{"id":6408,"date":"2010-08-06T09:31:25","date_gmt":"2010-08-06T07:31:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6408"},"modified":"2014-11-25T09:54:47","modified_gmt":"2014-11-25T08:54:47","slug":"die-bild-zeitung-hetzt-arbeitnehmer-und-rentner-gegen-hartz-iv-empfaenger-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6408","title":{"rendered":"Die Bild-Zeitung hetzt Arbeitnehmer und Rentner gegen Hartz-IV-Empf\u00e4nger auf"},"content":{"rendered":"<p>Was die Bild-Zeitung mit ihrer Kampagne gegen eine Anpassung der Hartz-IV-Regels&auml;tze an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts betreibt, hat kein anderes Ziel als Bev&ouml;lkerungsgruppen gegen Bed&uuml;rftige aufzuhetzen und mit dieser Hetze &ouml;ffentlichen Druck auf die Senkung solcher F&uuml;rsorgeleistungen aufzubauen, auf die gerade diejenigen angewiesen sind, die aufgehetzt wurden. Mit dieser Kampagne wird gleichzeitig einer weiteren Senkung der L&ouml;hne und einer Ausweitung des Niedriglohnsektors Vorschub geleistet.<br>\nEs ist bekannt, dass die Bild-Zeitung &uuml;berwiegend von Menschen mit niedrigem Einkommen gelesen wird. Deshalb ist es geradezu zynisch, dass gerade diese Menschen den Kakao auch noch trinken sollen, durch den sie gezogen werden. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nPeriodisch immer wieder und vor allem dann, wenn die Hartz-IV-Regels&auml;tze ins &ouml;ffentliche Gespr&auml;ch kommen startet die BILD-Zeitung eine Kampagne gegen die Hartz-IV-Empf&auml;nger.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/12\/hartz-iv\/arbeiten-keine-lust,geo=3741330.html\">&bdquo;Wozu Arbeiten? Hartz IV reicht doch!&ldquo;<\/a> lautete die Balken&uuml;berschrift im Februar 2008 und es folgte eine ganze Serie von Artikeln mit Titeln wie <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/11\/arbeit-hartz-iv\/arbeit-lohnt-sich-nicht.html\">&ldquo;Viele Arbeitnehmer bekommen weniger Geld als Hartz IV-Empf&auml;nger&ldquo;<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/02\/05\/hartz-iv\/umziehen-arbeitslose.html\">&bdquo;85% der Arbeitslosen w&uuml;rden f&uuml;r Job nicht umziehen!&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Im Herbst 2008 gab es eine wochenlange Hetzkampagne: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/09\/01\/grosse-hartz-vier-report\/so-wird-der-staat-abgezockt.html\">&bdquo;So einfach ist es den Staat zu beschei&szlig;en&ldquo;<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/09\/02\/hartz-vier-abzocke\/ex-anwalt-hat-schon-1000-polen-zu-deutschen-gemacht.html\">&bdquo;Hartz-IV-Abzocke&ldquo;<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/vermischtes\/2008\/08\/30\/hartz-4-bertrueger\/den-staat-muss-man-schaedigen.html\">&bdquo;Hartz-IV-Betr&uuml;ger&ldquo;<\/a>, da wurden ganzseitig Skandalgeschichten aufgetischt &uuml;ber angebliche Hartz-IV Betr&uuml;ger, die <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/05\/08\/hartz-abzockerin\/hartz-abzocke.html\">im Luxus auf Teneriffa leben, die Villen mit 500 qm bewohnen<\/a>.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich stand die Bild-Zeitung auch Guido Westerwelle zur Seite als dieser nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil &uuml;ber die Hartz-IV-Regels&auml;tze seine uns&auml;gliche Debatte &uuml;ber die angebliche &bdquo;sp&auml;tr&ouml;mische Dekadenz&ldquo; und &uuml;ber den Hereinbrechenden &bdquo;Sozialismus&ldquo; lostrat. Oft bediente sich Bild dabei <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/01\/22\/hartz-iv-diskussion\/fuer-viele-lohnt-sich-arbeit-kaum-noch.html\">dubioser<\/a> oder gar <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/16128\/wie-sich-alle-mit-hartz-iv-verrechnen\/\">verf&auml;lschender Statistiken<\/a> (<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/02\/08\/hartz-iv-studie\/in-diesen-branchen-lohnt-sich-arbeit-nicht-mehr.html\">&bdquo;In diesen Branchen lohnt sich Arbeit nicht mehr!