{"id":64824,"date":"2020-09-15T13:00:21","date_gmt":"2020-09-15T11:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64824"},"modified":"2020-09-16T08:21:07","modified_gmt":"2020-09-16T06:21:07","slug":"menschenrechte-und-politik-der-fall-nawalny-und-die-gruenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64824","title":{"rendered":"Menschenrechte und Politik \u2013 der Fall Nawalny und die Gr\u00fcnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Menschenrechts- und Friedenspolitik m&uuml;ssen zusammen gedacht werden<\/strong> &ndash; das sagt <em>Stefan Herbst<\/em>, ehemals Menschenrechtsreferent der Missionszentrale der Franziskaner und Mitglied im Koordinierungskreis des Forum Menschenrechte. Herbst hat sich in einem Gastartikel f&uuml;r die NachDenkSeiten Gedanken &uuml;ber die au&szlig;en- und friedenspolitische Linie der Gr&uuml;nen gemacht und nimmt dabei den &bdquo;Fall Nawalny&ldquo; als aktuelles Beispiel f&uuml;r eine lange Entwicklung, die den Grundwerten der Gr&uuml;nen eigentlich komplett zuwiderl&auml;uft.<br>\n<!--more--><br>\nKein Zweifel: Den au&szlig;enpolitischen Vogel der aktuellen Nawalny-Diskussion schoss die Gr&uuml;nen-Fraktionsvorsitzende G&ouml;ring-Eckardt ab, als sie sich gegen&uuml;ber Zeitungen der Funke-Medien-Gruppe <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/goering-eckardt-nach-anschlag-auf-nawalny-fuer-sofortigen-stopp-von-nord-stream-2-9404822.html\">folgenderma&szlig;en &auml;u&szlig;erte<\/a>:<\/p><p>&ldquo;SPD-Alt-Kanzler Schr&ouml;der muss sich jetzt entscheiden, ob er auf der Seite der Demokratie und der Menschenrechte steht&rdquo;. Worauf sie damit zielt: &ldquo;Gr&uuml;nen-Fraktionschefin Katrin G&ouml;ring-Eckardt (hat) einen sofortigen Stopp des deutsch-russischen Pipelineprojekts Nord Stream 2 gefordert. &hellip;.Die Bauarbeiten an der Pipeline in Mecklenburg-Vorpommern m&uuml;ssen sofort eingestellt werden und die Bundesregierung muss jetzt einen wasserdichten Weg aufzeigen, wie das Projekt beendet werden kann&rdquo;.<\/p><p>Damit unterstellt G&ouml;ring-Eckardt allen, die Zweifel an der Verkn&uuml;pfung zwischen dem Milliardenprojekt Nord Stream II und einem mutma&szlig;lichen Mordversuch hegen, Feinde von &bdquo;Demokratie und Menschenrechten&ldquo; zu sein.<\/p><p>Die Gr&uuml;nen-Politikerin hat sich damit von der einstmals Gr&uuml;nen Friedenstaube in einen au&szlig;enpolitischen Kampffalken entwickelt.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Sie st&uuml;rzt sich auf Stimmen, die zur Besonnenheit im Umgang mit Russland mahnen, auf spekulative Ankn&uuml;pfungen mit einer ungew&ouml;hnlich populistisch-stimmungsmachenden Rede. Kein Zweifel: Sie hat das handwerkliche Werkzeug politischer Diffamierung und Unterstellung gut gelernt. Sie ist zweifellos ins Lager politischer Verblender gewechselt, die &ndash; ihr Parteivorsitzender Habeck st&ouml;&szlig;t ins gleiche Horn, wenn er Zweifler (und dies sollte gerade bei politischen Morden\/Mordversuchen\/Kalk&uuml;len die Herangehensweise jedes f&uuml;r das Gemeinwohl Verantwortung tragenden Politikers sein)  als Verschw&ouml;rungstheoretiker diffamiert  &ndash; jenseits rationaler Politik auf Stimmungsmache setzen und im Namen von &bdquo;Demokratie und Menschenrechten&ldquo; anders-rational-denkende Menschen als Verschw&ouml;rungstheoretiker brandmarken. Die derzeitige kriminalistische Diskussion gleicht jener, die mir unterstellt, dass ich den mit einem K&uuml;chenmesser gestalteten Mordversuch begangen haben m&uuml;sse, weil das K&uuml;chenmesser nun mal aus meiner K&uuml;che stamme und ich &Auml;rger mit dem Opfer gehabt habe&hellip;.