{"id":65056,"date":"2020-09-22T13:12:17","date_gmt":"2020-09-22T11:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65056"},"modified":"2020-09-22T16:58:37","modified_gmt":"2020-09-22T14:58:37","slug":"medien-und-corona-taktgeber-mit-ersten-selbstzweifeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65056","title":{"rendered":"Medien und Corona &#8211; Taktgeber mit ersten Selbstzweifeln?"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema Corona dominiert auch im Sp&auml;tsommer die mediale Berichterstattung. Trotz der mittlerweile deutlich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64554\">entspannten Lage<\/a> ist die Berichterstattung nach wie vor vor allem von Alarmismus gepr&auml;gt. Langsam muss man gar die Frage stellen, ob die vielfach von Kritikern zu recht gescholtene Politik hier noch der Treiber oder l&auml;ngst der Getriebene ist. Es gibt jedoch auch eine zarte Hoffnung am Horizont. Mit Stefan Aust, Stephan Hebel und Jakob Augstein haben sich in den letzten Wochen bereits drei namhafte Journalisten zu ihren Selbstzweifeln bekannt. Doch auch drei Schwalben machen noch keinen Sommer und von einem branchenweiten Umdenken kann leider &uuml;berhaupt nicht die Rede sein. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3908\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-65056-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=65056-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200922_Medien_und_Corona_Taktgeber_mit_ersten_Selbstzweifeln_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In der letzten Woche meldete sich der WELT-Herausgeber Stefan Aust mit <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus215257850\/Covid-19-Was-die-Sterbedaten-der-verschiedenen-Laender-verraten.html\">einer sehr lesenswerten Generalabrechnung<\/a> an die Politik zu Wort &ndash; selbstkritische Worte zur Rolle der Medien und des eigenen Blattes sucht man dabei jedoch vergebens. Wenn Aust von der Politik fordert, &bdquo;vom Panik-Modus zur&uuml;ck in den Normalit&auml;ts-Modus&ldquo; zu schalten, so ist dies erfreulich. Noch erfreulicher w&auml;re es jedoch, wenn er diese Forderung auch deutlich an seine Kollegen adressiert h&auml;tte. Es wirkt schon ein wenig befremdlich, wenn der Herausgeber einer der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Zeitungen der Politik gener&ouml;s zugesteht, dass &bdquo;nach den Bildern aus China und aus Norditalien rigide Ma&szlig;nahmen notwendig&ldquo; waren, dabei aber nicht erw&auml;hnt, wer diese Bilder publiziert hat, ohne sie einzuordnen. Auch die WELT hat damals mit <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/video206662077\/Saerge-werden-vom-Militaer-abtransportiert-Corona-in-Italien.html\">Bildern von S&auml;rgen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article206686461\/Corona-Katastrophe-in-Italien-Wie-in-einem-alten-Film-ueber-die-Pest.html\">Horrorszenarien<\/a> das Umfeld geschaffen, in dem die Politik ihre &bdquo;rigiden Ma&szlig;nahmen&ldquo; durchsetzen konnte. Auf die Einordnung dieser Bilder und Meldungen mussten Leser der WELT <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus215690334\/Italien-Warum-in-Norditalien-so-viele-Menschen-an-Corona-gestorben-sind.html\">mehr als ein halbes Jahr warten<\/a>. L&auml;ge es da nicht nahe, von der WELT eine selbstkritische Aufarbeitung zu fordern? Die w&auml;re dringend n&ouml;tig, geh&ouml;rte doch die WELT immer wieder zu den Negativbeispielen, die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63006\">von den NachDenkSeiten<\/a> f&uuml;r ihren Alarmismus kritisiert wurden.<\/p><p>Selbstkritischer geht da der Frankfurter-Rundschau-Redakteur Stephan Hebel mit der Branche und auch mit seinem Blatt ins Gericht. Hebel forderte am Wochenende seine Leser <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/medien-kritik-corona-berichterstattung-krisengespraech-frankfurt-rundschau-fr-luegenpresse-glaubhaftigkeit-themen-90045742.html\">zu einem Dialog auf<\/a>. Dies sei, so Hebel, als &bdquo;selbstkritisches Angebot&ldquo; zu verstehen, mit der Zeitung &uuml;ber deren Berichterstattung zu sprechen. Dabei thematisiert er auch die Unzufriedenheit der Leser und den Vertrauensverlust des Blattes in Folge dessen Corona-Berichterstattung. Das ist vorbildlich und in seinem durchaus lesenswerten Artikel