{"id":65239,"date":"2020-09-28T09:00:34","date_gmt":"2020-09-28T07:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65239"},"modified":"2020-09-28T10:23:53","modified_gmt":"2020-09-28T08:23:53","slug":"zwei-sequenzen-reichen-um-unser-nachbarland-madig-zu-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65239","title":{"rendered":"Zwei Sequenzen reichen, um unser Nachbarland madig zu machen"},"content":{"rendered":"<p>Hier ist ein Bericht von <strong>Frank Blenz<\/strong> zu einem St&uuml;ck der ARD-Tagesthemen &uuml;ber Tschechien im Vergleich zum konkreten Erleben des Autors zu Gast beim Nachbarn Tschechien. Ich erg&auml;nze seine Beobachtung mit dem Hinweis auf die samst&auml;gliche Schlagzeile meiner Tageszeitung: &bdquo;Spahn r&auml;t von Urlaub im Ausland ab&ldquo;. Das sind nur zwei von vielen anderen Belegen f&uuml;r das widerliche Deutschland, das heute die Schlagzeilen und zumindest die Stammtische der Hauptstadt-Politiker und -Medien beherrscht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3723\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-65239-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=65239-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"200927-Spahn-raet-von-Urlaub-im-Ausland-ab-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zwei Sequenzen reichen, um unser Nachbarland madig zu machen. Von Frank Blenz.<\/strong><\/p><p>Die Redaktion der &ouml;ffentlich-rechtlichen ARD-Tagesthemen leistet es sich, mit hinterlistig kommentierten Bildern den gegenw&auml;rtigen Angstmacherkurs in Sachen Corona durchzuziehen, so zu erleben am vergangenen Freitagabend mit <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-762001.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">einem Beitrag<\/a> &uuml;ber Tschechien. Als Zuschauer dieser Sendung und Freund unseres Nachbarlandes blieb mir die Spucke angesichts der Plattheit und Boshaftigkeit gegen Tschechien weg. Es ist geboten, eigene Beobachtungen vor Ort als eine Art Gegendarstellung dieser journalistischen Missetat zur Diskussion zu stellen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Die eine Seite.<\/strong> Die erste Szene der &bdquo;Schalte nach Tschechien&ldquo; in den ARD- Tagesthemen tr&auml;gt enormen Symbolcharakter und wird auch so verkauft: Menschen sitzen an einer langen Tafel auf der ber&uuml;hmten Karlsbr&uuml;cke in Prag. ARD-Kommentator Danko Handrick dreht w&auml;hrend der ersten Bilder aus Prag seine Fahrt ordentlich auf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip;Eine Stadt ist im Sommer in Partylaune. Doch das geht nicht lange gut.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Tagesthemen-Autor macht einen Schwenk in diese Tage und z&auml;hlt auf, dass die Maske wieder &uuml;berall getragen werden m&uuml;sse, dass Restaurants in Prag 22 Uhr schlie&szlig;en m&uuml;ssten, dass in Prag f&uuml;r Corona-Patienten freigehaltene Betten fast komplett belegt und Kapazit&auml;ten erweitert werden m&uuml;ssten. Und Danko Handrick erg&auml;nzt in geradezu s&uuml;ffisantem Ton: &bdquo;Am Abend stuft Deutschland g a n z Tschechien als Risikogebiet ein.&ldquo; Ohne die Grenze zu schlie&szlig;en, verbaut so die Bundesrepublik die Einreise nach Tschechien, wer es dennoch tut (au&szlig;er Pendlern), bei dem sind Quarant&auml;ne, Test und bei Nichtbeachten finanzielle Strafe und gesellschaftliche &Auml;chtung sicher, formuliert sich mir der Gedankengang darauf. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Die andere Seite.