{"id":63305,"date":"2020-07-27T11:00:42","date_gmt":"2020-07-27T09:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63305"},"modified":"2020-08-14T09:12:13","modified_gmt":"2020-08-14T07:12:13","slug":"20-jahre-camp-david-der-friedensprozess-der-keiner-war-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63305","title":{"rendered":"20 Jahre Camp David: Der Friedensprozess, der keiner war. Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Ist die 1994 etablierte &bdquo;Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde&ldquo; nicht der lebendige Beweis daf&uuml;r, dass Pal&auml;stinenser und Israelis auf dem richtigen Weg waren? Nein, sagt Fabian Goldmann. Denn mit &bdquo;Regierungsfunktionen&ldquo; und &bdquo;Quasistaatlichkeit&ldquo; h&auml;tte diese Autonomiebeh&ouml;rde kaum etwas zu tun &ndash; sie sei stattdessen Teil der israelischen Besatzung geworden. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63252\">Teil 1 des Textes findet sich hier<\/a>. Von <strong>Fabian Goldmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1921\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63305-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63305-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200728_20_Jahre_Camp_David_Der_Friedensprozess_der_keiner_war_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der 4. Mai 1994 war ein historischer Tag f&uuml;r Israelis und Pal&auml;stinenser. Erstmalig seit Beginn der israelischen Besatzung im Jahr 1967 verpflichtete sich die israelische Regierung, Teile ihrer Armee aus zwei pal&auml;stinensischen St&auml;dten abzuziehen. Das dementsprechend benannte &bdquo;Gaza-Jericho-Abkommen&ldquo; legte zudem fest, wer dort von nun an die Kontrolle &uuml;bernehmen sollte: eine neu geschaffene &bdquo;Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde&ldquo; (PA). Eine &bdquo;quasistaatliche Einrichtung, die seit 1994 nominell Regierungsfunktionen&ldquo; aus&uuml;bt. So hei&szlig;t es im dazugeh&ouml;rigen Wikipedia-Eintrag. <\/p><p>Ist diese Beh&ouml;rde nicht der lebendige Beweis daf&uuml;r, dass Pal&auml;stinenser und Israelis auf dem richtigen Weg waren &ndash;  zumal der Machtbereich der PA in den folgenden Jahren noch auf weitere St&auml;dte ausgeweitet wurde? Nein. Denn mit &bdquo;Regierungsfunktionen&ldquo; und &bdquo;Quasistaatlichkeit&ldquo; hat die PA in etwa soviel zu tun wie die begrenzte Gefangenenselbstorganisation in manchen &uuml;berf&uuml;llten Gef&auml;ngnissen mit der Leitung ebendieser.  <\/p><p><strong>Wie Israel seine Besatzung auf die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde auslagerte<\/strong><\/p><p>Institutionen wie das pal&auml;stinensische Pr&auml;sidentenamt und der Pal&auml;stinensische Legislativrat, die Aufstellung eigener pal&auml;stinensischer Sicherheitskr&auml;fte, das Abhalten von Staatsempf&auml;ngen und die Herausgabe von eigenen Briefmarken bis hin zum Bau eines (bald wieder zerst&ouml;rten) internationalen Flughafens waren das Ergebnis m&uuml;hevoller israelisch-pal&auml;stinensischer Verhandlungsrunden. Doch der &bdquo;Oslo-Friedensprozess&ldquo; sorgte auch daf&uuml;r, dass hinter der Fassade der neu geschaffenen Insignien pal&auml;stinensischer Souver&auml;nit&auml;t weiterhin israelische Politiker &uuml;ber Leben und Sterben in den pal&auml;stinensischen Gebieten entschieden. <\/p><p>Darstellungen der pal&auml;stinensischen Selbstverwaltung klingen h&auml;ufig wie folgt: Im Zuge des &bdquo;Oslo-Friedensprozesses&ldquo; wurden die pal&auml;stinensischen Gebiete in drei Zonen eingeteilt. Zone A (etwa 18% des Landes inkl. der meisten gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dte) stand unter alleiniger Kontrolle der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde. In Zone B (20%) &uuml;bernahm die PA die Zivilverwaltung, w&auml;hrend Israel weiterhin die Sicherheitsverwaltung inne hielt. In Zone C (62%) &uuml;bte Israel die alleinige Kontrolle aus. <\/p><p>Solche Darstellungen f&uuml;hren gleich mehrfach in die Irre: Denn zum einen bestand diese Aufteilung h&auml;ufig nur auf dem Papier. Bis heute nimmt die israelische Armee f&uuml;r sich in Anspruch, zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort in den pal&auml;stinensischen Gebieten pr&auml;sent sein zu k&ouml;nnen. Wichtiger noch: Wirkliche pal&auml;stinensische Autonomie gibt es in keiner der Zonen. Daf&uuml;r gesorgt haben die Bestimmungen des israelisch-pal&auml;stinensischen &bdquo;Friedensprozesses&ldquo;.  <\/p><p><strong>Jeder Bereich pal&auml;stinensischer Politik ist von israelischer Zustimmung abh&auml;ngig<\/strong><\/p><p>Die Bestimmungen des &bdquo;Oslo-Friedensprozesses&ldquo; sorgten nicht nur f&uuml;r den Aufbau unz&auml;hliger pal&auml;stinensischer Institutionen, sie sicherten auch, dass diese im Zweifel machtlos blieben. Ganze Politikbereiche wie die Beziehungen zu anderen L&auml;ndern, die Kontrolle von Grenzen, Luftraum und Funkwellen oder der Export und Import von Waren blieben weitgehend der Zust&auml;ndigkeit der PA entzogen. In hunderten Paragraphen setzten israelische Unterh&auml;ndler zudem Bestimmungen durch, die f&uuml;r gew&ouml;hnlich Aufgabe staatlicher Regierungen und Parlamente sind: vom Umgang mit Nutztierinfektionen, &uuml;ber Exportquoten f&uuml;r Oliven&ouml;l bis hin zu Briefmarkenmotiven. <\/p><p>In Bereichen, in denen pal&auml;stinensische Institutionen einen gewissen eigenen Entscheidungsspielraum zugestanden bekamen, sorgten wiederum neu eingerichtete Komitees daf&uuml;r, dass letztlich doch jede pal&auml;stinensische Entscheidung von israelischer Zustimmung abh&auml;ngig blieb: Pal&auml;stinensischer Legislativrat und Pr&auml;sident k&ouml;nnen zwar Gesetze und Verordnungen erlassen, in Kraft treten diese aber nur, solange der israelische Beamte im &bdquo;Legislation Subcommittee&ldquo; kein Veto erhebt. Pal&auml;stinensische Beh&ouml;rden k&ouml;nnen zwar den Bau neuer Stra&szlig;en planen und Abwassergeb&uuml;hren festlegen. Umgesetzt werden diese aber erst, wenn das &bdquo;Joint Civil Affairs Coordination and Cooperation Committee&ldquo; keine israelischen Interessen verletzt sieht. Die Sicherheitskr&auml;fte der PA k&ouml;nnen auf den Stra&szlig;en Pal&auml;stinas den Verkehr regeln und Kriminelle verhaften &ndash; aber nur entlang der Vorgaben, die das &bdquo;Joint Security Coordination and Cooperation Committee&ldquo; zuvor f&uuml;r sie erarbeitet hat.<\/p><p><strong>Wie der &bdquo;Friedensprozess&ldquo; einen brutalen Unterdr&uuml;ckungsapparat schuf<\/strong><\/p><p>Die Sicherheitspolitik war es auch, die in den israelisch-pal&auml;stinensischen Verhandlungen den gr&ouml;&szlig;ten Raum einnahm und die weitreichendsten Folgen f&uuml;r das Leben der Pal&auml;stinenser in den besetzten Gebieten hatte. W&auml;hrend Israel sich das Recht vorbehielt, weiterhin zu jeder Zeit und an jedem Ort seine Armee einzusetzen, f&uuml;hrte der &bdquo;Oslo-Friedensprozess&ldquo; zur Errichtung eines gigantischen pal&auml;stinensischen Sicherheitsapparates. <\/p><p>Dessen Aufgabe war es nicht, die Menschen in den besetzten Gebieten vor der Gewalt israelischer Soldaten oder Siedler zu sch&uuml;tzen. Genau das ist pal&auml;stinensischen Polizisten ebenso wie pal&auml;stinensischen Richtern bis heute explizit verboten. Stattdessen diente die Aufstellung von mehreren zehntausend pal&auml;stinensischen Sicherheitskr&auml;ften vor allem den Interessen Israels. Pal&auml;stinensische Sicherheitskr&auml;fte zerschlugen Milizen, die zuvor gegen die Besatzung gek&auml;mpft hatten und verhafteten Oppositionelle, die den Verhandlungen mit Israel kritisch gegen&uuml;berstanden. Gegen die Folgen der anhaltenden Besatzung taten sie nichts. <\/p><p>Die Folgen dieser Politik hat <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/wp-content\/uploads\/downloads\/other_reports\/documenting-the-crime-of-torture-in-the-palestinian-authoritys-territories.pdf\">ein Bericht der NGO &bdquo;Middle East Monitor&ldquo;<\/a> festgehalten: 98 Prozent aller Pal&auml;stinenser, die von pal&auml;stinensischen Sicherheitskr&auml;ften verhaftet werden, wird ein politisches oder sicherheitsrelevantes Vergehen vorgeworfen. 