{"id":64984,"date":"2020-09-21T09:12:48","date_gmt":"2020-09-21T07:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64984"},"modified":"2026-01-27T12:03:22","modified_gmt":"2026-01-27T11:03:22","slug":"paul-schreyer-zu-covid-19-es-ist-an-der-zeit-die-notbremse-zu-ziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64984","title":{"rendered":"Paul Schreyer zu Covid-19: \u201eEs ist an der Zeit, die Notbremse zu ziehen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Auf der einen Seite die reinen Fakten und auf der anderen die wilden Theorien. Diese Sichtweise ist sehr naiv.&ldquo; Das sagt der Journalist und Autor <a href=\"https:\/\/paulschreyer.wordpress.com\/\">Paul Schreyer<\/a> im Hinblick auf die Diskussion in den Medien zum Thema Coronavirus. Der Herausgeber des Online-Magazins <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/\">Multipolar<\/a> hat sich f&uuml;r sein aktuelles Buch &bdquo;Chronik einer angek&uuml;ndigten Krise &ndash; Wie ein Virus die Welt ver&auml;ndern konnte&ldquo; mit Covid-19 auseinandergesetzt und ist der Frage nachgegangen: Was geschieht hier eigentlich? Im NachDenkSeiten-Interview sagt Schreyer, dass es in Sachen Corona l&auml;ngst nicht nur um die &bdquo;reine Wissenschaft, sondern auch um Politik&ldquo; geht. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/paul_schreyer\">Schreyer<\/a> spricht &uuml;ber das &bdquo;Event 201&ldquo; und verr&auml;t, was es mit dem Begriff &bdquo;Biosecurity&ldquo; auf sich hat. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6188\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-64984-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=64984-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200921_Paul_Schreyer_zu_Covid_19_Es_ist_an_der_Zeit_die_Notbremse_zu_ziehen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>In Sachen Corona geht es nicht nur um &bdquo;reine Wissenschaft, sondern auch um Politik&ldquo;. So schreiben Sie es in Ihrem Buch. Wie ist das zu verstehen?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r mich ist dieser Gedanke ganz zentral. Wenn man sich die &ouml;ffentliche Debatte anschaut, mit Drosten, Wieler und den anderen in den Medien pr&auml;senten Experten, dann k&ouml;nnte man den Eindruck gewinnen, es ginge um eine Auseinandersetzung zwischen seri&ouml;sen Wissenschaftlern und verwirrten Verschw&ouml;rungstheoretikern. Also auf der einen Seite die reinen Fakten und auf der anderen die wilden Theorien. Diese Sichtweise ist sehr naiv. Das wird schon bei den Grundbegriffen des aktuellen Streits deutlich. Zum Beispiel ist der Ausdruck &bdquo;epidemische Lage nationaler Tragweite&ldquo; <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/faktencheck-pandemie\">gar nicht medizinisch definiert<\/a>. Das wird politisch festgelegt, je nach Mehrheit im Bundestag. Auch der Begriff &bdquo;Pandemie&ldquo; ist alles andere als eindeutig definiert. In einer Publikation der WHO <a href=\"https:\/\/www.who.int\/bulletin\/volumes\/89\/7\/11-086173\/en\/\">hei&szlig;t es<\/a> dazu, dass die Erkl&auml;rung des Pandemiefalls &bdquo;von einer Vielzahl willk&uuml;rlicher Faktoren abh&auml;ngt&ldquo;. <\/p><p>Es geht also, man muss das betonen, immer auch um Politik und um eine individuelle Bewertung durch die jeweils Verantwortlichen. Darum f&uuml;hrt es in der Sache nicht weiter, sich hinter &bdquo;der Wissenschaft&ldquo; verstecken