{"id":63484,"date":"2020-07-31T12:50:16","date_gmt":"2020-07-31T10:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63484"},"modified":"2020-08-03T15:11:06","modified_gmt":"2020-08-03T13:11:06","slug":"wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-elon-musk-bolivien-und-das-lithium-puzzle-in-der-atacama-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63484","title":{"rendered":"\u201cWir putschen gegen jeden, wann immer wir wollen &#8230;\u201d \u2013 Elon Musk, Bolivien und das Lithium-Puzzle in der Atacama-W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 24. Juli kritisierte der in den USA residierende, s&uuml;dafrikanische Multimilliard&auml;r Elon Musk auf Twitter, eine Fortsetzung der finanziellen und sozialen Ma&szlig;nahmen der US-Regierung zur Abfederung der Covid-19-Krise sei &bdquo;nicht im besten Interesse der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. Worauf einer seiner Follower antwortete: &bdquo;Wei&szlig;t Du, was nicht im besten Interesse der Bev&ouml;lkerung ist? Dass die US-Regierung einen Coup gegen Evo Morales in Bolivien organisiert, damit Du dort Zugang zum Lithium bekommst.&ldquo; Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7848\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63484-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63484-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200803-Wir-putschen-gegen-jeden-wann-immer-wir-wollen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bekannt f&uuml;r extravagante, freche und nicht selten arrogante Phrasen in der &Ouml;ffentlichkeit, twitterte Musk zur&uuml;ck, &bdquo;Wir putschen gegen jeden, der uns einf&auml;llt, wann immer wir wollen &ndash; finde Dich damit ab&ldquo;. In wenigen Minuten ging der Tweet viral um den Planeten. Doch als dies auch f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.publico.es\/tremending\/2020\/07\/26\/twitter-daremos-un-golpe-de-estado-a-quien-queramos-las-palabras-de-musk-sobre-el-golpe-en-bolivia-que-levantan-ampollas\/\">Schlagzeilen in den beherrschenden internationalen Medien<\/a> sorgte &ndash; oder mit den Worten der spanischen <em>P&uacute;blico<\/em> gesagt, &bdquo;die Blase zum Platzen brachte&ldquo; &ndash; l&ouml;schte Musk den Tweet, der jedoch mehrfach vom Bildschirm kopiert worden war (siehe Abbildung).<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200731-Tweet-Elon-Musk-Bolivien.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200731-Tweet-Elon-Musk-Bolivien.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Konservative Medien, allen voran Musks Haus-Werbepostille <em>Electrek<\/em>, beeilten sich, <a href=\"https:\/\/electrek.co\/2020\/07\/26\/tesla-elon-musk-accused-bolivia-coup-lithium-conspiracy-theory\/\">den Tweet kleinzureden<\/a> und die Emp&ouml;rung darauf als &bdquo;verr&uuml;ckte Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; abzutun. Doch manch einer, wie der argentinische Kommentator Juan Manuel Karg, sagte sich, wenn das Sarkasmus ist, hat Elon Musk einen zweifelhaften Sinn f&uuml;r Humor. Wenn dies jedoch eine politische Position signalisieren soll, ist Elon Musk tats&auml;chlich als Putschist erwacht.