{"id":6523,"date":"2010-08-18T16:45:28","date_gmt":"2010-08-18T14:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6523"},"modified":"2019-07-25T18:07:34","modified_gmt":"2019-07-25T16:07:34","slug":"renten-trauma-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6523","title":{"rendered":"Renten-Trauma der SPD"},"content":{"rendered":"<p>Die Rentenpolitik bleibt f&uuml;r die SPD eine existentielle Bedrohung. Die&nbsp;Rente mit 67 ist einer der Kristallisationspunkte, an dem sich entscheidet, ob die SPD bei ihren traditionellen W&auml;hlerschichten&nbsp;verloren gegangene&nbsp;Glaubw&uuml;rdigkeit als K&auml;mpferin f&uuml;r die&nbsp; Sicherung des Sozialstaates, eines Grundpfeilers unserer Demokratie, zur&uuml;ckgewinnen kann. Von Ursula Engelen-Kefer<br>\n<!--more-->&nbsp;<br>\n<strong>Worum geht es:&nbsp; &Uuml;berpr&uuml;fung der Rente mit 67<\/strong><br>\nDie Bundesregierung muss in diesem Jahr gem&auml;&szlig; &sect; 154 Abs. 4 Satz 1 SGB VI die schon vom damaligen Gesetzgeber vorgeschriebene Pr&uuml;fung vornehmen, ob die Einf&uuml;hrung der Rente mit 67 aus gesundheitlichen und arbeitsmarktlichen Gr&uuml;nden vertretbar ist. Der amtliche Rentenbericht soll im November vorgelegt werden.<br>\nDie CDU Arbeitministerin, <strong>Ursula von der Leyen,<\/strong>&nbsp; hat&nbsp;sich bereits festgelegt: Die Rente mit 67 wird eingef&uuml;hrt!<br>\nDabei&nbsp;verbiegt sie die Zahlen &uuml;ber die Erwerbsbeteiligung der &Auml;lteren&nbsp;wie es zu ihren politischen Absichten am besten passt. Zwar ist es richtig,&nbsp; dass die &bdquo;Erwerbsbeteiligung&ldquo; der 55-65 J&auml;hrigen seit 2000 etwas zugenommen hat,&nbsp;doch von der Leyen sprach wohl ganz bewusst von &bdquo;Erwerbst&auml;tigen&ldquo;. Dazu z&auml;hlen alle Erwerbspersonen, die mindestens eine Stunde gegen Entgelt (bzw. Mehraufwandsentsch&auml;digung bei den &bdquo;Ein-Euro-Jobs&ldquo;) abh&auml;ngig oder z.B. auch selbst&auml;ndig erwerbst&auml;tig sind. Die Zunahme der &bdquo;Erwerbst&auml;tigen&ldquo; besagt ziemlich wenig &uuml;ber die tats&auml;chliche Situation sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigter in rentennahen <a href=\"\/?p=6459#h07\">Jahrg&auml;ngen aus<\/a>, ihre Besch&auml;ftigungsquote liegt bei den 64-J&auml;hrigen gerade mal bei 10 Prozent. Zur Realit&auml;t geh&ouml;rt auch, dass von&nbsp; den 64 &ndash; und 65 -J&auml;hrigen &uuml;berhaupt nur maximal ein F&uuml;nftel&nbsp; in irgendeiner Form erwerbst&auml;tig sind. Immer mehr &Auml;ltere gehen aus dem Job in Hartz IV und dann in die Armutsrente.<br>\nFrau von der Leyen kann sich entspannt zur&uuml;cklehnen: Denn die ma&szlig;geblichen Beschl&uuml;sse zur Rente mit 67 sind in der Gro&szlig;en Regierungskoalition vom damaligen Bundesarbeitsminister Franz M&uuml;ntefering (SPD) durchgesetzt worden. Die Kritik an der Sozialministerin &uuml;ber die Rente mit 67 aus den eigenen politischen Reihen &ndash; vor allem CSU &ndash; ist &auml;u&szlig;erst verhalten. Man macht die &uuml;blichen Ausweichman&ouml;ver oder verfolgt Verz&ouml;gerungstaktiken:  So will die Bundesregierung eine &bdquo;Kommission&ldquo; gegen Altersarmut infolge der wachsenden  