<\/p><p>Auch energiepolitisch ist das, was die Gr&uuml;nen hier vertreten, allerdings nur die &bdquo;halbe Wahrheit&ldquo;. Sie m&uuml;ssten dann n&auml;mlich auch sagen, dass sie zugunsten der  Wettbewerbsf&auml;higkeit von Erneuerbaren Energien einer Verteuerung des Gaspreises und einer m&ouml;glichen Verknappung (die Ukraine hat die durch ihr Land f&uuml;hrende Gasleitung schon einmal gesperrt) das Wort reden. Kurz- und mittelfristig sind diese &Auml;u&szlig;erungen nur als Unterst&uuml;tzung von Erd&ouml;ll&auml;ndern, der Kohleenergie oder gar vom umweltsch&auml;dlichen Gasfrackingverfahren der USA zu verstehen. <\/p><p>Gas ist sicherlich nur eine &Uuml;bergangstechnologie. Aber sie ist gerade auch als kurzfristig einigerma&szlig;en CO2-neutrale Alternative zum Erd&ouml;l und zur Kohle (nach dem beschlossenen Atomausstieg) unverzichtbar. Die Politik der Gr&uuml;nen ist deshalb nicht nur au&szlig;enpolitisch problematisch, weil sie das Verh&auml;ltnis zu unserem europ&auml;ischen Nachbarn Russland untergr&auml;bt, sondern sie ist energiepolitisch unredlich &ndash; von einer durchdachten gr&uuml;nen Alternative (sie bezeichnen sich als &bdquo;Programmpartei&ldquo; sic!) gar nicht zu sprechen. <\/p><p>Aber kommen wir noch einmal auf das Herzst&uuml;ck der populistischen Rede von G&ouml;ring-Eckardt zur&uuml;ck: Sie diffamiert mit ihrer &Auml;u&szlig;erung n&auml;mlich einen ehemaligen Markenkern deutscher sozialliberaler Handels- und Weltpolitik, die unter zwei Stichworten stand: Wandel durch Handel und Entspannungspolitik. Nun mag man gerade an der liberalen menschenrechtlichen Maxime gewisse Zweifel hegen: Handel k&ouml;nne Menschenrechte voranbringen. Aber v&ouml;llig von der Hand ist dies nicht zu weisen, wenn es auch viele Beispiele daf&uuml;r gibt, dass Handelsinteressen &uuml;ber Menschenrechtsinteressen gestellt werden und wurden (vgl. Ernst K&auml;semann, der einmal zur Argentinienpolitik der Bundesrepublik sagte: &ldquo;Die Diplomatie k&uuml;mmert sich nicht um die Menschenrechte und den Zivilschutz, sondern um ihre nationalen Repr&auml;sentationspflichten und kommerziellen Interessen. Ein verkaufter Mercedes wiegt mehr als ein Leben.&rdquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]). Jedenfalls friedenspolitisch ist es sicher, dass enge Handelsbeziehungen auch unterschiedlichste und feindlich gesinnte Interessensgruppen aneinanderbinden. Handel und gegenseitige Abh&auml;ngigkeit verhindern, dass jemand Amok l&auml;uft und meint, alles auf eine Karte zu setzen, weil er damit nicht nur den Feind, sondern eben auch sich und seinen ureigensten Interessen sch&auml;digt. Au&szlig;erdem gilt (wenigstens eingeschr&auml;nkt) immer noch: Wer miteinander spricht, der schie&szlig;t nicht auf den anderen. Gorbatschows Rede vom &bdquo;Gemeinsamen Haus Europa&ldquo; deutet genau in diese Richtung. Wenn das Ziel der Entspannungspolitik in den Jahren 1987-1992 (mit und unter Gorbatschow!) erreicht wurde (auch dank der sozialdemokratischen entspannungspolitischen Vorarbeit, die damals noch &bdquo;links von Gr&uuml;nen&ldquo; und der 68-er Friedens-, Frauen-, Eine-Welt- und &Ouml;kologie-Bewegung &uuml;berholt wurden) so sehen wir nun, dass die &bdquo;Gr&uuml;nen&ldquo; sich nach der H&auml;utung und Emanzipation von ihren ehemaligen Wurzeln in Friedens- und  Eine-Welt-Bewegung  