{"id":64215,"date":"2020-08-30T10:00:46","date_gmt":"2020-08-30T08:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64215"},"modified":"2020-09-01T07:47:16","modified_gmt":"2020-09-01T05:47:16","slug":"steve-bannon-genie-des-boesen-und-politischer-strippenzieher-der-weltweiten-rechtsradikalen-bewegung-wegen-millionen-betrugs-angeklagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64215","title":{"rendered":"Steve Bannon \u2013 \u201eGenie des B\u00f6sen\u201c und politischer Strippenzieher der weltweiten rechtsradikalen Bewegung wegen Millionen-Betrugs angeklagt"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 20. August wurde in den USA die symboltr&auml;chtigste Figur der internationalen rechtsradikalen und faschistischen Szene <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/2020\/08\/20\/steve-bannon-donald-trump-s-former-advisor-arrested-for-fraud\">verhaftet, angeklagt und gegen Zahlung einer 5-Millionen-US-Dollar-Kaution<\/a> vor&uuml;bergehend auf freien Fu&szlig; gesetzt. Stephen Kevin &bdquo;Steve&ldquo; Bannon ist sein Name. Der Angeklagte gab seinen Pass ab und wurde von einem New Yorker Richter ermahnt, sich von Yachten und Privatflugzeugen fernzuhalten und seinen Aufenthalt auf New York und Washington DC zu beschr&auml;nken. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8396\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-64215-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=64215-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200831_Steve_Bannon_Genie_des_Boesen_wegen_Millionen_Betrugs_angeklagt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Au&szlig;er Bannon wurden drei seiner Mitarbeiter mitangeklagt. Der Kern der Anklage des US-Justizministeriums lautet, die Gruppe um Bannon habe durch einen Spendenaufruf zur Finanzierung des &bdquo;Trump-Mauer&ldquo;-Baus an der Grenze zu Mexiko Betrug begangen. Chefankl&auml;ger Philip R. Bartlett warf der Gruppe unter F&uuml;hrung Bannons vor, sie &bdquo;habe nicht nur Spender angelogen, sondern auch versucht, ihre missbr&auml;uchliche Geldverwendung zu verbergen, indem sie Scheinrechnungen und -konten erstellte, um Spenden wei&szlig;zuwaschen und ohne R&uuml;cksicht auf Gesetz oder Wahrheit ihre Verbrechen zu vertuschen&ldquo;. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden durch den Aufruf rund 25 Millionen US-Dollar eingenommen, von denen der 66-j&auml;hrige Bannon mehr als eine Million US-Dollar aus der von ihm kontrollierten, angeblichen &bdquo;<a href=\"https:\/\/webuildthewall.us\/\">gemeinn&uuml;tzigen Organisation<\/a>&ldquo; zur Deckung pers&ouml;nlicher Ausgaben unterschlug.<\/p><p>Unter anderem bekannt f&uuml;r seine <a href=\"https:\/\/www.motherjones.com\/politics\/2020\/08\/that-time-steve-bannon-accused-the-clintons-of-corruption-and-money-laundering\/\">wiederholten Geldw&auml;sche-Beschuldigungen<\/a> gegen das Ehepaar Hillary und Bill Clinton, liefert die Anklage Bannons allerdings der seit Jahren vermehrt aufgestellten These noch mehr Munition, wonach die Regierung Donald Trump von Anbeginn von &bdquo;Gangstern umgeben&ldquo; sei. Unmittelbar nach der Anklageerhebung gegen Bannon zitierte das Wirtschaftsmagazin <em>Business Insider<\/em> jenes <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/trump-surrounded-by-criminals-michael-cohen-paul-manafort-2018-8?r=DE&amp;IR=T\">Wahlversprechen Trumps<\/a>, er werde &bdquo;die besten Leute&ldquo; einstellen, die