{"id":65527,"date":"2020-10-06T16:55:29","date_gmt":"2020-10-06T14:55:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65527"},"modified":"2020-10-09T09:23:58","modified_gmt":"2020-10-09T07:23:58","slug":"us-praesidentschaftswahlen-2020-buergerliche-demokratie-trifft-global-governance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65527","title":{"rendered":"US-Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2020: B\u00fcrgerliche Demokratie trifft Global Governance"},"content":{"rendered":"<p>Die Autorin Diana Johnstone hat Ende August einen Artikel in Consortium News ver&ouml;ffentlicht. Da dieser von Relevanz f&uuml;r die kommenden Auseinandersetzungen in den USA sein k&ouml;nnte, hat Susanne Hofmann diesen Text f&uuml;r die NachDenkSeiten &uuml;bersetzt. Es geht um <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/category\/campaign-2020\/\">CAMPAIGN 2020<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/category\/commentary\/\">COMMENTARY<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/category\/trump-administration\/\">TRUMP ADMINISTRATION<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/category\/u-s\/\">U.S.<\/a> ELECTION 2020: Bourgeois Democracy Meets Global Governance. August 28, 2020. Danke f&uuml;r diesen Hinweis und danke f&uuml;r die &Uuml;bersetzung. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nW&auml;hrend der vier Jahre seiner Pr&auml;sidentschaft wurde Donald Trump vom neoliberalen Machtgef&uuml;ge als unwillkommener Au&szlig;enseiter behandelt. Es gelang ihm nicht einmal, die Kontrolle &uuml;ber den Staatssicherheitsapparat zu erlangen. Die einflussreichsten Medien behandeln ihn als Usurpator. Im Vorfeld der Pr&auml;sidentschaftswahlen wird eine au&szlig;erordentliche Spannung aufgebaut. Seine Gegner warnen davor, dass er sich &ndash; ungeachtet des Wahlergebnisses &ndash; weigern k&ouml;nnte, sein Amt zu verlassen. Einflussreiche Vertreter des Washingtoner Establishment organisierten das &bdquo;Transition Integrity Project (TIP)&ldquo;, um in einem Rollenspiel zweier Teams, dem Team Trump und dem Team Biden, in vier Szenarien den m&ouml;glichen Ausgang der US-Pr&auml;sidentschaftswahlen durchzuspielen, &ldquo;Regime Change&rdquo; eingeschlossen. <strong>Von Diana Johnstone<\/strong>. &Uuml;bersetzung von Susanne Hofmann.<\/p><p>Eine kleine Anzahl sehr reicher M&auml;nner meint genau zu wissen, was f&uuml;r die Zukunft der Welt am besten ist, und sie verf&uuml;gen &uuml;ber genug Verm&ouml;gen und Einfluss, um zu glauben, dass sie es erreichen k&ouml;nnen. Man kann sie als Oligarchen bezeichnen, aber der Begriff trifft es nicht ganz. Sie sind eine Klasse f&uuml;r sich, die Global Governors, die Gestalter der Global Governance, welche die b&uuml;rgerliche Demokratie ersetzen soll. Zwei Vertreter seien genannt: Der eine ist ber&uuml;hmt, sogar ber&uuml;chtigt, aber sehr alt, und der andere ist eine Generation j&uuml;nger, noch nicht so bekannt oder so reich, aber wahrscheinlich sogar noch einflussreicher.