zu wollen. Die Entscheidungen werden politisch gef&auml;llt und m&uuml;ssen auch von Politikern begr&uuml;ndet werden. Wenn es dann, wie aktuell in Bayern, im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung von Seiten der Regierung hei&szlig;t, es g&auml;be &uuml;berhaupt <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/staatsregierung-keine-akten-zu-corona-beschluessen,SA6NyUL\">keine Akten zum Entscheidungsverlauf<\/a>, dann macht das sprachlos. Damit wird jede Verantwortung, jede Rechenschaftspflicht geleugnet. Dabei war und ist keine der getroffenen Entscheidungen alternativlos. N&ouml;tig ist bei so weitreichenden Beschl&uuml;ssen eine &ouml;ffentliche, transparente Abw&auml;gung.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns zuerst einmal aufgreifen, wie Sie das Thema Corona f&uuml;r Ihr Buch angegangen sind.<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst war geplant, eine reine Chronik der Ereignisse seit Anfang diesen Jahres zusammenzustellen. Im Verlauf der Recherche verlagerte sich der Schwerpunkt des Buches dann aber, als ich erkannte, wie h&auml;ufig und wie zielstrebig in der j&uuml;ngeren Vergangenheit immer wieder Pandemie-Notfall&uuml;bungen durchgef&uuml;hrt worden sind, zun&auml;chst in den USA, sp&auml;ter international abgestimmt. Deren Drehb&uuml;cher lesen sich teilweise wie die Gegenwart von 2020. <\/p><p><strong>Was hat es mit diesen &Uuml;bungen auf sich?<\/strong><\/p><p>Das habe ich mich auch gefragt. Ausgangspunkt meiner Recherchen war die &Uuml;bung <a href=\"https:\/\/www.centerforhealthsecurity.org\/event201\/\">&bdquo;Event 201&ldquo;<\/a>, bei der im Oktober 2019, also kurz vor Ausbruch der Krise, in New York mit sehr hochrangigen Teilnehmern aus der Wirtschaft und der Politik tats&auml;chlich eine fiktive Coronavirus-Pandemie durchgespielt wurde. Das ist nat&uuml;rlich auff&auml;llig, um es vorsichtig auszudr&uuml;cken. Ich habe dann zun&auml;chst die grundlegenden Fakten in Erfahrung gebracht: Welche Organisation hat diese &Uuml;bung geplant, wer hat diese Organisation wann mit welchem Geld gegr&uuml;ndet und wie wurde sie bislang t&auml;tig? Dabei stellte sich heraus, dass das verantwortliche &bdquo;Center for Health Security&ldquo;, ein an der Johns Hopkins University angesiedeltes Institut, in den vergangenen 20 Jahren unter wechselnden Namen bereits eine F&uuml;lle solcher &Uuml;bungen organisiert hat. Einige davon habe ich n&auml;her unter die Lupe genommen.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie uns etwas mehr &uuml;ber Event 201 sagen?<\/strong><\/p><p>Man muss diese &Uuml;bungen im Zusammenhang betrachten. In meinem Buch widme ich ihnen jeweils einzelne Kapitel. Es ist wichtig zu verstehen, dass sie aufeinander aufbauen und fortlaufend weiterentwickelt wurden. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie das etwas n&auml;her erl&auml;utern?