{"id":6589,"date":"2010-08-26T09:33:40","date_gmt":"2010-08-26T07:33:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6589"},"modified":"2014-02-24T14:54:47","modified_gmt":"2014-02-24T13:54:47","slug":"ist-die-bertelsmann-stiftung-gemeinnuetzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6589","title":{"rendered":"Ist die Bertelsmann Stiftung gemeinn\u00fctzig?"},"content":{"rendered":"<p>Das neue Buch von Thomas Schuler <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/andruck\/1255253\/\">&bdquo;Bertelsmann Republik Deutschland, Eine Stiftung macht Politik&ldquo;<\/a> hat die Diskussion wieder entfacht, ob die Bertelsmann Stiftung &bdquo;gemeinn&uuml;tzig&ldquo; ist und damit auch das Privileg der Steuerbeg&uuml;nstigung in Anspruch nehmen kann. Selbst der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Gunter Thielen f&uuml;hlte sich bem&uuml;&szlig;igt, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/leben\/medien\/artikel\/1\/politischer-einfluss-illusorisch\/\">sich zu verteidigen<\/a>.<br>\nKann es Sinn des Stiftungsgedankens sein, dass nicht der Stifter der Allgemeinheit eine &bdquo;Reformwerkstatt&ldquo; finanziert, sondern umgekehrt, die Allgemeinheit die Bertelsmann Stiftung subventioniert, die sich selbst zur &bdquo;Reformwerkstatt&ldquo; erkl&auml;rt und nach der Mission des Stifters die Politik, Gesetze und die &ouml;ffentliche Meinung beeinflusst und pr&auml;gt? Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Meinungs- und Gestaltungsmacht<\/strong><\/p><p>Bertelsmann hat nicht nur Meinungsmacht sondern auch Gestaltungsmacht, die weit &uuml;ber den Einfluss von Verb&auml;nden, Kirchen oder sogar Parteien hinausgeht.<\/p><p>Die Bertelsmann AG ist einer der weltgr&ouml;&szlig;ten Informations- und Diensleistungskonzern.<br>\nDer Bertelsmann AG geh&ouml;ren u.a.:<\/p><ul>\n<li>Random House, laut eigenen Angaben, die weltweit f&uuml;hrende Verlagsgruppe mit 120 Einzelverlagen: DVA, Heyne, K&ouml;sel, Luchterhand Literaturverlag; Goldmann, K&ouml;sel, Siedler u.v.a.m.<\/li>\n<li>die RTL Group: 32 Stationen europaweit. 200 Millionen Zuschauer t&auml;glich. In Deutschland: RTL Television, Super RTL, Vox oder N-TV.<\/li>\n<li>Ihr geh&ouml;ren 74,9 Prozent des gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Verlagshauses Gruner + Jahr. (Stern, Capital, FTD, manager-magazin und eine Vielzahl von Publikumszeitschriften Brigitte, Gala etc.) G+J hat wiederum eine Sperrminorit&auml;t von &uuml;ber 25 Prozent im Spiegel Verlag.<\/li>\n<li>100 Prozent  der Bertelsmann-Tochter Arvato AG, weltweit einer der gr&ouml;&szlig;ten Kommunikationsdienstleister u.a IT-Management, Customer Relationship Management bzw. Distribution. S&auml;mtliche Servicemodule f&uuml;r das Management von Kunden- bzw. B&uuml;rgerbeziehungen. Der Einstieg in &ouml;ffentliche Verwaltungen ist eines der Unternehmensziele.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Parteipolitisch neutral, aber mit gesellschaftspolitischer Mission<\/strong><\/p><p>Die Bertelsmann Stiftung ist insofern parteipolitisch neutral, als sie sich (mit Erfolg) an alle etablierten Parteien wendet und wenn Bertelsmann ruft auch alle Parteien kommen. Sie ist aber keineswegs gesellschaftspolitisch neutral, sondern der Mission ihres Stifters verpflichtet.<\/p><p>Diese Mission ist f&uuml;r jedermann nachlesbar:<\/p><ul>\n<li>Eine &uuml;ber den Wettbewerb hergestellte Effizienz als Steuerungsinstrument an Stelle von Mitbestimmung und demokratischer Gestaltung. Kurz: der Markt kann alles besser als der Staat. Zivilgesellschaftliches Engagement ist besser als steuerfinanzierte Daseinsvorsorge.