<\/p><p><strong>Die Global Governors<\/strong><\/p><p>Der alte ist nat&uuml;rlich George Soros, er bedarf keiner Vorstellung. Er hat keinen Zweifel daran, dass die Welt eine gro&szlig;e offene Gesellschaft (in Anspielung auf seine &bdquo;Open Society Foundations&ldquo;, Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) sein sollte &ndash; eine globalisierte Welt also, in der sich Grenzen und Nationalstaaten in eine kaleidoskopische Mischung kultureller Identit&auml;ten aufl&ouml;sen, in der wichtige Entscheidungen von brillanten Finanzoligarchen wie ihm getroffen werden. <\/p><p>Der j&uuml;ngere ist Nicolas Berggruen, der flotte 59-j&auml;hrige, in Paris geborene Sohn eines f&uuml;hrenden Kunstsammlers. Berggruen genie&szlig;t die doppelte US-amerikanische und deutsche Staatsb&uuml;rgerschaft und ist Mitglied im Council on Foreign Relations, der NYU Commission on Global Citizenship, dem Brookings International Advisory Council, dem Leadership Council im Kennedy School Center for Public Leadership in Harvard, dem World Economic Forum &ndash; und so weiter und so fort. Er half Emmanuel Macron, zum Pr&auml;sidenten Frankreichs gew&auml;hlt zu werden und unterh&auml;lt freundschaftliche Beziehungen zu Ursula von der Leyen, der Pr&auml;sidentin der EU-Kommission.<\/p><p>Der Milliard&auml;r hat seinen eigenen &bdquo;Think and Action Tank&ldquo;, das Berggruen Institut, zur F&ouml;rderung seiner Interessen, die sich auf &bdquo;Global Governance&ldquo; konzentrieren. Er interessiert sich besonders f&uuml;r technologische Methoden, um die Welt der Zukunft zu gestalten und sie zu dirigieren. Die Zukunft f&uuml;r Berggruen liegt in der Digitalisierung und vor allem im Transhumanismus, der Verschmelzung von Mensch und Technologie. <\/p><p>Wir sind alle miteinander verbunden und &bdquo;weniger frei&ldquo;, aber wir sind alle &bdquo;Teil von etwas Gr&ouml;&szlig;erem &ndash; Gemeinschaften, Familien, Freunde&ldquo;. Die digitale Welt &bdquo;sieht weniger menschlich aus, wird aber immer noch von uns geschaffen&ldquo;. (Und wer genau ist dieses &bdquo;wir&ldquo;?) Berggruens Modell der zuk&uuml;nftigen Familie l&auml;sst sich an seiner eigenen Wahl ablesen: zwei mutterlose Kinder, die mit gespendeten Eizellen erzeugt und von zwei Leihgeb&auml;rm&uuml;ttern geboren wurden.<\/p><p>F&uuml;r die in Europa geborenen Soros und Berggruen sind die Vereinigten Staaten in erster Linie das aktuelle Kommando- und Kontrollzentrum der westlichen Welt, das immer noch danach strebt, der Kern eines globalen Imperiums zu werden. Die Wahlen in den USA sind f&uuml;r diese Weltvision&auml;re wichtig, um die Welttransformation auf Kurs zu halten. F&uuml;r beide kann Pr&auml;sident Donald Trump nur ein untragbarer St&ouml;rimpuls auf dem Bildschirm sein. Das muss im Jahr 2020 korrigiert werden. Die gesamte liberale Elite ist sich darin v&ouml;llig einig.<\/p><p><strong>Das Transition-Integrity-Projekt<\/strong><\/p><p>Es war also einfach, im Washingtoner Establishment und dar&uuml;ber hinaus geradezu Panik angesichts der Vorstellung zu sch&uuml;ren, dass Trump durch die Wahlen im November 2020 wom&ouml;glich nicht aus dem Amt entfernt wird. Man verbreitet weniger die Angst, dass Trump die Wahl gewinnen k&ouml;nnte (undenkbar, das auch nur anzunehmen), als dass er die Wahl verlieren, sich aber weigern wird, zu gehen. Diese Vorstellung erhielt entscheidenden Auftrieb durch ein au&szlig;ergew&ouml;hnliches Projekt, organisiert von Professor Rosa Brooks von der Georgetown University, einer f&uuml;hrenden Verfechterin der Beteiligung von Frauen am Nationalen Sicherheitsstaat, mit engen Verbindungen zur &ldquo;Open Society&rdquo; von George Soros und dem Historiker Nils Gilman, einem leitenden Forscher am Berggruen-Institut.