<\/strong><\/p><p>Es begann Ende der 1990er Jahre, damals lag der Schwerpunkt auf einer angenommenen Bedrohung durch Biowaffen, die, so vermutete man, Terroristen in die H&auml;nde fallen k&ouml;nnten. Nach 2001 und den Anschl&auml;gen von 9\/11 begann man dann, nicht mehr nur Biowaffenangriffe, sondern auch &bdquo;normale&ldquo;, also unabsichtlich ausbrechende Pandemien zu proben. Au&szlig;erdem wurde das &Uuml;bungsgeschehen internationalisiert. <\/p><p>Es war ein riesiger Schritt, nicht mehr nur die politische Reaktion und das Management einer solchen Krise innerhalb der USA zu proben, sondern gleichzeitig in vielen gro&szlig;en Industriestaaten. Dazu gab es sehr komplexe &Uuml;bungen in den Jahren 2003 (&bdquo;Global Mercury&ldquo;, daran nahm auch das Robert Koch-Institut teil) und 2005 (&bdquo;Atlantic Storm&ldquo;). Dort spielte Madeleine Albright die Rolle der US-Pr&auml;sidentin. Aus Deutschland nahm der FDP-Politiker Werner Hoyer teil und spielte den Bundeskanzler. Hier erkannten die Planer, dass ein zentraler Akteur n&ouml;tig wurde, &uuml;ber den sich das politische Geschehen l&auml;nder&uuml;bergreifend koordinieren lie&szlig;. Man beschloss, diese Rolle zuk&uuml;nftig der WHO zuzuweisen. Urspr&uuml;nglich waren diese Biowaffenanschlags- und Pandemie-&Uuml;bungen aber rein US-amerikanische Veranstaltungen und geh&ouml;ren politisch in den Rahmen des sogenannten &bdquo;Kampfes gegen den Terror&ldquo;. Nach 2001 wurde dann, wie gesagt, zunehmend global geprobt.<\/p><p><strong>Wie ist diese &Uuml;bung dann abgelaufen?<\/strong><\/p><p>Event 201 war die letzte Verfeinerungsstufe und auch die h&ouml;chste Komplexit&auml;tsstufe all dieser &Uuml;bungen. Die wesentliche Neuerung bestand darin, dass nicht mehr nur Beh&ouml;rden- und Regierungsvertreter den Ernstfall eines Seuchenausbruchs durchspielten, sondern vorrangig Konzernvertreter daran teilnahmen, darunter der Vizepr&auml;sident des nach B&ouml;rsenwert gr&ouml;&szlig;ten Pharmakonzerns der Welt, Johnson &amp; Johnson, die Vizepr&auml;sidentin des drittgr&ouml;&szlig;ten Medienkonzerns der Welt, NBC Universal, oder auch der Pr&auml;sident von Edelman, der gr&ouml;&szlig;ten PR-Agentur der Welt. Dazu kamen die Chefs der Seuchenschutzbeh&ouml;rden der USA und Chinas. Die chinesische Regierung war also mit von der Partie. <\/p><p><strong>Was d&uuml;rften die Gr&uuml;nde sein, dass auch hochrangige Personen aus der Medien- und PR-Welt an so einer &Uuml;bung teilgenommen haben?<\/strong><\/p><p>Das wurde ganz offen gesagt: Es ging bei diesen Pandemie&uuml;bungen immer auch um das Informationsmanagement. Das war ein zentraler Teil der Planungen. Die Vizepr&auml;sidentin von NBC Universal betonte zum Beispiel w&auml;hrend der &Uuml;bung &ndash; das ist &uuml;brigens alles <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LBuP40H4Tko\">online in Videos des &bdquo;Center for Health Security&ldquo; nachpr&uuml;fbar<\/a> &ndash; man m&uuml;sse daf&uuml;r sorgen, dass &bdquo;die richtigen Repr&auml;sentanten&ldquo; in den traditionellen Medien auftreten w&uuml;rden, um &bdquo;unsere Seite der Story&ldquo; zu verbreiten. Eine ebenfalls teilnehmende ehemalige Vizedirektorin der CIA erg&auml;nzte, man solle die &ouml;ffentliche Arena mit den eigenen Argumenten &bdquo;fluten&ldquo;, um die Botschaft zu verst&auml;rken. Und der Chef der PR-Agentur Edelman wies darauf hin, dass man in der Kommunikationsstrategie einen zentralisierten Ansatz verfolgen m&uuml;sse, und die zentral formulierte Botschaft dann &uuml;ber die jeweils passenden Repr&auml;sentanten von NGOs und Gesundheitsorganisationen an die &Ouml;ffentlichkeit bringen solle. Diese Zentralisierung m&uuml;sse international erfolgen. Dazu brauche man eine Datenbank mit weltweit zu vermittelnden Fakten und &bdquo;Schl&uuml;sselbotschaften&ldquo;. Wie gesagt, all diese Dinge wurden bei der &Uuml;bung &bdquo;Event 