{"id":63560,"date":"2020-08-04T11:22:46","date_gmt":"2020-08-04T09:22:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63560"},"modified":"2020-08-14T09:10:45","modified_gmt":"2020-08-14T07:10:45","slug":"wie-toedlich-ist-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63560","title":{"rendered":"Wie t\u00f6dlich ist Corona?"},"content":{"rendered":"<p>Wir befinden uns mitten in der zweiten Welle &hellip; der zweiten Welle des stetig aus den Medien auf uns einprasselnden Alarmismus. Dieser Alarmismus passt jedoch nicht zu den offiziellen Zahlen. <a href=\"https:\/\/www-genesis.destatis.de\/genesis\/\/online?operation=table&amp;code=23211-0001&amp;bypass=true&amp;levelindex=0&amp;levelid=1596530167532#abreadcrumb\">Statistisch<\/a> ist die Gefahr, bei einem Sturz ums Leben zu kommen, in diesem Sommer 15-mal so gro&szlig; wie die Gefahr, an Covid-19 zu sterben. Nat&uuml;rlich sollte man die Krankheit nicht verharmlosen, stellt sie f&uuml;r Angeh&ouml;rige der Risikogruppen doch ein relevantes Risiko f&uuml;r Leib und Leben dar. Angst ist jedoch ein schlechter Ratgeber. Zeit f&uuml;r einen hoffentlich unaufgeregten Blick auf die Frage, wie t&ouml;dlich Corona eigentlich ist. Von Jens Berger<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2713\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63560-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63560-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200804_Wie_toedlich_ist_Corona_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als die Corona-Pandemie im April &uuml;ber Deutschland hinwegzog, waren die Zahlen in der Tat furchteinfl&ouml;&szlig;end. Im Schnitt starben laut den Zahlen des RKI pro Tag immerhin 83 Menschen an der damals noch neuen Krankheit. Zum H&ouml;hepunkt, am 16. April, betrug die offizielle Todeszahl sogar 315. Damit reihte sich Covid-19 hinter den Herz- und Kreislauferkrankungen (946 Todesopfer pro Tag) und den Krebserkrankungen (653 Todesopfer pro Tag) kurzzeitig an dritter Stelle der h&auml;ufigsten Todesursachen ein. Diese Zahlen waren in der Tat dramatisch, nahmen jedoch schon in den folgenden Wochen ebenso dramatisch ab. Kritiker wenden an dieser Stelle gerne ein, dass die Zahlen als solche unzuverl&auml;ssig seien, da die Definition der konkreten Todesursachen schwammig sei. Das ist richtig und falsch zugleich.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200803_coronatot.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200803_coronatot.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Ist jemand an, mit oder durch Corona gestorben?<\/strong><\/p><p>Nach Definition des RKI gilt jeder als Covid-19-Toter, bei dem Covid-19 nachgewiesen wurde und der an einer <strong>dazu passenden Krankheit<\/strong> gestorben ist. Das von einigen Kritikern immer wieder angef&uuml;hrte Beispiel, nach dem ein Opfer eines Verkehrsunfalls als &bdquo;Corona-Toter&ldquo; gelte, wenn man bei ihm das Virus positiv nachweisen k&ouml;nne, ist also falsch. Richtig ist jedoch, dass vor allem zahlreiche h&ouml;chstbetagte Patienten, die an multiplen Vorerkrankungen &ndash; teils im finalen Stadium &ndash; litten und sich mit dem Sars-Cov-2-Virus infizierten und dann verstarben, in den meisten F&auml;llen in der Tat als Corona-Tote gez&auml;hlt wurden und werden, auch wenn die Todesursache sich unm&ouml;glich isoliert auf einen einzigen Faktor reduzieren l&auml;sst. Wie gro&szlig; die Zahl der dabei vielleicht zu unrecht als Corona-Tote mitgez&auml;hlten Verstorbenen ist, l&auml;sst sich jedoch nicht seri&ouml;s sch&auml;tzen. Selbst kritische Stimmen wie der Pathologe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mPM1CZlvN10\">Klaus P&uuml;schel<\/a> und der Virologe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_QT1jtYE4h0\">Alexander Kekul&eacute;<\/a> sch&auml;tzen die Fehlerquote durch diese Definition jedoch als &bdquo;nicht wesentlich&ldquo; ein. Hinzu kommt der ebenfalls nicht sonderlich gro&szlig;e Effekt in die andere Richtung, dass bei einigen wenigen an Covid-19 Verstorbenen kein Test auf das Virus unternommen wurde. Aber das ist wohl Erbsenz&auml;hlerei.