524\">hier<\/a>] im industriellen Ma&szlig;stab untersucht werden sollen.<\/p><p><strong>Da k&ouml;nnte man doch sagen: Das ist ein Anfang, oder? <\/strong><\/p><p>Es ist ein gutes Ausgangspapier, das allerdings auch eine Reihe von Schw&auml;chen aufweist. Im Flugverkehr zum Beispiel sollen demn&auml;chst verst&auml;rkt synthetische Treibstoffe zum Einsatz kommen. Das muss man sich folgenderma&szlig;en vorstellen: Gr&uuml;ner Wasserstoff wird mit dem Kohlendioxid aus alten, dreckigen Industrien, wie etwa der Kohleverstromung, synthetisiert und so ein Kraftstoff generiert, der eine fl&uuml;ssige Form hat. Dieser kann dann weiterhin in bekannter Form von Flugzeugd&uuml;sen verbrannt werden &ndash; und zwar in unserer Atmosph&auml;re, wo CO2 bekannterma&szlig;en besonders klimawirksam auftritt. Es gibt in zehn Kilometern H&ouml;he ja auch keine B&auml;ume, die das Zeug wieder aus der Luft herausholen k&ouml;nnten.<\/p><p>Eine wirkliche Alternative w&auml;re hier &bdquo;Cryoplane&ldquo;. In diesem gemeinschaftlichen Projekt von Airbus und 14 Staaten der Europ&auml;ischen Union wurde ein Flugzeug ersonnen, durch dessen D&uuml;sen reiner, tiefgek&uuml;hlter Wasserstoff str&ouml;mt. Flugzeugd&uuml;sen m&ouml;gen H2 n&auml;mlich tats&auml;chlich &bdquo;lieber&ldquo; als Kerosin, weil er v&ouml;llig r&uuml;ckstandslos verbrennt. &bdquo;Cryoplane&ldquo; h&auml;tte konstruktionsbedingt einen Abstrich von 35% entweder an der Reichweite oder an der Passagierzahl bedeutet, was angesichts der Tatsache, dass es ohne Rechenkunstst&uuml;ckchen tats&auml;chlich in der Lage w&auml;re, komplett CO2-neutral zu fliegen, wohl durchaus vertretbar w&auml;re. Das Projekt wurde bereits im Jahr 2000(!) in irgendwelche Schubladen entsorgt mit der Begr&uuml;ndung, dass auf absehbare Zeit nicht gen&uuml;gend gr&uuml;ner Wasserstoff zur Verf&uuml;gung stehen w&uuml;rde, damit es klimapolitisch Sinn mache. &ndash; F&uuml;r mich ein klares Einknicken vor der Fossil-Lobby, das mit den synthetischen Treibstoffen seine Fortsetzung findet. Immerhin will man nun die Forschung an, mit Hybrid-Brennstoffzellen getriebenen, Flugger&auml;ten f&ouml;rdern. Die sind allerdings h&ouml;chstens f&uuml;r die Kurzstrecke und eine begrenzte Passagierzahl attraktiv &ndash; mit anderen Worten f&uuml;r sogenannte Flugtaxis bzw. fliegende Autos.<\/p><p><strong>Wenn die Brennstoffzelle wirklich eine Zukunft in Deutschland haben sollte, was m&uuml;sste von politischer Seite getan werden? <\/strong><\/p><p>Meiner bescheidenen Ansicht nach steht der Brennstoffzelle nicht nur in Deutschland, sondern weltweit eine rosige Zukunft bevor. Da ist alleine die Vielf&auml;ltigkeit in ihren Anwendungsm&ouml;glichkeiten. Man kann mit ihr Handys, Laptops, Fahrr&auml;der, Autos, Schiffe, Panzer, ja sogar komplette Kraftwerke betreiben. Die Politik t&auml;te daher gut daran, ihre Positionen zur Batterietechnik einem Faktencheck zu unterziehen. Neben allen m&ouml;glichen Umweltaspekten bei der Rohstoffgewinnung f&uuml;r unsere Akkus, bei ihrer Entsorgung und den Problemen, wenn sie einmal in Brand geraten, ist vor allem ihr Gewicht ein Nachteil. Ein Akku-LKW w&uuml;rde vor allem seine eigenen Batterien durch die Gegend fahren. Man kann auch nicht mit Batterietechnik die Sonne der Sahara einfangen und dem energiehungrigen Europa zug&auml;nglich machen. Die Dinger w&auml;ren einfach zu schwer. So etwas kann nur Wasserstoff leisten, und der treibt nun mal in den meisten Anwendungsbereichen am sinnvollsten die Brennstoffzelle an.