{"id":64881,"date":"2020-09-20T11:45:40","date_gmt":"2020-09-20T09:45:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64881"},"modified":"2020-09-21T17:38:25","modified_gmt":"2020-09-21T15:38:25","slug":"die-sklavenwirtschaft-der-rassismus-die-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64881","title":{"rendered":"Die Sklavenwirtschaft. Der Rassismus. Die USA."},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Black Lives Matter &ndash; Das Leben von Schwarzen z&auml;hlt&ldquo;. Diese Forderung ist nicht neu, sondern wird in den USA seit 500 Jahren vorgetragen. Die Geschichte der USA ist auch eine Geschichte der Sklavenwirtschaft und des Rassismus. <strong>Winfried Wolf<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen ausf&uuml;hrlichen Blick auf diesen Teil der US-Geschichte geworfen, der in der aktuellen Debatte gerne vergessen und verdr&auml;ngt wird.<br>\n<!--more--><br>\nAm 11. Juni 2020 gab US-Pr&auml;sident Donald Trump dem Sender Fox News ein bemerkenswertes Interview. Trump argumentierte, er habe mehr f&uuml;r die Schwarzen in den USA geleistet &bdquo;als jeder andere Pr&auml;sident vor mir&ldquo;. Ausdr&uuml;cklich verwies er dann auf Abraham Lincoln, von dem es hei&szlig;t, er habe die Sklaverei in den USA abgeschafft. Trump sagte: &bdquo;Lincoln did good for the black community but the end is questionable&ldquo;. Abraham Lincoln, 1861 als 16. Pr&auml;sident der USA gew&auml;hlt und 1865 noch w&auml;hrend seiner Amtszeit ermordet, habe Gutes f&uuml;r die Schwarzen getan, doch das Ende sei fragw&uuml;rdig. Die Interviewerin, Harris Faulkner, selbst Schwarze, unterbrach den wei&szlig;en Herrenmenschen mit den Worten: &bdquo;Well, we are free, Mr. President, so I think he did pretty well &ndash; Nun, wir sind frei, Mr. President. Daher glaube ich schon, dass er das ganz gut gemacht hat.&ldquo; Trump blieb stur und &auml;u&szlig;erte: &bdquo;Yes, we are free.&ldquo; F&uuml;r ihn ging es um die <em>Freiheit der USA<\/em>. Um die Freiheit von Seinesgleichen. Um Kapitalfreiheit. Um die Freiheit, maximale Gewinne zu machen. Die Interviewerin vertrat die Auffassung, es sei um die Freiheit der Schwarzen gegangen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Tats&auml;chlich sagte Lincoln 1862: &bdquo;Was ich bez&uuml;glich der Sklaverei und der farbigen Rasse unternehme, tue ich, weil es hilft, die Union zu retten; und was ich unterlasse, unterlasse ich, weil ich nicht glaube, dass es helfen w&uuml;rde, die Union zu retten.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Entsprechend sah das Ergebnis des B&uuml;rgerkriegs aus, in dem es dem Norden angeblich um eine Aufhebung der Sklaverei, in Wirklichkeit aber um Expansion des produktiven Kapitals im Norden auch verst&auml;rkt nach S&uuml;den und nach au&szlig;en und vor allem um die Verteidigung des riesigen Marktes und der gewaltigen Rohstoffe auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten ging. <\/p><p>Nach dem Sieg der Bundestruppen des Nordens &uuml;ber die Konf&ouml;derierten der S&uuml;dstaaten verweigerten 19 der 24 Nordstaaten den Schwarzen weiterhin das Wahlrecht. Und alle S&uuml;dstaaten legten in ihren neuen Verfassungen den Entzug des Wahlrechts f&uuml;r Schwarze fest. Dies hatte G&uuml;ltigkeit bis 1900. Hinzu kamen die &bdquo;black codes&ldquo;, Gesetze, die eine Trennung von Wei&szlig;en und Schwarzen im gesamten &ouml;ffentlichen und in gro&szlig;en Teilen des Arbeitslebens etablierten &ndash; und die dann in wichtigen Bestandteilen ein Jahrhundert lang, bis in die 1960er Jahre hinein, G&uuml;ltigkeit hatten. <\/p><p>In der Gesamtbilanz liegt der aktuelle Pr&auml;sident der USA mit seiner Einsch&auml;tzung der Politik Lincolns so falsch nicht. Das Ergebnis der Lincoln&rsquo;schen Politik, dann vor allem umgesetzt unter seinen Nachfolgern im Amt Andrew Johnson (1865-1969) und Ulysses S. Grant (1869-1877), muss man tats&auml;chlich als  &bdquo;fragw&uuml;rdig&ldquo; bezeichnen. Der Milliard&auml;r und Immobilien-Spekulant Donald Trump bringt mit seiner Interpretation des US-amerikanischen B&uuml;rgerkriegs einen Klasseninstinkt zum Ausdruck, der sich mit demjenigen Abraham Lincolns deckt. Beider Pr&auml;sidenten Position k&ouml;nnte auf die Formel gebracht werden: &bdquo;Make America great&ldquo;. Darauf wird zur&uuml;ckzukommen sein.<\/p><p><strong>500 Jahre Weltmarkt<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Entdeckung der Gold- und Silberl&auml;nder in Amerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der einheimischen Bev&ouml;lkerung in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Auspl&uuml;nderung von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Gehege zur Handelsjagd auf Schwarzh&auml;ute bezeichnen die Morgenr&ouml;te der kapitalistischen Produktion. Diese idyllischen Prozesse sind Hauptmomente der urspr&uuml;nglichen Akkumulation.&ldquo; Mit diesem Satz beschrieb Karl Marx die Grundlagen der industriellen Revolution in Europa; er spannte dabei einen Bogen von der Zeit Ende des 15. Jahrhunderts bis weit ins 18. Jahrhundert.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Unter der urspr&uuml;nglichen Akkumulation verstand Marx eine erste Anh&auml;ufung von Kapital in Form infrastruktureller Einrichtungen, Verkehrswegen, Kan&auml;len, Eisenbahnen, Geb&auml;uden und Maschinerie, die die Grundlage f&uuml;r eine Industrialisierung schufen. Diese Basis wurde zu einem Teil durch innere Prozesse in Europa geschaffen (Modernisierung der Landwirtschaft, Agrarimporte, Verdr&auml;ngung der Bauern vom Land und Schaffung eines Proletariats, extreme Ausbeutung desselben einschlie&szlig;lich durch Frauen- und Kinderarbeit). Der entscheidende Teil dieses ersten Kapitalstocks wurde jedoch <em>von au&szlig;en<\/em> geleistet: in Form kolonialer Beute vor allem von Edelmetallen und durch gewaltige Gewinne aus dem Sklavenhandel. <\/p><p>Im Grunde ging es um die <em>erste kapitalistische Globalisierung<\/em>. Diese war eher intensiver als die Globalisierung, die wir in den letzten Dekaden erlebten. Der Anteil des Au&szlig;enhandels an der Gesamtwirtschaft &ndash; die heute als Bruttoinlandsprodukt bezeichnet wird &ndash; der Sklavenhandels- und Koloniall&auml;nder Spanien, Portugal, Niederlande, Gro&szlig;britannien und Frankreich d&uuml;rfte erheblich gr&ouml;&szlig;er gewesen sein als im Fall des Anteils der Exporte und Importe an den Bruttoinlandsprodukten der heutigen Weltmarktf&uuml;hrer USA, China, Japan und Deutschland.<\/p><p>Es ging um eine erste weltumspannende Expansion des Kapitals. Diese war von vornherein mit Vertreibung und Rassismus und Antisemitismus verbunden. 