<\/p><p>Interessanter ist in diesem Kontext der internationale Vergleich. Noch heute geistern ja &bdquo;Horrorzahlen&ldquo; aus L&auml;ndern wie Belgien, Frankreich und Italien durch die Meldungen, deren Gesundheits- und Meldesysteme sich mit Abstrichen durchaus mit Deutschland vergleichen lassen. Das trifft jedoch nicht auf die Definition der Corona-Todesf&auml;lle und die praktische Umsetzung dieser Definition zu.<\/p><p><strong>Verschiedene Z&auml;hlweisen<\/strong><\/p><p>Am extremsten sind hierbei die Unterschiede zwischen Italien und Russland. W&auml;hrend des H&ouml;hepunkts des Infektionsgeschehens in der Lombardei wurden &ndash; auch mangels zur Verf&uuml;gung stehender Testkapazit&auml;ten &ndash; alle Todesf&auml;lle, die &bdquo;in Verdacht&ldquo; standen, etwas mit dem Virus zu tun zu haben, als Corona-Tote gez&auml;hlt. Sp&auml;ter wurden die Zahlen sogar noch nach oben korrigiert, da man die sogenannte &bdquo;Exzessmortalit&auml;t&ldquo; angewandt hatte. Dieses statistische Verfahren ist eigentlich eher als Instrument zur Bestimmung der Grippetoten bekannt. <\/p><p><em>Lesen Sie dazu bitte auch die beiden Interviews, die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59617\">Jens Berger<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59903\">Ralf Wurzbacher<\/a> mit dem Statistiker Gerd Bosbach f&uuml;r die NachDenkSeiten gef&uuml;hrt haben. <\/em><\/p><p>Da die Grippe ja keine meldepflichtige Krankheit ist und bei Toten, die z.B. an einer Pneumonie gestorben sind, kein Test auf das Grippevirus vorgenommen wird, behilft man sich bei der Sch&auml;tzung der Opferzahlen mit einer einfachen &Uuml;berschlagrechnung &ndash; man schaut, wie viele Menschen im langj&auml;hrigen Schnitt in einem bestimmten Zeitraum sterben, vergleicht dies mit den aktuellen Zahlen und definiert die Abweichung als &bdquo;&Uuml;bersterblichkeit&ldquo;, die man dann ganz einfach der Grippe zuschreibt. Dieses Verfahren ist statistisch sehr ungenau und steht schon lange in der Kritik. Auf Corona angewendet ist es jedoch nicht nur ungenau, sondern f&uuml;hrt zu geradezu fahrl&auml;ssigen &Uuml;bersch&auml;tzungen. Um dies zu verdeutlichen, eignet sich das Beispiel Lombardei sehr gut.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200803_lombardei.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200803_lombardei.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>&Uuml;bersterblichkeit in Italien &ndash; Quelle: VOX.EU<\/small><\/p><p>W&auml;hrend der dramatischen Phase brach dort das komplette Gesundheitssystem zusammen. Wer beispielsweise eine bakterielle Pneumonie hatte und eigentlich eine intensivmedizinische Behandlung h&auml;tte bekommen m&uuml;ssen, starb. Wer einen schweren Herzinfarkt oder einen schweren Schlaganfall bekam, starb ebenfalls in vielen F&auml;llen, da das Gesundheitssystem schlicht keine Kapazit&auml;ten f&uuml;r solche F&auml;lle mehr hatte. Nun ist die Lombardei eine der Regionen, die weltweit mit den h&ouml;chsten Altersdurchschnitt hat, so dass schwere &bdquo;nicht coronabedingte&ldquo; Erkrankungen, die ohne intensivmedizinische Behandlung zum Tode f&uuml;hren, nicht gerade selten sind. Die &bdquo;Exzessmortalit&auml;t&ldquo; hilft hier jedoch nicht