<\/p><p>Dieses gut vernetzte Paar gewann mit Leichtigkeit Dutzende von Power-Point-Pr&auml;sentatoren f&uuml;r die Teilnahme an einer, wie es <em>The Boston Globe<\/em> nannte, &bdquo;Washington-Version von Dungeons and Dragons&ldquo;. Das Ganze funktioniert nach dem Vorbild von Pentagon-Strategen, die Teams bilden, um Szenarien einer Atomkriegskonfrontation zwischen den USA und Russland durchzuspielen. Sie nannten ihr Rollenspiel &bdquo;Transition Integrity Project (TIP)&ldquo; (&lsquo;Projekt Integrit&auml;t des &Uuml;bergangs), was deutlich darauf hinweist, dass es ihnen vor allem um die &bdquo;Integrit&auml;t&ldquo; des erwarteten &Uuml;bergangs von Trump zu Biden ging. <\/p><p>Von den 67 Teilnehmern sind nur wenige namentlich bekannt: der Anti-Trump-Republikaner Michael Steele, der Stabschef des ehemaligen Pr&auml;sidenten Bill Clinton im Wei&szlig;en Haus, John Podesta, der Ghostwriter der Rede von Pr&auml;sident George W. Bush zur &bdquo;Achse des B&ouml;sen&ldquo;, David Frum, und der neokonservative politische Analyst William Kristol.<\/p><p>Am 3. August ver&ouml;ffentlichte das Transition Integrity Project seinen Bericht mit dem Titel &bdquo;Verhinderung einer fehlgeschlagenen Pr&auml;sidentschaftswahl und Macht&uuml;bergabe&ldquo;. Dieser Bericht pr&auml;sentierte die Ergebnisse fiktionaler Spielszenarien, welche die immer h&auml;ufiger vorgebrachte Hypothese der liberalen Demokraten st&uuml;tzen, dass Trump entschlossen sei, die November-Wahlen zu f&auml;lschen.<\/p><p>Laut TIP-Bericht habe Trump &bdquo;wie viele autorit&auml;re F&uuml;hrer begonnen, die Grundlagen daf&uuml;r zu schaffen, das Abstimmungsverfahren m&ouml;glicherweise zu ignorieren oder zu st&ouml;ren, indem er beispielsweise behauptet, dass Briefwahlen betrugsanf&auml;llig sind und dass seine Gegner versuchen werden, mittels Betrug Nicht-Staatsb&uuml;rger w&auml;hlen zu lassen.&ldquo; TIP ging selbstverst&auml;ndlich davon aus, dass Trumps &Auml;ngste und Anschuldigungen falsch, hingegen die &Auml;ngste und Anschuldigungen seiner Gegner gut begr&uuml;ndet seien.<\/p><p>Der Bericht des &bdquo;Transition Integrity Project&ldquo; machte einen schwachen Versuch, neutral zu erscheinen: &bdquo;TIP nimmt weder Stellung dazu, wie Amerikaner abstimmen sollten noch zum m&ouml;glichen Gewinner der bevorstehenden Wahlen; beide Parteien k&ouml;nnten bei den Wahlen im November die Nase vorne haben, ohne auf &bdquo;schmutzige Tricks&ldquo; zur&uuml;ckzugreifen.&rdquo; Diese angeblich neutrale Haltung wird allerdings im gesamten Rollenspiel missachtet.<\/p><p>Das Spiel  umfasste vier Szenarien: (1) ein unklares Wahlergebnis, (2) einen klaren Sieg des demokratischen Herausforderers, des ehemaligen Vizepr&auml;sidenten Joe Biden, (3) einen klaren Trump-Sieg, (4) einen knappen Biden-Sieg. Am Spiel nahmen Teams teil, haupts&auml;chlich das &bdquo;Team Biden&ldquo; und das &bdquo;Team Trump&ldquo;. Offensichtlich aber war keiner der Rollenspieler pro Trump, einschlie&szlig;lich der Spieler vom &bdquo;Team Trump&ldquo;. Dennoch sollte das Spiel angeblich zeigen, wie Trump-Anh&auml;nger unter diesen Umst&auml;nden reagieren w&uuml;rden. So hei&szlig;t es im TIP-Bericht:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Team Trump war durchweg skrupelloser als Team Biden &ndash; eher bereit, bestehende demokratische Normen zu ignorieren, Desinformation zu nutzen, Bundesbeh&ouml;rden f&uuml;r Trumps pers&ouml;nliche Interessen und seine Wahlinteressen einzusetzen und Einsch&uuml;chterungskampagnen zu f&uuml;hren.