Niedriglohnsektoren einrichten, die Anfang 2011 (!) ihre Arbeit aufnehmen soll. Im Zentrum steht dabei nicht die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des Niedriglohnsektors, sondern die erhebliche zus&auml;tzliche Belastung f&uuml;r die Kommunen, die f&uuml;r die Grundsicherung bei Armutsrenten aufkommen m&uuml;ssen. Viel zielf&uuml;hrender w&auml;re, wenn die Bundesregierung endlich ihre Blockade gegen einen existenzsichernden Mindestlohn aufgeben und einen gesetzlichen Riegel vor der Ausbreitung  der prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnisse vorschieben w&uuml;rde. <\/p><p>&nbsp;<br>\n<strong>Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem der SPD<\/strong><br>\nDie Rentenpolitik bleibt eine der besonders schmerzlichen Glaubw&uuml;rdigkeitsl&uuml;cken f&uuml;r die SPD, die sie angesichts der drohenden Ausweitung der Altersarmut und der nach wie vor v&ouml;llig unzureichenden Besch&auml;ftigungschancen der betroffenen Arbeitnehmer nicht schlie&szlig;en kann. F&uuml;r immer mehr &auml;ltere Arbeitnehmer verst&auml;rken sich die verheerenden Folgen der gravierenden Verschlechterungen bei den gesetzlichen Altersrenten, gerade auch durch die Zunahme der Niedriglohnsektoren und durch die hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Die von dem damaligen Bundesarbeitsminister Franz M&uuml;ntefering &ndash;  an der SPD vorbei &ndash; in der Gro&szlig;en Koalition durchgesetzte Rente mit 67 hat das Fass &ndash; wie alle Umfragen zeigen &ndash;  bei den allermeisten Arbeitnehmern zum &Uuml;berlaufen gebracht. Dieser Vertrauensverlust wird anhalten, wenn&nbsp;diese ehemals traditionellen SPD-W&auml;hler die derzeitige &ldquo;Herumeierei&rdquo;&nbsp;in der Spitze der Partei erleben. Die Suche nach irgendwelchen <a href=\"\/?p=6490\">Formelkompromissen<\/a>, ohne in der Sache etwas zu ver&auml;ndern, wird die Frustration und Ver&auml;rgerung der immer gr&ouml;&szlig;er werdenden unteren Einkommensschichten gegen&uuml;ber der Politik allgemein und insbesondere der SPD&nbsp; verst&auml;rken und auch zu weiterer Verunsicherung und zu weiterer Politik-und Parteienverdrossenheit&nbsp;auch gro&szlig;er Teile der Mittelschicht f&uuml;hren. Letztlich d&uuml;rfte dies&nbsp;zur St&auml;rkung der &bdquo;Nichtw&auml;hlerpartei &rdquo; beitragen. Mit solchen Scheinl&ouml;sungen wird nicht nur unser Sozialstaat weiter in Frage gestellt, sondern immer mehr auch die Akzeptanz unserer Demokratie gef&auml;hrdet.<br>\nDer jetzt bekannt gewordenen Kompromiss in der SPD-Spitze kann das gewiss nicht aufhalten. Ein Aufschub der Heraufsetzung des Renteneintrittsalters bis 2015 ohne Verringerung des Endpunktes f&uuml;r die Rente mit 67 im Jahr 2029 bedeutet nur noch schneller ansteigende Rentenabschl&auml;ge f&uuml;r die dann betroffenen Arbeitnehmer. Die in dem Kompromiss vorgesehenen Ausnahmen f&uuml;r besonders belastende T&auml;tigkeiten beweisen die Konzeptions- und Ratlosigkeit: Wie soll festgelegt werden, welche T&auml;tigkeiten besondere Belastungen aufweisen? An der drohenden Altersarmut werden solche Ausnahmeregelungen und der kurze Aufschub beim Einstieg in die Rente mit 67 kaum etwas &auml;ndern.