weiter, da diese F&auml;lle in den Vorjahren vom Gesundheitssystem abgefedert werden konnten. So hat Corona dazu gef&uuml;hrt, dass eine unbekannte &ndash; aber sicher sehr gro&szlig;e &ndash; Zahl von &bdquo;normalen&ldquo; Schwersterkrankungen zum Tode f&uuml;hrten und &uuml;ber die Berechnung der &Uuml;bersterblichkeit dann als &bdquo;Coronatote&ldquo; gez&auml;hlt wurden. Das ist nicht ganz falsch, da die Todesf&auml;lle ja &bdquo;coronabedingt&ldquo; waren, aber nicht mit dem Virus und Covid-19 direkt im Zusammenhang stehen. Die gleiche Z&auml;hlweise wurde &uuml;brigens von den franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden vorgenommen. Auch hier gab es &ndash; vor allem im Elsass und in Lothringen &ndash; einen medizinischen Notstand, der eine konkret nicht seri&ouml;s zu beziffernde Zahl von &bdquo;nicht coronabedingten&ldquo; Erkrankungen zu &bdquo;coronabedingten&ldquo; Todesf&auml;llen gemacht hat, die in die offiziellen Zahlen mit eingingen.<\/p><p><strong>Belgien und Russland &ndash; zwei Extreme<\/strong><\/p><p>Die weltweit h&ouml;chsten Todesziffern musste Belgien vermelden. Auch wenn Belgien eine mit Deutschland vergleichbare Definition der Todesf&auml;lle hat, so wurde sie in Belgien auf konkreter Handlungsebene g&auml;nzlich anders angewandt. Dort z&auml;hlte man w&auml;hrend der starken Ausbreitung von M&auml;rz bis Mai mangels freier Test- und Pathologiekapazit&auml;ten einfach s&auml;mtliche Todesf&auml;lle mit, bei denen es einen Zusammenhang mit Covid-19 <strong>geben k&ouml;nnte<\/strong>. Viele dieser &bdquo;Coronatoten&ldquo; wurden jedoch nie auf das Virus getestet. Durch diese eigenwillige Z&auml;hlweise wurde Belgien zum internationalen Schlusslicht, obgleich das Virus dort nicht wesentlich st&auml;rker gew&uuml;tet hatte als in den Nachbarl&auml;ndern.<\/p><p>Das andere Extrem ist Russland. Dort z&auml;hlt nur derjenige als &bdquo;Coronatoter&ldquo;, bei dem eine Obduktion Covid-19 als klare und einzige Todesursache festgestellt hat. Das klingt zwar vorbildlich, f&uuml;hrt in der Praxis jedoch zu einer tendenziell zu niedrigen Sterbeziffer. So vermeldeten die russischen Beh&ouml;rden <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-coronavirus-health-russia\/sharp-increase-in-moscow-pneumonia-cases-fuels-fears-over-coronavirus-statistics-idUSKBN216305\">Mitte M&auml;rz<\/a> eine &bdquo;wundersame&ldquo; Zunahme von Sterbef&auml;llen durch Lungenentz&uuml;ndung, w&auml;hrend die offiziellen Covid-19-Todesf&auml;lle gemessen im internationalen Vergleich erstaunlich gering waren. <\/p><p><strong>Infektionsgeschehen in Deutschland<\/strong><\/p><p>Egal ob die Opfer nun an, mit oder wegen Corona gestorben sind &ndash; zumindest in Deutschland geht die Zahl der offiziellen Todesopfer seit Mai deutlich zur&uuml;ck. Starben im April noch durchschnittlich 83 Menschen pro Tag an Covid-19, waren es im Juli nur noch 2,7 &ndash; in den letzten anderthalb Wochen gab es sogar vier Tage, an denen das RKI keinen einzigen Todesfall vermelden musste. Wie h&auml;ngt dies mit der immer wieder behaupteten starken Zunahme der F&auml;lle zusammen?<\/p><p>Hier darf munter spekuliert werden und es gibt mehr als einen kausalen Zusammenhang. Der wohl wichtigste Faktor f&uuml;r die geringen Todesziffern ist das abnehmende Durchschnittsalter der Infizierten. Sowohl im M&auml;rz als auch im Juli starben vor allem Hochbetagte mit Vorerkrankungen an dem Virus, w&auml;hrend j&uuml;ngere Menschen die Erkrankung meist symptomfrei oder mit milden Symptomen durchstanden. Ob die &bdquo;Jungen&ldquo; nun &bdquo;unvorsichtiger&ldquo; sind oder die Angeh&ouml;rigen der Risikogruppen sich wirkungsvoller gegen eine