{"id":63840,"date":"2020-08-15T13:00:31","date_gmt":"2020-08-15T11:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63840"},"modified":"2020-08-15T13:19:29","modified_gmt":"2020-08-15T11:19:29","slug":"amazonien-aufschrei-zur-rettung-der-weltgroessten-klimaanlage-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63840","title":{"rendered":"Amazonien \u2013 Aufschrei zur Rettung der weltgr\u00f6\u00dften Klimaanlage"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Jair Bolsonaros programmierter Corona-Genozid der indigenen V&ouml;lker<\/strong><br>\nSelbst konservative brasilianische Medien sprechen es offen aus: Die vom Bolsonaro-Regime programmierte Massenansteckung der Bev&ouml;lkerung, mit 3,3 Millionen Covid-19-Infizierten und 105.000 Toten (Stand: 13. August), ist <a href=\"https:\/\/istoe.com.br\/genocidio-indigena\/\">ein Genozid<\/a>. Von den Gro&szlig;st&auml;dten hat die Pandemie sich schlagartig auf indigenes Land, insbesondere nach Amazonien, ausgebreitet. Einer nach dem anderen fallen namhafte &auml;ltere H&auml;uptlinge des indigenen Widerstands &ndash; wie Paulinho Payakan, Aritana Yawalapiti oder Jo&atilde;o Lu&iacute;s Nazareno Lima vom historischen Stamm der Taurepang &ndash; dem Virus zum Opfer, das, nach dem Stand vom 13. August, 24.942 ihrer Stammesmitglieder ansteckte und <a href=\"https:\/\/covid19.socioambiental.org\/\">669 von ihnen t&ouml;tete<\/a>. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie bitte hierzu auch noch einmal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63235\">den 1. Teil der Reportage<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Raonis Hilferuf<\/strong><\/p><p>Der legend&auml;re, 90-j&auml;hrige H&auml;uptling Raoni Metuktire wurde im Juli auf die Intensiv-Station eingeliefert, hatte Gl&uuml;ck und erholte sich bis Ende des Monats. Raoni empfing in den 1980er Jahren den britischen Rockmusiker Sting in Amazonien und folgte ihm auf Europa-Solidarit&auml;ts-Tour. Nach rund 30 Jahren <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5wbaHh8rrbY\">trafen sie sich im Mai 2017<\/a> in S&atilde;o Paulo wieder, als der Indianer-H&auml;uptling schwere Vorw&uuml;rfe gegen die De-facto-Regierung Michel Temer vortrug. Im Mai 2019 wurde Raoni <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wcGFgjGcs8g\">vom franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Emmanuel Macron<\/a> im &Eacute;lys&eacute;e-Palais und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-JuVUTqodp8\">von Papst Franziskus<\/a> im Vatikan empfangen. Im darauffolgenden August 2019 reiste Raoni ein zweites Mal nach Frankreich, um den Staatschefs der G7 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Cgn0BfxAAbo\">eine Petition<\/a> zur Rettung der vom Bolsonaro-Regime bedrohten indigenen V&ouml;lker und Amazoniens auszuh&auml;ndigen.<\/p><p><strong>Was bewegt Raoni Metuktire?