1492 war nicht nur das Jahr der Entdeckung Amerikas. Es war auch das Jahr der Reconquista; in diesem Jahr fiel mit Granada das letzte Bollwerk der Araber in Spanien. Gleichzeitig wurden 150.000 sich als solche bekennende J&uuml;dinnen und Juden des Landes vertrieben. Bereits drei Jahre sp&auml;ter stand Christoph Kolumbus an der Spitze eines Feldzugs gegen die Eingeborenen von Santo Domingo. Er kehrte mit reicher Beute &ndash; darunter mehr als 500 gefangene Indianer &ndash; zur&uuml;ck, die in Sevilla als Sklaven verkauft wurden. Die Feldz&uuml;ge waren von Anfang an vor allem Business; sie wurden meist von Privatleuten finanziert. Die Gewinnmargen lagen deutlich im zweistelligen Bereich. W&auml;hrend bei der aktuellen Form der Globalisierung die damit verbundene Brutalit&auml;t &ndash; Kinderarbeit im Kobaltabbau im Kongo,  Billigstarbeit von Frauen in Bangladeschs Textilschuppen oder Recycling von hochgiftigem M&uuml;ll aus Europa in Form von Familienarbeit auf den M&uuml;llkippen der Elfenbeink&uuml;ste &ndash; oft verdeckt stattfindet, wurde sie damals meist offen zur Schau gestellt. In seinem Buch &bdquo;Afrika. Geschichte einer Unterentwicklung&ldquo; schreibt Walter Rodney: &bdquo;John Hawkins unternahm um 1560 drei Reisen nach Westafrika und verschleppte Afrikaner nach Amerika, wo er sie verkaufte. Bei seiner R&uuml;ckkehr nach der ersten Reise war sein Gewinn so ansehnlich, dass K&ouml;nigin Elizabeth I. sich f&uuml;r eine Beteiligung [&hellip;] interessierte. Zu diesem Zweck stellte sie ein Schiff namens &acute;Jesus&acute; zur Verf&uuml;gung. Hawkings machte sich mit &acute;Jesus&acute; auf den Weg, um noch mehr Afrikaner zu entf&uuml;hren und kehrte mit so hohem Gewinn nach England zur&uuml;ck, dass K&ouml;nigin Elizabeth ihn zum Ritter schlug. Als Wappen w&auml;hlte Hawkins die Darstellung eines Afrikaners in Ketten.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p><strong>Entwickelter Sklavenhandel<\/strong><\/p><p>Der Sklavenhandel war von Anbeginn ein anerkannter Gesch&auml;ftszweig. Es war die Reaktion auf die Expansion des Kapitals, die mit der Entdeckung &ndash; und der durch Zwang erfolgten Entv&ouml;lkerung &ndash; vor allem der Gebiete in S&uuml;d- und Nordamerika verbunden war. Dass es die Afrikaner traf, war nicht von vornherein ausgemacht. Als die Siedler in den Kolonien Amerikas Bedarf an Arbeitskr&auml;ften anmeldeten, testeten sie zun&auml;chst die Versklavung der einheimischen Bev&ouml;lkerung. Diese erwies sich in nur sehr beschr&auml;nktem Umfang als einsatzf&auml;hig; vor allem wurden diese Menschen schnell durch Krankheiten hinweggerafft. Als die Siedler nun von ihren Heimatl&auml;ndern Nachschub von Billigarbeitskr&auml;ften anforderten, wurde man dort auf spezifische Weise t&auml;tig: Nunmehr wurden wei&szlig;e &bdquo;Dienstverpflichtete&ldquo; angeheuert und vor allem durch die Klassenjustiz geschaffen. Gustavus Myers beschreibt dies in seinem ern&uuml;chternden Standardwerk &uuml;ber den US-Geldadel wie folgt: &bdquo;Arme Teufel ohne Heller und Pfennig, die man wegen irgendeines der zahlreichen Vergehen, die damals schwer bestraft wurden, verhaftet und verurteilt hatte, wurden als Verbrecher in die Kolonien transportiert und als Sklaven f&uuml;r einen Zeitraum von Jahren verkauft. Die englischen Gerichtsh&ouml;fe waren eifrig dabei, Menschenmaterial f&uuml;r die Pflanzungen in Virginia zu mahlen.&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Das Ergebnis dieser Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen war jedoch unbefriedigend. Es kam zu juristischen Auseinandersetzungen wegen &bdquo;illegaler Freiheitsberaubung&ldquo;, zu Aufs&auml;ssigkeit &ndash; und vor allem dazu, dass viele der Angeheuerten sich in Amerika nach kurzer Zeit auf und davon machten, um sich, ein paar hundert Meilen weiter westw&auml;rts, selbst als Siedler zu bet&auml;tigen. Die Unterscheidung, welcher Wei&szlig;e ein Herr und welcher Wei&szlig;e ein Knecht oder Sklave sei, war nicht immer einfach zu treffen. Anders im Fall der Sklavenimporte aus Afrika. Aufgrund ihrer Hauptfarbe konnten entlaufene afrikanische Sklaven leicht eingefangen werden. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass diese auch wesentlich leistungsf&auml;higer waren als indianische oder wei&szlig;e Sklaven. Wobei das Mittel des Zwangs, vor allem Auspeitschungen, gegen&uuml;ber Afrikanern besonders oft und mit gro&szlig;er Brutalit&auml;t eingesetzt wurde, was eindeutig rassistisch motiviert war.<\/p><p>Auch hier ist interessant, wie konkret ausgepr&auml;gt der Sklavenhandel als globalisierte kapitalistische Branche organisiert war. Es gab Konzessionen, Monopole und Oligopole; es gab gro&szlig;e Gesellschaften, die sich auf den Einkauf von Afrikanern &ndash; also auf Menschenjagd &ndash; und deren Verschiffung spezialisiert hatten (z.B. die niederl&auml;ndische Westindische Kompanie oder die britische Royal African Company). Es gab Fachpersonal &ndash; &Auml;rzte, die die potentiellen Sklaven (die bei der  Begutachtung oft in Palm&ouml;l getr&auml;nkt vorgef&uuml;hrt wurden, um die Feststellung von Alter und k&ouml;rperlicher Verfassung zu erschweren) zu taxieren hatten. Infrage kamen nur junge, kr&auml;ftige Menschen; meist zu zwei Dritteln M&auml;nner und zu einem Drittel Frauen. Die Verlustrate auf der Seereise durch Krankheit und durch &ndash; sehr viele! &ndash; Selbstmorde wurde mit 15 bis 25 Prozent fest einkalkuliert. F&uuml;hrend in der Sklavenhandel-Branche war &ndash; &uuml;ber den gesamten Zeitraum hinweg betrachtet &ndash; Gro&szlig;britannien, gefolgt von den Niederlanden, Spanien, Portugal, Frankreich und Kurbrandenburg. Gro&szlig;e Firmen mit stolzen Namen sind auf den Sklavenhandel zur&uuml;ckzuf&uuml;hren &ndash; so die Barclay Bank oder der Versicherer Lloyds. Rodney argumentiert, dass es Ver&auml;stelungen bis in Details der modernen Industrie gibt und schreibt &uuml;ber ein fr&uuml;hes Garagen-Start-up: &bdquo;Auch James Watt blieb den westindischen Sklavenhaltern zeitlebens verbunden, weil sie seine ber&uuml;hmte Dampfmaschine finanziert und vom Zeichentisch in die Fabrik gebracht hatten.&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Bl&uuml;hende Hafenst&auml;dte und Handelszentren wie Liverpool, Genua, Nantes, Lissabon, Sevilla, Amsterdam &ndash; und in den USA New York, Boston  und Portland &ndash; verdanken ihre Existenz eben dieser bl&uuml;henden, globalisierten Branche.