{"id":62837,"date":"2020-07-10T10:56:33","date_gmt":"2020-07-10T08:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62837"},"modified":"2026-01-27T11:36:47","modified_gmt":"2026-01-27T10:36:47","slug":"die-tagesschau-ist-systematisch-auf-die-weltsicht-westlicher-nachrichtenagenturen-fixiert-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62837","title":{"rendered":"Volker Br\u00e4utigam: \u201eDie Redaktion verletzt damit journalistische Grundregeln\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie berichtet die Tagesschau &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61844\">China<\/a>? Zwei der bekanntesten Kritiker der ARD-Nachrichtensendung beleuchten im NachDenkSeiten-Interview die Berichterstattung. F&uuml;r <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201\">Volker Br&auml;utigam<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qdDxSdxh16w\">Friedhelm Klinkhammer<\/a><\/strong> berichtet die Tagesschau &uuml;ber China nicht sachlich genug, zu einseitig, au&szlig;erdem seien in Meldungen ein &bdquo;denunziatorischer und anklagender Charakter&ldquo; zu erkennen. Ein zweiteiliges Interview &uuml;ber den Umgang der Nachrichtensendung mit China und die Erh&ouml;hung der Rundfunkgeb&uuml;hr.<br>\nVon <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4404\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62837-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=62837-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200714_Volker_Braeutigam_Die_Redaktion_verletzt_damit_journalistische_Grundregeln_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung der Redaktion:<\/strong> Bedauerlicherweise hatten wir an dieser Stelle heute vormittag ein altes Interview ver&ouml;ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58762\">Dieses Interview k&ouml;nnen Sie nat&uuml;rlich gerne ebenfalls lesen<\/a>. Nach Bemerken des Fehlers haben wir den Text ausgetauscht. Wir bitten diesen bedauerlichen Fehler zu entschuldigen.<\/em><\/p><p><strong>Herr Br&auml;utigam, Herr Klinkhammer, Sie haben vor kurzem in einem Beitrag geschrieben: &bdquo;Die Tagesschau ist ein &auml;u&szlig;erst wirksames Instrument der Indoktrination.&ldquo; Insbesondere die Berichterstattung &uuml;ber China kritisieren Sie. Was ist Ihnen aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Volker Br&auml;utigam: Die Tagesschau berichtet h&auml;ufig nicht so sachlich-kritisch, wie sich&rsquo;s geh&ouml;rte, sondern in deutlicher &bdquo;Anti&ldquo;-Haltung &uuml;ber die Volksrepublik China. Die Redaktion verletzt damit journalistische Grundregeln: Berichte nicht aus einem vordefinierten Blickwinkel. Beachte  Sichtweise, Motive und Zielvorstellungen aller Beteiligten. Erm&ouml;gliche deinem Publikum eine selbstst&auml;ndige, unbeeinflusste Urteilsbildung. <\/p><p>In den Nachrichten &uuml;ber China f&auml;llt ein Defizit besonders auf: Es ist keinerlei Vorwissen, geschweige denn Information &uuml;ber die chinesische Kultur und ihre traditionelle Gemeinschaftsethik sp&uuml;rbar, die im Konfuzianismus und schlie&szlig;lich im Sozialismus ihren H&ouml;hepunkt erreicht haben: die R&uuml;cksicht auf das Gemeininteresse und dessen Bedeutung, auf seinen Vorrang vor dem Individualinteresse. Stattdessen geht die meist herablassende Rede &uuml;ber &bdquo;Kommunisten&ldquo;. Der Sozialismus fand in China von Anfang an einen sehr fruchtbaren Boden. Selbst in kolonialistisch deformierten Regionen wie Hongkong ist das zu sp&uuml;ren.