201&ldquo; im Oktober 2019 in New York diskutiert &ndash; kurz vor Ausbruch der Krise. Bezahlt hatten f&uuml;r die &Uuml;bung das Weltwirtschaftsforum, <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/about\/our-partners\">nach eigener Auskunft<\/a> ein Zusammenschluss der 1.000 gr&ouml;&szlig;ten Konzerne der Welt, und die Gates Foundation. Wenn man es auf den Punkt bringt, ging es darum, den Regierungen zu vermitteln, dass in einer solchen Krise die Konzerne ein gr&ouml;&szlig;eres politisches Mitspracherecht bekommen sollten. Man probte Entscheidungsprozesse, bei denen die Konzerne von Anfang an mit im Boot waren.<\/p><p><strong>Nun kann man sagen, es ist nicht verwerflich, dass Staaten bestimmte Szenarien durchspielen, um sich so auf reale Gefahren- und Bedrohungslagen vorzubereiten. Wo ist das Problem?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich &ndash; das ist absolut vern&uuml;nftig und &uuml;berhaupt nicht kritikw&uuml;rdig, wenn sich auf solche Notsituationen gr&uuml;ndlich vorbereitet wird. Die Frage ist eben, wer das plant und umsetzt. Die Initiative ging hier urspr&uuml;nglich nicht von &ouml;ffentlichen Beh&ouml;rden aus, sondern von privaten Stiftungen und einem Institut, in dem die Interessen von Milit&auml;r, Geheimdienst, gro&szlig;en Konzernen und insbesondere der Pharmabranche miteinander verflochten waren. Dadurch waren die Ausrichtung und die Ziele nat&uuml;rlich gepr&auml;gt. Anders gesagt: Man probte die Pandemie nicht einfach nur, um die Bev&ouml;lkerung besser sch&uuml;tzen zu k&ouml;nnen, sondern auch, um im Krisenfall seine eigene Agenda besser vorantreiben zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Schaut man sich die Drehb&uuml;cher und Protokolle der Planspiele an, dann wird au&szlig;erdem deutlich, dass nicht einfach nur eine Pandemie, also eine Situation mit tausenden Toten und einer &Uuml;berlastung des Gesundheitswesens geprobt wurde, sondern oft auch ein politischer Ausnahmezustand mit Einschr&auml;nkung, teils Aufhebung der B&uuml;rgerrechte. Es ist sehr auff&auml;llig, wie das miteinander verschmolzen wurde. Immer wieder bricht in den Szenarien die &ouml;ffentliche Ordnung zusammen, das Milit&auml;r greift ein, Ausgangssperren werden diskutiert und so weiter.<\/p><p><strong>Die Sache ist also etwas komplizierter?<\/strong><\/p><p>Ja, es entsteht beim Studieren dieser Planspiele der Eindruck, dass die Pandemie-&Uuml;bungen oft auch als Vorwand dienten, um die Verh&auml;ngung eines politischen Ausnahmezustands durchspielen zu k&ouml;nnen, wie es ihn ja sonst nur w&auml;hrend eines Putsches oder im Krieg gibt. Tats&auml;chlich haben wir aktuell in Deutschland, politisch und rechtlich gesehen, einen Ausnahmezustand, in dem die Demokratie in weiten Teilen &bdquo;Pause&ldquo; macht, und das ohne eine hinreichende medizinische Begr&uuml;ndung, wenn man auf die seit Monaten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64554\">niedrigen Zahlen<\/a> von Schwerkranken und Toten schaut. Bei der Besch&auml;ftigung mit diesen Planspielen versteht man, dass die Anfang des Jahres beschlossenen Ma&szlig;nahmen teilweise als fertige Papiere aus der Schublade gezogen wurden. Sie sind in Teilen auch das Ergebnis dieser &Uuml;bungen.<\/p><p><strong>Reden wir &uuml;ber den Begriff &bdquo;Biosecurity&ldquo;. Was hat es damit auf sich?