{"id":65572,"date":"2020-10-08T09:00:08","date_gmt":"2020-10-08T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65572"},"modified":"2020-10-08T10:29:50","modified_gmt":"2020-10-08T08:29:50","slug":"luegen-fuer-die-supermacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65572","title":{"rendered":"L\u00fcgen f\u00fcr die Supermacht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum 90-j&auml;hrigen Jubil&auml;um von Ford K&ouml;ln verleugnet der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger die Produktion zehntausender LkW f&uuml;r die Wehrmacht.<\/strong> Die herrschenden Kreise in der Bundesrepublik Deutschland r&uuml;hmen sich, bei der Aufarbeitung der NS-Herrschaft besonders vorbildlich zu sein. Doch bei der T&auml;terschaft von Konzernen, und insbesondere von US-Konzernen, herrschen seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Verdr&auml;ngung und L&uuml;gen, mit Folgen bis heute. Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ford K&ouml;ln 90 Jahre: Die Idyllen-Produktion<\/strong><\/p><p>Zum 90-j&auml;hrigen Jubil&auml;um der Ford-Werke in K&ouml;ln brachten die Zeitungen des K&ouml;lner Medienmonopols DuMont Schauberg &ndash; K&ouml;lner Stadt-Anzeiger, K&ouml;lnische Rundschau, Express &ndash; am 2. Oktober 2020 ganzseitige Jubelartikel &bdquo;90 &ndash; Happy Birthday, Ford!&ldquo;: Vom immer wieder reproduzierten Foto der Grundsteinlegung am 2. Oktober 1930 mit dem zufrieden l&auml;chelnden Henry Ford und dem beflissenen K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeister Konrad Adenauer &uuml;ber die PkW-Vorkriegsmodelle und dann die millionenfach erfolgreichen Nachkriegsmodelle wie Capri, Taunus und Fiesta (Europas meistverkaufter Kleinwagen) bis zum heutigen Elektroauto Fiesta EcoBoost Hybrid. Ford K&ouml;ln &ndash; ein strahlendes Erfolgsmodell.<\/p><p>&bdquo;Als einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgeber hat Ford Generationen und Tausenden von K&ouml;lnern eine berufliche Heimat gegeben und geh&ouml;rt zu K&ouml;ln wie der Gr&uuml;ng&uuml;rtel&ldquo;, wird der heutige Chef von Ford K&ouml;ln folgsam zitiert.<\/p><p>Dass die hohen Gewinne der Vergangenheit, die in die USA &uuml;berwiesen wurden, die notwendige Innovation haben verschlafen lassen und dass jetzt &bdquo;wegen Corona&ldquo; tausende Arbeitspl&auml;tze abgebaut, wegen dortiger Niedrigl&ouml;hnerei in osteurop&auml;ische Oligarchenstaaten verlegt werden &ndash; das wird nicht einmal im Nebensatz erw&auml;hnt.<\/p><p>Dass Ford K&ouml;ln jetzt vom Land NRW eine 500-Millionen-Kreditb&uuml;rgschaft haben will, um wenigstens symbolisch und f&uuml;r eine &Uuml;bergangszeit ein paar Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r e-Mobilit&auml;t in K&ouml;ln zu erhalten, und dass die immer noch gelobte &bdquo;freie Marktwirtschaft&ldquo; und sogar &bdquo;erfolgreiche&ldquo; US-Konzerne entgegen ihrer Legende ohne exzessive deutsche Staatshilfe nicht mehr lebensf&auml;hig sind &ndash; all das wird nicht thematisiert. Das w&uuml;rde die seit Adenauers Zeiten blind gepflegte Idylle st&ouml;ren.<\/p><p><strong>Die erste L&uuml;ge: &bdquo;Fabrik im Krieg zerst&ouml;rt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Idylle wird aufrechterhalten auch durch L&uuml;gen. &bdquo;1944\/45 wird die Autofabrik im Kriegsgeschehen zerst&ouml;rt&ldquo;, schreibt der Express (Philipp Meckert: &bdquo;Neun Meilensteine aus neun Jahrzehnten in K&ouml;ln&ldquo;). Das ist die erste L&uuml;ge. Sie hat es in sich &ndash; obwohl sie so plausibel klingt, nicht wahr? &bdquo;Ganz K&ouml;ln wurde zerst&ouml;rt&ldquo;, lautet das gern in der Stadtgeschichte gepflegte Klischee.