{"id":63529,"date":"2020-08-03T10:30:24","date_gmt":"2020-08-03T08:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63529"},"modified":"2020-09-22T15:42:57","modified_gmt":"2020-09-22T13:42:57","slug":"corona-demo-widerspruch-wird-pauschal-verteufelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63529","title":{"rendered":"Corona-Demo: Widerspruch wird pauschal verteufelt"},"content":{"rendered":"<p>Die Berichterstattung vor und nach der Berliner Demo von Kritikern der Corona-Politik ist skandal&ouml;s &ndash; auch wenn man der Demo selber inhaltlich distanziert gegen&uuml;bersteht: Die Diffamierung als rechtsextrem und der Umgang mit absurden Teilnehmer-Zahlen ist h&ouml;chst unseri&ouml;s. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2245\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63529-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63529-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200803_Corona_Demo_Widerspruch_wird_pauschal_verteufelt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gab wohl selten eine Demonstration in Deutschland, die so konsequent und so einhellig von Politik und Medien diffamiert wurde wie die Demonstration von Kritikern der Corona-Politik am Sonnabend in Berlin.<\/p><p>Zu kritisieren sind vor allem folgende Punkte: Eine scharfe inhaltliche Abwertung, bereits im Vorfeld &ndash; weite Teile von Medien und Politik waren sichtlich bem&uuml;ht, m&ouml;glichst viele B&uuml;rger von einer Teilnahme abzuhalten, indem der Charakter der Demo als &bdquo;rechtsextrem&ldquo; dargestellt wurde. Beispiele f&uuml;r diese teils giftigen Vorberichte finden sich etwa <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/500-000-menschen-sollen-kommen-coronaskeptiker-und-rechtsextreme-rufen-zu-grossdemo-in-berlin-auf\/26045322.html\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/taz.de\/Corona-Demos-in-Berlin\/!5699293\/\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/thema\/2020\/coronavirus\/beitraege_neu\/2020\/07\/berlin-demos-querdenker-verschwoerungsmythen-corona.html\">hier<\/a>. Dass sich trotz dieser offenen medialen Feindschaft viele B&uuml;rger auf die Stra&szlig;e getraut haben, ist erstaunlich. <\/p><p><strong>Nur 20.000 asoziale und rechtsextreme Hedonisten<\/strong><\/p><p>Bei den aktuellen Berichten und der medialen Nachlese f&auml;llt auch die fl&auml;chendeckende &Uuml;bernahme der von der Polizei mit 20.000 angegebenen Zahl an Teilnehmern negativ auf. Diese Zahl erscheint angesichts der f&uuml;r alle B&uuml;rger zug&auml;nglichen Bilder von der Demo absurd niedrig. Eine Anfrage der NachDenkSeiten bei der Berliner Polizei dazu blieb bislang unbeantwortet. <\/p><p>Kritikw&uuml;rdig ist auch das bestimmende Motiv der Berichterstattung, die die Demonstranten pauschal nicht als um die Verfassung besorgte B&uuml;rger darstellt, sondern als generell unbesonnene Menschen, die nur endlich ihr altes Leben wiederhaben wollten und daf&uuml;r bereit seien, die ganze Gesellschaft zu gef&auml;hrden. Und die zus&auml;tzlich bereit seien, f&uuml;r dieses sch&auml;bige Ziel mit Nazis und Reichsb&uuml;rgern gemeinsame Sache zu machen. Zu diesem Punkt folgt weiter unten mehr.<\/p><p>Beispiele f&uuml;r die fl&auml;chendeckende Diffamierung der Demonstranten als rechtsextreme Hedonisten folgen ebenfalls weiter unten im Text. Zun&auml;chst sei hier gesagt, dass in diesem Text nicht die einzelnen Inhalte der Demo bewertet werden sollen. Man kann der Demo distanziert gegen&uuml;berstehen. Ich pers&ouml;nlich h&auml;tte sie nicht besucht. Aber wenn eine inhaltliche Bewertung in die nun erlebte Diffamierung ausartet, stellt sich die Frage: Ist es legitim, wenn Medien und Politik in der praktizierten Sch&auml;rfe, Einhelligkeit und Unseriosit&auml;t die politische Meinungs&auml;u&szlig;erung von zahlreichen B&uuml;rgern zu einem wichtigen Thema so hart verteufeln? <\/p><p><strong>Gute Demos, Schlechte Demos<\/strong> <\/p><p>Zu strikter Neutralit&auml;t w&auml;ren zumindest die Beh&ouml;rden verpflichtet gewesen. Die Aufl&ouml;sung der Demo und das Stellen von Strafanzeigen gegen die Veranstalter steht aber in Kontrast zum beh&ouml;rdlichen Verhalten etwa gegen&uuml;ber den Demos gegen Rassismus vom vergangenen Juni. Zu den sehr unrealistischen Polizei-Angaben zur Teilnehmerzahl und ihrer unkritischen &Uuml;bernahme durch fast alle Medien fragen sich wohl nun viele B&uuml;rger auch: Denken die Redakteure, sie k&ouml;nnten das im Internet-Zeitalter einfach so behaupten?