<\/strong><\/p><p>Drei Wochen lang reiste der H&auml;uptling durch Europa, marschierte mit jungen Menschen f&uuml;r das Klima, wurde von Staatsoberh&auml;uptern empfangen und traf sich mit dem Papst. Seine Botschaft lautete: Amazonien, das sich &uuml;ber neun L&auml;nder erstreckt, wird von 390 V&ouml;lkern mit gesonderter kultureller Identit&auml;t und Sprache bewohnt und beherbergt mindestens noch 120 freie D&ouml;rfer, die sich f&uuml;r die freiwillige Isolation von der wei&szlig;en Gesellschaft entschieden haben. Dieses Gebiet, das von rund 34 Millionen Menschen bewohnt wird, birgt 20 Prozent des nicht gefrorenen S&uuml;&szlig;wassers, 34 Prozent der Prim&auml;rw&auml;lder und 30 bis 50 Prozent der Tier- und Pflanzen-Arten des Planeten.<\/p><p>Doch diese lebenserhaltende Pracht ist seit der Macht&uuml;bernahme durch Jair Bolsonaro am 1. Januar 2019 in ihren Grundfesten bedroht. Ein Grund, weshalb der Papst bereits Anfang 2018, w&auml;hrend seines Besuches in Peru, eine Panamazonische Bischofssynode unter der Devise &bdquo;Amazonas: Neue Wege f&uuml;r die Kirche und f&uuml;r die &Ouml;kologie&ldquo; f&uuml;r den kommenden 6. bis 27. Oktober 2020 nach Rom einberufen hat und zu deren Vorbereitung Raoni in einer Audienz empfing. Bolsonaro hasst den Papst, ebenso wie Sting und seinen <strong>Rainforest Fund<\/strong>.<\/p><p>Indes glauben mehrere Verb&uuml;ndete der Indigenen und Amazoniens wie der in Paris lebende brasilianische Starfotograf und Tr&auml;ger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Sebasti&atilde;o Salgado, es k&ouml;nnte bis Oktober zu sp&auml;t sein.<\/p><p><strong>Der internationale Aufruf Sebasti&atilde;o Salgados<\/strong><\/p><p>Mit der <a href=\"https:\/\/www.em.com.br\/app\/noticia\/nacional\/2020\/05\/12\/interna_nacional,1146649\/movimento-de-sebastiao-salgado-recebe-apoio-da-unesco.shtml\">institutionellen Unterst&uuml;tzung<\/a> der Organisation f&uuml;r Kultur der Vereinten Nationen\/Unesco startete Salgado im vergangenen Mai eine <a href=\"https:\/\/secure.avaaz.org\/community_petitions\/po\/to_the_president_of_brazil_and_to_leaders_of_the_c_help_protect_the_amazons_indigenous_peoples_from_covid19\/\">Petition auf dem Avaaz-Portal<\/a> mit dem Ziel, das Bolsonaro-Regime unter Druck zu setzen und es dazu zu zwingen, die indigenen Gemeinden vor dem Corona-Virus zu sch&uuml;tzen. In dem Bittgesuch wird Bolsonaro, aber auch die Pr&auml;sidenten des Parlaments und des Obersten Gerichtshofs, dazu aufgefordert, &bdquo;Sofortma&szlig;nahmen zum Schutz der indigenen Bev&ouml;lkerung des Landes vor diesem verheerenden Virus zu ergreifen&ldquo;.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/tv\/B_z-vAeHSEs\/?utm_source=ig_embed\">auf Instagram ver&ouml;ffentlichten Video<\/a> verkn&uuml;pft der Fotograf die Gesundheitsrisiken der Ureinwohner mit den kriminellen Aktionen der Entwaldung und der gro&szlig;fl&auml;chigen Brandstiftung im Amazonasgebiet und warnt: &bdquo;Brasilianische Indianer sind seit mehr als 500 Jahren Opfer von Epidemien, aber jetzt kommt zu dieser Bedrohung die staatlich verordnete &Uuml;berwachungslockerung hinzu, die die Invasion des illegalen Bergbaus, der Holzf&auml;ller und Viehz&uuml;chter und die Brandstiftung f&ouml;rdert, die in den letzten Wochen zugenommen haben&ldquo;. Die erbetenen 300.000 Unterschriften waren nach wenigen Tagen komplett. Es unterschrieben internationale Stars wie das brasilianische Model Gisele B&uuml;ndchen, die Liedermacher Chico Buarque, Gilberto Gil, Caetano Veloso, Paul McCartney und Madonna, die Schauspieler Brad Pitt und Meryl Streep, der chinesische K&uuml;nstler Ai Weiwei und der spanische Starregisseur Pedro Almodovar, doch das scherte Bolsonaro einen feuchten Kehricht.