{"id":63747,"date":"2020-08-11T14:05:55","date_gmt":"2020-08-11T12:05:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63747"},"modified":"2020-08-11T15:02:36","modified_gmt":"2020-08-11T13:02:36","slug":"linker-mccarthyismus-das-system-der-verdaechtigung-zerstoert-nicht-nur-personen-sondern-auch-ein-gemeinsames-linkes-selbstverstaendnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63747","title":{"rendered":"Linker McCarthyismus. Das System der Verd\u00e4chtigung zerst\u00f6rt nicht nur Personen, sondern auch ein gemeinsames linkes Selbstverst\u00e4ndnis"},"content":{"rendered":"<p>&Uuml;ber eine freundliche Einladung, das vielversprechende Buch &bdquo;<em>Corona und die Demokratie. Eine linke Kritik<\/em>&ldquo; zu besprechen, die im Sumpf unertr&auml;glicher Verd&auml;chtigungen endete. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMitten in der Corona-Zeit bekam ich eine Anfrage, das Buch: &bdquo;<em>Corona und die Demokratie. Eine linke Kritik<\/em>&ldquo;, zu besprechen. Ich atmete innerlich auf, denn mir schien die Linke weitgehend abhanden gekommen zu sein. Eine linke Kritik, ich bin gespannt &hellip; fast eine Auferstehung.<\/p><p>Von den Autoren Gerald Gr&uuml;neklee, Clemens Heni und Peter Nowak kannte ich nur Letzteren, dessen Beitr&auml;ge ich informativ und positiv in Erinnerung habe.<\/p><p>Der Mitautor und Verlagsgr&uuml;nder Clemens Heni erw&auml;hnte noch ausdr&uuml;cklich, dass er meine Beitr&auml;ge sch&auml;tze und dass alle gerne einen Text von mir in ihrem Buch drin haben wollten, was aus Zeitgr&uuml;nden unterblieb.<\/p><p>Es war also rundum eine freundliche und wertsch&auml;tzende Anfrage, zumal ich mich freute, dass es offensichtlich einen neuen linken Verlag in Berlin gibt: &bdquo;Edition Critic&ldquo;.<\/p><p>Als ich das Buch durchgelesen hatte, stellten sich zwei Gr&uuml;nde gegen eine Buchbesprechung. Mir hing die Corona-Debatte zu den Ohren heraus und ich wusste um die Gratwanderung, eine Buchbesprechung zu machen und die Kritik daran so zu formulieren, dass sie nicht abweisend ist, sondern dazu einl&auml;dt und ermutigt, eine Debatte zu f&uuml;hren.<\/p><p>Ich schob diese Schwierigkeit vor mir her, bis mir Buch und Autoren &uuml;ber den Weg liefen, in Form einer Presseerkl&auml;rung. Am 1. August 2020 wollten &bdquo;Querdenker*innen&ldquo; in Berlin eine Demonstration durchf&uuml;hren, um gegen Grundrechtseinschr&auml;nkungen zu protestieren. Unter dem Motto: &bdquo;Abstand halten gegen Rechts!&ldquo; wurde zu einer Gegendemonstration aufgerufen, da man unter der Gro&szlig;zahl\/Mehrheit der &bdquo;Querdenker&ldquo;-Teilnehmer*innen Neonazis, Reichsb&uuml;rger, Identit&auml;re, Rassisten, Nationalisten, Pegida-Anh&auml;nger, Populisten und Antisemiten und alles, was &bdquo;anschlussf&auml;hig&ldquo; ist, vermutete.<\/p><p>Die drei Autoren bem&uuml;hten sich um eine Gratwanderung: Kampf gegen rechts, ja, aber ohne eine Pauschalisierung der Teilnehmer*innen. Besonders fiel mir bei ihrer Presseerkl&auml;rung auf, dass sie eine beliebte Methode der stillen Denunziation eindrucksvoll hervorhoben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unverst&auml;ndlich ist dar&uuml;ber hinaus, dass in den Protestaufrufen der Begriff &bdquo;Coronaleugner&ldquo; verwendet wird. Es ist schon bemerkenswert, dass nun auch die Leugnung einer Krankheit bzw. des pandemischen Charakters einer Krankheit Gegenstand f&uuml;r antifaschistisches Handeln sein soll. Doch tats&auml;chlich sollte der Fokus auf den rechtsoffenen