{"id":65035,"date":"2020-09-22T09:01:18","date_gmt":"2020-09-22T07:01:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65035"},"modified":"2020-09-23T08:57:51","modified_gmt":"2020-09-23T06:57:51","slug":"maidan-journalist-wurde-von-deutschland-als-politischer-fluechtling-anerkannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65035","title":{"rendered":"Maidan-Journalist wurde von Deutschland als politischer Fl\u00fcchtling anerkannt"},"content":{"rendered":"<p>Die Ukraine wird immer korrupter und gef&auml;hrlicher auch f&uuml;r westlich orientierte Journalisten. Der in der Ukraine sehr bekannte Fernsehjournalist Alexej Bobrownikow, der die &bdquo;Maidan-Revolution&ldquo; aktiv unterst&uuml;tzte, bekam Anfang September politisches Asyl in Deutschland. Die Bundesregierung f&auml;hrt jetzt die Ernte ihrer Politik ein. 2014 redete man einen von Faschisten und korrupten ukrainischen Oligarchen organisierten Staatsstreich sch&ouml;n. Dann behauptete man, die Ukraine sei auf dem Weg zur Demokratie. Verschwiegen aber wird, dass nicht nur russlandfreundliche ukrainische Journalisten und Oppositionelle, sondern auch einzelne kritische, westlich orientierte Journalisten in der Ukraine in Angst leben und fl&uuml;chten m&uuml;ssen.  Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1389\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-65035-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=65035-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200922_Maidan_Journalist_wurde_von_Deutschland_als_politischer_Fluechtling_anerkannt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dar&uuml;ber, dass der ukrainische Journalist Alexej Bobrownikow politisches Asyl in Deutschland bekommen hat, <a href=\"https:\/\/detector.media\/community\/article\/180720\/2020-09-17-zhurnalist-oleksii-bobrovnikov-otrimav-politichnii-pritulok-u-nimechchini\/\">berichtete<\/a> am 17. September die ukrainische Internetplattform detector.media. <\/p><p>Bobrownikow, der f&uuml;r den ukrainischen Fernsehkanal 1+1 arbeitete und zum Schmuggel im ostukrainischen Kriegsgebiet Filme machte, musste aus der Ukraine fl&uuml;chten, weil er Drohanrufe erhielt und Andrej Galuschenko, sein Hauptzeuge f&uuml;r die Beteiligung ukrainischer Soldaten am Schmuggel, get&ouml;tet wurde.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" class=\"alignleft size-large wp-image-65036\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung-400x225.jpg 400w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Alexej-Bobrownikow-2017-auf-einer-Veranstaltung-der-Koerber-Stiftung-in-Hamburg-Screenshot-Veranstaltungs-Video-der-Koerber-Stiftung.jpg 1281w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br>\n<em>Der ukrainische Journalist Alexej Bobrownikow bei einer Veranstaltung der K&ouml;rber-Stiftung in Hamburg. Foto: Screenshot eines Videos der K&ouml;rber-Stiftung<\/em><\/p><p>Journalisten, die aktiv Korruption aufsp&uuml;ren, st&ouml;ren korrupte ukrainische Oligarchen und nationalistische ukrainische Milit&auml;rs, die sich seit sechs Jahren an einer illegalen Kriegs- und Schmuggelwirtschaft bereichern. <\/p><p>2016 wurde der westlich orientierte, liberale Journalist Pawel Scheremet durch eine Bombe get&ouml;tet. Die M&ouml;rder von Scheremet sind <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Ukraine-Fuenf-Rechtsradikale-wegen-Mord-an-dem-Journalisten-Scheremet-verhaftet-4615470.html\">nach Angaben<\/a> der ukrainischen Polizei f&uuml;nf ukrainische Ultranationalisten, die im Donbass gek&auml;mpft haben.