{"id":63363,"date":"2020-07-28T10:48:10","date_gmt":"2020-07-28T08:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63363"},"modified":"2020-07-29T16:56:24","modified_gmt":"2020-07-29T14:56:24","slug":"die-wuerde-des-amtes-gilt-es-besonders-nach-einer-katastrophe-zu-wahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63363","title":{"rendered":"Die W\u00fcrde des Amtes gilt es besonders nach einer Katastrophe zu wahren"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre nach dem Loveparade-Desaster versteht Ex-Oberb&uuml;rgermeister  Adolf Sauerland das noch immer nicht. Von <strong>Reiner Siebert<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7207\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63363-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63363-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200729_Die_Wuerde_des_Amtes_gilt_es_besonders_nach_einer_Katastrophe_zu_wahren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zehn Jahre sind vergangen, seit 21 Menschen, die feiern wollten, in Duisburg den Tod fanden. Tiefe Narben in den Seelen der Angeh&ouml;rigen, der Verletzten, der Traumatisierten, in der Seele der Stadt sind geblieben. Mit juristischen Mitteln werden sie nie zu heilen sein, mit Demut, Respekt und Vergebung vielleicht ein wenig zu lindern. Viele haben diesen Respekt gezollt, allen voran die damalige Ministerpr&auml;sidentin Hannelore Kraft (SPD). Die damals politisch Verantwortlichen der Stadt haben das nicht geschafft, bis heute nicht, wie ein <a href=\"https:\/\/xtranews.de\/2020\/07\/20\/10-jahre-nach-der-loveparade-katastrophe-adolf-sauerland-im-gespraech-mit-xtranews-id24206086.html\">Interview des Nachrichtenblogs &bdquo;XTRANEWS&ldquo;<\/a> von dieser Woche zeigt: &bdquo;Man hat die Katastrophe mit 21 toten Menschen sofort als Anlass ausgenutzt, um Politik zu machen&ldquo;, relativiert der Oberb&uuml;rgermeister a.D. Adolf Sauerland (CDU) auch nach zehn Jahren noch sein pers&ouml;nliches Fehlverhalten in der Folge des Ungl&uuml;cks. Er verh&ouml;hnt damit nicht nur erneut den Respekt gegen&uuml;ber den Angeh&ouml;rigen und die demokratische Entscheidung von fast 130.000 Duisburgerinnen und Duisburgern, auf die sie qu&auml;lende 19 Monate warten mussten, sondern auch die W&uuml;rde des Amtes, das ihm anvertraut worden war. <\/p><p>Ein OB-R&uuml;cktritt zum Jahresende 2011 ruft die W&uuml;rde des Amtes in Erinnerung, leider war es der Falsche: <a href=\"https:\/\/xtranews.de\/2011\/12\/31\/mainzer-ob-ruecktritt-wegen-unbezahlter-getraenkerechnung-im-hotel-und-duisburg-id1955714.html\">&bdquo;OB scheidet zum Jahresende aus dem Amt &ndash; wegen einer unbezahlten Getr&auml;nkerechnung im Hotel!&ldquo;<\/a>. Die Nachricht war keine schlechte Satire zum Jahreswechsel 2011\/12, sondern echt und stammte aus der Karnevalshochburg 280 Kilometer rheinaufw&auml;rts von Duisburg. Dort war tats&auml;chlich noch vor Beginn der Session der langj&auml;hrige Oberb&uuml;rgermeister von Mainz, Jens Beutel (SPD), zur&uuml;ckgetreten, weil er w&auml;hrend einer Afrikareise seine Getr&auml;nke an der Hotelbar nicht bezahlt hatte. <\/p><p>&ldquo;Mit R&uuml;cksicht auf seine Familie und die politische Gestaltungsf&auml;higkeit in der Stadt sei er zum Schluss gekommen, dass ihm eine weitere Arbeit an der Spitze der Stadt nicht l&auml;nger m&ouml;glich sei&rdquo;, zitierte der SWR aus einer schriftlichen Erkl&auml;rung des Ex-OB. Der R&uuml;cktritt wurde zum Jahresende wirksam und die Mainzer durften 2012 einen neuen OB w&auml;hlen. Nun h&auml;tte man diese winzige Gemeinsamkeit zwischen Mainz und Duisburg getrost irgendwo auf dem Grunde der 280 Rheinkilometer zwischen den St&auml;dten versinken lassen k&ouml;nnen, h&auml;tte nicht die damalige CDU-Landesvorsitzende und heutige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Kl&ouml;ckner den R&uuml;cktritt mit einem Satz in die SWR-Mikrofone kommentiert, der, eigentlich banal, nicht aus dem Kopf gehen will: &ldquo;Das Ansehen der Landeshauptstadt und die W&uuml;rde des Amtes haben Schaden genommen.