{"id":63793,"date":"2020-08-13T10:10:29","date_gmt":"2020-08-13T08:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63793"},"modified":"2020-08-14T08:16:26","modified_gmt":"2020-08-14T06:16:26","slug":"was-will-die-opposition-in-weissrussland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63793","title":{"rendered":"Was will die Opposition in Wei\u00dfrussland?"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Pr&auml;sidentschaftswahlen vom Sonntag erlebt der unabh&auml;ngige Staat Belarus seine bisher schwerste politische Krise: Auf der einen Seite Proteste wegen vermuteter Wahlf&auml;lschung, auf der anderen Seite harte Reaktionen der Polizei. Die zugespitzte Situation erinnert an den Maidan in Kiew 2013. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1133\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-63793-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=63793-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200813_Was_will_die_Opposition_in_Weissrussland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Seit Sonntag gibt es Proteste gegen vermutete Wahlf&auml;lschungen bei der Pr&auml;sidentschaftswahl in Minsk. Tausende von Festnahmen. Zahlreiche verhaftete Journalisten, darunter auch viele von russischen oppositionellen und regierungsnahen Medien. Die Polizei schie&szlig;t mit Gummigeschossen. Es gibt einen ersten Toten. Der russische Au&szlig;enminister Sergej Lawrow forderte die Freilassung verhafteter Journalisten.<\/p><p><strong>Der Versuch, einen Maidan im Keim zu ersticken<\/strong><\/p><p>Es hat in Minsk schon h&auml;ufig Demonstrationen der Opposition gegeben, die von der Polizei drangsaliert wurden. Aber noch nie waren die eingesetzten Mittel so hart wie in den vergangenen Tagen (<a href=\"https:\/\/meduza.io\/slides\/v-belarusi-uzhe-chetyre-dnya-zhestko-izbivayut-lyudey-vse-dazhe-huzhe-chem-v-rossii\">Videos der Opposition aus Minsk finden sich etwa hier<\/a>). Offenbar will Pr&auml;sident Aleksandr Lukaschenko jedes Aufkommen von &bdquo;befreiten Zonen&ldquo; &ndash; wie sie w&auml;hrend des Maidan im Dezember 2013 in Kiew entstanden &ndash; von Anfang an unterbinden. Das Internet wurde abgestellt, ist jetzt aber wieder in Betrieb. Lukaschenko behauptete, die Abstellung des Internets sei eine Provokation des Auslands.<\/p><p>Zwei Seiten stehen sich unvers&ouml;hnlich gegen&uuml;ber. Der amtierende Pr&auml;sident von Wei&szlig;russland reklamiert den Sieg bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen f&uuml;r sich. Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja, die sich nach der Verhaftung ihres Mannes zur Kandidatur entschlossen hatte, erkl&auml;rte, sie habe 80 Prozent der Stimmen bekommen. Die zentrale Wahlkommission dagegen gab bekannt, dass Lukaschenko 80 Prozent und Tichanowskaja 9,9 Prozent der Stimmen bekommen h&auml;tten.<\/p><p>Unabh&auml;ngige Beobachter von der OSZE oder aus Russland waren nicht zu den Wahlen eingeladen worden. Dass beide Kandidaten behaupten, sie h&auml;tten jeweils 80 Prozent bekommen, wirkt &uuml;berzogen. Zu viele haben ihren Protest gegen den Langzeitherrscher Lukaschenko in diesen Tagen landesweit ausgedr&uuml;ckt. Vieles spricht daf&uuml;r, dass bei der Stimmen-Ausz&auml;hlung zugunsten von Lukaschenko von Amts wegen nachgeholfen wurde, der Amtsinhaber die Wahlen aber auch ohne diese Hilfe gewonnen h&auml;tte. <\/p><p>Das offiziell angegebene Wahlergebnis der Oppositionskandidatin Tichanowskaja scheint dagegen zu niedrig. Auch dieses Ergebnis ist wohl bei der Ausz&auml;hlung &bdquo;nachbearbeitet&ldquo; worden. <\/p><p>Doch letztlich sind das alles nur Vermutungen. Auch die von der Opposition pr&auml;sentierten Kopien von Wahlprotokollen, die hohe Ergebnisse f&uuml;r Tichanowskaja ausweisen, sind nur ein kleiner Ausschnitt der landesweiten Wahl. Ihre Echtheit ist schwer zu &uuml;berpr&uuml;fen. <\/p><p>Eine wirklich unabh&auml;ngige Wahlbeobachtung und unabh&auml;ngige Exit-Polls hat es nicht gegeben.