{"id":62847,"date":"2020-07-10T12:30:32","date_gmt":"2020-07-10T10:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62847"},"modified":"2020-07-20T17:02:56","modified_gmt":"2020-07-20T15:02:56","slug":"leserbriefe-zu-der-mohr-hat-seine-schuldigkeit-getan-der-mohr-soll-weichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62847","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eDer Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr soll weichen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62742\">In diesem Beitrag<\/a> hat sich Jens Berger dem Ph&auml;nomen des &bdquo;Mohrenstreits&ldquo; innerhalb der zu Beginn des Sommerlochs neu entflammten Rassismusdebatte angenommen. Seiner Ansicht nach treibt die Diskussion &bdquo;seltsame Bl&uuml;ten&ldquo; &ndash; insbesondere in Berlin und Coburg &ndash; und er stellt fest, dass nun die Enkel der Nazis schaffen k&ouml;nnten, was ihren Vorfahren nicht gelungen war: &bdquo;den Mohren in Wort und Bild aus dem Stadtbild zu vertreiben&ldquo;. Das ist so, schreibt Jens Berger weiter, &bdquo;als w&uuml;rde unsere Gesellschaft und unsere Geschichte besser, wenn wir alle paar Jahre Stra&szlig;ennamen &auml;ndern und Denkm&auml;ler entfernen, anstatt aus der Geschichte zu lernen und Dinge, die nicht stromlinienf&ouml;rmig unserer Gesinnung entsprechen, als Stolpersteine zu begreifen, die zum Nachdenken anregen k&ouml;nnen&ldquo;. Abschlie&szlig;end regt Jens Berger dazu an, diese Stolpersteine zu erhalten, damit k&uuml;nftige Generationen auch noch daraus lernen k&ouml;nnen. Einige Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten haben schnell auf diesen Artikel reagiert. Wir bedanken uns sehr f&uuml;r die eingereichten Leserbriefe. Es folgt nun eine Auswahl. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r Ihren aufschlussreichen Text vom 07.07.2020 zum Themenkomplex&nbsp;&bdquo;Mohr&ldquo;<br>\nMit Abstand das Beste was es dazu zu lesen gab.<\/p><p>Wir befinden uns derzeit in einem sehr aufgeregten, politischen Umfeld in dem Wenige weit &uuml;ber das Mass hinaus schiessen.<br>\nIch w&uuml;rde diesbez&uuml;glich soweit gehen, die von Ihnen genannten Aktivit&auml;ten, sogen. Aktivistinnen,als tyrannischen Furor zu&nbsp;bezeichnen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nRainer Mrochen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Nachdenkseiten,<\/p><p>habe mit Interesse euren Artikel zur aktuellen &ldquo;Mohren-Diskussion&rdquo; gelesen und stimme da teilweise zu, dass es in manchen Bereichen zu weit geht. Habe noch folgendes zu erg&auml;nzen:&nbsp;<\/p><p>Ich komme aus Vorarlberg und wir haben hier eine lokale Biersorte, die &ldquo;Mohren Br&auml;u&rdquo; heisst, was auf den Namen des Gr&uuml;nders, der Mohr hie&szlig;, zur&uuml;ckgeht. Deren Logo ziert eine ziemlich vereinfachte, stereotype, zweifelsohne rassistische Darstellung einer Silhouette eines &ldquo;Mohren&rdquo; (siehe Anhang, aktuelles Logo und Vintage Logo, das immer noch auf vielen speziellen Biersorten verwendet wird). Im Zuge von BLM ist auch die Diskussion dar&uuml;ber wieder aufgeflammt &ndash; nicht nur in unserem Bundesland, sondern in ganz &Ouml;sterreich und das nicht zum ersten Mal in den letzten 10 Jahren. Die Kritiker f&uuml;hren die Diskussion aber NICHT &uuml;ber den Namen &ndash; dar&uuml;ber herrscht Konsens, dass der bleiben soll &ndash; sondern &uuml;ber das Logo, das ge&auml;ndert werden muss. Und da steh ich voll und ganz dahinter.