{"id":66066,"date":"2020-10-22T09:22:10","date_gmt":"2020-10-22T07:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66066"},"modified":"2020-10-23T17:00:39","modified_gmt":"2020-10-23T15:00:39","slug":"brasilien-nach-waldbraenden-und-corona-massentod-die-notwendige-weltweite-finanzielle-und-politische-isolierung-des-bolsonaro-regimes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66066","title":{"rendered":"Brasilien: Nach Waldbr\u00e4nden und Corona-Massentod die notwendige, weltweite finanzielle und politische Isolierung des Bolsonaro-Regimes"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 10. Oktober, als die j&uuml;ngste Hochrechnung der Covid-19-Pandemie das 150.000. Todesopfer in Brasilien vermeldet und die Stimmung im Lande auf ein emotionales Tief dr&uuml;ckt, ist Pr&auml;sident Jair Bolsonaro von keinerlei Beileid ber&uuml;hrt, sondern unternimmt eine Spazierfahrt mit dem Motorrad am Strand von Guaruj&aacute; bei S&atilde;o Paulo und l&auml;sst sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MRFql40ZaZM\">von seinen Bodyguards filmen<\/a>. Auf Twitter feiern seine Anh&auml;nger die Szene mit Ausschnitten aus der Titelmusik &bdquo;Born to be wild&ldquo; des Kultfilms &bdquo;Easy Rider&ldquo; mit Dennis Hopper und Peter Fonda. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2998\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-66066-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=66066-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201022-Brasilien-nach-Waldbraenden-und-Corona-Massentod-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als Reaktion auf die verletzende Indifferenz gegen&uuml;ber menschlichem Leben und der Natur fanden am darauffolgenden Sonntag, den 11. Oktober, in 19 L&auml;ndern, einschlie&szlig;lich Deutschlands, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=F5VNoMA-Aw0\">Proteste unter der Parole &bdquo;Stop Bolsonaro&ldquo;<\/a> statt. Seit Juni 2020 prangert die weltweite Bewegung &bdquo;die Zerst&ouml;rung der brasilianischen Nation an&ldquo;, die von einer &bdquo;faschistischen, genozidalen und &ouml;kozidalen Regierung&ldquo; gef&ouml;rdert werde. Einer ihrer Ableger nennt sich <a href=\"https:\/\/www.defundbolsonaro.org\/\">&bdquo;defund Bolsonaro&ldquo;<\/a>, eine Kampagne, die das Ziel verfolgt, dem Bolsonaro-Regime die weltweiten Finanzierungs- und Investitionsmittel zu entziehen.<\/p><p><strong>Wild oder pervers?<\/strong><\/p><p>Nicht nur politische Aktivisten, sondern auch so manche Psychoanalytiker wie der kritische Deutsch-Brasilianer Christian Dunker zweifeln an Bolsonaros Geisteszustand. Doch zunehmend auch Publizisten. Bereits vier Monate nach seinem Amtsantritt prangerte die popul&auml;re <em>El-Pa&iacute;s<\/em>-Kolumnistin Eliane Brum mit dem Titel <a href=\"https:\/\/brasil.elpais.com\/brasil\/2019\/04\/10\/opinion\/1554907780_837463.html\">&bdquo;Einhundert Tage unter der Herrschaft der Perversen&ldquo;<\/a> die dystopischen, nekrophilen Z&uuml;ge des Regimes an. Selbst die deutsche Tagesschau bezeichnete die ersten 18 Monate von Bolsonaros Amtszeit als eine &bdquo;Schreckensbilanz&ldquo;.<\/p><p>Der Hang des Pr&auml;sidenten zur Perversion dr&uuml;ckte sich zun&auml;chst in seinen frauen-, homosexuellen-, schwarzen- und indianerfeindlichen Ausf&auml;llen aus und setzte sich fort mit der Leugnung der Covid-19-Pandemie, dem offenen Boykott sanit&auml;rer Grundma&szlig;nahmen, der kaltbl&uuml;tigen Indifferenz gegen&uuml;ber dem Massensterben am Virus, mit S&auml;tzen wie &bdquo;Na und?