{"id":66333,"date":"2020-10-30T10:41:31","date_gmt":"2020-10-30T09:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66333"},"modified":"2020-11-01T10:12:48","modified_gmt":"2020-11-01T09:12:48","slug":"wir-machen-einfach-auf-kein-witz-und-ohne-gewaehr-morgen-eroeffnet-der-hauptstadtflughafen-ber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66333","title":{"rendered":"\u201eWir machen einfach auf.\u201c Kein Witz und ohne Gew\u00e4hr: Morgen er\u00f6ffnet der Hauptstadtflughafen BER."},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag wird der Flughafen Berlin Brandenburg &bdquo;Willy Brandt&ldquo; eingeweiht. Zumindest ist es so angek&uuml;ndigt. Einen Schlussstrich unter das Desasterprojekt und 14 Jahre Pleiten, Pech und Pannen markiert der Termin aber mitnichten. L&auml;ngst zeichnet sich ab, dass der Airport zum Sanierungsfall f&uuml;r die Ewigkeit wird &ndash; nicht nur wegen Corona. Die M&ouml;glichkeit einer Privatisierung wird auch schon diskutiert, was die Sache nicht besser macht. Zum &bdquo;Abheben&ldquo; besteht so oder so kein Anlass, findet sogar der &bdquo;Chefpilot&ldquo;. Eine leicht h&auml;mische W&uuml;rdigung von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4976\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-66333-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=66333-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201030_Kein_Witz_und_ohne_Gewaehr_Morgen_eroeffnet_der_Hauptstadtflughafen_BER_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dieser Samstag wird ein schwarzer Tag f&uuml;r alle Spa&szlig;v&ouml;gel. &bdquo;Morgen er&ouml;ffnet der BER!?&ldquo; Was seit bald zehn Jahren verl&auml;sslich f&uuml;r Lacher sorgt, k&ouml;nnte morgen tats&auml;chlich bitterer Ernst werden. Am 31. Oktober wird (soll) der Flughafen Berlin Brandenburg &bdquo;Willy Brandt&ldquo; (BER) offiziell und ein f&uuml;r alle Mal er&ouml;ffnet werden. Dann ist Schluss mit lustig und die Welt um einen Running Gag &auml;rmer. Im dann siebten Anlauf (verflixt) &ndash; nach zuvor sechs gescheiterten Versuchen &ndash; wird (soll) zum ersten Mal ein Linienflugzeug von dort abheben, wo am 5. September 2006 der erste Spatenstich in den m&auml;rkischen Sand gesetzt wurde. <\/p><p>Aber weil man den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben m&ouml;ge und als skeptischer Zeitzeuge der Geschehnisse (und Nichtgeschehnisse) am Standort Sch&ouml;nefeld im S&uuml;den der Hauptstadt den Konjunktiv besser in Hinterkopf beh&auml;lt, wollen die NachDenkSeiten das Event vorsichtshalber schon heute am Freitag (nicht dem 13.) w&uuml;rdigen. Denn man wei&szlig; ja nie, was in 24 Stunden noch alles schiefgehen kann, zumal und speziell beim BER. Und sollte am Ende doch noch etwas dazwischen gekommen sein, k&ouml;nnten wir das immer noch am Montag nachtragen &ndash; mit einer (Lach)-Tr&auml;ne mehr im Knopfloch.   <\/p><p><strong>&bdquo;Monster&ldquo; geb&auml;ndigt <\/strong><\/p><p>Zu Scherzen d&uuml;rfte der Chef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), Engelbert L&uuml;tke Daldrup, heute eher nicht aufgelegt sein. Sperrt er Sonnabendfr&uuml;h nicht die Tore auf, ist ohne Frage auch er seinen Job los. Davor hatten mit Rainer Schwarz, Hartmut Mehdorn und Karsten M&uuml;hlenfeld bereits drei &bdquo;Chefpiloten&ldquo; vorzeitig den Abflug gemacht. Au&szlig;erdem fegte der BER-Schleudersitz f&uuml;nf Bauleiter aus dem Amt, zuletzt vor einem Jahr Carsten Wilmsen, der auf &bdquo;eigenen Wunsch&ldquo; seinen Hut nahm, um sich <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/flughafen-ber-mit-weiterem-abgang-auch-technikchef-wilmsen-verlaesst-das-projekt-vorzeitig\/25206516.html\">&bdquo;au&szlig;erhalb der Luftverkehrsbranche&ldquo; weiterzuentwickeln &hellip;<\/a> Seither ist der Posten vakant, <a