<\/p><p>Jedenfalls ma&szlig; sich im Unterton des sarkastisch anmutenden Tweets Musks arrogante Neureichen-Attit&uuml;de mit den &ndash; in seinen Augen &ndash; &bdquo;l&auml;ppischen&ldquo; 40,9 Milliarden US-Dollar des bolivianischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), denen Musks nahezu obsz&ouml;ne 69,4 Milliarden US-Dollar Privatverm&ouml;gen gegen&uuml;berstehen. Und was A&ntilde;ez&lsquo; Ausrede, ist Musks Provokation: Der Befehl, zur Vermeidung von Covid-19-Ansteckungen zu Hause zu bleiben, sei &bdquo;faschistisch&ldquo;, posaunte der zigfache Milliard&auml;r w&auml;hrend des Aufrufs zu einer Gewinnaussch&uuml;ttungs-Tagung seines Elektroautokonzerns Tesla. Musk kritisierte die Covid-19-Regierungs-Stimuli der US-Regierung, war aber so inkonsequent und nahm selbst eine zig Millionen Dollar schwere Pandemie-&rdquo;&Uuml;berbr&uuml;ckungshilfe&rdquo; in Anspruch.<\/p><p><strong>Elon Musk und Jeff Bezos schaffen den Himmel ab<\/strong><\/p><p>Elon Musk steht an der Spitze von f&uuml;nf Mega-Technologieunternehmen. Er war Mitbegr&uuml;nder des Elektroauto-Konzerns Tesla, gr&uuml;ndete danach SpaceX &ndash; das mit der NASA assoziierte Unternehmen f&uuml;r Luft- und Raumfahrtsysteme sowie f&uuml;r Raumtransportdienstleistungen &ndash; schuf die Forschungskonzerne f&uuml;r K&uuml;nstliche Intelligenz OpenAI und Neuralink und betreibt SolarCity, das Unternehmen des Milliard&auml;rs f&uuml;r Sonnenenergie. Diese Konzerne, darunter vor allem SpaceX, verdienten allein in den vergangenen vier Monaten, w&auml;hrend der Covid-19-Pandemie, 4 Milliarden US-Dollar; im Fall SpaceX vor allem wegen der quarant&auml;nebedingten Mehrnutzung des Internets.<\/p><p>Auch hier ger&auml;t der gro&szlig;e Spr&uuml;che klopfende Milliard&auml;r zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Musk bedient n&auml;mlich das Netz mittlerweile mit 540 Satelliten, die, mit markanten Choreografien am Himmel positioniert, oft mit nacktem Auge erkennbar sind. Doch sie <a href=\"https:\/\/brasil.elpais.com\/internacional\/2020-07-24\/os-satelites-de-elon-musk-estragaram-o-ceu.html\">machen den Nachthimmel kaputt<\/a>, warnen Astronomen vor der Vermarktung der Erdumlaufbahn. Der Amazon-Milliard&auml;r und reichste Mann des Planeten, Jeff Bezos, plant seinerseits, rund 3.000 Satelliten f&uuml;r denselben Zweck in die Umlaufbahn zu schie&szlig;en. F&uuml;r die kommerzielle Ausbeutung des Himmels ben&ouml;tigen die Turbo-Milliard&auml;re gerade mal die Erlaubnis der US-Kommunikationsagentur &ndash; und was juckt sie die Menschheit, der der Himmel geh&ouml;rt!<\/p><p>Doch Musks Gr&ouml;&szlig;enwahn peilt eine Schwadron von 12.000 der 260-Kilogramm-Ger&auml;te f&uuml;r hochwertiges Internet an. &bdquo;Die Auswirkungen auf die Astronomie sind praktisch der Anfang vom Ende der Nacht&rdquo;, warnt der Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r Physik Didier Queloz. F&uuml;r ihn sind Musk und Bezos Menschen, die den Himmel kolonisieren und ihn f&uuml;r die Menschheit abschaffen werden.