{"id":63322,"date":"2020-07-27T12:06:39","date_gmt":"2020-07-27T10:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63322"},"modified":"2020-07-27T13:15:58","modified_gmt":"2020-07-27T11:15:58","slug":"neudeutsche-raubzuege-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63322","title":{"rendered":"Neudeutsche Raubz\u00fcge in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Die Westliche Wertegemeinschaft ist an der Fortdauer des B&uuml;rgerkriegs in der Ukraine interessiert &ndash; und die <em>Tagesschau<\/em> f&uuml;hrend in Desinformation. Von <strong>Friedhelm Klinkhammer<\/strong> und <strong>Volker Br&auml;utigam<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUkraine? Gibt&acute;s da was? Die umfangreichsten Berichte der <em>Tagesschau<\/em> &uuml;ber den osteurop&auml;ischen Krisenstaat handeln im Juli von einer glimpflich abgegangenen Geiselnahme im west-ukrainischen Luzk. &bdquo;Unblutig beendet&ldquo;, hei&szlig;t das in der notleidenden Boulevard-Sprache, der sich auch die Redaktion ARD-aktuell bedient.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Desinformation und Angebote zur Befriedigung der Sensationsgier geh&ouml;ren im Krieg um Marktf&uuml;hrerschaft und Deutungshoheit auch auf dem ARD-&bdquo;Flaggschiff&ldquo; zur Standardbewaffnung. Hingegen herrscht Mangel an informativen Nachrichten &uuml;ber den ukrainischen Alltag, &uuml;ber den endlosen B&uuml;rgerkrieg mit seinen ungez&auml;hlten, namenlosen Opfern. Wann hat die <em>Tagesschau<\/em> zuletzt Erhellendes dar&uuml;ber berichtet? Ohne billige, einseitige Propaganda?<\/p><p>Der j&uuml;ngste Fall ihrer Nachrichtenunterschlagung: Kein Wort &uuml;ber das ergebnislose Treffen der sogenannten &bdquo;Minsk-Kontaktgruppe&ldquo; am 3.\/4. Juli in Berlin. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Sie verhandelt gem&auml;&szlig; dem &bdquo;Abkommen Minsk II&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] &uuml;ber ein Ende des Krieges zwischen der Zentralregierung in Kiew und den Autonomisten der Ostprovinzen Lugansk und Donezk. Zwar fand das Treffen nur &bdquo;auf Beraterebene&ldquo; statt. Aber seine Ineffizienz best&auml;tigt das &uuml;berdeutliche Interesse der Westlichen Wertegemeinschaft an der Fortdauer dieses B&uuml;rgerkrieges. <\/p><p>Solange er n&auml;mlich anh&auml;lt, dient er den Transatlantikern als zwar objektiv haltlose, aber &ouml;ffentlichkeitswirksame &bdquo;Begr&uuml;ndung&ldquo; daf&uuml;r, Russland verantwortlich zu machen und zu sanktionieren. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] &Uuml;ber das bittere soziale Elend, den politischen und &ouml;konomischen Korruptionssumpf, &uuml;ber die Raffgier der transnational aktiven Plutokratie und die permanente westliche Agitation und Destruktion gibt es keine <em>Tagesschau<\/em>-Nachrichten. Schon gar nicht &uuml;ber Waffenschieber, den Menschenhandel und dar&uuml;ber, dass auch deutsche Unternehmen sich Land und Leute der Ukraine zur Beute machen wollen. Die Ukraine ist neu-demokratisch, Punkt. <\/p><p><strong>Terror der Neofaschisten<\/strong><\/p><p>Deshalb informiert die <em>Tagesschau<\/em> auch mit keinem Wort dar&uuml;ber, dass der Neofaschismus das Land wieder in Griff nimmt und dass seine Todesschwadronen die Bev&ouml;lkerung nach Nazi-Methodik terrorisieren. Wieviele Menschen z.B. dem &bdquo;Asow-Bataillon&ldquo; bereits zum Opfer gefallen sind &ndash; und nicht nur bei dessen Angriffen auf die Ostukrainer! &ndash; bleibt im Dunklen. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Die Umtriebe dieser Verb&auml;nde eifern einem historischen Vorbild nach: dem Wehrmacht-Bataillon &bdquo;Nachtigall&ldquo;. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Im Internet h&auml;ufen sich Informationen &uuml;ber die neu-ukrainischen Freikorps. Obwohl die ARD-aktuell sich mit ihrer &bdquo;rund um die Uhr besetzten&ldquo; Fachredaktion f&uuml;r das Online-Portal <em>Tagesschau<\/em>.de dicke tut [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], muss man auch dort kritische Berichte &uuml;ber die Rolle der Neofaschisten mit der Lupe suchen.<\/p><p>Das Orwellsche Muster, nach dem die &ldquo;Westliche Wertegemeinschaft&rdquo; zugunsten der Kapitalisten ihre Kriegs- und Unterwerfungspolitik gestaltet und sie mithilfe ihrer Staatsmedien als Friedensbem&uuml;hung verkauft, ist in allen F&auml;llen gleich und unverkennbar: Wirtschaftlich schw&auml;chere, von sozialen und ethnischen Unterschieden gepr&auml;gte Staaten forciert destabilisieren, sich massiv in ihre inneren Angelegenheiten einmischen, einen Umsturz provozieren, finanzieren und gegebenenfalls mit eigens angeworbenen M&ouml;rdern realisieren, um hernach v&ouml;llige wirtschaftliche und finanzielle Abh&auml;ngigkeit herzustellen. Neudeutsch: &bdquo;regime change&ldquo;.<\/p><p>Gelingen die Angriffe auf die vorgeblichen &bdquo;Schurkenregime&ldquo;, so werden deren &bdquo;Machthaber&ldquo; gegen willf&auml;hrige Vasallen ausgetauscht. Den Vorwand, es gehe um Freiheit und Demokratie, &uuml;bernimmt unsere Qualit&auml;tsjournaille gern. Ebenso die Feindbilder, die der Elite unserer Parteienoligarchie dazu dienen, &Auml;ngste zu sch&uuml;ren, Milit&auml;r, Polizei- und Geheimdienstapparate aufzubl&auml;hen und mit dieser Mixtur die eigene Machtposition abzusichern. Das Schicksal der von Umsturz und (B&uuml;rger-)Krieg heimgesuchten Menschen interessiert nicht. Institute wie die <em>Tagesschau<\/em> dienen der Funktionsf&auml;higkeit dieses typisch westlichen Gewalt-Systems mittels Indoktrination des Zuschauers, nicht zu dessen Aufkl&auml;rung und Emanzipation. <\/p><p>Am Ukraine-Konflikt l&auml;sst sich die menschenverachtende Vorgehensweise des &ldquo;Wertewestens&rdquo; im Zusammenspiel mit seinen Medien eindrucksvoll belegen. Die &bdquo;Maidan-Demokratiebewegung&ldquo; war nichts weniger als das, sie war vielmehr ein Staatsstreich, &uuml;berwiegend organisiert und durchgef&uuml;hrt von Rechtsextremisten und neonazistischen Terroristen sowie etlichen hundert ausl&auml;ndischen S&ouml;ldnern. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]  <\/p><p>Pars pro toto: Die Kumpanei zwischen Frank-Walter Steinmeier, damals Au&szlig;enminister, heute Bundespr&auml;sident, und dem rechtsextremistischen Antisemiten Oleg Tjagnibok von der Partei Swoboda [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>][<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] wurde der deutschen &Ouml;ffentlichkeit weitgehend verschwiegen oder bagatellisiert. Unter tatkr&auml;ftiger Mitwirkung einer ARD-aktuell-Redaktion, die sich ansonsten bei jeder Gelegenheit als W&auml;chter gegen Rechts auff&uuml;hrt. Journalistische Handlanger vom Schlage Kay Gniffke, Golineh Atai, Thomas Roth, Birgit Virnich oder Udo Lielischkies dr&uuml;ckten gegen&uuml;ber dem sch&auml;ndlichen Vorgehen die Augen zu.&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Verbale Schleiert&auml;nze<\/strong><\/p><p>In der Ukraine gibt es selbst nach sechs Jahren westlicher Abh&auml;ngigkeit weder &bdquo;mehr Demokratie&ldquo; noch staatliche und wirtschaftliche Stabilit&auml;t oder eine &ldquo;gute Regierungsf&uuml;hrung&rdquo;. Daran hat sich auch mit dem neuen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj&nbsp;nichts ge&auml;ndert.<\/p><p>Die ARD-aktuell tarnt das ukrainische Elend mit sprachlichen Nebelschwaden: Der neue Pr&auml;sident sei inzwischen &bdquo;in der Politik angekommen&ldquo;, er habe es verstanden, &bdquo;wichtige Reformen durchzusetzen&ldquo;.