{"id":6652,"date":"2010-09-06T09:28:36","date_gmt":"2010-09-06T07:28:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6652"},"modified":"2014-02-24T12:34:18","modified_gmt":"2014-02-24T11:34:18","slug":"jeder-fuenfte-wuerde-sarrazin-waehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6652","title":{"rendered":"Jeder F\u00fcnfte w\u00fcrde Sarrazin w\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<p>So oder so &auml;hnlich lauten heute hunderte von Zeitungs&uuml;berschriften. Angesto&szlig;en wurde dieser &bdquo;Sarrazin-Alarm&ldquo; von Bild am Sonntag. Dahinter steckt ein perfides Doppelspiel der Springer-Presse: Es ist der Versuch einen Rechtsschwenk in der deutschen Politik herbeizuf&uuml;hren, indem man die Parteien vor einer Gefahr von Rechts warnt, wenn Union und SPD als sog. Volksparteien sich nicht der von der Bild-Zeitung selbst mit angefachten Stimmungslage der Bev&ouml;lkerung anpassen sollten. Und die meisten Medien fallen auf diesen billigen Trick rechtskonservativer politischer Meinungsmache herein. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Parteien sollen sich der angefachten Stimmungslage anpassen<\/strong><\/p><p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Wie gro&szlig; w&auml;re eine Partei der Unzufriedenen?&ldquo; ver&ouml;ffentlichte <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/09\/05\/sarrazin-partei\/achtzehn-prozent-wuerden-sarrazin-partei-waehlen.html\">Bild am Sonntag<\/a> gestern eine bei Emnid in Auftrag gegebene Umfrage, die Schlagzeilen macht. Danach k&ouml;nnten sich 18 Prozent der Befragten vorstellen, eine Partei zu w&auml;hlen, deren Vorsitzender Thilo Sarrazin hei&szlig;t. Eine Partei unter dem Vorsitz von Friedrich Merz h&auml;tte sogar bei 20 Prozent Sympathien und eine Gauck-Partei w&uuml;rde sogar ein Viertel der Befragten w&auml;hlen. Im Kommentar zu dieser Meldung wird aus diesem Umfrageergebnis scheinheilig der Schluss gezogen, das sei eine &bdquo;kr&auml;ftige Mahnung an die Noch-gerade-so-Volksparteien Union und SPD, sich der Sorgen und N&ouml;te des Volkes anzunehmen&ldquo;. <\/p><p>Mit diesem &bdquo;Sarrazin-Alarm&ldquo; wird jedoch nicht mehr und nicht weniger als ein perfides Doppelspiel inszeniert: Es ist der Versuch, einen Rechtsschwenk in der Politik herbeizuf&uuml;hren, indem man die Parteien vor einer Gefahr von Rechts warnt, wenn sie sich nicht der von der Bild-Zeitung selbst mit angefachten Stimmungslage der Bev&ouml;lkerung anpassen sollten.<\/p><p>Da trifft es sich gut, dass nicht nur 59% der CDU\/CSU-W&auml;hler Ja zu den Sarrazin-Behauptungen sagen, sondern auch 54% der FDP-Anh&auml;nger, 50% der SPD-W&auml;hler und  sogar 55% der Sympathisanten der LINKEN. Eine massive Aufforderung an alle Parteien (am wenigsten an die Gr&uuml;nen, wo verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig wenige Anh&auml;nger (24%) die Sarrazin-&Auml;u&szlig;erungen unterst&uuml;tzen), sich solchen Positionen, wie sie Sarrazin vertritt, anzun&auml;hern.<\/p><p>Diese Aufforderung ist besonders widerspr&uuml;chlich, als gerade die Springer-Zeitungen, die Politik bei zentralen Themen, wie etwa j&uuml;ngst bei der Rente mit 67, beim Afghanistan-Milit&auml;reinsatz, bei der Laufzeit von Atomkraftwerken oder bei der Sicherung des Sozialstaats stets davor warnt, der Meinung der &uuml;berwiegenden Mehrheit zu folgen.