{"id":66431,"date":"2020-11-02T10:07:26","date_gmt":"2020-11-02T09:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66431"},"modified":"2020-11-06T09:40:37","modified_gmt":"2020-11-06T08:40:37","slug":"assange-weiterhin-in-haft-journalisten-aufgerafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66431","title":{"rendered":"Assange weiterhin in Haft, Journalisten aufgerafft?"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag, den 29. Oktober, hie&szlig; es f&uuml;r Julian Assange und die weiteren Beteiligten, wieder den aller vier Wochen stattfindenden Haftpr&uuml;fungstermin wahrzunehmen. Fast ein bisschen wie &bdquo;Dinner for One&ldquo;, aber leider bitterer Ernst. Am Abend hatte dann der irisch\/britische Journalistenverband eine Zoom-Konferenz f&uuml;r Mitglieder ausgerichtet und hiervon war ich dann schon eher positiv &uuml;berrascht. Ein Bericht, diesmal aus dem Heimb&uuml;ro in Irland, von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nGestern regnete es auch in London, aber trotzdem war der harte Kern der dortigen Unterst&uuml;tzer der Pressefreiheit, diesmal wieder vor dem altbekannten Westminster Magistrates Court, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/letmelooktv\/status\/1321826116311650305\">versammelt<\/a> (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/letmelooktv\/status\/1322014881172828161\">Video<\/a>). Diesmal hatte das Gericht den Nichtregierungsorganisationen und sonstigen Beobachtern, die aus der Ferne beobachten wollten, komplett den Hahn zugedreht. Somit war es Journalisten vor Ort und sechs &bdquo;sonstigen&ldquo; Beobachtern vorbehalten, das zweimin&uuml;tige Geschehen zu beobachten.<\/p><p>Auf die Besuchertrib&uuml;ne gelangten unter anderem Assanges Vater John Shipton und die Vertreterin von Reporter ohne Grenzen, Rebecca Vincent, die nach der Anh&ouml;rung auch ein kurzes <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DEAcampaign\/status\/1321848911263387648\">Statement<\/a> abgab.<\/p><p>Julian Assange, der per Video zugeschaltet war, durfte seinen Namen und sein Geburtsdatum sagen. Sein Verteidiger Edward Fitzgerald QC (Queen&lsquo;s Counsel) war pers&ouml;nlich anwesend, genau wie der Anklagevertreter Joel Smith QC. Die einzige &Uuml;berraschung war, dass nicht die Bezirksrichterin Vanessa Baraitser, die seit letztem Jahr das Verfahren f&uuml;hrt, anwesend war, sondern Richter Ikram. Mir schwant aber, dass sie dies am 1. Oktober im Old Bailey schon angek&uuml;ndigt hatte.<\/p><p>An diesem Donnerstag vor vier Wochen verlie&szlig; ich schockiert und desillusioniert das Gericht und trat, anders als Julian Assange, ins Freie. Die Sonne war glei&szlig;end, die Unterst&uuml;tzer machten berechtigterweise einen Heidenl&auml;rm und mir war, als h&auml;tte mich jemand ausgespien. Die letzten Tage im Old Bailey waren erf&uuml;llt von &auml;rztlichen Zeugenaussagen &uuml;ber Assanges Gesundheitszustand und die barbarischen Haftbedingungen, die ihn in den USA erwarten w&uuml;rden. Auch die absolute Verletzung seiner Privatsph&auml;re durch die wahrscheinlich von US-Diensten beauftragte &Uuml;berwachung rund um die Uhr kam zur Sprache. Dazu ist in Spanien gerade ein Verfahren anh&auml;ngig, dessen Ergebnis hoffentlich noch Einfluss auf das Assange-Verfahren haben wird. Dar&uuml;ber wird beizeiten zu berichten sein.