<\/strong><\/p><p>Dieses Wort begegnet einem st&auml;ndig, wenn man zu den &Uuml;bungen recherchiert. Es ist in den vergangenen Jahren in Mode gekommen und wird mit &bdquo;Allgemeinwohl&ldquo; assoziiert, soll also etwas sein, das gut f&uuml;r alle ist. Tats&auml;chlich ist es ein sehr diffuses und mehrdeutiges Forschungsfeld, in dem Milit&auml;r- und Gesundheitspolitik miteinander verschmelzen. Um ein Beispiel zu nennen: Jens Spahn hat Anfang diesen Jahres im Gesundheitsministerium eine neue Abteilung f&uuml;r &bdquo;Gesundheitssicherheit&ldquo; geschaffen &ndash; deren Gr&uuml;ndung &uuml;brigens laut Spahn schon Ende 2019 <a href=\"https:\/\/twitter.com\/phoenix_de\/status\/1233020676476473344\">geplant worden war<\/a>. Geleitet wird diese Abteilung von Hans-Ulrich Holtherm, einem Bundeswehrgeneral, der bei seiner jetzigen Arbeit im Gesundheitsministerium Uniform tr&auml;gt, den Corona-Krisenstab leitet und Spahn beim Krisenmanagement ber&auml;t. Mit dieser Verschmelzung von Medizin und Milit&auml;r liegt der Gesundheitsminister international voll im Trend. &bdquo;Biosecurity&ldquo; meint einen Schutz vor Pandemien und vor Angriffen mit Biowaffen &ndash; also Viren, Bakterien und Giften. Zugleich ist dieses Wort aber auch, das sollte man sich klarmachen, ein geschickter Propagandabegriff, der eine verdeckte Botschaft vermittelt. <\/p><p><strong>Welche?<\/strong><\/p><p>Das Wort unterstellt, dass alle gesellschaftlichen Gruppen in so einer Krisenlage ein gemeinsames Interesse h&auml;tten &ndash; n&auml;mlich Sicherheit. Die Realit&auml;t ist allerdings vielschichtiger und nicht so simpel. Ein Biowaffen-Angriff oder auch ein Seuchenausbruch bedeuten f&uuml;r die verschiedenen beteiligten Gruppen ganz Unterschiedliches: F&uuml;r die Bev&ouml;lkerung ist es nat&uuml;rlich eine be&auml;ngstigende und t&ouml;dliche Bedrohung, eine extreme Verunsicherung. F&uuml;r die Regierung ist es eine Krise, in der sie unter Druck ger&auml;t oder sich als Besch&uuml;tzer profilieren kann. F&uuml;r die Pharmaindustrie ist eine Pandemie aber auch ein profitables Gesch&auml;ftsfeld und f&uuml;r das Milit&auml;r die Gelegenheit zur Untersuchung einer potenziell nutzbaren Waffe. Davor darf man nicht die Augen verschlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Verschlie&szlig;en Medien denn die Augen?<\/strong><\/p><p>Viele Medien und Politiker machen sich den Begriff unkritisch zu eigen. Dabei m&uuml;sste man vor allem fragen, wo in dieser Gemengelage nun die Wissenschaft steht. Und das h&auml;ngt nat&uuml;rlich davon ab, wem sich die ma&szlig;geblichen Forscher verpflichtet f&uuml;hlen oder auch finanziell verpflichtet sind &ndash; der Bev&ouml;lkerung, der Regierung, der Pharmaindustrie oder dem Milit&auml;r. Solche Verpflichtungen k&ouml;nnen sich selbstverst&auml;ndlich &uuml;berschneiden. Nur w&auml;re es fahrl&auml;ssig und naiv, zu unterstellen, alle Akteure blickten mit den gleichen Interessen auf das Thema und k&ouml;nnten daher auch widerspruchslos ein gemeinsames Ziel anstreben &ndash; eben die beschworene &bdquo;Biosecurity&ldquo;. Dieser Gedanke einer allgemeinen Interessengleichheit ist irref&uuml;hrend.<\/p><p><strong>In der Diskussion zwischen Kritikern und Bef&uuml;rwortern der Corona-Politik l&auml;sst sich immer wieder beobachten, dass nicht wenige an das &bdquo;Gute&ldquo; des Staates glauben und davon ausgehen, dass ein demokratischer Staat keinerlei fragw&uuml;rdige, tiefenstaatliche Interessen verfolgen wird. In Ihrem Kapitel zum Thema Biosecurity f&uuml;hren Sie Menschenversuche der USA an. Was hat es damit auf sich? Welche Versuche stechen besonders hervor?