<\/p><p><strong>Assoziationen mit Musks Bolivien-Interesse und Putsch-Involvierung<\/strong><\/p><p>Musks Involvierung in den Putsch vom vergangenen November 2019 ist eine Mutma&szlig;ung mit vielfachen Konturen. Sein Tweet f&auml;llt n&auml;mlich zeitlich mit der zweiten Terminverschiebung der Pr&auml;sidentschaftswahlen in Bolivien auf kommenden Oktober zusammen. Angeblich wegen der Corona-Krise. Doch darf als eigentlicher Grund vermutet werden, dass die verfassungswidrige De-facto-Pr&auml;sidentin und Kandidatin Jeanine A&ntilde;ez am schlechtesten in den Umfragen abschneidet. Die <a href=\"https:\/\/www.celag.org\/encuesta-bolivia-julio-2020\/\">j&uuml;ngste Wahlumfrage<\/a> des Lateinamerikanischen Zentrums f&uuml;r geopolitische Studien bescheinigt Evo Morales&lsquo; langj&auml;hrigem Wirtschaftsminister und Parteikandidaten Luis Arce 41,9 Prozent der W&auml;hlerpr&auml;ferenz und einen mehr als 10-prozentigen Vorsprung vor allen konservativen Konkurrenten; ein Vorsprung, den die extreme Rechte Boliviens bestreitet und ihn als &bdquo;Machenschaft&ldquo; dem ehemaligen Pr&auml;sidenten Ecuadors, Rafael Correa, in l&auml;cherlicher Weise <a href=\"https:\/\/eju.tv\/2020\/07\/rafael-correa-y-garcia-linera-estan-detras-de-encuestas-favorables-al-mas\/\">unterstellt<\/a>.<\/p><p>Zur Erh&auml;rtung der These von Musks Putsch-Involvierung zitieren einige Kritiker zwei weitere Hinweise. Zum einen, dass A&ntilde;ez&lsquo; Au&szlig;enministerin Karen Longaric am vergangenen 31. M&auml;rz eine Bittschrift an Musk schickte (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200731-Bittbrief-Boliviens-Aussenministerin-an-Elon-Musk-31Maerz-2020.jpg\">siehe Screenshot<\/a>), in der sie ihn um die von ihm Wochen zuvor weltweit angebotenen, angeblich von seinem Elektroautokonzern Tesla hergestellten <a href=\"https:\/\/www.space.com\/elon-musk-spacex-tesla-ventilators-coronavirus.html\">Beatmungsger&auml;te f&uuml;r schwerkranke Covid-19-Patienten<\/a> als Spende bat. Doch so endete das Angebot: Musk stellte keine Ger&auml;te her, kaufte vielmehr um die 100 Apparate chinesischer Herstellung und schickte sie an Krankenh&auml;user in den USA und in Spanien. Bolivien bekam keine. Im Stich gelassen beschloss die De-facto-Staatschefin A&ntilde;ez den Kauf von 170 Apparaten der Marke Respira, doch die unversch&auml;mt &uuml;berteuert eingetroffenen Ger&auml;te enth&uuml;llten einen Korruptionsskandal, f&uuml;r den A&ntilde;ez&lsquo; <a href=\"https:\/\/www.latercera.com\/mundo\/noticia\/escandalo-de-corrupcion-por-compras-de-respiradores-con-sobreprecio-sacude-a-bolivia\/MQVIFDTGJFG4THMBFMW3C2NSK4\/\">Gesundheitsminister im Gef&auml;ngnis<\/a> landete.<\/p><p><strong>Die Warnung aus dem Imperium und Elon Musks Chile-Besuch<\/strong><\/p><p>F&uuml;r seine, wenn auch vermeintlich diskrete Unterst&uuml;tzung des Staatsstreichs gegen Pr&auml;sident Evo Morales k&ouml;nnte zum anderen Musks ungeb&auml;ndigter Trieb der Gewinn-Maximierung zum Preis radikaler Ausgaben-Minimierung sprechen. Dies motivierte Musk in den vergangenen zwei Jahren zur Eruierung der Lithium-Vorkommen in S&uuml;damerika. Hier beriet er sich mit Regierungsvertretern und seine Emiss&auml;re besuchten das Lithium-Dreieck Argentinien-Chile-Bolivien, das mit mindestens 50 Prozent der weltweiten Vorkommen die gr&ouml;&szlig;te nat&uuml;rliche Reserve des strategischen Rohstoffs bildet.