hin zu einer neuen Sanktions- und menschenrechtsmilitaristischen Interventionspartei entwickelt haben. Es ist dabei besonders aussagekr&auml;ftig, dass man dabei dem schon in den 60-er und 70-er Jahren entwickelten US-amerikanischen au&szlig;enpolitischen Narrativ von &bdquo;Menschenrechten und Demokratie&ldquo; v&ouml;llig ideologieunkritisch folgt und ihn in unseren Medien fast einspruchslos einsetzen kann, um andere zu diffamieren. Dabei waren wir im Diskurs schon einmal viel weiter, wenn, ja wenn die Gr&uuml;nen einen Noam Chomsky wirklich lesen und beherzigen w&uuml;rden, einen der besten US-amerikanischen Intellektuellen. Seine Werke zu Vietnam waren damals das intellektuelle Werk &uuml;ber den Vietnamkrieg. Der Vietnamkrieg war f&uuml;r die 68-er-Bewegung miturs&auml;chlich und f&uuml;hrte letztlich auch zu den Gr&uuml;nen als &bdquo;linke&ldquo; Abspaltung der SPD. Noam Chomsky geh&ouml;rte sicherlich urspr&uuml;nglich gerade zu den gr&uuml;nen-nahen Ideengebern politischer Debattenkultur. Aber seine Werke wie &bdquo;Manufacturing Consent&ldquo; &ndash; (&auml;hnlich medienkritisch wichtig auch Albrecht M&uuml;llers Buch &bdquo;Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.&ldquo;) oder &bdquo;Wer beherrscht die Welt&ldquo; oder &bdquo;Hybris &ndash; die endg&uuml;ltige Sicherstellung der globalen Vormachtstellung der USA&ldquo; oder &bdquo;Der gescheiterte Staat&ldquo; und &bdquo;Requiem f&uuml;r den amerikanischen Traum&ldquo; und und und sind heute weitgehend aus dem gr&uuml;nen intellektuellen Diskurs getilgt.<\/p><p>Mit gr&uuml;ner Realpolitik oder einer gr&uuml;nen Programmatik, die diesen Namen verdient h&auml;tte, haben solche Einlassungen nichts mehr zu tun: Sie helfen n&auml;mlich weder den Menschenrechten noch der Demokratie, noch sind sie energiepolitisch verantwortungsethisch vertretbar.  So wie es keine Alternative zu halbwegs &bdquo;freundschaftlichen Beziehungen&ldquo; zu den USA und unseren NATO-Partnern gibt, so wenig d&uuml;rfte Deutschlands und Europas Au&szlig;enpolitik von der Alternativlosigkeit freundschaftlich-partnerschaftlichen zu unserem unmittelbaren Nachbarn, Russland, wie auch zu unserem fern&ouml;stlichen Partnerland China bestehen. Wohin wollen die &bdquo;Gr&uuml;nen&ldquo;, ein gr&uuml;ner Au&szlig;enpolitiker, die deutsche Politik treiben &ndash; so fragt man sich. Will man tats&auml;chlich der US-amerikanischen Kriegs-, Sanktions-, Erpressungs- und Hegemonialpolitik eine europ&auml;isch-franz&ouml;sisch-deutsche gleichgestaltete und gleichgeschaltete Au&szlig;enpolitik hinzugesellen? <\/p><p>Den Gr&uuml;nen mangelt es heute an realpolitischen Alternativkonzepten. Sie verirren sich in au&szlig;enpolitischem Kriegsfalkentum in einer untergr&uuml;ndig militaristischen Menschenrechtspolitik (&uuml;brigens wird auch im Namen eines falsch verstandenen Feminismus weiterhin Krieg in Afghanistan gef&uuml;hrt). Sie vergessen dabei auch wesentliche Lehren einer politischen Theologie des Jesus von Nazareth:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Warum <strong>siehst du den Splitter im Auge deines Bruders<\/strong>, aber den Balken in <strong>deinem Auge<\/strong> bemerkst <strong>du<\/strong> nicht? &ldquo; (Matth&auml;us 7,3)\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Wenn Du mit einem Finger auf den Gegner zeigst, zeigen drei Finger auf dich zur&uuml;ck&ldquo;, k&ouml;nnte man als volkst&uuml;mliche Aneignung dieses Jesuswortes deuten. F&uuml;r die