<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste noch getan werden?<\/strong><\/p><p>Es m&uuml;sste intensiver &uuml;ber eine Zusammenarbeit auf Augenh&ouml;he mit Staaten wie etwa Mauretanien nachgedacht werden, die die folgenden zwei Merkmale aufweisen k&ouml;nnen: W&uuml;sten mit geringer Artendichte, daf&uuml;r aber umso h&ouml;herer Sonneneinstrahlung und einer langen K&uuml;stenlinie. H2 aus Meerwasser zu beziehen, ist zwar technisch anspruchsvoller als die S&uuml;&szlig;wasservariante. Daf&uuml;r aber wird Meerwasser ohne jeglichen Ressourcenwettbewerb sozusagen bis in alle Ewigkeit erh&auml;ltlich. F&uuml;r die entsprechenden L&auml;nder best&uuml;nde von unserer Seite her ein hohes Interesse an Stabilit&auml;t, damit die n&ouml;tigen Investitionen sich auf Dauer bezahlt machen k&ouml;nnen. Solche Stabilit&auml;t erreicht man am nachhaltigsten durch Wohlstand, Frieden, einen stabilen Sozialstaat und Bildung. Wasserstoff bietet hier die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Win-Win-Situationen. Ob solche Aussichten den weltweiten Waffenschmieden gefallen d&uuml;rften, sei dahingestellt.<\/p><p><strong>&bdquo;Wir brauchen ein Cape Canaveral des Wasserstoffs in Deutschland&ldquo;. Das <a href=\"https:\/\/boerse.ard.de\/anlagestrategie\/branchen\/kommt-jetzt-die-wasserstoffrevolution100.html\">sagte<\/a> Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Sie spricht gar von einer &ldquo;Wasserstoffrepublik Deutschland&rdquo;. <\/strong><br>\n<strong>Wie ernst sind diese Aussagen zu nehmen? <\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich kaufe ich Frau Karliczek ihre H2-Begeisterung eher ab als dem Herrn Altmaier. Sie ist ja auch weniger verstrickt in die althergebrachten Strukturen unserer Dinosaurierindustrie. Bei ihren Interviews, etwa mit dem SPIEGEL, nennt sie gr&uuml;nen Wasserstoff klar das &bdquo;&Ouml;l von morgen&ldquo;. Auch lehnt sie den sogenannten &bdquo;blauen&ldquo; Wasserstoff als Um- bzw. Irrweg ab. Hier wird Wasserstoff aus fossilen Energietr&auml;gern wie etwa Erdgas oder Steinkohle gewonnen und das bei diesen Prozessen entstehende CO2 in die Erde gepresst. &ndash; Wenn schon in unserer Atmosph&auml;re nicht genug Platz f&uuml;r das Zeug ist, wie soll es dann im Erdinneren anders sein? Weiterhin setzt sie sich f&uuml;r energetische Partnerschaften mit Afrika ein. &ndash; Frau Karliczek scheint eine kluge Frau mit Weitsicht zu sein. Ich h&auml;tte nie gedacht, dass ich so etwas mal &uuml;ber eine CDU-Politikerin schreiben w&uuml;rde. Tats&auml;chlich aber macht diese ansonsten so problematische Partei in Sachen H2 eine wesentlich bessere Figur als etwa die GR&Uuml;NEN, von denen man das ja viel eher erwartet h&auml;tte.  <\/p><p><strong>Die Wasserstofftechnologie gibt es schon eine Weile. Warum hat sie es so schwer, sich durchzusetzen? <\/strong><\/p><p>Wasserstoff ist das am h&auml;ufigsten im Universum vorkommende Element. Angeblich hat bereits Paracelsus ihn entdeckt. Seither hat er viele Generationen von Wissenschaftlern fasziniert. Das erste Auto schaffte es per Knallgasreaktion in seinem primitiven Motor (das &uuml;brigens w&auml;hrend der Fahrt durch Elektrolyse hergestellt wurde) auf eine Geschwindigkeit von mehreren Metern pro Sekunde. Wasserstoff hat sich als chemischer Grundstoff in der Industrie schon seit langem durchgesetzt und kommt auch bei der Raumfahrt zur Anwendung. Auf der anderen Seite ist die H2-Technologie allein schon durch ihr Versprechen auf Sauberkeit ein wirklich ernsthafter Konkurrent f&uuml;r Kohle, Erd&ouml;l, Atom und Co. Entsprechend gro&szlig; sind die Widerst&auml;nde aus Kreisen, die genau mit diesen dreckigen Gesch&auml;ftsmodellen immense Reicht&uuml;mer anh&auml;ufen konnten. <\/p><p><strong>Wer bei Google news &bdquo;Brennstoffzelle&ldquo; eingibt, erf&auml;hrt, dass Michelin sich an einem <a href=\"https:\/\/www.springerprofessional.de\/brennstoffzelle\/rennwagen-\/michelin-beteiligt-sich-an-brennstoffzellen-rennwagen-projekt\/18095370\">&bdquo;Brennstoffzellen-Rennwagen-Projekt&ldquo;<\/a> beteiligt, im <a href=\"https:\/\/efahrer.chip.de\/news\/brennstoffzelle-diese-fahrzeuge-koennten-der-technik-den-durchbruch-bringen_102479\">LKW-Sektor<\/a>, was diese Technologie angeht, Bewegung ist. Au&szlig;erdem ist zu vernehmen, dass die Berliner Polizei seit Anfang des Jahres auf <a href=\"https:\/\/www.trendsderzukunft.de\/nachhaltig-und-sauber-die-berliner-feuerwehr-kauft-vier-fahrzeuge-mit-wasserstoff-antrieb\/\">zwei Wasserstoff-Fahrzeuge<\/a> setzt. Was bedeuten solche Nachrichten?<\/strong><\/p><p>In Industrie und Gesellschaft spricht sich allm&auml;hlich herum, dass der Wasserstoffgedanke die Zukunft bedeutet. Schon Jules Verne hat in seinem Buch &bdquo;Die geheimnisvolle Insel&ldquo; geschrieben: &bdquo;Ich glaube, dass Wasser eines Tages als Brennstoff benutzt wird, dass Wasserstoff und Sauerstoff, aus denen es besteht, einzeln oder zusammen, eine unersch&ouml;pfliche Quelle von Hitze und Licht sein werden.&ldquo; Diese Vision scheint in immer greifbarere N&auml;he zu r&uuml;cken. &ndash; Es w&auml;re ein Schritt nach vorne, der das Zeug dazu hat, den homo industrialis auf eine Stufe der Zivilisation zu stellen.<\/p><p><strong>D&uuml;rfen wir erfahren: Warum sind Sie von Wasserstoff so begeistert? <\/strong><\/p><p>Wir brauchen ein Ende der Kriege um Erd&ouml;l, ein Ende des Fl&auml;chenfra&szlig;es durch Braunkohle, ein Ende der &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlichen Atomkraft und ein Ende der &Ouml;lkatastrophen auf unseren Meeren und Fl&uuml;ssen. Wir m&uuml;ssen aufh&ouml;ren, die Regenw&auml;lder abzuholzen, um dort &Ouml;lpalmen f&uuml;r unseren &bdquo;Bio&ldquo;-Diesel bzw. Zuckerrohr f&uuml;r unser E10-Benzin zu pflanzen. Auch die &Ouml;kobilanz unseres heimischen &bdquo;Energiepflanzenanbaus&ldquo; ist verheerend. Ein Bauer, dessen Biogasanlage ich vor kurzem besichtigt habe, bezeichnete das