<\/p><p><strong>Die Bild-Zeitung hat Sarrazins Hetze erst zum &ouml;ffentlichen Thema gemacht<\/strong><\/p><p>Dieses Doppelspiel hat damit begonnen, dass die gleichfalls im Springer-Verlag erscheinende Bild-Zeitung zun&auml;chst in einer mehrt&auml;gigen Kampagne einem Millionenpublikum mit <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/08\/23\/thilo-sarrazin\/deutschland-immer-aermer-und-duemmer.html\">dicken Balken&uuml;berschriften<\/a> die von Sarrazin verbreiteten &Auml;ngste vor eine &Uuml;berfremdung in Deutschland verbreitete. Dieses Blatt hat die Wut ihrer &uuml;berwiegend weniger Wohlhabenden Leser erst so richtig auf schmarotzende Ausl&auml;nder und vor allem auf kulturell und genetisch angeblich minderwertige Einwanderer aus islamischen L&auml;ndern gelenkt. Erst nachdem sich Sarrazin zum &bdquo;Juden-Gen&ldquo; ausgelassen hat, hat man sich wohl im Springer-Verlag an die Unternehmensgrunds&auml;tze erinnert. <a href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/artikel\/Unternehmensgrundsaetze_40574.html\">&bdquo;Das Herbeif&uuml;hren einer Auss&ouml;hnung zwischen Juden und Deutschen&ldquo;<\/a> geh&ouml;rt eben auch f&uuml;r die Bild-Journalisten zur vertraglichen Verpflichtung. Man sah sich also im Hause Springer gezwungen, sich von der Person Sarrazin abzusetzen, aber das <a href=\"?p=3434\">g&auml;ngige Muster der Bild-Zeitung<\/a> in krisenhaften Zeiten den Zorn der Verlierer auf diejenigen zu lenken, denen es noch schlechter geht und den Hass auf Minderheiten zu sch&uuml;ren, die sich nicht wehren k&ouml;nnen, wurde nat&uuml;rlich beibehalten. <\/p><p><strong>Das Doppelspiel funktioniert<\/strong><\/p><p>Zum Doppelspiel geh&ouml;rt also, zun&auml;chst einmal in der Bev&ouml;lkerung ein vergiftetes Klima zu schaffen, in dem man latent vorhandene Aggressionen gegen Minderheiten und Randgruppen anheizt und dann von der Politik und den Parteien zu verlangen, dem gesch&uuml;rten Volkszorn nachzugeben, und die zu Schuldigen abgestempelten, wie auch immer zu sanktionieren. <\/p><p>Dass dieses Doppelspiel funktioniert, konnte man gleichfalls gestern in Bild am Sonntag im Interview mit der Bundeskanzlerin best&auml;tigt finden: &bdquo;Es gibt Sanktionen und die m&uuml;ssen greifen&ldquo; oder &bdquo;Strenge ist wichtig&ldquo;, sagte Angela Merkel ganz im Sinne konservativer und rechtslastiger Integrationskonzepte. Und auch in der SPD schwenkt der rechte Fl&uuml;gel auf Sarrazins <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/debatte-um-thilo-sarrazin-feigheit-vor-dem-wort-1.996129\">sozialdarwinistische Thesen ein<\/a>.<\/p><p><strong>Die Schuld wird auf diejenigen verlagert, die in den Problemen stecken<\/strong><\/p><p>Kennzeichnend f&uuml;r deren autorit&auml;ren L&ouml;sungskonzepte f&uuml;r real vorhandene Probleme ist, dass nicht nach den Ursachen und schon gar nicht nach den eigenen Fehlern beim Zulassen oder gar bei der Herbeif&uuml;hrung dieser Probleme gefragt wird, sondern dass man die Schuld bei denen sucht, die in den Problemen stecken. <\/p><p>Das gleiche Denkmuster steckte &uuml;brigens etwa auch hinter den Hartz-&bdquo;Reformen&ldquo;: Galt Arbeitslosigkeit &uuml;ber lange Zeit eher als Schicksalsschlag eines darniederliegenden Arbeitsmarktes, so wurde mit den Hartz-&bdquo;Reformen&ldquo; das Leitbild gewechselt.<br>\nDie neue Parole vom &bdquo;F&ouml;rdern&ldquo; und vor allem vom &bdquo;Fordern&ldquo; implizierte den Vorwurf, es handle sich bei einer Entlassung und bei l&auml;ngerer Arbeitslosigkeit um ein pers&ouml;nliches Versagen und nicht um eine verfehlte Wirtschaftspolitik. Das Druckmittel des tiefen Falls in die Bed&uuml;rftigkeit mit Hartz IV und die begleitenden Kampagnen gegen den sog. Missbrauch von Sozialleistungen, wobei sogar <a href=\"http:\/\/www.harald-thome.de\/media\/files\/Gesetzestexte%20SGB%20II%20+%20VO\/Gesetzestexte%20SGB%20XII%20+%20VO\/Seminare\/Clement\/Sozialmissbrauch_Bericht_BMWA.pdf\">regierungsamtlich von &bdquo;Schmarotzern&ldquo; oder &bdquo;Parasiten&ldquo; [PDF &ndash; 183 KB]<\/a> gesprochen wurde, machten Arbeitslose f&uuml;r ihr Schicksal &bdquo;eigenverantwortlich&ldquo; und stempelte Langzeitarbeitslose zu Faulenzern und Dr&uuml;ckebergern.