{"id":65386,"date":"2020-10-03T11:45:48","date_gmt":"2020-10-03T09:45:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65386"},"modified":"2020-10-09T09:29:58","modified_gmt":"2020-10-09T07:29:58","slug":"die-betruegerische-neue-stellungnahme-des-guardian-verraet-sowohl-julian-assange-als-auch-den-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65386","title":{"rendered":"Die betr\u00fcgerische neue Stellungnahme des Guardian verr\u00e4t sowohl Julian Assange als auch den Journalismus"},"content":{"rendered":"<p>Alleine die &auml;u&szlig;eren Umst&auml;nde dieses Jahrhundertprozesses gegen Julian Assange in London sind unfassbar, kabarettreif, wie die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-clip-12-146.html\">Anstalt<\/a> gezeigt hat. Der Angeklagte sitzt getrennt von seinen Anw&auml;lten in einem Glaskasten, er muss sich t&auml;glich nackt ausziehen, muss sich r&ouml;ntgen lassen, seine Anw&auml;lte durfte er monatelang nicht sehen, ebenso wenig wie seine Verlobte und kleinen Kinder, eine neue Anklage wurde erst kurz vor dem Prozess seinen Verteidigern &uuml;bergeben, zugelassen zum Prozess ist nur eine Handvoll Journalisten, NGOs wie Reporter ohne Grenzen und <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/documents\/eur45\/3076\/2020\/en\/\">Amnesty International<\/a> wurden ausgeschlossen, usw., usf. Die Anh&ouml;rungen selbst strotzen vor Ungeheuerlichkeiten, wie man u.a. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65298\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64616\">hier<\/a> und in den t&auml;glichen Berichten von <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/\">Craig Murray<\/a> nachlesen kann. Gro&szlig;e britische Medien wie die BBC oder auch der angeblich liberale Guardian gl&auml;nzen durch Abwesenheit. Letzterer spielt bei der ganzen Affaire eine besonders sch&auml;ndliche Rolle, wie <strong>Jonathan Cook<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.jonathan-cook.net\/blog\/2020-09-26\/guardian-assange-denial-deceptions\/\">in seinem Artikel<\/a> darlegt, den wir in gek&uuml;rzter Form ver&ouml;ffentlichen. &Uuml;bersetzung: <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n(&hellip;) Unter Druck ver&ouml;ffentlichte der Guardian am Freitag endlich einen kurzen, d&uuml;rftigen und grob vereinfachenden <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20200925212101\/https:\/amp.theguardian.com\/media\/2020\/sep\/24\/us-never-asked-wikileaks-rival-cryptome-remove-leaked-cables-court-told-assange\">Bericht<\/a> &uuml;ber die Anh&ouml;rungen der vergangenen Woche und nutzte diesen dazu, auf die wachsende Kritik an der Rolle der Zeitung bei der Ver&ouml;ffentlichung des Passworts im Buch von Leigh und Harding zu reagieren. Die Stellungnahme des Guardian ist nicht nur scheinheilig bis zum Gehtnichtmehr, sondern liefert Assange ans Messer, indem das Blatt die Verantwortung f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung des Passworts von sich schiebt. So tr&auml;gt es dazu bei, Assange der US-Kampagne, mit dem Ziel ihn einzubuchten, noch schutzloser auszuliefern. <\/p><p>Hier ist die Stellungnahme des Guardian:<\/p><p>&bdquo;Der Guardian hat deutlich gemacht, dass er gegen die Auslieferung von Julian Assange ist. Es ist jedoch vollkommen falsch zu behaupten, dass das 2011 herausgebrachte Guardian-Buch &uuml;ber WikiLeaks zur Ver&ouml;ffentlichung unredigierter Dateien der US-Regierung f&uuml;hrte.&ldquo;, sagte ein Sprecher.