95 Prozent aller Inhaftierten in pal&auml;stinensischen Gef&auml;ngnissen werden Opfer von Folter. Dass dies kein unerw&uuml;nschtes Nebenprodukt der Errichtung der PA, sondern deren Aufgabe war, formulierte Jitzhak Rabin 1994 wie folgt: &bdquo;Die PA k&ouml;nnte sich um Gaza k&uuml;mmern, ohne Probleme durch Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof, ohne Probleme durch [die israelische Menschenrechtsorganisation] B&rsquo;Tselem und ohne Probleme aller Arten von blutenden Herzen, M&uuml;ttern und V&auml;tern.&ldquo; <\/p><p>Statt zu einem Ende der Unterdr&uuml;ckung f&uuml;hrten die israelisch-pal&auml;stinensischen Verhandlungen dazu, dass neben der israelischen Armee noch ein zweiter Unterdr&uuml;cker hinzukam. Statt einem Staat bekamen die Pal&auml;stinenser mit der PA  eine in jedem Bereich von Israel abh&auml;ngige Verwaltungsbeh&ouml;rde. Statt Frieden bekam die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung in den &bdquo;Friedensjahren&ldquo; von Oslo lediglich eine auf ihre eigene F&uuml;hrung ausgelagerte Besatzung. <\/p><p><strong>Wie der &bdquo;Friedensprozess&ldquo; eine korrupte pal&auml;stinensische Clique an die Macht brachte<\/strong><\/p><p>Bleibt die Frage: Warum machte die pal&auml;stinensische F&uuml;hrung da mit? Antworten auf diese Frage gibt es viele. Sie reichen von der Unerfahrenheit pal&auml;stinensischer Politiker, die quasi &uuml;ber Nacht von K&auml;mpfern zu Unterh&auml;ndlern und Diplomaten wurden, bis hin zum endlosen Strom an EU-Milliarden, der noch den gr&ouml;&szlig;ten Idealisten dazu gebracht h&auml;tte, die Rechte seines Volkes zu verkaufen. Wichtig ist aber auch: Es war nicht nur die pal&auml;stinensische F&uuml;hrung, die beim &bdquo;Friedensprozess&ldquo; mitmachte. Es war der &bdquo;Friedensprozess&ldquo;, der sich die n&ouml;tige pal&auml;stinensische F&uuml;hrung schuf. <\/p><p>Mit der &bdquo;Pal&auml;stinensischen Befreiungsorganisation&ldquo;  PLO stand Israel zwar formell eine Organisation gegen&uuml;ber, die einen gro&szlig;en Teil des politischen Spektrums der Pal&auml;stinenser repr&auml;sentierte, aber die Verhandlungen f&uuml;hrten lediglich eine kleine Gruppe um PLO-Chef Jassir Arafat. Diesem wiederum war es &uuml;berhaupt erst durch den &bdquo;Oslo-Friedensprozess&ldquo; (genauer: das Gaza-Jericho-Abkommen von 1994) erlaubt worden, nach Pal&auml;stina zur&uuml;ckzukehren. Seit Beginn der israelischen Besatzung von 1967 hatte Arafat keinen einzigen Tag in Pal&auml;stina verbracht und entsprechend wenig mit der Lebensrealit&auml;t der dortigen Bev&ouml;lkerung zu tun.<\/p><p>Gro&szlig;e Teile der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung wie auch der PLO haben Arafats Verhandlungen mit Israel nie unterst&uuml;tzt. Lokale Politiker, die tats&auml;chlich das Leben unter Besatzung kannten und oft mehr Vertrauen in der Bev&ouml;lkerung genossen, unterst&uuml;tzten zwar die Idee von Gespr&auml;chen mit Israel, wandten sich aber gegen die Zugest&auml;ndnisse, zu denen Arafats Gruppe immer wieder bereit war. Politiker wie Marwan Barghuthi, der die erste Intifada von 1987 angef&uuml;hrt hatte und noch heute als popul&auml;rster pal&auml;stinensischer Politiker gilt, verschwanden hingegen mit Oslo von der politischen Bildfl&auml;che oder gleich ganz in den Gef&auml;ngnissen von Israel und der PA. In den Augen der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung wurde der &bdquo;Oslo-Friedensprozess&ldquo; zunehmend zum Diktat Israels und einer kleinen, vom Volk entfremdeten pal&auml;stinensischen Elite. <\/p><p>Der &bdquo;Oslo-Friedensprozess&ldquo; f&uuml;hrte