{"id":6490,"date":"2010-08-16T09:34:04","date_gmt":"2010-08-16T07:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6490"},"modified":"2014-11-25T09:54:01","modified_gmt":"2014-11-25T08:54:01","slug":"aussetzung-der-rente-mit-67-schliessen-wir-nen-kleinen-kompromiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6490","title":{"rendered":"Aussetzung der Rente mit 67: \u201eSchlie\u00dfen wir nen kleinen Kompromiss\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Diese Zeile des Refrains eins <a href=\"http:\/\/erinnerungsort.de\/lied-vom-kompromiss-2c-das--281919-29-_226.html\">Spottlieds von Hanns Eisler mit dem Text von Kurt Tucholsky<\/a> f&auml;llt einem ein, wenn man &bdquo;Kompromissvorschl&auml;ge&ldquo; aus der SPD liest, die Rente mit 67 vorl&auml;ufig auszusetzen, sie aber nach wenigen Jahren in um so <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/weitere-meldungen\/rente-mit-67-ig-metall-fordert-klares-nein-von-spd_aid_540643.html\">schnelleren Schritten wieder einzuf&uuml;hren<\/a>. Das &auml;hnliche Gauklerst&uuml;ck, n&auml;mlich eine Scheinl&ouml;sung als Korrektur der von der &uuml;berwiegenden Mehrheit der Menschen abgelehnten Fehlentscheidungen auszugeben, finden wir auch schon bei der sog. &bdquo;Rentengarantie&ldquo;. Auch dieser Lockvogel wird von den Rentnerinnen und Rentnern schon ab 2011 mit niedrigeren <a href=\"?p=4062\">Rentensteigerung oder so genannten Nullrunden<\/a> refinanziert bzw. sie ist durch die K&uuml;rzungfaktoren, wie <a href=\"http:\/\/www.volkssolidaritaet.de\/cms\/Presse___Medien-p-4363\/Presse_aktuell-p-1951\/K%C3%BCrzungsfaktoren_in_Rentenformel_streichen.html\">Riester-, Nachhaltigkeits- oder Ausgleichsfaktor<\/a> l&auml;ngst eingepreist. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>&bdquo;Schlie&szlig;en wir nen kleinen Kompromiss!<br>\nDavon hat man keine K&uuml;mmernis.<br>\nEinerseits &ndash; und andrerseits &ndash;<br>\nso ein Ding hat manchen Reiz &hellip;<br>\nUnd durch Deutschland geht ein tiefer Riss.<br>\nDaf&uuml;r gibt es keinen Kompromiss!&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dieser Refrain ist so aktuell wie zu der Zeit, als er erstmals gesungen wurde, n&auml;mlich 1919.<br>\nUm das selbst auferlegte Dogma der Renten-&bdquo;Reformen&ldquo; blo&szlig; nicht in Frage stellen zu m&uuml;ssen und den &bdquo;tiefen Riss&ldquo;, der zwischen der Regierungspolitik und Bev&ouml;lkerung in punkto Rente mit 67 geht, mit wei&szlig;er Salbe zu &uuml;berdecken, will die SPD nun &bdquo;nen kleinen Kompromiss&ldquo; anbieten, um in der Opposition gelandet, nunmehr weitere &bdquo;K&uuml;mmernis&ldquo; zu vermeiden.<\/p><p>Statt eine schonungslose Diskussion &uuml;ber den gerade von den Sozialdemokraten vorangetriebenen Rentenabbau zu f&uuml;hren und einen der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/2010-08\/steinmeier-rente-67?page=all\">&bdquo;letzten Reformer&ldquo;<\/a>, den Vorsitzenden der SPD-Bundesfraktion, Frank-Walter Steinmeier, endlich in Rente zu schicken, legt die neue Parteif&uuml;hrung um Sigmar Gabriel ein wenig Rouge auf und will sich damit vor allem den Gewerkschaftern anbiedern. Da wird die Hauptursache f&uuml;r die knappe Rentenkasse, n&auml;mlich die Arbeitslosigkeit, Niedrigl&ouml;hne und die Ausweitung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung schlicht ignoriert. Da wird negiert, dass die Verschiebung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre, gemessen an den Faktoren Erwerbsquote, Frauenerwerbst&auml;tigkeit, Produktivit&auml;t oder einer kinderfreundlicheren Politik ein <a href=\"?p=6447\">l&auml;cherlich kleiner Faktor ist<\/a>. Da wird die Ausweitung der Beitragszahler etwa durch die Anhebung der Versicherungsfreigrenze oder die Heranziehung von Selbst&auml;ndigen und Besserverdienenden zur gesetzlichen Rentenversicherung (eine alte Idee der Sozialdemokratie) schlicht mit einem Denk-Tabu belegt.