<\/p><p>Schon zu dieser Propaganda gegen Hartz IV-Empf&auml;nger hatte die <a href=\"?p=3785\">Bild-Zeitung ihren Teil beigetragen<\/a>. Mit solchen Stigmatisierungen in Form von pers&ouml;nlichen Schuldzuweisungen werden ganz bewusst Keile in die Gesellschaft getrieben und die gesellschaftliche Spaltung als Mittel der Politik eingesetzt.<\/p><p>Es ist das altbekannte und in der Geschichte oft eingesetzte zynische Spiel der Oberklasse, die Aggressionen der Masse statt gegen die herrschende Politik und gegen die Ausbeuter selbst zu lenken, den Hass auf die in der sozialen Hierarchie noch weiter unten Stehenden abzuleiten. Es ist das alte Spiel des Anheizens des Klassenkampfes im Armenhaus.<br>\nDamit kann man von dem unsozialen &bdquo;Sparpaket&ldquo; und auch bestens von den Schmarotzern auf den Finanzm&auml;rkten ablenken, deren soziale Integration schon l&auml;ngst abhanden gekommen ist. <\/p><p><strong>Dass Sarrazins Rechtspopulismus auf fruchtbaren Boden fallen, ist nicht erstaunlich<\/strong><\/p><p>Dass laut einer anderen Emnid-Umfrage im Auftrag des Focus (auch ein Blatt, das sich als Vork&auml;mpfer f&uuml;r eine konservative Wende versteht) 62 Prozent der Bundesb&uuml;rger die &Auml;u&szlig;erungen von Sarrazin &uuml;ber Migranten in Deutschland als <a href=\"http:\/\/www.shortnews.de\/id\/847635\/Umfrage-Thilo-Sarrazins-Aeusserungen-sind-fuer-62-Prozent-berechtigte-Denkanstoesse\">&bdquo;berechtigte Denkanst&ouml;&szlig;e&ldquo; betrachten<\/a>, kann &ndash; nach allem was man aus fr&uuml;heren Untersuchungen wei&szlig; &ndash; eigentlich nicht &uuml;berraschen. Schon eine 2006 publizierte Studie <a href=\"http:\/\/www.fes.de\/rechtsextremismus\/inhalt\/studie2.htm\">&bdquo;Vom Rand zur Mitte&ldquo;<\/a> und eine Erhebung aus dem Jahre 2008 mit dem Titel <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/do\/05864.pdf\">&bdquo;Bewegung in der Mitte, Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland&ldquo; [PDF &ndash; 656 KB]<\/a>, machten deutlich, dass bis wie weit in die Mitte der Gesellschaft hinein rechtsextreme Tendenzen verbreitet sind. So meinten schon lange vor Sarrazin etwa 15,4% der Deutschen, ein &ldquo;F&uuml;hrer&rdquo;, der Deutschland mit starker Hand regiert, w&auml;re durchaus &ldquo;zum Wohle aller&ldquo;. Dass Ausl&auml;nder nur hierher k&auml;men, um den Sozialstaat auszunutzen, hielten 36,9% f&uuml;r eine zustimmungsf&auml;hige Aussage. Und gar 39,1% meinten, Deutschland sei &ldquo;in einem gef&auml;hrlichen Ma&szlig; &uuml;berfremdet&rdquo;.<\/p><p>Die aktuellen Umfragen sind also nicht, wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz gestern Abend bei Anne Will meinte, ein &bdquo;Geschichtszeichen&ldquo;, sondern die schon seit einigen Jahren zunehmenden Tendenzen zu rechtsextremen L&ouml;sungsmustern, brauchten von Sarrazin und seinen ausdr&uuml;cklichen Mitl&auml;ufern oder den <a href=\"?p=6608\">Biederm&auml;nnern<\/a> nur noch zus&auml;tzlich aktiviert zu werden. <\/p><p><strong>Ursachen f&uuml;r das Anwachsen der Ausl&auml;nderfeindlichkeit<\/strong><\/p><p>Mehrere sich kumulierende Ursachen haben zum Anwachsen des rechten bis rechtsextremen Potentials und der Ausl&auml;nderfeindlichkeit in der Bev&ouml;lkerung beigetragen:<\/p><ul>\n<li>die