{"id":63762,"date":"2020-08-12T08:56:36","date_gmt":"2020-08-12T06:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63762"},"modified":"2020-08-15T12:14:23","modified_gmt":"2020-08-15T10:14:23","slug":"hitze-duerre-monokulturen-der-deutsche-wald-stirbt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63762","title":{"rendered":"Hitze, D\u00fcrre, Monokulturen \u2013 der deutsche Wald stirbt"},"content":{"rendered":"<p>Gr&uuml;ne dichte Fichtenw&auml;lder, satte Hochmoore und zwischendrin ein r&ouml;hrender Hirsch. Von diesem Bild in unseren K&ouml;pfen m&uuml;ssen wir uns verabschieden. Die Monokulturen, die seit Jahrhunderten als &bdquo;Kunstwald&ldquo; unser Bild vom deutschen Wald pr&auml;gen, w&auml;ren auch ohne Klimawandel nicht &uuml;berlebensf&auml;hig. Hitze, St&uuml;rme und langanhaltende D&uuml;rren greifen jedoch mittlerweile auch die vergleichsweise nat&uuml;rlichen Mischw&auml;lder an. Deutschlands W&auml;lder sterben. 245.000 Hektar Wald gelten laut aktuellem <a href=\"https:\/\/www.bmel.de\/DE\/themen\/wald\/wald-in-deutschland\/wald-trockenheit-klimawandel.html\">Waldschadensbericht<\/a> als tot und m&uuml;ssen wieder aufgeforstet werden &ndash; eine Fl&auml;che, so gro&szlig; wie das Saarland. Vor unseren Augen, aber dennoch kaum beachtet, spielt sich zur Zeit eine &ouml;kologische Katastrophe historischen Ausma&szlig;es ab und wir sind mangels konkreter Handlungsspielr&auml;ume zum Zusehen verdammt und m&uuml;ssen uns nun die Frage stellen, welchen Wald wir in Zukunft haben wollen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4754\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63762-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63762-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200812_Hitze_Duerre_Monokulturen_der_deutsche_Wald_stirbt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Jahre 2018 und 2019 waren laut einer <a href=\"https:\/\/www.agrarheute.com\/land-leben\/studie-40-mio-ha-duerre-bedroht-571628\">Studie<\/a> des Helmholtz-Zentrums f&uuml;r Umweltforschung die beiden schlimmsten D&uuml;rrejahre seit Beginn der Erhebung durchg&auml;ngiger Klimadaten im Jahre 1766. Und auch das Jahr 2020 ist im Vergleich zum langj&auml;hrigen Schnitt zu niederschlagsarm. Regional reichen die Niederschl&auml;ge bestenfalls f&uuml;r eine Durchn&auml;ssung der oberen Bodenschichten. F&uuml;r &auml;ltere B&auml;ume mit teils mehrere Meter tiefen Wurzeln reicht dies nicht. Der aktuelle D&uuml;rremonitor des UFZ verzeichnet f&uuml;r weite Landstriche eine &bdquo;au&szlig;ergew&ouml;hnliche D&uuml;rre&ldquo;. Dabei ist nahezu das gesamte Bundesgebiet von der D&uuml;rre betroffen.<\/p><p>F&uuml;r die B&auml;ume hat die D&uuml;rre oft t&ouml;dliche Folgen. Sie &bdquo;verdursten&ldquo; zwar nicht, schalten aber in einen Stressmodus, der es Sch&auml;dlingen wie Borkenk&auml;fern und Pilzen leicht macht, das ansonsten robuste Abwehrsystem der B&auml;ume zu &uuml;berwinden und ihrerseits die B&auml;ume derart zu sch&auml;digen, dass sie absterben oder dem n&auml;chsten Sturm zum Opfer fallen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_180305_nie_0059.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_180305_nie_0059.