&nbsp;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Seit dem &bdquo;Maidan&ldquo; pflegt die Redaktion diese widerliche Ukraine-Berichterstattung, h&auml;ufig faktenfrei, aber immer orientiert an der Berliner Politlinie. Solche &bdquo;Nachrichten&ldquo; sind nichts weniger als ein Attentatsversuch auf die mentale Integrit&auml;t des Zuschauers. Aussagekr&auml;ftige Informationen, zum Beispiel dar&uuml;ber, dass und warum seit dem &bdquo;Euro-Maidan&ldquo; mindestens 8 der vormals 52 Millionen Ukrainer ihre Heimat verlassen haben [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>][<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>], gibt es in der <em>Tagesschau<\/em> nicht. Ukrainische Armutsemigranten? Kein Thema. <\/p><p>Im Wahlkampf hatte Selenskyj noch verk&uuml;ndet, er werde die Konflikte mit der Ostukraine l&ouml;sen. Als Pr&auml;sident hat er hernach zwar einige vorsichtige Schritte in diese Richtung getan, fortgesetzt hat er das aber nicht. Inzwischen hat ihn sein politisches Handeln meilenweit von seinem Befriedungsziel entfernt. Alexey Reznikov, stellvertretender Ministerpr&auml;sident&nbsp;und erster&nbsp;stellvertretender Leiter der ukrainischen Delegation bei der Minsk-Kontaktgruppe, verk&uuml;ndete&nbsp;jetzt in einem Interview, dass &ldquo;die Wiedereingliederung des Donbass in die Ukraine 25 Jahre dauern&rdquo; werde, und forderte das ukrainische Volk auf, dies zu akzeptieren.&nbsp;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Das ist eine vom &bdquo;Abkommen Minsk II&ldquo; deutlich abweichende Position. Noch vor vier Monaten, am 11. M&auml;rz, hatte der Leiter der ukrainischen Pr&auml;sidialverwaltung,&nbsp;Andrij Jermak,&nbsp;der&nbsp;Minsk-Kontaktgruppe&nbsp;ein Papier vorgelegt,&nbsp;in dem von direkten Verhandlungen zwischen Vertretern der Ukraine und den sogenannten Volksrepubliken Donezk (DNR) und Lugansk (LNR)&nbsp;die Rede war; die hatte Kiew bis dahin immer ausgeschlagen.<\/p><p>In der Opposition und in Teilen der Zivilgesellschaft l&ouml;ste das Papier Kritik aus, es schw&auml;che Kiew im Verh&auml;ltnis zum Donbass. Die&nbsp;Konrad-Adenauer-Stiftung in Kiew&nbsp;hatte sich ebenfalls mit dem Papier befasst und befunden, die Anregung Jermaks&nbsp;k&auml;me einer diplomatischen Anerkennung der Unterh&auml;ndler aus der Ost-Ukraine gleich.&nbsp;Es sei zu &bdquo;bef&uuml;rchten&ldquo;, dass die Vorschl&auml;ge den &bdquo;Russen&ldquo; im Donbass einseitig Vorteile verschafften. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]&nbsp;<\/p><p><strong>Stellungskrieg auf kleiner Flamme<\/strong><\/p><p>Die beflissene Einsch&auml;tzung dieser einflussreichen CDU-Organisation erlaubt es, anzunehmen, dass sie ganz im Sinne der deutschen Au&szlig;enpolitik und der Bundeskanzlerin ist. Berlin&nbsp;ist nicht daran gelegen, den innerukrainischen Friedensprozess und entsprechende Vorschl&auml;ge der Regierung in Kiew zu unterst&uuml;tzen. Die Bundesregierung zieht es vor, Krieg und Krise auf kleiner Flamme k&ouml;cheln zu lassen. Sie lassen sich als Gr&uuml;nde f&uuml;r die Russland-Sanktionen vorschieben, mit denen unsere Regierung und die EU insgesamt den USA zu Diensten sind. Sie haben zus&auml;tzlich den Vorteil, die ukrainische Regierung schwachzuhalten und an der kurzen Leine zu f&uuml;hren.