<\/p><p><strong>F&uuml;r was steht die Oppositionelle Tichanowskaja?<\/strong><\/p><p>Swetlana Tichanowskaja trat zur Wahl an, nachdem ihr Mann Sergej verhaftet worden war. Die 38-J&auml;hrige war in einer &ouml;kologischen Gruppe aktiv und arbeitete als &Uuml;bersetzerin und Hausfrau. Bis zu ihrer Kandidatur war sie so gut wie unbekannt. <\/p><p>Bei einem Fernsehauftritt im Wahlkampf versprach sie h&ouml;here Renten und L&ouml;hne, mehr Mitbestimmung der B&uuml;rger, eine Modernisierung und Privatisierung der Ausbildung an den Schulen und die Unterst&uuml;tzung von Gesch&auml;ftsleuten. Au&szlig;erdem erkl&auml;rte sie, sie werde &ndash; wenn gew&auml;hlt &ndash; sechs Monate nach der Wahl neue, faire Pr&auml;sidentschaftswahlen durchzuf&uuml;hren. Ein klares politisches Profil und eine politische Vergangenheit hat die Kandidatin nicht.  <\/p><p>Die Menschen, die f&uuml;r Tichanowskaja stimmten, stimmten vor allem gegen Lukaschenko, der seit 26 Jahren im Amt ist und jegliche Opposition unterdr&uuml;ckt. Seine Politik der sozialen Stabilit&auml;t und der Erhaltung sowjetischer Wirtschaftsstrukturen hat den Wei&szlig;russen zwar fast drei Jahrzehnte lang Stabilit&auml;t und sozialen Basis-Schutz gebracht. Doch der Jugend in den Gro&szlig;st&auml;dten ist das nicht genug. Sie fordert eine demokratische Kultur.<\/p><p><strong>Wirtschaftskrise versch&auml;rft politische Krise<\/strong><\/p><p>Die Proteststimmung in Minsk wird angeheizt durch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung. Wahlsieger Lukaschenko erkl&auml;rte am Mittwoch, auf den Stra&szlig;en von Minsk seien in den letzten drei Tagen nur &bdquo;vorbestrafte Kriminelle&ldquo; und &bdquo;Arbeitslose&ldquo; unterwegs gewesen.  Er warf den Demonstranten &bdquo;bourgeoisen Lebenswandel&ldquo; vor und forderte sie auf, sich schleunigst eine Arbeit zu suchen. Welche Konsequenzen die Nichtaufnahme einer Arbeit hat, sagte der Pr&auml;sident nicht. Mit derartigen Ausf&auml;llen gegen Demonstranten hofft Lukaschenko offenbar, bei der arbeitenden Bev&ouml;lkerung Punkte zu sammeln. <\/p><p>Aleksandr Lukaschenko hat in Wei&szlig;russland eine Art Mini-Sowjetunion geschaffen. In den 1990er Jahren gab es in Wei&szlig;russland keine Privatisierung der Schl&uuml;sselindustrien wie in allen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Der wei&szlig;russische Staat sorgte f&uuml;r die regelm&auml;&szlig;ige Zahlung von L&ouml;hnen und Renten, was in den meisten ehemaligen Republiken der Sowjetunion in den 1990er Jahren und auch sp&auml;ter keine Selbstverst&auml;ndlichkeit war. In Wei&szlig;russland gibt es heute keine massiven sozialen Unterschiede und keine Superreichen wie in Russland. Lukaschenko stellte sich als jemand dar, der &bdquo;das Beste, was es in der Sowjetunion gab&ldquo;, erh&auml;lt. <\/p><p>Die wirtschaftliche Entwicklung in Wei&szlig;russland hat in den letzten Jahren jedoch einen Einbruch erlitten. Die Wirtschaften von Wei&szlig;russland und Russland sind eng verbunden und der Konjunktureinbruch in Russland durch den gesunkenen Gas- und &Ouml;lpreis sowie die Corona-Krise verminderten die Absatzchancen f&uuml;r wei&szlig;russische Industrieprodukte in Russland. Die H&auml;lfte des wei&szlig;russischen Exports geht nach Russland. <\/p><p>Zus&auml;tzlich problematisch f&uuml;r Wei&szlig;russland wurde, dass man sich mit Russland seit 2019 nur noch fallweise auf Preise f&uuml;r &Ouml;l- und Gaslieferungen aus Russland einigen konnte. Wei&szlig;russland f&uuml;hlt sich benachteiligt gegen&uuml;ber &Ouml;l- und Gaskunden in Russland und Deutschland. Wei&szlig;russland kauft nun vermehrt &Ouml;l aus dritten L&auml;ndern ein, zuletzt aus Aserbeidschan. <\/p><p><strong>Erinnerungen an den Maidan in Kiew<\/strong><\/p><p>Die zugespitzte Situation in Wei&szlig;russland erinnert an den Maidan in Kiew. 2013\/2014 in Kiew scheute sich der ukrainische Pr&auml;sident Viktor Janukowitsch und seine Pr&auml;sidialadministration, die Opposition mit Polizeigewalt aus der Innenstadt zu verdr&auml;ngen. Man f&uuml;rchtete negative Reaktionen europ&auml;ischer Politiker. So entstand in der Innenstadt von Kiew 2013 eine nicht genehmigte Zeltstadt der Opposition, mit Ordnerdiensten und t&auml;glichen Trainingsstunden im Stra&szlig;enkampf. Das Zeltlager existierte ungehindert bis zum Staatsstreich der ukrainischen Nationalisten im Februar 2014.<\/p><p>In der Ukraine gab es 2013 berechtigte Kritik an der Macht. Aber diese berechtigte Kritik wurde in der Ukraine von Oligarchen und deren Medien hochgepuscht sowie massiv von westlichen M&auml;chten und Stiftungen finanziert, medial unterst&uuml;tzt und in eine anti-russische Richtung gelenkt. <\/p><p>Ob es auch in Wei&szlig;russland den Versuch gibt, berechtigte Kritik und zivilen Protest in einen Staatsstreich umzulenken, l&auml;sst sich bisher noch nicht sicher sagen. Das russische Fernsehen berichtete am Mittwoch, in Minsk seien &bdquo;Koordinatoren&ldquo; der Proteste festgenommen worden. Bei einem Mann aus Minsk seien 10.000 Dollar sichergestellt worden, wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8iDYbrEshTc&amp;feature=emb_logo\">in diesem Video<\/a> berichtet wird. Die Frau des Verhafteten erkl&auml;rte aber, ihr Mann sei Kleinunternehmer. Er habe ein Auto verkauft. <\/p><p>Ein anderer wei&szlig;russischer Aktivist mit Wohnsitz in Polen soll von einem Hotel &bdquo;Belarus&ldquo; aus die Proteste in Minsk gelenkt haben. Er habe drei Untergebene gehabt, die &bdquo;Hundertschaften&ldquo; von Demonstranten gelenkt haben sollen. <\/p><p><strong>Nationalismus hat in Wei&szlig;russland bisher nur eine schwache Basis<\/strong><\/p><p>In der Ukraine wurde die Protestbewegung 2013\/14 durch Radikal-Nationalisten aus der Westukraine angeheizt. Diese Nationalisten sehen sich unverbl&uuml;mt als historische Nachfahren der &bdquo;Ukrainischen Aufstandsarmee&ldquo;, welche mit der Hitler-Wehrmacht gegen die Sowjetunion kollaborierte. Die heutigen ukrainischen Nationalisten machten Moskau f&uuml;r eine angebliche Unterdr&uuml;ckung der ukrainischen Kultur w&auml;hrend der Sowjetzeit und den gezielten V&ouml;lkermord am ukrainischen Volk w&auml;hrend der Hungerkatastrophe 1932 verantwortlich. <\/p><p>F&uuml;r Wei&szlig;russland fehlt eine solche Erz&auml;hlung, die sich eignet, Millionen Menschen mit dem Gift des Nationalismus zu infizieren. 