<\/p><p>Ich war nur Beobachter und man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, wie Julian Assange sich in dieser ausweglosen Situation f&uuml;hlt. Das Schlimme ist ja, dass er damit nicht alleine ist auf unserer im wahrsten Sinne verr&uuml;ckten, aus den Fugen geratenen Welt, sondern dass &uuml;berall Personen zu Unrecht oder unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig im Gef&auml;ngnis sitzen. Auch sonst hat ja die Ungerechtigkeit auf der Welt seit Beginn des diesj&auml;hrigen Ausnahmezustandes konsequent zugenommen und ganze Bev&ouml;lkerungsgruppen und L&auml;nder werden &ouml;konomisch geopfert, anstatt kompensiert zu werden f&uuml;r die herrschenden Corona-Ma&szlig;nahmen, w&auml;hrend die reicheren Teile der Gesellschaft gelinder wegkommen bzw. sich das Geld in die Taschen scheffeln.<\/p><p>Hier als Randnotiz: Laut einem Tweet der Londoner Rettungssanit&auml;ter hat sich die Zahl der Selbstt&ouml;tungen und Versuche seit dem letzten Jahr fast verdoppelt und in den letzten f&uuml;nf Jahren mehr als <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Ldn_Ambulance\/status\/1321566876732952581\">verdoppelt<\/a>.<\/p><p>Zur&uuml;ck zur Anh&ouml;rung am Donnerstag: Assange muss weiterhin in Haft bleiben und der n&auml;chste Haftpr&uuml;fungstermin ist am 26. November. Die Verteidigung beantragte eine Woche Verl&auml;ngerung, um ihr Schlusspl&auml;doyer einzureichen. Dies sollte eigentlich bis zum 30. Oktober geschehen sein, aber die Gef&auml;ngnisbeh&ouml;rden hatten es bis zum Tag davor nicht geschafft, Julian Assange den Computer zukommen zu lassen, auf dem sich dieses Dokument befindet, und er konnte es somit nicht kommentieren oder absegnen. Hier erkl&auml;rt sein Vater <a href=\"https:\/\/twitter.com\/i\/status\/1321842285915656192\">diesen Vorgang<\/a>. Einmal mehr fragt man sich, ob es sich um eine weitere &bdquo;Panne&ldquo; und Unf&auml;higkeit handelt oder eine gezielte Strategie. Nach zwei Jahren der intensiven Besch&auml;ftigung mit der Materie dr&auml;ngt sich bei mir eher letzterer Eindruck auf, und damit stehe ich nicht allein.<\/p><p><strong>Web-Konferenz<\/strong><\/p><p>Am Donnerstagabend gab es dann eine vom Journalistenverband NUJ ausgerichtete <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MSterling27\/status\/1321912348391706625\/photo\/1\">Videokonferenz<\/a> f&uuml;r NUJ-Mitglieder, deren Fortgang in diesen d&uuml;steren Zeiten eine angenehme &Uuml;berraschung war. Aus Dublin moderierte der irische Generalsekret&auml;r Seamus Dooley und es sprachen der NUJ\/IFJ-Prozessbeobachter Tim Dawson, Assanges langj&auml;hrige Anw&auml;ltin Jennifer Robinson und der ehemalige Guardian-Herausgeber Alan Rusbridger, der als Erster das Wort ergriff. 2010 hatte er mit Julian Assange und Wikileaks zusammengearbeitet, als es um die Berichterstattung &uuml;ber Kriegsverbrechen und Korruption ging. Dann hatten sich die beiden aber &uuml;berworfen und in den letzten Jahren kam von Rusbridger keine oder kaum Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Assange.<\/p><p>Deswegen war es wohltuend, dass er die Schwierigkeiten entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nur minimal erw&auml;hnte und sich uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r Julian Assange und gegen eine Auslieferung aussprach. Er scheint nun auch erkannt zu haben, welches Damoklesschwert mit dem Assange-Verfahren &uuml;ber dem Enth&uuml;llungsjournalismus schwebt. Er fand deutliche Worte f&uuml;r die Absurdit&auml;t der Tatsache, dass hier ein australischer Staatsb&uuml;rger von der britischen Justiz im Namen der USA verfolgt wird.