{"id":66188,"date":"2020-10-26T13:00:47","date_gmt":"2020-10-26T12:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66188"},"modified":"2020-10-26T13:40:10","modified_gmt":"2020-10-26T12:40:10","slug":"linke-koalitionstraeume-weichen-haltelinien-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66188","title":{"rendered":"Linke Koalitionstr\u00e4ume weichen Haltelinien auf"},"content":{"rendered":"<p>Die Kandidatin f&uuml;r die LINKEN-F&uuml;hrung im Bund, Susanne Hennig-Wellsow, &auml;u&szlig;ert sich nicht eindeutig zu friedenspolitischen Standpunkten. Die LINKE wird aber nur dann ihrer pazifistischen Verantwortung gerecht, wenn sie an ihrem Profil als Friedenspartei festh&auml;lt &ndash; ohne Machtspielereien mit Vertreterinnen und Vertretern der Nato-Linie. Von <strong>Bernhard Trautvetter<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Landesvorsitzende der LINKEN in Th&uuml;ringen und Kandidatin f&uuml;r die LINKEN-F&uuml;hrung im Bund, Susanne Hennig-Wellsow, weichte Ziele der LINKEN in einem Gespr&auml;ch mit der &ldquo;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&ldquo; (FAS) zugunsten von Regierungstr&auml;umen weiter auf. So bezeichnete sie die &ldquo;Frage, ob eine k&uuml;nftige linke Mehrheit Deutschland aus der Nato f&uuml;hren werde, &hellip; eine &lsquo;ablenkende politische Diskussion&rsquo;.&rdquo; (FAS, 25.10.)<\/p><p>Wie weit ihre Koalitionshoffnungen programmatische Positionen und das inhaltliche Profil zur Disposition stellen k&ouml;nnen, macht Susanne Hennig-Wellsow auch im Interview mit dem &bdquo;Neuen Deutschland&ldquo; vom 24.10. deutlich: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Wichtig ist es, auf eine Verantwortung im Bund vorbereitet zu sein. Das bedeutet, dass man wei&szlig;, bis wohin man gehen kann und auch, bis wohin die andere Seite gehen kann. &hellip; Also, rote Haltelinien helfen die eigene Position zu bestimmen, aber sie d&uuml;rfen nicht verhindern, dass man sich &uuml;berhaupt gemeinsam an einen Tisch setzt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Eckpfeiler linker Programmatik ist neben dem Antikapitalismus die Friedensfrage. Je weicher die Positionen der LINKEN ausfallen, um so unklarer wird die Antwort auf die Frage, wo W&auml;hlerinnen und W&auml;hler mit friedenspolitischen Anliegen bei Wahlen noch ihr Kreuz machen k&ouml;nnen. Die Gr&uuml;nen sind l&auml;ngst auf der Position, dass die Nato ein Friedensfaktor ist, der zur Stabilit&auml;t und Demokratie beitr&auml;gt. Sie formulierten sie <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/089\/1908979.pdf\">in einem Antrag an den Bundestag zum 70-j&auml;hrigen Bestehen des Nato-Vertrages<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die NATO-Osterweiterung diente der Stabilisierung der Demokratisierungsprozesse in Europa und trug zur nachhaltigen &Uuml;berwindung einer jahrzehntelangen Spaltung zwischen West- und Osteuropa bei.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die SPD-Position entspricht weitgehend der der Gr&uuml;nen zur Nato. Der <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/089\/1908940.pdf\">gemeinsame und so beschlossene Antrag von SPD und CDU<\/a> zu 70 Jahre Nato besagt: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Durch die St&auml;rkung der kollektiven Sicherheit Europas und Nordamerikas hat die NATO &uuml;ber Jahrzehnte Frieden und Freiheit im euroatlantischen Raum garantiert.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Verantwortung f&uuml;r den Frieden gebietet es demgegen&uuml;ber, dass die &Ouml;ffentlichkeit keinen Sand in die Augen gestreut bekommt, sondern dass Aufkl&auml;rung erfolgt: Die Nato begann mit der Gr&uuml;ndungsl&uuml;ge, man m&uuml;sse sich gegen die Gefahr eines sowjetischen Angriffs zusammenschlie&szlig;en. Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Sowjetunion allerdings die Folgen des Vernichtungskrieges der Nazis &uuml;berwinden. Sie war von den Nazis bis weit hinter Moskau mit einem Feldzug nach dem Prinzip der verbrannten Erde &uuml;berzogen worden. Sie hatte durch den Krieg und durch die Befreiung Europas von Faschismus und Krieg mit circa 27 Millionen Toten ungef&auml;hr die H&auml;lfte aller Kriegstoten der Jahre von 1939 bis 1945 zu beklagen. Auf die machtstrategische L&uuml;ge der Nato-Gr&uuml;nder folgten in den Folgejahrzehnten viele weitere. Die Mitgliedschaft faschistischer Diktaturen wie der Diktaturen in Griechenland und Spanien standen der Propaganda der &bdquo;Wertegemeinschaft&ldquo; nicht im Weg. Die gewaltsame Landnahme eines Gro&szlig;teils Zyperns durch die T&uuml;rkei