&ldquo; sowie mit seiner Umweltpolitik der verbrannten Erde. Der krankhafte Charakterzug pr&auml;gt allerdings auch das Auftreten mehrerer Milit&auml;rs in der Regierung, wie zum Beispiel das von Bolsonaros Vize, Amazonien-Beauftragtem und Unterh&auml;ndlers mit der Europ&auml;ischen Union, General Hamilton Mour&atilde;o. J&uuml;ngst von der <em>Deutschen Welle TV<\/em> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=G8Jcipr23E8\">interviewt<\/a>, leugnete der Milit&auml;r nicht nur die Umweltvernichtung in Amazonien, sondern sang im Chor mit Bolsonaro eine Lobeshymne auf seinen fr&uuml;heren Ausbilder und angeklagten, ber&uuml;chtigten Folterer der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985), Heeresoberst Carlos Alberto Brilhante Ustra, der Gest&auml;ndnisse erzwang, indem er weiblichen politischen Gefangenen Ratten in die Vagina jagen lie&szlig;. Juan Arias, <em>El-Pa&iacute;s<\/em>-Korrespondent in Brasilien, betitelte sodann einen seiner Kommentare mit den Worten <a href=\"https:\/\/brasil.elpais.com\/brasil\/2019\/06\/07\/opinion\/1559904673_922520.html\">&bdquo;Die brasilianische Regierung und ihre &acute;Todesagenda&acute;&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Infame L&uuml;gen und falsche Anschuldigungen vor der UNO<\/strong><\/p><p>Die gequ&auml;lten Regenw&auml;lder und ihre V&ouml;lker best&auml;tigen Arias. Ursache der katastrophalen Br&auml;nde und Waldrodungen in Amazonien und dem weltgr&ouml;&szlig;ten Feuchtgebiet Pantanal sind seit Mitte 2019 zwei Dutzend Regierungsbeschl&uuml;sse. In enger Abstimmung mit den Milit&auml;rs, die das Bolsonaro-Regime aus der Taufe hoben, und dem machtvollen Agrobusiness f&auml;hrt Umweltminister Salles einen Kurs der programmierten Aush&ouml;hlung seines Ministeriums (MMA) und dessen Einzelbeh&ouml;rden. Radikale Mittelk&uuml;rzung, Entlassung politisch missliebiger Wissenschaftler des die Br&auml;nde verfolgenden Nationalen Instituts f&uuml;r Weltraumforschung (INPE), Abbau von Inspektionsstellen und Brandbek&auml;mpfungs-Brigaden und nicht zuletzt die Anstiftung zu &Uuml;berf&auml;llen auf Indianerland mit dem Ziel illegaler Abholzung, Ausdehnung von Soja-Monokulturen, Viehweiden und Bergbau verwandelten das MMA in ein umweltfeindliches Ministerium mit verheerenden Folgen.<\/p><p>Nach Angaben des in Realzeit arbeitenden Deforestation Detection Systems (Deter) stieg zwischen Juni und August 2020 die Zahl der abgeholzten Waldfl&auml;chen Amazoniens gegen&uuml;ber 2019 um 25 Prozent, die Zahl der Waldbr&auml;nde (von Januar bis August 2020, insgesamt 44.013 Brandstellen) gar um 66,5 Prozent. Seit Jahresbeginn 2020 wurden ebenfalls im weltgr&ouml;&szlig;ten Feuchtgebiet Pantanal, an der Grenze zu Paraguay und Bolivien gelegen, mindestens zwei Millionen Hektar &ndash; 12 Prozent der Gesamtfl&auml;che &ndash; durch 10.153 Br&auml;nde zerst&ouml;rt. Es handelt sich um die alarmierendsten Zahlen seit 2007.<\/p><p>Doch den Tatsachen setzten Bolsonaro, Salles und Mour&atilde;o ein perverses Narrativ entgegen. Als am 5. September in Brasilien der &bdquo;Amazonien-Tag&ldquo; gefeiert wurde, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ei76ULTV7Rk\">behauptete der rechtsradikale Regierungschef<\/a> tats&auml;chlich, &bdquo;Brasilien verdient Gl&uuml;ckw&uuml;nsche, es ist das Land, das weltweit am meisten die Umwelt sch&uuml;tzt&ldquo;, und beschimpfte einheimische und internationale Regenwald-NGOs als &bdquo;parasit&auml;res Krebsgeschw&uuml;r&ldquo;. General Mour&atilde;o wiederum beschuldigte das INPE der Verbreitung &bdquo;negativer Daten &uuml;ber den Amazonas&ldquo;, als ob die Waldzerst&ouml;rung nicht auch von anderen Satelliten auf der Welt verfolgt werden k&ouml;nne.