<\/p><p><strong>Der programmierte &Uuml;berfall auf die indianischen Territorien<\/strong><\/p><p>Statt Hilfeleistung setzte Bolsonaro die milit&auml;rische Sabotage in Szene. In einem der wenigen F&auml;lle, in denen der zum Hauptmann bef&ouml;rderte Unteroffizier und zum Parlamentarier mutierte Jair Bolsonaro in seiner Zeit als Bundesabgeordneter die Trib&uuml;ne der Kammer betrat, erkl&auml;rte er: &bdquo;Wenn ich dort (im Pr&auml;sidentenamt) ankomme, wird es keinen Zentimeter mehr Land geben, das f&uuml;r indigene V&ouml;lker vermessen wurde&ldquo;. Der faschistische Milit&auml;r ist vor anderthalb Jahren &bdquo;dort angekommen&ldquo; und in seiner Amtszeit als Pr&auml;sident Brasiliens &uuml;bertreffen seine Handlungen das Versprechen. &bdquo;Bald ist es sehr wahrscheinlich, dass es auf Kilometern von Boden keine Ureinwohner mehr gibt&ldquo;, kommentierte die Wochenzeitschrift Isto &Eacute;.<\/p><p>Im Wahlkampf von 2018 versprach Bolsonaro noch einmal, die Vergabe von Staatsland an Indigene zu stoppen. Das Anrecht der Indigenen auf ihre Siedlungsgebiete wird jedoch von der Verfassung von 1988 festgeschrieben, womit der autorit&auml;re Staatschef Verfassungsbruch begeht.<\/p><p>W&auml;hrend seines <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/pt-br\/bolsonaro-quer-explorar-amaz%C3%B4nia-com-os-estados-unidos\/a-48257906\">ersten Treffens mit US-Pr&auml;sident Donald Trump<\/a> Anfang April 2019 ging Bolsonaro einen Schritt weiter und verk&uuml;ndete eine &bdquo;Partnerschaft mit den USA zur Erkundung Amazoniens&ldquo; mit der &Uuml;berpr&uuml;fung des indigenen Anrechts auf ihre Stammesgebiete. <\/p><p>Wer Bolsonaro aufmerksam beobachtet, erkennt allerdings seine sadistischen Z&uuml;ge, darunter seinen Hang zu Rachehandlungen und Hinterlist. So geschehen mit der systematischen Demontage des Umweltministeriums und der institutionellen Umweltpolitik, nun gefolgt von der Zerst&ouml;rung der Indianerschutz-Beh&ouml;rde FUNAI. Diese begann unter anderem im November 2019, als zum Beispiel FUNAI-Mitarbeitern Reisen in Indianer-Territorien untersagt wurden, wodurch tausende Indigene von Unterst&uuml;tzung und Schutz regelrecht abgeschnitten und dadurch boykottiert wurden.<\/p><p>Kaum aus den USA zur&uuml;ckgekehrt, befahl Bolsonaro Mitte April 2019 in direkter Verletzung des Vertrages mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der die Mitsprache der betroffenen indigenen Gemeinden vorschreibt, <a href=\"https:\/\/brasil.mongabay.com\/2019\/04\/brasil-abrira-reservas-indigenas-para-mineracao-sem-consentimento-indigena\/\">die &Ouml;ffnung &ndash; man lese: das &Uuml;berrennen &ndash; der indianischen Stammes-Territorien<\/a> durch einheimische Goldsucher und internationale Bergbau-Unternehmen.