jahrzehntelange <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,532272,00.html\">&bdquo;demonstrative Erkenntnisverweigerung&ldquo; (Klaus Bade)<\/a>, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist,<\/li>\n<li>die zunehmend wahrgenommene Prekarit&auml;t am Arbeitsplatz bzw. die mangelnde soziale Unterst&uuml;tzung bei Arbeitslosigkeit<\/li>\n<li>und die &ouml;konomisch erzeugte Ungleichheit, die in eine <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/oekonomisch-leben\/1120622.html\">&bdquo;Ideologie der Ungleichwertigkeit&ldquo; (Wilhelm Heitmeyer)<\/a> umgewandelt wurde.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Wahrheit lag l&auml;ngst auf dem Tisch<\/strong><\/p><p>Sarrazin und auch diejenigen, die ihm nicht im Ton, aber in der Sache Recht geben, tun gerade so als w&uuml;rden endlich einmal unausgesprochene Wahrheiten ungeschminkt auf den Tisch gelegt werden. <\/p><p>Das geh&ouml;rt mit zu den gr&ouml;bsten Irref&uuml;hrungen. <\/p><p>Seit Jahren kann man in allen Bildungsberichten nachlesen, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund unter den Schulabbrechern deutlich &uuml;berdurchschnittlich ist, dass solche Kinder in den weiterf&uuml;hrenden Schulen unterrepr&auml;sentiert sind, dass ein hoher Prozentsatz ohne Berufsausbildung bleibt. Schon immer wurde auf die Sprachbarrieren hingewiesen. Die St&auml;dtplaner warnten schon seit langem vor Gettobildung und &bdquo;Parallelgesellschaften&ldquo; in den Gro&szlig;st&auml;dten. Und auch die Kriminalit&auml;tsstatistiken wiesen einen &uuml;berdurschnittlich hohen Ausl&auml;nderanteil aus.<\/p><p>Wer also &bdquo;Klartext&ldquo; haben wollte, brauchte nur die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Tatsache ist allein, dass diese jedermann erkennbaren Probleme politisch nicht zur Kenntnis genommen wurden und zwar deshalb, weil bis zum vom damaligen Innenminister Schily vorgelegten &bdquo;Zuwanderungsgesetz&ldquo; im Jahre 2002 geleugnet wurde, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.<\/p><p><strong>Erkenntnisverweigerung<\/strong><\/p><p>Man muss sich das nochmals vor Augen halten: Bereits 1952 wurden die ersten Italiener, damals noch illegal ins Land geholt (Karl-Heinz Meier-Braun, Deutschland, Einwanderungsland, 2002). Das Anwerbeabkommen mit der T&uuml;rkei wurde schon im Jahre 1961 abgeschlossen. &Uuml;ber 40 Jahre hat man sich nicht der Tatsache gestellt, dass man zwar &bdquo;Arbeitkr&auml;fte erwartet (hat), aber Menschen gekommen&ldquo; (Bundespr&auml;sident Gustav Heinemann) und geblieben sind. Es gibt zahllose Beispiele, die belegen, wie sich gerade konservative Politiker mit Kampfrhetorik gegen eine wirkungsvolle Integrationspolitik stemmten. Man denke etwa an die Unterschriftenaktion eines Roland Koch im Wahlkampf 1999, bei der 5 Millionen Unterschriften gegen die doppelte Staatsb&uuml;rgerschaft gesammelt wurden, oder an die &bdquo;Kinder statt Inder&ldquo;-Parole von J&uuml;rgen R&uuml;ttgers. Noch 2006 behauptete der damalige Innenminister Wolfgang Sch&auml;uble: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/wir-sind-kein-einwanderungsland\/783936.html\">&bdquo;Wir waren nie ein Einwanderungsland und wir sind&rsquo;s bis heute nicht&ldquo;<\/a>. Den Ausl&auml;ndern wurde zumal in Wahlzeiten st&auml;ndig signalisiert: &bdquo;Ihr seid unerw&uuml;nscht&ldquo;. Integrationspolitik ist deshalb auch nicht n&ouml;tig.