{"id":66099,"date":"2020-10-23T09:57:22","date_gmt":"2020-10-23T07:57:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66099"},"modified":"2020-10-23T12:28:04","modified_gmt":"2020-10-23T10:28:04","slug":"wider-das-netzwerk-monarchie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66099","title":{"rendered":"Wider das Netzwerk Monarchie"},"content":{"rendered":"<p>Sp&auml;testens seit dem Putsch von Feldmarschall Sarit im Jahr 1957 entfaltete sich in Thailand eine unheilvolle, f&uuml;r die daran Beteiligten aber &auml;u&szlig;erst lukrative Symbiose zwischen Milit&auml;r, Monarchie und der reichen Oberschicht. Sarit hatte eingesehen, dass er seine Macht am besten dadurch festigen konnte, wenn er sich auf die Monarchie berief. Und er bekam den Segen des damals erst 30-j&auml;hrigen Bhumipol, der wiederum eingesehen hatte, dass er die Monarchie am besten festigen konnte, wenn er mit dem Milit&auml;r zusammenarbeitete. Nachfolgend wurde eine unbeschreibliche Propagandawelle zur St&uuml;tzung der Monarchie losgelassen. Kaum eine neue Schule, kaum eine Br&uuml;cke und kaum ein Bew&auml;sserungsprojekt, das Bhumipol nicht medienwirksam einweihte, die Reporter immer an seiner Seite, und das in den Nachrichten nicht als k&ouml;nigliches Projekt dargestellt wurde. Der K&ouml;nig in seiner unermesslichen G&uuml;te und Weisheit als Ursprung und Garant allen Fortschritts in Thailand, diese Propagandashow lief 70 Jahre lang, bis zu seinem Tod und dar&uuml;ber hinaus bis heute noch. Von <strong>Jinthana Sunthorn<\/strong>, Hongkong. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen durch die NachDenkSeiten-Redaktion.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\nLesen Sie von Jinthana Sunthorn auch die Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65285\">&bdquo;Unruhen in Thailand: Was will die Protestbewegung?&ldquo;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65637\">&bdquo;Das Blutbad an der Thammasat-Universit&auml;t&ldquo;<\/a>.\n<\/div><p>Die thail&auml;ndische Gesellschaft war damals noch eine ganz andere als heute. 1957 waren die meisten Thail&auml;nder noch in der Landwirtschaft t&auml;tig, bauten vor allem Reis, Zuckerrohr und Mais an, pfl&uuml;gten die Felder noch mit Wasserb&uuml;ffeln und die wenigsten waren belesen. Die meisten Bauern konnten trotz Schulpflicht kaum schreiben. Ein Kalender mit dem Bild des K&ouml;nigs war oft die einzige Wanddekoration in ihren armseligen H&uuml;tten. Die Schulkinder wurden zu Monarchisten erzogen, die Wohltaten des K&ouml;nigs wurden in allen Klassen gelehrt. Der Schulunterricht begann genauso wie der Arbeitstag in allen &ouml;ffentlichen B&uuml;ros und Betrieben am Morgen um 8 Uhr mit dem Abspielen der Nationalhymne. Und das ist auch heute noch so.  Das Bild des K&ouml;nigs hing in jedem Klassenzimmer und in jedem B&uuml;ro, stand an jeder Stra&szlig;enkreuzung, Berichte von den Wohltaten des K&ouml;nigs waren jeden Tag im Radio und sp&auml;ter auch im Fernsehen zu h&ouml;ren und zu sehen. Die Abschlussdiplome der Universit&auml;ten wurden den Studenten vom K&ouml;nig pers&ouml;nlich oder stellvertretend von einem seiner Familienmitglieder in einer &ouml;ffentlichen und vom Fernsehen &uuml;bertragenen Feier &uuml;berreicht. Thailand ohne die Monarchie schien undenkbar. Vajiralongkorn aber war bei solchen Anl&auml;ssen nur selten zu sehen, er entzog sich schon damals seinen Pflichten als Thronfolger. Bhumipols T&ouml;chter aber, vor allem Prinzessin Sirindhorn, waren wie ihr Vater fast t&auml;glich im Fernsehen bei irgendwelchen karikativen T&auml;tigkeiten zu sehen. Die meisten Thais h&auml;tten sich Sirindhorn als Nachfolgerin von K&ouml;nig Bhumipol gew&uuml;nscht. Aber die Thronfolge sollte es, der thail&auml;ndischen Verfassung gem&auml;&szlig;, nicht zulassen. <\/p><p>Seit 2010 war K&ouml;nig Bhumipol, der Vater des jetzigen Monarchen, wegen Krankheit kaum noch in der &Ouml;ffentlichkeit aufgetreten. Das Milit&auml;r war sich bewusst, dass es nach seinem Tod schwierig werden k&ouml;nnte, den Staat zu kontrollieren, und organisierte daher vorsorglich im Jahre 2014 einen Staatsstreich gegen die gew&auml;hlte Regierung von Yingluck Shinawatra, die Schwester des bereits 2010 aus dem Amt geputschten Premierministers Thaksin Shinawatra. Der Tod von K&ouml;nig Bhumipol im Jahre 2016, obwohl schon lange erwartet, l&ouml;ste einen Schock der Trauer in Thailand aus. Aber sein Sohn und Nachfolger Vajiralongkorn ist beim Volk aufgrund seines Charakters und seines exzentrischen Lebenswandels nur noch beim harten Kern der Monarchisten kreditw&uuml;rdig. Paul Handley beschreibt in seinem Werk &bdquo;The king never smiles&ldquo; Vajiralongkorn treffend: &bdquo;Vajiralongkorn ist nichts, was Bhumipol war, und alles, was Bhumipol nicht war.