{"id":66039,"date":"2020-10-21T12:11:57","date_gmt":"2020-10-21T10:11:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66039"},"modified":"2020-11-06T09:42:45","modified_gmt":"2020-11-06T08:42:45","slug":"verschwoerungstheorien-aus-dem-netz-eine-irrefuehrende-kampagne-zur-verteidigung-der-deutungshoheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66039","title":{"rendered":"Verschw\u00f6rungstheorien aus dem Netz \u2013 eine irref\u00fchrende Kampagne zur Verteidigung der Deutungshoheit"},"content":{"rendered":"<p>Es werden immer mehr Verschw&ouml;rungstheorien verbreitet und die kommen aus dem Netz. Diese beiden Thesen werden in letzter Zeit in einem aufgeregten Stakkato sowohl von klassischen Printmedien wie dem SPIEGEL als auch vom &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet &ndash; erst am Wochenende hatten wir auf die ZDF-Sendung &bdquo;Ein Fall f&uuml;r Lesch &amp; Steffens &ndash; Die Wahrheit &uuml;ber die L&uuml;ge&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65949\">aufmerksam gemacht<\/a>, die diese beiden Thesen wiedergibt. Haltbar sind diese Thesen jedoch nicht. Warum also diese Kampagne? Es handelt sich hierbei um ein Paradebeispiel einer Methode, die Albrecht M&uuml;ller in seinem Buch &bdquo;Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst&ldquo; als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61785\">Wippschaukeleffekt<\/a>&ldquo; bezeichnet &ndash; je d&uuml;sterer Internetmedien dargestellt werden, desto heller strahlen die klassischen Medien. Es geht um die Verteidigung der Deutungshoheit und gezielt wird dabei auch auf uns. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8447\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-66039-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=66039-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201021_Verschwoerungstheorien_aus_dem_Netz_eine_irrefuehrende_Kampagne_zur_Verteidigung_der_Deutungshoheit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bevor wir uns die Thesen n&auml;her anschauen, sollten zun&auml;chst einmal ein paar Fragen zur Definition beantwortet werden. Der Begriff &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; ist an sich ja ein neutraler Begriff. Er bezeichnet eine Arbeitshypothese, mit der man die M&ouml;glichkeit &uuml;berpr&uuml;ft, dass sich mehrere Personen oder Institutionen im Geheimen verabredet, also verschworen, haben, eine Tat zu begehen. Jedem Kriminalbeamten, aber auch jedem Journalisten sollte dieser Ansatz bekannt vorkommen. Diese Definition soll hier jedoch erst einmal keine Rolle spielen, da der Begriff in der &ouml;ffentlichen Debatte ganz anders verwendet wird. <\/p><p>Wenn in den klassischen Medien von Verschw&ouml;rungstheorien die Rede ist, geht es vielmehr meist um wilde Spekulationen, die ein wenig &bdquo;spinnert&ldquo; klingen und es ja meist auch sind. Dies ist durchaus im Sinn derer, die den Begriff f&uuml;r Kampagnen nutzen, da sich gerade diese &bdquo;spinnerten&ldquo; Geschichten gut zur Meinungsmache eignen. Wer w&uuml;rde schon ernsthaft ein Medium verteidigen, das die These vertritt, dass die M&auml;chtigen dieser Welt in Wahrheit au&szlig;erirdische Echsenwesen sind, die die Menschheit versklaven wollen? Diese These stammt &uuml;brigens aus einem <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A1798280\">Buch<\/a> des Verschw&ouml;rungstheoretikers David Icke aus dem Jahr 1999 &ndash; einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und noch niemand sich &uuml;ber grassierende Verschw&ouml;rungstheorien beklagte. Warum eigentlich?