<\/p><p>Dass er wenig &uuml;ber die Zeugenaussagen, die im September im Old Bailey gemacht wurden, wusste, fand ich etwas &uuml;berraschend, und auch seine Begr&uuml;ndung, dass es keine minuti&ouml;se Berichterstattung gab, klang nicht &uuml;berzeugend. Er hat nat&uuml;rlich recht, dass die Mainstreammedien im Vereinigten K&ouml;nigreich quasi einen Blackout hatten, wenn es um den Inhalt des Verfahrens ging, aber bei <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2020\/09\/your-man-in-the-public-gallery-assange-hearing-day-18\/\">Craig Murray<\/a> oder auf den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65298\">NachDenkSeiten<\/a> und <a href=\"https:\/\/assangecourt.report\/\">hier sehr detailliert<\/a> h&auml;tte ein erfahrener Journalist wie Rusbridger schon etwas finden k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem h&auml;tte er auch mal bei Gericht vorbeischauen k&ouml;nnen und ich h&auml;tte ihm gern meinen Platz &uuml;berlassen, falls er trotz seines britischen NUJ-Ausweises keinen Zugang zur Pressetrib&uuml;ne gefunden h&auml;tte.<\/p><p>Aber er hat sicherlich sehr viel um die Ohren und sein Appell f&uuml;r Einigkeit und einen gemeinsamen Kampf f&uuml;r Pressefreiheit kann ich voll und ganz unterst&uuml;tzen. Wie gesagt, er fand deutliche Worte f&uuml;r vieles, was sich im Moment in dieser Richtung ereignet, wie z.B. den Umgang mit Staatsgeheimnissen oder dass Staaten sich in Gespr&auml;che von Journalisten mit Rechtsanw&auml;lten, Doktoren, Priestern und sonstigen Quellen einschalten. So etwas sei vor 20 Jahren nicht vorstellbar gewesen. Er machte wirklich &uuml;berzeugend den Eindruck, als sei er &uuml;ber diese Entwicklung genauso best&uuml;rzt wie &uuml;berrascht. Er war auch sehr deutlich in seiner Einsch&auml;tzung, dass das, was Assange vorgeworfen wird, eigentlich guter journalistischer Alltag sein sollte und kein Verbrechen. Es ging hier um Quellenschutz und dass Quellen ermuntert werden, mehr Material zu liefern. Hoffentlich folgen seinen Worten Taten bzw. &ouml;ffentliche Worte.<\/p><p>Nach Rusbridger kam Tim Dawson zu Wort, der tats&auml;chlich im September jeden Tag bei der Anh&ouml;rung zu sehen war. Er machte dort einen eher unbeteiligten Eindruck, was aber vielleicht eine T&auml;uschung war, denn in der NUJ-Konferenz sprach er sehr bildhaft und emotional von seinen Eindr&uuml;cken und der Barbarei, die in dem Verfahren durchschimmerte. Er kritisierte die m&ouml;glichen Haftbedingungen in den USA als unvorstellbar grausam und hielt auch mit seiner Meinung &uuml;ber Assanges De-facto-Isolation &uuml;ber viele Monate im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in London nicht hinter dem Berg. Dawson erw&auml;hnte auch, dass sich Assanges Gesundheitszustand im Krankentrakt in Belmarsh rapide verschlechterte und sich dieser merkw&uuml;rdigerweise verbesserte, als Assange (durch eine Petition der Mith&auml;ftlinge, Anm. MM) wieder in eine &bdquo;normale&ldquo; Zelle verlegt wurde.<\/p><p>Etwas nebul&ouml;s war seine Schilderung &uuml;ber die Vorg&auml;nge, welche zur Ver&ouml;ffentlichung von unredigierten Dokumenten im Jahre 2011 f&uuml;hrten. Es ist ein zentraler Vorwurf der US-Anklage, dass Assange hiermit Personen, die erw&auml;hnt wurden, gef&auml;hrdet habe. Mein Eindruck im Old Bailey war der, dass nicht Wikileaks, sondern die Webseite Cryptome diese Dokumente zuerst ver&ouml;ffentlichte, diese Dokumente noch immer dort zu finden sind und die Herausgeber deswegen noch nie von der Justiz belangt wurden. Die Verfolgung von Assange scheint tats&auml;chlich von langer Hand geplant, doch dazu mehr weiter unten. Au&szlig;erdem erscheint es sehr klar, dass die Guardian-Journalisten David Leigh und Luke Harding in einem Buch das Passwort zu diesen Dateien ver&ouml;ffentlichten, w&auml;hrend Assange in der Zwischenzeit versuchte, zust&auml;ndige US-Stellen zu warnen.