&ldquo;<\/p><p><strong>Eine neue Zeit bricht an<\/strong><\/p><p>Der st&auml;ndigen Berieselung mit monarchistischer Propaganda war die heutige Generation nicht mehr in diesem Ma&szlig; ausgesetzt. Einerseits waren die &ouml;ffentlichen Auftritte Bhumibols selten geworden, andererseits hatte sich die Gesellschaft von einer vorwiegenden Agrargesellschaft zu einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Und &uuml;ber den Thronnachfolger gab es selten etwas Gutes zu berichten. Zudem ist die heutige Jugend viel gebildeter und hat &uuml;ber Internet und soziale Medien unendlich mehr M&ouml;glichkeiten, sich auszutauschen und vor allem auch zu informieren, als ihre V&auml;ter und Gro&szlig;v&auml;ter, auch &uuml;ber Ereignisse in der thail&auml;ndischen Geschichte, die unter den Teppich gekehrt und Jahrzehnte lang totgeschwiegen wurden. Jetzt sieht sich diese junge Generation einer Milit&auml;rjunta gegen&uuml;ber, die dabei ist, ihnen ihre Zukunft zu verbauen. Denn die jungen Studentinnen und Studenten stehen nach dem Studienabschluss mit einem Diplom in der Tasche vor der Arbeitslosigkeit. <\/p><p>Das Milit&auml;r, zusammen mit den Milliard&auml;ren und dem K&ouml;nigshaus, betrachtet derweil das Land als seine Beute. Sie wollen weiterhin gute Gesch&auml;fte machen, ihren Reichtum vermehren und die Macht aus&uuml;ben. Das Volk soll gehorchen und weiterhin die Monarchie und das Land lieben, ohne Fragen zu stellen.<\/p><p>Der korrupten und v&ouml;llig unf&auml;higen Milit&auml;rregierung ist derweil das Wohl des Landes egal. Sie hat sich an die Spitze s&auml;mtlicher Ministerien gesetzt und kontrolliert nun auch Ministerien, von denen sie keine Ahnung haben, wie Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Au&szlig;enministerium. In jedem Ministerium steht ein General an der Spitze, der der Milit&auml;rjunta direkt verantwortlich ist. Und K&ouml;nig Vajiralongkorn k&uuml;mmert sich auch nicht um sein Land, er macht lieber, in Begleitung von 20 Konkubinen, Urlaub in Bayern und verprasst dort das ererbte Verm&ouml;gen. Dementsprechend katastrophal ist die wirtschaftliche Bilanz in den Zeiten des Lockdowns. <\/p><p>So kann es nat&uuml;rlich nicht weitergehen. Die thail&auml;ndische Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Die politisch Verantwortlichen haben das Land heruntergewirtschaftet. Die politischen Strukturen sind von vorgestern, die Verantwortlichen sind unf&auml;hig, das Land aus der Krise zu f&uuml;hren, und setzen auf das Milit&auml;r und die Geheimdienste statt auf ein gew&auml;hltes Parlament, um das Land zu regieren. Jede Wirtschaft muss so auf Dauer zugrunde gehen.<\/p><p><strong>In der Krise<\/strong><\/p><p>Am schlimmsten ist der R&uuml;ckgang in der Tourismusbranche, im Hotelgewerbe und in der Gastronomie, die 2019 noch 15% der thail&auml;ndischen Wirtschaftsleistung ausmachten. Ausl&auml;ndische Touristen gibt es so gut wie keine mehr. 2019 kamen noch 40 Millionen ausl&auml;ndische Touristen nach Thailand und gaben dort 51 Milliarden Euro aus, seit M&auml;rz 2020 sind es fast null. Kamen 2019 noch t&auml;glich &uuml;ber 100.000 Touristen nach Thailand, so waren es letzten Dienstag gerade mal 41, die mit einer Sondermaschine aus China landeten und vom Flughafen aus sofort in ein Quarant&auml;nehotel gefahren wurden. Durch die fehlende Kaufkraft fehlt auch der Inlandstourismus. Wer kein Geld hat, macht auch keine Ferien.