&rdquo; <\/p><p>Da war sie wieder, die W&uuml;rde, derer sich so gern bedient wird, wenn es ins politische Konzept passt. Und der ganzen Heiligkeit dumpfer Schein der selbsternannten christlichen Demokraten waberte in diesem Satz &uuml;ber die Rheinwellen Richtung Duisburg und man w&uuml;nschte sich, die Flaschenpost aus Mainz h&auml;tte damals in D&uuml;sseldorf einer aus dem Rhein gezogen und dem Parteifreund von Frau Kl&ouml;ckner und heutigen NRW-Arbeits- und -Sozialminister Karl-Josef Laumann mal vorgelesen. Denn die Erkl&auml;rungen des damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Laumann zum &bdquo;Fall Sauerland&ldquo; wollten so gar nicht in das politische Nest passen, das rheinaufw&auml;rts die &ldquo;W&uuml;rde des Amtes&rdquo; bem&uuml;hte. Dort ging es zwar nicht um einen Parteifreund und bei politischen Gegnern holt man schon immer lieber mal die Moralkeule raus. Auch ist Scheinheiligkeit sicher keine Erfindung der Christdemokraten, das k&ouml;nnen die Sozis auch, aber die haben immerhin das Christliche nicht als &sbquo;Markenkern&lsquo;, wie das im neoliberalen Neudeutsch so gern hei&szlig;t, im Namen stehen. <\/p><p>Aber Nomen ist eben doch nicht immer Omen, nicht mal bei den Gr&uuml;nen, die ja zumindest im Untertitel Basisdemokraten sein wollen und das geh&ouml;rte dort zum Markenkern wie bei den Roten die Solidarit&auml;t. Das Basisdemokratische klappte ja auch in Stuttgart und Gorleben und anderswo, aber in Duisburg&hellip;, naja, in Duisburg war eben doch manches anders. Blo&szlig; kam am Ende kein Schimanski und sagte dem Arschloch, dass er eins ist, weil er eins ist, nicht weil er zum anderen Lager geh&ouml;rt. Nee, alles echt in Duisburg, traurige Realit&auml;t.<\/p><p>Da konnten eben diese Duisburger Gr&uuml;nen nach monatelangen Grabenk&auml;mpfen, Schiedsgerichts- und parteiinternen Abwahlverfahren, Amtsanma&szlig;ungen und Ignorieren von Basisentscheidungen der Mitglieder auch nach 17 Monaten das Verhalten des Koalitionspartners OB Sauerland nach der Katastrophe nicht missbilligen. <\/p><p>Beim Abwahlb&uuml;ndnis fehlen mochten sie dennoch nicht, die Basisdemokraten, und lie&szlig;en sich brav mit den Worten zitieren, das beschlossene Gesetz zur Abwahlm&ouml;glichkeit liege auf der Linie der Gr&uuml;nen f&uuml;r eine st&auml;rkere B&uuml;rgerbeteiligung. Donnerwetter, da hatten sie sich ja mal aus dem Fenster gelehnt, die Gr&uuml;nen, f&uuml;r ein Gesetz, das sie im Landtag selbst beschlossen hatten. Kritik am OB war weiter Fehlanzeige: Es d&uuml;rfe keine Hetzkampagne geben. Da war sie wieder, die Opferrolle, in der Sauerland schon eineinhalb Jahre ausgeharrt und die Stadt in Geiselhaft seiner Ignoranz gehalten hatte. <\/p><p>In der Tat war es aber schon wenige Tage nach der Loveparade der Gr&uuml;ne Stadtdirektor Greulich gewesen, der noch aus dem Urlaub in Spanien parteiinterne und &ouml;ffentliche Kritik als Hetzkampagne und Hexenjagd diffamiert und zur Hetze erkl&auml;rt hatte. Jeder Appell an politische oder moralische Amtsverantwortung und jede Kritik am Verhalten des Amtstr&auml;gers nach der Katastrophe sei ein pers&ouml;nlicher Angriff, politisch motiviert. <\/p><p>Doch zur&uuml;ck zum gebeutelten Mainzer OB, der noch nicht mal als Getriebener gelten durfte, sondern h&ouml;chstselbst mit R&uuml;cksicht auf Familie und Amt aus dem selbigen getreten war. Vielleicht h&auml;tte ihm damals jemand sagen sollen, dass man wegen solcher Lappalien nat&uuml;rlich keine andere Wahl hat als den R&uuml;cktritt. Wenn er h&auml;tte im Amt bleiben wollen, w&auml;ren andere Schritte n&ouml;tig gewesen: <\/p><p>Er