<\/p><p>Tim Dawson nannte den ganzen Vorgang nur einen &bdquo;cock-up&ldquo;, also dass es vermurkst wurde, und sprach sich daf&uuml;r aus, dass potentielle Unterst&uuml;tzer in den Reihen der Journalisten in dieser dringenden Zeit ihre Energie nicht mit der Kl&auml;rung dieser Fragen verschwenden sollten.<\/p><p>Auch ich habe schon des &Ouml;fteren in diese Richtung pl&auml;diert und dass die freiheitsliebenden Reporter, Aktivisten und Nachrichtenkonsumenten an einem Strang ziehen sollten und man sich f&uuml;r die Freilassung von Julian Assange einsetzen sollte. Dreckige W&auml;sche kann man waschen, wenn er sich in besserer Gesundheit an einem sicheren Ort befindet. Dieser Ort ist wegen der Tendenzen der verschiedenen US-Administrationen, sich &uuml;berall als Weltpolizist aufzuspielen, wahrscheinlich gar nicht so einfach zu finden. Das Angebot des Kantons Genf, Assange Asyl zu gew&auml;hren, ist hier vielleicht ein erster Ansatzpunkt.<\/p><p>Auf die Frage, warum so wenig &uuml;ber Assange in den weitverbreiteten Medien zu finden ist, antwortete Dawson, dass viele Herausgeber ihre Leser nicht langweilen wollten. Leider hat er hier teilweise recht bzw. es geschieht in dieser Aff&auml;re nicht dauernd wieder etwas Aufregendes. Entgegnen w&uuml;rde ich, dass die t&auml;gliche Monotonie, die Assange seit nunmehr fast 10 Jahren durch die Einschr&auml;nkung seiner Freiheit erf&auml;hrt, f&uuml;r ihn extrem aufw&uuml;hlend sein muss, und es die Sache von gutem Journalismus sein sollte, dies irgendwie einfallsreich zu vermitteln. Auch ich bin mir bewusst, dass ich in dieser ganzen uns&auml;glichen Geschichte oft &uuml;ber das Gleiche schreibe und ich hoffe, meine Leser verzeihen mir dies. Ich will einfach nur vermitteln, dass es jeder und jedem, ob Journalist oder nicht, &auml;hnlich gehen kann, wenn man die Machthabenden gegen sich aufbringt oder auch nur, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist oder der falschen Bev&ouml;lkerungsgruppe angeh&ouml;rt.<\/p><p>Das war wohl schon immer so, mal mehr, mal weniger, man kann bei der Geschichte von Jesus Christus anfangen und dies weiter verfolgen &uuml;ber die Legende von Michael Kohlhaas und die Dreyfus-Aff&auml;re bis zu Sophie Scholl und Chelsea Manning.<\/p><p>Ob und wie man die gegenw&auml;rtigen Entwicklungen, die uns Individuen immer mehr zum Spielball werden lassen, noch stoppen bzw. berichtigen kann, wei&szlig; ich selbst auch nicht. Aber in meinen optimistischeren Momenten versuche ich dennoch, Artikel wie diesen zu schreiben, weil ich hoffe, dass es vielleicht etwas n&uuml;tzt, und weil ich mich sch&auml;me, wie wir Menschen diesen Planeten ruinieren. Andererseits liegt es vielleicht auch einfach in unserer Natur, dass wir uns so entwickelt haben. Trotzdem bl&ouml;d, dass es z.B. hier in Irland in den 80er Jahren noch &uuml;ber 500 Flie&szlig;gew&auml;sser gab, die als makellos galten, w&auml;hrend es nunmehr <a href=\"https:\/\/www.irishexaminer.com\/news\/arid-30969427.html\">nur noch 20<\/a> sind. Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn doch noch Toleranz und Mitgef&uuml;hl die Oberhand gewinnen w&uuml;rden, aber dazu m&uuml;ssten wir auf dieser mittlerweile sehr vollen Erde wohl erst einmal Teilen lernen und dass in vielen Situationen weniger mehr ist.