<\/p><p><strong>These 1: Es werden immer mehr Verschw&ouml;rungstheorien verbreitet<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle eine auch nur halbwegs umfassende &Uuml;bersicht zur Geschichte der Verschw&ouml;rungstheorien darzustellen, w&uuml;rde den Rahmen sprengen. Wer sich tiefer mit der Thematik besch&auml;ftigen will, dem sei das &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A26808032\">Lexikon der Verschw&ouml;rungstheorien<\/a>&ldquo; von Robert Anton Wilson empfohlen. Bestimmend in der &ouml;ffentlichen Debatte waren klassische Verschw&ouml;rungstheorien erstmals in den 1950er und 1960er Jahren, als in den USA hinter allem und jedem, was dem damals vorherrschenden reaktion&auml;ren Weltbild widersprach, eine internationale kommunistische Weltverschw&ouml;rung gesehen wurde &ndash; getragen von Freimaurern, Illuminaten und Juden. In der &bdquo;McCarthy-&Auml;ra&ldquo; f&uuml;hrten diese Verschw&ouml;rungstheorien zu Schwarzen Listen und Berufsverboten. Sp&auml;ter wurden diese Verschw&ouml;rungstheorien von ultrarechten Think Tanks wie der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/John_Birch_Society\">John Birch Society<\/a> am Leben gehalten und immer wieder in B&uuml;chern weitergesponnen, wie in dem 1991 erschienenen Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_New_World_Order_(Robertson_book)\">The World Order<\/a>&ldquo; des TV-Predigers und Radiomoderators Pat Robertson.<\/p><p>Die modernen Verschw&ouml;rungstheorien, &uuml;ber die derzeit so aufgeregt berichtet wird, wie Pizza-Gate oder QAnon, bauen letztendlich nur auf diesen weitaus &auml;lteren Geschichten auf und sind im Kern weder neu noch &ndash; in welcher Form auch immer &ndash; erfolgreicher als diese. Es ist auch nicht richtig, dass immer mehr Menschen an derartige Verschw&ouml;rungstheorien glauben oder sie h&auml;ufiger verbreiten w&uuml;rden. W&auml;hrend des Kalten Krieges geh&ouml;rte es in den erzkonservativen Kreisen dies- und jenseits des Atlantiks durchaus zum guten Ton, an eine kommunistische Weltverschw&ouml;rung zu glauben und in den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte war der Glaube an eine j&uuml;dische Weltverschw&ouml;rung ja ebenfalls nicht gerade selten. Wer heute von einem Boom der Verschw&ouml;rungstheorien spricht, scheint dies zu vergessen oder zu verdr&auml;ngen.<\/p><p><strong>These 2: Verschw&ouml;rungstheorien kommen aus dem Netz<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re wohl sinnlos, eine Affinit&auml;t &bdquo;des Internets&ldquo; zu Verschw&ouml;rungstheorien zu leugnen. Schon lange bevor es das bunte World Wide Web gab, geh&ouml;rten Verschw&ouml;rungstheorien in den Usenet-Foren zu den beliebtesten Themen und wurden eine Art &bdquo;Internetfolklore&ldquo;, die sich selbst nicht immer so f&uuml;rchterlich ernst nahm &ndash; so geh&ouml;rte die 1994 ausgedachte &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bielefeld-Verschw%C3%B6rung\">Bielefeld-Verschw&ouml;rung<\/a>&ldquo;, die die Existenz der Stadt Bielefeld abstreitet, lange Zeit zu den beliebtesten Themen im deutschsprachigen Usenet. Sp&auml;ter waren es in Deutschland vor allem die Foren des Heise-Verlags, die eine magische Anziehung auf Verschw&ouml;rungstheoretiker &ndash; und Trolle &ndash; aus&uuml;bten. In den USA machte hier vor allem das Imageboard 4chan von sich Reden. Wer nun aber denkt, diese Internetmedien h&auml;tten die Verschw&ouml;rungstheorien &bdquo;erfunden&ldquo;, irrt.