<\/p><p>Was die <em>Tagesschau<\/em> so nat&uuml;rlich nicht aufzeigt. [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] ARD-aktuell ist eine gleicherma&szlig;en eifrige und bedeutende Mitt&auml;terin, wenn Pr&auml;sident Putin als Krisenverursacher, als der an allem Schuldige bezichtigt wird. Fakten sind dabei ebenso vollkommen egal wie die Interessen der ukrainischen Bev&ouml;lkerung. &nbsp;<\/p><p>Die Durchsetzbarkeit von Reformen h&auml;ngt nicht von der pers&ouml;nlichen Kompetenz des Pr&auml;sidenten ab, sondern davon, wie weit der &bdquo;Wertewesten&ldquo; Einfluss nimmt und seine unversch&auml;mten Erpressungsversuche treibt. Deren kann sich Selenskyj als Oberhaupt eines gescheiterten und v&ouml;llig abh&auml;ngigen Staates kaum erwehren. Er muss machtlos mitansehen, wie seine Ukraine vom Ausland gepl&uuml;ndert wird. Klassisches Beispiel daf&uuml;r ist der postkolonialistische Landraub. <\/p><p>Die Ukraine verf&uuml;gt &uuml;ber 43 Millionen Hektar an fruchtbaren Schwarzerde-B&ouml;den; nicht von ungef&auml;hr war sie einst die Kornkammer der Sowjetunion und schon damals ein Kriegsziel der Nazi-Wehrmacht. Die Bauern bewirtschaften die riesigen Fl&auml;chen zumeist auf Basis von Pachtvertr&auml;gen mit dem Staat. Agrarland-Eigentum gab es kaum.&nbsp;Bis voriges Jahr war der Verkauf von mehr als zwei Hektar Anbaufl&auml;che verfassungsrechtlich verboten und Ausl&auml;nder durften &uuml;berhaupt keinen Landbesitz erwerben. Die EU, der Internationale W&auml;hrungsfonds IWF und die Weltbank&nbsp;&uuml;ben seit Jahren massiven Druck aus, dieses &bdquo;Moratorium f&uuml;r den Verkauf von Ackerland&ldquo; abzuschaffen. <\/p><p><strong>Parieren oder krepieren<\/strong><\/p><p>Pr&auml;sident Selenskyj musste dem erpresserischen Druck seiner westlichen &bdquo;Unterst&uuml;tzer&ldquo; schlie&szlig;lich nachgeben. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Bedingung f&uuml;r einen IWF-Kredit von 5,5 Milliarden Euro: Das Moratorium &uuml;ber den Verkauf von Ackerland aufheben. Die Alternative hie&szlig; &bdquo;kuschen oder Staatsbankrott&ldquo;. Das zu berichten, vermied die <em>Tagesschau<\/em> allerdings sorgf&auml;ltig. Sie lie&szlig; ja auch jegliche Information unter den Tisch fallen, dass die Schuldenpolitik nach dem &bdquo;Euro-Maidan&ldquo; vom Westen veranlasst und vom vormaligen Pr&auml;sidenten Poroschenko vollzogen worden war. Dessen Regierungshandeln zielte von Beginn an darauf ab, das ukrainische Tafelsilber zu privatisieren und zugunsten ausl&auml;ndischen Kapitals zu verramschen.<\/p><p>Ein Gesetz regelt nun die umfassende Privatisierung von Agrarland. Das Kaufrecht gilt zun&auml;chst f&uuml;r Ukrainer. Regelungen f&uuml;r Ausl&auml;nder sollen folgen. (s. Anm. 16). Die Entscheidung sorgte f&uuml;r heftige Proteste, vor allem der ukrainischen Bauern. Die bef&uuml;rchten das Ende ihrer Pachtvertr&auml;ge, Entstehung von privaten Grundeigentums-Monopolen und den Zugriff m&auml;chtiger Kapitalgesellschaften. Laut einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts f&uuml;r Soziologie (KMIS) aus dem April lehnten 60 Prozent der Befragten das Gesetz ab. [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p><p>Zus&auml;tzlich ist die IWF-Kreditvergabe von weiteren K&uuml;rzungen der Sozialausgaben und einer Erh&ouml;hung des Gaspreises abh&auml;ngig. Millionen verarmte Ukrainer stehen im Winter vor der Wahl &bdquo;essen oder frieren oder fl&uuml;chten&ldquo;. Sogar von Schulschlie&szlig;ungen zwecks Senkung der Staatsquote ist die Rede.&nbsp;All das vor dem Hintergrund, dass die Ukraine ohnehin seit dem Maidan zu den &auml;rmsten L&auml;ndern Europas z&auml;hlt (3000 Euro j&auml;hrliches Pro-Kopf-Einkommen), die Wirtschaft seit Ende der Sowjetzeit um 60 Prozent geschrumpft ist und in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einem weiteren R&uuml;ckgang des Brutto-Inlandsprodukts um 7,7 Prozent gerechnet wird.