&nbsp;<\/p><p><strong>Worum geht es derzeit, wenn die Tagesschau &uuml;ber China berichtet?<\/strong><\/p><p>Friedhelm Klinkhammer: Nehmen wir den Zeitraum vom 9. bis 16. Juni:&nbsp;Bis zum &Uuml;berdruss befasste sich die Tagesschau&nbsp;in dieser Woche mit den neu aufgetretenen Corona-Infektionsf&auml;llen&nbsp;in China.&nbsp;Rund 40 Berichte finden sich dar&uuml;ber auf&nbsp;tagesschau.de, sie machen fast 60 Prozent der gesamten China-Nachrichten aus. In Akzentuierung und Wortwahl verlie&szlig;en sie den Boden sachlich-knapper Information, sie wirkten &uuml;bertrieben,&nbsp;aggressiv und&nbsp;verzerrend.&nbsp;<\/p><p><strong>Haben Sie ein Beispiel?<\/strong><\/p><p>Klinkhammer: In einem Beitrag hei&szlig;t es, &bdquo;deutlicher Anstieg sorgt f&uuml;r Unruhe&ldquo;, obwohl es sich zun&auml;chst lediglich um 60 Neuinfektionen handelte.&nbsp;Die Formel &bdquo;sorgt f&uuml;r Unruhe&ldquo; &ndash; beim wem, inwiefern, bitte? &ndash; ist h&ouml;chst diffus und zudem negativ besetzt; &bdquo;&hellip;weckt gr&ouml;&szlig;te Aufmerksamkeit&ldquo; kl&auml;nge schon anders, nicht wahr? Bezogen auf die sofortigen Quarant&auml;ne-Anordnungen der Beh&ouml;rden in Beijing ist der verbale Negativismus einfach irref&uuml;hrend. Die Ma&szlig;nahmen &uuml;berdies mit martialischen Begriffen wie &bdquo;abschotten&ldquo; und &bdquo;abriegeln&ldquo; zu belegen, rief Vorstellungen von einer Gef&auml;ngniswelt wach. Solche abwegigen Assoziationen werden jedoch der chinesischen Realit&auml;t absolut nicht gerecht.<\/p><p>F&uuml;r die Betroffenen gelten zwar w&auml;hrend der n&auml;chsten zwei bis drei Wochen strikte Kontaktsperren und starke Begrenzung ihrer Bewegungsfreiheit, wie in allen L&auml;ndern, die der Pandemie mit Quarant&auml;ne begegnen. Sie werden jedoch innerhalb der Quarant&auml;nezonen sehr gut mit Lebensmitteln und G&uuml;tern des t&auml;glichen Bedarfs versorgt und medizinisch umfassend betreut. Die Beschreibungen dar&uuml;ber &ndash; &bdquo;&hellip; behandelt wie Hotelg&auml;ste&ldquo; &ndash; sind vielfach und glaubhaft belegt. Dieser f&uuml;rsorgliche Umgang erinnert ganz und gar nicht an die Verh&auml;ltnisse bei uns oder bei unseren europ&auml;ischen Nachbarn. <\/p><p><strong>Die Wortwahl der Tagesschau ruft aber andere Assoziationen hervor.<\/strong><\/p><p>Klinkhammer: Eben. Vorstellungen von &bdquo;Zwangsherrschaft&ldquo;, von gewaltbetonter beh&ouml;rdlicher &Uuml;berreaktion. Sie bedient&nbsp;antichinesische Stereotype; dass die Quarant&auml;ne von der chinesischen Bev&ouml;lkerung erheblich mehr als bei uns akzeptiert und als hilfreich f&uuml;r die Gemeinschaft unterst&uuml;tzt wird, kommt in solchen Formulierungen &uuml;berhaupt nicht zum Ausdruck.&nbsp;<\/p><p>Falls Sie meine Kritik f&uuml;r &uuml;bersteigert, f&uuml;r haarspalterisch, f&uuml;r hypersensibel halten, dann vergleichen Sie bitte mal, wie zur&uuml;ckhaltend die Tagesschau &uuml;ber neue&nbsp;Infektionen in Deutschland informiert. <\/p><p><strong>Wie denn?<\/strong><\/p><p>Klinkhammer: &Uuml;ber die wahrlich skandal&ouml;sen 657 F&auml;lle von Neu-Infektion am 17. Juni in den&nbsp;T&ouml;nnies-Fleischfabriken&nbsp;in Nordrhein-Westfalen&nbsp;berichtete&nbsp;tagesschau.de&nbsp;neutral als von&nbsp;&bdquo;neuen&nbsp;Corona-F&auml;llen bei T&ouml;nnies&ldquo;.