<\/p><p><strong>Am 22.\/23. August werden Pr&auml;sidium und Parteivorstand der SPD &uuml;ber die Rente mit 67 beschlie&szlig;en und der SPD-Parteitag Ende September wird davon sicherlich ma&szlig;geblich bestimmt sein.<\/strong><\/p><p><strong>&bdquo;Herumeierei&ldquo; in der SPD-Spitze.<\/strong><br>\nW&auml;hrend die gro&szlig;e Mehrheit der SPD Mitglieder die Rente mit 67 ablehnt, ert&ouml;nte ein vielstimmiger Chor an der Parteispitze.<\/p><p>Fraktionsvorsitzender Frank Walter <strong>Steinmeier<\/strong>, der Architekt von Kanzler Schr&ouml;ders Agenda 2010,&nbsp;will an der Rente mit 67 unbedingt festhalten und h&ouml;chstens den Beginn des Einstiegs verschieben aber bei 2029 als Endpunkt soll es bleiben. Als Begr&uuml;ndung nennt er, dass sich die Rentenlaufzeiten infolge der steigenden Lebenserwartung erheblich erh&ouml;ht h&auml;tten.  Dabei verdr&auml;ngt er vollst&auml;ndig, dass seit Anfang der 1990er Jahre durch eine Vielzahl von Renten&ldquo;reformen&ldquo; die Anpassung an die demographischen Ver&auml;nderungen l&auml;ngst erfolgt ist und das Rentenniveau bereits um ein Drittel verringert wurde, um die Beitragss&auml;tze zu stabilisieren.<br>\n&nbsp;<br>\nAuch der Parteivorsitzende Sigmar <strong>Gabriel<\/strong> kommt in Verlegenheit, wenn er jetzt eine Aussetzung des Beginns der Anhebung des Rentenalters verlangt. Er sa&szlig; mit am Kabinettstisch, als die Gro&szlig;e Koalition die Rente mit 67 auf Initiative von Franz <strong>M&uuml;ntefering<\/strong> in einem &Uuml;berrumpelungsman&ouml;ver ohne R&uuml;ckkoppelung mit seiner Partei ins Gesetz geschrieben hat.<br>\n&nbsp;<br>\nInzwischen gibt es einen offenen medialen Streit zwischen Frank Walter Steinmeier und dem Stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD, Klaus <strong>Wowereit<\/strong>: Dessen Botschaft ist klar: Die Rente mit 67 ist &bdquo;emotional ein Schlag ins Gesicht&ldquo; der Menschen und mathematisch falsch. Bei den vielen erforderlichen Ausnahmeregelungen infolge unterschiedlicher Belastung einzelner Berufsbereiche und einer j&auml;hrlichen Entlastung der Beitr&auml;ge um lediglich 0,5 Prozent oder etwa 4 Mrd. Euro stehen &bdquo;Aufwand und Ertrag&ldquo; einer solchen politisch h&ouml;chst umstrittenen Entscheidung in keinem verantwortbaren Verh&auml;ltnis. Konsequenterweise fordert er die Beendigung dieser &bdquo;Phantomdiskussion&ldquo; und die R&uuml;ckkehr zur Rente mit 65.<br>\n&nbsp;<br>\nOlaf <strong>Scholz<\/strong> hat als Arbeitsminister der Gro&szlig;en Koalition mit Blick auf die Bundestagswahlen 2009 die sog. Rentengarantie durchgesetzt. Er hoffte damit, weiteren Schaden von der SPD abzuwenden, da infolge der erheblichen Kurzarbeit zur Bew&auml;ltigung der Wirtschaftskrise eine Absenkung der Renten drohte. <em>Die sich von den sozialdemokratischen Funktion&auml;ren verraten f&uuml;hlenden traditionellen W&auml;hler der SPD hat dieses &bdquo;Garantieman&ouml;ver&ldquo; jedoch nicht vers&ouml;hnt.