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>&bdquo;Team Biden&ldquo; dagegen war viel netter:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Team Biden f&uuml;hlte sich im Allgemeinen eingeschr&auml;nkt durch die Respektierung von Normen und den Wunsch, Gewalt einzud&auml;mmen und Instabilit&auml;t zu verringern.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Team Biden hatte oft die Mehrheit der &Ouml;ffentlichkeit auf seiner Seite und die F&auml;higkeit, Unmut gegen die strukturelle Entm&uuml;ndigung bei der Durchf&uuml;hrung von Pr&auml;sidentschaftswahlen zu mobilisieren.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Russiagate dr&auml;ngte sich auf seltsame und geradezu l&auml;cherliche Weise in das Rollenspiel: &bdquo;Es gab einige Spekulationen dar&uuml;ber, dass Trump [&hellip;] versuchen k&ouml;nnte, nationalistische Gef&uuml;hle f&uuml;r sich zu sammeln oder ausl&auml;ndische Staatschefs zu beschwichtigen, denen er sich m&ouml;glicherweise verpflichtet f&uuml;hlt, wie beispielsweise Wladimir Putin. &rdquo; Wie bitte?<\/p><p><strong>Niemand wagt es zu verlieren<\/strong><\/p><p>Besonders alarmierend und beunruhigend ist, dass das Rollenspiel &bdquo;Transition Integrity Project&ldquo; davon ausgeht, dass bei dieser Wahl keine Seite bereit ist, eine Niederlage hinzunehmen. Die Szenarien &bdquo;zeigten, dass diese Wahl f&uuml;r viele Demokraten und wichtige demokratische Wahlkreise eine existenzielle Krise darstellt, die letzte Chance, einen raschen und m&ouml;glicherweise irreversiblen Niedergang der USA in Autoritarismus und ungez&uuml;gelten Nativismus aufzuhalten.&ldquo; Wie Trump sind also auch viele Demokraten bereit, vor nichts Halt zu machen, um diese Wahl zu gewinnen &ndash; nat&uuml;rlich nur aus den ehrenwertesten Gr&uuml;nden.<\/p><p>Trump wird dargestellt, als wolle er unbedingt die Wahl gewinnen, auch um nicht als Krimineller behandelt zu werden. Dieser Darstellung liegt die Annahme zugrunde, dass Trump, sobald er nicht mehr im Amt ist, wegen nicht n&auml;her bezeichneter Straftaten festgenommen und angeklagt werden wird. Dies w&auml;re f&uuml;r ihn in der Tat ein Anreiz, nicht zu verlieren.<\/p><p>An dieser Stelle muss daran erinnert werden, dass die demokratische Wahl von Regierungschefs von einem gewissen Ma&szlig; gegenseitigen Vertrauens abh&auml;ngt, das in Amerika gerade verloren geht. Die Vereinigten Staaten bestehen regelm&auml;&szlig;ig darauf, dass alle anderen L&auml;nder ihre Staatschefs in &bdquo;fairen und freien Wahlen&ldquo; bestimmen. Es gibt jedoch viele L&auml;nder, in denen diese Methode zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer historischen Entwicklung nicht ratsam ist, da eine Partei oder eine Stammesgruppe um ihr Leben f&uuml;rchtet, sollte eine rivalisierende Partei oder ein rivalisierender Stamm die Macht &uuml;bernehmen.