<\/p><p>Mit Ausnahme skurriler Einzelf&auml;lle, wie der &bdquo;Bielefeld-Verschw&ouml;rung&ldquo;, wurden und werden in diesen Internetmedien meist nur Verschw&ouml;rungstheorien aufgegriffen und diskutiert, die von anderen, traditionellen Medien in die Welt gesetzt wurden. Dazu geh&ouml;ren ganz klassische B&uuml;cher (s.o.), aber vor allem in den USA auch die ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten &bdquo;Radio-Talks&ldquo;. Ber&uuml;hmtber&uuml;chtigte Verschw&ouml;rungstheoretiker wie Pat Robertson oder Alex Jones waren bzw. sind allen voran Radiomoderatoren, die ihre Thesen mit gro&szlig;er Reichweite &uuml;ber ihre eigenen Radiosender verbreiteten, bevor sie im Internet zweitverwertet wurden. <\/p><p>Richtig ist jedoch, dass Verschw&ouml;rungstheorien vor allem im Internet diskutiert werden. Aber wo sollen sie denn auch sonst diskutiert werden? Wer nicht das Privileg einer eigenen Zeitungskolumne, Radio- oder Fernsehsendung hat, dem bleibt ja auch kaum etwas anderes &uuml;brig, als derartige Themen online zu diskutieren &ndash; was traditionell unter vier oder mehr Augen am Stammtisch diskutiert wird, ist ja f&uuml;r Au&szlig;enstehende nicht wahrnehmbar. Die Vorstellung, dass Verschw&ouml;rungstheorien eine &bdquo;Erfindung&ldquo; des Netzes seien, ist jedoch nicht haltbar. <\/p><p><strong>Verschw&ouml;rungstheorien und die klassischen Medien<\/strong><\/p><p>Bis hierhin wurde der Begriff &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; genau in jenem pejorativen Sinn gebraucht, der in der medialen Berichterstattung vorherrscht. Das ist n&ouml;tig, um die Debatte zu erweitern und die neue Lust klassischer Medien an diesem Themenkomplex zu verstehen. Nicht umsonst behandelten beispielsweise Harald Lesch und Dirk Steffens in ihrer TV-Sendung &bdquo;Die Wahrheit &uuml;ber die L&uuml;ge&ldquo; eben jene skurrilen Beispiele f&uuml;r Verschw&ouml;rungstheorien, mit denen man vortrefflich Stimmung machen kann. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit den Printmedien und ihrem Spleen f&uuml;r QAnon oder das Treiben von Personen wie Atilla Hildmann. Drehen wir die Definition doch einfach einmal um. Welche Verschw&ouml;rungstheorien wurden in den klassischen Medien verbreitet?<\/p><p>1990 meldeten beispielsweise fast alle Zeitungen und Fernsehsender, dass irakische Soldaten im besetzten Kuwait S&auml;uglinge aus Brutk&auml;sten rissen und auf dem kalten Boden elendig verrecken lie&szlig;en. Die Nachricht schlug ein, die &bdquo;Weltgemeinschaft&ldquo; war emp&ouml;rt und George Bush konnte seine lang geplante Invasion des Irak starten. Was folgte, war der erste Irakkrieg, Sanktionen und rund&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Irak\/embargo.html\">1.500.000 Tote<\/a>. Sp&auml;ter kam heraus, dass die Story eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33071\">astreine PR-L&uuml;ge<\/a>&nbsp;der Agentur Hill &amp; Knowlton im Auftrag der kuwaitischen Exil-Regierung war. Die &bdquo;Brutkastenl&uuml;ge&ldquo; war somit eine klare Verschw&ouml;rungstheorie, die von den klassischen Medien willf&auml;hrig weiterverbreitet wurde.