&nbsp;<\/p><p>Der Standard hat u.a. davon berichtet:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000118243374\/vorarlberger-mohrenbrauerei-legt-nach-logo-protest-social-media-accounts-still\">derstandard.at\/story\/2000118243374\/vorarlberger-mohrenbrauerei-legt-nach-logo-protest-social-media-accounts-still<\/a><\/p><p>Ein Kritiker hat einen offenen Brief an die Brauerei geschrieben:&nbsp;<a href=\"https:\/\/medium.com\/@riederflo\/brief-an-meine-alte-bekannte-die-mohrenbrauerei-dornbirn-d70f0dd8af82\">medium.com\/@riederflo\/brief-an-meine-alte-bekannte-die-mohrenbrauerei-dornbirn-d70f0dd8af82<\/a><\/p><p>Reaktion der Brauerei:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mohrenbrauerei.at\/de\/die-mohrenbrauerei\/news-und-presse\/statement\">mohrenbrauerei.at\/de\/die-mohrenbrauerei\/news-und-presse\/statement<\/a><\/p><p>Liebe Gr&uuml;sse<br>\nEuer treuer Leser \/ H&ouml;rer<br>\nBenjamin<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>ich lese die meisten Ihrer beitr&auml;ge mit gro&szlig;er zustimmung und auch beim beitrag &uuml;ber den Coburger mohren stimme ich mit Ihnen &uuml;berein, dass &ldquo;Stolpersteine&rdquo; notwendig sind, um nicht geschichtsvergessen zu werden.<\/p><p>Als bedingung erachte ich es allerdings, dass der geschichtliche hintergrund auch immer sauber dargestellt wird, sei es bei einem Bismarck-denkmal, sei es bei einem Hindenburgplatz, sei es die Mohrenstra&szlig;e. <\/p><p>Wenn Goethe irgendwo drei tage in einem haus gen&auml;chtigt hatte, findet man an der fassade eine gedenktafel. <\/p><p>Warum also keine deutlich sichtbaren tafeln zu geschichtlichen hintergr&uuml;nden fundamentaleren ausma&szlig;es? <\/p><p>Drei, vier tafeln &uuml;ber die gesamte l&auml;nge der Mohrenstra&szlig;e angeordnet w&auml;ren lebendiger geschichtsunterricht im stadtbild.<\/p><p>Beim Coburger mohren st&ouml;rt mich allerdings die heutige darstellung desselben. Da greifen Sie meiner meinung nach deutlich zu kurz.<\/p><p>Man kann einen mohren w&uuml;rdig darstellen, man kann ihn aber auch mit allen klischees behaften, die man &uuml;ber einen &ldquo;neger&rdquo; haben kann.<\/p><p>Und die jetzige form des wappens ist wirklich an klischee nicht mehr zu &uuml;berbieten: krauses haar, wulstige lippen, fliehende stirn, gro&szlig;er ohrring.<\/p><p>Einen mauren stellt das wappen garantiert nicht dar!<\/p><p>Folgender quelle entnehme ich, dass die heute gebr&auml;uchliche darstellung des mohren aus dem jahr 1974 stammt.<br>\n<a href=\"https:\/\/blackcentraleurope.com\/quellen\/1000-1500-deutsch\/der-coburger-mohr-ca-1380-heute\/\">blackcentraleurope.com\/quellen\/1000-1500-deutsch\/der-coburger-mohr-ca-1380-heute\/<\/a><\/p><p>Das andere st&auml;dte ohne schwierigkeiten w&uuml;rdige darstellungen hinbekommen, kann man sehr deutlich hier sehen:<br>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mohr_(Heraldik)\">de.wikipedia.org\/wiki\/Mohr_(Heraldik)<\/a><\/p><p>Und wie die angeh&auml;ngten bilder zeigen, gab und gibt es auch in Coburg angemessene darstellungen des St.Mauritius.<br>\nWeg mit der &ldquo;fratze&rdquo;!