{"id":63020,"date":"2020-07-18T11:45:30","date_gmt":"2020-07-18T09:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63020"},"modified":"2020-07-31T10:20:19","modified_gmt":"2020-07-31T08:20:19","slug":"schaden-fuer-die-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63020","title":{"rendered":"Schaden f\u00fcr die Seele"},"content":{"rendered":"<p>Um Julian Assange ist es in den sogenannten Leitmedien in den vergangenen Monaten still geworden, nein, vielmehr still geblieben. Denn seitdem er mitten in London im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh sitzt und seitdem seine Auslieferung an die USA gepr&uuml;ft wird, bekommt man zumindest hierzulande kaum mehr als Kurzberichte zu lesen. Da kann seine Verlobte und Mutter seiner zwei kleinen S&ouml;hne an die &Ouml;ffentlichkeit gehen, da k&ouml;nnen &Auml;rzte aus der ganzen Welt alarmierte Offene Briefe schreiben, weil sie Sorge haben, Assange k&ouml;nnte in seiner Isolationshaft sterben, da k&ouml;nnen dutzende NGOs von der britischen Regierung seine sofortige Freilassung fordern &ndash; es wird weiterhin eisern geschwiegen. Es geht ja nur um den Fall des Mannes, der mehr oder weniger alleine die abscheulichsten Kriegsverbrechen und schmutzigsten Geheimnisse der einzig verbliebenen Gro&szlig;macht ans Licht gebracht hat. <strong>Craig Murray<\/strong> dagegen steht seit vielen Jahren an Julian Assanges Seite. Er hat ausf&uuml;hrlich und akkurat von den Anh&ouml;rungen in London berichtet und unterzieht <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2020\/07\/damage-to-the-soul\/\">in seinem aktuellen Artikel<\/a> die erweiterte Anklage gegen Assange einer kritischen Analyse. &Uuml;bersetzung von <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2014\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63020-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63020-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200720_Schaden_fuer_die_Seele_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Schaden f&uuml;r die Seele<\/strong><\/p><p>Die Inhaftierung von Julian Assange ist ein Katalog krassen Unrechts &ndash; mitschuldige Medien und eine indoktrinierte Bev&ouml;lkerung schauen weg. In einer ganz au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Wendung wird Assange jetzt auf der Grundlage einer in Gro&szlig;britannien erhobenen Anklage ausgeliefert, die sich erheblich von der tats&auml;chlichen Anklage unterscheidet, die ihm in Virginia bevorsteht, falls er ausgeliefert wird.<\/p><p>Die Anh&ouml;rung von Assange wurde nach ihrer ersten ganzen Woche vertagt und ihre Wiederaufnahme wird seither durch das Coronavirus verz&ouml;gert. In dieser ersten Woche haben sowohl die Anklage als auch die Verteidigung ihre juristischen Argumente die Anklage betreffend umrissen. Wie ich en detail einem Millionenpublikum <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2020\/02\/your-man-in-the-public-gallery-assange-hearing-day-2\/\">berichtet<\/a> habe, haben Assanges Anw&auml;lte die Hauptargumente der Anklage w&auml;hrend dieser Anh&ouml;rung praktisch in der Luft zerrissen.