Charakter der Veranstaltungen stehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Presseerkl&auml;rung f&uuml;gte ich einige Fragen und Anmerkungen von meiner Seite an:<\/p><p>&ldquo;<em>Abstand gegen Rechts<\/em>&rdquo; Halten bezieht sich auf alles, was man unter &ldquo;Coronaleugner*innen&rdquo; zusammenfasst, die seit Wochen gegen die Coronama&szlig;nahmen protestieren. Bezieht sich der Begriff &ldquo;rechts&rdquo; auch auf die aktuelle Regierungspolitik? Ich w&uuml;rde vermuten: nein. Die ist zwar irgendwie auch nicht gut, aber warum ist sie nicht klar und deutlich rechts?<\/p><p>Warum macht man ganz viel gegen Rechte, ob tats&auml;chlich oder unterstellt, aber nichts gegen eine rechte Regierung, die im Gegensatz zur &ldquo;Stra&szlig;e&rdquo; die Macht hat?<\/p><p>Und noch etwas macht gewaltig stutzig. Man kann viel gegen die &ldquo;Grundrechtsdemos&rdquo; haben. Das ist ja meist sehr diffus definiert, indem man vor allem personalisiert (also einzelne Figuren herausgreift und hervorhebt), was man anderenorts und bei anderer Gelegenheit als eine ziemlich d&uuml;nne und verk&uuml;rzte (Kapitalismus-)Kritik ausweist.<\/p><p>Wie w&auml;re es, wenn man ganz viel daf&uuml;r tut, eine nicht verk&uuml;rzte, also radikale Kapitalismus-Kritik zu formulieren, sie am Beispiel der Corona-Zeiten zu pr&auml;zisieren und zu konkretisieren, und dann eine Praxis daraus macht, die die &ldquo;Grundrechtsdemos&rdquo; alt aussehen l&auml;sst?<\/p><p>Kann es sein, dass es ganz viele Gr&uuml;nde gibt, die dagegensprechen, &uuml;ber die man also zu allererst reden m&uuml;sste, anstatt sich auf den d&uuml;mmsten gemeinsamen Nenner zu einigen &hellip; und gegen &ldquo;Coronaleug*innen&rdquo; zu agitieren, als w&auml;re man fast, also so gut wie dabei, &ldquo;Holocaustleugner*innen im antifaschistischen Kampf zu besiegen?<\/p><p><strong>Das Desaster nimmt Fahrt auf<\/strong><\/p><p>In guter und bester Absicht schickte ich den Link zu meiner Ver&ouml;ffentlichung, um ihnen kund zu tun, dass ich zumindest auf diese Weise ihr Buch, ihr Anliegen unterst&uuml;tzen m&ouml;chte.<\/p><p>Kurz darauf bekam ich vom Mitautor und Verlagsgr&uuml;nder Clemens Heni eine Mail, die mich wie ein Blitz traf: Ich solle ihre Pressemitteilung von meinem Blog nehmen, denn sie sei nicht daf&uuml;r gedacht, auf &bdquo;fremden Homepages&ldquo; zu landen, ohne dass man sie fragt.<\/p><p>Ich sch&uuml;ttelte innerlich den Kopf &uuml;ber eine Pressemitteilung, f&uuml;r deren Ver&ouml;ffentlichung man eine explizite Zustimmung einholen muss und bekam als Begr&uuml;ndung f&uuml;r dieses skurrile Verlangen, dass Clemens Heni nicht in &bdquo;<em>direktem Kontakt<\/em>&ldquo; zu Autoren stehen m&ouml;chte, &bdquo;<em>die linken Judenhass klein reden oder m&ouml;gen<\/em>&ldquo;. Mit &bdquo;direktem Kontakt&ldquo; meinte Clemens Heni tats&auml;chlich und todernst den Umstand, dass ein Autor einen Beitrag auf meinem Blog ver&ouml;ffentlicht hat, den er zu einem Viertel bis zur guten H&auml;lfe als Antisemiten enttarnt haben will.<\/p><p>Bei dem Autor handelt es sich um Markus Mohr, der sich mit einer Vielzahl von Rezensionen des Buches von Jeffrey Herf: &bdquo;<em>Unerkl&auml;rte Kriege\/Die DDR und die westdeutsche radikale Linke, 1967&ndash;1989<\/em>&ldquo;, auseinandersetzt. Wie der Titel schon deutlich macht, wirft Jeffrey Herf der Ex-DDR-F&uuml;hrung und der westdeutschen radikalen Linken einen &bdquo;Krieg&ldquo; gegen den Staat Israel vor, den er mit einem tendenziellen und praktizierten eliminatorischen Antisemitismus gleichsetzt. Mohr weist in diesem Beitrag im Wesentlichen auf eine verbl&uuml;ffende publizistische Querfront hin, die in dem Lobgesang zu dem Buch von Herf zusammengekommen ist, die von der taz, jungle world &uuml;ber die S&uuml;ddeutsche Zeitung bis hin in die Spitze der AfD-Bundestagsfraktion reicht.