<\/p><p>Jos&eacute; Pi&ntilde;era &ndash; notorischer Chicago Boy, Bruder des amtierenden chilenischen Pr&auml;sidenten Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era und General Augusto Pinochets Chefideologe f&uuml;r die Privatisierung des Rentensystems des Landes &ndash; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/josepinera_en\/status\/946447910551654400\">twitterte zugleich euphorisch<\/a> und h&uuml;ndisch vor drei Jahren, &bdquo;Herzlich willkommen @elonmusk in Chile, dem Saudi-Arabien des Lithiums, einem potenziellen &bdquo;Solarland&ldquo; und einem F&uuml;hrer der freien Weltwirtschaft. Ich freue mich darauf, SCL-LAX in 30 Minuten in SpaceX zu bereisen. <a href=\"http:\/\/josepinera.org\/power-of-ideas.htm\">http:\/\/josepinera.org\/power-of-ideas.htm<\/a>&ldquo;. Der ultrakonservative Abgeordnete Jos&eacute; Miguel Castro legte mit einem weiteren <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dip_jmcastro\/status\/946700529052389376\">Tweet der freiwilligen Unterwerfung<\/a> nach. Er schrieb, &bdquo;Sehr geehrter Herr Musk, wenn Sie in Chile sind, m&ouml;chte ich Sie einladen, die Region zu besuchen, in der wir die gr&ouml;&szlig;ten Lithiumressourcen der Welt haben. Wir sind hart arbeitende Menschen und verstehen sehr wohl die Bedeutung der Wertsch&ouml;pfungskette.<\/p><p>Die britische Headhunter-Agentur Hyperion Executive Search deutete mit unverbl&uuml;mten Worten an, wo der Hase im Pfeffer lag. &bdquo;Elon Musk ist in Chile, um eine L&ouml;sung f&uuml;r dieses wachsende Problem zu entwickeln. Die Suche nach Lithium ist wirklich in vollem Gange und es besteht ein hohes Risiko, dass einige ausgew&auml;hlte (mineralstoffreiche) L&auml;nder die meisten Inhaltsstoffe f&uuml;r Elektroautobatterien kontrollieren&ldquo;, ma&szlig;te sich das CEO-Blatt an, nationale souver&auml;ne Rohstoff-Reserven <a href=\"https:\/\/insights.hyperionsearch.co.uk\/post\/102enje\/tesla-ceo-elon-musk-arrives-in-chile-sparking-lithium-rumors-again\">als &bdquo;Risiko&ldquo; zu bezeichnen<\/a>. Eine Anma&szlig;ung mit kristallklarer Aufrechnung: &bdquo;Theoretisch ist jedoch eine massive Lithiumcarbonat-Bergbau- und -Reinigungsfabrik m&ouml;glich. Unternehmen k&ouml;nnten dann versuchen, hochreines Lithiumcarbonat an Giga-Fabriken auf der ganzen Welt zu liefern. Daher glaube ich, dass Musk in Chile ist, um langfristige Partnerschaften mit lokalen Lithium-Bergbau-Fachleuten zu evaluieren und hoffentlich zu verhandeln, um eine effiziente Lithium-Lieferkette zu schaffen, um die Grundlagen f&uuml;r eine Massenmarkt-Elektrofahrzeug-Zukunft zu legen&ldquo;.<\/p><p><strong>Das s&uuml;damerikanische Lithium-Dreieck<\/strong><\/p><p>Vier Monate vor dem Staatsstreich gegen Evo Morales in Bolivien sch&auml;tzte das amerikanische Beratungsunternehmen Allied Market Research, dass der Weltmarkt f&uuml;r Lithiumbatterien im Jahr 2022 einen Wert von 46 Milliarden US-Dollar erreichen k&ouml;nnte. Ein Teil der Euphorie, so die britische BBC, hatte mit der <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-48666235\">Ank&uuml;ndigung Elon Musks vom Juni 2019<\/a> zu tun, er w&uuml;nsche sich eine Ausweitung der Produktion von Tesla-Elektroautos. &bdquo;Um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren, m&uuml;ssen wir grunds&auml;tzlich die gesamte Lithiumproduktion der Welt absorbieren&rdquo;, erkl&auml;rte Musk in Interviews.