{"id":64168,"date":"2020-08-28T09:01:01","date_gmt":"2020-08-28T07:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64168"},"modified":"2020-08-31T11:51:49","modified_gmt":"2020-08-31T09:51:49","slug":"tatort-wolfsburg-vw-diktiert-preise-hungert-zulieferer-aus-und-feuert-den-verraeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64168","title":{"rendered":"Tatort Wolfsburg: VW diktiert Preise, hungert Zulieferer aus \u2013 und feuert den Verr\u00e4ter"},"content":{"rendered":"<p>Volkswagen erlebt den &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Abh&ouml;rskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte&ldquo; und kaum einer kriegt`s mit. &Uuml;ber Monate wurden die Sitzungen einer konzerninternen Sondereinheit zum Umgang mit dem missliebigen Zulieferer Prevent durch einen Manager abgeh&ouml;rt. Der Fall hat das Zeug zum Krimi: Der Maulwurf wurde enttarnt, vor die T&uuml;r gesetzt und ist jetzt wahrscheinlich tot. Zu einer verkohlten Leiche kommen ein verbranntes Haus und allerhand Interna aus der Rubrik &ldquo;Wie serviert man einen Gesch&auml;ftspartner ab?&rdquo;. Auch Ex- und Autokanzler Schr&ouml;der spielt eine Rolle. Welche, beh&auml;lt er f&uuml;r sich. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9734\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-64168-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=64168-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200828_Tatort_Wolfsburg_VW_diktiert_Preise_hungert_Zulieferer_aus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die US-Consultingfirma Environmental Health Analytics (LLC) hat 2019 in einer Studie versucht zu ermitteln, wie viele Menschen wegen des &uuml;berm&auml;&szlig;igen Aussto&szlig;es von Feinstaub, Stickoxiden und Stickdioxiden ihr Leben lassen.* Ergebnis: Jahr f&uuml;r Jahr soll es weltweit 107.000 vorzeitige Sterbef&auml;lle nur im Zusammenhang mit Dieselabgasen geben. Allein aufgrund nicht eingehaltener Grenzwerte w&auml;ren im globalen Ma&szlig;stab <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/umwelt\/diesel-stickoxide-toeten-menschen100.html\">jedes Jahr 38.000 Opfer zu beklagen, davon 11.400 in Europa<\/a>. Die Belastbarkeit solcher Daten sei dahingestellt und offen bleibt auch, wie gro&szlig; der Beitrag von Volkswagen an den Verlusten an Menschenleben ist. Aber fraglos haben die Wolfsburger reichlich Schuld auf sich geladen. <\/p><p>Zu den kritikw&uuml;rdigen Vorg&auml;ngen im VW-&bdquo;Dunstkreis&ldquo; ist inzwischen ein Todesfall hinzugekommen.* Ob dieser auf das Konto des deutschen Weltkonzerns geht, ist l&auml;ngst nicht ausgemacht und soll hier auch nicht behauptet werden. Trotzdem ist die Angelegenheit h&ouml;chst brisant und k&ouml;nnte noch sehr ungem&uuml;tlich werden f&uuml;r die Volkswagen-F&uuml;hrungsetage. Denn nach dem kostspieligen und f&uuml;r das Image verheerenden Dieselskandal wirft der Fall ein Schlaglicht auf ein anderes Merkmal des VW-Systems: Den rigorosen Umgang mit seinen Zulieferern.  <\/p><p><strong>Mutma&szlig;lich toter Spitzel<\/strong><\/p><p>Was ist passiert? Am 10. August war in einem Waldst&uuml;ck nahe Rottorf im Landkreis Helmstedt in einem ausgebrannten Auto die v&ouml;llig verkohlte Leiche eines Mannes gefunden worden. Zwei Tage sp&auml;ter berichteten zuerst die &bdquo;Wolfsburger Nachrichten&ldquo;, dass es sich bei dem Toten um die zentrale Figur der &bdquo;VW-Abh&ouml;raff&auml;re&ldquo; handeln w&uuml;rde, jenen Volkswagen-Manager, der &uuml;ber ein Jahr lang interne Strategiesitzungen zum Umgang mit der renitenten Zuliefergruppe Prevent per Tonband aufgezeichnet haben soll. <\/p><p>Erst 14 Tage nach der Entdeckung teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit, dass es