st&ouml;rte genauso wenig. <\/p><p>Der Verweis auf die Notwendigkeit zu immer neuer Hochr&uuml;stung aufgrund der R&uuml;stung in Osteuropa hat nie gestimmt. Heute hat Russland einen Verteidigungsetat von weniger als zehn Prozent dessen, was die Nato-F&uuml;hrungsmacht USA ins Milit&auml;r investiert. Die Nato ist derjenige Staatenbund, von dessen Gebiet aus die meisten und massivsten V&ouml;lkerrechtsverbrechen seit dem Ende des Kalten Krieges ausgehen. Die Nato bel&uuml;gt die &Ouml;ffentlichkeit auch in der Nuklearfrage, so rechtfertigte sie die Atomraketenr&uuml;stung der 1980er Jahre mit einer Unterlegenheit gegen&uuml;ber der Sowjetunion &ndash; deshalb sprach man im Westen von &sbquo;Nachr&uuml;stung&rsquo; &ndash; aufgrund der Idee, dass man die franz&ouml;sischen und britischen Atompotentiale in Europa verschwieg. <\/p><p>Heute ist diese Methode der Manipulation der &Ouml;ffentlichkeit durch Fehl-Informationen weiter existent: Die Nato verwies auf die Krim-Krise bei der Rechtfertigung der von ihr aktuell er&ouml;ffneten neuen Stufe in der Spirale nuklearer Hochr&uuml;stung: Die f&uuml;r den Atomkrieg nach Einsch&auml;tzungen f&uuml;hrender US-Milit&auml;rs wie General Cartwright gebrauchsfreudigeren Systeme, die auch bald nach B&uuml;chel bei Koblenz kommen sollen, seien eine Reaktion auf das russische Vorgehen gegen die Ukraine. Die Komplexit&auml;t der Ukraine-Krise ist das eine. Aber nur schon der Blick auf die zeitlichen Abl&auml;ufe macht deutlich, dass hier erneut ein brandgef&auml;hrliches Spiel der Machtstrategen mit der Wahrheit abl&auml;uft: Die Krim-Krise spitzte sich 2014 zu. Damals berichtete die &bdquo;New York Times&ldquo; laut <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/barack-obama\/wollen-neue-atomwaffen-neues-wettruesten-mit-russland-37771282.bild.html\">&bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&lsquo;Putins Invasion in der Ukraine hat alles ver&auml;ndert&rsquo;, sagt Obamas fr&uuml;herer Atomwaffenberater Gary Samore. Diese neue Konfrontation &lsquo;hat es v&ouml;llig unm&ouml;glich gemacht, den Waffenbestand einseitig zu verringern&rsquo;, so Samore zur &lsquo;New York Times&rsquo;.  Die <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2014\/09\/22\/us\/us-ramping-up-major-renewal-in-nuclear-arms.html?hp&amp;action=click&amp;pgtype=Homepage&amp;version=LedeSum&amp;module=first-column-region&amp;region=top-news&amp;WT.nav=top-news&amp;_r=1\">&bdquo;New York Times&ldquo;<\/a> meldet: Die Regierung in Washington betreibe intensiv &lsquo;die Wiederbelebung&rsquo; ihres Atomwaffenprogramms. Die Nuklear-Kapazit&auml;ten sollen demnach modernisiert, neue Waffen bestellt, Anlagen aufger&uuml;stet, neue Tr&auml;gersysteme entwickelt werden &ndash; f&uuml;r bis zu einer Billion Dollar.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Den Beschluss &uuml;ber die Entwicklung und Stationierung der neuen Generation nuklearer Arsenale der USA in Europa f&auml;llte die Nato allerdings <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/bombengeschaeft-us-atomwaffen-11179867.html\">auf ihrem Chicago-Gipfel im Mai 2012<\/a>.<\/p><p>Angesichts solcher Fakten ist es die Aufgabe der Kr&auml;fte des Friedens, die von der Nato ausgehende Gefahr priorit&auml;r in der &Ouml;ffentlichkeit so deutlich zu machen, wie das in den 1980er Jahren geschah, als Hunderttausende in die westdeutsche Hauptstadt Bonn kamen, um mit weltweit beachteten Friedensdemonstrationen gemeinsam gegen die atomare Bedrohung vorzugehen, wie es im Motto der Aufrufe zu diesem Protest hie&szlig;.<\/p><p>Die LINKE wird nur dann ihrer Verantwortung als letzte Bundestagspartei mit einer in diesen Fragen klaren Position gerecht, wenn sie an ihrem Profil als Friedenspartei ohne Machtspielereien mit Vertreterinnen und Vertretern der Nato-Linie festh&auml;lt. Es geht hier um eine, wenn nicht die wichtigste Frage an die Zukunft der Zivilisation nicht nur in unserem Erdteil.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63830\">Friedenspolitik der LINKEN in Gefahr<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64854\">Kernforderungen zum Frieden und gegen den Krieg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64914\">V&ouml;lkerrecht statt nukleares Inferno!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61116\">Die LINKE im politischen Lockdown<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kandidatin f&uuml;r die LINKEN-F&uuml;hrung im Bund, Susanne Hennig-Wellsow, &auml;u&szlig;ert sich nicht eindeutig zu friedenspolitischen Standpunkten. 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