href=\"https:\/\/www.airliners.de\/posten-ber-technikchef\/56439\">wegen Sparzw&auml;ngen und Corona<\/a>. <\/p><p>Ein Schelm w&uuml;rde sp&ouml;tteln: Seit kein Obertechniker mehr da ist, l&auml;uft die Sache besser. Zumindest gilt das (offenbar) f&uuml;r die physische Baustelle. Wie es hei&szlig;t, soll sogar die Brandschutz- und Entrauchungsanlage laufen, das &bdquo;Monster&ldquo; also, dessen ewige Zicken Schuld daran waren, dass der Airport praktisch zweimal gebaut wurde. Erschaffen hat die Bestie Alfredo di Mauro, damals Leiter zweier Ingenieurb&uuml;ros. Der &bdquo;Stern&ldquo; fand 2014 heraus, dass er selbst gar kein Ingenieur ist, sondern nur technischer Zeichner, und die BER-Manager auf eine fingierte Visitenkarte hereingefallen waren. Zu seiner Verteidigung <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/architektur\/planer-ber-entrauchungsanlage-gar-ingenieur\/\">sagte der Ertappte<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe die Leute am BER nicht korrigiert, mich hat aber auch niemand nach meinem Hochschulabschluss gefragt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>M&auml;ngel ohne Ende <\/strong><\/p><p>Man h&auml;tte wom&ouml;glich auch anders Verdacht sch&ouml;pfen k&ouml;nnen &ndash; nicht nur, weil di Mauro davor schon im Zusammenhang mit der Errichtung eines &Auml;rztezentrums in Offenbach wegen Fehlplanungen gek&uuml;ndigt worden war. Im Falle einer Feuerkatastrophe am BER-Gro&szlig;flughafen sollte seine Konstruktion den Rauch &uuml;ber Hunderte Meter in den Keller pumpen und dann seitlich nach au&szlig;en ableiten. Ein Blick in die Pl&auml;ne h&auml;tte den Verantwortlichen viel &Auml;rger, Zeit und Geld erspart. Nach den Gesetzen der Physik lassen sich hei&szlig;e Gase nicht sagen, wo es lang geht, und steigen zuverl&auml;ssig nach oben. Das Malheur erkannt hatte seinerzeit Technikchef Jochen Gro&szlig;mann, bei dessen Wahl die Macher aber auch kein gutes H&auml;ndchen bewiesen. Kaum ein Jahr im Amt, wurde er wegen Bestechlichkeit und Betrugs entlassen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/korruption-am-ber-bewaehrungsstrafe-fuer-ex-technikchef-grossmann\/10894902.html\">und sp&auml;ter zu einer Bew&auml;hrungsstrafe verurteilt<\/a>.<\/p><p>Immerhin waren seine beiden Nachfolger Sauberm&auml;nner und bis zu ihrem jeweils raschen Abgang vornehmlich damit befasst, Scherben aufzukehren. Die Liste der M&auml;ngel und Pannen am BER ist nichts f&uuml;r Lesemuffel und umfasste in der Spitze etliche tausend Punkte, darunter: massenhaft kaputte Automatikt&uuml;ren, &uuml;berf&uuml;llte Stromsch&auml;chte, vergessene Brandmelder, Regen im Luftschacht, biegsame Parkhausd&auml;cher, verdunkelte Rettungswege, zu kurze Rolltreppen, geborstene Scheiben, zersprungene Terminalfliesen, zu niedrige Decken in den VIP-Lounges, haufenweise falsche Wegweiser, ein Notwarnsystem ohne Notstromversorgung, falsch nummerierte R&auml;ume, zu kleine Gep&auml;ckanlagen, zu wenige Abfertigungsschalter, Hunderte f&auml;lschlich gepflanzte B&auml;ume <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/flughafen-berlin-brandenburg\/berliner-flughafen-die-geheime-maengelliste-12023659.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">et cetera pp..<\/a> Obendrein fanden sich als Sinnbild des Versagens 2014 in einem Altpapiercontainer irgendwo in Berlin ordnerweise Baupl&auml;ne. <\/p><p><strong>Zum Start schon &uuml;berholt <\/strong><\/p><p>Zum alten Eisen geh&ouml;rt mithin auch der Flughafen selbst, noch ehe er &uuml;berhaupt an den Start gegangen ist. Ex-FBB-Chef Hartmut Mehdorn hatte schon vor sechs Jahren eine Erweiterung nach &bdquo;Fertigstellung&ldquo; im Umfang von 3,2 Milliarden Euro ins Gespr&auml;ch gebracht. Hintergrund sind die (vor Corona) rasant gewachsenen Passagierzahlen mit Destination Berlin. 