sich bei dem Toten gem&auml;&szlig; DNA-Analyse um den Fahrzeughalter handelt. Allerdings wollte Staatsanw&auml;ltin Julia Meyer am Donnerstag auf Anfrage der NachDenkSeiten nicht abschlie&szlig;end best&auml;tigen, dass die Person auch identisch mit dem Spitzel im VW-Spionagefall ist. Korrekterweise muss man also weiterhin von dem mutma&szlig;lich toten Maulwurf sprechen. Nicht endg&uuml;ltig gekl&auml;rt sei ferner die Todesursache, wobei vieles auf einen Suizid hindeute. Schon zehn Tage zuvor hatte es gehei&szlig;en, dass sich &bdquo;keine Hinweise auf ein Fremdverschulden durch &auml;u&szlig;ere Gewaltanwendung&ldquo; h&auml;tten finden lassen. <\/p><p>Die Staatsanwaltschaft selbst ist schon seit rund drei Wochen mit dem Fall befasst. Wenige Tage zuvor hatte VW Strafanzeige gegen den Ende Juli enttarnten und umgehend freigestellten Mitarbeiter gestellt. Wenig sp&auml;ter ging dann durch die Presse, dass auf das Haus des Betroffenen in einem nieders&auml;chsischen Dorf bereits Ende Mai ein Brandanschlag ver&uuml;bt worden ist. Das Geb&auml;ude wurde dabei v&ouml;llig zerst&ouml;rt, Menschen kamen nicht zu Schaden. Ein Zusammenhang zwischen dem Vorfall und den heimlichen Aufnahmen werde gepr&uuml;ft, teilten die Fahnder mit. Im Raum steht zudem der Verdacht eines versuchten Versicherungsbetrugs. Wobei auch hier die letzte Gewissheit fehlt, dass der Hausbesitzer auch wirklich der ertappte Spion ist. Staatsanw&auml;ltin Meyer sagte lediglich, &bdquo;der Eigner entspricht dem Fahrzeughalter&ldquo;. <\/p><p><strong>&bdquo;Am Rande der Illegalit&auml;t&ldquo;<\/strong><\/p><p>&Ouml;ffentlich gemacht wurden die sogenannten VW-Tapes vor einem Monat durch das Onlinemagazin &bdquo;Business Insider&ldquo;, das zur Axel-Springer-Holding geh&ouml;rt. Nach den Recherchen hat ein leitender Mitarbeiter in den Jahren 2017 und 2018 die Gespr&auml;chsinhalte von 35 Treffen der Sondereinheit &bdquo;Projekt&thinsp;1&ldquo; systematisch aufgezeichnet. Die Taskforce war mit dem Segen des VW-Konzernvorstands eingerichtet worden, um Wege zu finden, die bosnische Prevent-Gruppe nach &uuml;ber vierzigj&auml;hriger Zusammenarbeit &bdquo;auszusteuern&ldquo;, also abzuservieren. Die Mitschnitte im Umfang von fast 50 Stunden dokumentierten &bdquo;eindr&uuml;cklich&ldquo;, mit welchen Mitteln der Autobauer &bdquo;nicht selten am Rande der Illegalit&auml;t&ldquo; einen missliebigen Gesch&auml;ftspartner abservieren wollte, <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/mobility\/vw-tapes-abhoeraffaere-volkswagen-geheime-sitzungen-zulieferer-prevent\/\">schrieb das Magazin Ende Juli<\/a>.<\/p><p>Mit der bosnischen Prevent-Gruppe des Eigners Nijaz Hastor hatte Volkswagen schon seit l&auml;ngerem im Clinch gelegen. Die Zusammenarbeit, die jahrzehntelang ziemlich reibungslos gelaufen war, gestaltete sich seit 2010 offenbar wegen des starken Preisdrucks der Wolfsburger und fristlos stornierter Auftr&auml;ge zunehmend schwieriger. W&auml;hrend andere Zulieferer sich dem Diktat f&uuml;gten, setzten die Bosnier auf Konfrontation, die 2016 in einem Lieferstopp gipfelte: Als zwei Prevent-Tochterfirmen den Nachschub an Getriebegeh&auml;usen und Sitzbez&uuml;gen einstellten, musste VW die Produktion von Golf- und Passat-Modellen tagelang aussetzen, Tausende Besch&auml;ftigte in Kurzarbeit schicken und Millionenverluste hinnehmen. VW streckte daraufhin die Waffen, forcierte aber zugleich Pl&auml;ne, Prevent ein f&uuml;r allemal rauszuwerfen, was schlie&szlig;lich 2018 mit der K&uuml;ndigung s&auml;mtlicher Vertr&auml;ge erfolgte.