<\/p><p>Doch die Ford-Werke wurden nicht zerst&ouml;rt, im Gegenteil. Nur die Baracken der bei Ford eingesetzten tausenden Zwangsarbeiter wurden durch die US-Bomber zerst&ouml;rt. Die Fabrik hatte nur kleine Kollateralsch&auml;den. Die Flie&szlig;b&auml;nder und sonstigen Anlagen blieben intakt. Sofort nach dem Waffenstillstand wurde die Produktion schon im Mai 1945 fortgef&uuml;hrt &ndash; LkWs und LkW-Reparaturen f&uuml;r die US Army &ndash; das war einfach, denn die LkWs der US Army kamen ja aus demselben Konzern.<\/p><p>Der weltbekannte US-&Ouml;konom John Kenneth Galbraith gew&auml;hrte mir die erste Aufkl&auml;rung dazu. 1986 hielt er in K&ouml;ln eine Rede beim Friedenskongress der &bdquo;&Auml;rzte gegen den Atomkrieg&ldquo; (IPPNW). Ich traf ihn zu einem langen Gespr&auml;ch. Galbraith erinnerte sich an seinen Besuch in K&ouml;ln vierzig Jahre zuvor. Er berichtete, dass er unmittelbar nach dem Krieg die US-Kommission zur Ermittlung der Kriegssch&auml;den in Deutschland leitete, &uuml;brigens sei auch J&uuml;rgen Kuczynski dabei gewesen, der sp&auml;tere bekannte DDR-&Ouml;konom. Sie schauten sich in K&ouml;ln, Hamburg, Berlin und Frankfurt um. Ergebnis: &bdquo;Es war unglaublich. Aber die alliierten Bombardements hatten eine eindeutige Klassenperspektive. Die Arbeiterviertel waren zerst&ouml;rt worden, aber die Stadtteile der b&uuml;rgerlichen Schichten und auch viele Industriebetriebe blieben unzerst&ouml;rt.&ldquo; Galbraith fasste zusammen: &bdquo;Die offiziell verk&uuml;ndeten Ziele, n&auml;mlich die deutsche Wirtschaft zu beeintr&auml;chtigen, wurden in keiner Weise erreicht.&ldquo;<\/p><p>Die Ergebnisse der Kommission sind in dem Bericht <em>The effects of strategic bombing on the German war economy<\/em> enthalten. Der Auftraggeber, die US-Regierung unter Pr&auml;sident Harry Truman, legte keinen Wert auf die Verbreitung des Berichts. Auch die meisten R&uuml;stungsbetriebe wurden nicht bombardiert, schon gar nicht US-amerikanische und solche mit US-Beteiligung. Die Wehrmacht sollte ja im Interesse der USA und Gro&szlig;britanniens bis zuletzt m&ouml;glichst hochger&uuml;stet bleiben und der vordringenden Roten Armee m&ouml;glichst hohe Verluste beibringen, bevor die USA als gl&auml;nzender Sieger auftreten konnten.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Die zweite L&uuml;ge: &bdquo;Unterbrechung der Produktion durch den Zweiten Weltkrieg&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger (Corinna Schulz: &bdquo;Von der Blechliesel zur E-Mobilit&auml;t&ldquo;) strickt in seinem Jubelartikel am gleichen, jahrzehntelang von ihm selbst gepflegten L&uuml;gengeb&auml;ude auch heute weiter: &bdquo;Unterbrechung der Produktion durch den Zweiten Weltkrieg&ldquo;. Unterbrechung durch den Krieg? Der Stadt-Anzeiger l&uuml;gt: Das genaue Gegenteil war der Fall.  <\/p><p>Die Ford-Werke K&ouml;ln stellten ab 1931 mit importierter Ford-Technologie PkW her. Es waren zun&auml;chst wenige, die Kaufkraft in Deutschland war nach der Weltwirtschaftskrise gering. Das erholte sich, 1938 war mit 23.039 PkW der H&ouml;hepunkt erreicht. Doch dann ging die Produktion schnell zur&uuml;ck, 1942 wurden nur noch 41 PkW produziert, dann keine mehr.