<\/em> Wie die f&uuml;r die SPD verheerenden Ergebnisse der Bundestagswahlen gezeigt haben, konnte die Glaubw&uuml;rdigkeitsl&uuml;cke in der Rentenpolitik dadurch nicht geschlossen werden. Jetzt beteiligt sich Olaf Scholz an dem Ringen um eine L&ouml;sung: Sein Vorschlag ist die Festlegung von&nbsp; Erwerbst&auml;tigenquoten f&uuml;r &auml;ltere Arbeitnehmer, die erreicht sein m&uuml;ssen, bevor die Rente mit 67 beginnen kann.<br>\n&nbsp;<br>\nKurt <strong>Beck<\/strong>, der als Parteivorsitzender der SPD unr&uuml;hmlich vom Hof gejagt wurde und als Ministerpr&auml;sident von Rheinland-Pfalz wieder politischen Tritt gefasst hat, pr&auml;sentierte sich als Mittler zwischen den Fronten an der SPD-Spitze.&nbsp;Er schl&auml;gt eine gr&ouml;&szlig;ere Flexibilit&auml;t beim &Uuml;bergang vom Erwerbsleben in die Rente und die tarifliche sowie betriebliche Einrichtung von Lebensarbeitszeitkonten vor, die von den Besch&auml;ftigten f&uuml;r einen vorzeitigen Eintritt in die Altersrente genutzt werden k&ouml;nnen. Doch was n&uuml;tzen solche Konten denjenigen, die psychisch und physisch ihrem Beruf nicht mehr nachgehen k&ouml;nnen oder schlicht entlassen werden?<br>\n&nbsp;<br>\nWolfgang <strong>Clement<\/strong>, der Vollstrecker der mit den Hartz-Gesetzen verbundenen desastr&ouml;sen Niedriglohn-Strategie am Arbeitsmarkt, gie&szlig;t wie immer &Ouml;l ins Feuer und bezeichnet die SPD als nicht regierungsf&auml;hig, weil&nbsp;viele in der SPD&nbsp;die bisherigen Entscheidungen zur Rente mit 67 revidieren wollen. <\/p><p>Bezeichnend sind auch die Rentenbekenntnisse von Peer <strong>Steinbr&uuml;ck<\/strong> &ndash; ehemaliger Ministerpr&auml;sident von Nordrhein-Westfalen ohne Fortune und danach Bundesfinanzminister in der Gro&szlig;en Koalition w&auml;hrend der Zeiten der Finanzkrise sowie Stellvertretender Parteivorsitzender der SPD mit &bdquo;Ecken und Kanten&ldquo; -, der h&auml;ufig durch provozierende &Auml;u&szlig;erungen auffiel: er h&auml;tte in der Gro&szlig;en Koalition der Rentengarantie von Olaf Scholz  nicht zustimmen d&uuml;rfen.<br>\n&nbsp;<br>\nSelbst Altkanzler Gerhard <strong>Schr&ouml;der<\/strong> meldet sich wieder einmal zu Wort: Dieser wichtige Reformschritt &ndash; Rente mit 67 &ndash; k&ouml;nne doch nicht zur&uuml;ckgenommen werden, nachdem die Wirtschaft dank seiner Reformen bei der Rente und am Arbeitsmarkt &ndash; so gut laufe. Aber er gestehe zu, pers&ouml;nlich nicht sonderlich zur Bewertung&nbsp;der Rentenpolitik seiner Partei geeignet zu sein, da er sich in einer privilegierten Lage befinde. <em>(Da hat er Recht.)<\/em><br>\n&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Generationenkonflikt wird vorgeschoben<\/strong><br>\nBezeichnenderweise erfolgt die Propaganda<strong> f&uuml;r<\/strong> die Rente mit 67 und <strong>gegen<\/strong> die Rentengarantie vor allem von hochverdienenden Wirtschaftsf&uuml;hrern, Beamten, Politikern, Professoren und f&uuml;hrenden Vertreter der Medien, die z.T. Versorgungsanspr&uuml;che von oft bis zu einem zehnfachen der gesetzlichen Altersrenten erhalten oder erwarten k&ouml;nnen. Behauptet wird: An der Rente mit 67 f&uuml;hre kein Weg vorbei. Sonst sei die gesetzliche Alterssicherung nicht mehr zu finanzieren und dies k&ouml;nne gegen&uuml;ber den j&uuml;ngeren Generationen nicht verantwortet