<\/p><p>Die Menschen sind arbeitslos, die mittlerweile gut ausgebildete Jugend hat keine Zukunftsperspektiven, ausl&auml;ndische Investoren kommen keine mehr, viele ziehen sich, wenn irgend m&ouml;glich, wieder aus dem Land zur&uuml;ck. Aufgrund eines erbarmungslosen Lockdowns ist es seit M&auml;rz fast unm&ouml;glich, nach Thailand einzureisen, schon gar nicht ohne die obligatorische 14-t&auml;gige Quarant&auml;ne, auf eigene Kosten und in speziell von der Regierung daf&uuml;r ausgesuchten Quarant&auml;nehotels. <\/p><p>Die zunehmend harten und repressiven Ma&szlig;nahmen gegen die Demonstranten ruinieren zudem den Ruf Thailands in der Welt. Wer will schon in einer Diktatur Urlaub machen? Und f&uuml;r die internationale Gesch&auml;ftswelt ist Rechtssicherheit genauso wichtig wie die zu erwartenden Gewinne. Die Milit&auml;rjunta und eine gef&uuml;gige Justiz, im Dienste einer gierigen inl&auml;ndischen Gesch&auml;ftswelt, die jederzeit die Regeln &auml;ndert, wie sie lustig ist, die zu jedem Moment jeden verhaften, enteignen und des Landes verweisen oder ins Gef&auml;ngnis stecken kann, wenn er in Ungnade gefallen ist, tr&auml;gt kaum dazu bei, die internationalen Gesch&auml;ftsbeziehungen zu f&ouml;rdern. Viele L&auml;nder haben bereits angek&uuml;ndigt, ihre Investitionen in Thailand zur&uuml;ckzufahren.  Die Milit&auml;rregierung von Prayut lie&szlig; nicht nur die Wirtschaft ins Leere laufen, sondern drehte auch die politische Uhr um Jahrzehnte zur&uuml;ck und versucht, die Herrschaft des Milit&auml;rs auf unbestimmte Zeit zu zementieren. Der angerichtete Schaden ist jetzt schon enorm, gar irreparabel. Und je l&auml;nger die Situation andauert, desto gravierender wird sie, desto desastr&ouml;ser werden auf lange Sicht die Folgen sein. <\/p><p><strong>Keine Kompromissbereitschaft<\/strong><\/p><p>Das Milit&auml;r wird weiterhin an der Macht festhalten und diese auch nicht abgeben wollen. Das Volk wird sie mit Gewalt verjagen m&uuml;ssen und es wird in Thailand noch viele gewaltt&auml;tige Auseinandersetzungen geben, bis das bewerkstelligt ist. Thailand wird derzeit zugrunde gerichtet von einer uners&auml;ttlichen Oberschicht, zusammengef&uuml;hrt von Profitinteressen in einem Netz aus Milit&auml;r, K&ouml;nigshaus und milliardenschweren Tycoons, jenem Netz, das der Autor Paul Handley treffend als &bdquo;Netzwerk Monarchie&ldquo; bezeichnet hat und  das einzig und allein nur an der Mehrung seines eigenen Reichtums interessiert ist. Dieses System ist nicht mehr reformierbar. <\/p><p>Wer Teil des Netzwerkes ist, dem geht es gut, der bekommt Auftr&auml;ge, ohne &uuml;berhaupt je ein Angebot eingereicht zu haben, erh&auml;lt problemlos Genehmigungen, dort wo sie der Konkurrenz verwehrt werden, wird nicht kontrolliert, wenn er nicht gesetzeskonform handelt. Daf&uuml;r bleibt man loyal zum K&ouml;nigshaus und der Regierung, die seit 1932 fast durchweg eine Milit&auml;rregierung war. Das K&ouml;nigshaus und das Milit&auml;r, zusammen mit der reichen Oberschicht, milliardenschweren Tycoons, organisiert in mafi&ouml;sen Strukturen, bilden das von Handley beschriebene Netzwerk Monarchie. <\/p><p>Das Privatverm&ouml;gen des Putschgenerals Prayut Chan-Ocha, des derzeitigen Regierungschefs, betr&auml;gt laut Bangkok Post etwa zwei Milliarden Baht (gut 65 Millionen US-Dollar). Sein Neffe betreibt eine Baufirma und sein Bruder, ebenfalls Armeegeneral, sitzt im Senat, wo er f&uuml;rs Nichtstun zus&auml;tzlich monatlich 100.000 Baht kassiert, das 7- bis 8-fache von dem, was ein Mindestlohnempf&auml;nger in Thailand bekommt. Zahlreiche L&auml;ndereien im Familienbesitz der Cha-Onchas sind teilweise an den Staat verpachtet.<\/p><p>Nur zusammen kann das Netzwerk &uuml;berleben und zusammen wird es eines Tages auch untergehen, seine Mitglieder sind unf&auml;hig zur Selbstkritik, ihre Uhr ist abgelaufen. Das Netzwerk wird seine Stellung aber mit aller Gewalt bis zum letzten Atemzug zu verteidigen suchen.<\/p><p>Genau dieses Netzwerk Monarchie und der Kreislauf der permanenten Staatsstreiche mit ihrer anschlie&szlig;enden Legitimierung durch die Monarchie ist es, was die Protestbewegung nun zum ersten Mal in der Geschichte Thailands als zusammenh&auml;ngendes Ganzes anzuprangern gewagt hat und das sie reformieren will.  Die jungen Studentinnen und Studenten haben erkannt, dass es nicht ausreicht, die Regierung auszuwechseln, wenn das korrupte System als solches weiter bestehen bleibt. Ihre drei Hauptforderungen sind der R&uuml;cktritt der Regierung, eine neue Verfassung, die von einem von Prayut ernannten pro-milit&auml;rischen Verfassungsausschuss ausgearbeitet wurde, inklusive jenes Teils dieser Verfassung, der die Rolle der Monarchie in der thail&auml;ndischen Gesellschaft definiert, sowie ein Ende der Verfolgung der Regierungsgegner, die haupts&auml;chlich mit Hilfe des Paragraphen 112 der Verfassung wegen Majest&auml;tsbeleidigung geschieht. Bei den Protesten geht es aber auch um mehr Transparenz &uuml;ber die Finanzierung der Monarchie und &uuml;ber deren Besitz. 