<\/p><p>Wenn Angela Merkel im Interview in Bild am Sonntag behauptet, zu rot-gr&uuml;nen Zeiten h&auml;tten viele &bdquo;einen sogenannten Multi-Kulti-Traum getr&auml;umt&ldquo; so ist das eine glatte Ablenkung von der ausl&auml;nder- und integrationsfeindlichen Politik ihrer eigenen Partei und vor allem auch ihres Ziehvaters Helmut Kohl, w&auml;hrend dessen 16-j&auml;hriger Regierungszeit.<br>\nBis heute gibt es keine umfassende Bildungsf&ouml;rderung f&uuml;r ausl&auml;ndische Kinder. <\/p><p><strong>Prekarit&auml;t und Fremdenfeindlichkeit<\/strong><\/p><p>In mehreren Analysen hat der Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer nachgewiesen, dass Fremdenfeindlichkeit eine urs&auml;chliche Folge von mangelnder sozialer Unterst&uuml;tzung bei Arbeitslosigkeit  und Unsicherheit am Arbeitsplatz bzw. sich ausbreitender <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/50\/Wiedervereinigung\">Niedrigl&ouml;hne sind<\/a>. <\/p><p><strong>Ungleichwertigkeit<\/strong><\/p><p>Weiter hat Heitmeyer nachgewiesen, dass der Druck &ouml;konomischer Verh&auml;ltnisse erhebliche Auswirkungen auf die Einstellung gegen&uuml;ber anderen Menschen hat. Nur wer etwas leiste, z&auml;hle, der Rest werde als Last empfunden.<\/p><p><img decoding=\"async\" width=\"470\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/deutsche-ansichten\/1120634\/3.jpg?format=formatOriginal\" alt=\"Deutsche Ansichten\" title=\"Deutsche Ansichten\"><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/oekonomisch-leben\/1120622.html\">Der Tagesspiegel<\/a><\/p><p>&bdquo;Das Eindringen von Kalk&uuml;len der Marktwirtschaft in die Gesellschaft, die so zur Marktgesellschaft wird, zeigt sich in diesem Denken&ldquo;, ist die <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/oekonomisch-leben\/1120622.html\">Schlussfolgerung Heitmeyers<\/a>.<\/p><p>Es ist also keine Leistung auf soziale Missst&auml;nde hinzuweisen, sondern ein leichtes Spiel f&uuml;r soziale Demagogen. So k&ouml;nnen sie von den Ursachen f&uuml;r manifeste Probleme in der Gesellschaft und f&uuml;r die politischen Fehler, die mit dazu gef&uuml;hrt haben, ablenken. Die Methode ist: Nicht etwa die eigenen Fehler sind schuld an der misslungenen Integration von Ausl&auml;ndern, sondern umgekehrt werden die Migranten zu S&uuml;ndenb&ouml;cken erkl&auml;rt.<\/p><p>Das perfide dabei ist, dass damit gleichzeitig gerade einer konservativen, ja sogar rechtsreaktion&auml;ren Politik Vorschub geleistet werden soll, die &uuml;ber die Jahrzehnte zu den Zust&auml;nden gef&uuml;hrt hat, &uuml;ber die sich die Verursacher nun den Mund zerrei&szlig;en. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So oder so &auml;hnlich lauten heute hunderte von Zeitungs&uuml;berschriften. Angesto&szlig;en wurde dieser &bdquo;Sarrazin-Alarm&ldquo; von Bild am Sonntag. Dahinter steckt ein perfides Doppelspiel der Springer-Presse: Es ist der Versuch einen Rechtsschwenk in der deutschen Politik herbeizuf&uuml;hren, indem man die Parteien vor einer Gefahr von Rechts warnt, wenn Union und SPD als sog. Volksparteien sich nicht der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6652\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,122,126,11],"tags":[459,782,764,634,783,705],"class_list":["post-6652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-demoskopieumfragen","category-erosion-der-demokratie","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bild","tag-emnid","tag-gauck-joachim","tag-heitmeyer-wilhelm","tag-merz-friedrich","tag-sarrazin-thilo"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6652"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6659,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6652\/revisions\/6659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}