werden. <\/p><p>Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Begr&uuml;ndung als Scheinargumentation: Bei einer Entlastung der Beitr&auml;ge von 0,5 Prozent oder 4 Mrd. Euro im Jahr durch die Rente mit 67 steht die Belastung und Verunsicherung der Menschen in keinem verantwortbaren Verh&auml;ltnis zu den Kosten. Dar&uuml;ber hinaus werden gerade die j&uuml;ngeren Generationen von der Verschlechterung der Rentenleistungen einschlie&szlig;lich der Erh&ouml;hung der Abschl&auml;ge durch die Heraufsetzung des Rentenalters voll getroffen. <\/p><p>Wenn tats&auml;chlich mehr Menschen l&auml;nger als 55 und vor allem 60 Jahre in anst&auml;ndig entlohnten und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnissen besch&auml;ftigt w&auml;ren und die Schleusen f&uuml;r die explodierenden 400- und 1-Euro Jobs und das damit verbundene Ausweichen vor der Sozialversicherungspflicht endlich wieder geschlossen w&uuml;rden, k&ouml;nnte das gesetzliche Rentenalter bei 65 Jahren bleiben, sogar ohne die Beitr&auml;ge zu erh&ouml;hen. Gerade f&uuml;r die j&uuml;ngere Generation ist es wichtig, die gesetzliche Rente durch klare Entscheidungen f&uuml;r die Rente mit 65 und R&uuml;cknahme der Rentenk&uuml;rzungen zukunftsf&auml;hig zu machen.<\/p><p>Der Generationenkonflikt wird vorgeschoben: Kaschiert werden soll der Verteilungskampf&nbsp; zwischen Arbeitnehmern mit ihren gesetzlichen Altersrenten, die sie selbst&nbsp;durch ihre Beitr&auml;ge erworben haben und die st&auml;ndig von Politik und Gesetzgebung verringert werden einerseits und&nbsp;den Privilegierten in den oberen Einkommenskategorien&nbsp;in Wirtschaft, &ouml;ffentlichem Dienst sowie&nbsp;der Politik mit ihren Pensionsanspr&uuml;chen, wobei Letztere auch noch vom Steuerzahler finanziert werden andererseits. Und es geht vor allem auch um handfeste Interessen der Finanzbranche, die seit Jahren darauf &bdquo;gieren&ldquo;, ein gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck vom Kuchen der umlagefinanzierten gesetzlichen Alterssicherung f&uuml;r ihre Anlage- und Gewinninteressen zu ergattern. Bereits heute verzichtet der Staat pro Jahr auf 12,5 Mrd. Euro an Steuern f&uuml;r die Subventionierung der kapitalgedeckten Riester- und R&uuml;rup- Renten zumeist f&uuml;r die besser Verdienenden. Es g&auml;be somit gen&uuml;gend finanzielle Spielr&auml;ume zur Verbesserung der gesetzlichen Altersrenten ohne zus&auml;tzliche Belastungen der j&uuml;ngeren Generation.<br>\n&nbsp;<br>\nDie Dramatik der Rente mit 67 in Verbindung mit der drohenden millionenfachen Altersarmut bis in die sogenannten Mittelschichten hinein wird noch dadurch erh&ouml;ht, <em>dass viele der &uuml;ber 50 j&auml;hrigen Arbeitnehmer bei realistischer Einsch&auml;tzung ihrer Chancen auf &nbsp;eine menschenw&uuml;rdige Besch&auml;ftigung &uuml;ber das 60ste Lebensjahr hinaus erkennen, dass sie von der Politik hinters Licht gef&uuml;hrt werden. <\/em><\/p><p>Die &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber Zuwanderung zeigt doch gerade, wohin der Hase nach Ansicht vieler in der Wirtschaft und Politik laufen soll: Hereinholen arbeitshungriger junger Menschen aus weniger entwickelten L&auml;ndern an Stelle ernsthafter