<\/p><p>Aber die Produktion nahm einen einzigartigen Aufschwung. Wie das? Ganz einfach: Ford K&ouml;ln produzierte f&uuml;r die Hitler-Wehrmacht, und zwar kriegstaugliche LkW und andere Milit&auml;rfahrzeuge. Im Jahre 1938 waren es schon 12.074, dann stieg der Bedarf f&uuml;r den Polen-Feldzug, f&uuml;r den Westfeldzug gegen Frankreich, dann f&uuml;r den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. &Uuml;brigens: Der Ford-Fan Hitler, seit 1924 vom Antisemiten Henry Ford regelm&auml;&szlig;ig j&auml;hrlich zum Geburtstag hoch bespendet, zuletzt zur F&uuml;hrers 50. Geburtstag 1939, zeichnete seinen gr&ouml;&szlig;ten US-F&ouml;rderer 1938 mit dem <em>Gro&szlig;kreuz des Deutschen Adlerordens<\/em> aus.<\/p><p>So wurde die LkW-Produktion im beiderseitigen Einverst&auml;ndnis und mit steigendem Gewinn st&auml;ndig ausgeweitet: 1943 war der H&ouml;hepunkt mit 17.472 Milit&auml;rfahrzeugen. Auch 1944 waren es noch 13.015. Erst im Februar 1945 endete die Produktion. Bilanz: Ford lieferte 60 % aller 3-Tonnen-Kettenfahrzeuge und gemeinsam mit dem zu General Motors geh&ouml;renden Opel-Werken 70 % aller 3- und 4,5-Tonnen-LkW der Wehrmacht. Auch an die deutsche Polizei und die SS wurde geliefert.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p><strong>US-Konzerne produzieren f&uuml;r beide Seiten im Krieg<\/strong><\/p><p>Was nicht nur die Medien des DuMont-Schauberg-Konzerns verschweigen, sondern alle bundesdeutschen Leitmedien, die privaten wie die staatlichen: F&uuml;hrende US-Konzerne halfen bei der Aufr&uuml;stung der deutschen Wehrmacht zur modernsten Milit&auml;rmacht des Kontinents, vor dem Krieg und w&auml;hrend des Krieges &ndash; und sie produzierten gleichzeitig f&uuml;r das US- und das britische Milit&auml;r.<\/p><p>1938 erhielt auch James Mooney von General Motors auf Beschluss Adolf Hitlers das <em>Gro&szlig;kreuz des Deutschen Adlerordens<\/em>, wie Henry Ford. Beide lehnten keineswegs ab, sondern hielten gro&szlig;e Feiern dazu ab. General Motors produzierte &uuml;ber seine Opel-Werke nicht nur den &bdquo;Opel-Blitz&ldquo; f&uuml;r die Wehrmacht, sondern auch den Bomber Ju 88, Landminen und Torpedo-Munition. Auch GM produzierte wie Ford nat&uuml;rlich auch f&uuml;r das US-Milit&auml;r.<\/p><p>Ebenso agierten etwa IBM, General Electric, Standard Oil, Dow Chemical, Eastman Kodak, US Steel, ITT und auch Coca Cola, oft in Kooperation mit deutschen Konzernen wie BMW, Junkers, Siemens und vor allem IG Farben: R&uuml;stungsproduktion f&uuml;r beide Kriegsparteien.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>US-Akteure auf beiden Seiten von Kriegen, auch in sogenannten &bdquo;B&uuml;rger&ldquo;kriegen &ndash; eine historische Banalit&auml;t, die nicht nur dem rheinischen Provinzpublikum von den K&ouml;lner Provinzmedien, sondern auch dem gesamtdeutschen Publikum von den bundesdeutschen Leitmedien, sowohl in deren Gossen- wie akademisch gebildeten Varianten, bis heute vorenthalten wird.<\/p><p><strong>Auch verdr&auml;ngt: ZwangsarbeiterInnen<\/strong><\/p><p>Noch eine andere Verdr&auml;ngung beim 90-Jahre-Jubil&auml;um von Ford K&ouml;ln: Wegen der LkW-Produktion f&uuml;r die Wehrmacht erreichte die Belegschaft im Jahre 1943 mit 5.711 Besch&auml;ftigten den absoluten H&ouml;chststand, und auch die 5.134 Besch&auml;ftigten im Jahre 1944 waren mehr als in den Hochzeiten der PkW-Vorkriegsproduktion.<\/p><p>Mit keinem Wort erw&auml;hnen die L&uuml;gen-Jubilierer, dass die Produktion im Krieg nur mithilfe von Zwangsarbeitern m&ouml;glich war: 1943 bestand die Belegschaft etwa zur H&auml;lfte aus russischen Kriegsgefangenen m&auml;nnlichen und weiblichen Geschlechts, aus italienischen Milit&auml;rinternierten sowie aus H&auml;ftlingen verschiedener osteurop&auml;ischen Nationalit&auml;ten aus dem KZ Buchenwald: Das KZ hatte in K&ouml;ln f&uuml;r Ford eine eigene Au&szlig;enstelle, kranke H&auml;ftlinge wurden nach Buchenwald zur&uuml;ckgeschickt, auff&auml;llige H&auml;ftlinge lieferte der Ford-Werkschutz an die Gestapo aus. Ford unterhielt eigene Barackenlager f&uuml;r die Zwangsarbeiter. Auch besser behandelte Zwangsarbeiter aus Belgien und Frankreich wurden eingesetzt.