<br>\nUnd das alles, um das wahre Motiv f&uuml;r die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters zu verschleiern, n&auml;mlich durch ein in das Jahr 2029 (!) reichendes &ndash; also fast drei&szlig;ig Jahren voraus liegendes &ndash; Planungsdatum vor allem den jungen Leuten vor Augen zu halten: Eure Rente wird bestenfalls noch eine Grundsicherung sein, deshalb m&uuml;sst <a href=\"?p=6468\">ihr selbst und privat vorsorgen<\/a>. <\/p><p>Weil die Alternativen zu der &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Rentenk&uuml;rzung, die es in Deutschland jemals gegeben hat&ldquo; (<a href=\"?p=6468\">Raffelh&uuml;schen<\/a>), so offen auf der Hand liegen, muss &ndash; wie immer wenn eine Glaubenslehre durch die Wirklichkeit immer mehr in Frage gestellt wird &ndash; das selbst auferlegte Dogma um so unerbittlicher verteidigt werden. <\/p><p>Dem rechten SPD-Fl&uuml;gel um Steinmeier, der seine politische Zukunft nur noch darin sieht, die selbst eingebrockten Fehler der Vergangenheit, als historische Gro&szlig;tat zu verteidigen, stehen bei dieser Betonversiegelung der Agenda-Politik m&auml;chtige Medienbataillone zur Seite. Sie haben l&auml;ngst erkannt, dass die SPD zu einer <a href=\"?p=4169\">von au&szlig;en gesteuerte bzw. von au&szlig;en steuerbare<\/a> Partei geworden ist. Und sie wissen auch, wenn sie die Sozialdemokratie auf schr&ouml;derschen Kurs halten k&ouml;nnen, dann ist jede Gefahr f&uuml;r eine politische Umkehr gebannt.  Umso mehr heult die Medienmeute auf, wenn die Parteif&uuml;hrung unter dem Druck von unten auch nur ein St&uuml;ckchen <a href=\"?p=6447\">Dampf abzulassen versucht<\/a>. <\/p><p>Ein Musterbeispiel f&uuml;r den dogmatischen Strukturkonservativismus der Medien konnte man wieder einmal im gestrigen ARD Presseclub zum Thema <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/presseclub\/\">&bdquo;65,67,70 &ndash; das Geschacher um die Rente&ldquo;<\/a> erleben: <\/p><p>Nachdem alle vier Gastjournalisten (nat&uuml;rlich vom Spiegel, der Welt, der FAZ und der WAZ) die Rente mit 67 oder gar mit 70 (so Dorothea Siems, Welt) aus &bdquo;demografischen&ldquo; Gr&uuml;nden f&uuml;r alterntivlos erkl&auml;rt haben, wies Moderator J&ouml;rg Sch&ouml;nenborn (WDR) angesichts &bdquo;des Aufschreis&ldquo; im G&auml;stebuch entschuldigend darauf hin, dass er keine Journalisten in den &bdquo;g&auml;ngigen Medien&ldquo; gefunden habe, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MY3TOC6e0ZA\">die zum Thema eine kritische Position in der Runde h&auml;tten einnehmen k&ouml;nnen<\/a>. Das Gesichtsfeld der Redaktion des Pressclubs beschr&auml;nkt sich offenbar auf die konservativen Mainstream-Medien, bei denen bekannterma&szlig;en bei diesem Thema eine erschreckende <a href=\"?p=6447\">freiwillige Gleichschaltung des Denkens festzustellen ist<\/a>. <\/p><p>Bemerkenswert war die selbstgewisse und anma&szlig;ende Art, in der alle vier eingeladenen Journalist(inn)en auftraten. Gerade so als w&uuml;rden sie unumst&ouml;&szlig;liche Wahrheiten verk&uuml;nden und als seien sie die allergr&ouml;&szlig;ten Experten in Demografie- und Rentenfragen. Dabei plusterten sie sich eigentlich nur wie balzende Zierv&ouml;gel auf. Das war ganz typisch f&uuml;r den <a href=\"?p=357\">Papagei-Papageien-Journalismus<\/a>, der nur noch nachplappert, was die anderen &bdquo;g&auml;ngigen Medien&ldquo; vorsagen, ohne auch nur auf irgendeinen Einwand einzugehen oder die angelernten Parolen journalistisch kritisch zu hinterfragen.<\/p><p>Typisch f&uuml;r diesen regierungsamtlichen Verlautbarungsjournalismus war dar&uuml;ber hinaus, dass der stellvertretende Leiter des Spiegel-Hauptstadtb&uuml;ros Michael Sauga (Autor des Buches &bdquo;Wer arbeitet, ist der Dumme&ldquo;, in dem er den Sozialstaat f&uuml;r sinkende L&ouml;hne verantwortlich macht) und Richard Kiessler (Sonderkorrespondent Au&szlig;enpolitik (!) der WAZ) angesichts der Diskussion &uuml;ber die Rente mit 67 innerhalb der SPD, den Sozialdemokraten prompt die &bdquo;Regierungsf&auml;higkeit&ldquo; absprachen. Es ist ja in Deutschland &uuml;blich geworden, jeder politischen Kraft, die &uuml;ber das gleichgeschaltete Denken hinausdr&auml;ngt, gleich die Regierungsf&auml;higkeit abzusprechen. Als regierungsf&auml;hig gilt eben nur, wer sich der faktenresistenten Ignoranz des agenda-konformen Einheitsdenkens f&uuml;gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Zeile des Refrains eins <a href=\"http:\/\/erinnerungsort.de\/lied-vom-kompromiss-2c-das--281919-29-_226.html\">Spottlieds von Hanns Eisler mit dem Text von Kurt Tucholsky<\/a> f&auml;llt einem ein, wenn man &bdquo;Kompromissvorschl&auml;ge&ldquo; aus der SPD liest, die Rente mit 67 vorl&auml;ufig auszusetzen, sie aber nach wenigen Jahren in um so <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/weitere-meldungen\/rente-mit-67-ig-metall-fordert-klares-nein-von-spd_aid_540643.html\">schnelleren Schritten wieder einzuf&uuml;hren<\/a>. 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