Gr&uuml;nen: Sie bemerken nicht, dass sie &auml;hnlich diffamatorisch unterwegs sind, wie sie fr&uuml;her einmal als &bdquo;f&uuml;nfte Kolonne des Kommunismus&ldquo; oder als verantwortungslose Gesinnungsethiker diffamiert wurden. Sie haben die eigenen Lehren der Vergangenheit &uuml;ber  Bord geworfen: Es gibt auch bei v&ouml;lligen Unterschieden und Interessen unter Menschen (sollte Putin und G&ouml;ring-Eckardt eine solche Personenkonstellation sein &ndash; wobei G&ouml;ring-Eckardt nie ein regierungspolitisches Amt bekleidet hat)  keine Alternative zu Gespr&auml;chen und Kommunikation. Wer den anderen mit Sanktionen belegt und zum Feindbild stilisiert, hat schon verloren, weil er seiner eigenen Logik auf den Leim geht und den Grundsatz von Dialog und Kommunikation, n&auml;mlich &bdquo;Vertrauen&ldquo;, zerst&ouml;rt. Man fragt sich, welche Gr&uuml;nen noch nach Russland reisen und dort Gespr&auml;che f&uuml;hren. Kann tats&auml;chlich eine ehemals friedenspolitische Partei ernsthaft zu einem heutigen Parteitag eine US-Au&szlig;enpolitikerin Madeleine Albright einladen[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], die die Gr&uuml;nen zusammen mit Joschka Fischer in den (v&ouml;lkerrechtswidrigen) Serbienkrieg gef&uuml;hrt hat (und damals ein hegemonialer Affront gegen ein zur &bdquo;Regionalmacht&ldquo; eingedampftes Russland war) und &ouml;ffentlich die Sanktionspolitik der USA gegen&uuml;ber dem Irak, dem &uuml;ber f&uuml;nfhunderttausend Kinder zum Opfer gefallen sind, verteidigt hat (wenngleich sie diese Aussage auch sp&auml;ter als &bdquo;politischen Fehler&ldquo; bezeichnete). Die Gr&uuml;nen haben Hans Christof von Sponeck vergessen, der damals (im Jahr 2000) als Leiter des Oil-for-Food-Programms im Irak zur&uuml;ckgetreten ist, weil die USA unter Madeleine Albright s&auml;mtliche menschenrechtlichen Anfragen der mit den Folgen dieser Politik vertrauten UN-Experten abgeschlagen hatten &ndash; die UNO so zu einem Mordinstrument gegen die irakische Bev&ouml;lkerung instrumentalisierten.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Madeleine Albright wurde wegen dieser m&ouml;rderischen Sanktionspolitik nie zur Rechenschaft gezogen &ndash; nun darf sie (als Belohnung?) auf dem Gr&uuml;nen-Parteitag 2020 sich als au&szlig;enpolitischer Friedens- und Beraterengel hervortun. Naja, w&uuml;rden die Gr&uuml;nen dagegenhalten: Immerhin ist Madeleine Albright frauenbewegt, ist J&uuml;din und au&szlig;erdem und besonders wichtig: Mitglied der Demokratischen Elite.  Aber was steht mehr f&uuml;r diesen &bdquo;realpolitischen&ldquo; Wandel der Gr&uuml;nen von einer Friedens- zu einer potentiellen Kriegsverbrecherpartei &ndash; nat&uuml;rlich und das sei <a href=\"https:\/\/www.goering-eckardt.de\/\">gesagt<\/a>: &bdquo;mit Offenheit und Optimismus will ich Demokratie gestalten und Freiheit bewahren&ldquo;, als eine solche geschichtsvergessene Einladung. Man geht damit auch dem au&szlig;enpolitisch gef&auml;hrlichen Narrativ auf den Leim, dass die US-Politik unter den Demokraten alles anders machen w&uuml;rde. Nichts w&auml;re geopolitisch falscher als diese Annahme, weil sie den politischen Diskurs einseitig auf die angebliche Alternative zwischen den ach so guten &bdquo;Demokraten&ldquo; und den b&ouml;sen &bdquo;Republikanern&ldquo; verengt. <\/p><p><strong>Die einseitige Erblindung &ndash; menschenrechtliche Double-Standards der &bdquo;neuen gr&uuml;nen Politik&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wie