{"id":66184,"date":"2020-10-26T11:32:55","date_gmt":"2020-10-26T10:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66184"},"modified":"2022-02-24T12:12:10","modified_gmt":"2022-02-24T11:12:10","slug":"westend-5-aus-20-ein-erstaunlich-erfolgreicher-kritischer-verlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66184","title":{"rendered":"Westend 5! aus 20 \u2013 ein erstaunlich erfolgreicher kritischer Verlag"},"content":{"rendered":"<p>Der Westend Verlag aus Frankfurt hat in der <a href=\"https:\/\/www.buchreport.de\/spiegel-bestseller\/paperback\/\">Bestsellerliste f&uuml;r Paperback\/Sachbuch<\/a> in dieser Woche 5 von 20 Positionen erobert, also &frac14;! Es gibt x deutschsprachige Verlage &auml;hnlicher Art, zum Teil sehr viel gr&ouml;&szlig;ere als Westend. In dieser Situation ein Viertel der Bestseller zu stellen, ist nicht nur Zufall, sondern auch das Ergebnis einer bewussten Strategie. Der Verlag hat sein Ansehen und Vertrauen bei guten Autoren systematisch auf- und ausgebaut. &Uuml;ber die dahintersteckenden Strategien habe ich mit dem Verleger <strong>Markus J. Karsten<\/strong> gesprochen. Vorweg will ich aber noch anmerken, dass andere Verlage &auml;hnlich Gro&szlig;es leisten. Das ist in Zeiten wachsender Bedeutung des Internets erstaunlich und bewundernswert. Respekt also f&uuml;r alle Buchverlage, die sich in dieser schwierigen Zeit bem&uuml;hen, aufzukl&auml;ren. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Fragen an Markus J. Karsten, an den Verleger des Westend Verlags:<\/strong><\/p><p><strong>Frage Albrecht M&uuml;ller, NDS:<\/strong> Zun&auml;chst zur Information unserer Leserinnen und Leser ein paar kurze Fragen mit der Bitte um kurze Antworten: Wann wurde der Verlag gegr&uuml;ndet? Wie viele Titel bringt er im Jahre 2020 auf den Markt? Wie viel Menschen arbeiten im Verlag mit? Wie viele Bestseller im vergangenen Jahr, also 2019? Wie viele bisher in diesem Jahr?<\/p><p><strong>Antwort Markus J. Karsten:<\/strong> Den Westend Verlag gibt es seit Januar 2004, im Herbst desselben Jahres erschien der erste Titel: &bdquo;50 einfache Dinge, die Sie tun k&ouml;nnen, um die Welt zu retten&ldquo;, der sich damals bereits zu einem kleinen Bestseller mauserte und der auch immer noch lieferbar ist. Damals, in den Gr&uuml;ndungsjahren, erscheinen zwei bis sechs Titel j&auml;hrlich, mittlerweile sind &uuml;ber 300 B&uuml;cher publiziert. Die Jahresproduktion liegt bei drei&szlig;ig bis f&uuml;nfunddrei&szlig;ig B&uuml;chern, die von einer Mann- und Frauschaft von 15 MitarbeiterInnen gestemmt wird. Den ersten Spiegelbestseller, eine nach wie vor enorm starke Bezugsgr&ouml;&szlig;e in der Buchwelt, da sich viele Buchh&auml;ndler an ihr orientieren, verzeichneten wir 2011. Seither gelingt es uns zunehmend, j&auml;hrlich vier bis sechs Westendtitel auf den Bestsellerlisten zu platzieren, dieses Jahr sind es bereits sieben.