&ldquo;<\/a>) oder spannte notorische Sozialstaatsgegner, wie den Freiburger &bdquo;Sozialexperten&ldquo; Raffelh&uuml;schen, vor ihren Karren (<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/02\/13\/hartz-iv-streit\/7-bittere-wahrheiten-ueber-hartz-iv.html\">&bdquo;Sieben bittere Wahrheiten &uuml;ber Hartz IV&ldquo;<\/a>) <\/p><p>Bild machte f&uuml;r den <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/01\/18\/hartz-iv-debatte-um-arbeitspflicht\/sind-hartz-iv-empfaenger-wirklich-faul.html\">Arbeitszwang Stimmung<\/a>.<br>\nIch k&ouml;nnte noch zahlreiche weitere Belege f&uuml;r solche Hetzkampagnen anf&uuml;hren.<br>\nW&auml;re die Bild-Zeitung allein geblieben, k&ouml;nnte man sagen, na ja, typisch f&uuml;r dieses rechte Boulevard-Blatt, aber nur allzu h&auml;ufig <a href=\"?p=4568\">plapperten die sog. Qualit&auml;tsmedien einfach nach<\/a>.<\/p><p>Kaum war dieser Tage bekannt geworden, dass im Sozialministerium der Auflage des Bundesverfassungsgerichts nachgegangen wird, die Hartz-IV-Regels&auml;tze auf eine verfassungsrechtliche Grundlage zu stellen, setzte eine neue Hatz ein. Mit <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/07\/31\/hartz-iv-bundesregierung-plant-korrekturen-bei-sozialen\/hilfs-leistungen-jetzt-kommt-die-grosse-hartz-iv-reform.html\">&bdquo;Kommt jetzt die gro&szlig;e Hartz-IV-Reform?&ldquo;<\/a> ging es am 31. Juli los. Mit dem Aufmacher und Riesenlettern <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/08\/02\/hartz-iv\/arbeitsministerium-plant-regelsatzerhoehung.html\">&bdquo;Mehr Geld f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger&ldquo;<\/a> ging es weiter und einen Tag sp&auml;ter sah sich Ministerin von der Leyen vor die Frage gestellt: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/08\/03\/arbeitsministerin-ursula-von-der-leyen-interview\/lohnt-sich-arbeiten-in-deutschland-noch.html\">&bdquo;Ist das gerecht, Frau Ministerin&ldquo;<\/a>. Bild kann mit seinen Kampagnen jedes Kabinettmitglied einbestellen. <\/p><p>Wieder einmal wurde eine <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/08\/02\/hartz-iv\/tabelle-verweis,property=Download.gif\">Tabelle angef&uuml;hrt<\/a>, diesmal wurde als vertrauensw&uuml;rdige Quelle die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit genannt. In dieser Tabelle werden Leistungen f&uuml;r Alleinerziehende von 819 Euro bis zu Paaren mit vier oder mehr Kindern bis zu 1594 Euro aufgef&uuml;hrt. Um die Zahlen m&ouml;glichst hoch zu setzen werden der Regelsatz plus Kosten f&uuml;r Unterkunft, Heizung sowie Einmalleistungen (z.B. bei der Geburt eines Kindes) und Sozialversicherungsbeitr&auml;ge (Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung), also s&auml;mtliche theoretisch denkbare Leistungen addiert.<br>\n(Nicht erw&auml;hnt wurde nat&uuml;rlich, dass mit dem sog. &bdquo;Sparpaket&ldquo; drastische K&uuml;rzungen beim Wohngeld (Heizungszuschuss), beim Elterngeldgesetz und bei den Zusch&uuml;ssen f&uuml;r die Beitr&auml;gen zur Rentenversicherung vorgenommen wurden.  <\/p><p>Dass die Tabelle eine suggestive Scheinrechnung darstellt, ergibt sich schon daraus, dass der Staat angeblich heute schon durchschnittlich 851 Euro pro Hartz-IV-Haushalt (also im Schnitt f&uuml;r ein Ehepaar und mit einer durchschnittlichen Zahl an Kindern) bezahle. Schon aus diesem Durchschnittswert wird erkennbar, dass die in der Tabelle genannten H&ouml;chstbetr&auml;ge allenfalls im theoretischen Ausnahmefall anfallen. Dass sich solche H&ouml;chsts&auml;tze im Promillebereich der Hartz-IV-Empf&auml;nger bewegen, hat Helga Spindler <a href=\"?p=1668\">&bdquo;Ist das Existenzminimum f&uuml;r arme Familien zu hoch?&ldquo;<\/a> auf den NachDenkSeiten dargestellt. <\/p><p>Nur ganz selten hat die Bild-Zeitung einmal nach dem Bedarf von Hartz-IV-Empf&auml;ngern gefragt und schon gar nicht &ndash; wie es etwa das Bundesverfassungsgericht als vom Grundgesetz gefordert festgestellt hat &ndash; nach dem sozio-kulturellen Existenzminimum: <em>&bdquo;Art.&nbsp;1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art.&nbsp;20 Abs. 1 GG sichert jedem Hilfebed&uuml;rftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die f&uuml;r seine physische Existenz und f&uuml;r ein Mindestma&szlig; an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerl&auml;sslich sind&hellip;&ldquo;<\/em> (Bundesverfassungsgericht).<\/p><p>Nein, die Methode der Bild-Zeitung ist eine andere: Sie sch&uuml;rt systematisch den Neid anderer gesellschaftlicher Gruppen, die selbst auch ein geringes Einkommen haben, auf das arbeitslose Einkommen von Hartz-IV-Empf&auml;ngern. Sei es, dass behauptet wird, Hartz-IV-Empf&auml;nger h&auml;tten mehr Geld als Arbeitnehmer, die einer harten Arbeit nachgingen oder &ndash; wie zuletzt &ndash; werden die Rentner damit aufgestachelt, dass diese Nullrunden hinnehmen m&uuml;ssten, <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/08\/03\/arbeitsministerin-ursula-von-der-leyen-interview\/lohnt-sich-arbeiten-in-deutschland-noch.html\">&bdquo;w&auml;hrend Arbeitslose regelm&auml;&szlig;ig Erh&ouml;hungen bekommen&ldquo;<\/a>. Und schlie&szlig;lich sollen alle Steuerzahler gegen die Empf&auml;nger staatlicher Transferleistungen aufgebracht werden, indem Hartz-IV-Empf&auml;nger als &bdquo;Abzocker&ldquo; oder gar &bdquo;Betr&uuml;ger&ldquo; abgestempelt werden. <\/p><p>Bild sch&uuml;rt also Neid und die Wut von Menschen, indem man ihnen vorgaukelt, sie w&uuml;rden von Hartz-IV-Empf&auml;ngern ausgenommen. <\/p><p>&sect; 130 Strafgesetzbuch versteht unter &bdquo;Volksverhetzung&ldquo;:<\/p><blockquote><p>Wer in einer Weise, die geeignet ist, den &ouml;ffentlichen Frieden zu st&ouml;ren,<\/p>\n<ol>\n<li>zum Hass gegen Teile der Bev&ouml;lkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willk&uuml;rma&szlig;nahmen gegen sie auffordert oder<\/li>\n<li>die Menschenw&uuml;rde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bev&ouml;lkerung beschimpft, b&ouml;swillig ver&auml;chtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu f&uuml;nf Jahren bestraft.<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote><p>In vielen Artikeln der Bild-Zeitung sind die meisten Tatbestandsmerkmale dieses  Paragrafen objektiv erf&uuml;llt, es werden aber  &ndash; beraten von Juristen &ndash; ganz bewusst immer Formulierungen gew&auml;hlt, die eine Anzeige haarscharf ins Leere laufen lassen w&uuml;rden.