<\/p><p>Diese Demo war nicht rechtsextrem dominiert &ndash; wer das sagt, verharmlost die wirklich Rechtsextremen, wie Albrecht M&uuml;ller in dem Zusammenhang bereits k&uuml;rzlich in den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63421#h14\">Hinweisen des Tages<\/a> kommentiert hat. Wie sollte man denn zuk&uuml;nftig richtige Nazis bezeichnen? Als Veranstalter hat man zudem nicht die volle Kontrolle &uuml;ber jeden Demonstranten und auch nicht dar&uuml;ber, wer au&szlig;erhalb des Organisatoren-Kreises selbstst&auml;ndig (zus&auml;tzlich) zu einer Demo aufruft. Kontrolle hat man als Veranstalter jedoch &uuml;ber die Rednerliste. Die dort angek&uuml;ndigten Redner haben mich pers&ouml;nlich &uuml;brigens nicht angesprochen. Die Verteidigung des Prinzips der Meinungsfreiheit und auch der Gleichbehandlung verschiedener Ansichten bedeutet keineswegs die &Uuml;bernahme aller Positionen etwa der Demo vom 1. August. <\/p><p><strong>Demo trotz der &bdquo;erh&ouml;hten Zahl von Neuinfektionen&ldquo;<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich wie in den Vorberichten wurde auch im Nachhinein hart mit den Demonstranten ins Gericht gegangen. Laut <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/corona-demo-polizei-101.html\">&bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a> waren &bdquo;Corona-Leugner, Verschw&ouml;rungsideologen, rechte Esoteriker und Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet&ldquo; darunter. In einer anderen Ausgabe der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-38363.html\">&bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a> wurde die Demo in Kontrast zu der &bdquo;erh&ouml;hten Zahl von Neuinfektionen&ldquo; gesetzt: &bdquo;Dessen ungeachtet demonstrierten in Berlin etwa 20.000 Menschen.&ldquo; Diese Aussage muss als unseri&ouml;s bezeichnet werden: sowohl die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63440\">nicht ins Verh&auml;ltnis gesetzten &bdquo;Neuinfektionen&ldquo;<\/a> als auch die &Uuml;bernahme der offensichtlich viel zu niedrig angesetzten Teilnehmerzahl. <\/p><p>Auch die <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/daserste\/video\/tagesthemen\/tagesthemen\/das-erste\/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3RhZ2VzdGhlbWVuLzg5ZWY0ZTBjLWI4NWYtNDk4YS05YWJlLTg1MjIxNzE2MDRjYg\/\">&bdquo;Tagesthemen&ldquo;<\/a> sprangen auf den Zug mit der Deutung als &bdquo;rechtsextrem&ldquo; auf: &bdquo;Obwohl offensichtlich Rechtsextreme im Demo-Zug mitlaufen, lehnt die Mehrzahl der Teilnehmenden diese Zuordnung ab.&ldquo; M&ouml;chte die ARD aber diese Zuordnung f&uuml;r die Mehrzahl der Demonstranten etwa ausf&uuml;hren? In der Sendung wird auch die &bdquo;Medienfeindlichkeit&ldquo; vieler Demonstranten beklagt. Wie kann man andere Reaktionen erwarten, von B&uuml;rgern, die tagelang als rechtsextrem beschimpft werden? Auch Claus Kleber kann sich im <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\/heute-journal-vom-1-august-2020-100.html\">&bdquo;Heute Journal&ldquo;<\/a> aber nur dar&uuml;ber wundern, dass viele Menschen &bdquo;auch den Medien nicht glauben&ldquo;, schlie&szlig;lich h&auml;tten diese Medien doch den Corona-Komplex &bdquo;durch-recherchiert&ldquo; und seien zum Ergebnis gekommen: Die Gefahr durch das Virus sei real. <\/p><p>Dass gegen die Demo-Veranstalter Strafanzeige gestellt wurde, haben viele Medien berichtet, etwa <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/coronavirus-demonstrationen-berlin-100.html\">das ZDF<\/a>. Dieses rigide Vorgehen der Beh&ouml;rden wurde aber nicht in Relation gesetzt zum vergleichbar laxen medialen