<\/p><p>Die Zahl derjenigen, die in dreieinhalb Jahrhunderten, im Zeitraum 1520 bis 1867, lebend, als einsatzf&auml;hige Sklavinnen und Sklaven in Nord- und S&uuml;damerika und der Karibik ankamen, wird auf mindestens elf Millionen gesch&auml;tzt. Robert Ren&eacute; Kuczynski wollte es besonders genau wissen und kam auf 14.650.000. Und es gibt auch wesentlich h&ouml;here Sch&auml;tzungen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] <\/p><p><strong>Dramatische R&uuml;ckwirkungen auf Afrika<\/strong><\/p><p>Die afrikanischen Sklaven kamen aus unterschiedlichen Regionen; aus naheliegenden Gr&uuml;nden oft aus den K&uuml;stengebieten bzw. aus einem rund 200 Meilen breiten K&uuml;stenstreifen. Den gr&ouml;&szlig;ten Aderlass zu beklagen hatten Westzentralafrika, Benin, Biafra und die Goldk&uuml;ste.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Bereits rein quantitativ war der Verlust an Menschen f&uuml;r den afrikanischen Kontinent nat&uuml;rlich enorm. Einige spezifische Faktoren sind zu bedenken, die das Drama erg&auml;nzen: Die genannten Zahlen bezogen sich auf diejenigen, die in Amerika lebend ankamen. Es gab nicht nur die angef&uuml;hrten hohen Verluste beim Transport, wo diese Opfer auf engstem Raum, aneinander gekettet, zusammengepfercht wurden. Es gab bereits viele Tote bei der eigentlichen Menschenjagd in Afrika. Dabei bedienten sich die Sklavenh&auml;ndler in der Regel afrikanischer, lokaler Vermittler, die wiederum in organisierten Feldz&uuml;gen auf Menschenjagd gingen. <\/p><p>Es gelangten, wie erw&auml;hnt, immer nur die kr&auml;ftigsten, jungen Menschen &ndash; m&ouml;glichst k&ouml;rperlich gro&szlig; Gewachsene &ndash; in die Maschinerie des Sklavenhandels. Im Unterschied zu vielen rassistischen Vorurteilen achteten die Eink&auml;ufer auch darauf, dass sie Menschen mit hoher Kultur in den Handel bringen konnten. Damit wurden h&ouml;here Marktpreise erzielt. Auch wurde Wert darauf gelegt, m&ouml;glichst Menschen einzufangen, die bereits die Pocken gehabt hatten und daher immun gegen diese Krankheit, die damals zahlreiche Todesopfer forderte, waren. <\/p><p>Dieses System wiederum hatte eine zersetzende Wirkung auf die gesellschaftlichen Strukturen in Afrika selbst. Die &Ouml;konomie des gesamten Kontinents war zunehmend und mehr als drei Jahrhunderte lang von der Jagd auf Sklaven und vom Sklavenhandel bestimmt. Der Verlust von Millionen Menschen, vor allem der j&uuml;ngeren Generation, f&uuml;hrte dazu, dass Afrika als einzige Weltregion im Zeitraum 1650 bis 1900 nur ein Bev&ouml;lkerungswachstum von rund 20 Prozent erlebte. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich die Bev&ouml;lkerung Asiens; die Einwohnerzahl Europas vervierfachte sich.<\/p><p>Ganz offensichtlich pr&auml;gte die Sklavenwirtschaft, die die Europ&auml;er dem afrikanischen Kontinent aufgezwungen hatten, Afrika massiv und dies ausschlie&szlig;lich negativ. Das Kolonialsystem, das sich im Schlepptau des Sklavenhandels herausbildete und das im 17. und 18. Jahrhundert zu einer v&ouml;llig neuen Einteilung Afrikas und zur fast kompletten Aufteilung des Kontinents unter die gro&szlig;en Kolonialm&auml;chte f&uuml;hrte, tat ein &Uuml;briges. Schlie&szlig;lich wurden einige s&uuml;dafrikanische V&ouml;lker von den &ndash; aus Europa eingewanderten &ndash; Buren versklavt, was dann in das Apartheid-System m&uuml;ndete, das es dort bis Ende der 1980er Jahre gab. &Uuml;brigens immer erheblich unterst&uuml;tzt durch US-amerikanische Firmen (aber auch durch deutsche Unternehmen wie VW und Siemens).<\/p><p><strong>Europas Kapitalstock<\/strong><\/p><p>Umgekehrt wirkte das globale System von kolonialer Beute und Sklavenhandel belebend auf Nordamerika und auf Europa. Das gilt sehr direkt f&uuml;r den Import der geraubten Edelmetalle. So gelangten allein im Zeitraum 1503 bis 1660 185.000 Kilogramm Gold und 16 Millionen Kilogramm Silber aus den Kolonien in den spanischen Hafen von San L&uacute;car de Barrrameda in Andalusien. Eduardo Galeano bewertete dies in seinem grandiosen Opus &bdquo;Die offenen Adern Lateinamerikas&ldquo; wie folgt: &bdquo;Das in etwas mehr als anderthalb Jahrhunderten nach Spanien gebrachte Silber &uuml;bertraf drei Mal die gesamten Reserven Europas [&hellip;] Die den neuen Kolonialgebieten entrissenen Metalle f&ouml;rderten die wirtschaftliche Entwicklung Europas, und man kann sogar sagen, dass sie sie erst erm&ouml;glicht haben. Nicht einmal der umw&auml;lzende Einfluss der Eroberung der persischen Sch&auml;tze, die Alexander der Gro&szlig;e &uuml;ber die hellenische Welt ergoss, k&ouml;nnte im Umfang mit diesem gewaltigen Beitrag Amerikas zum fremden Fortschritt verglichen werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Auf diese Weise wurde gewisserma&szlig;en p&uuml;nktlich am Vorabend der industriellen Revolution die expansive Geldwirtschaft Westeuropas bef&ouml;rdert; der M&uuml;nzbedarf konnte mit den Edelmetallen aus den Amerikas und auch aus Afrika &ndash; hier vor allem aus Guinea &ndash; gedeckt werden. Die Encyclopaedia Britannica erl&auml;utert, dass &bdquo;die Guinea&ldquo; eine &bdquo;Goldm&uuml;nze war, die im Vereinigten K&ouml;nigreich in den Umlauf kam. 1663 wurde sie zum ersten Mal gepr&auml;gt, w&auml;hrend der Regierungszeit Charles II., aus Gold, das von der Guinea-K&uuml;ste Westafrikas durch eine Gesellschaft importiert wurde, die mit Genehmigung der britischen Krone dort Handel trieb &ndash; daher der Name.&ldquo;[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Es gibt auch Versuche der Berechnung aller kolonialen Profite, die in Europa in den gesamten Kapitalstock am Beginn der industriellen Revolution flossen. Es geht dabei um die erw&auml;hnten Gewinne aus dem Raub und Import der Edelmetalle, um die Gewinne aus dem Sklavenhandel, um  die Gewinne, die die Niederl&auml;nder aus Indonesien herausholten und um den Gewinn, den England aus der Auspl&uuml;nderung Indiens bezog. Dies summierend schreibt Ernest Mandel: &bdquo;Wenn wir diese Summen addieren, erhalten wir mehr als eine Milliarde Goldpfund, das hei&szlig;t, mehr als den Wert des gesamten Anlagekapitals in allen europ&auml;ischen Industrienationen um das Jahr 1800. Das Hineinflie&szlig;en dieser riesigen Kapitalmassen in die Handelsnationen Europas zwischen dem 16. und dem Ende des 18. Jahrhunderts schuf nicht nur eine g&uuml;nstige Atmosph&auml;re f&uuml;r Kapitalinvestitionen und &acute;Unternehmergeist&acute;, es finanzierte in vielen nachweisbaren F&auml;llen direkt gro&szlig;e Manufaktur und Fabrikgr&uuml;ndungen, die mit den Ansto&szlig; zur industriellen Revolution gaben.