{"id":65383,"date":"2020-10-02T08:53:46","date_gmt":"2020-10-02T06:53:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65383"},"modified":"2026-01-27T12:03:17","modified_gmt":"2026-01-27T11:03:17","slug":"dies-entspricht-etwa-5-euro-fuer-alle-mahlzeiten-am-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65383","title":{"rendered":"\u201eDies entspricht etwa 5 Euro f\u00fcr alle Mahlzeiten am Tag\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Es gibt immer noch Menschen, die keinerlei Vorstellung davon haben, was es bedeutet, mit Hartz-IV-Leistungen auskommen zu m&uuml;ssen&ldquo;, sagt <strong>Andreas Aust<\/strong> vom Parit&auml;tischen Gesamtverband in Berlin. Im NachDenkSeiten-Interview geht der Referent f&uuml;r Sozialpolitik auf die aktuelle Situation der Hartz-IV-Bezieher ein und verdeutlicht: Die von der Bundesregierung angedachte Erh&ouml;hung der Hartz-IV-S&auml;tze um 14 Euro reicht nicht aus, um die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62174\">Armutssituation<\/a> der Leistungsbezieher zu &uuml;berwinden. Anlass f&uuml;r das Interview ist eine neue <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/publikationen\/expertise-arm-abgehaengt-ausgegrenzt-eine-untersuchung-zu-mangellagen-eines-lebens-mit-hartz-iv\/\">Untersuchung<\/a> des Parit&auml;tischen, die einmal mehr aufzeigt, dass Mangelerfahrungen in den Hartz-S&auml;tzen fest verankert sind. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2292\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-65383-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=65383-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201002_Dies_entspricht_etwa_5_Euro_fuer_alle_Mahlzeiten_am_Tag_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Aust, vermutlich wird es eine Erh&ouml;hung der Hartz-IV-Regels&auml;tze um 14 Euro geben. Ist damit die Armut in Deutschland abgeschafft? <\/strong><\/p><p>Ob es zu dieser Erh&ouml;hung kommt, steht noch nicht fest.  Das Kabinett hat sich zwar  auf eine Erh&ouml;hung der Regelbedarfe um 14 Euro f&uuml;r einen Erwachsenen verst&auml;ndigt. Das parlamentarische Verfahren steht allerdings noch aus. Damit werden die Leistungen f&uuml;r Erwachsene geringf&uuml;gig h&ouml;her ausfallen, als durch die Anpassung an die j&auml;hrliche Lohn- und Preisentwicklung sowieso notwendig gewesen w&auml;re.  <\/p><p><strong>Diese Erh&ouml;hung w&uuml;rde also nicht ausreichen.<\/strong><\/p><p>Nein, f&uuml;r eine effektive Armutsbek&auml;mpfung ist das zu wenig. Hartz IV und Armut wird ja auch umgangssprachlich geradezu synonym verwendet. Wir haben uns aber in unserer Expertise &bdquo;Arm, abgeh&auml;ngt, ausgegrenzt. Eine Untersuchung zu Mangellagen eines Lebens mit Hartz IV&ldquo; den Sachverhalt einmal genauer angeschaut. Die durchschnittlichen Hartz-IV-Leistungen, die ein Single-Erwachsener bekommt &ndash; also Regelbedarfe sowie Wohn- und Heizkosten &ndash; lagen 2018 bei etwa 770 Euro. Die Armutsschwelle nach dem Mikrozensus lag dagegen bei 1.035 Euro. Damit gibt es eine gewaltige Diskrepanz zwischen durchschnittlichen Leistungen und Armutsschwelle, in der Armutsforschung spricht man diesbez&uuml;glich von einer Armutsl&uuml;cke. Diese Armutsl&uuml;cke betrug 2018 265 Euro. Durch die Neuermittlung der Regelbedarfe zum 1.1.2021 wird sich diese gewaltige L&uuml;cke nicht schlie&szlig;en. Und wir haben auch herausgearbeitet:  Die Kluft wird im Laufe der Zeit auch noch gr&ouml;&szlig;er. Dies haben wir durch einen Vergleich der beiden Zeitpunkte 2010 und 2018 zeigen k&ouml;nnen. Die Armutsl&uuml;cke betrug 2010 noch 192 Euro. Zugespitzt: Die Leistungsberechtigten werden weiter abgeh&auml;ngt.