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Sturmsch&auml;den im Januar 2018 &ndash; Bild: Nieders&auml;chsische Landesforsten<\/em><\/small><\/p><p>Der Harz ist ein tragisches Beispiel f&uuml;r diese Geschehnisse. Im Januar 2018 war es der Orkan <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Orkantief_Friederike\">Friederike<\/a>, der binnen weniger Stunden fl&auml;chendeckend ganze Fichtenw&auml;lder umknicken lie&szlig;. In exponierten Lagen vernichtete der Orkan so viele B&auml;ume wie der regul&auml;re Einschlag <a href=\"https:\/\/www.landesforsten.de\/blog\/2019\/01\/16\/niedersaechsische-landesforsten-ziehen-jahres-bilanz-nach-sturm-friederike-und-duerresommer\/\">sonst in zwei Jahren<\/a>. Was folgte war der D&uuml;rresommer und der Borkenk&auml;fer. Das Katastrophenjahr 2018 endete mit einem schneearmen Winter und das Folgejahr brachte nicht nur eine erneute D&uuml;rre, sondern auch den hei&szlig;esten Sommer seit Beginn der Messungen, der abermals von einem schneearmen Winter gefolgt wurde. So hatte es der vergleichsweise schwache Orkan <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Orkan_Sabine\">Sabine<\/a> im Februar 2020 leicht, dem bereits massiv gesch&auml;digten Wald abermals schweren Schaden zuzuf&uuml;gen. Wer heute durch den Harz wandert, f&uuml;hlt sich stellenweise eher an Mad Max als an die M&auml;rchenverfilmungen erinnert, die unser &bdquo;Idealbild&ldquo; vom deutschen Wald noch immer pr&auml;gen.<\/p><p>Dies ist jedoch zum Teil &ndash; so paradox es klingt &ndash; durchaus gewollt. Hier hat man bereits fr&uuml;h erkannt, dass es eine reine Sisyphos-Arbeit ist, die in den letzten Jahrhunderten von Bergbau und Holzwirtschaft geschaffenen Fichten-Monokulturen zu bewahren, und begann bereits 2006 im Nationalpark Harz mit der Umsetzung eines <a href=\"https:\/\/www.nationalpark-harz.de\/de\/der-nationalpark-harz\/waldentwicklung\/\">Waldentwicklungsprogramms<\/a> &ndash; ein wenig zugespitzt hei&szlig;t dies, dass man den Kampf gegen Borkenk&auml;fer und Klimawandel aufgegeben hat und den Wald in den Kernzonen sich selbst &uuml;berl&auml;sst. In wenigen Jahrzehnten soll dort ein neuer Wald, ein Urwald entstehen, der so gut wie m&ouml;glich ohne menschlichen Einfluss auskommen soll. Welchen Einfluss die D&uuml;rre auf dieses Vorhaben hat, ist jedoch nur schwer zu &uuml;berblicken. Denn im D&uuml;rrejahr 2019 mussten im Harz erstmals nicht nur die Fichten, sondern auch die erw&uuml;nschten &auml;lteren Buchen dem Klimawandel Tribut zollen. Ohne schattenspendendes Laubdach wird es jedoch auch f&uuml;r die j&uuml;ngeren B&auml;ume schwer, Hitze und D&uuml;rre zu trotzen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_P7301061_HDR.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_P7301061_HDR.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Ein &bdquo;neuer&ldquo; Wald entsteht &ndash; Bild: Jens Berger<\/em><\/small><\/p><p>Gleich an der Grenze des Nationalparks kann man heute beobachten, wie sinnlos die Sisyphos-Arbeit der traditionellen Forstwirtschaft ist. Dort betreiben die Landesforsten ihre Wirtschaftsw&auml;lder und sind bereits drauf und dran, ebenfalls vor dem Borkenk&auml;fer und der D&uuml;rre zu kapitulieren. Doch anders als im Nationalpark gibt es hier &ouml;konomische Zw&auml;nge. So hat zwar auch das Land Niedersachsen &uuml;ber seine Landesforsten ein <a href=\"https:\/\/www.landesforsten.de\/blog\/2020\/07\/16\/wiederaufforstung-rueckt-in-den-fokus\/\">Wiederaufforstungsprogramm<\/a>, das weg von den Monokulturen will, jedoch refinanziert sich dieses Waldumbauprogramm im Wesentlichen &uuml;ber die Einnahmen aus der Bewirtschaftung der W&auml;lder. Laut Statistischem Bundesamt musste jedoch 2019 mit 32 Millionen Kubikmeter mehr als f&uuml;nfmal so viel Schadholz gef&auml;llt werden wie vor 2017. Der Preis f&uuml;r einen Kubikmeter Harzer Fichte sank in den letzten Jahren von 90 Euro auf 20 bis 30 Euro und auch der Preis f&uuml;r Buchenholz ist seit dem letzten Jahr im freien Fall. Die Landesforsten <a