{"id":64616,"date":"2020-09-10T13:15:44","date_gmt":"2020-09-10T11:15:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64616"},"modified":"2020-09-10T15:45:22","modified_gmt":"2020-09-10T13:45:22","slug":"in-london-scheint-die-sonne-aber-weiterhin-nicht-auf-julian-assange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64616","title":{"rendered":"In London scheint die Sonne, aber weiterhin nicht auf Julian Assange"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag ging es in London mit dem Prozess gegen den Wikileaks-Gr&uuml;nder Julian Assange weiter, bei dem er sich gegen eine Auslieferung an die USA, wo ihm lebenslange Haft droht, wehrt. Bzw. er versucht sich zu wehren, denn die Umst&auml;nde, unter denen der Prozess nun weitergef&uuml;hrt wird, scheinen ihm gegen&uuml;ber eher feindselig und im wahrsten Sinne des Wortes obskur, denn eine transparente Berichterstattung wird vonseiten des Gerichts auf offensichtliche Weise erschwert. Insofern best&auml;tigt das Verhalten der Richterin bzw. der Justiz die Notwendigkeit einer Organisation wie Wikileaks, die vor fast eineinhalb Jahrzehnten einmal angetreten ist, um Fehlverhalten von Regierungen und Organisationen offenzulegen. Zum Gl&uuml;ck hat Julian Assange weiterhin eine Anzahl von engagierten Unterst&uuml;tzern und es gab zum Auftakt auch einiges Interesse der Medien. Ein Bericht aus London von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong> mit einem Kommentar zur Berichterstattung der ARD von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_446\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-64616-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=64616-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200910_In_London_scheint_die_Sonne_aber_weiterhin_nicht_auf_Julian_Assange_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie schon im Februar wollte ich mir nun mit eigenen Augen ein Bild von den Vorg&auml;ngen im und um das Gericht machen. Schon damals war es recht schwer, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58981\">Zugang zur Besuchertrib&uuml;ne zu erlangen<\/a>, obwohl sich die Richterin an anderer Stelle, z.B. als es um die Ver&ouml;ffentlichung der Namen von Assanges Kindern und seiner Verlobten ging, auf ein &ouml;ffentliches Verfahren beruft.<\/p><p>Im Februar gab es 18 Pl&auml;tze f&uuml;r Fr&uuml;haufsteher, was uns schon damals wenig erschien, und vor der jetzigen Verhandlung am zentralen Strafgerichtshof &bdquo;Old Bailey&ldquo; hie&szlig; es, dass es wegen der Corona-Ma&szlig;nahmen nur vier Pl&auml;tze f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit g&auml;be, zus&auml;tzlich zu den f&uuml;nf Pl&auml;tzen f&uuml;r Angeh&ouml;rige von Assange. Diese Anzahl wurde dann am Montagmorgen von der Richterin nochmals ohne richtige Begr&uuml;ndung auf zwei reduziert. Da ich relativ fr&uuml;h vor Ort war, hie&szlig; es, dass ich einen der beiden Pl&auml;tze habe, aber dann &uuml;berlie&szlig; ich meinen Platz dem jetzigen Wikileaks-Vorsitzenden Kristinn Hrafnsson, da selbst er keinen Zugang zur Verhandlung haben sollte, obwohl seine Organisation eigentlich zusammen mit Julian Assange auf der Anklagebank sitzt.<\/p><p>Nach seiner Schilderung sa&szlig; er dann in einem separaten Gerichtssaal auf einer Besuchertrib&uuml;ne, von der er den anwesenden Journalisten zuschauen konnte, wie sie das Geschehen auf Bildschirmen verfolgten. Die erst nach der Intervention der LINKE-MdB Heike H&auml;nsel und des Europa-Abgeordneten Martin Sonneborn eingelassene Vertreterin von Reporter ohne Grenzen (RSF) versicherte mir, dass diese Trib&uuml;ne gro&szlig; genug sei, um selbst mit Corona-Distanz 9 oder 10 Personen zu beherbergen.