{"id":6438,"date":"2010-08-10T13:24:06","date_gmt":"2010-08-10T11:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6438"},"modified":"2014-11-11T10:16:01","modified_gmt":"2014-11-11T09:16:01","slug":"400-000-e-schmiergeld-fuer-die-betriebliche-altersversorgung-von-iveco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6438","title":{"rendered":"400.000 \u20ac Schmiergeld f\u00fcr die betriebliche Altersversorgung von Iveco"},"content":{"rendered":"<p>So viel bekam der ehemalige Betriebsratsvorsitzende des Automobilherstellers f&uuml;r die &bdquo;Vermittlung&ldquo; der Altersvorsorgevertr&auml;ge seines Unternehmens. Jetzt wurde er zu einer Bew&auml;hrungsstrafe verurteilt. Die NachDenkSeiten haben schon am 22.8.2008 mit einem Beitrag von Manfred Frieling <a href=\"?p=3294\">&uuml;ber den Vorgang berichtet<\/a>. Jetzt erging das Urteil. Manfred Frieling berichtet wieder dar&uuml;ber. Am Ende f&uuml;ge ich noch ein paar Anmerkungen an. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Manfred Frielings Mail an den NachDenkSeiten:<\/strong><\/p><blockquote><p>Vor gut 2 Jahren, am 22. Juni 2008, haben Sie auf den NachDenkSeiten einen Erfahrungsbericht von mir ver&ouml;ffentlicht. Sein Titel: &bdquo;Betriebliche Altersversorgung &ndash; dank hoher Provisionen Tummelplatz seltsamer Elemente. Ein Erfahrungsbericht.&ldquo;<\/p>\n<p>Es ging dabei in erster Linie auch um Schmiergeld f&uuml;r Altersvorsorgevertr&auml;ge bei der Fiat-Tochter Iveco.<br>\nIch habe die Angelegenheit weiter verfolgt und lese heute (30.7.2010) einen Artikel in der <a href=\"http:\/\/www.swp.de\/ulm\/lokales\/ulm_neu_ulm\/art4329,577064\">S&uuml;dwest Presse<\/a> im Zusammenhang mit dem jetzt ergangenen Urteil des Stuttgarter Landgerichtes, hier die &Uuml;berschrift:&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>&bdquo;Ohne Not die Hand aufgehalten&ldquo;<\/strong>&nbsp;<br>\nStuttgart\/Ulm.&nbsp; Mit 400 000 Euro hat sich der Ex-Betriebsratschef von Iveco schmieren lassen (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p>Ich habe mir ja einiges vorstellen k&ouml;nnen, aber 400.000 Euro Schmiergeld f&uuml;r Abschl&uuml;sse bei betrieblicher Altersversorgung durch Entgeltumwandlung bei einer Firma mit wenig mehr als 2.000 Besch&auml;ftigten in Deutschland, das verschl&auml;gt mir die Sprache. Allein daran mag man erkennen, welch enorme Gewinne f&uuml;r die Gesellschaften und Versicherungen &uuml;brigbleiben.<\/p>\n<p>Dass wohl st&auml;ndig Schmiergelder flie&szlig;en, wird in dem Zeitungsartikel auch deutlich: Die Allianz hat dem Vernehmen nach nur 50.000 Euro geboten.<\/p>\n<p>Und dass der neben dem Betriebsratsvorsitzenden auch verurteilte Versicherungsvertreter wohl kaum aus eigenem Verm&ouml;gen 400.00 Euro Schmiergeld stemmen konnte, d&uuml;rfte auch klar sein.<\/p>\n<p>Insofern ist dem Verteidiger des angeklagten Betriebsratsvorsitzenden, Wolfgang Fischer, voll zuzustimmen. Ich zitiere: <\/p>\n<p><em>&bdquo;Fischer nahm sich die gro&szlig;en Versicherungen zur Brust und bezeichnete die Vorstandschaft der N&uuml;rnberger Gesellschaft als die wahren R&auml;delsf&uuml;hrer. Er beklagte, dass die Verantwortung von oben nach unten geschoben werde und die M&auml;nner im Hintergrund straffrei blieben. &sbquo;Da waren mehr beteiligt. Das gesamte Netz muss durchleuchtet und die gro&szlig;en Spieler im Hintergrund m&uuml;ssen zur Verantwortung gezogen werden.&rsquo;&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Der Versicherungsvertreter ist ebenfalls verurteilt worden. Der Chef der DGbAV\/Magusgruppe hat die Vorw&uuml;rfe gegen sich zur&uuml;ckgewiesen. <\/p>\n<p>Es ist der blanke Hohn, wenn man dann Kleinanzeigen, z.B. bei Focus online liest, mit der &Uuml;berschrift: &bdquo;Die DGbAV bietet unabh&auml;ngige Beratung bei betrieblicher Altersversorgung &hellip; Die Zusammenarbeit mit der DGbAV bietet f&uuml;r Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleicherma&szlig;en Vorteile&hellip;..&ldquo; usw. (<a href=\"http:\/\/kleinanzeigen.focus.de\/dgbav.html\">siehe hier<\/a>).<\/p><\/blockquote><p><strong>Erg&auml;nzende Anmerkungen von Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Ich verweise zun&auml;chst zur Abrundung des Bildes auf einen fr&uuml;heren Artikel zum Thema, vom 8. Juli:\n<p><strong>Schmiergeld f&uuml;r Versicherungsvertr&auml;ge<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.swp.de\/ulm\/lokales\/ulm_neu_ulm\/art4329,549970\">swp.de<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Mit Sicherheit kein Einzelfall<\/strong><br>\nManfred Frieling hat schon darauf hingewiesen. Die Spanne ist offenbar gro&szlig;. Es lohnt sich zu schmieren. Bei 400.000 Euro Schmiergeld und 2000 Besch&auml;ftigten kommen grob gerechnet Schmierkosten von 200 &euro; auf einen Besch&auml;ftigten.