Fleisch seiner intensiv im Gro&szlig;stall gehaltenen K&uuml;he tats&auml;chlich als &bdquo;Abfallprodukt&ldquo; und ihre Milch als &bdquo;Minusgesch&auml;ft&ldquo;. Wichtig an diesen Kreaturen war ihm tats&auml;chlich vor allem ihr Kot, den er in Form von G&uuml;lle sowohl als D&uuml;ngemittel braucht, wie auch um die G&auml;rprozesse in seinen Vergasungsanlagen zu steuern. &ndash; All diese Dinge geh&ouml;ren in den M&uuml;lleimer der Geschichte und H2 ist der Deckel, mit dem wir diese M&uuml;lltonne zu schlie&szlig;en verm&ouml;gen.<\/p><p><strong>Welche Vorteile hat die Brennstoffzelle? <\/strong><\/p><p>Ihre noch l&auml;ngst nicht ausgereizten Potentiale reichen so weit, dass ich mir hinsichtlich des Verbrenners den Vergleich zwischen einem Smartphone und einem Schnurtelefon zu wagen getraue. Allein ihre deutlich &uuml;berlegene technische Leistung beinhaltet das Versprechen auf eine Zukunft der sauberen Energie.<\/p><p><strong>Mit welchen Schwierigkeiten hat es die Politik, aber auch die Ingenieure, die sich mit der Technologie auseinandersetzen, zu tun? <\/strong><\/p><p>Die Politik muss sich mit den Kr&auml;ften des Beharrens auseinandersetzen. Der vermasselte Kohleausstieg, wo Konzernen, die eigentlich zu Reparationszahlungen verpflichtet werden m&uuml;ssten, mit Steuergeldern der Hintern vergoldet wird, zeigt deutlich die Investitionen von RWE und Konsorten in die K&auml;uflichkeit unserer politischen Klasse. Hier muss wesentlich energischer gegengesteuert werden. Ingenieure auf der anderen Seite brauchen viel Geld f&uuml;r ihre Forschungen und Innovationen und zudem die politischen Rahmenbedingungen, damit sich all dies am Ende auch auszahlen kann. Die Forschung an wasserstoffproduzierenden Blaualgensystemen ist ein Beispiel f&uuml;r einen chronisch unterfinanzierten Aspekt, der viel mehr Beachtung verdienen sollte. <\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie bitte einen Ausblick wagen. Wir haben das Jahr 2030. Wie wird es dann mit der Wasserstofftechnologie in Deutschland aussehen? <\/strong><\/p><p>In zehn Jahren d&uuml;rften wir uns, wenn wir auf die ernsthafte Umsetzung der H2-Strategie vertrauen, mitten in der Phase des Markthochlaufs befinden.<\/p><p><em>Lesetipp: Koch, Timm: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Das-Supermolekuel.html\">Das Super-Molek&uuml;l. Wie wir mit Wasserstoff die Zukunft erobern.<\/a> Westend Verlag. 2019. 173 Seiten.<\/em><\/p><p>Titelbild: Stephen Barnes\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;In Industrie und Gesellschaft spricht sich allm&auml;hlich herum, dass der Wasserstoffgedanke die Zukunft bedeutet.&ldquo; Das sagt <strong><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/e-Book\/Alle-Buecher\/Das-Supermolekuel.html\">Timm Koch<\/a><\/strong>, der sich mit dem &bdquo;Super-Molek&uuml;l&ldquo; Wasserstoff auseinandersetzt. Der Autor beobachtet die aktuellen Vorst&ouml;&szlig;e der Bundesrepublik in Sachen Wasserstoff genau und sieht Licht und Schatten. Die Bundesregierung habe ein gutes Ausgangspapier, das allerdings Schw&auml;chen aufweise. 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