<\/p><p>Mit freundlichen gr&uuml;&szlig;en<br>\nHorst Wandersleben<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>das ist ein Artikel, den ich unterschreibe. Allerdings sollest du die Stolpersteine im Artikel mit einem anderen Wort ersetzen. Da sie in vielen Orten zu finden sind, auch bei uns in Halle an der Saale, und an die Judenverfolgung erinnern, k&ouml;nnte es zu irritationen f&uuml;hren.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e, Wolfgang Stauch<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo NachDenkSeiten,<\/p><p>herzlichen Dank an Herrn Berger f&uuml;r seinen fast durchweg hervorragenden Artikel. &nbsp;Besonders der Exkurs in die Geschichte ist sehr gut herausgearbeitet. Und auch die Aussage, dass es im Grund quasi umgekehrter Rassismus ist, wenn man nun versucht alle Mohren und Schwarzen aus dem Stadtbild, zu verbannen, noch dazu wenn sie fast durchweg als positive Erscheinung gedacht waren. Ich m&ouml;chte hinzuf&uuml;gen, dass man dies nahezu in der gesamten Gesellschaft versucht, in den man Worte verbietet oder sinnfrei verunstaltet oder z.B. aus der Werbung verbannt. Wo man doch noch kurz vor dem Tod von G. Floyd alles daf&uuml;r getan hatte, m&ouml;glich in jeder Werbung, in jedem Fernsehfilm einen sog. People of color einzubringen. Auch wenn dies nicht dem gesellschaftlichen Querschnitt repr&auml;sentierte. Siehe die dubiose DB-Werbung, an der sich Boris Palmer und nicht nur daran, mal wieder die Finger verbrannte. Ich vermisse z.B. gerade in Ostdeutschland die vielen Vietnamesen, aber die beschweren sich auch nicht dar&uuml;ber.&nbsp; Ich sprach eingangs von &bdquo;fast&ldquo;. Das will ich hier noch kurz erkl&auml;ren. Herr Berger spricht vom &bdquo;Mord an George Floyd&ldquo;. Woher hat er die Information, dass es Mord war? Hier nimmt Herr Berger, bzw. &uuml;bernimmt es vom&nbsp; Mainstream, ein Urteil zuvor, welches noch nicht gesprochen ist. In einem Rechtsstaat, wie es (noch) die USA und Deutschland sind, sollte aber bis dahin die Unschuldsvermutung gelten. Wo stand, dass die Polizei im Fall von Floyd, mit Vorsatz vorgingen einen Farbigen zu ermorden? Und warum ist es Totschlag, wenn ein Migrant mit einem Messer bewaffnet auf ein Volksfest geht und bei einem Streit einen anderen Menschen niedersticht? (siehe Chemnitz) Das sind Doppelstandards und Doppelmoral, die ich von den NDS nicht erwarte. Auch wenn der Fall von Chemnitz bei Ihnen nicht erw&auml;hnt wurde, stelle ich ihn aber der Behauptung von Herrn Berger entgegen. Wo soll der Unterschied zwischen den Fall in den USA und Chemnitz sein? Und noch eins, in Folge der Black Lives Matter-Proteste wurden mehrere schwarze Menschen, darunter mindestens 11 Kinder und Jugendliche von ebenfalls farbigen Teilnehmern der BLM-Bewegung erschossen. Die das Pech hatten in die Schusslinien zu geraten. Zumindest berichteten die US-amerikanischen Medien ausf&uuml;hrlich dar&uuml;ber. Schwarze t&ouml;ten Schwarze, was ist daran Black Lives Matter? Warum ist das bei uns kein Thema in den Medien, oder nur am Rande? Ist es nur ein Thema, wenn Wei&szlig;e einen Schwarzen umbringen? Wo ist die Empathie gegen&uuml;ber diesen get&ouml;teten farbigen Kindern und Jugendlichen? Was ist das f&uuml;r ein Ma&szlig;stab im Vergleich zu dem Medienhype &uuml;ber den get&ouml;teten George Floyd? Welche verlogene Doppelmoral dahinter hervorsticht, will ich nicht weiter kommentieren. Sie &auml;hnelt aber der, wie nun mit all den Symbolen, wie dem Mohr, hier umgegangen wird. So mancher Nazi-Propagandist aus dem 3. Reich w&uuml;rde sich freuen und rotiert im Grab. Und so befeuert der zum Allerweltskampfbegriff verkommene Antifaschismus einen umgekehrten rassistischen Neofaschismus.