<\/p><p>In solchen Staaten h&auml;ngt der Frieden von der Herrschaft eines K&ouml;nigs, eines Mediators, einem Diktator ab. Man hat den Eindruck, dass die Vereinigten Staaten aktuell dabei sind, auf ein vergleichbares Ausma&szlig; gegenseitigen Hasses und gegenseitigen Misstrauens zur&uuml;ckzufallen. <\/p><p><strong>Kein Kompromiss<\/strong><\/p><p>Sollte dem demokratischen Establishment eine friedliche Wahl und ein friedlicher &Uuml;bergang wichtiger sein als die M&ouml;glichkeit, dass Trump das Wahlergebnis ablehnen k&ouml;nnte, schiene mir Folgendes klug und vern&uuml;nftig: Man m&uuml;sste Trump in den beiden Punkten beruhigen, die ihn in ihren Augen dazu bringen k&ouml;nnten, aufzubegehren: Vorw&uuml;rfe wegen Betrugs bei der Briefwahl und die Androhung strafrechtlicher Verfolgung.<\/p><p>Was Letzteres betrifft, so liest man in dem TIP-Bericht: &bdquo;Die Teilnehmer an den Spiel-Szenarien stimmten &uuml;berein, dass es Trump vor allem und m&ouml;glicherweise nur um seine und seiner Familie Selbsterhaltung gehen wird, wenn er eine Wahlniederlage eingestehen muss.&ldquo; Es ist also etwas seltsam, dass das Transition Integrity Project sodann berichtet: &bdquo;W&auml;hrend mehrerer Rollenspiele versuchte Team Biden mit Team Trump Verhandlungen &uuml;ber eine Begnadigung und einen w&uuml;rdevollen &Uuml;bergang aufzunehmen, aber diese Ann&auml;herungsversuche wurden konsequent zur&uuml;ckgewiesen. &rdquo;<\/p><p>Da es in keinem der beiden Teams Trump-Anh&auml;nger gab, verdeutlichen diese Szenarien lediglich die Absicht des demokratischen Establishments, von einer Anklage Trumps wegen nicht n&auml;her genannter &bdquo;Staatsverbrechen&ldquo; auszugehen. Ein Kompromiss ist nicht erw&uuml;nscht.<\/p><p>Was die Briefwahl angeht, so k&ouml;nnte es durchaus sein, dass Trumps Vorbehalte berechtigt sind. Trump ist nicht gegen die Briefwahl, die die Identifizierung des W&auml;hlers erfordert, vergleichbar mit der Stimmabgabe an der Wahlurne. Er misstraut jedoch pauschalen Massensendungen von Stimmzetteln, die ohne jeweilige &Uuml;berpr&uuml;fung der Identit&auml;t der W&auml;hler hin und her geschickt werden. <\/p><p>Hinzu kommt, dass in einem Zeitalter, in dem jeder jedes Dokument fotokopieren kann, in dem die Post lange braucht und es viele M&ouml;glichkeiten gibt, Stimmzettel verschwinden zu lassen, die Sorge vor m&ouml;glichen Manipulationen naheliegt. Tats&auml;chlich kommt im Spielszenario Nr.1 vor, dass &bdquo;ein skrupelloser Mensch eine gro&szlig;e Anzahl von Stimmzetteln vernichtet, die mutma&szlig;lich Biden unterst&uuml;tzten.&ldquo; Wieso konnten sich die Rollenspieler vorstellen, dass Stimmzettel f&uuml;r Biden vernichtet werden, und gleichzeitig ausschlie&szlig;en, dass Stimmzettel zugunsten Trumps vernichtet werden k&ouml;nnten?<\/p><p>Warum versucht man nicht, um des Friedens im Lande willen, einen Kompromiss zu finden? Die Vizepr&auml;sidentschaftskandidatin der Demokraten und Senatorin aus Kalifornien, Kamala Harris, hat einen Gesetzesentwurf zur Einf&uuml;hrung allgemeiner Briefwahlen vorgelegt. Warum dehnt man stattdessen nicht den Zeitraum f&uuml;r die Stimmabgabe aus und &ouml;ffnet die Wahllokale nicht nur am zweiten Dienstag im November, sondern auch am vorhergehenden Samstag und Sonntag? Dies g&auml;be W&auml;hlern, die Angst haben, sich mit Covid-19 zu infizieren, die