href=\"https:\/\/www.landesforsten.de\/blog\/2020\/07\/16\/wiederaufforstung-rueckt-in-den-fokus\/\">erwirtschaften Defizite<\/a> und schon bald muss sich die Politik die Frage stellen, ob eine defizit&auml;re Bewirtschaftung der W&auml;lder &uuml;berhaupt noch Sinn macht oder ob es nicht kl&uuml;ger ist, die Bewirtschaftung zugunsten der Renaturierung zur&uuml;ckzufahren. Denn eines haben die D&uuml;rrejahre gezeigt: Im deutschen Mittelgebirge kommerziell Fichtenmonokulturen zu betreiben, ist ein Gesch&auml;ftsmodell, das mit den ge&auml;nderten nat&uuml;rlichen Rahmenbedingungen schlicht nicht zukunftsf&auml;hig ist.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_241028_SM_Lall_grid_droughtmag_Apr-Oct_1952-2019_source.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200812_241028_SM_Lall_grid_droughtmag_Apr-Oct_1952-2019_source.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>D&uuml;rremagnituden im Gesamtboden in der Vegetationsperiode April bis Oktober<\/em><\/small><\/p><p>Der Harz ist mit diesen Problemen keineswegs allein. Auch im Schwarzwald, in Th&uuml;ringen, in Brandenburg oder in Hessen gibt es &auml;hnliche Probleme durch die Kombination aus Hitze und D&uuml;rre und den dadurch bef&ouml;rderten Sch&auml;dlingsbefall an B&auml;umen. Ganze Waldstriche sind in vielen deutschen Regionen kahl und grau und dem baldigen Tod &uuml;berlassen. Es scheint, als sei dieses Waldsterben unumkehrbar. K&uuml;nftig ist mit h&auml;ufigeren und langanhaltenderen <a href=\"https:\/\/detektor.fm\/wissen\/forschungsquartett-extreme-wettereignisse-duerre\">D&uuml;rreperioden zu rechnen<\/a>. F&uuml;r den &bdquo;traditionellen&ldquo; deutschen Wald, der in den meisten Regionen kein nat&uuml;rlicher, sondern ein von Menschen geschaffener, bewirtschafteter Nutzwald ist, ist dies eine schlechte Nachricht. Lassen wir den Wald &ndash; wie im Naturpark Harz &ndash; sterben und sich selbst neu entwickeln? Oder verabschieden wir uns von den Monokulturen und schaffen einen neuen, &bdquo;klimastabilen&ldquo; Mischwald, der mit den ge&auml;nderten Klimabedingungen kompatibel ist? Fest steht &ndash; der &bdquo;M&auml;rchenwald&ldquo; aus unseren Vorstellungen hat in Deutschland keine Zukunft und ist eines der ersten sichtbaren Opfer des Klimawandels. <\/p><p>Titelbild: Jens Berger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr&uuml;ne dichte Fichtenw&auml;lder, satte Hochmoore und zwischendrin ein r&ouml;hrender Hirsch. Von diesem Bild in unseren K&ouml;pfen m&uuml;ssen wir uns verabschieden. Die Monokulturen, die seit Jahrhunderten als &bdquo;Kunstwald&ldquo; unser Bild vom deutschen Wald pr&auml;gen, w&auml;ren auch ohne Klimawandel nicht &uuml;berlebensf&auml;hig. Hitze, St&uuml;rme und langanhaltende D&uuml;rren greifen jedoch mittlerweile auch die vergleichsweise nat&uuml;rlichen Mischw&auml;lder an. Deutschlands W&auml;lder<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63762\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":63763,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,177,178],"tags":[2934],"class_list":["post-63762","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-klimawandel","category-ressourcen","tag-naturzerstoerung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200812_hitze-scaled.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63762"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63762\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63778,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63762\/revisions\/63778"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63763"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}