2019 wurden in Sch&ouml;nefeld und Tegel rund 35 Millionen Reisende gez&auml;hlt, zu Beginn kann der BER aber blo&szlig; 27 Millionen Flugg&auml;ste bew&auml;ltigen. Vor drei Jahren pr&auml;sentierte L&uuml;tke Daldrup einen Masterplan, wonach der Standort bis 2035 f&uuml;r 2,3 Milliarden Euro ausgebaut werden m&uuml;sse, <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/umland\/so-soll-der-ber-doch-noch-zum-grossflughafen-ausgebaut-werden\">um dann j&auml;hrlich 55 Millionen Flugg&auml;ste abfertigen zu k&ouml;nnen<\/a>. Man fragt sich: Wie sollen in 15 Jahren 20 Millionen mehr Menschen in einer Stadt unterkommen, die schon heute touristisch komplett &uuml;berlaufen ist und ihren Einwohnern kaum mehr Platz bietet? <\/p><p>Aber gut. Mit Zahlen und Grenzen haben es die Zust&auml;ndigen nie so genau genommen. Laut einem Gutachten von 1995 sollte der Ausbau von Sch&ouml;nefeld zum Hauptstadtflughafen 1,12 Milliarden D-Mark (sic!) kosten. Umgerechnet w&auml;ren das heute 772 Millionen Euro. Zum Baustart wurde dann gleich mal mit zwei Milliarden Euro hantiert, 2009 schon mit &uuml;ber 2,4 Milliarden Euro. Nachdem 2012 der erste Er&ouml;ffnungstermin geplatzt war, geisterte zun&auml;chst die Zahl 4,3 Milliarden Euro durch den Raum, die sich aber schon ein Jahr sp&auml;ter in Luft aufl&ouml;ste und der Marke 5,1 Milliarden Euro weichen musste. Der aktuelle FBB-Businessplan setzt die Gesamtkosten mit 5,932 Milliarden Euro an, wobei diese Summe keine Zinsen und Tilgungen enth&auml;lt. Entsprechend beziffert das Portal Ingenieur.de <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/luftfahrt\/ber-flughafen-berlin\/\">die Ausgaben bis zum 31. Oktober mit 7,1 Milliarden Euro<\/a>.<\/p><p><strong>Fass ohne Boden <\/strong><\/p><p>Auf <a href=\"https:\/\/www.flughafen-berlin-kosten.de\/\">Flughafen-Berlin-Kosten.de<\/a>  ist die Entwicklung in einem Schaubild nachgezeichnet und der Verlauf mutet wie der Start eines D&uuml;senjets an. Es geht steiler und immer steiler in die H&ouml;he. Runter zieht das freilich den Steuerzahler. Auf der Webseite tickt ohne Unterlass eine Schuldenuhr. Pro Tag verschlingt das Projekt &uuml;ber eine Million Euro, in einem Monat 35 Millionen Euro. Nimmt man das ganze Geld, lie&szlig;en sich damit sieben Millionen Kitapl&auml;tze finanzieren oder der stillgelegte Flugplatz Berlin-Tegel k&ouml;nnte 59 Jahre lang weiterbetrieben werden. Noch viel l&auml;nger ginge dies, zieht man den Ausbau nach Gusto des FBB-Chefs in Betracht. In diesem Fall sei mit Kosten von &bdquo;mindestens 9,59 Milliarden Euro&ldquo; bis 2040 zu rechnen. <\/p><p>Aber selbst das w&auml;re wohl noch moderat gesch&auml;tzt. Denn bei diesem Szenario ist der Faktor Corona noch gar nicht eingepreist. Der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/corona-verluste-und-ber-hilfen-drohendes-finanzdesaster-in-berlin-alarmiert-die-bundespolitik\/25908074.html\">Berliner &bdquo;Tagesspiegel&ldquo;<\/a>  hatte schon Ende April mit Verweis auf ein Expertengutachten berichtet, dass der BER bis 2023 einen Mehrbedarf von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro hat, was L&uuml;tke Daldrup als &bdquo;Milchm&auml;dchenrechnung&ldquo; zur&uuml;ckwies.  Von wegen: H&auml;tte Anfang September nicht der Haushaltsausschuss des Bundestages einen Staatszuschuss in H&ouml;he von 26 Millionen Euro und ein Darlehen &uuml;ber 50 Millionen Euro f&uuml;r die Betreibergesellschaft bewilligt, w&auml;re der BER schon vor dem Start bankrott gegangen. Bis zum Jahresende will der Bund zus&auml;tzlich 300 Millionen Euro zuschie&szlig;en, zur Kompensation pandemiebedingter Sch&auml;den, wie es hei&szlig;t. <\/p><p><strong>Privatisierer wittern Beute? <\/strong><\/p><p>F&uuml;r 2021 hat die Bundesregierung einen Kredit &uuml;ber weitere 550 Millionen Euro zugesagt, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/flughafen-ber-andreas-scheuer-haelt-weitere-staatshilfen-fuer-noetig-a-d3f11b91-1f9b-469b-b48d-1c7919b00fa0\">schrieb am Dienstag die Onlineausgabe des &bdquo;Spiegel&ldquo;<\/a>. Das Magazin lie&szlig; dazu Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit einem Lamento &uuml;ber die gr&ouml;&szlig;te Luftfahrtkrise in der Geschichte zu Wort kommen. &bdquo;F&uuml;r den BER hei&szlig;t das, dass wir uns die Wirtschaftspl&auml;ne f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre noch einmal intensiv anschauen m&uuml;ssen.