&nbsp;Statt&nbsp;&bdquo;abschotten&ldquo;&nbsp;&ndash; wie im Fall Beijing &ndash; hie&szlig; es hier sachlich&nbsp;&bdquo;in Quarant&auml;ne gehen&ldquo;. Das &bdquo;Abriegeln von&nbsp;Betrieben&ldquo; wird im deutschen Fall &bdquo;Schlie&szlig;ung&nbsp;der Fabriken&ldquo; genannt. Die feinen Unterschiede in Tonlage und Ausdruck sind zwar kaum wahrnehmbar. Gerade darauf aber beruht ihre hohe Wirkung. Mit solchen subtilen Mitteln wird Meinung gemacht. Das Grundmuster hei&szlig;t: &bdquo;Wir sind die Guten \/ Die Chinesen sind autorit&auml;r&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Tagesschau berichtet aber im Zusammenhang mit China auch noch &uuml;ber andere Themen als das Virusgeschehen.<\/strong><\/p><p>Klinkhammer: Das ist richtig. Der Grenzstreit mit Indien, die Konfliktlage in Hongkong, eine NATO-&bdquo;Warnung&ldquo; wegen der angeblichen Bedrohlichkeit Chinas, die Sperrung von 170 000 Twitter-Konten in China wegen angeblicher Fake News. Auch dar&uuml;ber hat die Tagesschau &bdquo;berichtet&ldquo;. Die Meldungen hatten allerdings allesamt nicht nur informatorischen, sondern auch denunziatorischen und anklagenden Charakter. Auf Neudeutsch: China-Bashing. Die Tagesschau-Berichterstattung &uuml;ber eine Video-Konferenz der Kanzlerin Merkel mit dem chinesischen Ministerpr&auml;sidenten Li Keqiang am 10. Juni war hingegen marginal, sie fand unter &bdquo;ferner liefen&ldquo; statt, es gab keinen Beitrag in den Hauptausgaben von ARD-aktuell.<\/p><p><strong>Der Konflikt zwischen China und Hongkong schwelt ja schon l&auml;nger. &Uuml;ber die Protestierenden berichtet die Tagesschau immer wieder. Welche Probleme sehen Sie, wenn die Tagesschau &uuml;ber die Proteste in Hongkong berichtet?<\/strong><\/p><p>Br&auml;utigam: Ursachen und Charakter der Proteste werden nicht umfassend und r&uuml;ckhaltlos dargestellt. Die Demonstranten protestieren eben nicht nur gegen einen Verlust von Freiheitsrechten; in unseren Nachrichten wird ja nicht einmal konkretisiert, was sich eigentlich nachteilig f&uuml;r den &bdquo;Mann auf der Stra&szlig;e&ldquo; in Hongkong &auml;ndert, wenn Beijing sich selbst per Gesetz erm&auml;chtigt, auch in seiner halbautonomen Zone gegen Gewaltexzesse, gegen Einmischung ausl&auml;ndischer Kr&auml;fte und gegen organisierte Kriminalit&auml;t vorzugehen &ndash; f&uuml;r den Fall, dass die &ouml;rtlichen Beh&ouml;rden damit nicht mehr selbst fertig werden. <\/p><p>Ein mindestens ebenso wesentliches Protest-Motiv ist f&uuml;r die Demonstranten der Verlust von wirtschaftlichen Perspektiven, sich abzeichnend in Preisauftrieb, Einnahmeverlusten und Unternehmenspleiten. Das nach kapitalistischen Prinzipien wirtschaftende Hongkong ist seit Jahr und Tag auf dem absteigenden Ast. Es ger&auml;t gegen&uuml;ber der Nachbarregion Guangzhou auf dem Festland ins Hintertreffen, erst recht im Abgleich mit Shanghai im Nordosten. Und dies trotz aller St&uuml;tzungshilfen aus Beijing. Es sind sehr materielle Sorgen, die in diesem Konflikt eine Rolle spielen, aber in der Berichterstattung f&uuml;rs deutsche Publikum weitgehend unber&uuml;cksichtigt bleiben. Hongkong ist nicht mehr das einzige wirtschaftliche Bindeglied zwischen der Volksrepublik und der westlichen Welt. Zu schweigen davon, dass die USA auch in Hongkong ein soziales Spannungsfeld erkannten, das sich zur Destruktion und zum Sch&uuml;ren von Aufruhr eignet zwecks einem weiteren gewaltsamen &bdquo;Regime change&ldquo;. Da gie&szlig;en die USA Benzin ins Feuer, denken Sie nur an Lateinamerika &hellip;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Sie meinen also, dass die Berichterstattung &uuml;ber Demonstrationen oft gem&auml;&szlig; der Weltanschauung erfolgt?