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;e J. Gerke!<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>hohe Zustimmung meinerseits zu Ihrem Artikel. Zu erg&auml;nzen w&auml;ren m.E. 2 Punkte:<\/p><ul>\n<li>Sebastian M&uuml;ller verweist in seinem Makroskop-Text <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2020\/07\/identitaetspolitik-und-der-neue-geist-des-kapitalismus\/\">makroskop.eu\/2020\/07\/identitaetspolitik-und-der-neue-geist-des-kapitalismus\/<\/a> u.a. darauf, dass einige der jetzt so gross in den Fokus gestellten &ldquo;unterdr&uuml;ckten Minderheiten&rdquo; geradezu minimalste Anzahlen von Menschen umfassen.<\/li>\n<li>Besonders betonen muss man m.E., dass es ja gar nicht mehr um eine wie auch immer geartetete Besserstellung etwa der schwarzen Bev&ouml;lkerung geht (was hat ein dunkelh&auml;utiger Berliner davon, dass es nicht mehr &ldquo;Mohrenstrasse&rdquo; heisst &ndash; bekommt er deswegen leichter oder billiger eine Wohnung?), sondern es geht um das allseits beschworene &ldquo;Zeichen setzen&rdquo;. Und das Zeichen dient nicht irgendeiner gesellschaftlichen Fortentwicklung, sondern der Selbst-Glorifizierung: &ldquo;schaut her, was ich f&uuml;r ein liberaler, toleranter, weltoffener, kosmopolitischer Kopf bin&rdquo;.<br>\nDeswegen stellt sich der BVG-Vorstand Erfurt auch mit stolzgeschwellter Brust zum Fototermin auf und schwafelt von &ldquo;Menschen aus 51 Nationen&rdquo;, die bei der BVG arbeiten, deswegen sieht auch die SPD-Frau Giffey ein &ldquo;Zeichen gesetzt&rdquo;, und die Berliner Gr&uuml;nen-Politikerin Kapek&nbsp; findet den alten Namen &ldquo;einfach unertr&auml;glich &hellip; rassistisch&rdquo; (alles dies konnte ich der Berliner Morgenpost entnehmen: <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article229448716\/Mohrenstrasse-Glinkastrasse-BVG-Berlin-Umbenennung-Diskussion-Rassismus.html\">morgenpost.de\/berlin\/article229448716\/Mohrenstrasse-Glinkastrasse-BVG-Berlin-Umbenennung-Diskussion-Rassismus.html<\/a>).&nbsp;<\/li>\n<\/ul><p>Ich habe das auch in einem eigenen Text versucht zu beleuchten (&ldquo;Protest ohne Ziel?&rdquo;). Jedenfalls n&uuml;tzt das ganze hektische Umbenennen, Denkm&auml;ler umst&uuml;rzen und die diversen Wort-Exorzismen nat&uuml;rlich den George Floyds dieser Welt kein bisschen. Was mir &ldquo;einfach unertr&auml;glich&rdquo; ist, ist ganz im Gegenteil diese Scheinheiligkeit der da wortstark auftretenden Figuren &ndash; wo war das donnernde &ldquo;unertr&auml;glich&rdquo; bei den Hartz-4-Gesetzen, bei den Bundeswehr-Eins&auml;tzen von Jugoslawien bis Afghanistan, bei den EPA&rsquo;s mit afrikanischen Staaten und und und&hellip;<\/p><p>Wie hat es anderer Makroskop-Autor formuliert: &ldquo;Solange die Menschen damit besch&auml;ftigt sind, sich zu fragen, wer sie sind &ndash; kommen sie nicht auf die Idee, danach zu fragen, was sie haben wollen&rdquo; (aus dem Ged&auml;chtnis zitiert).<\/p><p>Gr&uuml;&szlig;e<br>\npeter schulz<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Nicht wohlfeil f&auml;nde ich es, wenn Deutschland den V&ouml;lkermord an den Herero und Nama als V&ouml;lkermord anerkennen und finanziell entsch&auml;digen w&uuml;rde.