<\/p><p>Dieser Ausschnitt meines Berichts &uuml;ber die Argumentation der Verteidigung ist von besonderer Relevanz f&uuml;r die Geschehnisse seitdem:<\/p><blockquote><p>\nKronanwalt Mark Summers legte f&uuml;r die Verteidigung dar, dass die US-Anklage vollkommen von drei Anschuldigungen des Verhaltens von Assange abh&auml;ngig sei:<\/p>\n<ol>\n<li>Assange half Manning, einen Hash-Schl&uuml;ssel zu dekodieren, um an geheimes Material zu gelangen.<br>\nSummers sagte, dies sei eine erwiesenerma&szlig;en falsche Anschuldigung, was die Gerichtsunterlagen des Verfahrens gegen Manning am Kriegsgericht zeigten.  <\/li>\n<li>Assange erbat das Material von Manning<br>\nSummers legte dar, dass das nachweislich falsch sei, was aus Informationen hervorgehe, die der &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich sind<\/li>\n<li>Assange setzte wissentlich Menschenleben aufs Spiel<br>\nSummers erkl&auml;rte, dies sei sowohl aufgrund &ouml;ffentlich zug&auml;nglicher Informationen, als auch aufgrund der spezifischen Beteiligung der US-Regierung nachweislich falsch. Zusammenfassend erkl&auml;rte Summers, die US-Regierung habe gewusst, dass die Vorw&uuml;rfe falsch waren, und die Vorw&uuml;rfe wurden in der Absicht, zu t&auml;uschen, erhoben. Es handele sich also um Prozessmissbrauch, der zur Zur&uuml;ckweisung des Auslieferungsersuchens f&uuml;hren sollte. Die drei oben genannten Punkte bezeichnete Summers als &bdquo;Quatsch, Quatsch und Quatsch&ldquo;. Anschlie&szlig;end ging Summers den Sachverhalt Schritt f&uuml;r Schritt durch. Er sagte, die US-Vorw&uuml;rfe unterteilten die von Manning an WikiLeaks geleakten Materialien in drei Kategorien.\n<ol type=\"a\">\n<li>Diplomaten-Depeschen<\/li>\n<li>kurze Bewertungen von Guantanamo-H&auml;ftlingen<\/li>\n<li>Einsatzregeln im Irak-Krieg<\/li>\n<li>afghanische und irakische Kriegsprotokolle<\/li>\n<\/ol>\n<p>Danach ging Summers die Punkte a, b, c und d systematisch durch und bezog sie nacheinander auf die behaupteten Verhaltensweisen 1, 2 und 3, so dass er insgesamt zw&ouml;lf Erkl&auml;rungen darlegte. Dieser umfassende Bericht nahm ungef&auml;hr vier Stunden in Anspruch, und ich werde nicht versuchen, ihn hier festzuhalten. Vielmehr m&ouml;chte ich einige Schwerpunkte darlegen und mich dabei gelegentlich auf die vorhin aufgef&uuml;hrten Zahlen und Buchstaben beziehen. Ich hoffe, dass Sie damit klarkommen &ndash; es hat mich einige Zeit gekostet.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<p>Zu 1) zeigte Summers ausf&uuml;hrlich und schl&uuml;ssig, dass Manning zu allen Materialien a, b, c, d, die sie WikiLeaks zuspielte, Zugang hatte, ohne daf&uuml;r einen Code von Assange zu ben&ouml;tigen, und dass sie diesen Zugang schon hatte, ehe sie mit Assange &uuml;berhaupt in Kontakt getreten war.<br>\nAuch ben&ouml;tigte Manning nicht, wie es die Anklage behauptet, einen Code, um ihre Identit&auml;t zu verbergen. Die Datenbank f&uuml;r Geheimdienst-Analysten, auf die Manning &ndash; wie Tausende andere &ndash; zugreifen konnte, erforderte keinen Benutzernamen oder kein Passwort, wenn man darauf von einem Arbeitsrechner des Milit&auml;rs zugriff. <\/p>\n<p>Summers zitierte die Zeugenaussagen mehrerer Beamter aus Mannings Kriegsgerichtsverhandlung, die das best&auml;tigten. Auch das Knacken des Systemadministrator-Codes w&uuml;rde Manning keinen Zugang zu zus&auml;tzlichen Datenbanken verschaffen. Summers zitierte aus Mannings Verfahren vor dem Kriegsgericht, nach dem Manning die Systemadministrator-Rechte haben wollte, um es Soldaten zu erm&ouml;glichen, ihre Video-Spiele und Filme auf ihre Regierungs-Laptops zu laden, was in der Tat oft geschah. Und dieser Grund war vor dem Kriegsgericht akzeptiert worden.