<\/p><p>Drei Wochen sp&auml;ter, zum 75. Gr&uuml;ndungs-Jahrestag der UNO, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=l4K9Tk5z-po\">behauptete Bolsonaro<\/a> in der Er&ouml;ffnungsrede, Brasilien sei &bdquo;Opfer einer brutalen Desinformationskampagne&ldquo;, wogegen er eine l&auml;cherliche Verschw&ouml;rungstheorie in Szene setzte: Nicht etwa die Gro&szlig;grundbesitzer und Landr&auml;uber, sondern die indianischen Gemeinden und Caboclos (Mischlinge) h&auml;tten die Br&auml;nde verursacht. Jamil Chade, Genfer Korrespondent der Tageszeitung Folha de S. Paulo, bezeichnete Bolsonaros Ansprache als &bdquo;Parade eines Scharlatans, Illusionsverk&auml;ufers und Betr&uuml;gers&ldquo;. Organisationen wie das brasilianische Observat&oacute;rio do Clima beschrieben die Ansprache als &bdquo;inszenierten Wahnwitz&ldquo; und Global Justice unterstellte Bolsonaro die &bdquo;Kriminalisierungs-Absicht von Menschenrechts- und Umweltsch&uuml;tzern&ldquo;. Einem Bericht von <em>El Pa&iacute;s<\/em> (14.10.2010) zufolge, geht die Paranoia gegen Umweltsch&uuml;tzer so weit, dass das Bolsonaro-Regime vier Spione zur Bespitzelung von NGOs in den Madrider Klimagipfel vom vergangenen Dezember 2019 eingeschleust habe.<\/p><p><strong>Kapitalflucht, Vertragsk&uuml;ndigung, Import- und Investitions-Boykotte: Bleibt es bei blo&szlig;en Ermahnungen?<\/strong><\/p><p>Wegen der erratischen Wirtschaftspolitik von Bolsonaros Wirtschaftsminister Paulo Guedes zogen von Januar 2019 bis Mai 2020 internationale Anleger nicht weniger als 50,9 Milliarden US-Dollar aus Brasilien ab. In vielfachen Formen nahm der internationale Druck auf Bolsonaro allerdings nach dem verheerenden Umgang mit der Covid-19-Pandemie und der Umwelt zu.<\/p><p>Im Mai verbreiteten gro&szlig;e britische Einzelhandelsketten &ndash; wie Tesco, Asda, Weitrose, J Sainsbury und Marks &amp; Spencers &ndash; einen <a href=\"https:\/\/www.retailsoygroup.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Letter-from-Business-on-Amazon.pdf\">Offenen Brief<\/a> an das brasilianische Parlament mit ihrer Kritik am Regierungserlass Bolsonaros, der die illegale Besetzung und Abholzung von 570.000 Quadratkilometern Regenwald genehmigte. Auch Teile der deutschen Supermarktketten Lidl, Aldi und der Rewe-Gruppe schlossen sich der Initiative an, die zwar diplomatisch formuliert, im Fall anhaltender Regenwaldzerst&ouml;rung den Boykott von brasilianischen Agrarprodukten aber nicht ausschlie&szlig;t.<\/p><p>Ende Juni zogen unter F&uuml;hrung des norwegischen Storebrand-Fonds 43 Investment-Konzerne nach und forderten von der Bolsonaro-Regierung in einem <a href=\"https:\/\/uk.reuters.com\/article\/us-brazil-environment-investors\/global-investors-demand-to-meet-brazil-diplomats-over-deforestation-idUKKBN23U0L8#:~:text=BRASILIA%20(Reuters)%20-%20A%20group,deforestation%20in%20the%20Amazon%20rainforest\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Offenen Brief<\/a> &bdquo;ein klares Bekenntnis zum Ende der Entwaldung und zum Schutz der Rechte indigener V&ouml;lker&ldquo;. Die Fonds stehen unter Druck ihrer umweltkorrekten Klientel, von der sie 5,3 Billionen US-Dollar verwalten. Vom Autor befragt, ob es bei Drohungen bleiben wird oder die Fonds es mit dem Investitionsboykott ernst meinen, antwortete Storebrand-CEO Jan Erik Saugestad, &bdquo;wir sch&auml;tzen den Dialog mit der Bolsonaro-Regierung, hoffen jedoch, dass sie mit konkreten Ergebnissen vor Ort dazu beitr&auml;gt&ldquo;.