sich schlie&szlig;lich als ein Bund &bdquo;so vieler Krimineller und Gauner&ldquo; entpuppt h&auml;tten. Zu den Angeklagten und Verhafteten geh&ouml;ren unter anderem Trumps ehemaliger Wahlkampfleiter Paul Manafort und sein Stellvertreter Rick Gates, der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn sowie sein ehemaliger pers&ouml;nlicher Anwalt Michael Cohen. Zu den Genannten z&auml;hlt das Magazin jedoch noch einige &bdquo;Ausbeuter und Schwindler&ldquo; wie die fr&uuml;heren Staatssekret&auml;re Tom Price, Scott Pruitt und Ben Carson.<\/p><p>Bannons Anklage hat jedoch auch au&szlig;enpolitischen Z&uuml;ndstoff. Sie begr&auml;bt ein f&uuml;r alle Mal den Mythos, die Rechtsradikalen &ndash; wie die von der US-Justiz, dem FBI und CIA ausgebildete und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52456\">instrumentalisierte brasilianische Justiz<\/a> zur Amtszeit S&eacute;rgio Moros &ndash; seien treue Kammerdiener des Staates im Kampf gegen die Korruption. Ironie der Geschichte, steht seit Monaten Moros &bdquo;Unternehmen Waschanlage&ldquo;, das Altpr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva verhaftete und seine Pr&auml;sidentschafts-Kandidatur verhinderte, wegen Korruptionsvorw&uuml;rfen selbst <a href=\"https:\/\/jotainfo.jusbrasil.com.br\/noticias\/565834325\/gilmar-mendes-diz-que-ha-corrupcao-na-lava-jato-e-no-mpf\">unter Anklage<\/a>.<\/p><p><strong>Iran-Kriegstreiber, Goldmann-Sachs-Broker, B-Filmproduzent und Breitbart-Verleger mit Hilfe rechtsradikaler Milliard&auml;re<\/strong><\/p><p>Steve Bannon verf&uuml;gt &uuml;ber eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BmBj_vw5YYQ\">schillernde Biographie<\/a>. Von 1976 bis 1983 diente er mehrere Jahre als Unteroffizier auf einem Kriegsschiff der US-Marine im Pazifik und bek&auml;mpfte im Zusammenhang mit dem Sturz des Shah-Regimes die Zur&uuml;ckhaltung der damaligen Regierung Jimmy Carter, der er die Bombardierung und die Invasion des Iran militant entgegensetzte.<\/p><p>Zwischen 1984 und 1990 arbeitete er als Investmentbanker bei Goldman Sachs, eine Bet&auml;tigung, die allen Anzeichen nach sein hartes neoliberales &Ouml;konomieverst&auml;ndnis pr&auml;gte, das wiederum im Widerspruch zu seinem &bdquo;Anti-Globalismus&ldquo; und anachronistischen Nationalismus steht. Anschlie&szlig;end stieg Bannon in die Filmindustrie Hollywoods ein, erwarb eine Minderheitsbeteiligung an den Fernsehrechten der Serie Seinfeld, die enorme Gewinne aussch&uuml;ttete, und bet&auml;tigte sich als <a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0052442\/\">Produzent und Regisseur von B-Klasse-Action-Filmen<\/a> mit dystopischen Alt-Right-Fantasien, die von der US-Filmkritik entweder ignoriert oder verrissen wurden.<\/p><p>Als neuen, radikalen Berufswechsel &uuml;bernahm er im Jahr 2012 den Herausgeber-Posten der ultrarechten Nachrichten-Website <a href=\"https:\/\/www.breitbart.com\/\">Breitbart News Network<\/a>. In dieser Funktion erkl&auml;rte Bannon das Online-Magazin zur &bdquo;Plattform der Alt-Right&ldquo;, das von der US-amerikanischen Milliard&auml;rs-Familienstiftung Mercer im Handumdrehen mit einer <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/who-are-the-mercers-the-wealthy-backers-of-breitbart\/a-42100407\">10-Millionen-US-Dollar-Spende<\/a> gef&ouml;rdert wurde. Eine ausf&uuml;hrliche <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2017\/03\/27\/the-reclusive-hedge-fund-tycoon-behind-the-trump-presidency\">Reportage