<\/p><p>Jetzt ist man schnell versucht, sich selbst, den Autor zu verteidigen und ganz viel Kraft und Zeit daf&uuml;r aufzubringen, nach &bdquo;Entlastung&ldquo;, nach &bdquo;Beweisen&ldquo; zu suchen, die den Autor und die N&auml;he zu diesem Autor entkriminalisieren.<\/p><p>Mit jeden Wort w&auml;chst die Angst, dass genau das Gegenteil eintreten wird: Absoluter Streit, ultimative Unsachlichkeit und ein hemmungsloser &Uuml;berschuss an Projektionen, die so gut wie gar nichts mit der Verfasstheit des Staates Israel zu tun haben, genau so wenig mit dem berechtigten\/notwendigen Widerstand gegen reaktion&auml;re Positionen innerhalb Israels und innerhalb des pal&auml;stinensischen Widerstandes.<\/p><p>Kaum war die Entscheidung gefallen, dieser Schlammspur nicht zu folgen, legte Clemens Heni mit einer zweiten Mail nach. Er hat noch einen Autor gefunden, mit dem er nicht im &bdquo;direkten Kontakt&ldquo; stehen will. Ein Autor, der sich selbst als Antideutscher verstanden hatte und sich nun nicht mehr dazuz&auml;hlt. Also kein &bdquo;linker Judenhasser&ldquo;, aber ein Abtr&uuml;nniger, ein Verr&auml;ter, einer, dem Clemens Heni einmal ganz nahe war, als Antideutscher und Zionist, worauf Clemens Heni explizit hinweist.<\/p><p><strong>Wenn zum Schutz der herrschenden Verh&auml;ltnisse ein Kampf gegen Antisemitismus vorget&auml;uscht wird<\/strong><\/p><p>Wenn ich diesen Konflikt zum Anlass nehme, mich mit dem Umgang innerhalb der Linken auseinanderzusetzen, dann geht es nicht um eine Person, um einen privaten Streit, sondern um eine politische Streitkultur innerhalb der Linken, die mehr zu ihrem Zerfall, zu ihrer Bedeutungslosigkeit beitr&auml;gt als die Niederlagen, die sie sicherlich weder besonders attraktiv, noch besonders mutig macht.<\/p><p>Dass die Linke schon immer mit verschiedenen politischen Analysen, Praxen und Utopien hantiert, ist eigentlich eine Banalit&auml;t. Genau so die Tatsache, dass keine davon auch nur im Ansatz f&uuml;r sich behaupten kann, den &bdquo;Wind der Geschichte&ldquo; hinter sich zu haben. Wenn man dies als bescheidenen Ausgangspunkt nimmt, dann w&uuml;rde man diese Differenzen als Notwendigkeit sichtbar machen, und als Ansporn begreifen, sich selbst besser zu erkl&auml;ren. Dann k&auml;me es nicht darauf an, wer besser denunziert, sondern wer eine bessere, &uuml;berzeugendere Theorie, wer eine mitrei&szlig;ende Praxis daraus macht.<\/p><p>Dazu geh&ouml;rten auch unterschiedliche Positionen zu Israel, also zur Staatspolitik Israels. Und ganz selbstverst&auml;ndlich geh&ouml;rt die Kritik einer reaktion&auml;ren Regierung dazu wie die der gegenw&auml;rtigen Netanjahu-Regierung. Im besten Fall ist diese Staatskritik schlecht, in keinem Fall ist sie auch nur im Ansatz antisemitisch, wenn diese Kritik jede Form von Autoritarismus, Militarismus und Unterdr&uuml;ckung meint.<\/p><p>Wenn also b&uuml;rgerliche und rechte Kreise hier in Deutschland die Politik Israels verteidigen und die Kritik an der Staatspolitik Israels als versteckten (sekund&auml;ren) Antisemitismus &bdquo;entlarven&ldquo; wollen, dann ist die Heuchelei nicht zu &uuml;berbieten. Dieselben verhindern und sabotieren bis heute die Aufkl&auml;rung der Terror- und Mordserie des NSU, also eines neofaschistischen Untergrunds, dessen wesentliches Grundmotiv Antisemitismus ist.