<\/p><p>Fast zehn Jahre sp&auml;ter, im April 1999, zeigten auch deutsche Medien, wie man erfolgreich Verschw&ouml;rungen unters Volk bringt. Im Kosovo verfolgten die Serben einen &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hufeisenplan\">Hufeisenplan<\/a>&ldquo;; Kosovaren w&uuml;rden in Katakomben zusammengetrieben, nun m&uuml;sse die Menschheit ein &bdquo;zweites Auschwitz&ldquo; verhindern. Auch in der Tagesschau liefen diese Meldungen, so wie im SPIEGEL und allen anderen so &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; Qualit&auml;tsmedien. Die Deutschen glaubten die Meldungen, waren emp&ouml;rt und die rot-gr&uuml;ne Regierung konnte das Volk auf den ersten deutschen Angriffskrieg seit 1945 einstimmen. Der Wahrheitsgehalt dieser Meldungen? Es waren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZtkQYRlXMNU\">L&uuml;gen<\/a> &ndash; eine Verschw&ouml;rung, die rund&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/3821372\/kosovo-krieg-tausende-opfer-und-keine-tater\">13.000 Opfer<\/a> forderte. Wer damals die Erkl&auml;rungen der Bundesregierung und der NATO hinterfragt hatte, war nach g&auml;ngiger Lesart ein Verschw&ouml;rungstheoretiker. <\/p><p>Dass Verschw&ouml;rungstheorien auch von allerh&ouml;chster Stelle kommen k&ouml;nnen, bewies US-Au&szlig;enminister Colin Powell am 5. Februar 2003 vor dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Begr%C3%BCndung_des_Irakkriegs\">UN-Sicherheitsrat<\/a>. Faktenreich &ndash; heute w&uuml;rde man wohl eher &bdquo;postfaktisch&ldquo; sagen &ndash; legte er dort Beweise vor, aus denen klipp und klar hervorgehen sollte, dass Irak Massenvernichtungswaffen besitze. Und da die Quelle ja &uuml;ber jeden Zweifel erhaben war, zeigten die Medien weltweit Powells PowerPoint-Folien und lieferten Bush jr., Blair und ihrer &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; damit die R&uuml;ckendeckung f&uuml;r den Zweiten Irakkrieg. Massenvernichtungswaffen wurden nicht gefunden, Powells &bdquo;Beweise&ldquo; waren F&auml;lschungen, die ganze Kriegsbegr&uuml;ndung eine Verschw&ouml;rung, die sp&auml;ter 500.000 Menschenleben ausl&ouml;schen sollte. <\/p><p>In allen drei F&auml;llen haben die klassischen Medien ein blamables Bild abgegeben und sich auf Knopfdruck entweder selbst zum Verschw&ouml;rungstheoretiker oder zum Mitverschw&ouml;rer gemacht. W&auml;ren dies keine guten Stories f&uuml;r eine Sendung mit dem Titel &bdquo;Die Wahrheit &uuml;ber die L&uuml;ge&ldquo;? Inhaltlich ja, methodisch wohl nicht, da sie das Schlaglicht auf die klassischen Medien und deren Journalisten, aber nicht auf das &bdquo;b&ouml;se Netz&ldquo; und seine Bewohner richten.<\/p><div class=\"donateNotice\"><p>Die Zugriffe bei den NachDenkSeiten wachsen. Die Arbeit w&auml;chst. Und auch der Aufwand. Wir bitten (auch) unsere neuen Leserinnen und Leser um Unterst&uuml;tzung.<br><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=7726\">Das geht so ...<\/a><\/p><\/div><p><strong>&bdquo;Das Internet&ldquo; gibt es nicht<\/strong><\/p><p>Wer ist &uuml;berhaupt &bdquo;das Netz&ldquo;? In einschl&auml;gigen Berichten ist immer wieder entweder vom &bdquo;Netz&ldquo; oder von den &bdquo;sozialen Medien&ldquo; die Rede. Die Schlagrichtung ist klar &ndash; das (von echten Fernseh- oder Radiosendern) gesprochene oder (von echten Zeitungen auf Papier) geschriebene Wort ist glaubw&uuml;rdiger als alle Informationen, die man &bdquo;im Netz&ldquo; so findet. Das ist ein