gibt sich Hebel in der Tat selbstkritisch und stellt wichtige und richtige Fragen. Wie ernst dieses &bdquo;selbstkritische Angebot&ldquo; gemeint ist, ist jedoch nur schwer zu bewerten, zumal die Selbstkritik in sich inkonsistent ist. So gesteht Hebel beispielsweise ein, dass die von Lesern vorgebrachte Kritik, auch die FR h&auml;tte sich bei ihrer Berichterstattung &uuml;ber die Berliner Corona-Demonstrationen zu einer Fokussierung auf &bdquo;rechtsradikale Minderheiten&ldquo; verleiten lassen, legitim sei, nur um dann lang und breit auf eben jene Minderheiten einzugehen. Es w&auml;re jedoch unfair, dies nun ausgerechnet gegen Stephan Hebel zu verwenden; immerhin traut er sich, seine Position offen zu begr&uuml;nden und gegen Kritik zu verteidigen, was in der Branche ja leider nur selten vorkommt. Ob der angestrebte Dialog so aber die entt&auml;uschten Leser zufriedenstellt, steht auf einem anderen Blatt.<\/p><p>Auch andere namhafte Personen der Branche sind mittlerweile auf Distanz zur Berichterstattung gegangen und &auml;u&szlig;ern sich kritisch und selbstkritisch. So stellte der Publizist Jakob Augstein via Twitter fest, dass die Fehleinsch&auml;tzungen von Politik und Medien vielen Menschen Schaden zugef&uuml;gt h&auml;tten.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-1024x554.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"554\" class=\"alignleft size-large wp-image-65057\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-1024x554.png 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-300x162.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-768x416.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-800x433.png 800w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01-400x216.png 400w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200922_01.png 1216w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p><p>In diesem Punkt muss man Augstein sicher recht geben und es ist &auml;u&szlig;erst erfreulich, dass Personen, die im Rampenlicht stehen, sich mit solchen kritischen Anmerkungen aus den Sch&uuml;tzengr&auml;ben wagen &ndash; es ist schon fast &uuml;berfl&uuml;ssig zu erw&auml;hnen, dass Augstein f&uuml;r dieses Bekenntnis auf Twitter einen Shitstorm erntete, der sich gewaschen hat.<\/p><p>All diese erfreulichen &Auml;u&szlig;erungen einiger weniger Journalisten k&ouml;nnen jedoch nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass die Medienmaschinerie nach wie vor ohne nennenswerte Selbstzweifel den Takt angibt und ein Umschwenken selbst mit viel Phantasie nicht zu erkennen ist. Erst heute haben wir in den Hinweisen zwei Beispiele (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65029#h02\">Deutsche Welle<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65029#h04\">Redaktionsnetzwerk Deutschland<\/a>) aufgef&uuml;hrt, die hart an der Grenze zu Fake News Zahlen aus dem Zusammenhang rei&szlig;en und dabei jegliche journalistische Sorgfalt vermissen lassen. Einflussreiche und reichweitenstarke Medien wie die Nachrichtenformate von ARD und ZDF oder der SPIEGEL &bdquo;gl&auml;nzen&ldquo; sogar durch eine besonders kompromisslose alarmistische Linie und abseits von Corona sieht es ja keinesfalls besser aus, wie beispielsweise die durch und durch einschl&auml;gige Russland-Berichterstattung jeden Tag aufs Neue zeigt. <\/p><p>Die NachDenkSeiten dokumentieren und kritisieren diese Entwicklung schon seit ihrem Bestehen und es ist &uuml;berhaupt nicht zu erkennen, dass sich hier etwas zum Besseren entwickeln k&ouml;nnte. Im Gegenteil. Noch nie war das beinahe kollektive Versagen der Medien so offensichtlich wie heute. Dialogangebote und vereinzelte Spuren von Selbstkritik reichen da nicht mehr aus. Wer verlorenes Vertrauen zur&uuml;ckgewinnen will &ndash; so dies &uuml;berhaupt noch m&ouml;glich ist &ndash; m&uuml;sste Taten statt Worte sprechen lassen. <\/p><p>Titelbild: FGC\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/dc96b8fcb4b6425aacba31d49e84002b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Corona dominiert auch im Sp&auml;tsommer die mediale Berichterstattung. Trotz der mittlerweile deutlich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64554\">entspannten Lage<\/a> ist die Berichterstattung nach wie vor vor allem von Alarmismus gepr&auml;gt. 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