&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p><strong>Sklavenwirtschaft in den USA<\/strong><\/p><p>F&uuml;r eine Sklavenwirtschaft gab es in Europa in j&uuml;ngerer Zeit nie eine profitable Zukunft. Zwar wurden auch afrikanische Sklaven nach Europa verfrachtet. Doch das erfolgte eher in hom&ouml;opathischer Dosierung &ndash; f&uuml;r einzelne T&auml;tigkeiten in Bankh&auml;usern, Werften, Hotels, Handelsh&auml;usern, f&uuml;r den Einsatz als Dienstpersonal in den H&auml;usern der Neureichen und in den Herrensitzen des alten Adels. Grunds&auml;tzlich gab es in Europa in diesen Jahrhunderten immer ausreichend Arbeitskr&auml;fte auch f&uuml;r schlecht bezahlte T&auml;tigkeiten. Vor allem aber eigneten sich die aufstrebende Manufaktur und die ersten Fabriken nicht f&uuml;r Sklavenarbeit. In Amerika jedoch mit seinen unermesslichen Natursch&auml;tzen, mit den f&uuml;r die Besiedelung der Wei&szlig;en unerschlossenen &ndash; durch die Vertreibung und Liquidierung der einheimischen, indianischen Bev&ouml;lkerung freiger&auml;umten &ndash; Gebieten konnten Sklaverei und Sklavenhandel profitabel betrieben werden. Das galt solange und dort, wo eine extensive Plantagenwirtschaft &ndash; mit dem Anbau von Tabak, Reis, Zuckerrohr, Baumwolle &ndash; vorherrschte. Die Sklaverei, die auf Gewalt und nacktem Zwang basiert, erwies sich als zu starr f&uuml;r die industrielle Entwicklung. Sklaven m&uuml;ssen grobe, unzerbrechliche Werkzeuge haben, was die kapitalistische Entwicklung der Industrie und auch diejenige einer hoch entwickelten Landwirtschaft behindert. Ein Einsatz von Sklaven und Zwangsarbeit in einer entwickelten Industrie erweist sich dar&uuml;ber hinaus als anf&auml;llig f&uuml;r Sabotage. <\/p><p>Entsprechend gab es bereits sehr fr&uuml;h einen erheblichen Unterschied zwischen den Nordstaaten und dem S&uuml;den der USA hinsichtlich des Einsatzes von Sklavinnen und Sklaven. 1680 wurden in allen Nordstaaten zusammen 1805 Sklaven gez&auml;hlt. In den S&uuml;dstaaten waren es damals mit 5076 nicht so viel mehr; knapp das Dreifache. Neunzig Jahre sp&auml;ter, 1770, waren es in den Nordstaaten 47.735; in den S&uuml;dstaaten gab es nunmehr ein Heer von 422.141 versklavten Menschen, was fast dem Neunfachen entsprach. 1860, beim Auftakt des B&uuml;rgerkriegs, gab es im Norden faktisch keine Sklaven mehr (64 nennt die Statistik); in den S&uuml;dstaaten wurden nunmehr exakt 3.953.696  Sklavinnen und Sklaven in der Statistik aufgef&uuml;hrt.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Dabei ist der Eindruck, im S&uuml;den h&auml;tte die gesamte Bev&ouml;lkerung von der Sklavenwirtschaft profitiert, falsch. 1860 konzentrierten sich die angef&uuml;hrten knapp 4 Millionen Sklaven auf 385.000 Sklavenhalter. Die gesamte wei&szlig;e Bev&ouml;lkerung z&auml;hlte acht Millionen Menschen. Der Anteil der Sklaven an der gesamten Bev&ouml;lkerung betrug knapp ein Drittel (wobei die Sklavenbev&ouml;lkerung explizit nicht als Menschen und nicht als Teil der Bev&ouml;lkerung gez&auml;hlt, sondern als Sachen und Werte verbucht wurde).<\/p><p>Auch hier ist diese Behandlung der Sklaven als Sache und als Kapital erhellend. Es gab genaue Angaben, welchen Wert ein Sklave spezifischer Qualifikation zu welchem Zeitpunkt und in welchem Bundesstaat hatte. Und es gab eine Art zyklische Bewegung der Sklavenpreise: Zwischen 1800 und 1837 kletterte der Preis f&uuml;r &bdquo;einen durchschnittlichen, erstklassigen Feldarbeiter (jungen Sklaven in guter Verfassung, aber ungelernt)&ldquo; von 500 auf 1300 Dollar, um dann in den Jahren 1843 bis 1848 auf 800 und 900 Dollar abzust&uuml;rzen &ndash; und bis 1860 wieder auf den Rekordwert von 1800 Dollar zu klettern.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]  <\/p><p>Der Charakter der Sklaven als Eigentum schlug sich bereits in den Gr&uuml;ndungsdokumenten der Vereinigten Staaten nieder. Im <em>Entwurf<\/em> der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung (Declaration of Independence), verfasst vom sp&auml;teren Pr&auml;sidenten Thomas Jefferson und Grundlage der Trennung von der britischen Krone, hie&szlig; es noch: &bdquo;Er (der brit. K&ouml;nig; W.W.] hat einen grausamen Krieg gegen die menschliche Natur gef&uuml;hrt, indem er die heiligsten Rechte des Lebens und der Freiheit bei den Angeh&ouml;rigen eines fernen Volkes dadurch verletzte, dass er diese Menschen [&hellip;] gefangen nahm und sie zur Sklaverei auf einen anderen Kontinent verbrachte. [&hellip;] Diese Piratenkriegf&uuml;hrung [&hellip;] ist der Krieg des christlichen K&ouml;nigs von Gro&szlig;britannien&hellip;&ldquo;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Diese Passage musste gestrichen werden; sie war f&uuml;r die Vertreter der S&uuml;dstaaten unannehmbar. In der 1787 beschlossenen Verfassung bezog sich dann der vielfach zitierte Verfassungsgrundsatz, wonach &bdquo;alle Menschen von Natur aus frei und gleich geschaffen&ldquo; sind, nicht auf die Sklaven. Dort hei&szlig;t es, dass der Staat sich &bdquo;auf die Herrschaft des Eigentums st&uuml;tzen soll&ldquo;. F&uuml;r den S&uuml;den hie&szlig; das: das Eigentum an Sklaven. F&uuml;r den Norden bedeutete es Eigentum im Gewerbe und im Finanzsektor. Mit dem Schutz des Eigentums hatte die Verfassung auch die Institution der Sklaverei anerkannt; nur der <em>Import<\/em> von Sklaven sollte verboten werden k&ouml;nnen &ndash; allerdings erst nach Ablauf einer 20-Jahres-Frist, also im Jahr 1808. John Hope Franklin und  Alfred A. Moss (Jr.) bilanzieren in der hier des &Ouml;fteren zitierten, enorm faktenreichen &bdquo;Geschichte der Schwarzen in den USA&ldquo;: &bdquo;Es sollte dann 75 Jahre [bis zum Ende des B&uuml;rgerkriegs; W.W.] dauern, das r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, was in Philadelphia beschlossen worden war. [&hellip;] Mit dem Ende der britischen Herrschaft [&hellip;] konnten die Amerikaner die Verantwortung f&uuml;r die Sklaverei nicht l&auml;nger dem Mutterland anlasten. [&hellip;] Ironischerweise war es gerade Amerikas Freiheit, die der Sklaverei im eigenen Land ein l&auml;ngeres &Uuml;berleben sichern sollte als im britischen Empire.&ldquo;[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p><strong>B&uuml;rgerkrieg und Ende der Sklaverei<\/strong><\/p><p>Der amerikanische B&uuml;rgerkrieg war vor allem Ausdruck der Tatsache, dass die dynamische Entwicklung der Produktivkr&auml;fte im Norden zunehmend eingeengt wurde durch die weitgehend statische Situation im S&uuml;den mit ihrer Plantagenwirtschaft, basierend auf Sklavenarbeit. Der 1861 neu gew&auml;hlte US-Pr&auml;sident Abraham Lincoln h&auml;tte jedoch keinen Krieg zur Abschaffung der Sklaverei  gef&uuml;hrt. Das hatte Lincoln mehrfach erkl&auml;rt und sich dabei durchaus als jemand geoutet, dem Rassismus nicht fremd ist. In einer Rede w&auml;hrend seines Pr&auml;sidentschaftswahlkampfs sprach er in Charleston im s&uuml;dlichen Illinois, also vor einem S&uuml;dstaaten-Publikum, wie folgt Klartext: &bdquo;Ich sage also, dass ich weder jetzt noch irgendwann daf&uuml;r war, in irgendeiner Weise die soziale und politische Gleichberechtigung der schwarzen und der wei&szlig;en Rasse herbeizuf&uuml;hren (Applaus); dass ich weder jetzt noch irgendwann daf&uuml;r war, aus Negern W&auml;hler oder Geschworene zu machen  oder ihnen zuzugestehen [&hellip;] sich mit Wei&szlig;en zu verheiraten. [&hellip;]Es muss, wenn sie weiter zusammenbleiben, weiterhin minderwertige und h&ouml;herwertige Positionen geben, und ich bin wie jeder andere daf&uuml;r, der wei&szlig;en Rasse die h&ouml;herwertigen Positionen zuzusprechen.