&nbsp;[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]<\/p><p>Welchen beherrschenden Einfluss der IWF auf die ukrainische Politik aus&uuml;bt und wie demokratiefern die Ereignisse in Kiew sind, skizzierte ein Abgeordneter aus der Partei des Pr&auml;sidenten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip; wir sind ein Land unter der Regierung des&nbsp;IWF, der hier g&uuml;nstige Bedingungen f&uuml;r den Markteintritt transnationaler Gesellschaften und Investoren gew&auml;hrleistet, mit der Sicherstellung einer gew&uuml;nschten Profit-Rate &hellip; Wenn man es vereinfacht, sagen sie: Wir geben euch zwei, drei Milliarden und wir werden nicht fragen, wof&uuml;r ihr sie verwendet, solange ihr uns euren Boden, eure Stra&szlig;en, H&auml;fen und Flugh&auml;fen verkauft.&rdquo;&nbsp;[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Demokratische &bdquo;Liebesakte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die sechs Jahre nach dem Maidan-Umsturz zeigen, wie gleichg&uuml;ltig dem &ldquo;Wertewesten&rdquo; das Wohl der ukrainischen Bev&ouml;lkerung ist und wie hohl die Spr&uuml;che &uuml;ber &ldquo;Demokratie und Menschenrechte&rdquo; im Februar 2014 auf dem Maidan tats&auml;chlich waren. Der Bundesregierung und ihrer Vormacht USA im aggressiven NATO-EU-Bunde ging und geht es um geopolitische Machtinteressen und zu deren Erf&uuml;llung um die Pflege des Feindbilds Russland; ihre transatlantisch agierenden Eliten wollen eine vielversprechende Wirtschaftsregion ungehemmt ausrauben.&nbsp;Und in der h&ouml;chst mangelhaften Berichterstattung der ARD-aktuell ging und geht es darum, diese Vergewaltigungsprozesse entweder zu &uuml;bersehen oder sie als demokratische Liebesakte und schiere Mildt&auml;tigkeit zu schminken (&ldquo;Hilfe f&uuml;r die Ukraine&rdquo;). <\/p><p>Ihre d&uuml;rftigen journalistischen Erzeugnisse &uuml;ber das Nachbarland handelten in allerj&uuml;ngster Zeit zumeist von der besagten Geiselnahme; dass ein psychisch Durchgeknallter einen Omnibus mit zehn Passagieren in seine Gewalt gebracht hatte und sich schlie&szlig;lich festnehmen lie&szlig;, hielt die ARD-aktuell mehrdutzendmal f&uuml;r mitteilenswert. In drei anderen Beitr&auml;gen wurde die Ukraine nur im Zusammenhang mit der Verl&auml;ngerung der Sanktionen gegen Russland erw&auml;hnt, und in einem besonders abscheulichen, geschichtsklitternden Feature durfte Golineh Atai die ukrainischen Hilfstruppen der SS und der deutschen Wehrmacht zu heimatliebenden Helden verkl&auml;ren. Atai wurde damit nicht zum ersten Mal  auff&auml;llig; man denke z.B. an ihre verf&auml;lschende Berichterstattung &uuml;ber das Massaker von Odessa.&nbsp;[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]<\/p><p>Die <em>Tagesschau<\/em>-Beitr&auml;ge &uuml;ber die Sanktionen gegen Russland waren und sind &uuml;brigens nicht weniger geschichtsvergessen und gewollt desinformativ. Obwohl das 13 Punkte umfassende Abkommen &bdquo;Minsk II&ldquo; nur (Selbst-)Verpflichtungen der ukrainischen Kriegsparteien festlegt und die Begleitrolle der OSZE beschreibt (s. Anm. 3), behauptet auch die ARD-aktuell seit Jahren unverdrossen, Russland m&uuml;sse &bdquo;den Friedensplan f&uuml;r die Ostukraine umsetzen&ldquo;, komme aber &bdquo;seinen Verpflichtungen nicht nach&ldquo;. Typischer <em>Tagesschau<\/em>-Sermon: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Mit der Koppelung der Sanktionen an den Friedensplan wollen die EU-Staaten den russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin dazu bewegen, seinen Einfluss auf die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine st&auml;rker f&uuml;r eine Beilegung des Konfliktes zu nutzen.