<\/li>\n<li>Sozialstaat gilt als &uuml;berdehnt oder gar &uuml;berholt. (Liz Mohn: &bdquo;Der anonyme Wohlfahrtsstaat hat ausgedient, an seine Stelle tritt der soziale Staat, der vom b&uuml;rgerschaftlichen Engagement und vom solidarischen Verhalten aller lebt. Dass m&ouml;glichst viele verantwortungsvoll ihr K&ouml;nnen in den Dienst der Gemeinschaft stellen, das macht diesen Staat auf Dauer lebensf&auml;hig&ldquo; (Financial Times Deutschland vom 5. 12. 2006, Gastkommentar)<\/li>\n<li>Und immer geht es deshalb auch um ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates, eine Verringerung der Staatsquote und &ndash; als Mittel dazu &ndash; um die Senkung der Steuerlast.<br>\n&bdquo;Es ist ein Segen, dass uns das Geld ausgeht. Anders kriegen wir das notwendige Umdenken nicht in Gang&ldquo;, sagte Reinhard Mohn schon 1996 in einem <a href=\"?p=380\">Stern-Interview<\/a>.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Fiskus f&ouml;rdert die Aktivit&auml;ten der Stiftung<\/strong><\/p><p>Man liegt gewiss nicht falsch mit der Vermutung, dass Reinhard Mohn dadurch, dass er drei Viertel der Anteile an der Bertelsmann AG &bdquo;gestiftet&ldquo; hat, hohe Summen an Erbschafts- und\/oder Schenkungssteuer &bdquo;gespart&ldquo; hat. Zudem sind die j&auml;hrlichen Dividendezahlungen des Konzerns an die &bdquo;gemeinn&uuml;tzige&ldquo; Bertelsmann Stiftung steuerbeg&uuml;nstigt und die Vermutung d&uuml;rfte nicht unbegr&uuml;ndet sein, dass ein Gutteil des Etats der Stiftung &uuml;ber Steuerminderungen finanziert wird. Der Fiskus f&ouml;rdert also die Aktivit&auml;ten der Stiftung kr&auml;ftig mit.<\/p><p>Bei der Bertelsmann Stiftung handelt es sich nach vielen soziologischen Ansichten und Untersuchungen um eine Institution die vergleichbar ist mit einer ausgelagerten steuerbefreiten und sogar steuerbeg&uuml;nstigten Marktforschungs-, Marketing- und Vertriebsabteilung der Bertelsmann AG und Ihrer Tochterunternehmen, <a href=\"http:\/\/glocalist.com\/news\/kategorie\/kommentare\/titel\/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung\/\">insbesondere der Arvato AG<\/a>.<\/p><p><strong>Personelle Verflechtung zwischen Stiftung und Konzern<\/strong><\/p><p>Wenn der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen sagt, die Stiftung arbeite unabh&auml;ngig von den Interessen der Bertelsmann AG, so ist das vielleicht formal korrekt, allerdings ziemlich lebensfremd. Denn neben seiner Funktion als Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann Stiftung ist er gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der Bertelsmann AG. Auch die Gattin des Stiftungsgr&uuml;nders Reinhard Mohn und nach dessen Tod Oberhaupt der Eigent&uuml;merfamilie, Liz Mohn, ist stellvertretende Vorsitzende des Vorstand und des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung und gleichzeitig &ndash; so testamentarisch verf&uuml;gt &ndash; im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG. Dar&uuml;ber hinaus ist Liz Mohn Vorsitzende der Gesellschaftsversammlung und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH.<br>\nAuch Dr. Brigitte Mohn, die Tochter von Liz Mohn, die erst als Jugendliche erfuhr, dass Reinhard Mohn ihr leiblicher Vater ist, ist Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung und gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Bertelsmann AG und Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH.<\/p><p>Es ist lebensfremd, dass eine Stiftung, die mehr als drei Viertel der Kapitalanteile der AG h&auml;lt und dabei gleichzeitig personell so eng verflochten ist, keinen Einfluss auf die AG aus&uuml;ben w&uuml;rde. Nach dem Tod des Firmenpatriarchen titelte selbst die FAZ: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9\/Doc~E8353056443F8497F9E4DFF588E759278~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;Alle Macht f&uuml;r Liz Mohn&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Der verstorbene Firmenpatriarch Reinhard Mohn sah in seiner Stiftung einen &bdquo;Garanten der Unternehmenskontinuit&auml;t des Hauses Bertelsmann&ldquo;.<\/p><p><strong>Reform des Stiftungsrechts &agrave; la Bertelsmann<\/strong><\/p><p>Wenn Gunter Thielen weiter sagt, dass schon deshalb kein Versto&szlig; gegen die Gemeinn&uuml;tzigkeit vorliegen k&ouml;nne, weil die Stiftung regelm&auml;&szlig;ig von den Steuerbeh&ouml;rden und der Stiftungsaufsicht &uuml;berpr&uuml;ft w&uuml;rde, so ist das nur die halbe Wahrheit. <\/p><p>Zur ganzen Wahrheit geh&ouml;rt, dass die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Maecenata Institut bereits 1999 eine Expertenkommission ins Leben gerufen hat, die nach Pr&uuml;fsteinen f&uuml;r ein zuk&uuml;nftiges Stiftungs- und Gemeinn&uuml;tzigkeitsrecht suchte. Deren Arbeit wird dokumentiert in der Loseblattsammlung mit Erg&auml;nzungslieferungen: &ldquo;Expertenkommission zur Reform des Stiftungs- und Gemeinn&uuml;tzigkeitsrechts&rdquo;, Herausgeber: Bertelsmann Stiftung, Maecenata Institut f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.glocalist.com\/news\/kategorie\/kommentare\/titel\/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung\/\">Dritter-Sektor-Forschung<\/a>.<\/p><p>Das Stiftungsrecht in NRW wurde 2005, als Peer Steinbr&uuml;ck noch Ministerpr&auml;sident in NRW war, auch nach den Vorstellungen dieser Expertenkommission reformiert bzw. &bdquo;entb&uuml;rokratisiert&ldquo; wie man neudeutsch sagt.<\/p><p>Nach &sect; 7 soll die Stiftungsaufsichtsbeh&ouml;rde von einer eigenen Pr&uuml;fung absehen, wenn eine Stiftung von einem Wirtschaftspr&uuml;fer auf die satzungsgem&auml;&szlig;e Verwendung der Stiftungsmittel &uuml;berpr&uuml;ft wird.<\/p><p>Dass die Bertelsmann Stiftung die B&uuml;cher ordentlich f&uuml;hrt, soll nicht bestritten werden, nur, wie soll ein Wirtschaftspr&uuml;fer die &bdquo;Gemeinn&uuml;tzigkeit&ldquo; im Sinne des Steuerrechts testieren k&ouml;nnen?<\/p><p>Die Unterlagen &uuml;ber die Anerkennung und Beaufsichtigung der Stiftung unterliegen nach dem NRW-Stiftungsgesetz nicht dem allgemeinen Informationszugang nach dem Informationsfreiheitsgesetz NRW. Die &Ouml;ffentlichkeit hat also keinen Zugang.<\/p><p>Nebenbei bemerkt:<br>\nIn den USA d&uuml;rfen steuerbeg&uuml;nstigte Stiftungen nicht mehr als 20 Prozent eines Unternehmens halten, um m&ouml;glichen Interessenkonflikten vorzubeugen. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen sie ihre f&uuml;r ihre Ausgaben akribisch &ouml;ffentlich Rechnung ablegen.<\/p><p><strong>&Uuml;berall gilt Wettbewerb, nur f&uuml;r die Stiftung nicht<\/strong><\/p><p>Der Bertelsmann Stiftung wurden bei ihrer Gr&uuml;ndung 1977 76,9 Prozent der Anteile der Bertelsmann AG &uuml;bertragen. Seit ihrer Gr&uuml;ndung hat sie bisher rund 666 Millionen Euro in &uuml;ber 700 Projekte investiert und insgesamt rund 728 Millionen Euro f&uuml;r &raquo;gemeinn&uuml;tzige Arbeit&laquo; zur Verf&uuml;gung gestellt. Im Gesch&auml;ftsjahr 2007 hat sie aus Ertr&auml;gen der Bertelsmann AG 72 Millionen Euro erhalten, aufgrund von Kooperationen und Ertr&auml;gen aus der Verm&ouml;gensverwaltung verf&uuml;gte die Bertelsmann Stiftung &uuml;ber ein Volumen von knapp 84 Millionen Euro. Allein f&uuml;r die Bildungsaktivit&auml;ten standen 2006 knapp elfeinhalb Millionen Euro zur Verf&uuml;gung.<br>\nMit &uuml;ber 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bis zu 100 Projekte betreuen, hat sie sich seit den 1990er Jahren zu einem f&uuml;hrenden deutschen Think-tank entwickelt.