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p><strong>Auch verdr&auml;ngt: Ford K&ouml;ln als Ford-Zentrale im besetzten Europa<\/strong><\/p><p>In den Medien wird die Realgeschichte von Ford K&ouml;ln auch in weiterer Hinsicht verdr&auml;ngt. Die oft akademisch gebildeten und interessierten LeserInnen des Stadt-Anzeigers konnten immer wieder in ihrer Leib- und Magenzeitung lesen: Ford K&ouml;ln h&auml;tte im Krieg unter &bdquo;NS-Zwangsverwaltung&ldquo; gestanden.<\/p><p>Aber noch nie konnten sie lesen: Henry Ford blieb bis zu seinem Tod 1943 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Und auch w&auml;hrend des ganzen Krieges blieb die Ford Company in Dearborn\/USA mit 52 Prozent der Hauptaktion&auml;r &ndash; der zweitgr&ouml;&szlig;te Aktion&auml;r mit 42 Prozent, schon Gr&uuml;ndungsaktion&auml;r, war das deutsche Chemiekartell IG Farben, das schon w&auml;hrend der Weimarer Republik mit US-Konzernen wie Standard Oil und Dupont (Chemie, Pharma) Kartelle gebildet hatte.<\/p><p>Ford K&ouml;ln war zudem w&auml;hrend des Krieges die Zentrale f&uuml;r die anderen Ford-Filialen in den besetzten Staaten, so in Poissy\/Frankreich, in Amsterdam\/Niederlande, Antwerpen\/Belgien und Kopenhagen\/D&auml;nemark. Ford K&ouml;ln mit gut alimentierten NS-Funktion&auml;ren in Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung und Aufsichtsrat steuerte in Absprache mit den dortigen Besatzungsbeh&ouml;rden die Belieferung der Wehrmacht vor Ort.<\/p><p>Die Gewinne von Ford K&ouml;ln und Ford Europa wurden zwar seit der Kriegserkl&auml;rung der USA 1941 nicht mehr in die USA &uuml;berwiesen &ndash; aber nach dem Krieg wurden sie nachgezahlt; daf&uuml;r war schlie&szlig;lich die US-Milit&auml;rverwaltung da.<\/p><p><strong>Auch verdr&auml;ngt: Der &bdquo;T&uuml;rkenstreik&ldquo; 1973<\/strong><\/p><p>Ein europaweit ausstrahlendes Ereignis war der &bdquo;T&uuml;rkenstreik&ldquo; bei Ford K&ouml;ln im Jahre 1973. Es war die Hochzeit im Wirtschaftswunderland, dessen Reichtum auch durch Millionen arme Wanderarbeiter geschaffen wurde. Von den 35.000 Besch&auml;ftigten kamen 12.000 aus der T&uuml;rkei. Sie machten in der hetzigen Endmontage die k&ouml;rperlich schwerste Arbeit &ndash; und zu den niedrigsten L&ouml;hnen.<\/p><p>Im August 1973 k&uuml;ndigte die Gesch&auml;ftsleitung 300 t&uuml;rkischen Besch&auml;ftigten, weil sie zu sp&auml;t aus dem Urlaub in der T&uuml;rkei zur&uuml;ckgekommen waren. Am 24. August streikte deshalb die gesamte Sp&auml;tschicht mit 8.000 Arbeitern, auch die deutschen Arbeiter machten mit. Am 25. August streikte die gesamte Fr&uuml;hschicht mit 12.000 Arbeitern, auch alle deutschen Arbeiter machten mit. Sie marschierten &uuml;ber das Werksgel&auml;nde. Die Forderungen waren: eine DM mehr Lohn pro Stunde f&uuml;r die unteren Lohngruppen, Verringerung der Bandgeschwindigkeit, R&uuml;cknahme der K&uuml;ndigungen.