Generalangriff, der sich auch auf redaktionelle Medien wie Telepolis oder die NachDenkSeiten richtet, die online erscheinen. Doch diese Unterscheidung ist unsinnig, handelt es sich beispielsweise bei den NachDenkSeiten doch um ein redaktionelles Medium, das sich rein strukturell &uuml;berhaupt nicht von einem klassischen Medium, wie beispielsweise der FAZ, unterscheidet. Hier und da gibt es Redaktionen, die eigene Artikel und Gastartikel schreiben, pr&uuml;fen, redigieren und ver&ouml;ffentlichen. Technisch macht es dabei kaum einen Unterschied, ob der Artikel danach online geht oder in hunderttausendfacher Auflage auf Papier gedruckt wird. Insofern ist es h&ouml;chst problematisch, wenn alternative Medien wie die NachDenkSeiten, die online in Form eines Weblogs oder k&uuml;rzer Blogs erscheinen, nun als &bdquo;soziale Medien&ldquo; bezeichnet werden. <\/p><p>Polemisch k&ouml;nnte man ja mal fragen: Was ist so &bdquo;sozial&ldquo; an den NachDenkSeiten? Wir sind kein soziales, sondern ein redaktionelles Medium. Soziale Medien im herk&ouml;mmlichen Sinne sind ja eben keine redaktionellen Medien, sondern Softwareplattformen, auf denen jedermann ohne jegliche redaktionelle Kontrolle Inhalte verbreiten kann. Dazu geh&ouml;ren beispielsweise Facebook und Twitter, aber auch die Videoplattform YouTube. Dass es dort, wo jedermann nahezu unkontrolliert &bdquo;frei nach Schnauze&ldquo; schreiben oder reden darf, auch falsche und qualitativ minderwertige &Auml;u&szlig;erungen gibt, versteht sich von selbst. Aber ist das eine Nachricht? <\/p><p>Dass es auch bei redaktionellen Medien falsche und qualitativ minderwertige &Auml;u&szlig;erungen gibt, ist ebenso Fakt. Aber auch das ist keine Frage der Erscheinungsform und noch nicht einmal eine Frage der Gr&ouml;&szlig;e. Wer k&auml;me auf die Idee, die FAZ mit der B&auml;ckerblume gleichzusetzen, nur weil beide redaktionelle Medien sind, die auf Papier gedruckt werden? Deutschlands massivste Fake-News-Schleuder ist bekanntlich die BILD, ein Papiermedium mit klassischer Redaktion. K&auml;men Harald Lesch und Dirk Steffens auf die Idee, sich die gr&ouml;&szlig;ten L&uuml;gen der BILD vorzunehmen und dies mit der pauschalen Aussage zu verbinden, gedruckte Zeitungen w&uuml;rden L&uuml;gen verbreiten? So richtig eine solche Aussage im Einzelfall &ndash; sowohl f&uuml;r Internet- als auch f&uuml;r Papier-Medien &ndash; sein mag, so falsch w&auml;re es, dies zu pauschalisieren. Lesch, Steffens und ihre Kollegen von den klassischen Medien machen jedoch genau dies, wenn sie immer wieder &ndash; direkt oder zwischen den Zeilen &ndash; von &bdquo;dem Internet&ldquo;, &bdquo;Internetmedien&ldquo; oder &bdquo;sozialen Medien&ldquo; sprechen und diese als Verschw&ouml;rungstheoretiker diffamieren.<\/p><p><strong>Der Wippschaukeleffekt und die Deutungshoheit<\/strong><\/p><p>Was ist der Zweck dieser Kampagne? Und von einer Kampagne muss man leider alleine schon aufgrund der H&auml;ufung ja ausgehen. Sehen wir es doch einmal so: Je negativer, unglaubw&uuml;rdiger und skurriler man &bdquo;das Internet&ldquo; darstellt, desto glaubw&uuml;rdiger wirken im Umkehrschluss die klassischen Medien. &bdquo;Das Internet&ldquo; spinnt Verschw&ouml;rungstheorien, die Faktenchecker der klassischen Medien kl&auml;ren auf und am Ende ordnen die Redaktionen der klassischen Medien die Versatzst&uuml;cke dann auch noch portionsgerecht f&uuml;r den Leser ein. Je