<\/p><p>Eigentlich sollte RSF wie weitere Nichtregierungsorganisationen und politische Beobachter einen Videozugang zum Verfahren haben, der von der Richterin auch kurz vor Prozessauftakt entzogen wurde. Nach den Worten von Christian Mihr, dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von RSF in Deutschland, wurde seine Organisation vom Gericht nicht &uuml;ber diese Ma&szlig;nahme informiert. Als Begr&uuml;ndung gab die Richterin an, dass sie f&uuml;rchte, die Kontrolle &uuml;ber das Verfahren k&ouml;nne ihr entgleiten und dass Zugangsberechtigte Mitschnitte des Verfahrens machen k&ouml;nnten. Warum ihr das nicht fr&uuml;her eingefallen ist und warum es nicht irgendwo in London einen gr&ouml;&szlig;eren Raum gibt, wo mehr Beobachter unter diesen kuriosen Bedingungen Zugang finden, bleibt ihr Geheimnis. Insgesamt ist es nat&uuml;rlich eine Mammutaufgabe f&uuml;r eine einzelne Person, sich durch 100.000 Seiten von Akten zu w&uuml;hlen.<\/p><p>Des Weiteren gab sie an, dass im Februar ein Foto von Julian Assange von der Besuchertrib&uuml;ne aus gemacht wurde, welches dann aus dem Saal per &bdquo;social media&ldquo; verbreitet wurde. Dieses Foto habe ich im Februar selbst gesehen und auch mir erschloss sich nicht der Sinn dieser unn&ouml;tigen Aktion, aber auch diese Woche warten vor der T&uuml;r der Besuchertrib&uuml;ne wieder Personen, deren Motivation sich nicht nur mir nicht erschlie&szlig;t und die noch dazu eine ungute Stimmung verbreiten. Aber solche Aktionen gibt es wohl so lange, wie es uns Menschen gibt, aber es ist trotzdem schade.<\/p><p>Christian Mihr schilderte weiterhin, dass er schon vielen Prozessen in L&auml;ndern beigewohnt habe, die in der westlichen Darstellung als problematisch gelten, aber dass er sich dort willkommener gef&uuml;hlt habe als im Vereinigten K&ouml;nigreich, wo bei diesem Verfahren noch nicht einmal der Anschein von Fairness und Transparenz gew&auml;hrleistet sei. Nicht nur er scheint fassungslos &uuml;ber die willk&uuml;rlich erscheinenden Aktionen der Richterin.<\/p><p>Nun zu dem, was andere Beobachter &uuml;ber das Geschehen im Gerichtssaal zu berichten hatten. <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/\">Craig Murray<\/a>, mit dem ich sprach, ist wie immer eine pr&auml;zise Quelle.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200909_IMG_2559.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200909_IMG_2559.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Am Morgen war Assange formell erneut verhaftet worden, um die von den USA in letzter Minute vorgelegten zus&auml;tzlichen Beweise in den Prozess einbauen zu k&ouml;nnen. Diese Dinge waren nach Angaben von Wikileaks aber schon seit fast 10 Jahren bekannt. Allerdings hatten die Anw&auml;lte und Assange bisher keine Zeit, diese am 14. August vorgelegten Dokumente zu diskutieren, denn sie haben seitdem nur zweimal kurz &uuml;ber das &ouml;ffentliche Telefon im Gef&auml;ngnis telefoniert. In der Mittagspause am Montag hatten Assange und seine Anw&auml;lte das erste Mal seit Anfang M&auml;rz direkten Kontakt. Auch hier scheinen die Covid-Ma&szlig;nahmen der Anklage direkt in die H&auml;nde zu spielen.<\/p><p>Die Verteidigung verlangte wegen dieser knappen Zeit die Nichtzulassung dieser neuen Anklage, aber die Richterin lehnte dies ab, weil es sich halt um Beweise handele. Nach der Mittagspause ersuchte die Verteidigung deswegen um eine Vertagung der Verhandlung, um sich auf diese &bdquo;neuen&ldquo; Punkte mit ihrem Mandanten vorbereiten zu k&ouml;nnen, aber auch dies lehnte die Richterin mit dem Verweis ab, daf&uuml;r sei es nun zu sp&auml;t. Craig Murray merkte dazu im Gespr&auml;ch an, dass die Verteidigung ihre Antr&auml;ge ja nur der Reihe nach stellen k&ouml;nne. Insgesamt berichtet er von einer Richterin, die Assange und seine Anw&auml;lte herablassend und unfreundlich behandele: &bdquo;Herr (Verteidiger) Fitzgerald, haben Sie mir noch irgendetwas weiteres Gehaltvolles zu sagen?