<\/strong> Ich war im Sommer auch in Tschechien. Nach der &bdquo;Wieder-&Ouml;ffnung&ldquo;, nach dem Lock-Down. Mit dem Rad. An der Eger und schlie&szlig;lich in Prag. Ich sah und erlebte anderes, als Handrick behauptet. Vorsicht, R&uuml;cksicht, eine souver&auml;ne, ja stolze Art, mit dem Leben behutsam umzugehen, sp&uuml;rte ich die Tage beim Beobachten des Lebens der Tschechen. Hinweise zu Verhaltensweisen zu Corona sah ich an allen Orten, die auch in Deutschland gegenw&auml;rtig sind: Abstandsschilder, Gebotsschilder, Stationen mit Desinfektionsmitteln, die gab es &uuml;berall an den Eing&auml;ngen. In den Hotels herrschten dezente, aber bestimmte Anweisungen in der gegenw&auml;rtigen Pandemie-Situation. In den L&auml;den, im &ouml;ffentlichen Raum &ndash; wurde, ja, die Maske weniger getragen. Sie wurde aber getragen: alte Menschen, Touristen. In der Metro, in der Stra&szlig;enbahn. Im TV gab es jeden Tag Nachrichtensendungen, bei denen hochrangige Pers&ouml;nlichkeiten selbst im Interview Maske trugen. Und nein, es wurde nicht mit Zahlen jongliert, um Angst zu sch&uuml;ren. An den tschechischen Orten touristischer Begehrlichkeiten, zumindest die, die ich besuchte, war kein gro&szlig;er Menschenauflauf zu beobachten. Die Gruppengr&ouml;&szlig;en wurden limitiert (bei Museumsrundg&auml;ngen). In Prag war ein Fahrzeug selten zu sehen: der Reisebus. Die Stra&szlig;en, die Fu&szlig;wege, die Parks geh&ouml;rten den Tschechen. Keine Amerikaner, keine Chinesen, Japaner, keine Westeurop&auml;er. Prag feierte keine Party, die Prager und ihre paar G&auml;ste genossen eine Atempause von all der Hysterie und Angst. Und ihnen war anzusehen, wie sehr sie die G&auml;ste vermissen. In Kneipen, in Museen, in den L&auml;den. Ja, es gab auch Feste. In der freien Luft wie im wundersch&ouml;nen Letna-Park, bei dem Akrobaten und Musiker aus der ganzen Welt mit den Zuschauern vorsichtig und liebevoll das Leben feierten. Es gab Vorschriften, es gab Maskenpflicht in den Zelten. In Prags Schwarzlichttheatern gab es kaum Vorstellungen. Wenn doch, dann mit Beschr&auml;nkungen der Besucherzahlen. In der ber&uuml;hmten Schwarzbierkneipe U Fleku standen sich die Kellner die Beine in den Bauch vom Warten auf das nicht erscheinende internationale Publikum.<\/p><p>Der Sommer in Prag war wunderbar. Trotz alledem. Die Fahrt nach Hause mit dem Zug ebenso. Und das Gespr&auml;ch mit einem Tschechen aus Prag, der in Deutschland als Gastarbeiter f&uuml;r die Zulieferindustrie f&uuml;r VW, Mercedes, Porsche und Co schaffen geht, beeindruckte mich. Pavel, so hei&szlig;t er, wirkte stolz, als er aufz&auml;hlte, dass in seinem Land rund 11 Millionen Menschen leben und bis dato Ende des Sommers um die 450 Menschen im Zusammenhang mit Corona verstarben. &bdquo;Genaues wei&szlig; man ja nicht. Wei&szlig;t Du&ldquo;, kommentierte er die Zahl 450, weil er mutma&szlig;te, dass der Beweis schuldig bleibt. Mit mulmigem Gef&uuml;hl fuhr Pavel vom Sommerurlaub, vom Kanu fahren auf der Moldau, aus seinem Heimatland wieder nach Deutschland. &bdquo;Die fahren wieder alles runter&ldquo;, sagte er in gutem b&ouml;hmisch klingenden Deutsch. Und er meinte das im August, was gerade nun tats&auml;chlich passiert. Pavel schrieb mir gerade: dass er arbeiten darf, aber nicht nach Hause nach Prag. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Erg&auml;nzende Anmerkung von Albrecht M&uuml;ller zur Aussage unseres Gesundheitsministers Spahn:<\/strong><\/p><p>In meiner Tageszeitung lese ich am 26. September: &bdquo;Spahn r&auml;t vom Urlaub im Ausland ab&ldquo;. Darunter hei&szlig;t es: &bdquo;Der Bundesgesundheitsminister f&uuml;rchtet, dass die Corona-Infektionszahlen durch Reiser&uuml;ckkehrer in die H&ouml;he schnellen&ldquo;. Im 1. Absatz hei&szlig;t es: &bdquo;Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die B&uuml;rger angesichts der europaweit zunehmenden Corona-Infektionszahlen aufgerufen, den Herbsturlaub nicht im Ausland zu verbringen.  &bdquo;Man kann ja auch Urlaub im Inland machen&ldquo;, sagte Spahn am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. <\/p><p>Wieso f&uuml;rchtet der Bundesgesundheitsminister, dass die Infektionszahlen nur durch Reiser&uuml;ckkehrer aus dem Ausland steigen w&uuml;rden? Wieso nicht auch durch Menschen, die in den Hotspots des Bundeslandes von Spahn, n&auml;mlich in Nordrhein-Westfalen, oder im Corona-Schwerpunktgebiet Bayern unterwegs waren und\/oder dort Urlaub machten?<\/p><p>In der Aussage des Gesundheitsministers kommt ein d&uuml;mmlicher Nationalismus zum Ausdruck. Das ist das unangenehme Deutschland. Da wird die Corona-Pandemie benutzt, um den binnenl&auml;ndischen Tourismus anzukurbeln. In vielen Teilen unseres Landes ist es aber so, wie Frank Blenz es beschrieben hat: Wer in K&ouml;ln lebt oder in D&uuml;sseldorf oder am Niederrhein, ist ganz schnell in Holland, in Belgien oder in Frankreich. Und wer in Schleswig-Holstein lebt, ist schnell in D&auml;nemark. Und wer in Baden-W&uuml;rttemberg oder Bayern lebt, ist schnell in &Ouml;sterreich, in Frankreich oder in der Schweiz. Dort ist die Ansteckungsgefahr nicht gr&ouml;&szlig;er als im nordrhein-westf&auml;lischen Hamm oder im bayerischen M&uuml;nchen.<\/p><p>Mein Wohnort Pleisweiler ist genau 13,3 km von der n&auml;chsten franz&ouml;sischen Stadt Wissembourg entfernt und genauso weit weg von den Nordvogesen. Dort ist die Infektionsgefahr nicht gr&ouml;&szlig;er als in M&uuml;nchen. Und es ist n&auml;her. Aber wenn wir statt in Bayern oder im Schwarzwald in den Vogesen wandern gehen, dann vergehen wir uns gegen die Richtlinie des Gesundheitsministers. Und er will uns bestrafen. So ein Unsinn! So ein biederer deutschnationalistischer Schwachsinn. Aus des zust&auml;ndigen Ministers Mund.<\/p><p>Und die Medien? Die Tagesthemen (siehe oben) verst&auml;rken die Tendenz. Wie auch bei anderen Themen, zum Beispiel beim Umgang mit L&auml;ndern, deren Leistungsbilanz nicht durch &Uuml;bersch&uuml;sse gekennzeichnet ist, sind sie voller deutschnationaler Arroganz. In meiner Tageszeitung suche ich vergebens nach einem zurechtr&uuml;ckenden Kommentar der Aussage des Bundesgesundheitsministers.<\/p><p>Unsere Freunde im benachbarten Elsass werden die Schlagzeile meiner Tageszeitung, die gelegentlich auch dort gelesen wird, mit Kopfsch&uuml;tteln quittieren. So haben sie sich und so haben wir uns Europa nicht gedacht. Mit Warnungen vor Besuchen des Nachbarn, in diesem Geist wird Europa nicht weiter gedeihen. An den Berliner Stammtischen der Politik und der Medien sitzen die Feinde unserer Nachbarn und damit die Feinde einer gedeihlichen Entwicklung Europas. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist ein Bericht von <strong>Frank Blenz<\/strong> zu einem St&uuml;ck der ARD-Tagesthemen &uuml;ber Tschechien im Vergleich zum konkreten Erleben des Autors zu Gast beim Nachbarn Tschechien. Ich erg&auml;nze seine Beobachtung mit dem Hinweis auf die samst&auml;gliche Schlagzeile meiner Tageszeitung: &bdquo;Spahn r&auml;t von Urlaub im Ausland ab&ldquo;. 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