<\/p><p><strong>Wer stark ist, kann sich wehren <\/strong><\/p><p>Freilich mutma&szlig;t man bei Volkswagen, dass Prevent hinter dem Lauschangriff steckt, und will den Fall vor Gericht untersuchen lassen. Wohl auch, weil die kompromittierenden Inhalte der B&auml;nder ohnehin schon raus sind, setzen die Bosse auf die Taktik Vorw&auml;rtsverteidigung und pr&auml;sentieren sich als Opfer finsterer Machenschaften. Dabei spielt ihnen in die Karten, dass bisher s&auml;mtliche Streitf&auml;lle um angedrohte und erfolgte Lieferstopps zu ihren Gunsten entschieden wurden. Auch nach dem &bdquo;S&uuml;ndenfall&ldquo; im Jahr 2016 setzte es f&uuml;r die Bosnier eine Strafe. &bdquo;Business Insider&ldquo; gab dazu einen Unternehmenssprecher wieder: &bdquo;Ein Gericht hat klar formuliert, dass ein Prevent-Unternehmen &sbquo;mit den Mitteln der Erpressung&lsquo; agiert hat, andere Gerichte haben angesichts des Verhaltens von Prevent einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zugunsten der Volkswagen AG eingefroren.&ldquo;<\/p><p>Hier soll es nicht darum gehen, Prevent zum Unschuldslamm zu verkl&auml;ren. Laut Deutscher Welle (DW) gilt die Gruppe in ihrer Heimat als <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ein-toter-und-der-streit-zwischen-volkswagen-und-seinem-zulieferer-prevent\/a-54608063\">&bdquo;Prototyp eines Spielers aus der Phase des aggressiven Kapitalismus nach Ende des Balkankrieges&ldquo;<\/a>. Dem Unternehmen eile der Ruf als &bdquo;unsozialer Arbeitgeber mit inkompetentem Management voraus, was regelm&auml;&szlig;ig zu Streiks und Klagen f&uuml;hrte&ldquo;. Am wirtschaftlichen Erfolg der Firma best&uuml;nden dagegen keine Zweifel, weltweit besch&auml;ftige sie &bdquo;mehr als 10.000&ldquo; Menschen, davon allein 7.500 in Bosnien. Die &ouml;konomische St&auml;rke hat aus Sicht der Fahrzeugbauer nat&uuml;rlich auch eine Kehrseite: Prevent kann sich wehren und hat dies wiederholt bewiesen. <\/p><p>Den Vorwurf der &bdquo;Erpressung&ldquo; reicht Prevent dann auch direkt an den Absender zur&uuml;ck und will selbst rechtliche Schritte gegen den Autokonzern pr&uuml;fen. &bdquo;Den Medienberichten zufolge stehen hier Verst&ouml;&szlig;e gegen das Kartellrecht, m&ouml;gliche Aktien-Insider-Transaktionen, Falschaussagen gegen&uuml;ber Beh&ouml;rden und Gerichten sowie ein inakzeptabler Umgang mit vielen Zulieferern im Raum&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/region\/id_88297526\/spitzelaffaere-prevent-droht-vw-mit-rechtlichen-schritten.html\">lie&szlig; sich ein Firmensprecher zitieren<\/a>. &bdquo;Dies sollte die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden auf den Plan rufen.&ldquo; Bis heute wird spekuliert, ob hinter dem Konflikt in Wahrheit ein Preiskampf stand. Wegen der immensen Kosten durch den Dieselskandal musste Volkswagen 2016 seinen K&uuml;rzungskurs bei der ohnehin renditeschwachen Kernmarke VW versch&auml;rfen. <\/p><p><strong>Exempel statuiert?<\/strong><\/p><p>War die harte Gangart mit Prevent und der Rauswurf vielleicht nur ein Man&ouml;ver, um sich insgesamt noch mehr Beinfreiheit im Umgang mit den Zulieferern zu verschaffen? Die Bosnier stellen dies jedenfalls so dar und sprechen von &bdquo;kriminellem Verhalten&ldquo;. Volkswagen sei offenbar besessen gewesen von dem Gedanken, &bdquo;Prevent und seine Tochterunternehmen um jeden Preis zu vernichten&ldquo;, beklagte der Sprecher. VW habe seine &bdquo;extreme Marktmacht r&uuml;cksichtslos&ldquo; eingesetzt, auch um ein &bdquo;&ouml;ffentliches Exempel&ldquo; zu statuieren. Das System Volkswagen sei grunds&auml;tzlich nicht an einer partnerschaftlichen Kooperation interessiert und lasse &bdquo;jedem Zulieferer so viel Luft zum Atmen, dass er gerade nicht pleitegeht und in maximale Abh&auml;ngigkeit ger&auml;t&ldquo;.