<\/strong><\/p><p>Die Forschung zur Biosecurity ist extrem ambivalent, weil, wenn man so will, die Planungen zum Schutz vor der Gefahr oft einhergehen mit der Erzeugung ebenjener Gefahr &ndash; sprich, der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Das geh&ouml;rt zusammen. Die Forschung rund um Biowaffen hat immer diese beiden Komponenten, Angriff und Verteidigung. Eine rein defensive Biowaffenforschung, wie sie heute von vielen L&auml;ndern behauptet wird, kann es nicht geben. Um Gegenmittel gegen die Biowaffe zu entwickeln, muss die Biowaffe selbst vorliegen.<\/p><p>In den USA baute diese Forschung nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Wissen aus den besiegten L&auml;ndern auf, vor allem aus Japan und Deutschland. In beiden L&auml;ndern hatte es in der Kriegszeit Menschenversuche gegeben, um Biowaffen zu entwickeln und die USA gew&auml;hrten diesen Forschern nach dem Krieg Straffreiheit und rekrutierten sie f&uuml;r ihre eigenen Biowaffenforschungsinstitute. Das ist historisch gr&uuml;ndlich untersucht. In den USA selbst kam es in der Folge zu vielen und schlimmen Menschenversuchen an der eigenen Bev&ouml;lkerung, meist den &Auml;rmsten und Schutzlosesten.<\/p><p><strong>Haben Sie Beispiele?<\/strong><\/p><p>In Nashville verabreichte man zum Beispiel Ende der 1940er-Jahre bei einer medizinischen Untersuchung 800 schwangeren Frauen, die aus armen Verh&auml;ltnissen stammten, ohne ihr Wissen eine Mischung, die radioaktives Eisen enthielt. Mit Bluttests untersuchten die Forscher dann, wie viel des radioaktiven Stoffes von den M&uuml;ttern und den Babys aufgenommen worden war. &Auml;hnliche Tests wurden in San Francisco und Chicago <a href=\"https:\/\/apnews.com\/4da06e584a614035afc8d20e4416bbda\/Cold-War-radiation-testing-in-US-widespread,-author-claims\">durchgef&uuml;hrt<\/a>.<\/p><p>Im Rahmen der Forschung f&uuml;r eine neue Waffe, die biologische Krankheitserreger mit radioaktiver Strahlung kombinierte, wurde im Kalten Krieg die Bev&ouml;lkerung in armen Vierteln von amerikanischen St&auml;dten wie St. Louis gezielt einer Erkrankung ausgesetzt, indem man Erreger von den D&auml;chern hoher Geb&auml;ude verspr&uuml;hte. Betroffene berichten, dass sie in der Folge an Krebs erkrankten. Das ist keine Spinnerei, sondern <a href=\"https:\/\/apnews.com\/4da06e584a614035afc8d20e4416bbda\/Cold-War-radiation-testing-in-US-widespread,-author-claims\">belegte historische Forschung<\/a>. Im Juni 1966 <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/archive\/politics\/1980\/04\/22\/army-report-details-germ-war-exercise-in-ny-subway-in-66\/70772a8b-8223-47de-99b4-876d5e57dd9c%2F&amp;usg=AOvVaw01oo_nA7LkHxO0zZKH6Jz7\">verspr&uuml;hten<\/a> Wissenschaftler des Milit&auml;rs krank machende Bakterien im New Yorker U-Bahn-System, um ihre Verbreitung zu messen. Und so weiter.<\/p><p><strong>Wenn von Schutz vor Anschl&auml;gen mit Biowaffen oder von Impfstoffen die Rede ist, dann steht im Vordergrund der &ouml;ffentlichen Betrachtung immer nur das Wohl der Bev&ouml;lkerung. Dass bei diesem Schutz aber auch sehr viel Geld flie&szlig;t, wird allenfalls am Rande thematisiert. Was ist Ihnen im Hinblick auf wirtschaftliche Interessen aufgefallen?