Jane Mayers<\/a> im <em>New Yorker<\/em> aus dem Jahr 2017 beschrieb den heute 73-j&auml;hrigen Patriarchen Robert Mercer als gleichzeitigen christlichen Konservativen und Waffennarr (mit der gr&ouml;&szlig;ten Maschinengewehr-Sammlung der USA), als Klimawandel-Leugner, zwar religi&ouml;s, doch ebenso Bef&uuml;rworter des neoliberalen &bdquo;minimalen Staates&ldquo; und als Mann, der das politische Establishment als inkompetent und korrupt verachtet. So spendete Mercer im Verlauf des letzten Jahrzehnts &uuml;ber 100 Millionen US-Dollar an verschiedene ultrarechte Kandidaten und Denkfabriken, darunter die hauseigene Mercer Family Foundation, die von Mercers Tochter und Trump-Beraterin Rebekah geleitet wird.<\/p><p>Nach Bewertung des Deutsche-Welle-Autors Darko Janjevic scheint der Einfluss der Familie im Zuge des sogenannten Citizens-United-Urteils von 2010 zugenommen zu haben, als der Oberste Gerichtshof der USA nahezu s&auml;mtliche Beschr&auml;nkungen aufhob, die politische Spenden von Unternehmen und Einzelpersonen behinderten. Interessant ist, dass die Mercers seit Beginn des neuen Jahrzehnts das von den NachDenkSeiten im Jahr 2016 beschriebene und von den Koch-Br&uuml;dern gef&uuml;hrte, rechtsradikale <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35494\">US-Stiftungs- und NGO-Spinnennetz<\/a> zur Kanalisierung millionenschwerer Spenden f&uuml;r nachgewiesene Angriffe auf den Rechtsstaat und den Umsturz progressiver Regierungen wie die von Dilma Rousseff in Brasilien nutzten.<\/p><p>Rebekah Mercer trat 2012 dem von Steve Bannon gegr&uuml;ndeten &bdquo;gemeinn&uuml;tzigen&ldquo; Government Accountability Institute bei; eine &bdquo;Hater&ldquo;-Organisation, bekannt f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung des &bdquo;Clinton Cash&ldquo;-Buchs mit schweren Korruptionsvorw&uuml;rfen gegen Bill und Hillary Clinton sowie f&uuml;r das &bdquo;Bush Bucks&ldquo;-Buch, dessen Ver&ouml;ffentlichungsziel es war, politische Keile auch in die Reihen der traditionellen Republikaner zu treiben. Doch wer erinnert sich noch an den Cambridge-Analytica-Skandal, der der Pr&auml;sidentschaftskampagne Donald Trumps und dem britischen Brexit W&auml;hlermanipulation nachwies? Nun, die Mercers z&auml;hlten zu den ma&szlig;geblichen Eigent&uuml;mern des mehr als umstrittenen und von eigenen Mitarbeitern denunzierten rechtsradikalen Meinungslenkungs-Unternehmens. Doch sowohl auf Breitbart als auch auf Cambridge Analytica w&auml;ren die Mercers so rasch nicht allein gekommen. Das entsprechende Entr&eacute;e besorgte ihnen ihr einstiger Berater Steve Bannon.<\/p><p><strong>&bdquo;Trumps Darth Vader&ldquo;: Bannons Interessenkonflikt, die demokratische Anklage und der R&uuml;ckzug aus Breitbart<\/strong><\/p><p>Im Wahljahr 2016 r&uuml;ckte Bannon zum Chefstrategen der Pr&auml;sidentschaftskampagne Donald Trumps auf und wurde nach Trumps Wahl ins Wei&szlig;e Haus als solcher offiziell besch&auml;ftigt, genauer: mit Sitz als st&auml;ndiger Assistent im machtvollen Nationalen Sicherheitsrat. Die Allianz Trump-Bannon dauerte jedoch kaum acht Monate, als der Chefstratege im August 2017 von Trump gek&uuml;ndigt wurde.