<\/p><p><strong>In einer aktuellen Studie kommt der Parit&auml;tische zu dem Ergebnis, dass insbesondere alleinstehende Erwachsene mit Hartz IV in einer akuten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60621\">Mangellage<\/a> leben. Wie kommt das? Was haben sie konkret untersucht? Woran fehlt es? <\/strong><\/p><p>In unserer Expertise war das zentrale Anliegen, die miserablen Lebensbedingungen unter Hartz IV deutlich zu machen. Daf&uuml;r haben wir drei zentrale Fragen untersucht: Sch&uuml;tzt Hartz IV gegen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=armut\">Armut<\/a>? Kann man sich von Hartz IV angemessen ern&auml;hren? Und in welchen Aspekten leiden die Betroffenen unter materiellen Entbehrungen? Auf die enorme Armutsl&uuml;cke habe ich bereits hingewiesen. Unsere Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Leistungen nicht f&uuml;r eine ausk&ouml;mmliche Ern&auml;hrung reichen. Ein Warenkorb, der f&uuml;r eine Ern&auml;hrung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Ern&auml;hrung notwendig w&auml;re, ist mit Hartz IV nicht zu finanzieren. Dies hat eine Studie f&uuml;r Deutschland, auf die wir uns hier beziehen, deutlich gemacht. Zu demselben Ergebnis kommt j&uuml;ngst auch das Gutachten &bdquo;F&uuml;r eine nachhaltigere Ern&auml;hrung&ldquo; des Wissenschaftlichen Beirats bei dem Bundesministerium f&uuml;r Ern&auml;hrung und Landwirtschaft. Schlie&szlig;lich haben wir Daten aus dem Sozio&ouml;konomischen Panel des DIW ausgewertet, um zu analysieren, an welchen elementaren G&uuml;tern und Diensten es Hartz-IV-beziehenden Haushalten fehlt. Ergebnis: Es fehlt &ndash; nicht unerwartet &ndash; elementar an Geld. Jede unerwartete Ausgabe w&auml;chst sich schnell zu einem Problem aus und f&uuml;hrt schnell in die Verschuldung. In der Folge wird insbesondere an der sozialen, kulturellen und politischen Teilhabe gespart. Freunde im &ouml;ffentlichen Raum zu treffen oder etwa zum Essen einzuladen, kostet regelm&auml;&szlig;ig Geld, das nicht vorhanden ist. Hartz IV bedeutet damit konkret <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22145\">Armut<\/a>, eine mangelhafte Ern&auml;hrung sowie Vereinsamung und soziale Isolation. <\/p><p><strong>Bek&auml;men alleinstehende Hartz-IV-Empf&auml;nger also 14 Euro mehr, w&auml;ren sie immer noch arm?<\/strong><\/p><p>Die Armut bleibt dann bestehen, sie wird ganz und gar nicht abgeschafft. Aber so war Hartz IV ja auch immer gedacht. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Es war eine politisch bewusste Entscheidung bei der Einf&uuml;hrung von Hartz IV, dass die Leistungen m&ouml;glichst niedrig gehalten werden. Ausdr&uuml;ckliches Ziel war die Bef&ouml;rderung von schlecht bezahlter Arbeit. Damit f&uuml;r die Leistungsberechtigten jede noch so schlecht bezahlte Arbeit attraktiv erscheint, wurde das Leben mit Hartz-IV-Leistungen m&ouml;glichst unangenehm ausgestaltet. Ausk&ouml;mmliche Sozialleistungen galten den damals wesentlichen politischen Akteuren als Fehlanreiz oder wie es hie&szlig;, als &bdquo;H&auml;ngematte&ldquo;, die die Betroffenen faul und tr&auml;ge mache. Das ist alles hinl&auml;nglich bekannt und diskutiert. Leider ist dieses Denken noch immer nicht wirklich &uuml;berwunden.<\/p><p><strong>Wie sind Sie bei Ihrer Studie weiter vorgegangen?<\/strong><\/p><p>Wir haben uns zun&auml;chst gefragt, welche Aspekte eines Lebens unter Hartz-IV-Bedingungen wollen wir untersuchen. Dann haben wir geschaut, welche Daten und Informationsquellen stehen uns zur Verf&uuml;gung. Wir haben schlie&szlig;lich &ouml;ffentliche Daten der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit und des Statistischen Bundesamtes ebenso herangezogen wie eigene Auswertungen des SOEP &ndash; einer gro&szlig;en repr&auml;sentativen Haushaltsbefragung des DIW. Schlie&szlig;lich haben wir andere einschl&auml;gige Studien aufgearbeitet und die Ergebnisse eingebaut in die Expertise.   <\/p><p><strong>Wie sehen denn die konkreten Zahlen aus? Was steht einem alleinstehenden Hartz-IV-Empf&auml;nger zur Verf&uuml;gung, um sich zu ern&auml;hren oder kulturell am Leben teilhaben zu k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Aktuell erh&auml;lt eine alleinstehende Erwachsene 432 Euro (2020). Dieses Budget muss f&uuml;r einen Monat f&uuml;r den kompletten Konsum reichen. Rechnerisch sind dabei  f&uuml;r die Ern&auml;hrung 150 Euro f&uuml;r Essen und Trinken vorgesehen. Dies entspricht etwa 5 Euro f&uuml;r alle Mahlzeiten am Tag. <\/p><p><strong>Wie kann man damit klarkommen?