Bem&uuml;hungen,&nbsp;die &auml;lter werdenden Arbeitnehmer im eigenen Land durch bessere Arbeitsbedingungen l&auml;nger am Erwerbsleben teilhaben zu lassen. Was sollen angesichts solcher Anwerbungsbem&uuml;hungen gegen&uuml;ber j&uuml;ngeren Zuwanderern die hier ans&auml;ssigen &uuml;ber 55- oder 60-j&auml;hrige Arbeitnehmer da noch f&uuml;r Zukunftschancen in der Besch&auml;ftigung erwarten. Im Regelfall haben sie nicht die erforderlichen Qualifikationen, nie das Lernen und die Weiterbilden gelernt und werden dazu auch kaum jemals eine Chance erhalten. Die Realit&auml;t ist doch: Soweit sie sich noch&nbsp;in besser bezahlten und einflussreichen Positionen befinden&nbsp;werden sie durch &ldquo;Mobbing&rdquo; so lange bearbeitet, bis sie gegen&uuml;ber den j&uuml;ngeren und billigeren Arbeitskr&auml;ften das Feld r&auml;umen.<\/p><p><strong>Was getan werden muss<\/strong><\/p><p><strong>Rente- Absicherung einer menschenw&uuml;rdigen Lebensexistenz<\/strong><br>\nGlaubw&uuml;rdigkeit kann die SPD nur dann zur&uuml;ckgewinnen, wenn sie die Problematik der Rentenzugangsalters unter Ber&uuml;cksichtigen der Realit&auml;ten f&uuml;r die rentennahen Jahrg&auml;nge am Arbeitsmarkt&nbsp; in ein&nbsp;Gesamtkonzept einer Rentenpolitik einbettet. Eine so korrigierte Rentenpolitik muss&nbsp;wieder zu einer gesetzlichen Altersrente zur&uuml;ckkehren, die f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrzahl der Arbeitnehmer eine menschenw&uuml;rdige Altersexistenz absichert.<br>\n&nbsp;<br>\nDies w&uuml;rde weitgehende Korrekturen fr&uuml;herer Beschl&uuml;sse erfordern. Vor allem m&uuml;sste der Riesterfaktor zur&uuml;ckgenommen werden, der den gr&ouml;&szlig;ten Risikofaktor f&uuml;r die zuk&uuml;nftigen Rentner bedeutet.&nbsp; Damit wurde unter Kanzler Schr&ouml;der der entscheidende Paradigmenwechsel in der Renten- und damit auch Sozialpolitik eingeleitet:<\/p><ul>\n<li>Entlastung der Wirtschaft von den Beitr&auml;gen zur gesetzlichen Alterssicherung,  <\/li>\n<li>Belastung der Arbeitnehmer mit dem Aufbau einer zus&auml;tzlichen kapitalgedeckten Altersversorgung,<\/li>\n<li>Bestrafung der derzeitigen und zuk&uuml;nftigen Rentner mit drastischen Abstrichen an den Rentenleistungen und massenhaft drohende Altersarmut<\/li>\n<li>Er&ouml;ffnung neuer Gesch&auml;fts- und Ertragsfelder f&uuml;r die private Finanzbranche auf Kosten der Steuerzahler und zu Lasten der gesetzlichen Altersrenten.<\/li>\n<\/ul><p>&nbsp;<br>\nW&uuml;rden&nbsp; durch Abschaffung des Riester-K&uuml;rzungsfaktors die Renten wieder an die Lohnentwicklung gebunden (Grundprinzip der dynamischen Altersrente) und w&uuml;rden sich die L&ouml;hne endlich wieder nach Inflation und steigender Produktivit&auml;t richten, w&auml;re dies die beste und vor allem auch nachhaltige Rentengarantie. So wie die derzeitige Lage ist, bleibt zu bef&uuml;rchten, dass die Angriffe auf die Rentengarantie so lange weiter gehen werden, bis sie wieder zur&uuml;ckgenommen wird. Die Leidtragenden sind dann einmal mehr die Rentner.