<\/p><p>W&auml;hrend der Wahlkampagne und bis zu seiner K&uuml;ndigung amtierte Bannon n&auml;mlich parallel als Breitbart-Herausgeber und nutzte nicht nur die rechtsradikale Postille f&uuml;r mal kaschierte, mal offene Schm&auml;hrufe gegen seinen Chef Donald Trump, die im 2018 erschienenen Buch &bdquo;Fire and Fury: Inside the Trump White House&ldquo; des Journalisten Michael Wolff bombastisch zitiert wurden. Auf die Entlassung durch Trump folgte die Einstellung von Robert Mercers Finanzierung des rechtsradikalen Magazins und der Bruch mit Bannon, der schlie&szlig;lich im Januar 2018 auch seinen Posten bei Breitbart aufgab.<\/p><p>Dem vorausgegangen waren vehemente Proteste und Gerichtsklagen der j&uuml;dischen Anti-Defamation League (ADL), des Rates f&uuml;r amerikanisch-islamische Beziehungen, des Southern Poverty Law Center, des F&uuml;hrers der Demokratischen Minderheit des Senats, Harry Reid, und einiger Republikanischer Strategen gegen von Bannon verbreitete rassistische oder antisemitische Inhalte. Am 15. November 2016 ver&ouml;ffentlichte der Rhode-Island-Abgeordnete David Cicilline einen Brief an Trump mit der Unterschrift von 169 Vertretern der Demokratischen Fraktion, die Trump dazu dr&auml;ngten, Bannon wegen Fremdenhass, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Anti-Islamismus und Antisemitismus zu entlassen.<\/p><p>Mit Schlagzeilen wie &bdquo;Geburtenkontrolle macht Frauen uninteressant und verr&uuml;ckt&ldquo; oder &bdquo;Was ziehen Sie vor, dass Ihr Kind an Feminismus leidet oder Krebs hat?&ldquo; schmiedete Bannon via Breitbart News eine Kampagne mit dem Ziel, die Republikanische Partei weiter nach rechts zu dr&auml;ngen und Trump als Kandidaten der Alt-Right zu verkaufen. Dies geschah mit der propagandistischen Sch&uuml;rung von Angst. &bdquo;Angst ist gut&ldquo;, verbreitete der Agitator in frecher Herausforderung und legte sich selbst in Anlehnung an den Hollywood-SciFi-Schinken &bdquo;The Empire Strikes Back&ldquo; den provokanten Spitznamen der Hauptfigur und Inkarnation von Finsternis und B&ouml;sem, Darth Vader, zu.<\/p><p>Der kriegerische Diskurs und eine dichotome Weltanschauung (&bdquo;entweder mit uns oder gegen uns&ldquo;) schienen nach Bewertung kritischer US-Medien Bannons ideologischer Sigel zu sein, der auch Trumps Antrittsrede pr&auml;gte, die gr&ouml;&szlig;tenteils von Bannon verfasst worden sei. Trump prophezeite ein &bdquo;amerikanisches Gemetzel&ldquo; in den St&auml;dten der USA (siehe die 2020er Aufst&auml;nde nach der Ermordung George Floyds) und malte das Land und die ganze Welt mit den d&uuml;steren Farben des sicheren Untergangs. &bdquo;Angst ist gut. Angst bringt Menschen zum Handeln&ldquo;, hatte Bannon bereits 2010 skandiert, als er mit seinen rechtsradikalen AgitProp-Filmen das fr&uuml;he Ziel verfolgte, eine neue Rechte im Lande zusammenzutrommeln.<\/p><p>Angst, doch auch &bdquo;Finsternis ist gut&ldquo;, hatte Bannon gegen&uuml;ber <em>The Hollywood Reporter<\/em> kurz <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/steve-bannon-donald-trump-satan-darth-vader-2016-11?r=DE&amp;IR=T\">nach seiner Nominierung in die Regierung Trump erkl&auml;rt<\/a>. &bdquo;Dick Cheney, Darth Vader, Satan. Das ist Macht. Es hilft uns nur, wenn sie etwas falsch machen. Wenn sie (die Politiker und Gegner) blind daf&uuml;r sind, wer wir sind und was wir tun&ldquo;, schwafelte der Stratege, der jedoch meiner Meinung nach wenig von Taktik und Takt zu verstehen scheint und nach Meinung von <em>The New Yorker<\/em> das <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/news\/q-and-a\/the-narcissism-and-ego-that-led-to-steve-bannons-arrest\">Opfer seines gro&szlig;m&auml;uligen &bdquo;Narzissmus und Egos&ldquo;<\/a> ist, die geballt in seiner Anklage gipfelten.