<\/p><p>Die am h&auml;ufigsten benutzte Polemik gegen die Hartz-IV-Leistungen ist, dass jemand der hart arbeitet mehr haben muss, als jemand der Sozialleistungen in Anspruch nimmt. Oft wird dabei<br>\ndas sog. &bdquo;Lohnabstandsgebot&ldquo; in den Mund genommen. Dabei werden jedoch die Zusammenh&auml;nge bewusst auf den Kopf gestellt: Nicht die niedrigen Erwerbseinkommen werden als zu gering erachtet, sondern die staatlichen F&uuml;rsorgeleistungen als zu hoch. <\/p><p>Wenn sich aber jemand vom Lohnabstandsgebot verabschiedet hat, dann sind es die Arbeitgeber mit nachdr&uuml;cklicher Hilfe durch die Politik. Es war das ausgesprochene Ziel der Hartz-Gesetze, den Niedriglohnsektor zu vergr&ouml;&szlig;ern. Dieses Ziel wurde erreicht, denn mittlerweile sind rund 6,5 Millionen Besch&auml;ftigte Geringverdiener. Davon sind 1,3 Millionen sog. &bdquo;Aufstocker&ldquo;, deren Verdienst unterhalb des Existenzminimums liegt und die zus&auml;tzlich Leistungen nach Hartz IV <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/waz\/montagsoekonom\/Arbeit-muss-sich-lohnen-id2569669.html\">beziehen m&uuml;ssen um zu &uuml;berleben<\/a>.<\/p><p>Es ist also gerade umgekehrt: Nicht etwa die &bdquo;Aufstocker&ldquo; nutzen den Staat aus, sondern die Aufk&uuml;ndigung des Lohnabstandsgebots vom Existenzminimum von Seiten der Arbeitgeber hat zu massivem Missbrauch des Sozialsystems gef&uuml;hrt. Die Subvention von niedrigen L&ouml;hnen kostet den Staat rund 9,3 Milliarden Euro. Von dieser &bdquo;Abzocke&ldquo; liest man in der Bild-Zeitung bestenfalls mal irgendwo am Rande. Zu einer der ber&uuml;chtigten Balkenschrift-Schlagzeilen hat es dieser Skandal jedenfalls nie geschafft. <\/p><p>Der Lohnabstand zum Existenzminimum ist in der gegenw&auml;rtigen Arbeitsmarktlage nur mit Mindestl&ouml;hnen und gleicher Bezahlung f&uuml;r Leiharbeitnehmer herzustellen. Das Bremer Institut f&uuml;r Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe hat deshalb konsequenterweise, die gesetzliche Einf&uuml;hrung eines &bdquo;Lohnanstandsgebots&ldquo; in &sect; 121 SGB III und &sect; 10 SGB II <a href=\"upload\/pdf\/100217_hinweise%20_lohnanstand_2010_vorschlag.pdf\">gefordert [PDF &ndash; 90 KB]<\/a>.<\/p><p>Aber auch die Behauptung, dass hart arbeitende B&uuml;rger letztlich weniger oder nur so viel wie Hartz-IV-Empf&auml;nger in der Tasche h&auml;tten, ist falsch. Selbst die schon genannten &bdquo;Aufstocker&ldquo;, also Menschen mit &bdquo;L&ouml;hnen&ldquo; unterhalb des Existenzminimums, stehen besser da als die Leute, die mit Hartz-IV auskommen m&uuml;ssen. &bdquo;Aufstocker&ldquo; bekommen n&auml;mlich durch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeitslosengeld_II#Freibetrag_als_Anreiz_f.C3.BCr_Erwerbst.C3.A4tigkeit\">&bdquo;Freibetr&auml;ge als Anreiz f&uuml;r Erwerbst&auml;tigkeit&ldquo;<\/a> einen deutlich h&ouml;heren Betrag. Bildblog hat ausgerechnet, dass das selbst im Extremfall immerhin noch zus&auml;tzlich <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/16128\/wie-sich-alle-mit-hartz-iv-verrechnen\/\">286,20 Euro sind<\/a>. &bdquo;Austocker&ldquo; m&uuml;ssen anders als Hartz-IV-Empf&auml;nger auch nicht ihr Verm&ouml;gen aufzehren und in &bdquo;Bed&uuml;rftigkeit&ldquo; fallen, bevor sie Wohngeld beantragen k&ouml;nnen. <\/p><p>Wer &ndash; wie etwa auch Westerwelle &ndash;  mit der Parole durchs Land zieht, Arbeit m&uuml;sse sich lohnen, zielt angesichts des auswuchernden Niedriglohnsektors nicht etwa auf h&ouml;here L&ouml;hne, sondern auf die Absenkung der an der Bed&uuml;rftigkeit orientierten Sozialtransfers. Es ist schon eine perverse Logik, die mit dem Schlachtruf &bdquo;Arbeit muss sich lohnen&ldquo; verkn&uuml;pft