<\/p><p><strong>Frage:<\/strong> Manchmal muss man den Eindruck gewinnen, dass Gesellschaftskritik nicht gemocht wird. Der Westend Verlag ist ein kritischer Verlag mit mehrheitlich zeitkritischen Autoren. Haben Sie eine Nische entdeckt? Ist es eine gro&szlig;e Nische? <\/p><p><strong>Antwort:<\/strong> Bereits seinerzeit hatten wir den Eindruck, dass gewisse Themen, besser, deren Aufbereitung im &ouml;ffentlichen Diskurs, medial nicht hinreichend bearbeitet werden. Damals hatte Heiner Flassbeck eine Kolumne in der Frankfurter Rundschau und ich fragte mich, wieso ich diese sich sofort erschlie&szlig;enden Erkenntnisse nicht schon l&auml;ngst auch an anderer Stelle wahrnehmen konnte. Man muss bedenken, zu der damaligen Zeit hing man mehr oder weniger noch der Illusion an, dass man doch weitgehend gut und gen&uuml;gend informiert ist, wenn man etablierte Medien verfolgt. Dass dies, mit den ber&uuml;hmten und immer auch genannten Ausnahmen, nicht der Fall ist, ist ein Verdienst haupts&auml;chlich derjenigen, die anfingen, Nichtbekanntes und Nichtgenanntes im Internet zu publizieren und zu kommentieren. Die NachDenkSeiten sind hier zuvorderst zu nennen, aber nat&uuml;rlich auch der &auml;lteste politische Blog, Telepolis.<\/p><p>Ein Buch sollte sich ja im Idealfall prinzipiell und grunds&auml;tzlich mit einer Thematik auseinandersetzen: Ein Format, dem die sogenannte Digitalisierung bislang nicht so viel anhaben konnte. Vielen Menschen ist klar, dass sie auch in Alternativmedien nicht die Informationen in G&auml;nze erhalten, die sie eigentlich zur Beurteilung verschiedener Sachverhalte ben&ouml;tigen. In diesem Sinne genie&szlig;en B&uuml;cher nach wie vor hohes Vertrauen. Ob immer zurecht, steht auf einem anderen Blatt. Eine Z&auml;sur in Bezug auf die Wahrhaftigkeit der bestehenden Presse- und Medienlandschaft war sicherlich das Fr&uuml;hjahr 2014 mit der Ukrainekrise. Vielen, auch denjenigen, die bislang nie dem Wort &bdquo;Medienkritik&ldquo; begegnet sind, war pl&ouml;tzlich klar, dass extrem einseitig und unausgewogen berichtet wurde. Das hat mit Sicherheit viele sensibilisiert, insofern man sich automatisch fragte: Wenn ich in dieser Angelegenheit nicht umfassend informiert werde, d&uuml;rfte dies bei anderen wichtigen politischen Fragen nicht anders sein. <\/p><p>In Ihrem neuen Buch &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo; thematisieren Sie nicht nur diesen Aspekt sehr deutlich. Insofern ist dieses Buch ein idealtypischer Titel des Westend Verlages. An der schnellen Platzierung auf den Bestsellerlisten kann man ja ablesen, dass die &bdquo;Revolution&ldquo;, dass die dort gestellten Fragen und dargebotenen Aspekte die Menschen gerade in heutigen Zeiten sehr besch&auml;ftigen. Es bietet Orientierung in un&uuml;bersichtlich werdenden Zeiten.<\/p><p><strong>Frage:<\/strong> Wie haben Sie es geschafft, so viele gute Autoren anzuziehen? Gibt es Muster, nach denen Sie auf die Suche und auf die Jagd nach guten Autoren oder auch nur nach erfolgreichen Autoren gehen? Oder kommen diese von alleine?<\/p><p><strong>Antwort:<\/strong> Wir werden immer mal wieder danach gefragt: Wie kommt ihr an eure Autoren? Die Antwort ist immer dieselbe. Wir betrachten uns als vollkommen undogmatisch und &uuml;berparteilich und sehen uns in erster Linie der sozialen Frage verpflichtet. Insofern sind wir &auml;u&szlig;erst sachorientiert. Wer das ist, der wichtige Themen kritisch und kompetent aufbereitet, ist zun&auml;chst nachrangig. Andererseits sto&szlig;en wir dabei nat&uuml;rlich immer wieder auf