<\/p><p><strong>Der &ldquo;Darth Vader&rdquo; hinter Bolsonaros Wahlsieg und der Intrige gegen Papst Franziskus<\/strong><\/p><p>Brasilianische Kollegen wie Ricardo Kotscho &ndash; ehemaliger Deutschland-Korrespondent des eingestellten Jornal do Brasil und gegenw&auml;rtiger Kolumnist des Folha-de-Sao-Paulo-Portals <em>UOL<\/em> bewertete das Vorgehen der US-Justiz gegen Bannon als <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/colunas\/balaio-do-kotscho\/2020\/08\/20\/a-prisao-de-steve-bannon-o-guru-do-guru-dos-bolsonaros.htm\">schweren Schlag gegen den sogenannten &bdquo;ideologischen Fl&uuml;gel&ldquo;<\/a> des Bolsonaro-Regimes; eine Einsch&auml;tzung, die man nicht teilen muss, weil die Bannon-Anklage mit millionenfachen Fake News des Bolsonaro-Clans im Handumdrehen entkr&auml;ftet und diffamiert wird.<\/p><p>Doch was hat Steve Bannon mit den Bolsonaros am Hut? Der ehemalige Chefstratege Trumps nahm seine Beziehungen zu den Bolsonaros w&auml;hrend der brasilianischen Pr&auml;sidentschaftskampagne 2018 auf. Wer ihn der Familie vorstellte, war Bolsonaros Berater Filipe Martins, ein junger Faschist, der zusammen mit dem Bolsonaro-Sohn Carlos seit der Wahlkampagne 2018 als heimlicher Leiter des Fake-News-Bunkers, genannt &bdquo;Hass-Kabinett&ldquo;, amtiert und das erste Treffen Bannons mit dem Bolsonaro-Sohn Eduardo im August 2018 vorbereitete. Zur Feier von Bannons Geburtstag im November desselben Jahres reiste Eduardo in die USA, postete in sozialen Netzwerken Foto- und Videoaufnahmen mit dem Amerikaner und bezeichnete ihn als &bdquo;Ikone im Kampf gegen den kulturellen Marxismus&ldquo;; ein denunziatorisches Junktim, das zu Bannons beliebtesten agitatorischen Steckenpferden z&auml;hlt.<\/p><p>Bannon gilt weltweit als einer der Hauptverantwortlichen f&uuml;r den Wahlsieg Donald Trumps, den er mit einer virtuellen WhatsApp-, Facebook- und Blogger-Miliz zur Bek&auml;mpfung von Hillary Clinton herbeif&uuml;hrte. Das war das Know-How, das Bannon auf die Pr&auml;sidentschaftskampagne in Brasilien und das Brexit-Referendum in Gro&szlig;britannien &uuml;bertrug und ihn zur Referenz in der neofaschistischen Weltszene erhob. Daf&uuml;r bedankte sich Jair Bolsonaro.<\/p><p>Bei einem &bdquo;Verbr&uuml;derungsdinner&ldquo; vom 17. M&auml;rz 2019 in der brasilianischen Botschaft in Washington, bei dem die rechtsradikale US-Szene um Bannon mit Jair Bolsonaro zusammentraf, nahm der frischgew&auml;hlte Ex-Milit&auml;r &ndash; den Bannon verehrend &bdquo;Captain&ldquo; nennt &ndash; zwischen den Gurus Steve Bannon und dem in den USA lebenden Brasilianer Olavo Carvalho am Tisch Platz. Sieben Minister begleiteten Bolsonaro, darunter der Wirtschaftsminister und ehemalige Chicago Boy Paulo Guedes, der sich an Olavo de Carvalho wandte und ihn als &bdquo;F&uuml;hrer unserer Revolution&ldquo; bezeichnete.<\/p><p>In seiner Tischrede erkl&auml;rte Bolsonaro, dass &bdquo;unser Brasilien sich in Richtung Sozialismus, in Richtung Kommunismus bewegte&ldquo; und schrieb seinen Wahlsieg &bdquo;dem Willen Gottes&ldquo; zu. Aus diesem Grund, so der faschistische Ex-Milit&auml;r, sei es notwendig, &bdquo;alles zu zerst&ouml;ren, was vorher existierte, und erst dann mit dem Aufbau eines neuen Landes zu beginnen&ldquo;.<\/p><p>Bannon wiegte sich innerlich in einem schweigsamen Freudentanz. Das war sein Bekenntnis, das hatte er einst selbst von sich gegeben. &bdquo;Ich bin ein Leninist!