M&ouml;glichkeit, wie beim Gang in den Supermarkt Abstand zueinander zu halten. Es w&uuml;rde die Anzahl der Briefw&auml;hler sowie die Zeit zum Ausz&auml;hlen, vor allem aber die Verd&auml;chtigungen rund um die Briefwahl reduzieren. Doch je argw&ouml;hnischer Trump gegen&uuml;ber der Briefwahl ist, desto mehr pochen die Demokraten darauf, eine allgemeine Briefwahl durchzuf&uuml;hren. <\/p><p>Es wird immer deutlicher, dass der blinde Hass auf Trump ein solches Ausma&szlig; erreicht hat, dass es dem Establishment der Demokraten und seinen Anh&auml;ngern nicht reicht, ihn bei der Wahl zu besiegen. Sie animieren ihn geradezu, die Wahl anzuzweifeln. Dann k&ouml;nnten sie etwas Aufregenderes und Entscheidenderes erreichen: einen echten Regime Change.<\/p><p><strong>Vorbereitung eines Regime Change<\/strong><\/p><p>Das klassische Regime-Change-Szenario st&uuml;tzt sich auf mehrere Elemente: eine angefochtene Wahl, Massendemonstrationen inklusive zivilen Ungehorsams und schlie&szlig;lich den Einsatz des Milit&auml;rs. <\/p><p>In ihren Szenarien setzten die TIP-Rollenspieler zu Beginn also einen autorit&auml;ren Anf&uuml;hrer ein, der sich weigert zur&uuml;ckzutreten. Nat&uuml;rlich Trump. <\/p><p>Als n&auml;chstes &bdquo;Massendemonstrationen &ndash; und Aktionen auf den Stra&szlig;en &ndash; die entscheidend daf&uuml;r sein k&ouml;nnen, was die &Ouml;ffentlichkeit als gerechtes und legitimes Ergebnis wahrnimmt.&ldquo; In einem Interview, in dem &bdquo;die M&auml;ngel in unserem Wahlsystem&ldquo; betont werden, sagte Gilman, der Organisator des Transition Integrity Project, was wir br&auml;uchten, sind &bdquo;Menschen, die bereit sind, gewaltfrei auf den Stra&szlig;en zu protestieren&ldquo;, wenn Appelle an Amtstr&auml;ger nicht ausreichen.<\/p><p>&bdquo;In den letzten Monaten &ndash; seit die Black-Lives-Protestbewegung nach dem Mord an George Floyd wieder richtig Fahrt aufgenommen hat &ndash; haben wir gelernt, dass es, um eine Ver&auml;nderung herbeizuf&uuml;hren, wirklich wichtig ist, auf die Stra&szlig;e zu gehen und sich f&uuml;r einen demokratischen Prozess zu engagieren, der &uuml;ber den Gang an die Wahlurne hinausgeht.&ldquo; Die Demonstrationen m&uuml;ssen gewaltfrei sein, betonte Gilman.<\/p><p>In dem Bericht des Transition Integrity Project hei&szlig;t es: &bdquo;Das Ausma&szlig; der aktuellen Demonstrationen hat f&uuml;r die Demokratische Partei den Anreiz erh&ouml;ht, enge Beziehungen zu Basisorganisationen aufzubauen und auf die Forderungen der Bewegung einzugehen.&rdquo; Einige dieser Basisorganisationen &ndash; MoveOn und Black Lives Matter &ndash; werden von Soros finanziell unterst&uuml;tzt, w&auml;hrend die Demokratische Partei eindeutig versucht, die Proteste zu vereinnahmen.<\/p><p>Den Szenarien zufolge k&ouml;nnten sich solche Proteste nicht nur ergeben, wenn Trump sich weigert, einen Biden-Sieg anzuerkennen, sondern auch, wie im Spielszenario Nr. 3, im Fall eines &bdquo;klaren Trump-Siegs im Wahlm&auml;nnergremium (286 zu 252) oder eines eindeutigen Sieges bei der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen (52 Prozent f&uuml;r Trump, 47 Prozent f&uuml;r Biden). Das Rollenspiel endete in einer Verfassungskrise mit der Gefahr einer Sezession und dem Potenzial entweder f&uuml;r einen Niedergang in Richtung Autoritarismus oder radikal &uuml;berarbeiteter demokratischer Regeln, die sicherstellen, dass der Wille des Volkes obsiegt (Abschaffung des Wahlkollegiums)&ldquo;.