<\/p><p>Und wenn Linke ebenfalls zur Hetzmasse derer dazu sto&szlig;en, die zum Beispiel den BDS-Aufruf (Boykott, Desinvestment, Sanctions) als antisemitisch denunzieren, dann ist das kein Kampf gegen den Antisemitismus, sondern eine Verbeugung gegen&uuml;ber den herrschenden Verh&auml;ltnissen.<\/p><p><strong>Das System der sekund&auml;ren Verd&auml;chtigung<\/strong><\/p><p>Eigentlich existiert dieses Wissen, wie man denunziert, wie man verd&auml;chtigt, wie man ausschlie&szlig;t und Jagd macht. Man kennt es zur Gen&uuml;ge, wenn Rechte denunzieren, der Protest gegen X sei nur ein billiger Vorwand f&uuml;r Y. Oder wenn die Polizei einem Festgenommenen geistige Beihilfe und Unterst&uuml;tzung vorwirft, weil er sich in der N&auml;he eines &bdquo;Straft&auml;ters&ldquo; aufgehalten haben soll.<\/p><p>Mit ein wenig Geschichtsbewusstsein kann man an die &bdquo;bleierne Zeit&ldquo; erinnern, an den Deutschen Herbst 1976\/77, als der Kampf gegen die RAF (Rote-Armee-Fraktion) alles erfasst und bestimmt hatte. Selbst ein hoch angesehener Schriftsteller wie Heinrich B&ouml;ll geriet damals in den Verdacht, Sympathisant des Terrorismus zu sein oder als &bdquo;geistiger Brandstifter&ldquo; zu dienen, indem man ihm eine geistige N&auml;he zur RAF vorwerfen wollte, mit dem Ziel, seine Kritik an staatlichen Handlungen mundtot zu machen, wozu sein gro&szlig;artiges Buch &bdquo;<em>Die verlorene Ehre der Katharina Blum<\/em>&ldquo; z&auml;hlt. Mit diesem Buch, mit seiner staatskritischen Haltung machte er sich zum &bdquo;Helfershelfer&ldquo; des Terrorismus &ndash; eine Denunziation in der terti&auml;ren Verd&auml;chtigungsstufe.<\/p><p>Und wie vergiftet das heutige Klima ist, ist sicherlich denen schmerzlich vertraut, die die wenigen Debatten in der Linken mitverfolgen, wobei das Besondere daran ist, dass sich Rechte und Linke dasselbe Instrumentarium der Verd&auml;chtigung und Denunziation teilen. So ist es mittlerweile fast gang und g&auml;be, etwas als &bdquo;Rechts-Linkspopulismus&ldquo; oder als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; zu denunzieren, ohne sich selbstkritisch zu fragen, mit welcher Unsch&auml;rfe man operiert und warum sich diese &bdquo;Brandeisen&ldquo; Rechte und Linke teilen. <\/p><p>Gerade mit dem Wissen um dieses sehr verfeindete Klima haben sich die Autoren der erw&auml;hnten Presseerkl&auml;rung wohlwollend davon abgesetzt, als sie sich mit dem Schlagwort &bdquo;Coronaleugner*innen&ldquo; auseinandergesetzt haben, das von b&uuml;rgerlichen, staatstragenden Parteien bis hin zu antifaschistischen Gruppen geteilt wird:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Begriff Coronaleugner ist offenbar auch von dem Bestreben geleitet, undifferenziert jede Kritik an den Ma&szlig;nahmen zu diffamieren oder als l&auml;cherlich abzutun (&bdquo;Covidioten&ldquo;, &bdquo;Aluhut-Tr&auml;ger&ldquo;). Damit ist diese pauschale, abwertende &bdquo;Kritik&ldquo; (eher Schm&auml;hung) der Kritik im Kern selbst denunziatorisch und antiaufkl&auml;rerisch. Der Begriff ist auch deshalb zu hinterfragen, weil er an den Begriff des Holocaustleugners erinnert. Es ist von entscheidender Bedeutung, gegen die Leugnung des weltweit einmaligen Verbrechens der Shoah vorzugehen. Doch gerade diese Einmaligkeit wird offenbar infrage gestellt, wenn nun die Leugnung von vielen anderen Dingen politisch sanktioniert werden soll. Es gab bisher mit Recht nicht den Begriff des Kapitalismus- oder Patriarchatsleugners. Warum soll also der Begriff des Coronaleugners eingef&uuml;hrt werden?