2018 hatte der neue K&ouml;nig per Verfassungs&auml;nderung die Kontrolle &uuml;ber die royalen Besitzt&uuml;mer &uuml;bernommen, die bis dahin vom &bdquo;Crown Property Bureau&ldquo; verwaltet wurden und wo das Finanzministerium zumindest ein Mitspracherecht hatte. Es geht hier um ein Verm&ouml;gen von gesch&auml;tzten 60 Milliarden US-Dollar, die thail&auml;ndische Monarchie ist die reichste Monarchie der Welt.<\/p><p>Die neue Protestbewegung bedient sich moderner Kommunikationsmittel und ist in ihren Ausdrucksformen sehr kreativ. So benutzen sie den Drei-Fingergru&szlig; als Erkennungszeichen und Symbol f&uuml;r ihre drei Hauptforderungen und die Formel &bdquo;er, dessen Name nicht genannt werden darf&ldquo; als Synonym f&uuml;r K&ouml;nig Vajiralongkorn. Sie haben die Techniken der Protestbewegung in Hong Kong studiert und stehen auch mit einigen von dessen Anf&uuml;hrern in Kontakt und im Austausch. Der Stil der Demonstrationen ist neu und auf eine erfrischende Art und Weise jung und modern.<\/p><p>Die Milit&auml;rregierung hat aus oben genannten Gr&uuml;nden auch vom Anfang der Proteste an keine Bereitschaft gezeigt, die Forderungen der Demonstranten auch nur zu diskutieren. Und auch K&ouml;nig Vajiralongkorn hat bis jetzt dazu geschwiegen. Und es scheint auch so auszusehen, als sei das Vajiralongkorns Antwort auf die Forderungen der Demonstranten: Schweigen. <\/p><p>Die thail&auml;ndische Gesellschaft ist aber immer noch gespalten in der Frage der Monarchie. Besonders nach der blutigen Niederschlagung der Bewegung der Rothemden im Jahre 2010 ist die Aufteilung der Bev&ouml;lkerung in zwei Lager aus Anh&auml;ngern und Gegnern der Monarchie sch&auml;rfer und teils auch unvers&ouml;hnlicher geworden. Vor allem die &auml;ltere Generation ist hin- und hergerissen. Bhumipol wurde an jenem verh&auml;ngnisvollen 9. Juni 1946 K&ouml;nig von Thailand, an dem sein Bruder Anand erschossen in seinem Bett im gro&szlig;en Palast in Bangkok aufgefunden wurde. Bhumipol regierte bereits, als fast alle heute noch lebenden Thail&auml;nder noch Kinder waren. Sie kennen es nicht anders, f&uuml;r sie steht Thailand auf drei S&auml;ulen: Nation, Monarchie und Buddhismus. F&uuml;r viele &Auml;ltere droht jetzt eine Welt zusammenzubrechen, was sie oft empf&auml;nglich f&uuml;r jenen reaktion&auml;ren monarchistischen Fanatismus macht, der, wie auch jetzt wieder, stets losgetreten wird, wenn das Volk progressive politische Forderungen stellt. Aber die Reihen der hartgesottenen Monarchisten lichten sich allm&auml;hlich. Denn selbst die Alten m&uuml;ssen jetzt einsehen, dass die &bdquo;Kinder&ldquo;, sobald sie ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft einfordern, von einer Diktatur verfolgt und mundtot gemacht werden. Dazu noch von einer Milit&auml;rdiktatur, die sich auf einen K&ouml;nig zu st&uuml;tzen versucht, dessen Lebenswandel das Volk abst&ouml;&szlig;t und der die Herzen seines Volkes nicht mehr erreichen kann. <\/p><p>&Auml;ltere Generationen h&auml;tten es nicht gewagt, so wie die Jugend von heute zu sprechen und zu sagen, was sie wirklich denken. Ihnen wurde seit ihrer Kindheit beigebracht, die Obrigkeit zu respektieren und ihre Befehle zu befolgen. Sie waren dazu erzogen worden, auch gro&szlig;e Armut und Unterdr&uuml;ckung mit buddhistischer Geduld zu ertragen. Kritik an h&ouml;her gestellten Personen war verboten. Das alte Thailand war aufgebaut auf Tabus gegen jede Kritik an der Oberschicht. Alle Ungerechtigkeiten gegen&uuml;ber der Unterschicht, den Untertanen, wurden seit jeher unter den Teppich gekehrt. Kritik wurde als Majest&auml;tsbeleidigung gewertet und mit langen Gef&auml;ngnisstrafen geahndet. <\/p><p>In Thailand ist es bis heute illegal, &ouml;ffentlich auch nur zu sagen, was gerade in bestimmten Kreisen passiert, geschweige denn, es negativ zu kommentieren. Lobhudelei dagegen ist stets willkommen. Das Gesetz gegen Majest&auml;tsbeleidigung dient dem Netzwerk Monarchie als Schirm gegen jede Kritik. Ein &ouml;ffentlicher politischer Debattenraum existiert nicht. Wenn aber Konflikte so auf lange Zeit unter den Teppich gekehrt werden, m&uuml;ssen sie irgendwann einmal umso heftiger hervorbrechen. Und umso verh&auml;rteter werden inzwischen die jeweiligen Positionen gediehen sein, Positionen, auf die sich jede Partei jahrzehntelang zur&uuml;ckgezogen hat, statt aufeinander zuzugehen und L&ouml;sungen und Kompromisse zu suchen. Irgendwann wird es so f&uuml;r beide Seiten nur noch ein Alles oder Nichts geben.