<br>\n&nbsp;<br>\nAuch in Namibia gibt es Denkm&auml;ler, die die Gem&uuml;ter erhitzen, wie das Reiterdenkmal, das an die &ldquo;Opfer&rdquo; der Kolonialkriege von 1904 bis 1908 in &ldquo;Deutsch-S&uuml;dwestafrika&rdquo; auf deutscher Seite erinnert.<br>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reiterdenkmal_(Windhoek)\">de.wikipedia.org\/wiki\/Reiterdenkmal_(Windhoek)<\/a><br>\n&nbsp;<br>\nSiehe auch:<\/p><p>arte: &ldquo;Unter Herrenmenschen &ndash; der deutsche Kolonialismus in Namibia&rdquo; (D 2018)<br>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O9W6WnKruCs\">youtube.com\/watch?v=O9W6WnKruCs<\/a><br>\n&nbsp;<br>\nStefan Eichardt<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger, <\/p><p>mit Erleichterung habe ich Ihren Beitrag &ldquo;Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan &hellip;&rdquo; gelesen.&nbsp; Innerlich kopfsch&uuml;ttelnd habe ich die &uuml;berspitzte Diskussion um Begrifflichkeiten, Sturz von Statuen z.B. von Bismarck &hellip; verfolgt.&nbsp; Was ist mit Shakespeares Othello, Der Mohr von Venedig, mit Hoffmanns Struwwelpeter und die Geschichte von den Schwarzen Buben und dem &ldquo;Mohrenkind&rdquo; oder Asrid Lindgrens Pippi Langstrumpf und ihrem Vater, dem &ldquo;Negerk&ouml;nig&rdquo;. Ich habe diese Bezeichnungen in den Geschichten von Hoffmann und Lindgren als Kind nicht als herabsetzend oder absch&auml;tzig verstanden, weil sie so nicht verstanden werden wollten und mir vom Elternhaus vermittelt wurde, dass alle Menschen gleich zu achten sind. <\/p><p>Mit herzlichem Dank<br>\nIngrid Kruppa<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo und guten Tag.<\/p><p>Die ganze Debatte ist an Verlogenheit und Scheinheiligkeit nicht zu &uuml;berbieten.<\/p><p>Nat&uuml;rlich gibt es Rassismus, bei uns und in den USA und in jedem anderen Land auch.<\/p><p>Wollt man wirklich etwas bewirken, m&uuml;sste man die Lebensbedingungen dieser Menschen verbessern. Mit abgerissenen Denkm&auml;lern und umbenannten Strassen bewirkt man nichts, aber offensichtlich f&uuml;hlt man sich gleich viel besser, denn man hat ja wirklich ein Zeichen gesetzt gegen Rassismus. Wie der abendliche Applaus f&uuml;r die Pflegekr&auml;fte, oder das geheuchlte Entsetzen, wenn in Bangladesch mal wieder eine N&auml;hfabrik abgebrannt ist und hunderte Frauen ums Leben gekommmen&nbsp;sind. Dann boykottieren wir KIK und f&uuml;hlen uns gut und ach so politisch korrekt. Nat&uuml;rlich sind die Lebensbedingungen und L&ouml;hne dieser Menschen unter aller Sau, aber auf die Idee, dass es ihnen ohne diesen Hungerlohn noch schlechter ginge, kommt der politisch korrekte Deutsche nicht. Wollte man wirklich die Situation dieser Menschen verbessern, ginge das nur &uuml;ber die Politik, aber dann darf ich halt auch nicht mehr die Standartparteien w&auml;hlen, denn die interessiert es einen Dreck.<\/p><p>Es wird sich nichts &auml;ndern, weder was den allt&auml;glichen Rassismus betrifft, noch die Lebensumst&auml;nde der &auml;rmsten auf dieser Welt, egal auf welchem Kontinent sie leben, denn unseren Wohlstand k&ouml;nnen wir nur erhalten, indem wir den Rest ausbeuten.