<\/strong><\/p><p>In welchem Ma&szlig;e die Pharmaindustrie von Impfstoffen profitiert, gerade bei einer globalen Anwendung, ist inzwischen ja allgemein bekannt. Weniger bekannt ist vielleicht, dass die Vizechefin des erw&auml;hnten &bdquo;Centers for Health Security&ldquo; an der Johns Hopkins University &ndash; wo viele der &Uuml;bungen geplant wurden, nach deren Empfehlungen sich die Regierungen heute richten &ndash; vorher als Anw&auml;ltin und Lobbyistin f&uuml;r die Pharmaindustrie <a href=\"https:\/\/www.centerforhealthsecurity.org\/our-people\/cicero\/\">t&auml;tig war<\/a>. Die Interessen sind sehr eng verzahnt.<\/p><p><strong>Eine der zentralen Fragen, die sich diejenigen stellen, die die Corona-Politik kritisieren, lautet: War der Ausbruch des Virus schlicht ein Zufall oder steckt etwa ein Plan dahinter. Was ist Ihnen aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Ich kann diese Frage zur Zeit nicht beantworten. Beides ist denkbar. Wir sind in gewisser Weise wieder in einer Situation wie nach 9\/11. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Die Frage lautet, genau wie damals: Wurden diejenigen, die von den Ereignissen ganz klar profitieren, selbst davon &uuml;berrascht und nutzen nun einfach ihre Chance &ndash; oder haben einige der Profiteure auch aktiv nachgeholfen? Was mir bei der Recherche aufgefallen ist und mich nachdenklich gemacht hat, sind vor allem zwei Aspekte. <\/p><p><strong>Welche denn?<\/strong><\/p><p>Einmal die abrupt einsetzende Mediendynamik und dann die schon sehr fr&uuml;h vorliegenden politischen Empfehlungen, die dann auch so umgesetzt wurden. Es ist sehr markant, dass Corona als Medienereignis an einem klar definierten Punkt begann, das kann jeder in den Archiven von Tagesschau bis New York Times nachverfolgen: Das mediale Dauerfeuer begann mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen am 20.\/21. Januar. Das war zugleich auch der Start des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums in Davos. Ich schildere diese Gleichzeitigkeit in einem eigenen Kapitel in meinem Buch, weil das wirklich frappierend ist. <\/p><p>Der andere auff&auml;llige Aspekt ist, wie fr&uuml;h die f&uuml;r das Management der Corona-Krise wesentlichen Elemente gestartet oder einsatzf&auml;hig waren: der PCR-Test zum Sammeln der F&auml;lle, die t&auml;glichen Lageberichte der WHO zur Unterrichtung der &Ouml;ffentlichkeit, das Covid-19-Dashboard zur grafischen Darstellung der Lage in den Medien, die politischen Empfehlungen des Weltwirtschaftsforums und der Gates Foundation. Das alles lag am 24. Januar, als die in Davos versammelten Staats- und Konzernchefs wieder nach Hause reisten, bereits fertig vor. Von diesem Zeitpunkt an entfaltete sich die Krise fast wie automatisch. Die gro&szlig;e &bdquo;Pandemie-Maschine&ldquo;, jahrelang konstruiert, geprobt und f&uuml;r den Ernstfall vorbereitet, lief von da an, man k&ouml;nnte fast sagen, wie am Schn&uuml;rchen.<\/p><p><strong>Daraus kann man aber nicht zwingend ableiten, dass es sich dabei um einen &bdquo;gro&szlig;en Plan&ldquo; handelt.