<\/p><p><strong>Die neuesten Entwicklungen und Chronik der Ereignisse bis Freitagmorgen<\/strong><\/p><p>Wir wollen hier nicht mehr auf die Urspr&uuml;nge der neuesten Protestbewegung eingehen. Die NachDenkSeiten haben dar&uuml;ber bereits ausf&uuml;hrlich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65285\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65637\">hier<\/a> berichtet. Stattdessen wollen wir uns auf die Ereignisse vom 14. Oktober und danach beschr&auml;nken.<\/p><p>Seit Beginn der Proteste im M&auml;rz wurden mehrere Dutzend Aktivisten verhaftet. Die meisten von ihnen wurden gegen Kaution freigelassen, einige wurden wegen &ldquo;Volksverhetzung&rdquo; angeklagt. Mit den Rufen &ldquo;Nieder mit der Diktatur&rdquo;,  &bdquo;Prayut, hau ab&rdquo;,  &ldquo;Lang lebe die Demokratie&rdquo; und &bdquo;Weg mit dem Feudalismus&ldquo; versammelten sich am Mittwochabend, dem 14. Oktober, dem 47. Jahrestag des Studentenaufstandes von 1973, mehrere zehntausend pro-demokratische Demonstranten in Bangkok, um erneut den R&uuml;cktritt von Premierminister Prayut Chan-Ocha , eine neue Verfassung und eine Reform der Monarchie sowie ein Ende der Verfolgung der Regimekritiker zu fordern. Die Demonstration begann am fr&uuml;hen Nachmittag am Demokratie-Denkmal im Zentrum von Bangkok. Nach Angaben der Beh&ouml;rden schafften es rund 8.000 Menschen, am fr&uuml;hen Abend bis zum Regierungsgeb&auml;ude vorzudringen. &ldquo;Wir werden hier nicht mehr weggehen, bis Prayut zur&uuml;cktritt&rdquo;, sagte ein Anf&uuml;hrer der Bewegung.<\/p><p>Auf dem Weg zum Regierungsgeb&auml;ude hatten sich auch mehrere hundert in Gelb gekleidete pro-royalistische Anh&auml;nger versammelt, um den Monarchen Maha Vajiralongkorn zu unterst&uuml;tzen, der inzwischen nach Thailand zur&uuml;ckgekehrt ist und auf dem Weg zu einer religi&ouml;sen Zeremonie war. Sein Konvoi passierte die Demonstranten, der Wagen mit K&ouml;nigin Suthida darin musste f&uuml;r einige Augenblicke anhalten und Dutzende von pro-demokratischen Demonstranten erhoben vor dem Fahrzeug drei Finger, das Erkennungszeichen der Protestbewegung.  <\/p><p>Obwohl zu keinem Zeitpunkt Gefahr f&uuml;r den Konvoi bestand, wurde der Vorfall zum Vorwand genommen, um noch am selben Tag einen strengen Ausnahmezustand f&uuml;r Bangkok auszurufen, der bereits ab 4 Uhr am n&auml;chsten Morgen, 15. Oktober, gelten sollte. Versammlungen von mehr als 4 Personen wurden verboten, die Polizei durfte ab jetzt willk&uuml;rlich Personen verhaften und f&uuml;r bis zu 30 Tage ins Gef&auml;ngnis sperren, ohne das Recht auf einen Anwalt oder sonstigen Besuch zu haben. Das Verbreiten von Nachrichten, &bdquo;die die Sicherheit der Nation gef&auml;hrden&ldquo;, wurde unter Strafe gestellt.  Den Sicherheitskr&auml;ften wurde Amnestie f&uuml;r ihre Handlungen zugesichert. <\/p><p>Nachdem Prayut den Ausnahmezustand in Thailand verh&auml;ngt und Demonstrationen verboten hatte, rief die Protestbewegung in den sozialen Medien dazu auf, trotzdem weiter zu demonstrieren. Die Polizei nahm erneut &uuml;ber 20 Personen fest &ndash; unter ihnen auch prominente Demokratie-Aktivisten wie die bekannte Aktivistin &bdquo;Rainbow&ldquo; Sithijirawattanakul und den Studentenf&uuml;hrer &bdquo;Pinguin&ldquo; Chiwarak sowie zwei weitere Aktivisten wegen &bdquo;Behinderung der Freiheit der Monarchie&ldquo; und &bdquo;Gewalt gegen die K&ouml;nigin&ldquo;, weil sie angeblich die k&ouml;nigliche Wagenkolonne behindert h&auml;tten. <\/p><p>Die Protestbewegung &auml;nderte nun ihre Taktik und gab die Orte f&uuml;r die Demonstrationen nur kurz vorher &uuml;ber die sozialen Medien bekannt.  