<\/p><p>Ende August <a href=\"https:\/\/www.agrarheute.com\/politik\/merkel-aeussert-erhebliche-zweifel-umsetzung-mercosur-abkommens-572087\">sandte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Warnsignale<\/a> nach Brasilia. Sie habe &bdquo;erhebliche Zweifel&ldquo; daran, ob das 2019 unterzeichnete Freihandelsabkommen der EU mit dem s&uuml;damerikanischen Handelsblock Mercosur wegen der zunehmenden Entwaldung im Amazonasgebiet f&ouml;rderungsw&uuml;rdig sei. Umgekehrte, begr&uuml;ndete Zweifel bestehen indes aus der Perspektive des Entwicklungseffekts des Abkommens f&uuml;r S&uuml;damerika, dessen Ziele neue Regelungen in Bezug auf Dienstleistungen, &ouml;ffentliche Auftragsvergaben, Auslandsinvestitionen und geistiges Eigentum ins Spiel bringen. Wie dem auch sei, die zun&auml;chst taktierende Kanzlerin schlug sich auf die Seite Emmanuel Macrons, der w&auml;hrend des 2019er G-20-Gipfels Bolsonaro beschuldigte, ihn &uuml;ber die Waldrodungen belogen zu haben, daraufhin die Ratifizierung des Vertrages verweigerte und widerliche Bemerkungen Bolsonaros &uuml;ber seine Ehefrau in den sozialen Netzwerken einstecken musste.<\/p><p>Brasilianische Gener&auml;le, wie Geheimdienstchef Augusto Heleno, reagierten auf Merkels Zweifel mit der <a href=\"https:\/\/www.cartacapital.com.br\/politica\/general-heleno-diz-que-brasil-pode-retaliar-paises-que-fizerem-boicote-por-questao-ambiental\/\">Androhung von &bdquo;Gegenma&szlig;nahmen&ldquo;<\/a>. Zum Beispiel mit einem eventuellen Boykott europ&auml;ischer Ausfuhren. Sollte er deutsche Exporte nach Brasilien gemeint haben, so machen diese mit rund 10 Milliarden Euro (2019) gerade einmal l&auml;cherliche 0,07 Prozent der deutschen Gesamtausfuhren aus. Der au&szlig;enpolitisch verwirrte &bdquo;Bolsonarismo&ldquo; macht sich also l&auml;cherlich.<\/p><p><strong>Im Fall von Trumps Wahlniederlage: Bannon, die Bolsonaros und die Bek&auml;mpfung des Rechtsstaates<\/strong><\/p><p>Die gro&szlig;m&auml;uligen Zampano-Auftritte Bolsonaros setzen indes auf ihren letzten einflussreichen F&ouml;rderer: die Regierung Donald Trump. Der ehemalige Fallschirmj&auml;ger und brasilianische Regierungschef hat sich dem New Yorker Milliard&auml;r mehrfach als freiwilliger Untertan angeboten, in dem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RfGelP64c4M\">Video &bdquo;I love you!&ldquo;<\/a> gar seine emotionale Zuwendung erkl&auml;rt. Seit Mitte 2019 unterst&uuml;tzt Bolsonaro Donald Trumps Wiederwahl-Ambitionen. Auf <em>Twitter<\/em> betreibt Bolsonaros Sohn und Parlamentarier Eduardo Bolsonaro seit Monaten Werbung mit der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bolsonarosp\/status\/1287540044677488641\">Losung &bdquo;Trump 2020&ldquo;<\/a>. &bdquo;We&rsquo;ve seen this playbook before. It&rsquo;s disgraceful and unacceptable. The Bolsonaro family needs to stay OUT of the U.S. Election&ldquo;, schoss der demokratische Vorsitzende des Unterausschusses f&uuml;r Ausw&auml;rtige Angelegenheiten, Eliot Engel, zur&uuml;ck.<\/p><p>Die Bolsonaros f&uuml;hlen sich Trump, aber auch seinem gefeuerten und j&uuml;ngst wegen schweren Betruges verhafteten Wahlstrategen von 2016 und politischen Beraters, Steve Bannon, verpflichtet. Der ehemalige Herausgeber der rechtsradikalen Postille <em>Breitbart<\/em> und Aktieninhaber von Cambridge Analytica diente n&auml;mlich auch als Wahlberater Bolsonaros, dessen S&ouml;hnen er die Inszenierung von haneb&uuml;chenen Fake News auf WhatsApp und Facebook beibrachte, womit Bolsonaro Ende 2018 die Pr&auml;sidentschaftswahl gegen die Arbeiterpartei (PT) gewann. Die rechtsradikale, digitale Miliz etablierte sich nach Bolsonaros Amts&uuml;bernahme als <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2020-06-22\/in-hunt-for-office-of-hate-brazil-s-supreme-court-closes-in\">das sogenannte &bdquo;Hass-Kabinett&ldquo;<\/a>, das nach wie vor gegen die demokratische Opposition, die Linke, den Obersten Gerichtshof und jede Form von Gelegenheitsfeinden mit skrupellosen L&uuml;gen und Attacken agitiert.