<\/p><p>Ein Jahr sp&auml;ter, im Mai 2020, nutzte der Indianerfeind Bolsonaro die Covid-19-Pandemie, um den verhassten Bewohnern Amazoniens noch grauenvoller in den R&uuml;cken zu fallen. Er legte tats&auml;chlich <a href=\"https:\/\/www.em.com.br\/app\/noticia\/politica\/2020\/07\/08\/interna_politica,1163833\/bolsonaro-veta-recurso-para-fornecer-agua-comida-e-leitos-aos-indigen.shtml\">Veto gegen das Covid-19-Nothilfsprogramm<\/a> ein, das zuvor von beiden Kammern des brasilianischen Parlaments verabschiedet worden war. Kaum zu glauben, doch mit dem verlogenen Argument der &bdquo;fehlenden Haushaltsprognose&ldquo; strich der Milit&auml;r relevante Covid-19-Bek&auml;mpfungs-Ma&szlig;nahmen in indigenen Gebieten, wie die Verpflichtung zur Trinkwasser-Versorgung, die kostenlose Verteilung von Grundnahrungsmittelk&ouml;rben, von Hygiene-, Reinigungs- und Desinfektionsmaterialien, die Gew&auml;hrleistung der Notversorgung mit Krankenhausbetten und der Intensivpflege, die Verpflichtung der Regierung zur Versorgung mit Beatmungsger&auml;ten und Ger&auml;ten f&uuml;r die Blut-Sauerstoffversorgung sowie die Internet-Installation zur Beschleunigung von Erste-Hilfe-Ma&szlig;nahmen in den Indianerd&ouml;rfern.<\/p><p><strong>General Mour&atilde;o, die Verschw&ouml;rungstheorien der Milit&auml;rs und ihr &bdquo;Integrations&ldquo;-Druck<\/strong><\/p><p>Wie die NachDenkSeiten in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63235\">Teil 1 der Amazonien-Reportage<\/a> berichteten, ist Bolsonaros Vize, General Hamilton Mour&atilde;o, l&auml;ngst der De-facto-Chef der Amazonien-Politik. Im Januar 2020 erlie&szlig; Bolsonaro ein Dekret zur Wiederbelebung des 1995 geschaffenen &bdquo;Amazonien-Rates&ldquo; unter Vorsitz General Mour&atilde;os, von dem nicht nur s&auml;mtliche Gouverneure der Region, sondern vor allem die Indianerbeh&ouml;rde FUNAI und die Umweltbeh&ouml;rde IBAMA ausgeschlossen wurden. Kaum war der Beschluss gefasst, <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/colunas\/rubens-valente\/2020\/04\/18\/conselho-amazonia-mourao.htm\">besetzte Mour&atilde;o den Rat<\/a> mit 19 Heeres- und Luftwaffenoffizieren. Aufgabe des Rates sei, so der General, &bdquo;die Koordinierung und &Uuml;berwachung der &ouml;ffentlichen Politik im brasilianischen Amazonas&ldquo;, insbesondere von &bdquo;Ma&szlig;nahmen zur Verh&uuml;tung, Kontrolle und Unterdr&uuml;ckung illegaler Handlungen&rdquo;. Mit anderen Worten: Amazonien steht unter der Herrschaft der Milit&auml;rs.<\/p><p>Dieser Herrschaft geht jedoch eine jahrzehntelange Vorgeschichte voraus, die Ricardo Cavalcanti-Schiel &ndash; promovierter Anthropologe des brasilianischen Nationalmuseums (UFRJ), derzeit im Dienst der &Eacute;cole des Hautes &Eacute;tudes en Sciences Sociales und des Laboratoire d&rsquo;Anthropologie Sociale des Coll&egrave;ge de France &ndash; in einer <a href=\"https:\/\/www.scielo.br\/scielo.php?script=sci_arttext&amp;pid=S0103-40142009000100011&amp;lang=pt\">Studie aus dem Jahr 2009<\/a> darlegte, in der die nachstehenden Episoden den Leser dabei unterst&uuml;tzen, den Hintergrund der gegenw&auml;rtigen Militarisierung Amazoniens nachzuvollziehen.