<br>\nRichterin Baraitser unterbrach den Vortrag von Summers zweimal. Sie bemerkte, dass, auch wenn Chelsea Manning nicht wusste, dass sie als Benutzerin, die die Datenbanken herunterlud, nicht ausfindig gemacht werden konnte, sie dennoch aus Unwissenheit, dass dies gar nicht n&ouml;tig war, Assanges Hilfe beim Knacken des Codes gesucht haben k&ouml;nnte, um ihre Identit&auml;t zu verbergen. Und dabei zu helfen, w&auml;re dann trotzdem ein Delikt vonseiten Assanges.<br>\nSummers wies darauf hin, dass Manning wusste, dass sie keinen Benutzernamen und kein Kennwort brauchte, weil sie das ganze Material ja bereits ohne diese abgerufen hatte. Baraitser erwiderte, dass dies nicht beweise, dass sie wusste, dass sie dabei keine Spuren hinterlie&szlig;. <\/p>\n<p>Summers sagte, es ergebe keinen Sinn zu behaupten, sie h&auml;tte einen Code gesucht, um ihre Benutzer-ID und ihr Kennwort zu verbergen, wo es doch gar keine Benutzer-ID und kein Kennwort gab. Baraitser wiederum antwortete, dass er das nicht beweisen k&ouml;nne. An dieser Stelle wurde Summers Baraitser gegen&uuml;ber etwas gereizt und kurzangebunden und ging f&uuml;r sie das Beweismaterial des Kriegsgerichts erneut durch. &hellip; <\/p>\n<p>Baraitser bemerkte auch, selbst wenn Assange Manning dabei geholfen habe, den Admin-Code zu knacken &ndash; auch wenn das Manning nicht in die Lage versetzte, Zugriff auf mehr Datenbanken zu erlangen &ndash; dies immer noch unerlaubtes Handeln darstelle und den Tatbestand der Hilfe und Beihilfe zum Computer-Missbrauch darstelle, selbst wenn es aus einem harmlosen Grund geschehen sei.\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass sich die Richterin Baraitser mit den Argumenten der Verteidigung ernsthaft auseinandersetzt, zeigen sich hier der Anklage doch die L&ouml;cher in ihrer Beweisf&uuml;hrung, die ihnen ernste Probleme bereiten w&uuml;rden, sollten sie Julian in den Vereinigten Staaten vor Gericht bringen. <\/p><p>Insbesondere m&uuml;ssen sie sich vor dem starken Schutz der Meinungsfreiheit in der US-Verfassung in Acht nehmen. Deshalb wollen sie Julian unbedingt als Hacker und nicht als Journalisten darstellen. Doch daf&uuml;r haben sie, wie wir weiter oben gesehen haben, nicht die besten Karten.    <\/p><p>Deshalb braucht die Anklage also einen anderen Fall. Sie haben aus diesem Grund die Anklage gegen Julian in Virginia vollkommen abge&auml;ndert und eine neue Anklage erhoben, die an die Stelle der urspr&uuml;nglichen gesetzt wurde.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200718_Damage-to-the-Soul.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200718_Damage-to-the-Soul.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>&bdquo;Neue Anklage gegen WikiLeaks-Gr&uuml;nder <\/p><p>Neuen Vorw&uuml;rfen zufolge hat sich Assange unter anderem mit &bdquo;anonymen&ldquo; Hackern verschworen <\/p><p>Eine Grand Jury des Bundes gab heute eine zweite Anklageschrift zur&uuml;ck, in der Julian P. Assange, der Gr&uuml;nder von WikiLeaks, wegen Straftaten angeklagt wurde, die sich auf Assanges angebliche Rolle bei einer der gr&ouml;&szlig;ten Preisgaben von Verschlusssachen in der Geschichte der Vereinigten Staaten beziehen.