85 Prozent der Bev&ouml;lkerung von Belarus sind Wei&szlig;russen und sieben Prozent Russen. Allerdings geht aus einer 2009 ver&ouml;ffentlichten <a href=\"http:\/\/belstat.gov.by\/homep\/ru\/perepic\/2009\/vihod_tables\/5.9-0.pdf\">offiziellen Statistik<\/a> hervor, dass von den acht Millionen Wei&szlig;russen 5,5 Millionen zuhause Russisch sprechen. <\/p><p>Auch in Wei&szlig;russland gibt es seit den 1990er Jahren eine nationalistische Bewegung. Doch sie wurde mit repressiven Methoden kleingehalten. In den letzten Jahren werden staatliche Einrichtungen in Wei&szlig;russland selbst aktiv bei der St&auml;rkung der wei&szlig;russischen Kultur und Sprache. Offenbar will man nichts anbrennen lassen. <\/p><p><strong>Weitestgehender Schutz der russischen Sprache au&szlig;erhalb Russlands<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend man in der Ukraine schon in den 1990er Jahren begann, die russische Sprache aus Schulen und Universit&auml;ten zu verdr&auml;ngen, wurde in Wei&szlig;russland 1995 ein Referendum abgehalten, bei dem die Menschen daf&uuml;r stimmten, dass Russisch neben Wei&szlig;russisch den Status einer zweiten offiziellen Sprache bekommt. Dies war der weitestgehende Schutz der russischen Sprache, der nach 1991 au&szlig;erhalb der Russischen F&ouml;deration in einer ehemaligen Sowjetrepublik gesetzlich verankert wurde. Mit dem Referendum konnten Provokationen wei&szlig;russischer Nationalisten auf dem Gebiet der Sprachenpolitik zwar nicht vollst&auml;ndig gestoppt, jedoch weitgehend gebremst werden. <\/p><p><strong>Lukaschenko &ndash; das Hindernis auf dem Weg nach Europa<\/strong><\/p><p>Die Opposition in Wei&szlig;russland sieht in Lukaschenko ein von Moskau aufgebautes und bis heute unterst&uuml;tztes Hindernis f&uuml;r Belarus auf dem Weg nach Europa. Das konservative Weltbild von Lukaschenko bietet den jungen Europa-orientierten Oppositionellen in Wei&szlig;russland ausreichend Anlass f&uuml;r bissige Kritik. In <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=68&amp;v=s4h6BludEQY&amp;feature=emb_logo\">Videos der Opposition<\/a> wird Lukaschenko wegen seiner patriarchalen &Auml;u&szlig;erungen angeprangert. Lukaschenko erkl&auml;rte, Frauen seien dazu da, &bdquo;die Welt zu versch&ouml;nern&ldquo;. Die wichtigste Aufgabe der Frauen sei es, &bdquo;Kinder zu kriegen&ldquo;. Frauen seien f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt &bdquo;nicht geeignet&ldquo;. <\/p><p>Die seit Jahren laufenden Verhandlungen zwischen Russland und Wei&szlig;russland &uuml;ber die Bildung eines Union-Staates richten sich nach Meinung der wei&szlig;russischen Opposition gegen die Souver&auml;nit&auml;t des Landes. Maria Kolesnikowa, Musikerin und Beraterin der Pr&auml;sidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja, <a href=\"https:\/\/meduza.io\/feature\/2020\/08\/11\/lyuboy-belorus-smozhet-menya-zamenit\">erkl&auml;rte im Interview mit dem Portal Meduza<\/a>, &bdquo;die m&ouml;gliche Integration mit Russland, die Angst vor dem Verlust der Souver&auml;nit&auml;t&ldquo; habe die Protestbewegung angetrieben. &bdquo;Man wollte eine erste Road-map (zur Integration) unterzeichnen, welche kein Wei&szlig;russe jemals mit eigenen Augen gesehen hat. Und sie waren unzufrieden, dass eine wichtige Frage &uuml;ber die Unabh&auml;ngigkeit von Wei&szlig;russland m&ouml;glicherweise ohne sie entschieden wird.&ldquo;<\/p><p><strong>Wie verh&auml;lt sich Russland?