spannende K&ouml;pfe aus Wissenschaft, Politik, Medien oder sonstigem Expertentum, die wir entdecken, und oft entwickeln wir dann zusammen ein Buchthema. Mal sind diese prominent, mal weniger. Offensichtlich treffen wir mit unserer Themen- und Autorenauswahl, nichts anderes tut ja ein Sachbuchverlag, oft den Nerv der Zeit. Inzwischen erreichen uns durchaus vermehrt Anfragen und Publikationsbegehren aus dem universit&auml;ren Bereich. Deswegen bauen wir gerade einen eigenen Programmbereich Westend Wissenschaft auf. Eines der ersten B&uuml;cher, die dort in K&uuml;rze erscheinen, befasst sich wissenschaftlich, wie k&ouml;nnte es anders sein, mit Medienanalyse.<\/p><p><strong>Frage:<\/strong> Welche Bedeutung hat die bei Ihnen augenf&auml;llige Kommunikation bis hin zur Verbundenheit der Autoren untereinander?<\/p><p><strong>Antwort:<\/strong> Wir legen einerseits sehr gro&szlig;en Wert auf einen permanenten Austausch mit unseren Autorinnen und Autoren, auch dann, wenn gerade kein Buch ver&ouml;ffentlicht wurde, andererseits versuchen wir, dass alle AutorInnen untereinander ins Gespr&auml;ch kommen. Die politische Tendenz beg&uuml;nstigt diesen nat&uuml;rlich, auch wenn in einzelnen Fragen durchaus schwergewichtige Differenzen bestehen. In diesen Komplex der Verlagsarbeit investieren wir viel Zeit und Ressourcen aller Art. <\/p><p><strong>Frage:<\/strong> Wie k&ouml;nnte man den Buchhandel st&auml;rken und damit vielleicht auch unsere Innenst&auml;dte? Oder ist da alles perdu?<\/p><p><strong>Antwort:<\/strong> Vor etwa zwanzig Jahren lief ich mit einer Freundin durch eine gro&szlig;e s&uuml;deurop&auml;ische Stadt; dabei fiel mir zum ersten Male bewusst auf, dass alles so aussah wie in Frankfurt: dieselben Handelsfirmen, dieselbe Au&szlig;enwerbung, dieselben Produkte. Plusminus. Diese Entwicklung hat Amazon nicht ausgel&ouml;st, aber sicherlich in letzter Zeit noch versch&auml;rft. In Wien gibt es in jeder dritten Stra&szlig;e einen kleinen Buchh&auml;ndler, da die Stadt Wien aktiv in das Mietgef&uuml;ge eingreift. Dies zeigt, dass es andernorts am politischen Willen zu fehlen scheint, Innenst&auml;dte so zu gestalten, dass ein buntes Angebot im Einzelhandel besteht und man nicht nur das Handelsvolumen, sprich, den Umsatz und h&ouml;chstm&ouml;gliche Gewerbesteuern im Auge hat. Vielleicht lesen die &Ouml;sterreicher auch mehr, aber klar ist, Buchh&auml;ndlerInnen sind mehr als Verk&auml;ufer. Bei Ihnen muss man sich wohl und aufgehoben f&uuml;hlen. Ich kann mich erinnern, dies war etwa Mitte der Neunziger, da sagte eine Buchh&auml;nderin zu mir: &bdquo;Guten Tag, Herr Karsten, gut dass Sie kommen, da habe ich etwas f&uuml;r Sie&ldquo;. Diese Handelsfunktion muss unbedingt erhalten bleiben, St&auml;dte k&ouml;nnen dies nicht per Beschluss anordnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Westend Verlag aus Frankfurt hat in der <a href=\"https:\/\/www.buchreport.de\/spiegel-bestseller\/paperback\/\">Bestsellerliste f&uuml;r Paperback\/Sachbuch<\/a> in dieser Woche 5 von 20 Positionen erobert, also &frac14;! Es gibt x deutschsprachige Verlage &auml;hnlicher Art, zum Teil sehr viel gr&ouml;&szlig;ere als Westend. 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