<\/p><p>Die neue Anklageschrift f&uuml;gt der vorherigen Anklage gegen Assange, die im Mai 2019 gegen Assange eingereicht wurde, keine zus&auml;tzlichen Anklagepunkte hinzu. Sie erweitert jedoch den Umfang der Verschw&ouml;rung im Zusammenhang mit mutma&szlig;lichen Computereingriffen, die Assange zuvor vorgeworfen wurden. Laut der Anklageschrift haben Assange und andere Mitarbeiter von WikiLeaks Hacker angeworben und vereinbart, Computereingriffe zum Nutzen von WikiLeaks zu begehen.<\/p><p>Seit den Anf&auml;ngen von WikiLeaks hat Assange auf Hacking-Konferenzen gesprochen, um f&uuml;r seine eigene Geschichte als &bdquo;ber&uuml;hmter Teenager-Hacker in Australien&ldquo; zu werben und andere zum Hacken zu ermutigen, um Informationen f&uuml;r WikiLeaks zu erhalten. Im Jahr 2009 teilte Assange der Hacking-At-Random-Konferenz beispielsweise mit, dass WikiLeaks nicht&ouml;ffentliche Dokumente vom Congressional Research Service erhalten habe, indem er &bdquo;eine kleine Sicherheitsl&uuml;cke&ldquo; innerhalb des Dokumentenverteilungssystems des US-Kongresses ausnutzte, und behauptete dann: &bdquo;So etwas w&uuml;rde jeder von euch finden, wenn ihr tats&auml;chlich hinschaut.&ldquo;<\/p><p>Im Jahr 2010 erhielt Assange unbefugten Zugriff auf ein Regierungscomputersystem eines NATO-Landes. Im Jahr 2012 kommunizierte Assange direkt mit einem Leiter der Hacking-Gruppe LulzSec (der zu diesem Zeitpunkt mit dem FBI zusammenarbeitete) und stellte eine Liste mit Zielen zur Verf&uuml;gung, die LulzSec hacken sollte. In Bezug auf ein Ziel bat Assange den LulzSec-Leiter, nach E-Mails und Dokumenten, Datenbanken und PDFs zu suchen (und diese f&uuml;r WikiLeaks bereitzustellen). In einer anderen Mitteilung teilte Assange dem LulzSec-Leiter mit, dass eine Ver&ouml;ffentlichung von gehacktem Material am effektivsten durch die CIA, die NSA oder die New York Times geschehen w&uuml;rde. <\/p><p>WikiLeaks erhielt und ver&ouml;ffentlichte E-Mails aus einem Datenleck, das auf das Konto eines anonymen und mit LulzSec verbundenen Hackers gegen ein amerikanisches Geheimdienst-Beratungsunternehmen ging. Laut diesem Hacker hat Assange ihn indirekt gebeten, die Opferfirma erneut zu spammen.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus behauptet die erweiterte Hacking-Verschw&ouml;rung weiterhin, Assange habe sich mit dem Geheimdienstanalysten Chelsea Manning verschworen, um einen Passwort-Hash f&uuml;r einen als geheim eingestuften Computer des US-Verteidigungsministeriums zu knacken.<\/p><p>Eine Anklage enth&auml;lt Vorw&uuml;rfe, dass ein Angeklagter ein Verbrechen begangen hat. Assange gilt als unschuldig, es sei denn, er wird zweifelsfrei f&uuml;r schuldig befunden bzw. bis er zweifelsfrei f&uuml;r schuldig befunden wurde. Bei einer Verurteilung droht ihm eine H&ouml;chststrafe von zehn Jahren Gef&auml;ngnis f&uuml;r jeden der Anklagepunkte, mit Ausnahme der Verschw&ouml;rung, Computereingriffe zu begehen, f&uuml;r die ihm eine H&ouml;chststrafe von f&uuml;nf Jahren Gef&auml;ngnis droht. Die tats&auml;chlichen Strafen f&uuml;r Bundesverbrechen liegen in der Regel unter den H&ouml;chststrafen. Ein Bundesbezirksrichter entscheidet &uuml;ber jede Strafe unter Ber&uuml;cksichtigung der US-Verurteilungsrichtlinien und anderer gesetzlich verankerter Faktoren.