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Man kann sich &uuml;ber diese genaue Analyse nur ausdr&uuml;cklich freuen. Indem bei dem Wort &bdquo;<em>Coronaleugner<\/em>&ldquo; das Wort &bdquo;<em>Holocaustleugner<\/em>&ldquo; unwillk&uuml;rlich und absichtsvoll mitschwingt, hat man sofort eine Distanzierung, ohne eine direkte und offene Auseinandersetzung zu f&uuml;hren. Das Prinzip, etwas in die N&auml;he von etwas zu r&uuml;cken, was unisono verabscheuungsw&uuml;rdig ist, um es ebenfalls zu diskreditieren, bezeichne ich als <em>sekund&auml;re Verd&auml;chtigung<\/em>.<\/p><p>Genau dieses Prinzip wendet Clemens Heni an: Er kann sich sicher sein, dass niemand ein &bdquo;linker Judenhasser&ldquo; sein will. Wenn ich also jemand treffen will, dem ich selbst nichts anh&auml;ngen kann, dann werfe ich ihm den Kontakt zu &bdquo;linken Judenhassern&ldquo; vor. Dabei reicht auch eine kleine Infektionsdosis, wenn er also Kontakt zu jemanden pflegt, der zumindest &bdquo;linken Judenhass&ldquo; &bdquo;kleinredet&ldquo;.<\/p><p>Dass es sich hier um keine pers&ouml;nliche Eigenheit handelt, sondern um ein System, das man in der Linken viel zu oft antrifft, sei an einem anderen Beispiel erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Wie man einen &bdquo;Inkubator f&uuml;r Israel-Ressentiments&ldquo; zur Strecke bringt<\/strong><\/p><p>Am 14. Juni 2019 musste Peter Sch&auml;fer, der Direktor des J&uuml;dischen Museums in Berlin, zur&uuml;cktreten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ausl&ouml;ser f&uuml;r den R&uuml;cktritt des emeritierten Judaistik-Professors Sch&auml;fer (75) war ein Tweet des Museums mit einer Leseempfehlung zur israelkritischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). Darin hatten j&uuml;dische und israelische Wissenschaftler kritisiert, dass der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. In dem Schreiben der j&uuml;dischen Gelehrten hei&szlig;t es weiter: &bdquo;Wir sind zutiefst besorgt &uuml;ber die zunehmende Zensur der Meinungsfreiheit und die abnehmende M&ouml;glichkeit, Regierungspolitik zu kritisieren oder auch nur in Frage zu stellen&ldquo;.&ldquo; (tagesspiegel.de vom 19.06.2019)\n<\/p><\/blockquote><p>Doch es ging nicht nur um das F&uuml;r und Wider eines Boykottaufrufes:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Begonnen hat es im vorletzten Jahr mit einem Non-Paper des israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu an Kanzlerin Merkel. Darin monierte Netanjahu, dass das J&uuml;dische Museum in Berlin mit &ouml;ffentlichen Geldern subventioniert wird, und dann eine Ausstellung wie &bdquo;Welcome to Jerusalem&ldquo; zeigt. Diese Ausstellung mache nicht deutlich genug, dass Jerusalem die ewige, unteilbare Hauptstadt Israels und des j&uuml;dischen Volkes sei.&ldquo; (Micha Brumlik, fr.de vom 03.08.2020)\n<\/p><\/blockquote><p>Unschwer zu erkennen, geht es um eine rechte, reaktion&auml;re Kritik, die dann zum absolut legitimen Boykott aufruft, wenn Besatzungspolitik, Annektionen und Bruch aller internationalen Vertr&auml;ge und Resolutionen nicht begr&uuml;&szlig;t und unterst&uuml;tzt werden.<\/p><p>Dass das zum Credo rechter, imperialistischer Politik geh&ouml;rt, ob in Israel, in den USA oder in Deutschland, ist bekannt und verbindet. Kein Wunder also, wenn alles, was rechts ist, sich daf&uuml;r einsetzt, dass ein Direktor wie Peter Sch&auml;fer verschwinden muss.