kann G&ouml;ring-Eckardt einen einzelnen Mordversuch, der nur &bdquo;Plausibilit&auml;tsgr&uuml;nde&ldquo;, aber keinesfalls Beweise aufbringen kann, zu einer Sanktionspolitik gegen Russland nutzen, w&auml;hrend man die (fast) t&auml;glichen US-Morde bzw. au&szlig;ergerichtlichen Hinrichtungen durch Drohnen in Afrika, die noch dazu von Deutschland aus gesteuert werden, stillschweigend &uuml;bergeht? Offensichtlich geht es den Gr&uuml;nen nicht um Menschenrechte, deren ethisches Proprium gerade darin besteht, unansehnlich der politischen Ausrichtung des verfolgten Menschen zu gelten, sondern um eine einseitige au&szlig;enpolitische Positionierung Deutschlands und Europas zu einer Kriegspartei im westlichen Wertediskurs (oder sollte man Unwertediskurs sagen &ndash; wie nat&uuml;rlich, wenn von &bdquo;Werten&ldquo; im Zusammenhang mit &bdquo;Westen&ldquo; die Rede ist, eigentlich immer das Adjektiv &bdquo;verlogen&ldquo; hinzukommen, mindestens aber mitgedacht werden m&uuml;sste. Aber nein, h&ouml;re ich mir schon entgegenrufen: Man k&ouml;nne doch nicht die deutsche Demokratie oder das demokratische &bdquo;Amerika&ldquo; mit dem diktatorischen Russland vergleichen oder gar auf eine Stufe stellen). Hinzu kommt: Es besteht f&uuml;r eine rationale Politik ein Unterschied, ob eine au&szlig;enpolitische Handlung auf Tatsachen oder Vermutungen beruht. W&auml;hrend man die faktenbasierte menschenrechtswidrige US-Au&szlig;enpolitik hinnimmt, schl&auml;gt man lautstark Alarm und f&auml;hrt heftigste Gesch&uuml;tze auf (Sanktionen sind Wirtschaftskrieg &ndash; also Krieg mit anderen Mitteln), wenn vermeintliche &bdquo;politische Freunde&ldquo; anderswo vermeintlich bzw. mutma&szlig;lich verfolgt und ermordet werden. Das eine ist Au&szlig;enpolitik auf Fakten, das andere Au&szlig;enpolitik auf Mutma&szlig;ungen, m&ouml;glicherweise feindbilderzeugt, so wie die deutsche Au&szlig;enpolitik bis in die sp&auml;ten 80-er Jahre hinein mit dem Antibolschewismus und Antikommunismus aus Kaiserzeit und Nationalsozialismus gleicherma&szlig;en gespeist, gepr&auml;gt war.<\/p><p>Zur&uuml;ck zu Nawalny: Es geht den Gr&uuml;nen nicht um Nawalny (obwohl sie ihn wohl als Anti-Korruptionspolitiker und als Anti-Putin-Politiker als &bdquo;Ihresgleichen&ldquo; l&auml;ngst adoptiert haben &ndash; &uuml;ber fremdenfeindlich-nationale Ankl&auml;nge hinwegsehend) &ndash; sie benutzen den Mordanschlag auf ihn, ihre au&szlig;enpolitische Agenda voranzubringen. Und die ist sp&auml;testens seit der Ukrainekrise antirussisch und einseitig (nicht nur gegen&uuml;ber der USA als auch gegen&uuml;ber der Rolle Deutschlands und Europas) erblindet. <\/p><p>Dabei haben die Gr&uuml;nen ja recht: Es gibt wohl keinen Zweifel, dass Menschenrechte in der au&szlig;enpolitischen Menschenrechts- und Interessenpolitik immer nur eine Mauerbl&uuml;mchenrolle gespielt haben.<\/p><p>Es ist beklagenswert, dass Menschenrechte bei den USA oder auch bei Russland und China (allerdings Letzteres in weniger gro&szlig;em Ausma&szlig;, weil es au&szlig;enpolitisch bis heute keine Milit&auml;rpolitik betreibt und nicht wie die USA Krieg als anderes Mittel der Politik begreift[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]) &ndash; aber auch zunehmend in der europ&auml;ischen Au&szlig;enpolitik nie eine letztendscheidende Rolle gespielt haben. Die Inkaufnahme ziviler Opfer wird ebenso von den USA (angefangen in Hiroshima bis zur Bombardierung von St&auml;dten in Syrien (Rakka