h&auml;tte beispielsweise den Mainzer Rosenmontagszug durch einen Tunnel f&uuml;hren lassen k&ouml;nnen und den Totgetrampelten hinterher &ouml;ffentlich sagen, sie h&auml;tten besser aufpassen sollen; er h&auml;tte sagen k&ouml;nnen, er habe ja nichts unterschrieben; er h&auml;tte der Trauerfeier fernbleiben und im Fernsehen erkl&auml;ren k&ouml;nnen, eine Beileidsbekundung an die Hinterbliebenen sei nicht m&ouml;glich gewesen, weil er im Gegensatz zum st&auml;dtischen Standesamt die Adressen der Opfer nicht gekannt h&auml;tte; er h&auml;tte die R&uuml;cktrittsempfehlungen der h&ouml;chsten Repr&auml;sentanten des Staates und seiner Partei ignorieren und in die &ouml;ffentlich-rechtlichen Kameras behaupten k&ouml;nnen, der Bundespr&auml;sident h&auml;tte ihm geschrieben und den R&uuml;cken gest&auml;rkt, auch wenn das Bundespr&auml;sidialamt dies umgehend dementiert h&auml;tte; der Mainzer OB h&auml;tte ferner eine halbe Million f&uuml;r ein Gef&auml;lligkeitsgutachten ausgeben k&ouml;nnen, das seiner Verwaltung bescheinigte, alles richtig gemacht zu haben, w&auml;hrend die Staatsanwaltschaft zur Auffassung gekommen war, die Veranstaltung h&auml;tte so nicht genehmigt werden d&uuml;rfen. Die Kosten des Gutachtens h&auml;tte er au&szlig;erdem am Rat der Stadt vorbei in einer ungerechtfertigten Eilentscheidung in den Nothaushalt lavieren k&ouml;nnen, w&auml;hrend ein Prozent des Betrages als Zuschuss f&uuml;r einen Jugendaustausch nicht finanzierbar gewesen w&auml;re. <\/p><p>Und wenn all das respektlose Herumtrampeln auf den Gef&uuml;hlen von Opfern, Angeh&ouml;rigen und B&uuml;rgern nichts geholfen h&auml;tte, einen R&uuml;cktritt zu vermeiden, w&auml;re auch eine unbezahlte Hotelrechnung viel zu billig. Stattdessen h&auml;tte der Mainzer rechtzeitig daf&uuml;r gesorgt, dass sich das Aussitzen auch lohnt. Statt ein bisschen Strafe wegen vier Tagen Capri, die als Dienstreise abgerechnet waren, h&auml;tte er mit seinem Parteifreund und Landesvater Kurt Beck ausgekungelt, dass ein neues Landesgeb&auml;ude, z.B. ein Archiv, in ein altes Lagerhaus am Hafen gebaut w&uuml;rde. Nach der Zustimmung von Kurt h&auml;tte ein der Stadt wohlgesonnenes Immobilienunternehmen das Grundst&uuml;ck gekauft, damit Kurts Liegenschaftsbetrieb es diesem f&uuml;r den zehnfachen Preis abkaufen muss. <\/p><p>Das h&auml;tte aber vielleicht immer noch nicht gereicht und das st&auml;dtische Wohnungsbauunternehmen w&auml;re nicht einfach so in &ldquo;Schieflage&rdquo; geraten wie das Mainzer. Nein, das st&auml;dtische Wohnungsbauunternehmen h&auml;tte ein Jahrhundertprojekt geschultert, dessen Kosten sich vervielfacht h&auml;tten, das als Schrotthaufen geendet h&auml;tte und mit Vertr&auml;gen ausgestattet gewesen w&auml;re, die das komplette Baurisiko bei der st&auml;dtischen Gesellschaft gelassen h&auml;tte. Das w&auml;re erst mal eine Hausnummer gewesen. <\/p><p>Unn&ouml;tig zu erw&auml;hnen, dass besagte Vertr&auml;ge von den gleichen Gutachtern verfasst worden w&auml;ren, die auch das Gutachten&hellip; Nein, das muss wirklich &uuml;bertrieben gewesen sein. Das w&auml;re ja selbst f&uuml;r einen Schimanski zu unrealistisch. <\/p><p>Aber der arme Herr Beutel hat alles das nicht getan, er hat halt seine Getr&auml;nkerechnung nicht bezahlt und Zeche prellen ist schlie&szlig;lich kein Kavaliersdelikt, das wei&szlig; man auch in Duisburg. Er ist eben einfach zur&uuml;ckgetreten aus R&uuml;cksicht auf seine Familie und die W&uuml;rde des Amtes. Die hat Sauerland auch nach 10 Jahren noch nicht verstanden &ndash; 85 Prozent der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler in Duisburg schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre nach dem Loveparade-Desaster versteht Ex-Oberb&uuml;rgermeister Adolf Sauerland das noch immer nicht. 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