Trotz des verh&auml;ngten Demonstrationsverbotes versammelten sich am 15. Oktober wieder tausende Menschen an verschiedenen Orten in Bangkok. Zudem begannen nun die Proteste, sich im ganzen Land auszubreiten. <\/p><p>Auch am Freitag, 16. Oktober, kam es erneut zu Protestaktionen der pro-demokratischen Bewegung. Mehr als zehntausend Demonstranten trafen sich diesmal im Gesch&auml;ftsviertel Pathum Wan in Bangkok. Ein Gro&szlig;aufgebot der Polizei l&ouml;ste daraufhin die Demonstration mit Wasserwerfern auf. Dem Wasser waren offenbar auch reizende Chemikalien und blaue Farbe beigemischt. Viele Demonstranten sch&uuml;tzten sich mit Regenschirmen. Nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen haben die Aktion der Polizei als unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig verurteilt. Es sei hierbei darauf hingewiesen, dass zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Gewalt von den Demonstranten ausgegangen war. <\/p><p>Am 16. Oktober antwortete Prayut im Fernsehen auf die Forderungen nach seinem R&uuml;cktritt, er &bdquo;werde nicht gehen&ldquo;, und fragte: &bdquo;Was habe ich falsch gemacht?&ldquo;. Nun ja, besser w&auml;re es gewesen, er h&auml;tte gefragt: Was habe ich richtig gemacht? Die Antwort darauf hei&szlig;t: Nichts. <\/p><p>Inzwischen waren bereits mehr als 50 Aktivistinnen und Aktivisten festgenommen worden, darunter auch der Anwalt Anon Nampa, der als wichtigster Kopf der Bewegung gilt. Die Regierung k&uuml;ndigte weitere Festnahmen an, sollten Demonstrierende trotz Versammlungsverbots auf die Stra&szlig;en gehen, und drohte mit einer Ausgangssperre. Die im Parlament vertretene Oppositionspartei Pheu Thai, Nachfolgerin der Partei TRT des ehemaligen Premiers Thaksin, verlangte die Freilassung der Inhaftierten und eine Aufhebung des verh&auml;ngten Ausnahmezustands.<\/p><p>Die Aufl&ouml;sung der Demonstration mit Wasserwerfern lie&szlig; die Wut der Bev&ouml;lkerung auf die Regierung nur noch mehr wachsen. Erneut kam es in mehr als 20 Provinzhauptst&auml;dten im ganzen Land zu spontanen Demonstrationen.<\/p><p>Seither rei&szlig;en die Proteste und Demonstrationen nicht ab und es kommt t&auml;glich zu Kundgebungen sowohl in Bangkok als auch in den Provinzen. Am Mittwoch, 21. Oktober, durchbrachen mehrere tausend Demonstranten die Polizeiabsperrungen und bahnten sich den Weg zu Prayuts Amtssitz, um ihm ein vorgefertigtes R&uuml;cktrittsschreiben zu &uuml;berreichen, das er nur noch zu unterschreiben brauche.<\/p><p>Gewaltsame Zwischenf&auml;lle gab es bisher nicht, die Polizei schaut, trotz Demonstrationsverbotes, nur zu. Das Milit&auml;r ist bisher noch nicht zum Einsatz gekommen.  Am 20. Oktober gestand ein Berufungsgericht den Protestf&uuml;hrern &bdquo;Rainbow&ldquo; und &bdquo;Pinguin&ldquo; von der Gruppe Khana Ratsadorn (Volksgruppe) eine Kaution von 200.000 Baht zu, nur um sie am selben Tag wegen einer anderen Anklage wieder zu verhaften. Dies muss als eine weitere Provokation angesehen werden, zumal 200.000 Baht in Thailand sehr viel Geld ist. <\/p><p>Am Mittwochabend verk&uuml;ndete Prayut, er erw&auml;ge, auf die Demonstranten zuzugehen und den &bdquo;strengen Ausnahmezustand&ldquo; in Bangkok wieder aufzuheben, und bat diese gleichzeitig darum, daf&uuml;r ihrerseits &bdquo;sich aufrichtig zu revanchieren und das hasserf&uuml;llte und spalterische Gerede leiser zu stellen&rdquo; und sich auf das Parlament zur L&ouml;sung der Probleme zu verlassen. Daraufhin forderten die Demonstranten erneut, dass General Prayut innerhalb von drei Tagen von seinem Amt zur&uuml;cktreten m&uuml;sse, sie forderten die Freilassung aller verhafteten Demonstranten und ignorierten seinen Vorschlag, sich auf den parlamentarischen Prozess zu verlassen. Kein Wunder, das Parlament ist mehrheitlich zusammengesetzt aus Prayut-treuen Milit&auml;rs. Prayut ist nicht zu trauen. Er l&uuml;gt, wann immer es in seinem Interesse ist. Sogar wenn er nur &bdquo;Guten Abend&ldquo; sagt, sollte man besser mal nach drau&szlig;en schauen, um zu sehen, ob es denn schon dunkel wird.<\/p><p>Am Donnerstag, 22. Oktober, wurde der &bdquo;strenge Ausnahmezustand&ldquo; in Bangkok sowie die damit verbundenen Zensurbestimmungen aufgehoben, allerdings gilt landesweit, wegen Corona, immer noch der &bdquo;normale&ldquo; Ausnahmezustand mit entsprechenden Extra-Befugnissen f&uuml;r die Sicherheitskr&auml;fte. <\/p><p><strong>Zensur <\/strong><\/p><p>Mehrere lokale Medienorganisationen und Akademiker forderten am Dienstag, 20. Oktober, die Regierung auf, die Pressefreiheit zu achten, nachdem am Montag eine Anweisung des gemeinsamen Zentrums der Regierung f&uuml;r die L&ouml;sung von Notsituationen (CRES) durchgesickert war, dass f&uuml;nf Online-Dienste wegen Versto&szlig;es gegen den Ausnahmezustand gerichtlich verfolgt werden