<\/p><p>Nach Dawson kam Jennifer Robinson an die Reihe. Sie, die Julian Assange nun seit zehn Jahren zur Seite steht, machte wie immer einen &auml;u&szlig;erst kompetenten Eindruck. Sie gab Auskunft &uuml;ber den Stand der Dinge, dass die schriftlichen Schlusseingaben der Verteidigung in Arbeit seien, dass die Anklage antworten m&uuml;sse und dass zum 4. Januar die Bekanntgabe der Entscheidung &uuml;ber eine Auslieferung erwartet werde. Sie sagte, dass beide Seiten eine Berufung angek&uuml;ndigt h&auml;tten, und hoffte, dass diese im Fall, dass Assange verliert, zugelassen werde.<\/p><p>Die Tatsache, dass die USA drei verschiedene Anklageschriften eingereicht h&auml;tten, sei ein Novum und keinem im vielk&ouml;pfigen Anwaltsteam sei so etwas schon einmal untergekommen. Die dritte Anklageschrift habe man Assange erst zu Beginn der Anh&ouml;rung im September mitteilen k&ouml;nnen und es habe keine Zeit f&uuml;r das Team gegeben, sich hierauf vorzubereiten. Robinson gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch der Supreme Court, also die &uuml;bern&auml;chste Instanz, sich f&uuml;r diese Fragen interessiert.<\/p><p>Zum Abschluss schrieb sie den zuschauenden Journalisten ins Stammbuch, dass diese sich nicht mit der Frage aufhalten sollten, was genau Journalismus sei und ob Assange Journalist sei. Er habe &uuml;brigens einen australischen und einen internationalen Presseausweis und wir Journalisten sollten lieber aufpassen, dass der Fall Assange nicht zu einer irreparablen Erosion der Pressefreiheit beitrage. Jennifer Robinson fand hier wirklich sehr deutliche Worte. Hoffentlich treffen sie auf offene Ohren und des Weiteren bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer des Seminars sich jetzt hinsetzen und versuchen, ihren Lesern\/Zuschauern die weitreichenden Aspekte der Assange-Aff&auml;re eindringlich und fesselnd darzustellen.<\/p><p>Auch der Gastgeber Seamus Dooley, dem ich vorher noch nicht begegnet war, machte einen souver&auml;nen und integren Eindruck. Er unterstrich noch einmal, dass seine Gewerkschaft absichtlich keine rechtliche Definition f&uuml;r Journalismus hat. Ganz zum Abschluss griff er dann doch noch mal die Passwort\/Guardian\/Wikileaks-Geschichte auf, was wohl ein Indiz f&uuml;r seine Sichtweise der Vorg&auml;nge ist. Au&szlig;erdem k&uuml;ndigte er an, dass eine Aufzeichnung der Konferenz auf der <a href=\"https:\/\/www.nuj.org.uk\/home\/\">NUJ-Webseite<\/a> ver&ouml;ffentlicht werden wird.<\/p><p>Wie gesagt, insgesamt hinterlie&szlig; die Konferenz einen positiven Eindruck, auch wenn ein paar kontroverse Details der Einigkeit willen beiseitegelassen wurden, aber das ist momentan wohl auch n&ouml;tig.<\/p><p><strong>Wikileaks-Verfolgung<\/strong><\/p><p>Zu guter Letzt sei hier noch einmal darauf hingewiesen, dass die Verfolgung von Assange kein Zufall ist, der sich aus den angeblichen Sexualdelikten in Schweden ergeben hat, sondern dass vielmehr schon seit 2008 ein Strategiepapier existiert, welches die Aff&auml;re im Groben vorzeichnet.<\/p><p>Die Autoren des <a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/wiki\/U.S._Intelligence_planned_to_destroy_WikiLeaks,_18_Mar_2008\">Dokuments<\/a> hatten erkannt, dass die Grundpfeiler des Ansehens von Wikileaks Vertrauen und Glaubw&uuml;rdigkeit sind. Die Schlussfolgerung der Autoren ist es, dass die USA darauf abzielen sollten, diese Grundpfeiler zu unterminieren und Whistleblowern und deren Publizisten das Leben m&ouml;glichst schwer zu machen, um potentielle Nachahmer abzuschrecken. 2010 wurde Wikileaks &uuml;ber Kontensperrungen und Blockade von Spendenm&ouml;glichkeiten wenigstens tempor&auml;r die finanzielle Basis entzogen.