<\/p><p>Das Besondere und Bedr&uuml;ckende ist jedoch, wenn sich in die rechte Hetzmasse Linke einreihen, und wie so oft in solchen Verbindungen, ganz besonders tollw&uuml;tig zubei&szlig;en. Dazu geh&ouml;rt auch besagter Verleger Clemens Heni, der zugleich Direktor des International Center for the Study of Antisemitism Berlin ist. Zusammen mit einem Islamwissenschaftler namens Michael Kreutz verfasste er einen Gastbeitrag im Berliner &bdquo;Tagesspiegel&ldquo;, unter dem Titel: &bdquo;<em>Peter Sch&auml;fer machte das J&uuml;dische Museum zum Inkubator f&uuml;r Israel-Ressentiments<\/em>&ldquo; (tagesspiegel.de vom 2.1.2020)<\/p><p>Im Folgenden wird eine neue &bdquo;Brutkasten&ldquo;-Theorie vorgestellt, die deutlich machen soll, dass noch ganz viel aufger&auml;umt werden muss. Die von den beiden Autoren aufgedeckte Verschw&ouml;rung, zu der neben dem J&uuml;dischen Museum das Zentrum f&uuml;r Antisemitismusforschung an der TU Berlin (ZfA) sowie die &bdquo;antisemitische BDS-Bewegung&ldquo; geh&ouml;re, habe das Ziel &bdquo;<em>die Delegitimation des j&uuml;dischen und demokratischen Staates Israel gesellschaftsf&auml;hig zu machen<\/em>&ldquo;. (s.o.)<\/p><p>Die bittere Ironie dieser Anklage ist: Es handelt sich hierbei um ein klassisches antisemitisches Konstrukt: Im Schutz des &bdquo;guten Namens&ldquo;, unter dem Deckmantel des inter-kulturellen Austausches, unter Vort&auml;uschung eines kritischen Dialogs wird staatszersetzende Propaganda betrieben, die, man muss es nicht zuende f&uuml;hren, die Beseitigung des Staates Israels zum Ziel hat.<\/p><p>Dass es schlicht und einfach um die Durchsetzung einer rechten, reaktion&auml;ren Agenda geht, die weder in Israel begonnen hat, noch dort aufh&ouml;rt, soll in den ganzen Komplottfantasien untergehen.<\/p><p>Der erzwungene R&uuml;cktritt von Sch&auml;fer war weder der Anfang, noch ist er das Ende dieser Rollbacks. Achille Mbembe, ein renommierter Postkolonialismus-Theoretiker, durfte die Ruhrtriennale nicht er&ouml;ffnen; der Historiker Reiner Bernstein, der sich f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung des Israel-Pal&auml;stina-Konflikts einsetzt, wird als Antisemit diffamiert. Es gibt unz&auml;hlige staatliche Sanktionsformen gegen die BDS-Initiative. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip; das geht so weit, dass eine j&uuml;disch-israelische S&auml;ngerin vor ihrem Auftritt unterschreiben sollte, dass sie nicht BDS-nah sei&ldquo;. (Micha Brumlik, fr.de vom 03.08.2020)\n<\/p><\/blockquote><p>Der Kreis schlie&szlig;t sich, die Schlinge zieht sich zu. Zum Abschluss des FR-Interviews wird der ehemalige Leiter des Fritz-Bauer-Instituts von Bascha Mika gefragt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das klingt nach Gesinnungsschn&uuml;ffelei.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Micha Brumliks Antwort ist eindeutig, klar und bitter wohltuend:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich bezeichne das als eine neue Form des McCarthyismus. Der funktioniert &uuml;ber das Prinzip der Kontaktschuld. Das hei&szlig;t, es kommt &uuml;berhaupt nicht darauf an, einer Person nachzuweisen, dass sie tats&auml;chlich etwas getan oder geschrieben hat. Es reicht schon, wenn man unterstellt, sie habe diesen oder jenen gekannt, der mit dieser oder jener Organisation in Verbindung stehe.&ldquo; (s.o.)