<\/p><p>Dass es in der Ukraine nach der Maidan-Revolution mit der Korruption durch Oligarchen weitergehen w&uuml;rde, war schon 2014 abzusehen. Denn eben ukrainische Oligarchen waren ja diejenigen, welche den Maidan mit organisierten, finanzierten und &uuml;ber ihre Medien eine pro-europ&auml;ische und anti-russische Stimmung aufbauten. Diese Medien und Oligarchen geben sich als &bdquo;ukrainische Patrioten&ldquo;. Hinter diesem Schutzschirm betreiben die Oligarchen ihre oft korrupten Gesch&auml;fte und schaffen, wie der ehemalige Pr&auml;sident Petro Poroschenko, die Gewinne in Offshore-Zonen, w&auml;hrend das ukrainische Volk verarmt und sich auf Erdbeer- und Spargelplantagen in Polen und Deutschland ein Auskommen verdienen muss. <\/p><p><strong>Einzelne westlich orientierte Journalisten k&auml;mpfen gegen die Korruption<\/strong><\/p><p>Journalisten wie Bobrownikow und Scheremet sehen sich als Vork&auml;mpfer f&uuml;r eine Ukraine ohne Korruption, eine Ukraine, die &bdquo;so sauber&ldquo; ist wie Deutschland und die USA. Doch in der Ukraine existieren militante rechtsradikale Gruppen, die vom Innenministerium und Geheimdienst gedeckt werden. Diese Gruppen sch&uuml;tzen die Interessen der ukrainischen Oligarchen, die sich der von Deutschland und den USA geforderten strengen Kontrolle aller Finanz- und Wirtschaftst&auml;tigkeiten in der Ukraine widersetzen. Wie konnte der Westen nur so naiv sein, zu glauben, die ukrainischen Oligarchen w&uuml;rden sich westlichen Gesch&auml;ftspraktiken anpassen?<\/p><p>Der Journalist Bobrownikow war bereits 2017 nach Deutschland gefl&uuml;chtet, weil er wegen seiner Recherchen &uuml;ber Schmuggel im Kriegsgebiet Donbass Drohungen bekam und Angst um sein Leben hatte. Der Fernsehjournalist war ein aktiver Teilnehmer des Maidan 2014. Ein <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/pressefreiheit-in-der-ukraine-im-fleischwolf-1.3571331?reduced=true\">Foto<\/a> zeigt den Journalisten, wie er auf dem Maidan mit einem Megaphon versucht, Polizisten zum Aufgeben zu &uuml;berreden. <\/p><p><strong>Gef&auml;hrliche Recherchen &uuml;ber Schmuggel im Kriegsgebiet<\/strong><\/p><p>Bobrownikow hatte 2015 f&uuml;r den ukrainischen Fernsehkanal 1+1 im Kriegsgebiet Donbass f&uuml;r eine Fernsehdokumentation zum Thema Schmuggel recherchiert. An dem Schmuggel waren nach Ermittlungen des Journalisten sowohl Menschen aus der &bdquo;Volksrepublik Lugansk&ldquo; beteiligt, als auch Soldaten der 92. mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkr&auml;fte (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=E3KUOU3ez8Y\">Video von der Brigade an der Front<\/a>), einer Einheit, die schon unter US-amerikanischem Kommando in Afghanistan und im Irak gek&auml;mpft hatte. Der Schmuggel lief &uuml;ber die sogenannte Kontaktlinie, welche die &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; und die Zentralukraine voneinander trennt. <\/p><p>Dass es Schmuggel im Kriegsgebiet Donbass gibt, hatte ich schon vor einiger Zeit geh&ouml;rt. Raissa Steinigk aus Th&uuml;ringen, die die Volksrepublik Lugansk mehrmals besucht hat, weil sie humanit&auml;re Hilfe dorthin organisiert, erz&auml;hlte mir in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XxVoBHbC5Qk&amp;t=369s\">Video-Interview<\/a> davon (ab Minute 16:16).<\/p><p><strong>Verdacht gegen Soldaten der 92. ukrainischen Brigade<\/strong><\/p><p>Eine der wichtigsten Quellen von Fernsehjournalist Bobrownikow war Andrej Galuschenko, ein Fahnder des ukrainischen Geheimdienstes, der Informationen &uuml;ber den Schmuggel mit Zigaretten, Drogen und Waffen im Kriegsgebiet sammelte. Galuschenko wurde nach langen Interviews, die er dem Journalisten Bobrownikow gab, am 2. September 2015 ermordet. Das Auto von Galuschenko fuhr in einem von der 92. ukrainischen Brigade kontrollierten Gebiet auf eine Mine und wurde beschossen. Ein mit Galuschenko befreundeter Offizier, der &ouml;ffentlich versprochen hatte, die M&ouml;rder zu finden, kam am Tag darauf <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/pressefreiheit-in-der-ukraine-im-fleischwolf-1.3571331?reduced=true\">selbst ums Leben<\/a>.