&ldquo;<\/p><p>Am Dienstag drohte sie damit, Julian Assange von der Verhandlung auszusperren, als dieser einen Zeugen unterbrach. Dazu kann man anmerken, dass es nat&uuml;rlich nicht erlaubt ist, Zeugen zu unterbrechen, aber dass die Richterin sich dies selbst eingebrockt hat, als sie im Februar darauf beharrte, dass er in einem Glaskasten sitzen solle, anstatt mit seinen Anw&auml;lten zusammen zu sitzen, wo er ihnen Informationen fl&uuml;sternd und nicht st&ouml;rend zukommen lassen k&ouml;nnte. Im Februar habe ich selbst mitbekommen, wie &uuml;ber diese Frage im Gerichtssaal ausf&uuml;hrlich diskutiert wurde, aber die Richterin meinte damals, wenn es etwas zwischen Verteidigung und Mandanten zu besprechen g&auml;be, dann k&ouml;nne der Prozess ja jederzeit kurz unterbrochen werden. Den Einwand, dass eine solche Verfahrensweise das Verfahren merklich in die L&auml;nge ziehen w&uuml;rde, schob sie damals beiseite. Das r&auml;cht sich nun, denn Rebecca Vincent, die am Montag und Dienstag im Saal anwesend war, bezeichnet das ganze Prozedere als &auml;u&szlig;erst schwerf&auml;llig und von Unterbrechungen durchsetzt.<\/p><p>Au&szlig;erdem merkte sie im Zusammenhang mit &uuml;berhaupt nicht oder mangelhaft funktionierenden Videobefragungen von Zeugen an, dass hier der Eindruck von m&ouml;glicher Inkompetenz entstehe. Auch ich frage mich, ob hier eine Mischung von &Uuml;berforderung, Inkompetenz und Absicht am Werke ist und somit der Prozess m&ouml;glichst weit von der &Ouml;ffentlichkeit entfernt abgehalten werden soll. Es ist eine Ironie, dass dieses Verfahren mit seiner Intransparenz und anscheinender Willk&uuml;r eigentlich genau die Notwendigkeit von Organisationen wie Wikileaks best&auml;tigt. Es bleibt nat&uuml;rlich die Frage, wie viel von diesem Eindruck am Ende in der &Ouml;ffentlichkeit ankommt und ob das genug ist, um die Verantwortlichen dazu zu bringen, das Verfahren zu einem rechtm&auml;&szlig;igen Abschluss zu f&uuml;hren. Wenn man sieht, wie Julian Assange behandelt wird, bleiben einige Zweifel.<\/p><p>Er selbst wirkte am Montag wohl sehr abwesend und folgte nach den Worten der Beobachter dem Prozess sehr wenig, aber am Dienstag war er dann doch in besserer Verfassung, wie auch sein oben erw&auml;hnter Einwurf zeigt. Auch seine Verlobte Stella Moris sieht mitgenommen aus von der anhaltenden Unsicherheit, die &uuml;ber ihm und ihrer Familie schwebt, und auch seinem Vater John Shipton ist die Sorge um seinen Sohn anzusehen.<\/p><p>Insgesamt bleibt einem beim Zuschauen ein &auml;u&szlig;erst ungutes Gef&uuml;hl und man fragt sich, was man Institutionen und Regierungen &uuml;berhaupt noch glauben kann, auch in Bezug auf andere Themen wie z.B. die in alle Bereiche des Lebens dringenden Corona-Ma&szlig;nahmen. Auch die Bundesregierung hat sich ja bis dato auf den Standpunkt zur&uuml;ckgezogen, dass es sich hier um eine innere Angelegenheit Gro&szlig;britanniens handele, obwohl die UNO und deren Vertreter wie z.B. Nils Melzer <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2020\/01\/31\/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange\">das ganze Verfahren detailliert kritisiert<\/a> haben.