&ldquo; Das l&auml;sst sich wohl damit &uuml;bersetzen, dass der Airport zum Sanierungsfall f&uuml;r die Ewigkeit wird. <\/p><p>So betrachtet, kommt das Virus den Verantwortlichen wom&ouml;glich sogar zupass. In der Pandemie sitzen die &ouml;ffentlichen Mittel ja ziemlich locker. Ein paar Hundert Millionen Euro mehr f&uuml;r einen mittellosen Airport fallen da weder auf noch ins Gewicht. Eine vorl&auml;ufige &bdquo;Rettung&ldquo; k&ouml;nnte ein nationaler Luftverkehrsgipfel am 6. November bringen. Scheuer versprach auch, sich f&uuml;r mehr internationale Fl&uuml;ge am BER einzusetzen. &bdquo;Berlin ist unsere Hauptstadt, Berlin muss ein Drehkreuz sein.&ldquo; Gerade vom Pkw-Mautvermasseler wei&szlig; man, wie teuer falscher Ehrgeiz werden kann. <\/p><p>Apropos teuer: Der S&uuml;ndenfall BER hat inzwischen die Privatisierungslobby auf den Plan gerufen. Den Anfang machte vor einem Monat der Pr&auml;sident des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, mit dem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/berliner-grossflughafen-blind-zu-privatisieren-ist-nicht-zielfuehrend-debatte-um-hauptstadtflughafen-ber-nimmt-fahrt-auf\/26228890.html?ticket=ST-717099-u1WWhTJRU5kVF1bU4nOR-ap2\">Vorschlag einer Teilprivatisierung des Airports<\/a>. Die Erfahrung mit dem Bau zeige, &bdquo;dass der Staat nicht alles besser kann, sondern dass es auf eine kluge Partnerschaft von Staat und privaten Unternehmen ankommt, um ein so wichtiges Gro&szlig;projekt erfolgreich umzusetzen&ldquo;. Dem pflichtete umgehend die FDP-Bundestagsfraktion bei. Die &ouml;ffentliche Hand sei nicht allein in der Lage, die Herausforderungen der Zukunft &ndash; technologisch, strategisch und finanziell &ndash; zu stemmen. <\/p><p><strong>Neoliberale Entstaatlichung <\/strong><\/p><p>Fraglos ist das Projekt in staatlicher Tr&auml;gerschaft (der FBB-Gesellschafter Berlin, Brandenburg, Bund) und immer wieder neuer politischer Einmischungen reichlich missraten und steht darin &bdquo;Stuttgart 21&ldquo; in nichts nach. Und m&ouml;glicherweise h&auml;tte ein privater Bauherr die Realisierung besser, schneller und auch billiger hinbekommen. Auf einem anderen Blatt stehen dagegen die langfristigen Lasten f&uuml;r den Steuerzahler. Im Falle einer &ouml;ffentlich-privaten Partnerschaft (&Ouml;PP) h&auml;tten die Betreiber noch &uuml;ber Jahrzehnte aus dem Vollen sch&ouml;pfen k&ouml;nnen und sich der Staat noch &auml;rmer sparen m&uuml;ssen. Entsprechend leidige Erfahrungen gab und gibt es zuhauf, etwa im Stra&szlig;en- oder Schulbau (Kreis Offenbach). Und gerade Minister Scheuer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45497\">hat in puncto Autobahnpolitik reichlich Leichen im Keller<\/a>.<\/p><p>Dabei haben drei Jahrzehnte neoliberaler Entstaatlichung mit schwarzer Null, Schuldenbremse und Maastricht-Diktat erst die scheinbare Rechtfertigung f&uuml;r die gro&szlig;en Privatisierungsattacken geliefert, was auf dem Wohnungsmarkt die Mieter, in den Kliniken die Patienten und bei der Alterssicherung die verarmten Rentner ausbaden m&uuml;ssen. Gerade im Bereich gro&szlig;er  Investitionsvorhaben m&uuml;ssen die kaputtgek&uuml;rzten &ouml;ffentlichen Verwaltungen, insbesondere die Planungs- und Bau&auml;mter, als Ausrede daf&uuml;r herhalten, dass sich die Politik lieber die Privaten ins Boot holt. Und so werden dann wieder und wieder neue Privatisierungsabenteuer aufs Gleis gesetzt, in Berlin etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64136\">in Gestalt der Zerschlagung der S-Bahn<\/a> oder der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54195\">sogenannten Schulbauoffensive (BSO)<\/a>.