<\/p><p>&bdquo;Das Buch enthielt ein Passwort, von dem Julian Assange den Autoren gesagt hatte, dass es ein tempor&auml;res sei und in wenigen Stunden ablaufen und gel&ouml;scht werden w&uuml;rde. Das Buch enthielt auch keine Details dazu, wo sich die Dateien befinden. Als das Buch im Februar 2011 ver&ouml;ffentlicht wurde, haben weder Assange noch WikiLeaks sich dar&uuml;ber beunruhigt gezeigt, dass die Sicherheit gef&auml;hrdet sein k&ouml;nnte. WikiLeaks hat die unredigierten Dateien im September 2011 ver&ouml;ffentlicht.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/201003_The%20Guardian-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Beleuchten wir einmal die irref&uuml;hrenden Passagen:<\/p><ol>\n<li>Die Behauptung, das Passwort sei nur ein &bdquo;tempor&auml;res&rdquo; gewesen, ist eine blo&szlig;e Behauptung &ndash; eine Schutzbehauptung von David Leigh. Es gibt daf&uuml;r keinen Beweis, au&szlig;er Leighs Aussage, Assange habe dies gesagt. Und die Vorstellung, dass Assange so etwas gesagt haben k&ouml;nnte, spricht gegen jede Vernunft. Leigh selbst legt in dem Buch dar, dass er Assange n&ouml;tigen musste, ihm das Passwort zu geben, gerade weil Assange sich Sorgen machte, dass ein blutiger Anf&auml;nger in technischen Belangen wie Leigh etwas T&ouml;richtes oder Leichtsinniges damit anstellen k&ouml;nnte. Es erforderte viel &Uuml;berzeugungsarbeit, ehe Assange einwilligte. Die Vorstellung, er k&ouml;nnte sich wegen eines Passworts, dessen Lebensdauer k&uuml;rzer als die einer Eintagsfliege sein sollte, so gesorgt haben, ist schlicht nicht glaubhaft.<\/li>\n<li>Nicht nur war das Passwort nicht tempor&auml;r, sondern es beruhte ganz offensichtlich auf einer komplexen Formel, die Assange f&uuml;r alle Passw&ouml;rter von WikiLeaks benutzte, um sie f&uuml;r andere unknackbar, f&uuml;r sich selbst aber leichter merkbar zu machen. Indem er das Passwort ausplauderte, gab Leigh Assanges Formel preis und bot jedem Geheimdienst der Welt den Schl&uuml;ssel an, um weitere verschl&uuml;sselte Dateien zu &ouml;ffnen. Die Behauptung, dass Assange Leigh nahegelegt haben k&ouml;nnte, dass es nicht von &auml;u&szlig;erster Wichtigkeit sei, das Passwort geheimzuhalten, ist ebenfalls schlicht nicht glaubhaft. <\/li>\n<li>Doch ob Leigh das Passwort f&uuml;r tempor&auml;r hielt, ist unerheblich. Es lag in Leighs Verantwortung als erfahrener investigativer Journalist und als jemand, der wenig von der Welt der Technik verstand, mit Assange abzukl&auml;ren, ob es in Ordnung war, das Passwort zu ver&ouml;ffentlichen. Alles andere war mehr als unverantwortlich. Schlie&szlig;lich war das eine Welt, von der Leigh absolut nichts verstand.<br>\nDoch es gab einen Grund daf&uuml;r, dass Leigh sich nicht bei Assange r&uuml;ckversicherte: Er und Harding schrieben das Buch hinter dem R&uuml;cken von Assange. Leigh hatte Assange absichtlich vom Schreib- und Ver&ouml;ffentlichungsprozess ausgeschlossen, so dass er und der Guardian mit der Prominenz des Wikileaks-Gr&uuml;nders Kasse machen konnten. Nicht bei Assange nachzufragen, war der ganze Zweck der &Uuml;bung.<\/li>\n<li>Es ist jedoch falsch, Leigh alleine die Schuld zu geben. Es handelte sich um ein Projekt des Guardian. Ich habe jahrelang f&uuml;r die Zeitung gearbeitet. Ehe ein Artikel ver&ouml;ffentlicht wird, wird er von Redakteuren, Korrektoren, redaktionellen &Uuml;berarbeitern, Redaktionsleitern und, so n&ouml;tig, von Anw&auml;lten und einem der Chefredakteure genau unter die Lupe genommen. Ein Guardian-Buch &uuml;ber die umstrittenste, explosivste Ver&ouml;ffentlichung eines geheimen Caches an Dokumenten seit den Pentagon Papers sollte da mindestens genauso sorgf&auml;ltig &uuml;berpr&uuml;ft worden sein, wenn nicht sorgf&auml;ltiger.