laut Wikipedia: &bdquo;nach  4500 Luftangriffen auf das Stadtgebiet sind etwa 1000 Zivilisten get&ouml;tet worden und ein bedeutender Teil der Infrastruktur ist zerst&ouml;rt&ldquo;) wie von Russland (Tschetschenienkrieg, Bombardierung von St&auml;dten in Syrien &ndash; wenn auch nicht in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von Rakka) betrieben. Die Geheimdienste aller L&auml;nder scheuen vor politischen Morden oder Attentaten (Frankreich &ndash; Rainbow Warrior) und Folter (CIA-Foltergef&auml;ngnisse in Syrien und in Polen oder Guantanamo, das bis heute nicht geschlossen ist) nicht zur&uuml;ck.<\/p><p>Nun aber sich gerade gegen&uuml;ber Russland zum Menschenrechtspuristen aufzuspielen, zeugt davon, dass man das au&szlig;enpolitische Diktum von Joschka Fischer (dem ungarischen Metzgerssohn &ndash; ich habe Budakeszi immer seiner eingedenk besucht) bis heute nicht &uuml;berwunden hat, der damals schon den Serbienkrieg &ndash; und wir erinnern uns daran, dass der Kriegseintritt Deutschlands damals der erste Kriegseinsatz Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg war, noch dazu v&ouml;lkerrechtswidrig, weil er die UNO &uuml;berging &ndash; mit menschenrechtlichen Gr&uuml;nden (einen zweiten Holocaust vermeiden) legitimierte. &Auml;hnlich dann auch die Verwicklung der gr&uuml;n-roten Au&szlig;enpolitik in den Afghanistankrieg und den weltweiten Kriegsdiskurs &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; &ndash; den die USA vor genau zwanzig Jahren vom Zaun brachen. Dieser wurde damals gegen uns als Menschenrechtler begonnen. Ich sa&szlig; am Vorabend des Afghanistankriegs noch im Rahmen eines Treffens des Forum Menschenrechte dem Au&szlig;enminister Joschka Fischer gegen&uuml;ber, als wir (damals u.a. mit Claudia Lochbihler als Generalsekret&auml;rin von AI und sp&auml;terer Gr&uuml;nen-Politikerin in Br&uuml;ssel) ihn darauf festlegen wollten, dass Krieg gegen den Terror nicht zu f&uuml;hren sei. Es k&ouml;nne gegen &bdquo;Terror&ldquo; kein Krieg gef&uuml;hrt werden  &ndash; und ein solcher Kriegsdiskurs w&uuml;rde  in einen st&auml;ndigen Krieg f&uuml;hren mit der durch Kriegs- und Notstandspolitik begr&uuml;ndeten dauerhaften Au&szlig;erkraftsetzung von Menschenrechten &ndash; und unsere &Uuml;berlegungen wurden dann von einer noch viel bittereren Wirklichkeit &uuml;berrollt) und ein menschenrechtlich-rechtsstaatlicher Verfolgungsdiskurs gef&uuml;hrt werden m&uuml;sse. Was wir nicht wussten: Fischer hatte schon damals sein O.K. f&uuml;r den am n&auml;chsten Tag beginnenden Angriff der USA auf Afghanistan gegeben und die deutsche Beteiligung signalisiert. Joschka Fischer legitimierte damals seine Ausf&uuml;hrungen u.a. mit dem Satz, man k&ouml;nne nicht auch noch die andere Backe hinhalten, wenn der andere zuschl&auml;gt. Wie armselig wenig dieser Politiker von der jesuanischen Entfeindungsliebe verstanden hat und wie sehr er und seine Parteigenossen einem angeblich verantwortungsvollen &bdquo;beschr&auml;nkten&ldquo; Zugriff auf das Milit&auml;r und milit&auml;rische L&ouml;sungen erlegen sind, zeigt sich heute. Gerade angesichts des uns allen drohenden Atomtodes, der selbstzerst&ouml;rerischen R&uuml;stungsspirale und der Gef&auml;hrdung menschlichen Lebens durch Umweltzerst&ouml;rung und Biozid w&auml;re ein anderer Zugang zur Realit&auml;t, der den tiefsten Intuitionen von Religionen und Denkern entspricht, notwendig &ndash; ist das Gleichnis von &bdquo;der anderen Backe&ldquo;  im Grunde alternativlos. Allen, die mit &bdquo;milit&auml;rischem Druck&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] z&uuml;ndeln, sei erneut gesagt: Nach einem mit Russland gef&uuml;hrten Atomkrieg wird es keine zweite Welt mehr f&uuml;r die Menschheit geben.  