<\/li>\n<li><strong>Gef&auml;hrdet sind nicht nur Betriebsratsvorsitzende und Betriebsratsmitglieder.<\/strong> Wenn man als betroffener Betriebsangeh&ouml;riger recherchieren wollte, m&uuml;sste man mit Sicherheit auch unter Personalchefs und Abteilungsleitern suchen.<\/li>\n<li><strong>Der Vorgang passt ins Bild der Umstellung eines Teils der Altersvorsorge auf Privatvorsorge zulasten der gesetzlichen Rente insgesamt: politische Korruption<\/strong><br>\nist sozusagen das Markenzeichen der beteiligten Wissenschaftler und Politiker. Ich erinnere an das Engagement von R&uuml;rup, Sinn, Raffelh&uuml;schen, Miegel f&uuml;r den Finanzdienstleister MLP, und einiger f&uuml;r AWD, f&uuml;r Versicherungsgesellschaften etc. Ich erinnere an die Vortragshonorare von Walter Riester, an seine Werbung zusammen mit R&uuml;rup f&uuml;r Maschmeyer und die AWD, und an das neue Unternehmen von Maschmeyer, R&uuml;rup, die Aktiengesellschaft zur Ausbreitung der Privatvorsorge. Riester, R&uuml;rup, Raffelh&uuml;schen und andere mehr &ndash; sie haben alle an der politischen Entscheidung f&uuml;r die Privatvorsorge und ihre &ouml;ffentliche F&ouml;rderung mitgewirkt und hinterher an diesem Gesch&auml;ft verdient. Das ist die in diesem Milieu besonders geschmierte Dreht&uuml;r. Politisch vorbereiten und mitentscheiden und dann hinterher kassieren.<\/li>\n<li><strong>Warum rumort es in den Betrieben nicht mehr?<\/strong><br>\nDie betriebliche Altersvorsorge hat die volle Unterst&uuml;tzung der Arbeitgeberseite. Schlie&szlig;lich zahlt sich dieses Gesch&auml;ft aus f&uuml;r die meinungsf&uuml;hrenden und machtvollen Unternehmen der Finanzindustrie, f&uuml;r die Banken und die Versicherungskonzerne. Da dr&uuml;cken Unternehmensleitungen gerne ein Auge zu. Betriebsangeh&ouml;rige und einzelne Betriebsr&auml;te recherchieren nicht, weil sie angesichts der kritischen Arbeitsmarktlage nicht aufzumucken wagen.<\/li>\n<li><strong>Die Rolle der Steueroasen als Sammelstellen f&uuml;r Schmiergelder<\/strong><br>\nWir haben in den NachDenkSeiten schon mehrmals darauf hingewiesen, dass der eigentliche gro&szlig;e Skandal bei F&auml;llen wie Zumwinkel nicht allein die Steuerhinterziehung ist. (Siehe: <a href=\"?p=6393\">&bdquo;Politische Korruption ist brisanter als die Steuerhinterziehung&ldquo;<\/a>)<br>\nViel spannender d&uuml;rften die Antworten auf die Frage sein, woher das Geld stammt, das die Basis der Zinsen und dann der Steuerhinterziehung darstellt. Meine These: es ist Schwarzgeld und stammt zu einem beachtlichen Teil aus geschmierten Gesch&auml;ften.<br>\nWeil es ausgesprochen schwierig ist, f&uuml;r diese These empirische Belege zu beschaffen, bin ich Manfred Frieling in besonderer Weise dankbar, dass er mich auf das Urteil von Stuttgart aufmerksam gemacht hat. Denn an diesem Beispiel wird ja belegt, dass das Schmiergeld wenigstens zum Teil in eine Steueroase floss, nach Luxemburg.<\/li>\n<li><strong>Die Medien besch&auml;ftigen sich mit diesem Thema nicht angemesen. Das ist schon erstaunlich.<\/strong><br>\nVerdienstvoller Weise hat die S&uuml;dwestpresse und haben einige weitere Bl&auml;tter im S&uuml;dwesten auf den Prozess hingewiesen. Aber bundesweit gab es nur ein schwaches Echo. Politische Korruption interessiert weniger als die Debatten um Phantome wie zum Beispiel der angebliche Facharbeitermangel, und noch viel weniger als die unendlichen Debatten um Sparen und Exportweltmeister.<br>\nMachen Sie einen kleinen Test: Geben Sie bei Google News die Stichworte f&uuml;r das Schmiergeld und den Prozess von Stuttgart ein und dann den f&uuml;r Fachkr&auml;ftemangel. Die Ausbeute lag bei mir ungef&auml;hr bei 1 zu 500. <\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So viel bekam der ehemalige Betriebsratsvorsitzende des Automobilherstellers f&uuml;r die &bdquo;Vermittlung&ldquo; der Altersvorsorgevertr&auml;ge seines Unternehmens. Jetzt wurde er zu einer Bew&auml;hrungsstrafe verurteilt. Die NachDenkSeiten haben schon am 22.8.2008 mit einem Beitrag von Manfred Frieling <a href=\"?p=3294\">&uuml;ber den Vorgang berichtet<\/a>. Jetzt erging das Urteil. Manfred Frieling berichtet wieder dar&uuml;ber. 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