<\/p><p>Doch der 47-k&ouml;pfige Betriebsrat, in dem nur ein t&uuml;rkischer Arbeiter Mitglied war, lehnte mit der IG Metall die Forderungen ab, rief zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. Aus dem belgischen Werk schaffte die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung Streikbrecher heran. Deutsche Meister, Vorarbeiter, leitende Angestellte und Zivilpolizisten gingen gegen die Streikenden vor. Der Express schrieb von linksradikalen Studenten, die hinter dem Streik st&uuml;nden. NRW-Innenminister Weyer (FDP) beauftragte den Verfassungsschutz, die Streikenden zu &uuml;berwachen. Bundeskanzler Willy Brandt forderte die Streikenden auf, sie sollten &bdquo;in die Arme der Gewerkschaft zur&uuml;ckkehren&ldquo;. Die vom Verfassungsschutz und der Kriminalpolizei ermittelten &bdquo;R&auml;delsf&uuml;hrer&ldquo; wurden verhaftet, &uuml;ber hundert Streikende wurden fristlos gek&uuml;ndigt. Der Betriebsrat h&auml;tte nach dem Betriebs-Verfassunggesetz widersprechen k&ouml;nnen &ndash; er tat es nicht. Der Streik endete in einer Niederlage.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Beim 90-j&auml;hrigen Jubil&auml;um h&auml;tte diese Dem&uuml;tigung der Wanderarbeiter die Idyllen-Produktion gest&ouml;rt. Der Streik wurde jetzt mit keinem Wort erw&auml;hnt.<\/p><p><strong>K&ouml;lner-Stadt-Anzeiger-Verlag: Verbrechens-Mitt&auml;ter<\/strong><\/p><p>Die jahrzehntelange Verdr&auml;ngung der Realgeschichte schaffte Ford K&ouml;ln an seinem Standort auch durch umfangreiche populistisch-korruptive Gaben: als Sponsor des Fu&szlig;ballclubs FC K&ouml;ln, des K&ouml;lner Karnevals (seit 1951 kostenlose j&auml;hrliche exklusive Bereitstellung einer Flotte von Ford-Autos f&uuml;r das Dreigestirn und dessen umfangreichen Tross), des K&ouml;lner Stadtmuseums, der j&auml;hrlichen Schwulenfeier Christopher Street Day (CSD) und vieles andere mehr.<\/p><p>Und die Medien des DuMont-Schauberg-Verlags spielten gern mit, weil sie selbst Mitt&auml;ter und Profiteure des NS-Regimes waren: Schon vor Hitlers Regierungsantritt warb das Flaggschiff des Verlags, die <em>K&ouml;lnische Zeitung<\/em>, in &Uuml;bereinstimmung mit ihrem geliebten Adenauer, f&uuml;r die Einbeziehung der NSDAP in die Regierung. Mit der Machtergreifung Hitlers warb die Zeitung &ndash; Vorl&auml;ufer des Stadt-Anzeigers &ndash; Mitarbeiter des Konkurrenten, der NS-Zeitung &bdquo;Westdeutscher Beobachter&ldquo; ab. Die <em>K&ouml;lnische Zeitung<\/em>, schon Bismarcks Lieblingszeitung, geh&ouml;rte im NS zu den reichsweiten Systemzeitungen, erh&ouml;hte ihre Auflage enorm, baute Redaktion und Druckerei aus, auch als Profiteur von Arisierungen. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) hielt ein Dauer-Massen-Abonnement, die deutschen Besatzungsm&auml;chte verteilten die DuMont-Medien als NS-Propaganda in den besetzten Staaten Westeuropas, in den Niederlanden, in Frankreich und Luxemburg.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>Die Folgen bis heute<\/strong><\/p><p>Die <em>K&ouml;lnische Zeitung<\/em> bekam als NS-T&auml;ter, sogar im Unterschied zu anderen ebenfalls NS-belasteten Zeitungen und Verlagen, von der US-Milit&auml;rregierung keine Lizenz. Erst mit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik, als die Lizenzen nicht mehr durch die Westalliierten vergeben wurden, erhob der DuMont-Clan die bisherige Nebenzeitung <em>K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/em> zum Nachfolgemedium. Der Name der &bdquo;K&ouml;lnischen Zeitung&ldquo; war so belastet, dass er verschwinden musste, zumindest erstmal. Nach ein paar Jahren stand aber &bdquo;K&ouml;lnische Zeitung&ldquo; etwas klein gedruckt dann doch unter dem Haupttitel <em>K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/em>, und steht da bis heute.