und juristischen Umgang mit anderen Demos, deren Inhalte vielen Redakteuren und Politikern n&auml;her scheinen. Beh&ouml;rden und weite Teile von Medien und Politik scheinen die Auslegung des Demonstrationsrechts von den jeweiligen Inhalten abh&auml;ngig machen zu wollen. Das ist fatal. Mit dieser Aussage sollen die Inhalte der Corona-Demo nicht bewertet werden. Nicht negativ, aber auch nicht positiv: Die Gew&auml;hrung des Versammlungsrechts sollte von der inhaltlichen Frage getrennt sein, solange in den offiziellen Aufrufen und Reden nicht justiziable Inhalte verk&uuml;ndet werden. Anfragen der NachDenkSeiten bei der Berliner Polizei zu diesen Unterschieden im Umgang wurden ebenfalls bislang nicht beantwortet. <\/p><p><strong>Alles Idioten?<\/strong><\/p><p>Weitere Beispiele f&uuml;r die Eint&ouml;nigkeit einer unseri&ouml;sen und moralisch dominierten Berichterstattung finden sich etwa in der heutigen <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/presseschau-aus-deutschen-zeitungen.2287.de.html\">Presseschau des Deutschlandfunks<\/a>, die gro&szlig;e und kleine Privatmedien zitiert. Ein besonders schlechtes Beispiel f&uuml;r die Reaktionen aus der Politik ist sicherlich der Tweet der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken, in dem sie die Demonstranten kurzerhand alle als &bdquo;Covidioten&rdquo; bezeichnet hat:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Tausende <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Covidioten?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Covidioten<\/a> feiern sich in <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Berlin?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Berlin<\/a> als &bdquo;die zweite Welle&ldquo;, ohne Abstand, ohne Maske. Sie gef&auml;hrden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gef&auml;hrden unsere Erfolge gegen die Pandemie und f&uuml;r die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Unverantwortlich!<\/p>\n<p>&mdash; Saskia Esken (@EskenSaskia) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/EskenSaskia\/status\/1289518034621612032?ref_src=twsrc%5Etfw\">August 1, 2020<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p><strong>Das Messen mit zweierlei Ma&szlig;<\/strong><\/p><p>Aktuell halten CDU-Politiker als Reaktion auf die Berliner Demonstration <a href=\"https:\/\/orf.at\/#\/stories\/3176005\/\">laut Medien<\/a> auch Verbote von Demos f&uuml;r verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Das Ph&auml;nomen, dass Demonstrationen gegen die Corona-Politik in den vergangenen Wochen strengen ordnungspolitischen Begrenzungen ausgesetzt waren, aber etwa den Gro&szlig;demos gegen Rassismus vom Juni in dieser Hinsicht erheblich mehr Spielraum gelassen wurde, haben die NachDenkSeiten k&uuml;rzlich in dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61739\">&bdquo;Gute Demos, Schlechte Demos&ldquo;<\/a> beschrieben:<\/p><p>Demnach waren etwa im Juni laut Medien etwa f&uuml;r Hamburg &bdquo;520 Teilnehmer&ldquo; angemeldet, erschienen seien dann aber 14.000. Bei einer Grundrechte-Demo w&auml;re das h&ouml;chstwahrscheinlich Grund gewesen, die Veranstaltung aufzul&ouml;sen. Wie martialisch diesen Demonstranten im Fr&uuml;hjahr entgegengetreten wurde, kann man etwa <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article207509655\/Berlin-Hartes-durchgreifen-bei-Hygiene-Demo-gegen-Corona-Massnahmen.html\">in diesem Artikel in der &bdquo;Welt&ldquo;<\/a> lesen. Doch an diesem Wochenende sei alles anders gewesen, so die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/georgefloyd-protest-deutschland-101.html\">&bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Polizei appellierte an die Menschen, einen Mundschutz zu tragen und den Mindestabstand einzuhalten. Das habe sich angesichts der hohen Teilnehmerzahl allerdings als schwierig gestaltet. Trotzdem stellte sich auch die Polizei bereits vor Beginn des Protests hinter die Aktion.