<\/p><p>Was uns bleibt, ist im Moment noch das Recht, auf die Stra&szlig;e zu gehen und an einer der <a href=\"https:\/\/www.freeassange.eu\/#intro\">Mahnwachen<\/a> teilzunehmen und nicht nur dieses Geschehen genau zu beobachten und dementsprechend zu handeln, was unsere Rechte und Pflichten als freie B&uuml;rger betrifft. Ich f&uuml;r meinen Teil schwinge mich jetzt auf mein Klapprad und radele zu Old Bailey, um hoffentlich noch die heutigen Schilderungen zu bekommen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Kommentar von Lutz Hausstein<\/strong><\/p><p>Am 7. September 2020 gab es zu sp&auml;ter, aber nicht, wie bei aufkl&auml;rerischen Reportagen dieser Art sonst leider sehr h&auml;ufig &uuml;blich, nachtschlafender Zeit eine ausgezeichnete Dokumentation zur Causa Julian Assange in der ARD.<\/p><p><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/videos\/wikileaks-die-usa-gegen-julian-assange-video-102.html\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/200909_player.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Die meisten der dort dargestellten Aspekte und Informationen waren in den vergangenen Jahren schon Bestandteil der Berichterstattung der NachDenkSeiten zum Umgang mit Julian Assange. Seit Juni 2018 berichtet f&uuml;r die NDS Moritz M&uuml;ller direkt aus London &uuml;ber die Quasi-Haft in der ecuadorianischen Botschaft, die dortige rechtswidrige Aussp&auml;hung von Julian Assange durch die spanische Firma UC Global, die jahrelang andauernde <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53579\">Kampagne<\/a>, Julian Assange <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52020\">mit falschen Unterstellungen zu kriminalisieren<\/a> bis hin zum Machtwechsel in der Regierung Ecuadors, die den Verlust des Asylstatus f&uuml;r Assange nach sich zog, dessen gewaltsame Verbringung durch die britische Polizei aus der Botschaft ins britische Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh und die vielfach dubiosen Umst&auml;nde seines Verfahrens vor einem britischen Gericht, w&auml;hrend gleichzeitig die schwedische Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen zur <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=51912\">angeblichen Vergewaltigung zweier Frauen<\/a> durch Julian Assange eingestellt hat. Wer sich umfassend zum Thema Julian Assange informieren m&ouml;chte, kann die unter dem Schlagwort <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=assange-julian\">&bdquo;Assange, Julian&ldquo;<\/a> derzeit vorhandenen 80 Artikel sichten und daraus die f&uuml;r ihn relevanten Beitr&auml;ge herausfiltern. Das ist auch deshalb empfehlenswert, da in vielen Artikeln einzelne Aspekte noch deutlicher herausgearbeitet wurden, als dies in der Film-Doku erfolgt ist, so z.B. die genauen Abl&auml;ufe der konstruierten Vergewaltigungsvorw&uuml;rfe, die in der Dokumentation nur unzureichend ausgeleuchtet wurden und deswegen auch schnell falsch interpretiert werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Hier soll vor allem der Fokus auf die ARD-Dokumentation gerichtet werden, da in ihr sehr kompakt und durch das Bildmaterial auch &auml;u&szlig;erst eindrucksvoll die Vorg&auml;nge um Julian Assange nachgezeichnet werden. Entgegen den sonst stets erhobenen Vorw&uuml;rfen der Vergewaltigungen wird deutlich die Motivation der US-amerikanischen Regierung(en) dokumentiert, die in der Offenlegung von abscheulichen Kriegsverbrechen durch US-Kampfeinheiten im Irak sowie weiteren Enth&uuml;llungen durch Wikileaks und Julian Assange zu suchen ist. Besonders der ehemalige CIA-Direktor und ehemalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta, der teils mit Aussagen zum Fremdsch&auml;men, aber auch mit haltlosen Behauptungen &bdquo;gl&auml;nzt&ldquo;, hat sich so bis auf die Knochen blamiert. So wird zum Beispiel der Vorwurf Panettas, aber auch Hillary Clintons widerlegt, Julian Assange h&auml;tte mit