<\/p><p><strong>&bdquo;Keine Party&ldquo; <\/strong><\/p><p>Im Fall des BER jedoch d&uuml;rfte die Pandemie die Begehrlichkeiten von Investoren bis auf Weiteres z&uuml;geln. In laufenden Jahr wird mit Passagierzahlen von lediglich zehn Millionen gerechnet, im kommenden mit 18 Millionen &ndash; beides Werte meilenweit unter den einstigen Planzahlen. Fratzschers Vorsto&szlig; widersprach dann auch prompt Klaus-Heiner R&ouml;hl vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Ob Investoren in der &bdquo;aktuellen unsicheren Lage Schlange stehen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/ber-iw-experte-klaus-heiner-roehl-berlin-leidet-an-fehlenden-business-passagieren\/26224356.html\">erscheine &bdquo;zweifelhaft&ldquo;<\/a>. Auch der Berliner Senat lehnte eine (Teil-)Ver&auml;u&szlig;erung bisher strikt ab. Wobei das eine Garantie mit kurzer Haltbarkeit ist. In einem Jahr steht die Abgeordnetenhauswahl an und danach sieht die Welt vielleicht schon ganz anders aus. <\/p><p>L&auml;uft morgen alles rund, d&uuml;rfte der BER bis dahin zumindest im gebremsten Regelbetrieb operieren. Wie FBB-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer L&uuml;tke Daldrup schon vor einem Monat ank&uuml;ndigte, soll es am Samstag um 14 Uhr mit der zeitgleichen Landung zweier Maschinen von Lufthansa und Easyjet losgehen. Tags darauf werde ein Easyjet als erster kommerzieller Flieger von der alten Nordstartbahn Sch&ouml;nefeld in die L&uuml;fte entschweben. Die Einweihung der neuen S&uuml;dbahn <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/Flughafen-BER\/BER-Aktuelles\/akteure_aktuell\/2020\/10\/luetke-daldrup-flugplan-easyjet-lufthansa.html\">erfolge erst am 4. November<\/a>. Ausgelassene Feierlichkeiten stehen indes nicht auf dem Programm. &bdquo;Der Weg bis zur Er&ouml;ffnung war kein leichter. Berlin und ganz Deutschland wurden zur Lachnummer, wir deutschen Ingenieure haben uns gesch&auml;mt&ldquo;, beschied der BER-Chef und weiter: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es gibt keine gro&szlig;e Party, wir machen einfach auf.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/957834d2c12844ba8456e447f35d8e0c\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p><p>Titelbild: DUO Studio \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag wird der Flughafen Berlin Brandenburg &bdquo;Willy Brandt&ldquo; eingeweiht. Zumindest ist es so angek&uuml;ndigt. Einen Schlussstrich unter das Desasterprojekt und 14 Jahre Pleiten, Pech und Pannen markiert der Termin aber mitnichten. L&auml;ngst zeichnet sich ab, dass der Airport zum Sanierungsfall f&uuml;r die Ewigkeit wird &ndash; nicht nur wegen Corona. Die M&ouml;glichkeit einer Privatisierung wird<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66333\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":66336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,160,73],"tags":[2446,1908,2978,694],"class_list":["post-66333","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-markt-und-staat","category-verkehrspolitik","tag-flugverkehr","tag-fratzscher-marcel","tag-luetke-daldrup-engelbert","tag-milliardengrab"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/shutterstock_1519701980.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66333"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66406,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66333\/revisions\/66406"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/66336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}