<\/strong><\/p><p>Klinkhammer: Ja, selbstverst&auml;ndlich. Beispiele gibt es genug. In den Meldungen und Reportagen &uuml;ber die gewaltsamen Demonstrationen w&auml;hrend des G20-Gipfels in Hamburg oder &uuml;ber die Gelbwesten-Aktionen in Frankreich sprach man von &bdquo;Krawallen&ldquo; und gebrauchte diesen stark negativ besetzten Begriff, weil die Gewalt Ausdruck des Protests gegen die politischen Eliten und ihre Machtsysteme war. Regierungskritische gewaltsame Demonstrationen in Hongkong oder in Moskau werden hingegen als verst&auml;ndlicher Widerstand gegen Freiheitsbeschr&auml;nkungen verharmlost, Aktionen der Polizei als &Uuml;bergriffe der Staatsmacht kritisiert.  Friedensdemonstrationen in Deutschland andererseits werden meist g&auml;nzlich verschwiegen, weil sie sich gegen die Aggressivit&auml;t unserer politisch Verantwortlichen wenden, gegen die st&auml;ndige Aufr&uuml;stung, die Kriege und Kriegstreiberei der NATO. Die Demonstrationen anl&auml;sslich der Corona-Pandemie in Deutschland wurden bei ARD-aktuell&nbsp;abf&auml;llig als &bdquo;Jahrmarkt der kruden Ideen&ldquo; bezeichnet. Kurzum: Die &ouml;ffentlich-rechtlichen ebenso wie die kommerziellen Nachrichteninstitute beweisen mit ihrer Praxis, dass sie einseitig und manipulativ arbeiten. Sie erweisen sich damit als diskursunf&auml;hig.<\/p><p><strong>Gerade ist im Spiegel ein Beitrag erschienen, der wie folgt beginnt: &bdquo;China &uuml;bt Gewalt gegen Demonstranten in Hongkong aus und bedroht Taiwan. Wenn die EU dagegen nichts unternimmt, verr&auml;t sie ihre Werte. Die Folgen k&ouml;nnten auch in Deutschland dramatisch sein.&ldquo; Ist die Berichterstattung &uuml;ber China in deutschen Medien generell ziemlich einheitlich?<\/strong><\/p><p>Br&auml;utigam: Das kann ich nicht so apodiktisch beantworten, es fehlt mir an Voraussetzungen und M&ouml;glichkeiten zu regelm&auml;&szlig;iger umfassender Beobachtung des riesigen Medienangebots. Mindestens soviel aber l&auml;sst sich sagen: Der genannte Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel erscheint typisch: Geschrieben in der Grundhaltung &bdquo;Wir gegen die&ldquo;. Weil sich jedoch Arroganz und &Uuml;berheblichkeit gegen&uuml;ber der aufkommenden Supermacht China heutzutage nicht mehr erlauben, wabert da eine nur m&uuml;hsam unterdr&uuml;ckte Aggressivit&auml;t in den Beitr&auml;gen. Sie sind h&auml;ufig nicht zu rechtfertigende Versuche der Meinungsmache, der Vereinnahmung des Publikums f&uuml;r eine westlich-kapitalistische Betrachtungsweise der Volksrepublik China. <\/p><p><strong>Wie ist denn die Berichterstattung, wenn es um die Taiwan-Problematik geht?<\/strong><\/p><p>Br&auml;utigam: Auch da sind Einseitigkeit und Voreingenommenheit erkennbar. Sie ger&auml;t zwar nicht oft ins Blickfeld, aber stets hei&szlig;t es dann, Taiwan werde vom Festland &bdquo;bedroht&ldquo;. <\/p><p><strong>Aber dem ist nicht so?