<br>\nWie kommt es also, dass niemand von dieser Kontroll-Kette innehielt und sich fragte, ob es sinnvoll sei, ein Passwort zu einer Wikileaks-Datei mit verschl&uuml;sselten Dokumenten zu ver&ouml;ffentlichen? Die Antwort ist, dass der Guardian in einem Wettstreit mit seinen Rivalen, darunter der New York Times und dem Spiegel, stand, seinen Bericht &uuml;ber die bahnbrechende Enth&uuml;llung der Irak- und der Afghanistan-Tageb&uuml;cher als erstes zur ver&ouml;ffentlichen. Der Guardian wollte selbst m&ouml;glichst viel Glanz abbekommen, in der Hoffnung, einen Pulitzerpreis zu gewinnen. Und er wollte mit Assange abrechnen, ehe dessen Version der Ereignisse in einem Buch der New York Times oder des Spiegel an die &Ouml;ffentlichkeit k&auml;me. Eitelkeit und Gier trieben den Guardian dazu, schlampig zu arbeiten, auch wenn das die Gef&auml;hrdung von Menschenleben bedeutete.<\/li>\n<li>Ekelhafterweise versucht der Guardian jedoch, nicht nur Assange den eigenen Fehler in die Schuhe zu schieben, sondern l&uuml;gt auch noch wie gedruckt hinsichtlich der Umst&auml;nde. In seiner Erkl&auml;rung hei&szlig;t es: &sbquo;Assange oder WikiLeaks &auml;u&szlig;erten keine Bedenken dar&uuml;ber, dass die Sicherheit gef&auml;hrdet sein k&ouml;nnte, als das Buch im Februar 2011 ver&ouml;ffentlicht wurde. WikiLeaks ver&ouml;ffentlichte die unredigierten Dateien im September 2011.&lsquo;<br>\nEs ist einfach nicht wahr, dass Assange und WikiLeaks keine Besorgnis zum Ausdruck brachten. Privat zeigten sie sich sehr besorgt. Aber nicht &ouml;ffentlich &ndash; und das aus sehr gutem Grund.<br>\nJeder &ouml;ffentliche Vorwurf an den Guardian wegen seines furchtbaren Fehlers h&auml;tte Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, dass das Passwort in Leighs Buch leicht entdeckt werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte man keine M&ouml;glichkeit mehr, das Passwort zu &auml;ndern oder die Datei zu l&ouml;schen, wie der IT-Professor Christian Grothoff von der Universit&auml;t Bern bei der Anh&ouml;rung im Old Bailey erl&auml;utert hat. Er nannte Leigh einen in b&ouml;ser Absicht Handelnden.<br>\nAlso war Assange dazu gezwungen, den Schaden still und heimlich zu begrenzen, ehe die Ver&ouml;ffentlichung des Passworts die Runde machte und die Datei aufgefunden wurde. Sechs Monate sp&auml;ter, als die Hinweise zu zahlreich wurden, um &uuml;bersehen zu werden, und als Cryptome die unredigierte Datei auf seiner Website ver&ouml;ffentlicht hatte, hatte Assange schlie&szlig;lich keine andere Wahl als nachzuziehen.\n<\/li>\n<\/ol><p>Das ist die wahre Geschichte, die Geschichte, die der Guardian nicht zu erz&auml;hlen wagt. Trotz der gr&ouml;&szlig;ten Bem&uuml;hungen der US-Anw&auml;lte und der Richterin bei den Anh&ouml;rungen im Old Bailey dringt die Wahrheit endlich ans Licht. Nun liegt es an uns, daf&uuml;r zu sorgen, dass der Guardian nicht damit davonkommt, insgeheim an diesem Verbrechen gegen Assange und gegen die Pressefreiheit, f&uuml;r die er steht, mitzuwirken.<\/p><p>Titelbild: Olya Gan\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alleine die &auml;u&szlig;eren Umst&auml;nde dieses Jahrhundertprozesses gegen Julian Assange in London sind unfassbar, kabarettreif, wie die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-clip-12-146.html\">Anstalt<\/a> gezeigt hat. 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