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Rente mit 65<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Erforderlich ist die R&uuml;ckkehr zur Rente mit 65. Zur Stabilisierung der Rentenfinanzen und der Rentenleistungen w&auml;re schon viel gewonnen, wenn mehr Menschen auch tats&auml;chlich so lange unter humanen Bedingungen im Erwerbsleben verbleiben k&ouml;nnen.<\/strong><\/p><p>Wenn immer wieder mehr Flexibilit&auml;t beim &Uuml;bergang aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand gefordert wird, mag dies richtig sein. Dies k&ouml;nnte den  h&ouml;chst unterschiedlichen Bedingungen und Bed&uuml;rfnissen sowie Ver&auml;nderungen der Strukturen in Wirtschaft,  Besch&auml;ftigung und bei den Arbeitsbedingungen ebenso Rechnung tragen wie den ver&auml;nderten Lebens- und Arbeitseinstellungen in unserer Gesellschaft. Die Vorstellungen aus Teilen der SPD zu einer gr&ouml;&szlig;eren Flexibilit&auml;t bei den Altersteilzeit und Teilrenten-Regelungen w&auml;ren ernsthaft zu pr&uuml;fen.<br>\nAber mit solchen Diskussionsanst&ouml;&szlig;en kann man sich nicht aus der Verantwortung stehlen, eine klare Entscheidung f&uuml;r das gesetzliche Rentenalter zu treffen. Es ist die Frage zu beantworten: Auf welche Altersgrenze sind die verschiedenen Flexibilit&auml;tsmerkmale und vor allem die Rentenleistungen zu bemessen. Dabei muss es als Ma&szlig;gr&ouml;&szlig;e bei 65 Jahren bleiben.  Bereits heute m&uuml;ssen die meisten Rentner erhebliche Rentenabschl&auml;ge durch den vorzeitigen &Uuml;bergang in die Rente hinnehmen. Diese w&uuml;rden sich bei der Rente mit 67 um bis zu weitere 7,2 Prozent erh&ouml;hen. Dies gilt logischerweise auch dann, wenn die &Uuml;berg&auml;nge aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand erheblich flexibler gestaltet w&uuml;rden. Wer vor dem amtlichen Rentenalter in Rente gehen will oder muss, hat Rentenabschl&auml;ge von 3,6 Prozent im Jahr bis zum Ende seines Lebens hinzunehmen- und dies bei einer Durchschnittsrente f&uuml;r einen Durchschnittsverdiener mit 45 vollen Beitragsjahren von rund 1000 Euro im Monat (die viele &uuml;berhaupt nicht erreichen- bei Frauen sind es nicht einmal die H&auml;lfte). Wenn dies z.B. durch vorgearbeitete Lebensarbeitszeit aus Langzeitarbeitskonten ausgeglichen werden k&ouml;nnte, ist dies trotzdem eine zus&auml;tzliche Belastung f&uuml;r die betroffenen Arbeitnehmer. Derartige Lebensarbeitszeitkonten und dar&uuml;ber hinaus noch eine finanzielle Beteiligung der Arbeitgeber als Ausgleich f&uuml;r die Rentenabschl&auml;ge &uuml;ber Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung wird es immer nur f&uuml;r wenige besonders privilegierte Arbeitnehmer geben k&ouml;nnen. Und letztlich tr&auml;gt das Risiko &uuml;berhaupt besch&auml;ftigt zu sein immer der einzelne Arbeitnehmer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rentenpolitik bleibt f&uuml;r die SPD eine existentielle Bedrohung. Die&nbsp;Rente mit 67 ist einer der Kristallisationspunkte, an dem sich entscheidet, ob die SPD bei ihren traditionellen W&auml;hlerschichten&nbsp;verloren gegangene&nbsp;Glaubw&uuml;rdigkeit als K&auml;mpferin f&uuml;r die&nbsp; Sicherung des Sozialstaates, eines Grundpfeilers unserer Demokratie, zur&uuml;ckgewinnen kann. 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