<\/p><p>Das geradezu paradoxe am Verhalten der Bertelsmann Stiftung ist, dass sie zwar &uuml;berall nach Wettbewerb ruft, diesen Wettbewerb aber bei sich selbst konsequent verhindert. Das, nicht nur indem sie &bdquo;ausschlie&szlig;lich operativ&ldquo; arbeitet, d.h. nur ihre von ihr selbst initiierten Projekte f&ouml;rdert und keine Projektantr&auml;ge von au&szlig;erhalb zul&auml;sst, also wissenschaftlichen Pluralismus satzungsm&auml;&szlig;ig ausschlie&szlig;t, sondern indem sie dar&uuml;ber hinaus sich vor keinem Parlament und keinem Rechnungshof, ja nicht einmal vor einem Aufsichtsrat, der wenigstens unterschiedliche Interessen von Kapitalanlegern vertreten k&ouml;nnte, f&uuml;r den Einsatz ihrer Gelder und die damit verfolgten Ziele rechtfertigen muss.<\/p><p>Die Netzwerkarbeit und Projektentwicklung der Bertelsmann Stiftung ist so angelegt, dass sich die Akteure gar nicht mehr mit Gegenmeinungen und Kritik auseinandersetzen, dass sie Kritik in einer Haltung der Selbstgewissheit an sich abprallen lassen und so auftreten, als h&auml;tten sie die Richtigkeit und Wahrheit ihrer Konzepte von vorneherein und zweifelsfrei erkannt. Dieses Ausmerzen von fachlichen Gegenstimmen, demokratischer Willensbildung und umfassender B&uuml;rgeraufkl&auml;rung, das ist das Gef&auml;hrliche und der undemokratische Kern, dieser zugestandenerma&szlig;en perfekten Netzwerkarbeit. Nicht dass man die Argumente Andersdenkender &uuml;bernehmen m&uuml;sste, aber Kritik wahrzunehmen und sich damit auseinander zusetzen ist etwas anderes, als sie totzuschweigen bzw. &uuml;ber seinen Einfluss &uuml;ber die Medien einfach mundtot zu machen.<br>\nDas Spektrum der &Ouml;ffentlichen Meinung und der Politik wurde so nicht etwa erweitert, sondern im Gegenteil verengt und in einer Weise kanalisiert, wie es offen ausgewiesene Interessengruppen &ndash; wie z.B. Industrieverb&auml;nde oder PR-Organisationen, wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft &ndash; kaum zu erreichen verm&ouml;gen.<\/p><p>Es ist das Recht eines jeden Unternehmers, der meint, etwas zur Ver&auml;nderung der Gesellschaft Doch wer &ouml;ffentliche Aufgaben erf&uuml;llt, Gesetze ver&auml;ndern will, die in Gestaltungsrechte und Lebenschancen von Millionen B&uuml;rgern eingreift, der muss sich der &ouml;ffentlichen Auseinandersetzung stellen und sein gesellschaftspolitisches Konzept offen vertreten, wie das auch Parteien tun und tun m&uuml;ssen. Die &Ouml;ffentlichkeit muss den Einfluss nachvollziehen k&ouml;nnen und dar&uuml;ber abstimmen k&ouml;nnen. <\/p><p>&Uuml;ber Kanzlerin Merkel kann man abstimmen, &uuml;ber Bertelsmann nicht. Das Stiftungsverm&ouml;gen und die Mission des Stifters sind immer da und k&ouml;nnen die &ouml;ffentliche Meinung st&auml;rker beeinflussen (Meinungsmacht &uuml;ber die Medien), als alle Parteien oder Verb&auml;nde zusammen.<\/p><p><strong>Unter dem Etikett des &bdquo;zivilgesellschaftlichen Engagements&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der verstorbene Firmenpatriarch Reinhard Mohn begr&uuml;ndete seine Stiftungsaktivit&auml;ten pathetisch mit der &bdquo;Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums&ldquo; nach Artikel 14 des Grundgesetzes.<br>\nDie Stiftung lobt ihre &bdquo;L&ouml;sungsangebote&ldquo; als &bdquo;zivilgesellschaftliches Engagement&ldquo;. <\/p><p>Unter dem Zwang der leeren &ouml;ffentlichen Kassen greift der Staat die &bdquo;gemeinn&uuml;tzigen&ldquo; Dienstleistungen der Bertelsmann Stiftung nur allzu gerne auf.