&ldquo; [<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Dass andererseits der Oberbefehlshaber USA und seine politischen EU- Subkommandeure nicht mal im Traum daran denken, ihren Einfluss auf die Regierung in Kiew zu nutzen und sie zur Erf&uuml;llung ihrer Verpflichtungen zu &bdquo;bewegen&ldquo;, verschweigt die <em>Tagesschau<\/em>. Was sonst. Penetrant und permanent nennt sie hingegen die Ostukrainer &bdquo;Separatisten&ldquo; [<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>] und unterstellt ihnen damit, sich vollst&auml;ndig vom ukrainischen Staat trennen zu wollen. Dass Lugansk und Donezk als &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; nur existieren, weil ihnen die Zentralregierung in Kiew die innerukrainische Autonomie verweigert, das ignorieren unsere &ouml;ffentlich-rechtlichen &bdquo;Journalisten&ldquo;. Dabei ist diese regionale Selbstverwaltung der Ost-Ukraine im Abkommen Minsk II ausdr&uuml;cklich vorgesehen.<\/p><p><strong>Da staunt der Laie<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wer regieren will, muss l&uuml;gen k&ouml;nnen,&ldquo; deklamierte der Philosoph Philipp H&uuml;bl im Deutschlandfunk. [<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Na gut, und der Altvater des seri&ouml;sen Journalismus, Wolf Schneider, warnte schon vor 40 Jahren davor, &bdquo;typische L&uuml;gen der Politiker in den Stand der Wahrheit zu erheben.&ldquo; Genau damit nimmt die <em>Tagesschau<\/em> einen Spitzenplatz ein. Ihre sogenannten &bdquo;Nachrichten&ldquo; &uuml;ber Russland und die Ukraine k&ouml;nnen Qualit&auml;tsredakteure vermutlich nur verfassen und anbieten, wenn sie sich anhaltend in einen intellektuellen Ausnahmezustand versetzen. <\/p><p>Titelbild: Sharaf Maksumov \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Das&nbsp;Autoren-Team:&nbsp;<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Friedhelm Klinkhammer<\/strong>, Jahrgang&nbsp;1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes&nbsp;sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/li>\n<li><strong>Volker Br&auml;utigam<\/strong>, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 Mitarbeiter des NDR, zun&auml;chst in der <em>Tagesschau<\/em>, von 1992 an in der Kulturredaktion f&uuml;r N3. Danach Lehrauftrag an der Fu-Jen-Universit&auml;t&nbsp;in Taipeh. <\/li>\n<\/ul><p><strong>Anmerkung der Autoren:<\/strong><\/p><p>Unsere Beitr&auml;ge stehen zur freien Verf&uuml;gung, nichtkommerzielle Zwecke der Ver&ouml;ffentlichung vorausgesetzt. Wir schreiben nicht f&uuml;r Honorar, sondern gegen die &bdquo;mediale Massenverbl&ouml;dung&ldquo; (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein &bdquo;St&auml;ndige Publikumskonferenz &ouml;ffentlich-rechtlicher Medien e.V.&ldquo; <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\">dokumentiert<\/a>.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-733221.html\">tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-733221.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2020\/kiew-bleibt-stur-wieder-keine-nennenswerte-fortschritte-beim-treffen-der-kontaktgruppe-in-berlin\/\">anti-spiegel.ru\/2020\/kiew-bleibt-stur-wieder-keine-nennenswerte-fortschritte-beim-treffen-der-kontaktgruppe-in-berlin\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Minsk_II\">de.wikipedia.org\/wiki\/Minsk_II<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/russland-sanktionen-eu-111.html\">tagesschau.de\/ausland\/russland-sanktionen-eu-111.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.stopfake.org\/de\/fake-faschismus-kehrt-in-die-ukraine-zurueck\/\">stopfake.org\/de\/fake-faschismus-kehrt-in-die-ukraine-zurueck\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bataillon_Nachtigall\">de.wikipedia.org\/wiki\/Bataillon_Nachtigall<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/intern.tagesschau.de\/redaktionen\/tagesschau-de\/\">intern.tagesschau.de\/redaktionen\/tagesschau-de\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.vice.com\/de\/article\/vdnpy4\/im-nationalis-tischen-interesse-0001318-v12n4\">vice.com\/de\/article\/vdnpy4\/im-nationalis-tischen-interesse-0001318-v12n4<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/opablog.net\/2014\/02\/21\/steinmeier-mit-faschist-tjagnibok-in-der-brd-botschaft-in-kiew\/\">opablog.net\/2014\/02\/21\/steinmeier-mit-faschist-tjagnibok-in-der-brd-botschaft-in-kiew\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/regierung-und-opposition-unterzeichnen-vereinbarung-zur-krisenl%C3%B6sung\/a-17449594\">dw.com\/de\/regierung-und-opposition-unterzeichnen-vereinbarung-zur-krisenl%C3%B6sung\/a-17449594<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/selenskyj-ukraine-ein-jar-101.html\">tagesschau.de\/ausland\/selenskyj-ukraine-ein-jar-101.html&nbsp;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/112.international\/article\/will-emigration-undermine-ukraine-25342.html\">112.international\/article\/will-emigration-undermine-ukraine-25342.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/enduringfreedom\/verlassenes-land\">freitag.de\/autoren\/enduringfreedom\/verlassenes-land<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/zagittya.com.ua\/news\/zajavlenija\/vlast_nesposobnaja_prinesti_mir_v_ukrainu_dolzhna_izvinitsja_pered_ukraincami_i_slozhit_polnomochija.html\">zagittya.com.ua\/news\/zajavlenija\/vlast_nesposobnaja_prinesti_mir_v_ukrainu_dolzhna_izvinitsja_pered_ukraincami_i_slozhit_polnomochija.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/de\/web\/ukraine\/laenderberichte\/detail\/-\/content\/ukrainische-politik-im-schatten-der-pandemie-teil-1\">kas.de\/de\/web\/ukraine\/laenderberichte\/detail\/-\/content\/ukrainische-politik-im-schatten-der-pandemie-teil-1<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Selbstzitat: <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/2018\/07\/29\/das-ukraine-bild-der-ard-falschmuenzer\/\">publikumskonferenz.de\/blog\/2018\/07\/29\/das-ukraine-bild-der-ard-falschmuenzer\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-gibt-handel-mit-agrarland-frei\/a-52967077\">dw.com\/de\/ukraine-gibt-handel-mit-agrarland-frei\/a-52967077&nbsp;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1137743.neue-iwf-kredite-fuer-kiew.html\">neues-deutschland.de\/artikel\/1137743.neue-iwf-kredite-fuer-kiew.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.gtai.de\/gtai-de\/trade\/wirtschaftsumfeld\/wirtschaftsausblick\/ukraine\/coronakrise-stoppt-wirtschaftliche-erholung-der-ukraine-249700\">gtai.de\/gtai-de\/trade\/wirtschaftsumfeld\/wirtschaftsausblick\/ukraine\/coronakrise-stoppt-wirtschaftliche-erholung-der-ukraine-249700<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] <a href=\"https:\/\/ukraine-nachrichten.de\/parlamentsabgeordneter-alexander-dubinskij-sind-eine-republik-unter-kuratel-iwf_4948\">ukraine-nachrichten.de\/parlamentsabgeordneter-alexander-dubinskij-sind-eine-republik-unter-kuratel-iwf_4948<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/russland-ukraine-ende-weltkrieg-siegesfeiern-101.html\">tagesschau.de\/ausland\/russland-ukraine-ende-weltkrieg-siegesfeiern-101.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/eu-gipfel-russland-sanktionen-101.html\">tagesschau.de\/ausland\/eu-gipfel-russland-sanktionen-101.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/suche2.html?query=Ukraine%2C+Separatisten&amp;sort_by=date\">tagesschau.de\/suche2.html?query=Ukraine%2C+Separatisten&amp;sort_by=date<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/politik-und-wahrheit-wer-regieren-will-muss-luegen-koennen.1008.de.html?dram:article_id=465912\">deutschlandfunkkultur.de\/politik-und-wahrheit-wer-regieren-will-muss-luegen-koennen.1008.de.html?dram:article_id=465912<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Westliche Wertegemeinschaft ist an der Fortdauer des B&uuml;rgerkriegs in der Ukraine interessiert &ndash; und die <em>Tagesschau<\/em> f&uuml;hrend in Desinformation. 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