d&uuml;sterer &bdquo;das Netz&ldquo;, desto strahlender die vermeintlich seri&ouml;se redaktionelle Arbeit der klassischen Medien. Deren Ruf ist zwar angeschlagen, aber solange man dem Publikum belegen kann, dass diejenigen, die den Ruf infrage stellen, ja Teil eines diffusen Sumpfes seien, wird die Kritik als solche diskreditiert. Wir haben es also mit einer PR-Kampagne zu tun; eine PR-Kampagne, die mit unlauteren Mitteln vorgeht. <\/p><p>Dass diese Kampagne zum Teil leider sogar erfolgreich ist, hatte Albrecht M&uuml;ller bereits im Juni in seinem Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61681\">Der Kampfbegriff einer super gro&szlig;en Koalition: Verschw&ouml;rungstheoretiker!<\/a>&ldquo; thematisiert und analysiert. Noch heute hei&szlig;t es beispielsweise <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NachDenkSeiten\">in der Wikipedia<\/a>, die NachDenkSeiten &bdquo;s&auml;hen sich in den letzten Jahren jedoch vermehrt dem Vorwurf ausgesetzt, Verschw&ouml;rungstheorien zu verbreiten.&ldquo; Kein Einzelfall. Im Eintrag zu den Kollegen von &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telepolis\">Telepolis<\/a>&ldquo; ist zu lesen, sie &bdquo;bedienten Verschw&ouml;rungstheorien wie die von der L&uuml;genpresse und verkauften diese als seri&ouml;se Nachrichten&ldquo;. <\/p><p>Das ist interessant. Wer wirft den NachDenkSeiten denn vor, konkret an welcher Stelle Verschw&ouml;rungstheorien zu verbreiten? Wenn man den Begriff &ndash; so ist es dann ja auch wohl gemeint &ndash; im pejorativen Sinne verwendet, ist der Vorwurf abstrus. Leser der NachDenkSeiten wissen das auch. Wer die NachDenkSeiten jedoch (noch) nicht kennt und auch nicht wei&szlig;, dass die Wikipedia weder seri&ouml;s noch neutral ist, kommt bei diesem Satz nat&uuml;rlich schnell ins Schlingern &ndash; auch und gerade, wenn er noch die einschl&auml;gigen Berichte von Lesch und Co. im Hinterkopf hat. So schlie&szlig;t sich der Kreis und Kritiker werden diskreditiert. Oder ist das jetzt auch eine Verschw&ouml;rungstheorie?<\/p><p>Titelbild: Media Whalestock\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/45d6158c3ca54c3696765bb30880ed8c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es werden immer mehr Verschw&ouml;rungstheorien verbreitet und die kommen aus dem Netz. Diese beiden Thesen werden in letzter Zeit in einem aufgeregten Stakkato sowohl von klassischen Printmedien wie dem SPIEGEL als auch vom &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet &ndash; erst am Wochenende hatten wir auf die ZDF-Sendung &bdquo;Ein Fall f&uuml;r Lesch &amp; Steffens &ndash; Die Wahrheit &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66039\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":66040,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,123,41,11],"tags":[2218,1611,2669,1113,682,2759],"class_list":["post-66039","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-kriegsluegen","tag-leitmedien","tag-soziale-medien","tag-verschwoerungstheorie","tag-wippschaukeleffekt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/shutterstock_785406148.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66039"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66059,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66039\/revisions\/66059"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/66040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}