<\/p><p>In Argentinien und Chile f&ouml;rdern bereits mehrere private Unternehmen das Metall. Anders war die Entscheidung der Regierung Evo Morales in Bolivien. Die s&uuml;damerikanischen Nationen sollten sich vielmehr auf die Wertsch&ouml;pfung des Lithium-Rohstoffs mit der Herstellung von Batterien konzentrieren, anstatt das Metall als billige Handelsware zu verscherbeln, so Boliviens gest&uuml;rzter, plurinationaler Staatschef. Folge dieses Verst&auml;ndnisses von nationaler Rohstoff-Souver&auml;nit&auml;t und technologischer Autonomie war der Ende 2018 zwischen der staatlichen bolivianischen YLB und der deutschen Firma ACI Systems Alemania mit 51 zu 49 Prozent Aktienanteilen ausgehandelte Vertrag &uuml;ber die Lithium-Anreicherung und die Errichtung der ersten industriellen Lithium-Batteriefabrik auf lateinamerikanischem Boden. Der Vertrag wurde unter massivem politischen Druck von Morales jedoch &uuml;berraschenderweise im Oktober 2019 wieder gek&uuml;ndigt und ist Gegenstand des NachDenkSeiten-Folgeberichts &uuml;ber das Lithium-Puzzle.<\/p><p>Chile steht wiederum f&uuml;r rund 33 Prozent des weltweiten Lithium-Bergbaus, der vor allem vom privatisierten staatlichen Metallf&ouml;rderungskonzern SQM auf dem ehemals bolivianischen Territorium, das durch das Andenland im Salpeterkrieg (1879-1883) usurpiert wurde, als Monopol beherrscht wird. In Argentinien &uuml;bernahm der 2015 gew&auml;hlte, neoliberal ausgerichtete Pr&auml;sident Mauricio Macri das chilenische &bdquo;Gesch&auml;ftsmodell&ldquo; und &ouml;ffnete vor allem ausl&auml;ndischen Investoren den Zugang zu den Lithium-Vorkommen im Nordwesten des Landes.<\/p><p>Argentinien, Bolivien und Chile werden seit Jahren von den transnationalen Bergbau-Konzernen mit ma&szlig;geblicher Beteiligung von <a href=\"https:\/\/financialpost.com\/midas-letter\/blackrock-jumps-on-the-lithium-bull-invests-in-bacanora-minerals\">Mega-Verm&ouml;gensverwaltern wie BlackRock<\/a> ins Visier genommen. Der United States Geological Survey (USGS) will errechnet haben, dass die Lithiumreserven der drei L&auml;nder etwa 60 Prozent der bekannten Weltvorkommen ausmachen, andere Quellen zitieren bescheidenere Vorkommen zwischen 40 und 50 Prozent der Weltreserven. Was auch internationale Fachmedien zu kunstreichen Bezeichnungen wie dem &bdquo;goldenem Dreieck&ldquo; oder &bdquo;Saudi-Arabien des Lithiums&ldquo; animiert hat.<\/p><p><strong>Die gescheiterten Verhandlungen Musks mit Chiles SQM, im Besitz von General Pinochets Schwiegersohn<\/strong><\/p><p>China ausgenommen, bekommt Evo Morales&lsquo; Lithium-Wertsch&ouml;pfungsstrategie weder dem Elektroauto-Giganten noch dem internationalen Finanzkapital. &bdquo;Der Gegenwind weht st&auml;rker als der R&uuml;ckenwind&ldquo;, protestierte Sam Jaffe, CEO vom US-amerikanischen Energiespeicherungs-Beratungsunternehmen Cairn Energy Research Advisors im Gespr&auml;ch mit BBC World. &bdquo;Die Idee, dass s&uuml;damerikanische L&auml;nder Exporteure von Batterien f&uuml;r Elektroautos sein werden, macht wenig Sinn.&ldquo; Da sie weit von den gro&szlig;en Automobilherstellungszentren entfernt sind, sind die Kosten f&uuml;r den Transport von Batterien sehr hoch. &bdquo;Lithium zu besitzen, bringt ihnen keinen logistischen Vorteil. Wahrscheinlich ist es die beste Option, das Rohmaterial zu exportieren&ldquo;, lautet die klassische kolonialistische Formel des US-CEOs. Zu dieser Formel geh&ouml;ren Niedrigstpreise, eine der Spezialit&auml;ten Elon Musks.