ist: Da wurde politisch der Niedrigsektor massiv vorangetrieben und jetzt, da die L&ouml;hne immer weiter absinken, wird politisch gegen die H&ouml;he der F&uuml;rsorges&auml;tze polemisiert. <\/p><p>Aber auch dieser b&ouml;sartigen Agitation muss man die Tatsache entgegenhalten, dass wer arbeitet <strong>immer<\/strong> ein h&ouml;heres Einkommen hat, als derjenige, der nicht arbeitet und zwar durch das &bdquo;Aufstocken&ldquo; und durch den anrechnungsfreien <a href=\"http:\/\/www.ak-sozialpolitik.de\/dukumente\/2010\/2010-02-15%20Westerwelle.pdf\">Hinzuverdienst [PDF &ndash; 178 KB]<\/a>. Auch solche Haushalte mit Niedrigsteinkommen k&ouml;nnen Wohngeld oder einen Kinderzuschlag beantragen.<br>\nNach Berechnungen des Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverbandes ist selbst bei niedrigsten Stundenl&ouml;hnen von unter sechs Euro ein Abstand zu Hartz IV gegeben &ndash; je nach Haushaltstyp <a href=\"http:\/\/www.der-paritaetische.de\/245\/?tx_ttnews[tt_news]=3655&amp;cHash=11f04200ea\">zwischen 260 und 900 Euro<\/a>.<\/p><p>&Auml;hnlich infam ist die j&uuml;ngste Aufstachelung der Rentner gegen die Hartz-IV-Empf&auml;nger durch die Bild-Zeitung. Gerade dieses Blatt, das vereint mit der Allianz-Versicherung und der &uuml;brigen Versicherungswirtschaft in massivster Weise f&uuml;r den Rentenabbau und die private Vorsorge <a href=\"?p=305\">getrommelt hat<\/a>, hetzt nun die Menschen, die nur noch eine niedrige Rente bekommen gegen die Hartz-IV-Empf&auml;nger auf. <\/p><p>Die Rente ist leistungsbezogen und bemisst sich an fr&uuml;herem Einkommen. Wenn f&uuml;r viele Menschen die Beitragsleistungen durch Arbeitslosigkeit oder durch Niedrigl&ouml;hne diese Beitr&auml;ge gesunken sind und damit deren Rentenleistungen auf dem Niveau der Grundsicherung landen, so ist wiederum die Lohnsenkungspolitik und die Arbeitslosigkeit der Skandal, aber nicht die Anpassung der Regelleistungen f&uuml;r Hartz-IV an das vom Bundesverfassungsgericht geforderte Existenzminimum. Im &Uuml;brigen steht auch kein Rentner schlechter da als ein Hartz-IV-Empf&auml;nger, denn wenn seine Rente unter der Armutsgrenze liegt, dann steht im als Minimum auch diese Grundsicherung zu.<\/p><p>Fazit: Was die Bild-Zeitung mit ihrer Kampagne gegen eine Anpassung der Hartz-IV-Regels&auml;tze an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts betreibt, hat kein anderes Ziel als Bev&ouml;lkerungsgruppen gegen Bed&uuml;rftige aufzuhetzen und mit dieser Hetze &ouml;ffentlichen Druck auf die Senkung solcher F&uuml;rsorgeleistungen aufzubauen, auf die gerade diejenigen angewiesen sind, die aufgehetzt wurden. Mit dieser Kampagne wird gleichzeitig einer weiteren Senkung der L&ouml;hne und einer Ausweitung des Niedriglohnsektors Vorschub geleistet. Es ist bekannt, dass die Bild-Zeitung &uuml;berwiegend von Menschen mit niedrigem Einkommen gelesen wird. Deshalb ist es geradezu zynisch, dass gerade sie den Kakao auch noch trinken sollen, durch den sie gezogen werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die Bild-Zeitung mit ihrer Kampagne gegen eine Anpassung der Hartz-IV-Regels&auml;tze an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts betreibt, hat kein anderes Ziel als Bev&ouml;lkerungsgruppen gegen Bed&uuml;rftige aufzuhetzen und mit dieser Hetze &ouml;ffentlichen Druck auf die Senkung solcher F&uuml;rsorgeleistungen aufzubauen, auf die gerade diejenigen angewiesen sind, die aufgehetzt wurden. 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