<\/strong><\/p><p>Nein, und das will ich auch betonen: Das alles unterstellt noch keine Planung oder bewusste Herbeif&uuml;hrung der Pandemie. Der Ablauf l&auml;sst sich auch harmlos erkl&auml;ren: Die beteiligten Institutionen waren auf einen solchen Ausbruch ganz einfach &bdquo;gedrillt&ldquo;. Virologen suchten st&auml;ndig nach neuen Krankheitserregern und waren begierig, sie nachzuweisen. Wissenschaftler wie von der Johns Hopkins Universit&auml;t hatten seit 20 Jahren nichts anderes gemacht, als vor Bioterror und Pandemien zu warnen. Nat&uuml;rlich entfalteten sie maximale Betriebsamkeit, wenn sich etwas Derartiges abzeichnete. Auch die WHO und viele andere Beh&ouml;rden setzten lediglich dutzendfach geprobte Abl&auml;ufe um und folgten einstudierten Protokollen. Es muss also, so gesehen, nicht zwingend geplant gewesen sein.<\/p><p>Was man aber aus meiner Sicht festhalten kann, ist, dass genau dieses automatisierte Verhalten uns alle immer tiefer in die Krise f&uuml;hrt. Ich denke, und das ist mein pers&ouml;nliches Fazit, wir brauchen wieder individuellen, gesunden Menschenverstand, auf den F&uuml;hrungsebenen und auch sonst. Es muss m&ouml;glich sein, auszuscheren, einen eigenen Weg zu gehen, als Land, als Bundesland, als Stadt, als Institution und so weiter. Wenn alle global nach den gleichen Regularien arbeiten und blind zentral festgelegten Vorgaben folgen, dann ist das extrem gef&auml;hrlich. Ich denke, das erleben wir gerade. So etwas darf allenfalls in einer akuten Notlage erlaubt sein. Davon ist in Deutschland aber weit und breit nichts zu sehen. Die Zentralisierung, die zunehmende Uniformit&auml;t auf vielen Ebenen, man muss es schon Gleichschaltung nennen, all das sind Irrwege, die von einer lebendigen Demokratie wegf&uuml;hren. Es ist an der Zeit, die Notbremse zu ziehen.<\/p><p><strong>Lesetipp:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/chronik-einer-angekuendigten-krise\/\">Paul Schreyer: Chronik einer angek&uuml;ndigten Krise. Wie ein Virus die Welt ver&auml;ndern konnte.<\/a> Westend Verlag, 14. September 2020. 176 Seiten. 15 Euro. <\/p><p>Titelbild: 5n9zig \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Auf der einen Seite die reinen Fakten und auf der anderen die wilden Theorien. Diese Sichtweise ist sehr naiv.&ldquo; Das sagt der Journalist und Autor <a href=\"https:\/\/paulschreyer.wordpress.com\/\">Paul Schreyer<\/a> im Hinblick auf die Diskussion in den Medien zum Thema Coronavirus. Der Herausgeber des Online-Magazins <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/\">Multipolar<\/a> hat sich f&uuml;r sein aktuelles Buch &bdquo;Chronik einer angek&uuml;ndigten Krise<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64984\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":64986,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,149,209,11],"tags":[2169,1112,2020,2860,2859,1222,438,1705,1798,2834,988,439],"class_list":["post-64984","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gesundheitspolitik","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","tag-ausnahmezustand","tag-buergerrechte","tag-biochemische-waffen","tag-event201","tag-menschenversuche","tag-pandemie","tag-pharmaindustrie","tag-schreyer-paul","tag-spahn-jens","tag-virenerkrankung","tag-weltwirtschaftsforum","tag-who"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/shutterstock_1720248151.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64984"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81189,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64984\/revisions\/81189"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64986"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}