&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><p>Es waren die herrschenden Kreise im S&uuml;den, die faktisch den Krieg begannen, indem sie sich kurz nach der Wahl von Lincoln zum US-Pr&auml;sidenten unabh&auml;ngig vom Norden erkl&auml;rten. Bei dieser Entscheidung spielte eine erhebliche Rolle die seit Jahrzehnten zu beobachtende Zersetzung der Sklaverei im S&uuml;den durch massenhafte und organisierte Flucht in den Norden (&bdquo;Underground Railroad&ldquo;) und durch verbreitete Arbeitsverweigerung. Diese Zersetzung steigerte sich noch dadurch, dass im Verlauf des B&uuml;rgerkriegs Hunderttausende Sklaven ihren Herren immer dann den R&uuml;cken kehrten, wenn die Bundestruppen vorr&uuml;ckten und sich ihrer Farm, ihrer Plantage n&auml;herten. Insgesamt hat w&auml;hrend des B&uuml;rgerkriegs im S&uuml;den eine halbe Million Schwarzer ihre Herren verlassen und ist in den Norden gewechselt oder hat sich bis zum Ende des Kriegs versteckt gehalten.<\/p><p>Als ausgesprochen widerspr&uuml;chlich erwies sich das Verhalten der F&uuml;hrung des Nordens in der Frage, ob Schwarze in der Armee w&uuml;rden dienen d&uuml;rfen. Der Nordstaaten-General Henry Halleck hatte bereits bei Kriegsbeginn aus h&ouml;chst pragmatischen Gr&uuml;nden daf&uuml;r pl&auml;diert. Vor allem fl&uuml;chtige Schwarze aus dem S&uuml;den waren in Scharen bereit, ihre Farmen zu verlassen und sich den Nordstaaten-Truppen anzuschlie&szlig;en. Dagegen hatte Lincoln als US-Pr&auml;sident seinen Widerspruch eingelegt. Somit blieb es den Schwarzen w&auml;hrend des B&uuml;rgerkriegs lange Zeit versagt, gemeinsam mit den wei&szlig;en Nordstaatlern f&uuml;r die Befreiung ihrer Br&uuml;der und Schwestern mit der Waffe in den H&auml;nden zu k&auml;mpfen. Mehr noch: 1861 &uuml;bermittelte der Nordstaaten-General Winfield Scott im Namen von Pr&auml;sident Lincoln die Aufforderung an Brigadegeneral McDowell, Besitzern von geflohenen Sklaven in Virginia zu erlauben, den Potomac zu &uuml;berqueren und fl&uuml;chtige Sklaven wieder in Besitz zu nehmen, die hinter den Linien der Union Zuflucht gesucht hatten.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] <\/p><p>Der Norden &auml;nderte in dieser Frage seine Haltung im Verlauf des B&uuml;rgerkriegs allerdings um 180 Grad. Daf&uuml;r gab es zwei Gr&uuml;nde: Zum einen begannen die S&uuml;dstaaten, Schwarze zur Konf&ouml;derierten-Armee einzuberufen und ihnen die Freiheit zu versprechen, wenn sie bis zum Kriegsende loyal dienen w&uuml;rden. Zum anderen wogen die rein milit&auml;rischen Aspekte immer st&auml;rker, Schwarze in die Nordstaaten-Armee aufzunehmen (zun&auml;chst &uuml;brigens mit einem Sold, der der H&auml;lfte des Solds der Wei&szlig;en entsprach!). Das Ergebnis war dann erstaunlich: Insgesamt lie&szlig;en sich bis zum Ende des Kriegs 180.000 schwarze M&auml;nner f&uuml;r die Unionstruppen anwerben; davon waren 93.000 aus den abtr&uuml;nnigen Staaten des S&uuml;dens in den Norden gekommen. Die Schwarzen k&auml;mpften besonders tapfer &ndash; und bezahlten weit &uuml;berproportional mit Tod und Verletzungen. Insgesamt lie&szlig;en 38.000 schwarze Soldaten im B&uuml;rgerkrieg ihr Leben; die Todesrate lag um 40 Prozent h&ouml;her als bei den wei&szlig;en Truppen.<\/p><p>Das Ergebnis des B&uuml;rgerkriegs schien zun&auml;chst die Gleichberechtigung f&uuml;r die Schwarzen zu bringen. Die Sklaverei wurde formell mit dem dreizehnten Amendement zur Verfassung aufgehoben: &bdquo;Weder Sklaverei noch unfreiwillige Dienerschaft sollen in den Vereinigten Staaten [&hellip;] existieren, au&szlig;er als Strafe f&uuml;r ein Verbrechen, f&uuml;r das der Betroffene ordnungsgem&auml;&szlig; verurteilt wurde.&ldquo; Ein weiterer Verfassungszusatz &ndash; das f&uuml;nfzehnte Amendement &ndash; besagte: &bdquo;Das Wahlrecht der B&uuml;rger darf von den Vereinigten Staaten oder einem Bundesstaat (!) aufgrund von Rasse, Hautfarbe oder einem fr&uuml;heren Zustand der Leibeigenschaft weder verweigert noch eingeschr&auml;nkt werden.&ldquo; 1875 verbot ein Bundesgesetz (Civil Rights Act) sogar den Ausschluss von Schwarzen aus Hotels, Theatern, Eisenbahnen und anderen &ouml;ffentlichen Einrichtungen. <\/p><p><strong>Apartheid nach US-Art<\/strong><\/p><p>Dennoch kam es zu einem <em>umfassenden Rollback<\/em>. Dieser erfolgte nat&uuml;rlich vor allem auf Druck der alten S&uuml;dstaaten-Eliten. Er wurde jedoch auch erm&ouml;glicht durch eine mal passive, mal aktive Unterst&uuml;tzung vor allem seitens des Lincoln-Nachfolgers im Pr&auml;sidentenamt, Andrew Johnson. Die alten S&uuml;dstaaten f&uuml;hrten die Black Codes ein, Bestimmungen, welche die freigelassenen Leibeigenen gleichmachten, die nach wie vor auf den Plantagen arbeiteten &ndash; nun auf Basis von Vertr&auml;gen, die sie nur auf Kosten einer Gef&auml;ngnisstrafe brechen konnten. Ab 1870 verabschiedeten einzelne Bundesstaaten im S&uuml;den &ndash; zun&auml;chst Tennessee und dann alle anderen S&uuml;dstaaten &ndash; Gesetze gegen Mischehen beider Rassen. F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter kam das sogenannte &bdquo;Jim-Crow-Gesetz&ldquo; (erneut zuerst in Tennessee und dann in allen S&uuml;dstaaten): Schwarze und Wei&szlig;e wurden in Z&uuml;gen, auf Bahnh&ouml;fen, in Toiletten, an den Hafenkais getrennt. Das Oberste Bundesgericht setzte 1883 die B&uuml;rgerrechtsgesetze (Civil  Rights Act) au&szlig;er Kraft. Nunmehr durften Schwarze alle Hotels, Friseurl&auml;den, Restaurants, Theater und Kinos, in denen Wei&szlig;e verkehrten, nicht mehr besuchen. Es wurden ein getrenntes Schulsystem und &bdquo;Rassentrennung&ldquo; an den Universit&auml;ten etabliert. Mit der Annahme der neuen Verfassungen in den einzelnen S&uuml;dstaaten wurde die &bdquo;color line&ldquo;, die Barriere zwischen Schwarz und Wei&szlig;, fest verankert. 