<\/p><p>Der Lieferzoff 2016 war laut Business Insider die Geburtsstunde von &bdquo;Projekt 1&ldquo;, deren Sitzungen zwischen Januar 2017 und Februar 2018 von jenem leitenden Mitarbeiter mitgeschnitten wurden, der jetzt (wahrscheinlich) tot ist. Was er auf Band festgehalten hat, birgt reichlich Sprengkraft. Zum Beispiel sollen die Aufzeichnungen Hinweise darauf liefern, wie VW 2018 bei der &Uuml;bernahmeschlacht um den bayerischen Zulieferer Grammer darauf hinwirkte, dass das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng das Rennen machte. Nicht nur war dessen drittgr&ouml;&szlig;ter Kunde damals VW. Mit dem Deal wurde ganz nebenbei auch die Prevent-Gruppe kaltgestellt, die selbst 19 Prozent bei Grammer hielt und nach der Schlappe das Weite suchte . <\/p><p><strong>Mittelst&auml;ndler aushungern <\/strong><\/p><p>Um die Bosnier auszubooten, soll es ferner &bdquo;konkrete &Uuml;berlegungen&ldquo; gegeben haben, dass VW, Daimler und BMW sich gemeinsam bei Grammer einkaufen, um die renitenten Zulieferer abzuwehren. Obwohl entsprechende &Auml;u&szlig;erungen per Tonbandmitschnitt belegt sein sollen, bestritt VW auf Anfrage von &bdquo;Business Insider&ldquo; abgestimmte Handlungen der drei gr&ouml;&szlig;ten deutschen Autohersteller. Das Thema Grammer gestattet zudem R&uuml;ckschl&uuml;sse auf das Verh&auml;ltnis zu anderen Zulieferern. Ein Manager wird so zitiert: &bdquo;Wenn wir jetzt gewisse Mittelst&auml;ndler da aushungern lassen, und wir sagen, da einigen wir uns erstmal nicht, das k&ouml;nnten dann genau die sein, wo die Eigent&uuml;merstruktur sagt: Ey, ihr k&ouml;nnt mich mal. Ich verkauf das jetzt an den Prevent.&ldquo; Eine Kollegin fragt daraufhin: &bdquo;Wo haben wir Lieferanten, die stark an dem Stahlpreis h&auml;ngen, im Moment relativ klein sind und die wir aushungern?&ldquo; <\/p><p>Wie das Magazin <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/mobility\/vw-tapes-spion-hoerte-verhandlung-mit-zulieferer-prevent-ab-und-zeichnete-sogar-privatgespraeche-mit-den-kollegen-auf\/\">in einem weiteren Beitrag nachlegte<\/a>, dokumentieren die Audiob&auml;nder auch damalige Verhandlungen zwischen Volkswagen- und Prevent-Managern. Ein Gespr&auml;ch fand am 11. April 2017 statt. Dabei bekundeten die VW-Mitarbeiter, die Kooperation vertragsgem&auml;&szlig; bis 2024 und wom&ouml;glich dar&uuml;ber hinaus fortf&uuml;hren zu wollen. Andere Aufzeichnungen belegen dagegen, dass zu diesem Zeitpunkt l&auml;ngst feststand, die Bosnier vor die T&uuml;r zu setzen. Nachdem der Prevent-Mitarbeiter nach besagtem Treffen das Zimmer verlassen hatte, &auml;u&szlig;erte ein VW-Mann: &bdquo;Er hat nichts mitgeschrieben&ldquo;, falls es sp&auml;ter Probleme gebe, w&auml;re man &bdquo;zu dritt&ldquo; gewesen und er &bdquo;alleine&ldquo;.<\/p><p>Bei einer Sitzung im M&auml;rz 2017 gab eine Managerin zu bedenken: &bdquo;Ich wei&szlig; nicht, wie das rechtlich zu bewerten ist, wenn wir gefragt werden, ob wir Prevent aussteuern. Was sollen wir dann sagen: N&ouml;? Ich w&uuml;rde das gerne gar nicht ansprechen.&ldquo; Man werde sagen, sich an geschlossene Vereinbarungen zu halten und regelm&auml;&szlig;ig die Basis der Gesch&auml;ftsbeziehungen zu &uuml;berpr&uuml;fen, empfahl eine anwesende Unternehmenssprecherin. Die Zweiflerin &uuml;berzeugte das nicht: &bdquo;Kann man das rechtlich so stehen lassen, wenn wir jetzt schon wissen, dass wir geschlossene Vereinbarungen k&uuml;ndigen wollen?&ldquo; Mit diesen Passagen konfrontiert, beschied die VW-Pressestelle, entscheidend seien nicht die Gedankenspiele der Projektgruppe, sondern die umgesetzten Ma&szlig;nahmen.