\n<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quelle und Hinweise:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/schmok.blogsport.eu\/2011\/01\/21\/denunziant-des-tages-clemens-heni\/\">Denunziant des Tages: Clemens Heni<\/a>: &bdquo;Eine israelische Webseite (<a href=\"http:\/\/www.israel-academia-monitor.com\">israel-academia-monitor.com<\/a>) ver&ouml;ffentlichte k&uuml;rzlich einen Brief Henis an den Dekan der Fakult&auml;t f&uuml;r Geisteswissenschaften der Universit&auml;t Tel Aviv, Elay Zisser, in dem er sich daran interessiert zeigte, warum f&uuml;r den 30. Dezember 2010 der Philosoph und Soziologe Moshe Zuckermann f&uuml;r eine Vorlesung vorgesehen war. Denn: &sbquo;<em>Zuckermann ist eine f&uuml;hrende antiisraelische Stimme in Deutschland. Zum harten Kern geh&ouml;rende Antisemiten wie die Tageszeitung \/junge Welt\/ oder die Irannachrichten zitieren regelm&auml;&szlig;ig Zuckermann. Warum bezog das Stephen Roth Center eine Person wie Zuckermann in sein Programm ein?<\/em>&lsquo; Zuckermann habe den Antisemitismus deutschen Stils durch Artikel f&uuml;r jW, &sbquo;fr&uuml;her eine Tageszeitung der DDR&lsquo;, unterst&uuml;tzt.&ldquo;<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/die-grenzen-der-toleranz-peter-schaefer-machte-das-juedische-museum-zum-inkubator-fuer-israel-ressentiments\/25383316.html\">Die Grenzen der Toleranz. Peter Sch&auml;fer machte das J&uuml;dische Museum zum Inkubator f&uuml;r Israel-Ressentiments<\/a><\/em>, Gastbetrag von Clemens Heni und Michael Kreutz vom 2.1.2020<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/micha-brumlik-ich-bezeichne-das-als-eine-neue-form-des-mc-carthyismus-90017108.html\">Micha Brumlik zu Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen<\/a>: &bdquo;Ich bezeichne das als eine neue Form des McCarthyismus&ldquo;<\/em><\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2020\/07\/28\/rote-judenmoerder-eine-bluetenlese-zu-dem-buch-von-jeffrey-herf-unerklaerte-kriege-die-ddr-und-die-westdeutsche-radikale-linke-von-markus-mohr\/\">Rote Judenm&ouml;rder? Eine Bl&uuml;tenlese zu dem Buch von Jeffrey Herf, Unerkl&auml;rte Kriege \/ Die DDR und die westdeutsche radikale Linke.<\/a><\/em> Von Markus Mohr.<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2019\/08\/27\/die-widersprueche-sind-die-hoffnungen-mein-engagement-als-freier-beitraeger-fuer-die-tageszeitung-junge-welt-wurde-beendet\/\">Die Widerspr&uuml;che sind die Hoffnungen &ndash; Mein Engagement als freier Beitr&auml;ger f&uuml;r die Tageszeitung Junge Welt wurde beendet<\/a><\/em>. Von Markus Mohr.<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2001\/04\/09\/die-verlorene-unschuld-zum-teufel-mit-den-opfern\/\">Die verlorene Unschuld &ndash; zum Teufel mit den Opfern |Eine Auseinandersetzung mit linken Positionen zu Israel<\/a><\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&Uuml;ber eine freundliche Einladung, das vielversprechende Buch &bdquo;<em>Corona und die Demokratie. Eine linke Kritik<\/em>&ldquo; zu besprechen, die im Sumpf unertr&auml;glicher Verd&auml;chtigungen endete. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,201,11],"tags":[2507],"class_list":["post-63747","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-ideologiekritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-streitkultur"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63747"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63757,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63747\/revisions\/63757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}