1886 best&auml;tigte das Oberste Bundesgericht die &bdquo;Rassentrennung&ldquo; in einer &bdquo;separate-but-equal&ldquo;-Doktrin. <\/p><p>Ein sehr gro&szlig;er Teil dieser rassistischen Gesetzgebungen sollte nun ein weiteres Dreivierteljahrhundert Bestand haben. Die &bdquo;racial segregation&ldquo; &uuml;berlebte auch die zwei Weltkriege, in denen Afroamerikaner einen gro&szlig;en Teil zum Sieg der US-Truppen beitrugen. Bis zu einer neuen massiven Auseinandersetzung, die erneut fast b&uuml;rgerkriegs&auml;hnliche Ausma&szlig;e annehmen sollte: der B&uuml;rgerrechtsbewegung der 1960er Jahre.<\/p><p>Der beschriebene Rollback war, wie fast immer in der Geschichte, keiner, der sich allein auf der Ebene von Regierungen, Parlamenten und Gerichten abgespielt h&auml;tte. Vielmehr wurde er durch offene Gewalt durchgesetzt. Die wei&szlig;e Elite in den S&uuml;dstaaten setzte ihre &ouml;konomische Macht dazu ein, terroristische Organisationen, allen voran den Ku Klux Klan, zu bilden. Der Klan &ndash; 1865 gegr&uuml;ndet, 1871 vom Kongress verboten, danach lokal weiter aktiv; 1915 neu gegr&uuml;ndet, 1944 formell aufgel&ouml;st, aber faktisch bis heute fortbestehend &ndash; z&auml;hlte bereits wenige Jahre nach seiner Erstgr&uuml;ndung eine halbe Million Mitglieder. Er &uuml;bte einen fl&auml;chendeckenden Terror aus, dem Hunderte Menschen schwarzer Hautfarbe zum Opfer fielen. Insbesondere in den sp&auml;ten 1860er und fr&uuml;hen 1870er Jahren, dann wieder verst&auml;rkt im Zeitraum 1889 bis 1913, gab es Tausende lokale Terrorakte mit Gewaltexzessen und Lynchings. Letztere wurden oft &ouml;ffentlich veranstaltet; an ihnen nahmen bis zu 15.000 Menschen teil.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Howard Zinn: &bdquo;Zwischen 1889 und 1903 wurden durchschnittlich zwei Schwarze pro Woche von Mobs gelyncht &ndash; erh&auml;ngt, verbrannt, verst&uuml;mmelt.&ldquo;[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]     <\/p><p><strong>Klassenkampf und Rassismus<\/strong><\/p><p>Rassismus ist immer ein Mittel zur Spaltung der Gesellschaft quer durch die sozialen Klassen. Mit Rassismus soll von der entscheidenden Spaltung, der sozialen, abgelenkt und einer Organisierung der armen und unteren Schichten im Klassenkampf entgegengewirkt werden. Die wei&szlig;e Arbeiterklasse &ndash; vor allem diejenige im Norden &ndash; bef&uuml;rchtete vielfach die Konkurrenz von schwarzen Billigarbeitskr&auml;ften. Die lange Zeit von den Wei&szlig;en beherrschte Gewerkschaft <em>American Federation of Labour (AFL)<\/em> unterst&uuml;tzte diese Haltung vielfach und lehnte es bis nach dem Ersten Weltkrieg ab, Schwarze in ihre Reihen aufzunehmen. Schwarze wiederum lie&szlig;en sich als Streikbrecher mobilisieren. So geschehen 1863 beim Hafenarbeiterstreik, wo das Dilemma und die &uuml;ble Politik der wei&szlig;en herrschenden Klasse besonders offenkundig hervortrat: Es &bdquo;traten 3000 [wei&szlig;e; W.W.] Hafenarbeiter in den Lohnstreik. Schwarze nahmen unter Polizeischutz ihre Pl&auml;tze ein. Als die Regierung nun damit begann, arbeitslose Wei&szlig;e einzuberufen&ldquo; &ndash; all das geschah inmitten des B&uuml;rgerkriegs! &ndash; &bdquo;empfanden diese das als blanken Hohn, der das Unrecht der Entlassung verdoppelte: Man hatte auf ihre Arbeitspl&auml;tze Schwarze gesetzt und schickte sie jetzt in einen Krieg, der noch mehr Schwarze befreien sollte.&ldquo;[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]  <\/p><p>Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in gro&szlig;em Umfang zu rassistischen Auseinandersetzungen innerhalb der arbeitenden Klasse. So vereinbarten 1927 die Vereinigten Bahnhofsgesellschaften von Atlanta in einem Abkommen, wei&szlig;en Heizern bei Einstellungen Vorrang vor schwarzen Heizern zu geben. 1932 wurden zehn schwarze Eisenbahnarbeiter von wei&szlig;en Bahnbesch&auml;ftigten der Illinois Central Railroad bei rassistischen Angriffen get&ouml;tet. Einen Durchbruch an dieser fatalen Front brachte die Gr&uuml;ndung der Brotherhood of Sleeping Car Porters and Maids (der Bruderschaft des Schlafwagenpersonals) 1925 bei der Pullman Company, die im Zeittraum 1926 bis 1937 beispielhaft f&uuml;r die erfolgreiche Organisierung von schwarzen und wei&szlig;en Bahnbesch&auml;ftigten war.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Vergleichbare Fortschritte gab es in der Folge in den Schlachth&ouml;fen, in der fleischverarbeitenden und in der Bekleidungsindustrie. Die Gr&uuml;ndung der Gewerkschaft <em>Committee for Industrial  Organisation (CIO)<\/em>, die von vornherein eine Organisierung  &bdquo;unabh&auml;ngig von ihrer Rasse&ldquo; betrieb, bedeutete einen gewaltigen Fortschritt zur Reduzierung der gef&auml;hrlichen Spaltung unter den Lohnabh&auml;ngigen.<\/p><p>W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs &ndash; und im Vorfeld des Eintritts der USA in den Krieg &ndash; kam es erneut zu Frontstellungen entlang der Hautfarbe. Die Industrie stellte in gro&szlig;em Umfang auf R&uuml;stungsproduktion um. Bislang war die Industrie fast vollkommen von wei&szlig;en Arbeitskr&auml;ften bestimmt. Die bereits erw&auml;hnte Brotherhood of Sleeping Car Porters and Maids begann im Januar 1941, einen Marsch auf Washington zu  organisieren, um in der gesamten Industrie die Gleichberechtigung von Schwarz und Wei&szlig; herzustellen. US-Pr&auml;sident Roosevelt f&uuml;rchtete die Reaktionen der rassistischen NSDAP, die die rassistische US-Politik blo&szlig;stellen k&ouml;nnte &ndash; und erlie&szlig; am 25. Juni 1941 die &bdquo;Executive Order 8802&ldquo;, in der er erkl&auml;rte, dass &bdquo;es bei der Besch&auml;ftigung von Arbeitern in der R&uuml;stungsindustrie oder im &Ouml;ffentlichen Dienst keine Diskriminierung geben darf aufgrund von Rasse, Glauben, Hautfarbe oder nationaler Herkunft und es Pflicht von Unternehmern und Gewerkschaften ist, [&hellip;] f&uuml;r die volle und gleichberechtigte Beteiligung aller Arbeiter in Betrieben der R&uuml;stungsindustrie [&hellip;] zu sorgen.&ldquo;[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_2\">22<\/a>]<\/p><p>Dennoch blieb es im Grundsatz in den USA bei dieser Spaltung der Gesellschaft entlang der Hautfarbe der Menschen. Die Mittel zur Spaltung, der Rassismus und die diesen begr&uuml;ndenden und verst&auml;rkenden Gesetze und Ma&szlig;nahmen, sind bis heute wirksam. Dass die Geschichte auch v&ouml;llig anders h&auml;tte verlaufen k&ouml;nnen, zeigen die L&auml;nder Uruguay und Argentinien. In diesen gab es &ndash; gemessen an der Bev&ouml;lkerung &ndash; im 16. bis 18. Jahrhundert vergleichbar viele Menschen aus Afrika, die als Sklaven dort landeten und strandeten. Doch in diesen beiden L&auml;ndern hat sich die Bev&ouml;lkerung v&ouml;llig vermischt. W&auml;hrend es in Uruguay zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts noch einige Verb&auml;nde gab, die sich dem kulturellen Erbe Afrikas verbunden f&uuml;hlten, gibt es solche heute nicht mehr &ndash; vor allem als Resultat dieser Vermischung. Es gibt in diesen L&auml;ndern auch keinen Rassismus, der mit demjenigen in den USA vergleichbar w&auml;re. Daf&uuml;r fehlt eine Basis.