<\/p><p>Am 16. April 2008 gab der Milit&auml;rkommandeur des Amazonas und gegenw&auml;rtige Geheimdienstchef Bolsonaros, General Augusto Heleno Ribeiro Pereira, seinen Kommandoposten ab, um als Redner an einem vom Milit&auml;rclub in Rio de Janeiro gef&ouml;rderten Seminar mit dem seltsamen und ungew&ouml;hnlich alarmistischen Titel &bdquo;Brasilien, Bedrohung seiner Souver&auml;nit&auml;t&ldquo; aufzutreten. Sorgf&auml;ltig als Kontrapunkt zu Stimmen mit nationalistischem Unterton, aber auch gegen sehr konservative Wortmeldungen programmiert &ndash; wie zum Beispiel der des Juristen Ives Gandra Martins &ndash; standen die brasilianische Indianer-Politik im Amazonasgebiet und die Vermessung indigener Gebiete an der nord&ouml;stlichen Grenze des Bundesstaates Roraima im Mittelpunkt der Debatte.<\/p><p>Die durchschlagenden, kritischen Aussagen General Helenos gegen die offizielle Indianer-Politik der Regierung Luis In&aacute;cio Lula da Silva waren eine Wiederholung seiner eine Woche zuvor auf einer Veranstaltung des Industrieverbandes des Bundesstaates S&atilde;o Paulo (Fiesp) formulierten Attacke. Er f&uuml;hlte sich denn auch vom Obersten Gerichtshof (STF) best&auml;rkt, der gerade den Rausschmiss von (wei&szlig;en) Nicht-Indianern aus dem von Pr&auml;sident Lula in Roraima eingeweihten Indianer-Schutzgebiet Raposa-Serra do Sol mit einer &uuml;berraschenden Verf&uuml;gung unterbrach und Wellen kontroverser Positionen in den brasilianischen Medien schlug.<\/p><p>Einige Wochen vor den bombastischen Erkl&auml;rungen General Helenos hatte sich die Armee geweigert, Nicht-Indianer aus dem Raposa-Serra-do-Sol-Reservat auszuweisen, eine Operation, die schlie&szlig;lich der Bundespolizei zugeschoben und von einer konzertierten politischen Kampagne des von den Milit&auml;rs kontrollierten Brasilianischen Zentrums f&uuml;r strategische Studien (Cebres) begleitet wurde; eine sorgf&auml;ltige Orchestrierung, die als &bdquo;Startrampe&ldquo; f&uuml;r die Rhetorik gegen die staatliche Indianerschutz-Politik des Milit&auml;rkommandanten des Amazonas dienen sollte.<\/p><p>Laut Schiele diente General Helenos Brandrede schlie&szlig;lich als &bdquo;diskursiver Anker&ldquo; f&uuml;r den Alarmismus des Clube Militar von pensionierten Hardliner-Gener&auml;len, dem sich eine schnell entfaltende und aufgebl&auml;hte Rhetorik einer angeblichen, unmittelbaren Bedrohung der nationalen Sicherheit durch eine sogenannte &bdquo;ethnische Balkanisierung&ldquo; anschloss. Diese &bdquo;Balkanisierung&ldquo; werde mit der Instrumentalisierung indigener V&ouml;lker durch internationale NGOs gesteuert, so die Paranoia der olivgr&uuml;nen Kommandeure, und &bdquo;k&ouml;nnte&rdquo; zu einer gef&auml;hrlichen Kaskade von &bdquo;Sezessions&ldquo;-Prozessen im Staatsgebiet, insbesondere in den amazonischen Grenzgebieten f&uuml;hren. Doch schien die &bdquo;amazonische Gefahr&ldquo; eines gewissen &bdquo;gr&uuml;nen Aktivismus&ldquo; gerade vergessen, flammte bald der milit&auml;rische Diskurs von der &bdquo;Gefahr des roth&auml;utigen Aktivismus&ldquo; auf.