<\/p><p>&bdquo;Teslas Rohstoff-Appetit hat die Erwartungen an ein m&ouml;gliches Abkommen zwischen dem US-Riesen und Chile, dem weltweit gr&ouml;&szlig;ten Lithiumproduzenten, &uuml;ber eine Vereinbarung mit SQM hinaus erh&ouml;ht&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.mch.cl\/2018\/05\/17\/tesla-firma-acuerdo-comprar-litio-sqm-traves-joint-venture-australia\/\">schw&auml;rmten Beamte der Regierung Pi&ntilde;era<\/a> &uuml;ber die Ankunft des Tesla-Chefs in Chile Ende 2018. SQM ist das Akronym f&uuml;r die Firma Soquimich und erhielt vor Jahren die nahezu monopolartige Konzession f&uuml;r die Lithium-Ausbeute in der Atacama, die sich der wegen schwerer Korruption mehrfach verurteilte Ex-Schwiegersohn Pinochets, Julio Ponce Lerou, mit Konzernen aus China, den USA, Kanada und S&uuml;dkorea teilt. Doch Elon Musks Chile-Mission ging nicht gut aus.<\/p><p>Anfang 2019 traf sich der fr&uuml;here Vice-CEO des staatlichen Industrief&ouml;rderungsverbandes Corfo, Eduardo Bitran, mit Musk und seinem Begleitungs-Sto&szlig;trupp der Lithium- und Batterie-Experten von Tesla. Doch Bitran war nicht gerade angetan von den Verhandlungen mit dem Tesla-Milliard&auml;r. Auch Corfo-Berater Leonardo Valenzuela wies nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses der Abgeordnetenkammer unverbl&uuml;mt darauf hin, dass bei den Gespr&auml;chen keine Fortschritte erzielt wurden, und kritisierte die US-Abordnung. &bdquo;Tesla will Lithiumhydroxid f&uuml;r &lsquo;n Apfel und &lsquo;n Ei!&ldquo; Der Marktpreis f&uuml;r eine Tonne davon liegt bei 16.000 US-Dollar und Tesla m&ouml;chte nicht mehr als die H&auml;lfte, also gerade mal 8.000 US-Dollar daf&uuml;r hinlegen. Daher sind in diesem Bereich nur sehr geringe Fortschritte zu verzeichnen&ldquo;, erkl&auml;rte der Chilene Musks Mission f&uuml;r gescheitert.<\/p><p><strong>Teslas Lithium-Bedarf und der &Uuml;berfall auf die weltweiten Rohstoff-Reserven<\/strong><\/p><p>Tesla wurde 2003 gegr&uuml;ndet, kurz nachdem General Motors die Prototypen seines Elektrofahrzeugs EV-1 aufgegeben und vernichtet hatte. Elon Musk stie&szlig; erst 2004 zu dem Unternehmen und gilt als sein erster Gro&szlig;investor. Mit einer stufenweise ausget&uuml;ftelten Gesch&auml;fts- und Finanzierungs-Strategie verlie&szlig; im Jahr 2006 das Modell Tesla Roadster als erstes Serienauto die Tesla-Montage.<\/p><p>Angetrieben mit Lithium-Ionen-Batterien war es f&uuml;r eine Reichweite von &uuml;ber 322 km pro Ladung ausgestattet und beschleunigte von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (97 km\/h) in 3,9 Sekunden. Tesla prahlte daher damals, das Roadster sei doppelt so effizient wie das japanische Konkurrenzmodell Toyota Prius. Von mangelnder Logistik abgesehen, war bereits 2009 erkennbar, dass mit einem unerschwinglichen Endpreis von 109.000 US-Dollar (knapp 93.000 Euro nach heutigem Umrechnungswert) das Tesla-Elektroauto ein Elite-Kutsche war. Nachdem die Dezember-2006-Ausgabe des Time-Magazins dem Tesla Roadster ein Titelblatt mit der W&uuml;rdigung &bdquo;Best Transportation Invention Award&ldquo; verlieh, gelang es Tesla bis Mitte 2012, das Roadster-Modell in 31 L&auml;ndern abzusetzen, die nach Firmenangaben 37 Millionen elektrische Kilometer zur&uuml;ckgelegt h&auml;tten.