<\/p><p>Im Rollenspiel zog das Biden-Team sein anf&auml;ngliches Zugest&auml;ndnis zur&uuml;ck und nutzte &bdquo;die Emp&ouml;rung der &Ouml;ffentlichkeit, dass ein Kandidat zum dritten Mal in 20 Jahren zwar insgesamt weniger W&auml;hlerstimmen bekam, aber das Wahlm&auml;nnergremium f&uuml;r sich gewann&ldquo;. Das Biden-Team ermutigte Kalifornien, Oregon und Washington, sich abzuspalten, &bdquo;es sei denn, die Republikaner im Kongress stimmten einer Reihe von Strukturreformen zu, um unser demokratisches System zu reparieren und eine Mehrheitsregierung zu gew&auml;hrleisten&ldquo;. Der Kongress unterst&uuml;tzte Biden. &bdquo;Es war unklar, was das Milit&auml;r in dieser Situation tun w&uuml;rde&ldquo;.<\/p><p>In Wirklichkeit wissen die Demokraten sehr wohl, dass sie es geschafft haben, den gesamten Staatsapparat, einschlie&szlig;lich des Milit&auml;rs und der Geheimdienste, w&auml;hrend der gesamten Pr&auml;sidentschaft Trumps auf ihrer Seite zu halten. Wo sind die Kr&auml;fte, die einen Pro-Trump-Staatsstreich durchf&uuml;hren k&ouml;nnten?<\/p><p><strong>Wessen Staatsstreich?<\/strong><\/p><p>&ldquo;W&auml;hrend der &Uuml;bungen&ldquo;, hei&szlig;t es in dem TIP-Bericht, &bdquo;hat sich die Deutungshoheit als potenziell entscheidender Faktor herausgestellt. Jede Seite kann den &sbquo;Spielraum der Anfechtung&lsquo; erweitern oder verringern, wenn es ihr gelingt, die Sichtweise der wichtigsten Entscheidungstr&auml;ger und der &Ouml;ffentlichkeit auf die &bdquo;Fakten&ldquo;, die Risiken des Handelns oder nicht-Handelns oder externe Ereignisse wie zivile Unruhen auf entscheidende Weise zu &auml;ndern.&ldquo;<\/p><p>Die Deutungshoheit zu erlangen, scheint ein Hauptzweck des Transition Integrity Project zu sein, und es fand schnell die Unterst&uuml;tzung der Top-Demokraten.<\/p><p>&ldquo;Joe Biden sollte unter keinen Umst&auml;nden nachgeben, denn ich glaube, dass sich das Ganze in die L&auml;nge ziehen wird. Ich glaube, dass er am Ende gewinnen wird, wenn wir keinen Zentimeter nachgeben und wenn wir so konzentriert und unerbittlich sind wie die andere Seite&rdquo;, sagte Hillary Clinton in einem Interview am 25. August.<\/p><p>Dem stimmte ein paar Tage sp&auml;ter Al Gore zu. Der ehemalige Vizepr&auml;sident und erfolglose Pr&auml;sidentschaftskandidat der Demokraten im Jahr 2000 benutzte ein besonders symbolisches Bild, als er meinte, mit seiner Kritik an der Briefwahl versuche Trump, &ldquo;sein Knie auf den Hals der Demokratie zu dr&uuml;cken&rdquo;. &ldquo;Er scheint keinerlei Gewissensbisse zu haben, wenn er versucht, das soziale Gef&uuml;ge und das politische Gleichgewicht des amerikanischen Volkes zu zerst&ouml;ren, und strategisch s&auml;t er schon im Voraus Zweifel&rdquo;.<\/p><p>Die Leute fragen, ob Trump am 20. Januar n&auml;chstes Jahr aus dem Amt scheiden wird. &ldquo;Nun&rdquo;, meinte Gore, &ldquo;das spielt keine Rolle, weil das nicht von ihm abh&auml;ngt. Denn am Mittag des 20. Januar, wenn ein neuer Pr&auml;sident gew&auml;hlt sein wird&hellip; werden Polizei, Geheimdienst, Milit&auml;r, alle Exekutivbeamten den Befehlen und Anweisungen des neuen Pr&auml;sidenten gehorchen.