<\/p><p>&Uuml;brigens: Der Ford-Bewunderer Konrad Adenauer verfolgte auch w&auml;hrend des Krieges aus dem nahen Rh&ouml;ndorf, gut versorgt durch eine hohe Pension des NS-Staates, aufmerksam die Entwicklung seiner Lieblingsfirma Ford in K&ouml;ln. Auch er kam nach dem Krieg nie auf die wahre Geschichte der von ihm mitgegr&uuml;ndeten Firma zur&uuml;ck. Er musste (oder durfte) ja als Bundeskanzler unter der Aufsicht des US-Hochkommissars John McCloy &ndash; der war in der Ford Foundation Treuh&auml;nder von Ford-Aktien &ndash; die L&uuml;gen &uuml;ber den Antifaschismus der USA und &uuml;ber die &bdquo;russische Gefahr&ldquo; verbreiten.<\/p><p>Und die K&ouml;lner DuMont-Schauberg-Medien &ndash; im freiwillig eingew&ouml;hnten Gleichschritt mit den anderen Leitmedien &ndash; n&ouml;rgeln heute brav liberal ein bisschen am Trampel-Trump herum, verbreiten aber ansonsten das uneingeschr&auml;nkte Lob von US-Investoren wie Ford und &uuml;bernehmen die von Trump vorgegebene Hetze gegen Russland und China.<\/p><p>Titelbild: Mario Hagen\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Der pazifistische &Ouml;konom des Hei&szlig;en Krieges: Die Erkenntnisse des John Kenneth Galbraith, in: Werner R&uuml;gemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet, K&ouml;ln, 2. Auflage 2017, S. 66ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Ulrich V&ouml;lklein: Gesch&auml;fte mit dem Feind. Die geheime Allianz des gro&szlig;en Geldes w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs auf beiden Seiten der Front. Hamburg 2002<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Jacques Pauwels: Big Business avec Hitler. Bruxelles 2009<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Siehe die zahlreichen Ver&ouml;ffentlichungen des NS-Dokumentationszentrums K&ouml;ln.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Karin Hunn: Aufstand der &bdquo;Konjunktur-Kulis&ldquo;. Ein R&uuml;ckblick auf den &bdquo;T&uuml;rkenstreik&ldquo; bei Ford, iz3w Oktober 2002, S. 16ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Colonia Corrupta. 8. erweiterte Auflage M&uuml;nster 2012<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/636cb699873a422693083b7ec75f77b3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Zum 90-j&auml;hrigen Jubil&auml;um von Ford K&ouml;ln verleugnet der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger die Produktion zehntausender LkW f&uuml;r die Wehrmacht.<\/strong> Die herrschenden Kreise in der Bundesrepublik Deutschland r&uuml;hmen sich, bei der Aufarbeitung der NS-Herrschaft besonders vorbildlich zu sein. Doch bei der T&auml;terschaft von Konzernen, und insbesondere von US-Konzernen, herrschen seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Verdr&auml;ngung und L&uuml;gen, mit Folgen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65572\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":65573,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[183,85,11],"tags":[1114,1655,2138,1852,375,1919,416,906,1176,990,966,2704],"class_list":["post-65572","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik","category-pr","category-strategien-der-meinungsmache","tag-adenauer-konrad","tag-dumont-schauberg","tag-ford","tag-general-motors","tag-ksta","tag-lueckenpresse","tag-nationalsozialismus","tag-ruestungsindustrie","tag-streik","tag-wehrmacht","tag-weltkrieg","tag-zwangsarbeit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/shutterstock_1227390808.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65572"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65572\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65585,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65572\/revisions\/65585"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/65573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}