<\/p><p>Seitdem expandierte der Montagebetrieb mit hunderten Millionen zur&uuml;ckgezahlten staatlichen Krediten und milliardenschweren Dollar-Reinvestitionen zum transnationalen Anbieter von mindestens einem halben Dutzend Folgemodellen. Im Jahr 2018 verkaufte Tesla 245.240 Fahrzeuge, darunter 145.846 Modelle 3, der 2017 auf den Markt gebrachten, mittelgro&szlig;en, viert&uuml;rigen Limousine. Die gegenw&auml;rtige Produktionskapazit&auml;t liegt bei 350.000 Fahrzeugen\/Jahr.<\/p><p>J&uuml;ngster Tesla-Gesch&auml;ftsschlager ist die 2020-er Version des alten, eingestellten Roadsters. Ein viersitziger Supersportwagen f&uuml;r die Weltelite, ausgestattet mit einer 200-kWh-Batterie und Autonomie von 1.000 km, Beschleunigungsverm&ouml;gen von 0-60 Meilen\/Stunde in 1,9 Sekunden, 0-100 Meilen\/Stunde in 4,2 Sekunden und H&ouml;chstgeschwindigkeit von 400 km\/h. Kaufpreis: 200.000 US-Dollar.<\/p><p>Auf YouTube machte die Plattform Crux Investor <a href=\"https:\/\/cruxinvestor.com\/opinions\/howard-klein-investing-in-the-ev-revolution-what-you-need-to-know\/\">ein Video<\/a> zug&auml;nglich, in dem Howard Klein von RK Equity aus der Perspektive Elon Musks zum Themenbereich Tesla, Gigafabriken und Lithium sowie zum Wettlauf um die Sicherung der Rohstoff-Lieferkette Stellung nimmt. Das angedeutete Szenario l&auml;sst in der Wahrnehmung der normalen Sterblichen, der Mehrheit der Menschen, nichts Gutes ahnen, es sei denn f&uuml;r die auf 400 Stundenkilometer besessene Weltelite hinter dem Steuer von Musks regelrechten Elektro-Projektilen. Bei der Er&ouml;ffnung der Nevada Gigafactory soll Tesla nach Angaben von Klein ein j&auml;hrliches Produktionsziel von 35 GWh avisiert haben, das 25.000 Tonnen Lithium\/Jahr ben&ouml;tigt &ndash; ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass Tesla als Autobauer bald selbst in den Lithium-Bergbau einsteigen k&ouml;nnte. Zur Verdammnis aller Beteiligten.<\/p><p>Titelbild: Fabio Lamanna\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 24. Juli kritisierte der in den USA residierende, s&uuml;dafrikanische Multimilliard&auml;r Elon Musk auf Twitter, eine Fortsetzung der finanziellen und sozialen Ma&szlig;nahmen der US-Regierung zur Abfederung der Covid-19-Krise sei &bdquo;nicht im besten Interesse der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. Worauf einer seiner Follower antwortete: &bdquo;Wei&szlig;t Du, was nicht im besten Interesse der Bev&ouml;lkerung ist? Dass die US-Regierung einen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63484\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":63485,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,178,73],"tags":[965,2186,669,2126,1507,2762,663,2763],"class_list":["post-63484","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-ressourcen","category-verkehrspolitik","tag-argentinien","tag-bolivien","tag-chile","tag-elektromobilitaet","tag-morales-evo","tag-musk-elon","tag-putsch","tag-tesla"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/rendered.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63484"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63548,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63484\/revisions\/63548"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}