sollen. Zudem plant die Regierung angeblich auch, die Telegram-Messaging-App zu blockieren, da regierungsfeindliche Demonstranten darauf umgestiegen sind, nachdem die Polizei ihre Facebook-Konten geschlossen hatte. <\/p><p>Der CRES fordert die &bdquo;Untersuchung von Medieninhalten, die als Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen werden&ldquo; und erkl&auml;rt: &bdquo;Da es anscheinend Fernsehsendungen mit Inhalten gibt, die als Bedrohung der nationalen Sicherheit oder der guten Sitten angesehen werden, indem bestimmte Inhalte von Voice TV, Prachatai.com, The Reporter, The Standard and Free Youth movement pr&auml;sentiert werden, ordnet der nationale Polizeichef, der f&uuml;r die L&ouml;sung der ernsten Notfallsituation zust&auml;ndig ist, daher an, dass die National Broadcasting and Telecommunications Commission (NBTC) und das Ministerium f&uuml;r digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DES) die Sendung pr&uuml;fen und aussetzen oder diese Inhalte im Einklang mit ihrer Autorit&auml;t und Verantwortung aus dem Computersystem l&ouml;schen&ldquo;. Der Club der Auslandskorrespondenten Thailands (FCCT) schloss sich der Opposition an und erkl&auml;rte, er sei &bdquo;zutiefst besorgt&ldquo; &uuml;ber die Zensurdrohung.<\/p><p>Putchapong Nodthaisong, der stellvertretende Staatssekret&auml;r des Ministeriums f&uuml;r digitale Sicherheit, sagte, das Ministerium habe vom 13. bis 18. Oktober Social-Media-Posts &uuml;berwacht und sei der Ansicht, dass mehr als 324.000 Artikel gegen das Computerkriminalit&auml;tsgesetz und den Ausnahmezustand verstie&szlig;en. Inzwischen hat der Strafgerichtshof die Sperrung der Online-Inhalte von Voice TV, das im Besitz der Familie von Ex-Premier Shinawatra ist, angeordnet und droht auch Facebook und YouTube mit Strafgeld, wenn sie der Anordnung zur Blockierung umstrittener Inhalte nicht nachkommen. Es wurden auch Strafen f&uuml;r das &bdquo;Verbreiten von Nachrichten, die die Sicherheit der Nation gef&auml;hrden&ldquo; angedroht. So zum Beispiel bis zu zwei Jahre Gef&auml;ngnis f&uuml;r das Ver&ouml;ffentlichen von Selfies zusammen mit der Protestbewegung. Diese Bestimmungen wurden am 22. Oktober zusammen mit dem Versammlungsverbot wieder aufgehoben. Die weiteren Beschr&auml;nkungen, insbesondere das Gesetz gegen Majest&auml;tsbeleidigung, das sch&auml;rfste Maulkorbgesetz, bleiben nat&uuml;rlich weiterhin in Kraft. <\/p><p><strong>Ausblick<\/strong><\/p><p>Versuchte Prayut erst, der Demonstrationen mit einem &bdquo;strengen Ausnahmezustand&ldquo; Herr zu werden, so macht er jetzt, seit er einsehen musste, dass das nicht funktioniert, eine taktische Kehrtwendung, indem er die Bewegung zu umschmeicheln versucht, den Ausnahmezustand wieder aufhebt und die Demonstranten auf den &bdquo;parlamentarischen Prozess&ldquo; einzuschw&ouml;ren versucht. Eine Sondersitzung des Parlaments f&uuml;r den 26. und 27. Oktober wurde einberufen, um &uuml;ber L&ouml;sungsvorschl&auml;ge zu diskutieren. Die Sitzung wird aber aller Voraussicht nach wiederum nur hei&szlig;e Luft produzieren und sich als Verz&ouml;gerungstaktik erweisen. Bei der letzten Krisensitzung wurde lediglich beschlossen, die Entscheidungen um einen Monat zu vertagen und einen Ausschuss zur Pr&uuml;fung einer m&ouml;glichen Verfassungs&auml;nderung einzusetzen, der erste Ergebnisse fr&uuml;hestens in 6 Monaten liefern k&ouml;nnte. Im Klartext, m&ouml;gliche Reformen werden zwar versprochen, dann aber auf den St. Nimmerleinstag verschoben.  <\/p><p>Die am letzten Donnerstag versuchte Einsch&uuml;chterung der Menge mit Wasserwerfern und chemischen Farbstoffen erz&uuml;rnte die Demonstranten nur noch mehr und weckte viele, die bis dahin unt&auml;tig geblieben waren. Der Einsatz von Wasserwerfern gegen unbewaffnete, meist junge Demonstranten lie&szlig; viele Menschen erkennen, dass die Regierung unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Gewalt anwendet, und bewirkte nur, Prayut weiter zu diskreditieren und seiner Regierung jede Legitimit&auml;t abzusprechen.  <\/p><p>Auch international wurde dieser Einsatz von Wasserwerfern ge&auml;chtet, da weder akute Gefahr f&uuml;r das Leben von Menschen bestand, noch irgendwelche Sachbesch&auml;digungen begangen worden waren. In den Zeiten des Internets gingen die Bilder live um die Welt. Es sollte eine Machtdemonstration der Regierung werden, tats&auml;chlich aber schlug das Pendel der &ouml;ffentlichen Sympathie sp&auml;testens an diesem Tag gegen Prayut und in die Richtung der Regierungsgegner aus. Aber Prayut hat noch einen letzten Trumpf im &Auml;rmel und das w&auml;re die Mobilisierung der hartgesottenen Monarchisten. Und das ist nicht zu untersch&auml;tzen. <\/p><p>Die regierende Palang Pracharath-Partei (PPRP) will ihre Abgeordneten auffordern, in ihren Wahlkreisen Aktivit&auml;ten zu organisieren, um Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber der Monarchie zu zeigen. Eine entsprechende Resolution wurde verabschiedet, nachdem die PPRP am Donnerstag eine au&szlig;erordentliche Sitzung ihrer Parteiparlamentarier abgehalten hatte. Prayut geh&ouml;rt zwar formal der Partei nicht an, ist aber de facto ihr Kopf.<\/p><p>Ziel ist es, &bdquo;die konstitutionelle Monarchie zu unterst&uuml;tzen, das Wohlergehen der Menschen zu verbessern und Schritte zur &Auml;nderung der Verfassung auf parlamentarischem Weg zu unterst&uuml;tzen, solange die &Auml;nderungen in den Kapiteln 1 und 2 (&uuml;ber allgemeine Bestimmungen und den K&ouml;nig) der Charta nicht vorgenommen werden.&ldquo; Sprich: daf&uuml;r zu sorgen, dass alles beim Alten bleibt. Alle Parteimitglieder und Abgeordneten werden auch weiterhin Premierminister Prayut Chan-Ocha unterst&uuml;tzen. Es wurde weiterhin beschlossen, dass alle Parteimitglieder und Abgeordnete in ihren Wahlkreisen Aktivit&auml;ten durchf&uuml;hren sollen, um &bdquo;Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber der Institution zu zeigen&ldquo;. Die Aktivit&auml;ten sollen zeigen, dass es &bdquo;viele Menschen gibt, die den Palast lieben und bereit sind, ihn zu sch&uuml;tzen&ldquo;.<\/p><p>In der Tat hatten sich bereits am Mittwoch in mehreren Provinzen Zehntausende von Menschen, angef&uuml;hrt von lokalen Verwaltungsbeamten, versammelt, um ihre Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber der Monarchie zu bekunden. Es kam dabei bereits zu ersten Handgemengen. Die royalistischen Demonstrationen wurden als Reaktion auf die Proteste der Regierungsgegner und deren Forderungen zur Reform der Monarchie veranstaltet. &Auml;hnliche Versammlungen sind noch vor Ende dieses Monats in den Provinzen geplant.<\/p><p>Es k&ouml;nnte also bald wieder zu &auml;hnlichen Auseinandersetzungen zwischen Rothemden und Gelbhemden kommen wie zuletzt 2014, als vom People&rsquo;s Democratic Reform Committee (PDRC) angef&uuml;hrte gewaltt&auml;tige Demonstrationen stattfanden, die in der Besetzung des internationalen Flughafens Suvarnabhumi in Bangkok gipfelten und Zentralbangkok f&uuml;r mehr als sechs Monate &bdquo;stillgelegt&ldquo; hatten, um die gew&auml;hlte Regierung abzusetzen. General Prayut, als Oberbefehlshaber der Armee, steckte damals mit der F&uuml;hrung des PDRC unter einer Decke, um den Weg f&uuml;r den Putsch zu ebnen. Prominente Pers&ouml;nlichkeiten, die sich zuvor mit dem pro-monarchistischen People&rsquo;s Democratic Reform Committee (PDRC) zusammengetan hatten, darunter ein bekannter faschistischer buddhistischer M&ouml;nch sowie der notorische Erzroyalist Suthep Thaugsuban, haben bereits bekundet, wieder auf die Stra&szlig;e gehen zu wollen. <\/p><p>Wenn sich jetzt nichts &auml;ndert, m&uuml;ssten sich die Thail&auml;nder mit einer halbfeudalen Regierung und einer suboptimalen Wirtschaft unter der F&uuml;hrung des untauglichen F&uuml;hrers Prayut abfinden, der die Macht mit Gewalt an sich riss. Es gab in seiner bisherigen Regierungszeit keine Kompromisse, keine Reformen und noch mehr Korruption und Vetternwirtschaft als in der Vergangenheit. Wenn General Prayut im Amt bleibt, bedeutet das, dass die etablierten Machtzentren an ihm festhalten k&ouml;nnen in dem Versuch, den Sturm zu &uuml;berstehen. Das Risiko einer erneuten Konfrontation zwischen Royalisten und Reformern steigt.<\/p><p>Titelbild: CHAINFOTO24\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp&auml;testens seit dem Putsch von Feldmarschall Sarit im Jahr 1957 entfaltete sich in Thailand eine unheilvolle, f&uuml;r die daran Beteiligten aber &auml;u&szlig;erst lukrative Symbiose zwischen Milit&auml;r, Monarchie und der reichen Oberschicht. Sarit hatte eingesehen, dass er seine Macht am besten dadurch festigen konnte, wenn er sich auf die Monarchie berief. 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