<\/p><p>Nach dem Mord an Galuschenko ver&ouml;ffentlichte Bobrownikow nach eigener Aussage im Laufe von sieben Monaten &bdquo;zehn Fernseh-Beitr&auml;ge zum Schmuggel und zu den unaufgekl&auml;rten Morden im Zust&auml;ndigkeitsbereich der 92. Brigade&ldquo;. Dabei wertete er auch die von Galuschenko gesammelten Daten aus, die Hinweise auf weitere von ukrainischen Soldaten im Rahmen des Schmuggelgesch&auml;fts ver&uuml;bte Morde enthielten. <\/p><p>In diesem Moment wurde die Aufkl&auml;rungsarbeit des Journalisten gestoppt, wie Bobrownikow im Jahre 2017 <a href=\"https:\/\/www.message-online.com\/unsere-situation-hat-sich-nicht-verbessert\/\">gegen&uuml;ber dem Medienmagazin &bdquo;Message&ldquo; berichtete<\/a>. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, dass der Fernsehkanal 1+1 dem Oligarchen Igor Kolomoiski geh&ouml;rt. Bobrownikow berichtete: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Als wir Zugang zum Rechner von Galuschenko bekamen und dort belastendes Material gegen das Polizeibataillon Kiew-2 fanden, baten mich Verantwortliche des Senders, mit der Ver&ouml;ffentlichung neuer Rechercheergebnisse zu warten und weitere Recherchen einzustellen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Im Juni 2016 wurde Bobrownikow schlie&szlig;lich von seinem Fernsehkanal gek&uuml;ndigt. Das war absehbar gewesen. Doch nun passierte etwas v&ouml;llig Verr&uuml;cktes: Der Journalist berichtet, &bdquo;wenig sp&auml;ter kam der Sender auf die Idee, Kommandeure von Kiew-2 und der 92. Brigade mit Medaillen f&uuml;r &sbquo;Vertrauen und Zusammenarbeit&lsquo; auszuzeichnen.&ldquo; <\/p><p>Gegen&uuml;ber dem ukrainischen Internetportal detector erz&auml;hlt Bobrownikow, warum er nach Deutschland floh:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich habe einige Jahre gewartet, weil ich auf die Rechtsprechung in der Ukraine hoffte. Ich &uuml;bergab immer neue Beweise &uuml;ber eine Serie von Morden, an welcher die Soldaten der 92. mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkr&auml;fte und ihre Vertreter in den ukrainischen Geheimdiensten beteiligt waren.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Journalist berichtet, er habe auch als Zeuge beim ukrainischen Geheimdienst SBU, bei der ukrainischen Milit&auml;rstaatsanwaltschaft, beim Staatsanwalt der &bdquo;Antiterroristischen Operation&ldquo; und 2020 vor dem Staatlichen Untersuchungsb&uuml;ro ausgesagt. Doch die Ermittlungen h&auml;tten zu keinen Ergebnissen gef&uuml;hrt und seien eingestellt worden. <\/p><p><strong>Journalist Bobrownikow: &bdquo;Russland destabilisiert die &Uuml;bergangsstaaten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nachdem Bobrownikow 2017 nach Deutschland gefl&uuml;chtet war, trat er auf verschiedenen Veranstaltungen auf, u.a. in Hannover, Baden-Baden und Hamburg. Die Veranstaltung in Hamburg (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GmF_yyx_578\">Video<\/a>) wurde von der K&ouml;rber-Stiftung organisiert und vom Chefredakteur der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&rdquo; moderiert. <\/p><p>Bobrownikow pr&auml;sentierte sich w&auml;hrend der Podiumsdiskussion als ukrainischer Patriot und Sch&uuml;tzer der europ&auml;ischen Sicherheitsinteressen. Er erkl&auml;rte, die Ukraine habe zwei Feinde: &bdquo;Putins Russland und die Korruption.