<\/strong><\/p><p>Die russischen Medien haben &uuml;ber die Pr&auml;sidentschafts-Kandidaten der Opposition neutral und fair berichtet. Man wollte wohl vermeiden, dass Russland der Einmischung in den wei&szlig;russischen Wahlkampf beschuldigt wird. <\/p><p>Am Morgen nach der Wahl gratulierte Wladimir Putin dann dem wei&szlig;russischen Wahlsieger und erkl&auml;rte, er hoffe, dass die wirtschaftliche und milit&auml;rische Zusammenarbeit zwischen beiden L&auml;ndern vertieft wird. Wei&szlig;russland ist Mitglied der &bdquo;Organisation des Vertrages &uuml;ber kollektive Sicherheit&ldquo; (ODKB), einem Verteidigungsb&uuml;ndnis, zu dem auch Russland, Armenien, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan geh&ouml;ren. Wei&szlig;russland ist f&uuml;r Russland als Schutzschild an der Grenze zu Nato-Staaten besonders wichtig.<\/p><p>F&uuml;r den Kreml ist Lukaschenko, trotz seines diktatorischen Stils und seines oft frechen Auftretens gegen&uuml;ber Russland, immer noch der bessere Pr&auml;sident in Minsk. Die wei&szlig;russischen Oppositionsf&uuml;hrer &ndash; so bef&uuml;rchtet man in Moskau &ndash; f&uuml;hren Belarus in den Westen, weg &bdquo;vom nat&uuml;rlichen Partner&ldquo; Russland. <\/p><p>Die Nachrichten aus Wei&szlig;russland sind seit Wochen &uuml;berraschend und teilweise kaum zu glauben. Vieles wird man erst sp&auml;ter entschl&uuml;sseln k&ouml;nnen. Zu hart wird hinter den Kulissen gek&auml;mpft. Auch die Ukraine, Polen und Litauen &ndash; und wieder einmal die USA &ndash; versuchen am Stuhl vom Lukaschenko zu s&auml;gen. <\/p><p><strong>Eine Provokation des ukrainischen Geheimdienstes?<\/strong><\/p><p>Die bisher phantastischste Geschichte aus Wei&szlig;russland, die noch einer v&ouml;lligen Aufkl&auml;rung bedarf, ist die von den 33 Mitarbeitern der privaten russischen Sicherheitsfirma Wagner, die nach Aussage des wei&szlig;russischen Geheimdienstes zur Destabilisierung des Landes nach Wei&szlig;russland geschickt wurden und am 29. Juli nicht weit von Minsk in einem Pensionat verhaftet wurden. Ein Wagner-Mann wurde angeblich im S&uuml;den Wei&szlig;russlands verhaftet.<\/p><p>Es dauerte geschlagene sechs Tage, bis <a href=\"https:\/\/www.kp.ru\/daily\/217165\/4266019\/\">die russische Zeitung &bdquo;Komsomolskaja Prawda&ldquo; aufdeckte<\/a>, dass die 33 Wagner-Leute in eine Falle des ukrainischen Geheimdienstes SBU gelaufen waren. Helfer des SBU h&auml;tten die Wagner-Leute nach Wei&szlig;russland gelockt. Von dort &ndash; so hatten ihnen Helfer des SBU versprochen &ndash; sollten sie zum Schutz von &Ouml;l-Anlagen nach Havanna und Caracas weiterfliegen. <\/p><p>Ziel der Provokation und der vom SBU eingef&auml;delten Aktion soll nach Meinung der russischen Zeitung gewesen sein, das Verh&auml;ltnis zwischen Russland und Wei&szlig;russland zu vergiften. Das Blatt ver&ouml;ffentlichte als Beweis Abrechnungen und Fotos der beteiligten SBU-Helfer in Wei&szlig;russland. Offen bleibt die Frage, warum der wei&szlig;russische Geheimdienst KGB und der russische FSB nicht eher in die &Uuml;berf&uuml;hrung von Wagner-Leuten nach Wei&szlig;russland eingriffen. <\/p><p>Am 7. August f&uuml;hrten Putin und Lukaschenko ein Telefongespr&auml;ch, in dem sie sich nach Mitteilung des Kreml-Pressedienstes &uuml;ber eine L&ouml;sung im Fall der 33 Wagner-Leute berieten. Die 33 verhafteten Russen befinden sich noch immer in wei&szlig;russischer Haft. <\/p><p>Titelbild: BIGANDT.COM \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Pr&auml;sidentschaftswahlen vom Sonntag erlebt der unabh&auml;ngige Staat Belarus seine bisher schwerste politische Krise: Auf der einen Seite Proteste wegen vermuteter Wahlf&auml;lschung, auf der anderen Seite harte Reaktionen der Polizei. Die zugespitzte Situation erinnert an den Maidan in Kiew 2013. 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