nicht zu einem Machtgewinn f&uuml;r die Pal&auml;stinenser, er f&uuml;hrte zu einem Machtgewinn f&uuml;r Arafat. Neben seinem PLO-Vorsitz hatte er nach Unterzeichnung der ersten Abkommen bald schon den Vorsitz &uuml;ber die neu geschaffene PA, das pal&auml;stinensische Parlament und das Innenministerium inne. Arafat befehligte nicht nur s&auml;mtliche Sicherheitskr&auml;fte, er kontrollierte auch alle Gelder der PA. Der pal&auml;stinensische Gesetzgebungsprozess lag ebenfalls in seiner Hand: Von rund 500  pal&auml;stinensischen Gesetzen und Dekreten, die zwischen 1993 und 2000 verabschiedet wurden, gingen lediglich 15 auf das Konto des pal&auml;stinensischen Parlaments. Alle anderen waren von Arafat erlassen worden. <\/p><p>Auch finanziell lohnten sich die Verhandlungen f&uuml;r den PLO-Chef. In einer Pr&uuml;fung stellte der Europ&auml;ische Rechnungshof schon 1997 fest, dass Hunderte Millionen von Hilfsgeldern aus der EU, den USA und den Golfstaaten sowie Steuerzahlungen seiner eigenen Bev&ouml;lkerung in Arafats schwarzen Kassen verschwunden waren. Die pal&auml;stinensische Abgeordnete Rawya Shawa sch&auml;tzte Arafats Privatverm&ouml;gen am Ende des &bdquo;Oslo-Friedensprozesses&ldquo; auf vier Milliarden Dollar. Statt einer souver&auml;nen und vom Volk legitimierten politischen F&uuml;hrung hatte der &bdquo;Friedensprozess&ldquo; den Pal&auml;stinensern lediglich eine machthungrige und korrupte F&uuml;hrungsclique gebracht. <\/p><p><strong>Erst durch den &bdquo;Friedensprozess&ldquo; wurde ein pal&auml;stinensischer Staat unm&ouml;glich<\/strong><\/p><p>Man k&ouml;nnte an dieser Stelle einwenden, dass all dies nur Geburtsschwierigkeiten einer politischen Selbstverwaltung waren, &uuml;ber deren finale Ausgestaltung noch gar nicht entschieden worden war. Schlie&szlig;lich hatten israelische und pal&auml;stinensische Unterh&auml;ndler einander in zahllosen Dokumenten versichert, dass erst zuk&uuml;nftige &bdquo;Endstatusverhandlungen&ldquo; die Details eines Friedens im Nahen Osten festlegen sollten. <\/p><p>Doch als diese Verhandlungen nach mehreren Verschiebungen vom 11. bis 25. Juli im amerikanischen Camp David stattfanden, wurden die vermeintlichen Konstruktionsfehler pal&auml;stinensischer Selbstverwaltung nicht behoben. So widerspr&uuml;chlich die Aussagen und gegenseitigen Vorw&uuml;rfe damals beteiligter Politiker und Unterh&auml;ndler auch sind, in einem Punkt sind sie sich alle einig: Zu keinem Zeitpunkt ging es in Camp David um die Errichtung eines souver&auml;nen Staates Pal&auml;stina. <\/p><p>Der Mythos, dass die Verhandlungen schlie&szlig;lich an der Sturheit Arafats scheiterten, konnte auch deshalb so gut gedeihen, weil die Verhandlungen keine Abschlussdokumente hinterlassen haben. Mehrere Leaks von zuvor unter Verschluss gehaltenen Pr&auml;sentationen, Gespr&auml;chsprotokollen und Briefwechseln (v.a durch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/palestinepapers\/2011\/01\/2011124123324887267.html\">al-Jazeera<\/a> und den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/palestine-papers\">Guardian<\/a>, aber auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/1.4965535\">Haaretz<\/a> ) haben diese L&uuml;cke gl&uuml;cklicherweise in den letzten Jahren geschlossen. Sie belegen: Das &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gige Angebot&ldquo; des israelischen Ministerpr&auml;sidenten Ehud Barak hat es nie gegeben. <\/p><p>Statt eines Pal&auml;stinas in 97 Prozent der Westbank und des Gazastreifens, wie Medien damals berichteten, umfasste das israelische Angebot vier pal&auml;stinensische Kantone, die durch israelisch kontrollierte Stra&szlig;en und Absperrungen voneinander getrennt sein sollten. Die gr&ouml;&szlig;eren israelischen Siedlungsbl&ouml;cke sollten ebenso unter israelischer Kontrolle verbleiben wie das Jordantal. Eine pal&auml;stinensische Regierung sollte weder &uuml;ber eigene bewaffnete Kr&auml;fte verf&uuml;gen noch die eigenen Au&szlig;engrenzen kontrollieren d&uuml;rfen. Der Gro&szlig;teil von pal&auml;stinensischer Au&szlig;en- und Innenpolitik sollte auch in Zukunft von der Zustimmung Israels abh&auml;ngig sein. Kurz gefasst: Statt eines souver&auml;nen Staates Pal&auml;stinas schlug Barak die Fortf&uuml;hrung der israelischen Besatzung unter anderem Namen vor.