Und: Ohne China (ja und auch USA &ndash; seien sie nun von Trump oder Biden gef&uuml;hrt) wird es kein Ende des Biozids und der drohenden Selbstausl&ouml;schung der Menschheit via Biozid und Klimakatastrophe geben. Es wird dem menschenrechtsverliebtesten und menschenrechtsinterventionshungrigsten Gr&uuml;nen auch nichts helfen, wenn auf seinem Grab steht: &bdquo;Er hatte recht.&ldquo;<\/p><p>Quo Vadis, Gr&uuml;ne? Ist Euch der Weg zu den Fleischt&ouml;pfen der Macht das Opfer jeder friedens- und au&szlig;enpolitischen Vernunft wert? Und reagiert bitte nicht mit einem entr&uuml;steten, schnellen und wohlfeilen Nein.<\/p><p>Titelbild: photocosmos1\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Ganz auf dieser au&szlig;enpolitischen Linie der Gr&uuml;nen argumentiert schon seit l&auml;ngerem die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung und ihre Mitarbeiter. Siehe dazu der aktuelle Beitrag von Stefan Meister: &bdquo;<a href=\"https:\/\/dgap.org\/sites\/default\/files\/article_pdfs\/dgap-policy_brief-2020-19-de_6.pdf\">Das Ende der Ostpolitik. Wie ein Strategiewandel deutscher Russlandpolitik aussehen k&ouml;nnte.<\/a>&ldquo;<br>\nAuch hier wird wieder von einer &bdquo;Bereitschaft (d.h. durch die NATO unter deutscher Beteiligung zu implementierenden) f&uuml;r Schutzzonen f&uuml;r Zivilisten in Syrien&ldquo; fabuliert, was einem unverhohlenen  Aufruf zum Kriegseintritt Deutschlands in Syrien gleichkommt, &bdquo;ohne milit&auml;rischen Druck wird es nicht m&ouml;glich sein&hellip;.&ldquo;. Au&szlig;enpolitisch d&uuml;rftig ist hier die Aneinanderreihung von Vorw&uuml;rfen gegen&uuml;ber Russland ohne Hinterfragung der eigenen US-dominierten, westlich-deutschen Au&szlig;enpolitik. Wie widerspr&uuml;chlich einseitig diese Position ist, zeigt, dass der Autor einerseits Russland vorwirft, eine Regierung zu haben, die keine Rechtsstaatlichkeit kennt &ndash; aber gleichzeitig den Bruch von mit Russland rechtsstaatlich ausgehandelten Vertr&auml;gen (North Stream II) das Wort redet. Umgekehrt w&auml;re der Autor zu hinterfragen: Ist eine Sanktionspolitik, der er das Wort redet, wirklich rechtsstaatlich legitim &ndash; untergr&auml;bt sie doch die Grundcharta der Vereinten Nationen &ndash; &auml;hnlich auch die unverhohlene Argumentationsweise zur Einmischung in die russische Innenpolitik, man m&uuml;sse &bdquo;langfristig auf einen politischen und gesellschaftlichen Wandel in Russland setzen, da nur dieser Frieden und Stabilit&auml;t garantiert.&ldquo; Sind solche Regime-Change-Spekulationen wirklich Russland angemessen &ndash; oder nicht die erneute Heraufbeschw&ouml;rung eines Reiches des Guten hier und eines Reichs des B&ouml;sen dort? Sie reflektieren wohl auch die Kommunikationsunf&auml;higkeit gr&uuml;ner Au&szlig;enpolitik weltweit (&auml;hnlich die zelotischen &Auml;u&szlig;erungen einer G&ouml;ring-Eckardt zu China etc. etc. &ndash; nur die USA wird merkw&uuml;rdig immer mehr ausgenommen). &Auml;hnliche Einlassungen w&uuml;rde ich gerne von einem Vertreter der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung im zu den USA benachbarten Kanada lesen&hellip;. Eignet sich eine solche Partei, die solche politischen K&ouml;pfe einstellt, noch