<\/strong><\/p><p>Br&auml;utigam: Schauen wir einmal selbst und genauer hin: Taiwan, nur 110 Kilometer vor dem chinesischen Festland gelegen, wirkt wie ein 350 Kilometer langer US-amerikanischer Flugzeugtr&auml;ger. Die Insel ist ein waffenstarrender Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt. Taiwan verf&uuml;gt &uuml;ber eine Armee von mehr als doppelter St&auml;rke wie die Bundeswehr, hochger&uuml;stet mit modernstem Ger&auml;t. Taiwan ist die wichtigste Basis f&uuml;r einen satellitengest&uuml;tzten Raketenschirm, den die USA von Alaska aus &uuml;ber Japan durch den gesamten Westpazifik bis hinunter nach Australien aufgestellt haben. Taiwan ist ein &auml;u&szlig;erst schlagkr&auml;ftiger Posten im Arsenal der hochaggressiven US-Politik gegen&uuml;ber China. Davon h&ouml;ren wir allerdings nichts, davon wissen wir nichts. <\/p><p>Dass sich die riesig erscheinende Volksrepublik China gegen&uuml;ber dem vermeintlichen Winzling Taiwan zu &auml;u&szlig;erster Wachsamkeit gen&ouml;tigt sieht, &uuml;bersteigt daher unsere Vorstellungskraft. Weil wir mit den faktischen Details dieser Gesamtlage nie vertraut gemacht worden sind. Dabei liegt die Inselrepublik Taiwan auch noch erheblich n&auml;her vor dem chinesischen Festland als beispielsweise das sozialistische Kuba vor den USA. Hypothetische Frage: Wie verhielte sich Washington wohl, wenn die Volksrepublik China die den USA vergleichbar dicht vorgelagerten Bahamas als Faustpfand bes&auml;&szlig;e, dort eine Armee mit mehr als einer halben Million Soldaten unter Waffen hielte und einen Raketenschirm gegen die Vereinigten Staaten installierte?<\/p><p>Die Selbstverst&auml;ndlichkeit, dass die politischen Interessen der Regierung in Beijing ebenso viel Berechtigung und Legitimit&auml;t haben wie die der &bdquo;Machthaber&ldquo; in Washington oder in Berlin, suchen Sie in den Erg&uuml;ssen des Spiegel-Magazins vergeblich. So auch in den Nachrichten der ARD-aktuell. <\/p><p>Ich habe das Defizit hier hervorzuheben versucht, indem ich mich der gleichen sprachlichen Vergewaltigung schuldig machte, die wir aus den Tagesschau-Nachrichten kennen. &bdquo;Machthaber Assad&ldquo;, Sie wissen schon &hellip; <\/p><p>Die Hauptmasse der Informationen &uuml;ber die Volksrepublik China wird von den westlichen Nachrichtenagenturen geliefert und von unseren Leit- und Konzernmedien ohne Zutaten verbraten. Es fehlt an erg&auml;nzenden und korrigierenden Informationen aus eigenen Quellen, von qualifizierten Korrespondenten. Die ARD-aktuell verf&uuml;gt heute leider nicht mehr &uuml;ber journalistische Notabeln wie Hans Wilhelm Vahlefeld, Robert Hetk&auml;mper oder Lutz Mahlerwein in Hongkong und Beijing oder wie Fritz Pleitgen, Lutz Lehmann und Gabriele Krone-Schmalz in Moskau. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie berichtet die Tagesschau &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61844\">China<\/a>? Zwei der bekanntesten Kritiker der ARD-Nachrichtensendung beleuchten im NachDenkSeiten-Interview die Berichterstattung. F&uuml;r <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201\">Volker Br&auml;utigam<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qdDxSdxh16w\">Friedhelm Klinkhammer<\/a><\/strong> berichtet die Tagesschau &uuml;ber China nicht sachlich genug, zu einseitig, au&szlig;erdem seien in Meldungen ein &bdquo;denunziatorischer und anklagender Charakter&ldquo; zu erkennen. 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