<\/p><p>Heute, 20 Jahre nach Camp David, fast 30 Jahre nach Beginn der israelisch-pal&auml;stinensischen Verhandlungen und &uuml;ber 50 Jahre nach Beginn der israelischen Besatzung, sind die Pal&auml;stinenser weiter von politischer Selbstbestimmung entfernt denn je. Das liegt auch daran, dass die Bestimmungen des &bdquo;Friedensprozesses&ldquo; weiterhin G&uuml;ltigkeit haben. Nach wie vor wird das Leben der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung nicht nur von der israelischen Besatzung, sondern auch von einer in jeder Hinsicht von Israel abh&auml;ngigen &bdquo;Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde&ldquo; bestimmt, deren vorrangige Aufgabe es nicht ist, das Wohl der eigenen Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen, sondern den Sicherheitsinteressen Israels zu dienen. Viele Pal&auml;stinenser betrachten die PA deshalb nicht als ihre eigene politische Vertretung, sondern als Teil der israelischen Besatzung. <\/p><p>Auf noch eine zweite Weise hat der &bdquo;Friedensprozess&ldquo; einen Frieden f&uuml;r Israelis und Pal&auml;stinenser, wie ihn internationales Recht einmal vorsah, unm&ouml;glich gemacht: Als die PLO 1988 Israel anerkannte und damit die Voraussetzung f&uuml;r Verhandlungen legte, lebten 90.000 j&uuml;dische Siedler in den von Israel besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten. Als am 25. Juli 2000 im amerikanischen Camp David bekannt wurde, dass der &bdquo;Friedensprozess&ldquo; zwischen Israelis und Pal&auml;stinensern vorerst gescheitert war, waren es fast 500.000. Das, was ein Staat &bdquo;Pal&auml;stina&ldquo; h&auml;tte werden k&ouml;nnen, besteht heute aus dutzenden verstreuten pal&auml;stinensischen Inseln in einem Meer aus israelischen Siedlungen, Stra&szlig;en, Kontrollpunkten und Sperrgebieten. W&auml;hrend die Welt sich der Illusion eines Friedens auf Basis der Zweistaatenl&ouml;sung hingegeben hatte, schuf Israel im Schatten des &bdquo;Friedensprozesses&ldquo; die Realit&auml;ten, die einen pal&auml;stinensischen Staat heute unm&ouml;glich machen. <\/p><p>Titelbild: Gts \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/768c985adf6e433287a3de249f7f3f76\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die 1994 etablierte &bdquo;Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde&ldquo; nicht der lebendige Beweis daf&uuml;r, dass Pal&auml;stinenser und Israelis auf dem richtigen Weg waren? Nein, sagt Fabian Goldmann. Denn mit &bdquo;Regierungsfunktionen&ldquo; und &bdquo;Quasistaatlichkeit&ldquo; h&auml;tte diese Autonomiebeh&ouml;rde kaum etwas zu tun &ndash; sie sei stattdessen Teil der israelischen Besatzung geworden. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63252\">Teil 1 des Textes findet sich hier<\/a>. Von <strong>Fabian<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63305\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":63306,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,170,212,20],"tags":[2935,1557,303,2830,2039,2920],"class_list":["post-63305","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","tag-arafat-jassir","tag-israel","tag-palaestina","tag-plo","tag-siedlungspolitik","tag-zweistaatenloesung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/shutterstock_314669885.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63305"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63383,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63305\/revisions\/63383"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}