f&uuml;r eine an deutschen Friedensinteressen orientierte, UN-freundliche und verl&auml;ssliche Au&szlig;enpolitik? Hinzu kommt: Der Autor fabuliert hier nur von den &bdquo;Kosten f&uuml;r Russland&ldquo;, nicht aber von den Kosten f&uuml;r uns. Ist eine Aufk&uuml;ndigung des fast fertiggestellten North-Stream-II-Projektes etwa f&uuml;r Deutschland, die Firmen, den Steuerzahler und auch den Gaskunden denn wirklich &bdquo;kostenlos&ldquo; zu haben? So kann nur jemand argumentieren, der Schreibtischpolitik betreibt und nicht Verantwortung f&uuml;r ein Land, seine Wirtschaft, seine au&szlig;enpolitische Verl&auml;sslichkeit und das Gemeinwohl tr&auml;gt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lebenshaus-alb.de\/magazin\/004430.html\">lebenshaus-alb.de\/magazin\/004430.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/videos\/we-must-defend-essential-freedoms\">gruene-bundestag.de\/videos\/we-must-defend-essential-freedoms<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Wichtig die Rede zur Preisverleihung der Deutsch Arabischen Gesellschaft: <a href=\"https:\/\/www.d-a-g.de\/uploads\/media\/Preis_2019_Laudatio_Dr._Gysi.pdf\">d-a-g.de\/uploads\/media\/Preis_2019_Laudatio_Dr._Gysi.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Madeleine Albright: &bdquo;Die zentrale au&szlig;enpolitische Zielsetzung lautet, Politik und Handeln anderer Nationen so zu beeinflussen, dass damit den Interessen und Werten der eigenen Nation gedient ist. Die zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel reichen von freundlichen Worten bis zu Marschflugk&ouml;rpern.&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.fembio.org\/biographie.php\/frau\/biographie\/madeleine-albright\/\">fembio.org\/biographie.php\/frau\/biographie\/madeleine-albright\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Siehe Anmerkung 1!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Menschenrechts- und Friedenspolitik m&uuml;ssen zusammen gedacht werden<\/strong> &ndash; das sagt <em>Stefan Herbst<\/em>, ehemals Menschenrechtsreferent der Missionszentrale der Franziskaner und Mitglied im Koordinierungskreis des Forum Menschenrechte. Herbst hat sich in einem Gastartikel f&uuml;r die NachDenkSeiten Gedanken &uuml;ber die au&szlig;en- und friedenspolitische Linie der Gr&uuml;nen gemacht und nimmt dabei den &bdquo;Fall Nawalny&ldquo; als aktuelles Beispiel f&uuml;r eine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64824\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":64827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,162,194,123],"tags":[1457,877,714,1396,2175,2301,1564,305,1283,2608,259,1556,1019],"class_list":["post-64824","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-energiepolitik","category-gruene","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-albright-madeleine","tag-erdgas","tag-fischer-joschka","tag-goering-eckardt-katrin","tag-interventionspolitik","tag-konfrontationspolitik","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-menschenrechte","tag-nawalny-alexej","tag-nord-stream","tag-russland","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/shutterstock_1092421760.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64824"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64824\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64853,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64824\/revisions\/64853"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}