<\/p><p>Diese Mischung aus internationaler Verschw&ouml;rung durch das angebliche &bdquo;Einsickern von NGO-Aktivisten&ldquo; (Sting, Greenpeace, WWF, u.a.) sowie der angeblichen &bdquo;Instrumentalisierung einer ethnischen&ldquo; Plattform (durch die &bdquo;kommunistisch unterwanderte&ldquo; katholische Kirche) ist seit geraumer Zeit &ndash; so Schiele &ndash; der ideologische Schmelztiegel ultranationalistischer Milit&auml;rs im Bund mit Reserve-Offizieren, die mal ger&auml;uschvoll, mal insgeheim daran arbeiteten, aktive Kommandeure anzulocken und ein Netzwerk in der Zivilgesellschaft mit dem Ziel aufzubauen, die &bdquo;internationale Gier nach Amazonien&ldquo; anzuklagen.<\/p><p>Doch seit der Untersuchung des Anthropologen sind 11 Jahre vergangen, sowohl die ideologische Ausrichtung als auch die politischen Devisen haben sich nach der Macht&uuml;bernahme durch Jair Bolsonaro ge&auml;ndert. Anstelle der &bdquo;Ultranationalisten&ldquo; treten jetzt weitgehend faschistische &bdquo;Globalismus&ldquo;-Kritiker auf, allerdings und paradoxerweise mit zutiefst US-freundlicher Ausrichtung, wie Bolsonaros Angebot an Donald Trump und die gegenw&auml;rtige Amazonas-Politik General Hamilton Mour&atilde;os deutlich machen.<\/p><p><strong>Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Klagen vor dem Haager Strafgerichtshof<\/strong><\/p><p>Am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wurden mittlerweile drei Klagen gegen Jair Bolsonaro wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit protokolliert. Alle drei berufen sich auf solide juristische Argumente gegen das zum Genozid anstiftende Vorgehen Bolsonaros im Rahmen der Covid-19-Pandemie in Brasilien.<\/p><p>Der IStGH unternahm im Mai den ersten Schritt, um ein Verfahren gegen Bolsonaro einzuleiten. Das Gericht k&uuml;ndigte an, die Klage der Demokratischen Partei der Arbeit (PDT) zu pr&uuml;fen, was jedoch noch nicht bedeutet, dass eine Untersuchung eingeleitet wird, sondern nur, dass die vorgebrachten Fakten analysiert werden. In ihrer Klage listet die Partei eine Reihe von Episoden auf, in denen Bolsonaro nicht nur die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des brasilianischen Gesundheitsministeriums aufs Gr&ouml;bste ignorierte, sondern auch zu Demonstrationen f&uuml;r einen Milit&auml;rputsch aufrief, Erkl&auml;rungen gegen soziale Isolation abgab, Ma&szlig;nahmen des brasilianischen Gesundheitsministeriums offen sabotierte und das lebensgef&auml;hrliche Malaria-Medikament Hydroxichloroquin ohne &auml;rztlichen R&uuml;ckhalt propagierte. &Auml;hnlich lautende Klagen wurden von brasilianischen Menschenrechts- und Juristenvereinigungen und Verb&auml;nden der Afrobrasilianer in Den Haag eingereicht.<\/p><p>Wenngleich juristisch kaum widerlegbar und anfechtbar, bleibt abzuwarten, ob der IStGH den ausreichenden Mut zu einem internationalen Urteil besitzt, dass das Fortbestehen des sich zunehmend faschistisch gerierenden Regimes in Brasilia bedrohen k&ouml;nnte.<\/p><p>Titelbild: Zaruba Ondrej\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Jair Bolsonaros programmierter Corona-Genozid der indigenen V&ouml;lker<\/strong><br \/> Selbst konservative brasilianische Medien sprechen es offen aus: Die vom Bolsonaro-Regime programmierte Massenansteckung der Bev&ouml;lkerung, mit 3,3 Millionen Covid-19-Infizierten und 105.000 Toten (Stand: 13. 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