&ldquo;, hatte er provokativ und sinnentstellend <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2017\/feb\/06\/lenin-white-house-steve-bannon\">gegen&uuml;ber einem New Yorker Professor erkl&auml;rt<\/a>, der ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Kommunismus und die ehemalige Sowjetunion geschrieben hatte. &bdquo;Was um alles in der Welt meinst du?&ldquo;, fragte ihn der Professor. &bdquo;Lenin wollte den Staat zerst&ouml;ren und das ist auch mein Ziel. Ich m&ouml;chte alles zum Sturz bringen und das gesamte heutige Establishment zerst&ouml;ren&ldquo;, antwortete Bannon.<\/p><p>Seit seinen Europa-Tourneen von 2018 und 2019 &ndash; bei denen er die deutsche AfD-F&uuml;hrung, Frankreichs Marine Le Pen und Italiens Matteo Salvini auf den &bdquo;Sturz der Europ&auml;ischen Union&ldquo; einschwor &ndash; hei&szlig;t sein <a href=\"https:\/\/www.elperiodico.com\/es\/internacional\/20190518\/steve-bannon-contra-papa-francisco-7460344\">gegenw&auml;rtiges Angriffsziel Papst Franziskus<\/a>, den er, provokativ wie &uuml;blich, mit der Anmietung des vom Vatikan verwalteten, mittelalterlichen Zisterzienser-Trisulti-Klosters herausfordert, das s&uuml;d&ouml;stlich von Rom zu einer internationalen Kaderschmiede der rechtsradikalen Szene ausgebaut werden soll.<\/p><p>Als ritterliche Kampfgenossen war bzw. ist die gesammelte Riege der rechtsradikalen Theologen und Kardin&auml;le mit von der Partie, darunter die deutschen Kardin&auml;le Walter Brandm&uuml;ller und der inzwischen verstorbene Joachim Meisner. Als Schirmherr der Kaderschmiede dient die Stiftung Dignitatis Humanae Institute (DHI), die das Kloster f&uuml;r 100.000 Euro im Jahr f&uuml;r die kommenden 19 Jahre gepachtet hat. F&uuml;hrende Rollen nehmen Ex-Kardinal Raymond Leo Burke &ndash; der vom Papst seines Amtes enthoben wurde &ndash; und Carlo Caffarra ein; eine rechtsradikale Bruderschaft, die mit Brandm&uuml;ller und Meisner in einer Reihe von &bdquo;Zweiflern&ldquo; an den Positionen des Papstes zur katholischen Moral, die er in der Enzyklika Laudato si darlegte, stehen und in die Offensive f&uuml;r den Sturz des argentinischen Kirchenchefs gehen.<\/p><p>Burke und Bannon vereinen die neofaschistischen &bdquo;Grundwerte&ldquo;. Als Mentor der rechtsextremen Tea Party &ndash; die wiederum mit multinationalen Energieunternehmen und Anti-Einwanderer-Verb&auml;nden verbunden ist &ndash; agitiert Burke gegen Papst Franziskus, weil dieser &bdquo;die Wirtschaft der Kr&uuml;mel f&uuml;r die Armen&ldquo; und die Auspl&uuml;nderung der Umwelt und des gesamten Planeten kritisiert. F&uuml;r Burke und Bannon gibt es eine Kirche und eine &bdquo;Antikirche&ldquo; unter F&uuml;hrung von Franziskus, den die vier Kardin&auml;le und ihre Abgesandten als &bdquo;ketzerisch&ldquo; beschuldigen und skrupellos seinen &bdquo;R&uuml;cktritt&ldquo; fordern.<\/p><p>Titelbild: doddis77 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 20. August wurde in den USA die symboltr&auml;chtigste Figur der internationalen rechtsradikalen und faschistischen Szene <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/2020\/08\/20\/steve-bannon-donald-trump-s-former-advisor-arrested-for-fraud\">verhaftet, angeklagt und gegen Zahlung einer 5-Millionen-US-Dollar-Kaution<\/a> vor&uuml;bergehend auf freien Fu&szlig; gesetzt. Stephen Kevin &bdquo;Steve&ldquo; Bannon ist sein Name. 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