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Viele B&uuml;rger sind ernsthaft besorgt<\/strong><\/p><p>Zur weit verbreiteten Praxis, das Unbehagen &uuml;ber die Corona-Politik als hedonistischen Egoismus abzutun, sei hier noch angemerkt: Diese Hedonisten gibt es nat&uuml;rlich. Auf der anderen Seite geht es aber sehr vielen B&uuml;rgern nicht zu allererst um die akuten Einschr&auml;nkungen wie die Maskenpflicht. Die w&uuml;rden viele Menschen wohl durchaus akzeptieren, wenn sie nicht das Gef&uuml;hl h&auml;tten, dass die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die aktuellen Einschr&auml;nkungen auf unseri&ouml;sen Daten beruht und dass seri&ouml;se Fragen danach bereits als Ketzerei verdammt werden. Darum pochen zahlreiche Skeptiker auch genau darauf: N&auml;mlich festzustellen, ob die Zahlen- und Daten-Grundlage f&uuml;r die bis vor einigen Monaten undenkbaren politischen Schritte so fehlerhaft und unseri&ouml;s ist, wie es den Eindruck macht. Die NachDenkSeiten haben in zahlreichen Artikeln diese Zahlenbasis thematisiert und auch das Potenzial f&uuml;r m&ouml;glicherweise &uuml;ber die Corona-Episode hinaus verstetigte &Uuml;berwachungs-Tendenzen. <\/p><p>Wenn auf einer mutma&szlig;lich unseri&ouml;sen Grundlage so schnell und so einfach ein Ausnahmezustand kreiert werden kann, dann n&auml;hrt das bei vielen B&uuml;rgern &Auml;ngste, auch f&uuml;r weitere Entwicklungen in der Zukunft. Und diese Sorgen gehen weit &uuml;ber aktuelle Alltagseinschr&auml;nkungen hinaus, und sie haben wenig mit einem asozialen Hedonismus zu tun. Im Gegenteil: Wenn man den Spruch &bdquo;Wehret den Anf&auml;ngen&ldquo; ernst nimmt, so muss man den Impuls vieler B&uuml;rger nachvollziehen, einer m&ouml;glicherweise heraufziehenden und jeweils mit &bdquo;&uuml;bergeordneten G&uuml;tern&ldquo; begr&uuml;ndeten &Uuml;berwachungs-Gesellschaft entgegentreten zu wollen. Diese &Auml;ngste mag man je nach Standpunkt als &uuml;bertrieben empfinden. Aber abtun, wie man es in den vergangenen Wochen erlebt hat, sollte man sie nicht. <\/p><p><strong>Einsch&uuml;chterung radikalisiert die Debatte<\/strong><\/p><p>Die langfristigen sozialen Folgen der Corona-Episode unter anderem in Form von nochmals wachsender Ungleichheit m&uuml;ssen als dramatischer angenommen werden als alles, was seit dem Zweiten Weltkrieg vonstatten ging. Dazu kommt kommt eine von vielen B&uuml;rgern empfundene Ignoranz gegen&uuml;ber jenen sozialen Belangen zugunsten eines radikalen medizinischen Tunnelblicks. All das wird aber als Lappalie abgetan und verschwindet hinter einer Medien-Emp&ouml;rung &uuml;ber den angeblich kleinlichen B&uuml;rger-Egoismus, dem schon eine getragene Maske &bdquo;zu viel des Gemeinschaftssinns&ldquo; sei. Dass (im Gegenteil) manche der Corona-Skeptiker die Verfasstheit der Gesamtgesellschaft und ihre potenzielle Entwicklung nach den Erfahrungen der letzten Wochen eher mehr im Blick haben als die in einer akuten Alarmstimmung des Augenblicks verharrende Mehrheit der Journalisten und Politiker, wird oft nicht angemessen wahrgenommen. <\/p><p>Zum Vorwurf der Unterwanderung der Skeptiker von rechts: Wer aus dem progressiven, ehemals &bdquo;links&ldquo; bezeichneten Spektrum w&uuml;rde sich denn nach den nun wieder erlebten Kampagnen &uuml;berhaupt noch trauen, auf einem kritischen Podium zur Corona-Politik aufzutreten &ndash; etwa, um linke Standpunkte zum Potenzial der &Uuml;berwachung zu vertreten? Wer das tut, muss wirklich hart im Nehmen sein. Ist diese Art der medialen Einsch&uuml;chterung zu vertreten, zumal in deren Folge viele &bdquo;Linke&ldquo; es nicht mehr wagen, &ouml;ffentlich zu dem Thema zu sprechen, und dadurch automatisch anderem Personal die B&uuml;hne bereitet wird?<\/p><p>Titelbild: arda savasciogullari \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berichterstattung vor und nach der Berliner Demo von Kritikern der Corona-Politik ist skandal&ouml;s &ndash; auch wenn man der Demo selber inhaltlich distanziert gegen&uuml;bersteht: Die Diffamierung als rechtsextrem und der Umgang mit absurden Teilnehmer-Zahlen ist h&ouml;chst unseri&ouml;s. 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