&ldquo; Der Schmuggel in der Ukraine &ndash; nicht nur im Donbass, sondern auch an der Grenze zu Ungarn &ndash; sei ein Sicherheitsrisiko f&uuml;r die EU. Die EU m&uuml;sse tausende Experten in die Ukraine und in andere Staaten schicken, die sich der EU anschlie&szlig;en wollen. Diese Experten m&uuml;ssten in allen gesellschaftlichen Bereichen &ndash; vom Krankenhaus bis zum Wirtschaftsunternehmen &ndash; &bdquo;ein Monitoring machen&ldquo;, um die Korruption auszumerzen. <\/p><p>Die Zuh&ouml;rer der Veranstaltung waren vorwiegend gutausgebildete Menschen mittleren und h&ouml;heren Alters. Im Publikum gab es immer dann beif&auml;lliges Geraune, wenn Bobrownikow Vorw&uuml;rfe gegen Russland erhob. Mal erkl&auml;rte der Journalist, Russland destabilisiere Staaten, um dann dort Schmuggelgesch&auml;fte aufzuziehen. Oder er behauptete, FSB-Leute seien an diesen Schmuggelgesch&auml;ften beteiligt. <\/p><p>Im Publikum sa&szlig; auch die Schriftstellerin Katrin McClean. Als sie w&auml;hrend der Diskussion einwarf, in der Ukraine habe es auch eine Anti-Maidan-Bewegung gegeben, die in Odessa niedergeschlagen wurde, gab es aus dem Publikum abf&auml;lliges Lachen. <\/p><p><strong>&bdquo;In der Ukraine hat sich nichts ver&auml;ndert&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ob die Maidan-Revolution den Journalismus freier gemacht hat, wurde Bobrownikow 2017 vom Medienmaganzin &bdquo;Message&ldquo; gefragt. Der Journalist antwortete: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Unsere Situation hat sich nach der Revolution nicht verbessert. Die Gefahr f&uuml;r Journalisten ist permanent gegeben.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Nach meinem Eindruck ist das noch eine Untertreibung. Der Druck auf kritische Journalisten hat sich nach dem Maidan verzehnfacht. W&auml;hrend in 24 nachsowjetischen Jahren nur ein bekannter Journalist &ndash; Grigori Gongadse &ndash; ermordet wurde (das war im Jahre 2000), gab es in den sechs Jahren nach dem Maidan gleich zwei Journalisten-Morde und zahlreiche weitere F&auml;lle von Hausarresten, Gef&auml;ngnisstrafen und anderer Repression. <\/p><p>Im April 2015 wurde der russlandfreundliche Journalist Oles Busyna &ndash; mutma&szlig;lich von ukrainischen Rechtsradikalen &ndash; vor seinem Haus erschossen. Im Juli 2016 wurde der westlich orientierte Journalist Pawel Scheremet mit einer unter einem Auto befestigten Bombe get&ouml;tet.<\/p><p>Zu den wichtigsten Repressionen gegen ukrainische Journalisten nach dem Maidan geh&ouml;rte auch der Brandanschlag auf den Fernsehkanal &bdquo;Inter&ldquo; im September 2016. Grund war eine angeblich russlandfreundliche Berichterstattung. Im Juli 2018 wurde der Fernsehkanal &bdquo;112&ldquo; von Ultranationalisten mit Granaten beschossen, weil der Kanal einen Film des US-Regisseurs Oliver Stone &uuml;ber den Staatsstreich in der Ukraine ausstrahlen wollte. <\/p><p>Der ukrainische Journalist Ruslan Kotsaba sa&szlig; 2015\/16 eineinhalb Jahre wegen eines Aufrufs zur Kriegsdienstverweigerung in einem ukrainischen Gef&auml;ngnis. Er wurde zwar von Amnesty International als Gewissensh&auml;ftling anerkannt. Aber die gro&szlig;en deutschen Medien schwiegen zum Fall Kotsaba. <\/p><p>Zahlreiche Journalisten aus der EU bekamen Einreiseverbot in die Ukraine, weil sie die Volksrepubliken Donezk oder Lugansk besucht hatten. <\/p><p><strong>Keine Unterst&uuml;tzung vom deutschen Au&szlig;enministerium<\/strong><\/p><p>Auch dem Autor dieser Zeilen wurde im April 2016 ein f&uuml;nfj&auml;hriges Einreiseverbot f&uuml;r die Ukraine in seinen deutschen Pass gestempelt. Das deutsche Au&szlig;enministerium hatte ich sofort &uuml;ber das Einreiseverbot informiert, doch es r&uuml;hrte sich nicht. Erst im August 2016 bekam ich nach nochmaligem Nachfragen vom Ausw&auml;rtigen Amt die schriftliche Begr&uuml;ndung f&uuml;r das Einreiseverbot per Mail &uuml;bermittelt. Eigentlich hatte ich auf eine juristische und politische Beurteilung des Einreiseverbotes gehofft. Doch diese Hoffnung erf&uuml;llte sich nicht.  <\/p><p>Sawsan Chebli, damals im Pressereferat des Ausw&auml;rtigen Amtes t&auml;tig, teilte mir in der besagten Mail mit, was die deutsche Botschaft in Kiew zu meinem Fall ermittelt hatte. Chebli schrieb, &bdquo;die R&uuml;ckweisung wird damit begr&uuml;ndet, dass Sie nach ukrainischen Angaben im Juni 2015 &uuml;ber die nicht von der UKR kontrollierte russisch-ukrainische Grenze in die besetzten Gebiete des Donezker Oblast eingereist seien. Dies stelle einen Versto&szlig; gegen die ukrainischen Gesetze dar. Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en Sawsan Chebli.&ldquo; <\/p><p>Auf meine Begr&uuml;ndung, warum ich 2015 nicht &uuml;ber Kiew, sondern aus Russland direkt nach Donezk fuhr, reagierte das Ausw&auml;rtige Amt nicht. Der Grund war, dass ich nach meinem 2015 ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LXRIuVNGmds\">Film &bdquo;Lauffeuer&ldquo;<\/a> &uuml;ber den Brandangriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ShKs_60MmlQ\">Racheaktionen ukrainischer Nationalisten f&uuml;rchtete<\/a>. Wie der eingangs geschilderte Fall des Journalisten Bobrownikow zeigt, war meine Angst 2015 berechtigt. <\/p><p><strong>Keine deutsche Trauer um die Toten von Odessa<\/strong><\/p><p>Ich bin so frei und bezeichne das Verhalten des Ausw&auml;rtigen Amtes als feige. Diese Feigheit wurde schon unmittelbar nach dem Brand in Odessa am 2. Mai 2014 deutlich. Der damalige Au&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier wollte bei seinem Besuch in Odessa Ende Mai 2014 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/ukraine-steinmeier-trifft-jazenjuk-und-legt-kranz-in-odessa-nieder-a-969101.html\">eigentlich<\/a> einen Kranz vor dem ausgebrannten Gewerkschaftshaus niederlegen, lie&szlig; sich aber vom neueingesetzten Gouverneur von Odessa, Igor Paliza, einem ehemaligen Manager aus dem Firmenimperium des Oligarchen Igor Kolomoiski, umstimmen. Der Gouverneur meinte, eine Kranzniederlegung k&ouml;nne zu neuen Unruhen f&uuml;hren. <\/p><p>Unruhen gibt es in Odessa seit 2014 nicht mehr. Wenn die Angeh&ouml;rigen der Toten von Odessa jedes Jahr am 2. Mai vor dem Gewerkschaftshaus trauern, dann f&auml;hrt die Polizei vor dem Gewerkschaftshaus zur Abschreckung ihre gepanzerten Fahrzeuge auf. Am Vortag der Trauerfeierlichkeiten finden in den Wohnungen von bekannten russlandfreundlichen Oppositionellen Hausdurchsuchungen statt. Und wenn die Angeh&ouml;rigen an anderen Tagen Blumen und Kr&auml;nze vor dem Gewerkschaftshaus niederlegen, werden die von Rechtsradikalen regelm&auml;&szlig;ig wegger&auml;umt. All das war kein Thema bei der Veranstaltung der K&ouml;rber-Stiftung und man findet dar&uuml;ber auch keine Berichte in den gro&szlig;en deutschen Medien. <\/p><p>Titelbild: Roman Mikhailiuk \/ shutterstock.com<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b90bdbe577114d99b6dc451b4717e5f3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ukraine wird immer korrupter und gef&auml;hrlicher auch f&uuml;r westlich orientierte Journalisten. Der in der Ukraine sehr bekannte Fernsehjournalist Alexej Bobrownikow, der die &bdquo;Maidan-Revolution&ldquo; aktiv unterst&uuml;tzte, bekam Anfang September politisches Asyl in Deutschland. Die Bundesregierung f&auml;hrt jetzt die Ernte ihrer Politik ein. 2014 redete man einen von Faschisten und korrupten ukrainischen Oligarchen organisierten Staatsstreich sch&ouml;n.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65035\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":65037,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,60,20,127],"tags":[1760,2520,1337,259,260],"class_list":["post-65035","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-kriminalitaet","tag-mord","tag-oligarchen","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/shutterstock_477092077.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65035"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65035\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65094,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65035\/revisions\/65094"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/65037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}