Infektion sch&uuml;tzen &ndash; fest steht, dass das Durchschnittsalter der Infizierten seit M&auml;rz sinkt und dadurch nat&uuml;rlich auch die Anzahl der schweren und t&ouml;dlichen Verlaufsf&auml;lle ebenfalls sinkt. Der <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Steckbrief.html#doc13776792bodyText14\">Altersmedian<\/a> der Infizierten betr&auml;gt zur Zeit 49 Jahre, w&auml;hrend der Altersmedian der Verstorbenen bei 83 Jahren liegt. Covid-19 ist nun einmal eine Krankheit, die bei unterschiedlichen Alters- und Vorerkrankungs-Gruppen unterschiedlich schwer verl&auml;uft.<\/p><p>Ein weiterer Grund ist die Zunahme der medizinischen Expertise. War Covid-19 f&uuml;r die &Auml;rzte im M&auml;rz noch eine nahezu komplett unbekannte Krankheit, bei der die Behandlung experimentell erfolgte, hat die internationale Wissenschaft mittlerweile schon bestimmte Behandlungs- und Medikationsstrategien erarbeitet, die zwar noch lange nicht ausgereift sind, aber immerhin doch die Grundlage daf&uuml;r bilden, dass immer weniger schwere Verlaufsf&auml;lle t&ouml;dlich enden. All dies hat Covid-19 zumindest einen Teil des Schreckens genommen, auch wenn die Krankheit nat&uuml;rlich nach wie vor nicht untersch&auml;tzt werden darf, zumal die Frage der Sp&auml;tfolgen bei mittleren und schweren Verl&auml;ufen immer noch im Raum steht.<\/p><p><strong>Deutschland ist ein Sonderfall<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle sei jedoch auch darauf hingewiesen, dass Deutschland zusammen mit L&auml;ndern wie &Ouml;sterreich, D&auml;nemark, Norwegen oder Finnland in einer gl&uuml;cklichen Ausnahmesituation ist. Die erfreuliche Entwicklung in diesen L&auml;ndern ist nicht auf L&auml;nder wie die USA oder Brasilien zu &uuml;bertragen, weil es hier einen massiven Unterschied in den Gesundheitssystemen gibt.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/britische-studie-zu-covid-19-das-sind-die-groessten-risikofaktoren-fuer-einen-toedlichen-verlauf-a-ad91c69b-ee1e-4e79-b928-969e31ee276b\">Studien<\/a> der Universit&auml;t Oxford und der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben herausgefunden, dass neben dem Geschlecht und dem Alter vor allem Armut, &Uuml;bergewicht und der nicht vorhandene Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem die gr&ouml;&szlig;ten Risikofaktoren f&uuml;r eine schwere oder t&ouml;dliche Verlaufsform von Covid-19 sind. W&auml;hrend man bei aller Kritik am deutschen Gesundheitssystem dennoch feststellen muss, dass man hierzulande eine nahezu optimale medizinische oder intensivmedizinische Behandlung bei einer Covid-19-Erkrankung bekommt, scheitert dies in den USA f&uuml;r &auml;rmere Menschen in der Regel bereits an der nicht vorhandenen Krankenversicherung und in L&auml;ndern wie Brasilien zus&auml;tzlich an den oft gar nicht ausreichend vorhandenen Kapazit&auml;ten des Gesundheitssystems. <\/p><p>Daher ist es auch unm&ouml;glich, eine wirklich zuverl&auml;ssige Sterbeziffer zu berechnen. Die wohl beste deutsche Studie dazu ist die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/neues\/111-2020\">Heinsberg-Studie<\/a>&ldquo; vom Team um Hendrik Streek, die die IFR (Infizierten-Verstorbenen-Anteil) mit 0,28% beziffert. Von 10.000 Infizierten sterben demnach 28 Menschen. Fr&uuml;he Studien aus der Lombardei weisen die IFR &uuml;brigens mit 8% aus, demnach m&uuml;ssten 800 von 10.000 Infizierten sterben &ndash; solche Zahlen sind empirisch nicht haltbar und es ist ohnehin fragw&uuml;rdig, wie aussagekr&auml;ftig eine solche Zahl &uuml;berhaupt sein kann.