seinen Ver&ouml;ffentlichungen die Leben von Informanten gef&auml;hrdet &ndash; ein Hauptanklagepunkt der USA gegen Julian Assange. Erhellend auch der Auftritt von Edward Snowden, der thematisiert, dass die von Assange und Wikileaks geleistete Arbeit journalistische K&auml;rrnerarbeit ist und der Angriff auf Assange als beispielgebender <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57054\">Angriff auf die Pressefreiheit<\/a> zu bewerten ist. Die Aussagen des UN-Sonderberichterstatters f&uuml;r Folter, Nils Melzer, wurden leider um entscheidende Passagen bez&uuml;glich der Vergewaltigungsvorw&uuml;rfe gek&uuml;rzt, sodass auch hier ein eher diffuses Bild zur&uuml;ckbleibt. Hervorzuheben ist jedoch, dass seine Einlassungen zur <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=53173\">psychologischen Folterung von Julian Assange<\/a> Eingang in die Doku gefunden haben.<\/p><p>Ungeachtet der punktuellen Unzul&auml;nglichkeiten hat die ARD mit der Dokumentation eine wichtige und aufkl&auml;rerische Arbeit in ihrer Funktion als Vierte Gewalt geleistet. Sie leuchtet Hintergr&uuml;nde aus, hinterfragt Behauptungen und Positionen der M&auml;chtigen und stellt deren Narrative infrage, indem sie diesen Fakten entgegenstellt. Sie versucht, hinter die Kulissen zu schauen und zu zeigen, &bdquo;was ist&ldquo;. So berechtigt, gerade in den letzten Jahren, Kritik an der Arbeit der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien zu &uuml;ben war und ist: Diese Dokumentation ist der Nachweis, dass und warum ein funktionierender &Ouml;RR so eminent wichtig f&uuml;r das Funktionieren der Demokratie ist. Intakte Medien sind zwar nicht der Garant f&uuml;r eine funktionierende Demokratie, denn dann w&auml;re Julian Assange erst gar nicht in seiner derzeitigen Lage, aber sie sind eine der Grundvoraussetzungen daf&uuml;r.<\/p><p><em><strong>Erg&auml;nzende Anmerkung:<\/strong> Offenbar gibt es mehrere Versionen dieser Dokumentation, auf jeden Fall mindestens zwei. Sie sind unterschiedlich lang (zwischen 45 und 60 Minuten) und weichen punktuell ein wenig voneinander ab. Dies k&ouml;nnte damit zusammenh&auml;ngen, dass sie zu verschiedenen Zeitpunkten produziert und geschnitten wurden und aus diesem Grund auf unterschiedlichen Informationsst&auml;nden basieren. In den wichtigsten Kernaussagen stimmen sie jedoch, laut derzeitigem Kenntnisstand, &uuml;berein.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Bilder: &copy; Moritz M&uuml;ller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag ging es in London mit dem Prozess gegen den Wikileaks-Gr&uuml;nder Julian Assange weiter, bei dem er sich gegen eine Auslieferung an die USA, wo ihm lebenslange Haft droht, wehrt. Bzw. er versucht sich zu wehren, denn die Umst&auml;nde, unter denen der Prozess nun weitergef&uuml;hrt wird, scheinen ihm gegen&uuml;ber eher feindselig und im wahrsten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64616\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":64617,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126,123,41],"tags":[1546,681,2163,469,930,1415,1556,244,665],"class_list":["post-64616","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","tag-ard","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-justiz","tag-pressefreiheit","tag-usa","tag-vierte-gewalt","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/IMG_2521.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64616"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64629,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64616\/revisions\/64629"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64617"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}