<\/p><p>Assange ist derzeit auf Auslieferungsersuchen der Vereinigten Staaten im Vereinigten K&ouml;nigreich inhaftiert. Die Auslieferung von Assange an die Vereinigten Staaten wird vom B&uuml;ro f&uuml;r internationale Angelegenheiten des Justizministeriums und den britischen Beh&ouml;rden, einschlie&szlig;lich des Innenministeriums und der Staatsanwaltschaft f&uuml;r England und Wales, abgewickelt.&ldquo;<\/p><p>Man sieht hier also, dass dieses Man&ouml;ver dazu dient, das Hacken als Grundlage der Anklage zu nehmen und nicht die Ver&ouml;ffentlichung von Leaks &uuml;ber entsetzliche US-amerikanische Kriegsverbrechen. Die neue Anklage beruht auf den Beweisen eines &bdquo;Kronzeugen&ldquo; namens <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2020\/06\/24\/assange-extradition-assange-hit-with-new-superseding-indictment-broadening-computer-intrusion-charges\/\">Sigurdur Thordarson<\/a>, der als bezahlter Informant des FBI diente, w&auml;hrend er zu WikiLeaks Kontakt hatte.  <\/p><p>Thordarson mag Geld und ist ein Serienstraft&auml;ter. Er wurde am 22. Dezember 2014 vom Bezirksgericht Reykjavik in Island verurteilt, weil er mehr als 40.000 US-Dollar und mehr als 13.000 Euro von der WikiLeaks-eigenen Organisation &bdquo;Sunshine Press&ldquo; gestohlen hatte, indem er Dokumente im Namen von Julian Assange f&auml;lschte. Des Weiteren erhielt er eine zweij&auml;hrige Haftstrafe. <\/p><p>Thordarson ist zudem ein verurteilter Sexualstraft&auml;ter, der verurteilt wurde, nachdem ihn Julian Assange der Polizei &uuml;bergeben hatte, die Beweise f&uuml;r seine Straftaten &ndash; inklusive Vergehen im Zusammenhang mit einer minderj&auml;hrigen Person &ndash; auf Thordarsons Computer fand. <\/p><p>Die Motive und die Referenzen des FBI-Kronzeugen sind also nicht eben &uuml;ber jeden Zweifel erhaben.   <\/p><p>Das FBI hatte Thordarsons &bdquo;Beweise&rdquo; gegen Assange lange, ehe die Frist f&uuml;r die Einreichung von Beweisen in der Auslieferungs-Anh&ouml;rung am 19. Juni 2019 verstrichen war. Dass man es jetzt offenbar n&ouml;tig zu haben glaubt, sich auf dieses recht krude Material zu st&uuml;tzen, ist ein gutes Zeichen daf&uuml;r, wie man seitens des FBI den bisherigen Verlauf der Auslieferungsanh&ouml;rungen als Indikator einer erfolgreichen Anklage in den USA einsch&auml;tzt.<\/p><p>Die Auslieferung durch Gro&szlig;britannien ist also eine absolute Farce. Ich nahm an Diskussionen mit WikiLeaks dar&uuml;ber teil, was passieren w&uuml;rde, wenn die neue Anklage in der technischen Anh&ouml;rung im vergangenen Monat eingef&uuml;hrt w&uuml;rde. Man h&auml;tte diese neue Anklage nicht akzeptieren d&uuml;rfen &ndash; schlie&szlig;lich liegt das Fristende f&uuml;r die Einreichung von Anklagepunkten mehr als ein Jahr zur&uuml;ck. Au&szlig;erdem waren die einleitenden Argumente die alte Anklage betreffend bereits eine Woche lang angeh&ouml;rt worden. Die neue Anklage soll offensichtlich die M&auml;ngel in der vorigen Anklage tilgen, die in der Anh&ouml;rung offen zutage getreten waren. <\/p><p>Die nachgeschobene Anklage soll auch eidesstattliche Erkl&auml;rungen von Zeugen der Verteidigung kontern, die der Anklagevertretung vorgelegt wurden, einschlie&szlig;lich Zeugenaussagen von Sachverst&auml;ndigen, die die Anklage in Bezug auf Assanges angebliche Hacking-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Manning entkr&auml;ften &ndash; welche bis jetzt die einzige Grundlage f&uuml;r den &bdquo;Hacking&ldquo;-Vorwurf darstellt. Diese Wendung, so machte WikiLeaks geltend, war ein unerh&ouml;rtes Unterfangen. Sollte die ganze Anh&ouml;rung nun auf Grundlage der neuen Anklage von vorne beginnen?  <\/p><p>Zu unserem Erstaunen wartete die Anklagevertretung dann aber bei der technischen Anh&ouml;rung gar nicht mit der neuen Anklage auf. Um diese Probleme zu umschiffen, scheinen sie bereit zu sein, mit der Auslieferungsanh&ouml;rung auf Grundlage der alten Anklage fortzufahren, obwohl Assange doch in den Vereinigten Staaten gar nicht diese Anklage erwartet. Das ist absolut ungeheuerlich. Die Anklageseite wird ins Feld f&uuml;hren, dass die eigentlichen Spionage-Vorw&uuml;rfe unver&auml;ndert geblieben sind. Es ist jedoch so, dass die eine Anklage die Grundlage der Auslieferungs-Anh&ouml;rung bildet und die andere Anklage die Grundlage jeglicher US-Strafverfolgung bilden w&uuml;rde.<\/p><p>&Uuml;ber eine Auslieferung auf Grundlage einer Anklage zu entscheiden, wenn der Angeklagte sich doch in Wirklichkeit einer anderen Anklage gegen&uuml;bersieht, ist ein Skandal. Die Anklage, lange nachdem die Anh&ouml;rung begonnen hat und die Beweise der Verteidigung eingesehen wurden, abzu&auml;ndern, ist ein Skandal. Der Mangel an medialer Emp&ouml;rung ist ein Skandal. <\/p><p>Nichts davon wird diejenigen von uns schockieren, die die Geschehnisse bisher verfolgt haben. Wir m&uuml;ssen weiterhin daran arbeiten, ein &ouml;ffentliches Bewusstsein daf&uuml;r zu schaffen, dass hier ein Journalist vernichtet wird, weil er Kriegsverbrechen &ouml;ffentlich gemacht hat, vernichtet auf der Grundlage eines ganzen Katalogs an staatlichen L&uuml;gen und eines windigen Verfahrens. Ein solches Handeln verletzt die Seele eines Staates bis ins Mark.    <\/p><p>Titelbild: Katherine Da Silva\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Julian Assange ist es in den sogenannten Leitmedien in den vergangenen Monaten still geworden, nein, vielmehr still geblieben. Denn seitdem er mitten in London im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh sitzt und seitdem seine Auslieferung an die USA gepr&uuml;ft wird, bekommt man zumindest hierzulande kaum mehr als Kurzberichte zu lesen. Da kann seine Verlobte und Mutter seiner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63020\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":63021,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,198,126,11],"tags":[681,2012,2163,469,930,304,1919,2617,2295,1556,1087,665],"class_list":["post-63020","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-strategien-der-meinungsmache","tag-assange-julian","tag-cyberkriminalitaet","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-justiz","tag-kriegsverbrechen","tag-lueckenpresse","tag-manning-chelsea","tag-murray-craig","tag-usa","tag-whistleblower","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/shutterstock_1657155367.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63020"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63088,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63020\/revisions\/63088"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}