<\/p><p>Hochachtungsvoll, Ulrich Erich<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<\/p><p>ich kann Ihrem Artikel nur zustimmen. Ich warte nur auf den Tag, an dem sich solche &bdquo;Experten&ldquo; auch noch &uuml;ber unsere mittelalterliche Literatur hermachen. Ein riesiges Bet&auml;tigungsfeld. Ich denke da zum Beispiel an den Parzival von Wolfram von Eschenbach, einem herausragenden Epos der deutschen Literatur mit gro&szlig;em humanistischen Potenzial. In dem wimmelt es n&auml;mlich von &bdquo;M&oelig;re&ldquo; und &bdquo;M&oelig;rinne&ldquo; (mittelhochdeutscher Plural f&uuml;r Mohr und Mohrin). Deshalb spiegelt der Parzival einen wichtigen zeitgen&ouml;ssischen Bedeutungskontext wider: Als Mohren werden im hohen Mittelalter um Zw&ouml;lfhundert Menschen mit dunklerer Hautfarbe bezeichnet. Nichts weiter. Sie haben es treffend erl&auml;utert. Im Parzival weist die Bezeichnung keine herabsetzende Konnotation auf: Die dort auftretenden &bdquo;Mohren&ldquo; sind alle positiv besetzt: die beiden Protagonisten Belacane, die K&ouml;nigin von Zazamanc, und ihr Sohn Feirefiz Anschevin sind als Herrscherfiguren ebenso wie ihre wei&szlig;en Pendants charakterstark, von gro&szlig;er Tapferkeit, &uuml;beraus gebildet, beherrschen die h&ouml;fische Etikette aus dem Effeff, sind kulturell auf der H&ouml;he der Zeit, und sie sind &ndash; was sehr wichtig ist &ndash;&nbsp;&auml;u&szlig;erst liebenswert. Und Wolfram setzt sogar noch einen drauf: Der adlige wei&szlig;e Haudegen Gahmuret, der in der Vorgeschichte des Epos die Hauptrolle spielt, verliebt sich in die schwarze K&ouml;nigin Belacane und umgekehrt, und sie zeugen Feirefiz, einen &bdquo;gewaltigen&ldquo; dunkelh&auml;utigen Krieger, einen &bdquo;Edelmann&ldquo; vom Scheitel bis zur Sohle und &bdquo;eine so gl&auml;nzende Erscheinung, wie ich noch keine gesehen habe&ldquo;, schw&auml;rmt Ritter Gawan, der Freund Parzivals (zitiert nach der Prosa&uuml;bersetzung von Peter Knecht). Nach einigen Irrungen und Wirrungen und einem finalen Zweikampf erkennen Parzival und Feirefiz am Ende des Epos endlich, dass sie Halbbr&uuml;der sind. Daraufhin beenden sie den Waffengang und umarmen sich schlie&szlig;lich &uuml;bergl&uuml;cklich. Also, wei&szlig;e und schwarze Protagonisten befinden sich &ndash; nat&uuml;rlich literarisch &uuml;berh&ouml;ht &ndash;&nbsp;auf Augenh&ouml;he und sind v&ouml;llig gleichgestellt. Und dies um 1210!! Soweit dieser kleine Beitrag zur Etymologie des Wortes &bdquo;Mohr&ldquo;.&nbsp;<\/p><p>Wenn sich eine spie&szlig;b&uuml;rgerliche Denkverengung mit hochdefizit&auml;rem linken &bdquo;Bewusstsein&ldquo; (neoliberale Linke!), Bildungsl&uuml;cken und massiven Vorurteilen paaren, dann kommt nur eines dabei heraus: als political correctness bezeichnete erstarrte Ersatzhandlungen und -rituale, die nichts &auml;ndern, sondern nur absto&szlig;en. Die Anh&auml;ngerschaft dieser leeren Symbolpolitik hat offenbar keine inhaltlichen Antworten mehr auf die dr&auml;ngenden sozialen und &ouml;kologischen Fragen der Zeit. Mit autorit&auml;ren sprachlichen Zurichtungen und Wortverboten werden die Probleme jedenfalls weder gel&ouml;st noch helfen sie, die Gesellschaft zu ver&auml;ndern, wie die Realit&auml;t hinreichend zeigt.&nbsp;<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHans-J&uuml;rgen M&uuml;lln<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<br>\n&nbsp;<br>\nzun&auml;chst einmal vielen Dank f&uuml;r diesen Artikel. Man findet so selten Hinweise auf den Unterschied zwischen &ldquo;Mohr&rdquo; und dem N-Wort.