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r viele Menschen im Leistungsbezug ist dies nur m&ouml;glich, weil sie auch auf die erg&auml;nzenden Angebote der Tafeln zur&uuml;ckgreifen. Nach den Angaben der Tafeln  nutzen mittlerweile mehr als 1,5 Mio. Menschen diese Unterst&uuml;tzung. Ohne diese ehrenamtlich erbrachten Leistungen w&auml;re die Not noch deutlich gr&ouml;&szlig;er.  <\/p><p>Im Bereich der sozialen und kulturellen Teilhabe sieht es noch schlimmer aus. F&uuml;r Beherbergung und Gastst&auml;tten sind f&uuml;r einen Monat etwas mehr als 10 Euro vorgesehen; f&uuml;r Bildung ist es kaum mehr als ein Euro. Die Verweigerung von sozialer Teilhabe ist dabei teilweise offizielles Programm der Regierung. So hei&szlig;t es in Bezug auf au&szlig;erh&auml;usige Verpflegung &ndash; also etwa einen Kaffee, ein Eis f&uuml;r die Kinder im Sommer oder auch mal eine Pizza &ndash; w&ouml;rtlich in dem Gesetzentwurf, dass diese Ausgaben nicht zum &bdquo;physischen Existenzminimum&ldquo; geh&ouml;ren und daher f&uuml;r Hartz-IV-Leistungsberechtigte nicht relevant seien. Soziale Teilhabe, die sich hier beispielsweise darin &auml;u&szlig;ert, mit Freunden oder Familie einmal zusammen auszugehen, wird damit verweigert.  So geht die Bundesregierung mit einer Vielzahl von Ausgaben um. Sie deklariert diese schlicht als nicht regelbedarfsrelevant: keine Blumen, keine Reisen, keine Haustiere &ndash; um einige Beispiele zu nennen. Durch dieses Vorgehen k&uuml;rzt die Regierung den Regelsatz um etwa 160 Euro. <\/p><p>Nun, wir wollen aber nicht verschweigen, dass die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf endlich die Kosten f&uuml;r eine Handynutzung als gesellschaftlich normal anerkannt hat und erstmals diese Ausgaben als &bdquo;regelbedarfsrelevant&ldquo; anerkennt. Dieser kleine Fortschritt macht aber im Gesamtergebnis keinen gro&szlig;en Unterschied. <\/p><p><strong>Im Grunde genommen sind Ihre Ergebnisse aber nicht &uuml;berraschend.<\/strong><\/p><p>F&uuml;r diejenigen, die sich mit dem Thema besch&auml;ftigen, sind die Ergebnisse keine &Uuml;berraschung. Es ist auch nicht die erste Expertise zu dem Thema. F&uuml;r die betroffenen Menschen sind die Ergebnisse erst recht keine &Uuml;berraschung.  Es gibt aber immer auch noch Menschen, die keinerlei Vorstellung davon haben, was es bedeutet, mit Hartz-IV-Leistungen auskommen zu m&uuml;ssen. Auch bei den politischen Akteuren fehlt es an Einsicht. Es geht bei der Expertise im Kern darum zu zeigen, dass h&ouml;here Leistungen unabdingbar notwendig sind. Daf&uuml;r wollen wir werben und Handlungsdruck erzeugen.<\/p><p><strong>Wie hoch m&uuml;sste der Hartz-IV-Satz sein?<\/strong><\/p><p>Der DGB, die Wohlfahrts- und Sozialverb&auml;nde sind ebenso wie die Betroffenenorganisationen allesamt der &Uuml;berzeugung, dass die Regelbedarfe viel zu niedrig ausfallen. Wir haben bereits im Vorfeld der Ermittlung in einem gemeinsamen Schreiben an das zust&auml;ndige Ministerium  die unzureichenden Leistungen angeprangert und konkrete Vorschl&auml;ge unterbreitet. Leider war bereits darauf die Reaktion des Ministeriums ern&uuml;chternd abweisend.<\/p><p>Als Parit&auml;tischer Gesamtverband haben wir j&uuml;ngst nachgerechnet und sind auf eine Summe von 644 Euro f&uuml;r eine alleinlebende Erwachsene gekommen, die wir unter Ber&uuml;cksichtigung aller Kritikpunkte f&uuml;r sachgerecht halten. Dazu kommen die Ausgaben f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62621\">Strom<\/a> und teure Haushaltsger&auml;te, die wir zuk&uuml;nftig nicht weiter &uuml;ber den Regelbedarf finanzieren wollen. Strom muss in der H&ouml;he bezahlt werden, wie tats&auml;chlich Kosten entstehen &ndash; dann wird es in Zukunft auch keine existenziell bedrohlichen Stromsperren mehr geben. Die Anschaffung von sog. &bdquo;wei&szlig;er Ware&ldquo; muss &ndash; wie fr&uuml;her &ndash; als Zuschuss finanziert werden, wenn der Bedarf anf&auml;llt. <\/p><p>Mit einem Hartz-IV-Regelsatz in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung k&ouml;nnte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61840\">Armut<\/a> nachhaltig bek&auml;mpft werden. Die durchschnittlichen Leistungen w&uuml;rden in der Summe die Armutsschwelle erreichen. Das w&auml;re ein wichtiger Schritt hin zu einer gerechteren Gesellschaft.