<\/p><p>Auch der private US-Geheimdienst Stratfor beteiligte sich an den <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/cifamerica\/2012\/mar\/01\/stratfor-wikileaks-obama-administration\">Verfolgungsphantasien<\/a> gegen&uuml;ber Assange. So schrieb der Stratfor-Vizechef Burton angeblich: &bdquo;Assange wird im Gef&auml;ngnis eine nette Braut hermachen. Fick den Terroristen. Er wird bis an sein Lebensende Katzenfutter essen.&ldquo; (&ldquo;Assange is going to make a nice bride in prison. Screw the terrorist. He&rsquo;ll be eating cat food forever.&rdquo;) Stratford wollte 2012 die Authentizit&auml;t dieser geleakten Dokumente weder best&auml;tigen noch dementieren.<\/p><p>Auch die Nutzung des Spionagegesetzes von 1917 gegen Assange nimmt die derzeitigen Entwicklungen vorweg. Diese Strategien wurden wohlgemerkt unter Obama entwickelt und dieser kam in der gestrigen NUJ-Konferenz eher zu gut weg. Allerdings &auml;u&szlig;erte sich zum Gl&uuml;ck auch niemand naiv-euphorisch &uuml;ber die Aussichten von Assange unter einer m&ouml;glichen Joe-Biden-Administration. Es w&auml;re interessant zu sehen, was das eventuell nach den US-Wahlen ausbrechende administrative Chaos f&uuml;r das britische Auslieferungsverfahren bedeutet.<\/p><p>Wie viele potentielle Whistleblower und Journalisten durch die Verfolgung von Assange und Wikileaks eingesch&uuml;chtert wurden, wird sich im Nachhinein nicht mehr quantifizieren lassen, aber die Rufmordkampagne gegen Assange hat &uuml;ber weite Strecken funktioniert und funktioniert bei vielen Menschen immer noch.<\/p><p>Allerdings sind die Aussagen der obigen Journalisten und Gewerkschafter ein Zeichen, dass hier eine &Auml;nderung im Gange ist. Auch die Reaktionen der Passanten auf Unterst&uuml;tzeraktionen haben sich innerhalb der letzten 2 Jahre zum Positiven gewendet und die Kommentare, die ich in London auf der Stra&szlig;e h&ouml;rte, waren zu allergr&ouml;&szlig;ten Teil positiv.<\/p><p>Ob das alles reicht, um eine Auslieferung zu verhindern, wird sich zeigen m&uuml;ssen. Der Rauswurf von Jeremy Corbyn aus der Labour Party durch seinen Nachfolger Keir Starmer l&auml;sst nichts Gutes erahnen. Keir Starmer war der Leiter des Crown Prosecution Service CPS (britische Strafverfolgungsbeh&ouml;rde), die wiederholt die schwedischen Stellen zur weiteren Verfolgung von Assange ermunterte.<\/p><p>Genug spannender Stoff also auch f&uuml;r Mainstreammedien &hellip;<\/p><p>Titelbild: Alexandros Michailidis\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag, den 29. Oktober, hie&szlig; es f&uuml;r Julian Assange und die weiteren Beteiligten, wieder den aller vier Wochen stattfindenden Haftpr&uuml;fungstermin wahrzunehmen. Fast ein bisschen wie &bdquo;Dinner for One&ldquo;, aber leider bitterer Ernst. Am Abend hatte dann der irisch\/britische Journalistenverband eine Zoom-Konferenz f&uuml;r Mitglieder ausgerichtet und hiervon war ich dann schon eher positiv &uuml;berrascht. Ein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66431\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":66434,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,198,126,161],"tags":[681,2163,930,1919,1415,1556,665],"class_list":["post-66431","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-wertedebatte","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-justiz","tag-lueckenpresse","tag-pressefreiheit","tag-usa","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_1370226974.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66431"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66435,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66431\/revisions\/66435"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/66434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}