<\/p><p><strong>Ex-Kanzler &bdquo;einschalten&ldquo; <\/strong><\/p><p>Wie die B&auml;nder ferner belegen, hat man bei VW schon l&auml;nger geahnt, Ziel von Spionage zu sein. &bdquo;Wir sind gl&auml;sern&ldquo;, man wisse, &bdquo;dass die Prevent-Gruppe alles wei&szlig;, was wir tun&ldquo;, es k&ouml;nne sein, &bdquo;dass hier etwas unter dem Tisch klebt&ldquo;, lie&szlig; eine Managerin verlauten. Schon Anfang 2018 soll es konkrete Hinweise auf einen Spitzel gegeben haben. Dabei kam der Tip ausgerechnet von Prevent. In zahlreichen Briefen an Aufsichtsr&auml;te und Vorst&auml;nde hatten die Bosnier Volkswagen in Kenntnis gesetzt, geheime Unterlagen zugespielt bekommen zu haben. Die Schreiben gingen unter anderem auch an Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens SPD-Ministerpr&auml;sident Stephan Weil, der f&uuml;r das Bundesland als gro&szlig;er Anteilseigner im Aufsichtsrat sitzt.  <\/p><p>Diese Vorg&auml;nge lassen zumindest daran zweifeln, dass Prevent als Auftraggeber agiert und seinen V-Mann aus dem Weg ger&auml;umt haben k&ouml;nnte. Dagegen k&ouml;nnte ein fr&uuml;her &bdquo;Durchblick&ldquo; der VW-F&uuml;hrung den Schluss nahelegen, dass der Ertappte schon sehr viel l&auml;nger unter Druck gestanden hat. Aber das alles ist Spekulation und es bleibt abzuwarten, ob und was die Staatsanwaltschaft an Erkenntnissen ans Licht bef&ouml;rdert. Der Beschuldigte selbst hatte bei einer Befragung abgestritten, seinen Arbeitgeber hintergangen zu haben. Die Aufnahmen h&auml;tten lediglich der Anfertigung von Gespr&auml;chsprotokollen gedient. <\/p><p>Zum Schluss noch eine Merkw&uuml;rdigkeit: Obwohl &auml;u&szlig;erst spektakul&auml;r und als &bdquo;gr&ouml;&szlig;ter Abh&ouml;rskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte&ldquo; gehandelt, berichten die Massenmedien ziemlich verhalten &uuml;ber den Fall. Vor allem bediente sich bisher kaum eine Redaktion aus dem umfassenden Material, das &bdquo;Business Insider&ldquo; ver&ouml;ffentlicht hat und das noch reichlich mehr Erhellendes offenbart. So ist auf den B&auml;ndern wiederholt auch der Name von Ex-Kanzler Gerhard Schr&ouml;der zu h&ouml;ren. Dieser habe sich &bdquo;eingeschaltet&ldquo;, um seine Beziehungen f&uuml;r VW spielen zu lassen. Eine Managerin schlug demnach vor, er solle seine N&auml;he zu Pr&auml;sident Wladimir Putin nutzen, um Prevent den Geldhahn in Russland abzudrehen. Auf Anfrage von Business Insider sagte Schr&ouml;der zur Sache &bdquo;gar nichts&ldquo;.    <\/p><p>Titelbild: Grzegorz Czapski \/ Shutterstock<\/p><p><em>* An beiden Stellen wurden missverst&auml;ndliche Formulierungen durch neue ersetzt.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/2fa2ccb55d364c0bac927655ea51aa22\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volkswagen erlebt den &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Abh&ouml;rskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte&ldquo; und kaum einer kriegt`s mit. &Uuml;ber Monate wurden die Sitzungen einer konzerninternen Sondereinheit zum Umgang mit dem missliebigen Zulieferer Prevent durch einen Manager abgeh&ouml;rt. Der Fall hat das Zeug zum Krimi: Der Maulwurf wurde enttarnt, vor die T&uuml;r gesetzt und ist jetzt wahrscheinlich tot. Zu einer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64168\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":64169,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,131,60],"tags":[1371,2717,2542],"class_list":["post-64168","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-innere-sicherheit","tag-volkswagen","tag-wirtschaftskriminalitaet","tag-zuliefererindustrie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/shutterstock_620668163.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64168"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64274,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64168\/revisions\/64274"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}