<\/p><p>Die Frage, ob jemand an, mit oder wegen Covid-19 stirbt, h&auml;ngt nicht nur mit dem Virus selbst, sondern auch und vor allem mit dem gerechten Zugang zu einem guten und ausreichend dimensionierten Gesundheitssystem zusammen. Das war in der Lombardei im Fr&uuml;hjahr nicht gegeben, das ist in Gro&szlig;britannien nicht gegeben und in den USA und Brasilien ist dies vor allem eine Frage des Geldbeutels. Dort sind die Sterbeziffern daher auch vergleichsweise hoch, w&auml;hrend sie in L&auml;ndern mit einem in Relation gut funktionierenden Gesundheitssystem vergleichsweise niedrig sind.<\/p><p><strong>Don&acute;t panic<\/strong><\/p><p>Diese Lektion wird jedoch auch und vor allem in der deutschen Debatte gern vergessen. Covid-19 ist eine gef&auml;hrliche Krankheit, die man am besten &bdquo;b&auml;ndigen&ldquo; kann, wenn man die Risikofaktoren, die zu &auml;ndern sind, &auml;ndert. Und hier steht vor allem die Qualit&auml;t und der gerechte Zugang zum Gesundheitssystem im Mittelpunkt. Wer Kindern den Schulunterricht verweigert oder im Klassenraum Masken verordnet, betreibt Symbolpolitik, die bei den Kindern einen gro&szlig;en Schaden verursacht und keinen wirklich erkennbaren Nutzen bringt. <\/p><p>Wir werden uns als Gesellschaft wom&ouml;glich an Covid-19 gew&ouml;hnen m&uuml;ssen, da die Frage, ob und wann ein wirksamer Impfstoff ohne nicht kalkulierbare Risiken zur Verf&uuml;gung stehen wird, offener denn je ist. Das hei&szlig;t jedoch nicht, dass sich Covid-19 nicht weitestgehend beherrschen lie&szlig;e. Voraussetzung daf&uuml;r ist jedoch vor allem ein funktionierendes Gesundheitssystem. Gesellschaft und Politik m&uuml;ssen sich daher jetzt die Frage stellen, wie die mittel- bis langfristige Antwort auf Covid-19 aussehen soll. Ein profitorientiertes Drei-Klassen-Gesundheitssystem wie in den USA? Oder ein dem Gemeinwohl verpflichtetes qualitativ hochwertiges &ouml;ffentliches Gesundheitssystem? Wenn Letzteres die Antwort ist, m&uuml;ssen wir uns auch keine ernsten Sorgen machen. Und auch heute besteht kein rationaler Grund f&uuml;r Angst und Panik. Oder haben Sie Angst, von der Leiter zu fallen und sich den Hals zu brechen? Wohl kaum. Aber vor Covid-19 haben Sie vielleicht Angst, obwohl die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, zur Zeit f&uuml;nfzehnmal so gering ist, wie sich beim Putzen den Hals zu brechen.<\/p><p>Titelbild: Rainer Fuhrmann\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/94dda9c2825b4af6920517ce28e28d44\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir befinden uns mitten in der zweiten Welle &hellip; der zweiten Welle des stetig aus den Medien auf uns einprasselnden Alarmismus. Dieser Alarmismus passt jedoch nicht zu den offiziellen Zahlen. <a href=\"https:\/\/www-genesis.destatis.de\/genesis\/\/online?operation=table&amp;code=23211-0001&amp;bypass=true&amp;levelindex=0&amp;levelid=1596530167532#abreadcrumb\">Statistisch<\/a> ist die Gefahr, bei einem Sturz ums Leben zu kommen, in diesem Sommer 15-mal so gro&szlig; wie die Gefahr, an Covid-19 zu sterben.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63560\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":63561,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,149,11],"tags":[1889,577,343,2855,2453,1222,259,2834],"class_list":["post-63560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-belgien","tag-italien","tag-luegen-mit-zahlen","tag-morbiditaet","tag-mortalitaet","tag-pandemie","tag-russland","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/shutterstock_1081147019.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63560"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63578,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63560\/revisions\/63578"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}