<br>\nJa noch mehr, er zieht sich vielfach schon aus seiner Verantwortung immer mehr zur&uuml;ck und &uuml;berl&auml;sst wichtige gesellschaftliche Bereiche wie etwa die Bildung oder die Hochschule gleich ganz den Selbsthilfekr&auml;ften dieses b&uuml;rgerschaftlichen Engagements.<br>\nAus dieser &bdquo;zivilgesellschaftlichen&ldquo; Staats- und Gesellschaftsvorstellung speist sich z.B. die Idee von der &bdquo;selbst&auml;ndigen Schule&ldquo; oder der &bdquo;Entlassung&ldquo; der Hochschule aus der staatlichen Verantwortung und ihre Steuerung &uuml;ber den Wettbewerb als <a href=\"?p=5228\">&bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Das &bdquo;zivilgesellschaftliche Engagement&ldquo; oder der &bdquo;Dienst an der Gemeinschaft&ldquo; sind allerdings eher &bdquo;Trojanische Pferde&ldquo;, mit denen demokratisch legitimierte parlamentarische und politische Macht zugunsten einer Herrschaft des gro&szlig;en Geldes zur&uuml;ckgedr&auml;ngt, wenn nicht sogar schon au&szlig;er Kraft gesetzt wird.<\/p><p>Die Rollenverteilung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen bei ihrem &bdquo;Dienst an der Gemeinschaft&ldquo; ergibt sich n&auml;mlich ziemlich naturw&uuml;chsig daraus, was eben der Einzelne mit seinem b&uuml;rgerschaftlichen Engagement zu leisten vermag.<br>\nDiejenigen, die nicht so viel Geld und Verm&ouml;gen haben, machen Sozialarbeit, also Altenpflege oder &Uuml;bungsleiter im Sportverein, die Verm&ouml;genden vergeben Forschungsauftr&auml;ge oder Stiftungslehrst&uuml;hle oder sie stiften gleich ganze Denkfabriken und pr&auml;gen damit den Gang der Wissenschaft oder den gesellschaftlichen Diskurs und bestimmen so die gesellschaftliche und die politische Weiterentwicklung.<br>\nDie letztgenannte &bdquo;zivilgesellschaftliche&ldquo; Macht st&uuml;tzt sich ausschlie&szlig;lich auf Reichtum und Verm&ouml;gen. Darauf, dass eben zum Beispiel der Bertelsmann-Konzern und seine Stiftung mehr Geld hat als jede andere private und staatliche Institution, Expertisen und Gutachten erstellen zu lassen, Kongresse zu veranstalten, Studien zu machen, um die Mission ihres Stifters zu verbreiten.<\/p><p><strong>Gemeinn&uuml;tzigkeit als Herrschaft der Besitzenden<\/strong><\/p><p>Diese Art von &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo; bef&ouml;rdert nicht nur die zunehmende materielle Ungleichheit zwischen Arm und Reich, sondern dieser Weg schlie&szlig;t &ndash; anders als das im Modell des Mehrheitsprinzips in der Demokratie vorgesehen ist &ndash; vor allem die gro&szlig;e Mehrheit der weniger wohlhabenden Bev&ouml;lkerung mehr und mehr von der politischen Teilhabe und von der Gestaltung ihrer gesellschaftlichen Zukunft aus.<\/p><p>Die Timokratie &ndash; eine Herrschaft der Besitzenden &ndash; droht die Demokratie abzul&ouml;sen.<br>\nUnd dieser schleichende Systemwechsel vom demokratischen Wohlfahrtsstaat zur Herrschaft des gro&szlig;en Geldes, wird sogar noch mit dem Pathos von &bdquo;Gemeinn&uuml;tzigkeit&ldquo; vorangetrieben und vom Staat steuerlich privilegiert.<\/p><p>Hatte im Feudalismus der Adel seine von Geburt und Stand erworbenen Privilegien, so genie&szlig;en im modernen Feudalismus, oder dem &bdquo;Meudalismus&ldquo; wie er oft schon genannt wird, die gro&szlig;en Verm&ouml;gen die Privilegien des Fiskus &ndash; auf Kosten der allgemeinen Steuerzahler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Buch von Thomas Schuler <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/andruck\/1255253\/\">&bdquo;Bertelsmann Republik Deutschland, Eine Stiftung macht Politik&ldquo;<\/a> hat die Diskussion wieder entfacht, ob die Bertelsmann Stiftung &bdquo;gemeinn&uuml;tzig&ldquo; ist und damit auch das Privileg der Steuerbeg&uuml;nstigung in Anspruch nehmen kann. 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