<\/p><p><strong>Gab es Reaktionen von politischer Seite auf die Forderung, Hartz IV auf 644 Euro zu erh&ouml;hen?<\/strong><\/p><p>Die konkrete Forderung ist ja noch ziemlich frisch. Aber die allgemeine politische Lage ist relativ klar und leider wenig ermutigend. Die Bundesregierung h&auml;lt die Regelbedarfe f&uuml;r ausreichend. Die Gelegenheit, nennenswerte Verbesserungen einzuleiten, hat sie verstreichen lassen. Auf der Seite der Opposition sehen wir B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen und Die Linke im Grundsatz an unserer Seite. Von diesen beiden Parteien gibt es vergleichbare Kritik an den unzureichenden Leistungen und die Forderung nach sp&uuml;rbaren Verbesserungen. <\/p><p><strong>Die Diskussion um eine Erh&ouml;hung der Hartz-IV-S&auml;tze auf eine Summe, die den Betroffenen wirklich hilft, gibt es schon lange.<\/strong><\/p><p>Die Diskussion gibt es schon lange. Sie begleitet uns seit der Einf&uuml;hrung von Hartz IV. Sie wird uns auch in Zukunft weiter begleiten. Solange die Verh&auml;ltnisse so sind, werden wir sie weiter kritisieren.<\/p><p><strong>Selbst jetzt in der Pandemie tut sich die Politik schwer damit, den Armen zu helfen, oder?<\/strong><\/p><p>In der Tat war diese Erfahrung ern&uuml;chternd. Die Pandemie hat ja auf der einen Seite daf&uuml;r gesorgt, dass alte Glaubenss&auml;tze neoliberaler Politik verworfen oder zumindest ausgesetzt wurden. Zur Bek&auml;mpfung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie und des Lockdowns wurde eine massive Staatsverschuldung in Kauf genommen. Es wurde ein beachtliches Konjunkturpaket aufgelegt. Diese Entscheidungen sind im Grundsatz zu begr&uuml;&szlig;en. Allerdings ist es doch auf der anderen Seite sehr ern&uuml;chternd zu erleben, dass bei diesen Ma&szlig;nahmen die Anliegen der &auml;rmsten Menschen in diesem Land wieder nicht oder nur minimal ber&uuml;cksichtigt wurden.  Der Parit&auml;tische hat sich mit zahlreichen anderen Akteuren daf&uuml;r eingesetzt, dass zur Kompensation der besonderen Krisenbelastungen auch die Regelbedarfe zumindest vor&uuml;bergehend um 100 Euro erh&ouml;ht werden sollten. Leider sind wir damit nicht auf offene Ohren gesto&szlig;en. <\/p><p><strong>Was w&uuml;rden Sie jenen Politikern sagen, die dagegen sind, Hartz IV so anzuheben, dass <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62096\">Armut<\/a> wirksam bek&auml;mpft ist?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde darauf hinweisen, dass es zu den dringendsten Aufgaben eines Sozialstaates geh&ouml;rt, soziale Ungleichheiten auszugleichen und Armut zu bek&auml;mpfen. Dies ist unabdingbar, wenn eine gerechte Gesellschaft etabliert werden soll. Die Anhebung der Regelbedarfe ist daf&uuml;r ein schnell wirksames und effizientes Instrument. Diese Ma&szlig;nahme sollte Teil eines umfassenden Programms gegen soziale Ungleichheit sein. <\/p><p>Ein zentrales Argument f&uuml;r eine gerechtere Gesellschaft findet sich in einem Buch von Wilkinson und Pickett: Eine gerechte Gesellschaft ist besser f&uuml;r alle. Und gerecht ist eine Gesellschaft nur, wenn die Einkommensunterschiede nicht zu gro&szlig; werden und niemand in Angst vor Armut oder sozialer Ausgrenzung leben muss.   <\/p><p>Titelbild: New Africa\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Es gibt immer noch Menschen, die keinerlei Vorstellung davon haben, was es bedeutet, mit Hartz-IV-Leistungen auskommen zu m&uuml;ssen&ldquo;, sagt <strong>Andreas Aust<\/strong> vom Parit&auml;tischen Gesamtverband in Berlin. 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