<\/p><p>Nach Gr&uuml;ndung seiner rechtsradikalen Bewegung &bdquo;The Movement&ldquo; nominierte Bannon Eduardo Bolsonaro zu seinem s&uuml;damerikanischen Vertreter und &uuml;bte Einfluss auf die j&uuml;ngste UN-Ansprache von Bolsonaro Senior aus. Mit The Movement profilierte sich Bannon zum weltweiten Wortf&uuml;hrer des globalen neofaschistischen Diskurses der &bdquo;Antipolitik&ldquo;, f&uuml;r den &bdquo;minimalen Staat&ldquo; und der Wissenschaftsfeindlichkeit. Der Diskurs beherrscht vollends die brasilianische Au&szlig;enpolitik, deren Minister Ernesto Ara&uacute;jo ein Anh&auml;nger von Verschw&ouml;rungstheorien wie der &bdquo;flachen Erdscheibe&ldquo; und Covid-19-Leugner ist.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.bloombergquint.com\/politics\/biden-pledges-to-slow-destruction-of-brazil-s-amazon-rainforest\">Joe Biden erkl&auml;rte<\/a> zwar in seiner ersten Debatte mit Donald Trump, falls er zum US-Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt werde und Bolsonaro die Amazonas-Br&auml;nde nicht verhindere, m&uuml;sse er mit Sanktionen rechnen und bot zum Schutz des Bioms 20 Milliarden US-Dollar an. Doch diese Drohung geh&ouml;rt offenbar zum Repertoire der Rhetorik. Eine Biden-Regierung wird zwar eine Ann&auml;herung an die Umwelt-Positionen der EU suchen, die das Bolsonaro-Regime noch weiter in die Enge treiben kann. Doch mit ihm brechen d&uuml;rften die rechten Biden-Demokraten nicht. Sie brauchen Bolsonaro im Kampf gegen die Wirtschaftshegemonie Chinas in Lateinamerika und gegen die strategischen Partnerschaften bestimmter Regierungen mit Russland.<\/p><p>Umgekehrt st&uuml;nden mit einem Biden-Sieg Bolsonaro zwei Alternativen zur Verf&uuml;gung: Entweder er teilt einen distanzierten, aber pragmatischen Biden-Kurs oder er radikalisiert den neofaschistischen Diskurs und wird zum weltweiten Paria verdammt. Letztere Option k&ouml;nnte von Bolsonaros Sohn Eduardo favorisiert werden, der schon einmal prahlte, &bdquo;wir sind nicht allein auf der Welt&ldquo;. Doch dieser Entschluss h&auml;ngt auch davon ab, ob Steve Bannon im Fall einer Wahlniederlage Donald Trumps noch die Glaubw&uuml;rdigkeit f&uuml;r die Wiederaufnahme des medialen Partisanenkriegs gegen die Demokraten und f&uuml;r die &bdquo;Eroberung der EU&ldquo; besitzt.<\/p><p>Titelbild: &copy; Metropoles<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 10. Oktober, als die j&uuml;ngste Hochrechnung der Covid-19-Pandemie das 150.000. Todesopfer in Brasilien vermeldet und die Stimmung im Lande auf ein emotionales Tief dr&uuml;ckt, ist Pr&auml;sident Jair Bolsonaro von keinerlei Beileid ber&uuml;hrt, sondern unternimmt eine Spazierfahrt mit dem Motorrad am Strand von Guaruj&aacute; bei S&atilde;o Paulo und l&auml;sst sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MRFql40ZaZM\">von seinen Bodyguards<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66066\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,125,176],"tags":[2714,2095,282,1460,2454,2341,1613,895,315,2934,1800],"class_list":["post-66066","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-umweltpolitik","tag-amazonien","tag-bannon-steve","tag-buergerproteste","tag-biden-joe","tag-bolsonaro-jair","tag-boykott","tag-brasilien","tag-freihandel","tag-merkel-angela","tag-naturzerstoerung","tag-trump-donald"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66066","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66066"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66066\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66147,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66066\/revisions\/66147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}