<\/p><p><strong>Weitermarschieren auf der endlos langen Stra&szlig;e<\/strong><\/p><p>&bdquo;Black Lives Matter&ldquo; &ndash; Diese Losung steht im Grunde f&uuml;r den jahrhundertelangen Kampf der Emanzipation der Afroamerikaner. Das Leben der Afrikaner in den beiden Amerikas z&auml;hlte jahrhundertelang nichts &ndash; in den Augen der Herrschenden und Kolonialisten waren es &ndash; bereits rein formal &ndash; keine Menschen, sondern Sachen; Buchwerte und Unwerte. Und als die formelle Sklaverei aufgehoben wurde, waren die Afroamerikaner in den Augen der Rassisten Untermenschen; sie kommen, wie der Rassist Trump zu sagen pflegt, aus &bdquo;Shithole Countries &ndash; aus Drecksloch-Staaten&ldquo;. Und da viele von ihnen get&ouml;tet wurden, sind es &ndash; so ebenfalls der amtierende Pr&auml;sident &ndash; &bdquo;alles nur Verlierer&ldquo;, die es ist nicht wert sind, ihrer zu gedenken.[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]<\/p><p>Die 2013 entstandene Black-Lives-Matter-Bewegung steht in der langen Tradition eines engagierten, kreativen und vielf&auml;ltigen Widerstands, den diese Jahrhunderte lang Versklavten, Verschleppten und bis heute systematisch Diskriminierten leisten. Wer wei&szlig; heute noch, dass es im Nordosten Brasiliens, in Alagoas, in den Jahren 1630 bis 1697 die Republik Palmares gab, ein Staat der Afrikaner: Zehntausende entlaufene Sklaven hatten sich dort niedergelassen. Sie trotzten jahrzehntelang mehreren Belagerungen durch Portugiesen und Holl&auml;nder. Erst 1697 konnte eine &uuml;berlegene Milit&auml;rmacht die Befestigungen &uuml;berwinden und die Stadt einnehmen. Die Anf&uuml;hrer der auch &bdquo;Maronen&ldquo; genannten Aufst&auml;ndischen st&uuml;rzten sich von einem Felsvorsprung in den sicheren Tod. Wer wusste bis vor kurzem etwas von der &bdquo;Underground Railroad&ldquo; mit ihren Tausenden Organisatoren und Quartiermeistern &ndash; unter ihnen einige hundert Wei&szlig;e? Wer kennt heute noch die gro&szlig;artigen Analysen und Schriften von W.E.B. Du Bois und das vor 115 Jahren, 1905, erstmals gegr&uuml;ndete Niagara Movement, was sich sp&auml;ter zu der jahrzehntelang bedeutenden und oft erfolgreichen Massenorganisation <em>National Association for the Advancement of Coloured People &ndash; NAACO<\/em> &ndash; entwickeln sollte? Von der B&uuml;rgerrechtsbewegung, die Mitte der 1950er Jahre begann und ihren H&ouml;hepunkt Anfang der 1960er Jahre erlebte, sind zwar noch die Namen Martin Luther King und Malcolm X pr&auml;sent. Vielleicht auch noch die S&auml;tze aus der ber&uuml;hmten, letzten gro&szlig;en King-Rede &bdquo;I have a dream&ldquo;. Kaum bekannt sein d&uuml;rfte, als wie bedrohlich die herrschende Klasse in den USA die damaligen Massenmobilisierungen empfand, welche gewaltigen finanziellen, geheimdienstlichen und Polizeigewalt-Mittel sie einsetzten, um die f&uuml;hrenden K&ouml;pfe dieser Bewegung einzukaufen, zu zerst&ouml;ren und diese sogar &ndash; so im Fall der Black-Panther-Aktivisten &ndash; zu ermorden. Die Erfolge, die die Massenbewegungen der 1960er Jahre mit sich brachten, sind bis heute von Bedeutung: Gro&szlig;e Teile des beschriebenen Rollbacks, das auf den B&uuml;rgerkrieg gefolgt war, mussten zur&uuml;ckgenommen werden. Dies d&uuml;rfte auch damit zu tun haben, dass diese Bewegung parallel zum Vietnamkrieg verlief &ndash; und dass der US-Imperialismus in diesem Krieg zum ersten Mal eine schwere, milit&auml;rische Niederlage hinnehmen musste. Die Schw&auml;chung au&szlig;en war zugleich eine Schw&auml;chung im Inneren &ndash; und verschaffte der Emanzipationsbewegung Spielr&auml;ume. <\/p><p>Ganz offensichtlich ist die von Rassisten vielfach vorgetragene Behauptung, Schwarze erduldeten ihr Schicksal oder w&uuml;rden bestenfalls unkontrolliert rebellieren, falsch. Es gibt ein breites Spektrum gut organisierter Bewegungen f&uuml;r die Emanzipation der Afroamerikaner, mit Ver&auml;stelungen in die Bereiche Kultur, Kunst, Musik und Sport. Die antirassistischen Statements der US-Basketball-Profis in den Jahren 2018 bis 2020, allen voran die Aussage von Colin Kaepernick &bdquo;Believe in something. Even if it means sacrificing everything. &ndash; Glaube an eine Sache. Auch wenn das bedeutet, alles zu opfern&ldquo;, steht in der Tradition des Protestes vom 16. Oktober 1968, als bei den Olympischen Spielen in Mexiko die US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei der Siegerehrung die F&auml;uste in die H&ouml;he streckten &ndash; bekleidet von schwarzen Handschuhen. Das inzwischen ikonische Foto wird noch &uuml;bertrumpft von dem ikonischen Satz, den der ber&uuml;hmteste Boxer aller Zeiten, Muhamed Ali, sagte, als er im Juni 1967 den Wehrdienst &ndash; und damit den Milit&auml;rdienst in Vietnam &ndash; verweigerte: &bdquo;I ain&acute;t got no quarrel  with them Vietcong &ndash; Ich hab doch mit diesem Vietcong keinen Streit&ldquo;.  <\/p><p>Rassismus wird von den Herrschenden immer wieder aufs Neue &ndash; in mal feiner und in mal weniger feiner Dosierung &ndash; als Spaltmittel eingesetzt. Armin Laschet wei&szlig;, dass Bulgaren das Virus nach Rheda-Wiedenbr&uuml;ck brachten. Trump wei&szlig;, dass Corona &bdquo;ein chinesisches Virus&ldquo; ist. Und das Rote Kreuz in den USA wusste noch lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, dass das Blut von Schwarzen und Wei&szlig;en in den Blutbanken, die zur Rettung Verwundeter eingerichtet sind, getrennt gehalten und verwendet werden muss. Die banale Erkenntnis, dass die entscheidende Trennlinie diejenige ist, die entlang der sozialen Klassen verl&auml;uft, kann vor dem Hintergrund dieser rassistischen Pandemie leicht vergessen werden. Und dabei auch, dass der Rassismus erst von der modernen Gesellschaft &ndash; und das ist die kapitalistische &ndash; erfunden wurde, eben allein zum Zweck der Spaltung. W.E.B. Du Bois: &bdquo;Die Entdeckung der <em>Wei&szlig;heit<\/em> einer Person ist unter den V&ouml;lkern der Erde eine sehr moderne Sache &ndash; erst eine Sache des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Antike h&auml;tte &uuml;ber eine derartige Entscheidung nur gelacht. Das Mittelalter betrachtete die Hautfarbe mit gelinder Neugier, und selbst im 18. Jahrhundert h&auml;mmerten wir solange und mit vollem Eifer an unserem nationalen M&auml;nneken, bis daraus der gro&szlig;e universale Mensch geworden war, und ignorierten Hautfarbe und Rasse noch mehr als die Geburt. Heute haben wir all das ge&auml;ndert, und die Welt hat in einer pl&ouml;tzlichen, emotionalen Wallung entdeckt, dass sie wei&szlig; ist und nur deshalb wundervoll.