&rdquo;<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>In der Zwischenzeit k&ouml;nnen die Amerikaner der &uuml;bersteigerten Rhetorik der beiden feindlichen Lager zuh&ouml;ren, die sie auffordern, zwischen einer angeblich &ldquo;autorit&auml;ren wei&szlig;en Suprematie&rdquo; (v&ouml;llig &uuml;bertrieben) auf Trumps Seite und dem angeblich &ldquo;radikalen marxistischen Sozialismus&rdquo; (v&ouml;llig daneben) auf der demokratischen Seite zu w&auml;hlen, w&auml;hrend sie absolut nichts im Sinne einer koh&auml;renten &ouml;ffentlichen Politik zum Nutzen des amerikanischen Volkes und der Welt bieten.<\/p><p>Die Politik wird von den Globalen Governors konzipiert, zum Beispiel auf der n&auml;chsten Tagung des Weltwirtschaftsforums in Davos, das, laut seines Gr&uuml;nders und Vorsitzenden Klaus Schwab, den &ldquo;Great Reset&rdquo; f&uuml;r die vierte industrielle Revolution festlegen wird, die unser gesamtes Leben umgestalten soll. Nicolas Berggruen wird mit seinen Ideen dabei sein, wie auch andere Milliard&auml;re. <\/p><p>Diese Milliard&auml;re werden sich nicht &ldquo;verschw&ouml;ren&rdquo;, sondern sie werden Pl&auml;ne f&uuml;r das machen, was in ihrem Sinn und Interesse das Beste f&uuml;r die Welt ist. Das politische System der USA gibt uns keine M&ouml;glichkeit, deren Projekte zu beeinflussen oder vollst&auml;ndig zu durchblicken. Die Macht und Vorhaben dieser Milliard&auml;re erfordern eine &ouml;ffentliche und scharfe Auseinandersetzung. Aber die Politiker, die uns angeblich repr&auml;sentieren, streiten aufs Heftigste um des Kaisers Bart und tauschen Beleidigungen aus.<\/p><p>Das Wahlkollegium ist nicht der gr&ouml;&szlig;te Makel in der amerikanischen Demokratie. Vielmehr ist es das Monopol des politischen Diskurses durch ein Zweiparteiensystem, das im Wesentlichen von pers&ouml;nlichen Ambitionen angetrieben wird und sich nach Lobbys, dem milit&auml;risch-industriellen Komplex, der Wall Street und den Global Governors richtet.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Diana Johnstone<\/strong> lebt in Paris. Ihr j&uuml;ngstes Buch ist <em>Circle in the Darkness: Memoirs of a World Watcher<\/em> (Clarity Press, 2020).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Autorin Diana Johnstone hat Ende August einen Artikel in Consortium News ver&ouml;ffentlicht. Da dieser von Relevanz f&uuml;r die kommenden Auseinandersetzungen in den USA sein k&ouml;nnte, hat Susanne Hofmann diesen Text f&uuml;r die NachDenkSeiten &uuml;bersetzt. 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August 28, 2020.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65527\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,126,174,190],"tags":[1460,1227,374,1418,1419,1800,2621],"class_list":["post-65527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-erosion-der-demokratie","category-usa","category-wahlen","tag-biden-joe","tag-demokraten","tag-eliten","tag-regime-change","tag-soros-george","tag-trump-donald","tag-wahlsystem"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65527"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65527\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65535,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65527\/revisions\/65535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}