<\/p><p>Dennoch ist auch das Wort &ldquo;Mohr&rdquo; zumindest in den letzten 500 Jahren auch negativ konnotiert. So mag Othello als Mohr von Venedig ein h&ouml;heres Ansehen genie&szlig;en als ein N*ger von Venedig, gleichwertig zu den wei&szlig;en Einwohnern der Lagunenstadt ist er nicht.<\/p><p>Auch der Spruch &ldquo;Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr soll weichen&rdquo; richtet sich nicht an einen gleichwertigen Menschen. Somit sollte die Verwendung des Wortes &ldquo;Mohr&rdquo; in Bezug auf einen Menschen (egal ob real oder Sarrotti) vermieden werden. Mein Vorschlag die Berliner &ldquo;Mohrenstra&szlig;e&rdquo; einfach in &ldquo;M&ouml;hrenstra&szlig;e&rdquo; um zu benennen findet leider keine Anh&auml;nger. Man benennt ja auch nicht jede &ldquo;Judengasse&rdquo; um, obwohl diese Namen bestimmt nicht positiv gemeint waren.<br>\n&nbsp;<br>\nSie sagen zu recht, dass historische Wappen, Namen, Denkm&auml;ler als Stolpersteine verstanden werden k&ouml;nnen und dazu dienen sich geschichtliche Zusammenh&auml;nge bewusst zu machen. Leider stellen Sie die Geschichte insbesondere zu dem medizinischen Wissen (Apotheken) recht verk&uuml;rzt dar.<\/p><p>Mit dem Fall von Cordoba 1236 einer der gr&ouml;&szlig;ten St&auml;dte der muslimischen Welt, mit einer gro&szlig;en Universit&auml;t und der gr&ouml;&szlig;ten Moschee des Islams geht unendlich viel Wissen verloren. Die siegreichen Christen wussten sehr wohl um das h&ouml;here wissenschaftliche &nbsp;Wissen der Moslems, die Antwort darauf war aber im wesentlichen Zerst&ouml;rung. Nur einigen wenigen gelingt es Wissen zu retten und weiter zutragen (Grundlage f&uuml;r die europ&auml;ische Aufkl&auml;rung und unser wissenschaftliches Denken). Auch wird die Geschichte der Reconquista, wie z.B. bei Wikipedia, sehr gesch&ouml;nt dargestellt. Tats&auml;chlich war sie gepr&auml;gt von Massakern (z.B. der &Uuml;berfall auf ungesicherte Kurbadorte mit der T&ouml;tung aller anwesenden Kinder, Frauen und M&auml;nnern), B&uuml;cherverbrennungen, Zerst&ouml;rung, von der spanischen Inquisition nach der Eroberung mal ganz zu schweigen. Die Eroberung der spanischen Halbinsel nimmt die Brutalit&auml;t der sp&auml;teren Kolonialisierung der Welt vorweg. Auch f&uuml;r die Christen, die versuchten sich das muslimische Wissen nutzbar zu machen, war dies nicht ungef&auml;hrlich. Einer der Hauptvorw&uuml;rfe an die Ketzer von Prag (Beginn der drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieges) war, dass diese muslimische schwarze Magie in der Medizin verwendeten. Das Verh&auml;ltnis der wei&szlig;en Christen zu den muslimischen (maurischen) Mohren war also mehr durch Gewalt und Ignoranz als durch Respekt und wissenschaftlichen Austausch gepr&auml;gt.<\/p><p>Da halte ich es f&uuml;r legitim, Symbole, die sich auf diese Zeit &nbsp;beziehen, kritisch zu hinterfragen.<\/p><p>Reiner Wort oder Bild Fetischismus (Der hat N* gesagt!!!) ist aber nicht hilfreich.<br>\n&nbsp;<br>\nIch freue mich auf weitere Beitr&auml;ge \/ B&uuml;cher von Ihnen und verbleibe<br>\nmit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nKakapo3<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62742\">In diesem Beitrag<\/a> hat sich Jens Berger dem Ph&auml;nomen des &bdquo;Mohrenstreits&ldquo; innerhalb der zu Beginn des Sommerlochs neu entflammten Rassismusdebatte angenommen. 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