&ldquo;[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]<\/p><p><em><strong>Winfried Wolf<\/strong> ist Chefredakteur von Lunapark21 &ndash; Zeitschrift zur Kritik  der globalen &Ouml;konomie. Am 22. September erscheint Heft 22 von LP21; Teil des 68-seitigen Magazins ist ein 30-Seiten-LP21-Spezial zu den Wahlen in den USA. Siehe: <a href=\"http:\/\/www.lunapark21.net\">lunapark21.net<\/a><\/em><\/p><p>Titelbild: Everett Collection\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Es lohnt, sich das Interview anzusehen &ndash; hier: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7UoO6e8WWxk\">youtube.com\/watch?v=7UoO6e8WWxk<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Lincoln in einem Briefwechsel mit dem Herausgeber der New Yorker Tribune im Jahr 1863, hier wiedergegeben in: Howard Zinn, Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, Berlin 2007, S. 186. In den USA erstmals 1980 erschienen als &bdquo;A Peoples History of the United States&ldquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Karl Marx, Das Kapital, MEW 25, Seite 779.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Walter Rodney, Afrika, Geschichte einer Unterentwicklung, englisch 1972, deutsch Berlin 1975, S.71.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Gustavus Myers, Money, Wem die Rockefellers, Astors, Vanderbilts, Pullmanns, Carnegies, Morgans etc. das Geld abnahmen, Frankfurt\/M. 1979, S.4.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Rodney, a.a.O., S. 73.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] John Hope Franklin und Alfred A. Moss (Jr.), Von der Sklaverei  zur Freiheit. Die Geschichte der Schwarzen in den USA, verschiedene US-Ausgaben im Zeitraum 1947 bis 1994; deutsch: Berlin, 1999, Seite 69. Der Enkel des zu diesen Zahlen Zitierten schreibt in jeder LP21 den Beitrag im Ressort &bdquo;Geschichte und &Ouml;konomie&ldquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Bernd St&ouml;ver, Geschichte der USA. Von der ersten Kolonie bis zur Gegenwart, M&uuml;nchen 2019, S.70.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Eduardo Galeano, Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents, Uruguay 1971, deutsche Ausgabe: Wuppertal 1986, S. 33.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Zitiert bei Rodney, a.a.O., S. 71.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Ernest Mandel, Marxistische Wirtschaftstheorie, Frankfurt\/M. 1970, S.454ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Nach: St&ouml;ver, a.a.O., S. 204.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Franklin\/Moss, a.a.O., S. 173.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Franklin\/Moss, a.a.O., S. 111.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Ebenda, S. 128.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Zitiert bei Howard Zinn, a.a.O., S.185. Es gibt auch beeindruckende Reden Lincolns, wonach &bdquo;alle Menschen gleich geschaffen sind&ldquo; und man &bdquo;Streitereien &uuml;ber diese und jene Rasse &uuml;ber Bord werfen&ldquo; m&ouml;ge. Diese wurden dann vor Nordstaaten-Publikum gesprochen. Die Behauptung, Lincoln sei diesbez&uuml;glich schwankend oder schillernd gewesen, muss angezweifelt werden. In seiner praktischen Politik &uuml;berwogen durchaus rassistische Elemente &ndash; so wenn er massiv daf&uuml;r eintrat, dass die in den USA lebenden Schwarzen wieder nach Afrika zur&uuml;ckgehen und dort neu angesiedelt werden sollten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Nach Franklin\/Moss, a.a.O., S.287.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Im Juni 1916 nahmen im texanischen Waco an der &ouml;ffentlichen Erh&auml;ngung des geistig zur&uuml;ckgebliebenen 17-j&auml;hrigen Jesse Washington 15.000 Menschen teil. Es wurden Ansichtskarten in Verkehr gebracht mit dem Foto des Erh&auml;ngten. Siehe St&ouml;ver, Geschichte der USA, a.a.O., S.225.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Zinn, a.a.O., S.306.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Franklin\/Moss, a.a.O., S.295.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Bei der Pullman-Eisenbahngesellschaft &ndash; &uuml;berwiegend Schlafwagen-Z&uuml;ge &ndash; waren Mitte der 1920er Jahre bis zu 40.000 Schaffner und &bdquo;Diener&ldquo; besch&auml;ftigt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Zitiert bei Franklin\/Moss, a.a.O., S.612.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Shithole Countries: Siehe Die Zeit vom 18. Januar 2018. Trump nannte die im Zweiten Weltkrieg gefallenen US-Soldaten &ldquo;Verlierer&rdquo;, weswegen er einen 2018 geplanten Besuch auf dem US-Soldatenfriedhof Aisne-Marne bei Paris abgesagt hatte. Nach: Stern vom 4. September 2020.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] W.E.B. Du Bois, Darkwater, Voices from Within the Veil, New York 1920, S. 30f.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Black Lives Matter &ndash; Das Leben von Schwarzen z&auml;hlt&ldquo;. Diese Forderung ist nicht neu, sondern wird in den USA seit 500 Jahren vorgetragen. Die Geschichte der USA ist auch eine Geschichte der Sklavenwirtschaft und des Rassismus. <strong>Winfried Wolf<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen ausf&uuml;hrlichen Blick auf diesen Teil der US-Geschichte geworfen, der in der aktuellen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64881\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":64882,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,168,37],"tags":[1223,2580,912,2760,909,1792,1957,826,2956,1556,2571],"class_list":["post-64881","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-gleichstellung","category-globalisierung","tag-afrika","tag-apartheid","tag-buergerkrieg","tag-bodenschaetze","tag-kapitalismus","tag-kolonialismus","tag-menschenhandel","tag-rassismus","tag-sklaverei","tag-usa","tag-wahlrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/shutterstock_242297917.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64881"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64881\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65022,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64881\/revisions\/65022"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64882"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}