{"id":66650,"date":"2020-11-09T10:00:45","date_gmt":"2020-11-09T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66650"},"modified":"2020-11-09T12:12:38","modified_gmt":"2020-11-09T11:12:38","slug":"wie-lange-noch-wird-die-monarchie-in-thailand-ueberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66650","title":{"rendered":"Wie lange noch wird die Monarchie in Thailand \u00fcberleben?"},"content":{"rendered":"<p>Am 3. August fand in Bangkok eine im Nachhinein historische Protestdemonstration gegen die Milit&auml;rregierung von Premierminister Prayut Cha-Oncha statt. Der Anwalt Anon Nampa ergriff das Mikrofon, kritisierte &ouml;ffentlich die Monarchie und forderte eine neue Verfassung inklusive einer neuen Definition der Rolle der Monarchie in der thail&auml;ndischen Gesellschaft. Damit war der Geist aus der Flasche. Niemals zuvor hatte es jemand in Thailand gewagt, die Monarchie in der &Ouml;ffentlichkeit zu kritisieren. &Uuml;ber die Monarchie wurde bis dahin nur im Fl&uuml;sterton und hinter vorgehaltener Hand geredet. Das weltweit strengste Gesetz zur Majest&auml;tsbeleidigung verhinderte 70 Jahre lang jede &ouml;ffentliche Kritik. Jede politische &Auml;u&szlig;erung kann in Thailand als Majest&auml;tsbeleidigung ausgelegt und mit bis zu 15 Jahren Gef&auml;ngnis bestraft werden. Anon Nampa hatte es als erster gewagt, das Schweigen zu brechen.  Seit dem 3. August 2020 trauen sich Menschen in Thailand pl&ouml;tzlich, &uuml;ber die Zukunft der Monarchie zu reden. <strong>Von Jinthana Sunthorn, Hong Kong<\/strong>. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von der Redaktion.<br>\n<!--more--><br>\nDer n&auml;chste Vorsto&szlig; kam am 10. August, als auf einer Protestkundgebung die Aktivistin &bdquo;Rainbow&ldquo; 10 &bdquo;Vorschl&auml;ge&ldquo; an die Regierung vorlas, in denen offen auf die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen Milit&auml;r und Monarchie, in einem st&auml;ndig sich wiederholenden Kreislauf von Putschen, Verfassungs&auml;nderungen, Zivilregierungen und erneutem Putsch, allesamt stets von der Monarchie gedeckt, hingewiesen wurde. Es m&uuml;sse in einer modernen Gesellschaft m&ouml;glich sein, auch das Fehlverhalten des Monarchen zu untersuchen. Das Staatsoberhaupt d&uuml;rfe k&uuml;nftig keine Milit&auml;rputsche mehr absegnen. Die 10 Forderungen kommen einer Vision f&uuml;r ein neues Thailand gleich. Es folgte daraufhin die Verhaftung von Aktivisten, auch von Anwalt Nampa. Aber die Aktivisten mussten dank des Druckes der Demonstranten stets wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt werden, wurden aber auch immer wieder, wegen eines neuen Vorwurfs, erneut verhaftet. <\/p><p>Seit dem 18. Juli kam es in Thailand regelm&auml;&szlig;ig zu Demonstrationen, deren Zulauf stetig anschwoll. Am 14. Oktober erreichten die Proteste einen zeitweiligen H&ouml;hepunkt, der bis zum 16. Oktober andauerte, dem Tag, an dem die Polizei mit Gewalt die Demonstration aufl&ouml;ste und die Regierung einen strengen Ausnahmezustand verh&auml;ngte, der aber am 22. Oktober wieder annulliert wurde, weil sich niemand daran hielt und die Proteste trotzdem weitergingen. Das Vorgehen von Regierung und Polizei hatte die Menschen mehr erz&uuml;rnt statt eingesch&uuml;chtert und konnte sie keinesfalls davon abhalten, ihren Forderungen weiterhin Nachdruck zu verleihen. (Die NachDenkSeiten berichteten &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66099\">Ereignisse und ihre Hintergr&uuml;nde<\/a>. <\/p><p>Auch nach den Ereignissen vom 16. Oktober kam es immer wieder zu Verhaftungen von Aktivistinnen und Aktivisten, der Anwalt Nampa wurde in Chiang Mai festgehalten, die Aktivistin &bdquo;Rainbow&ldquo; und der Aktivist &bdquo;Pinguin&ldquo;, die beiden bekanntesten Anf&uuml;hrer der Protestbewegung, wurden in Ayuthaya festgehalten. Zudem wurden einige Medien blockiert. Dies, obwohl Premierminister Prayut scheinheilig betont hatte, beide Seiten m&uuml;ssten jetzt aufeinander zugehen. <\/p><p><strong>Der Laufsteg des Volkes<\/strong><\/p><p>Seit dem 16. Oktober haben die Demonstranten ihre Strategie ge&auml;ndert. Von nun an geben sie Ort und Zeitpunkt ihrer Aktionen nur noch kurzfristig &uuml;ber die sozialen Medien bekannt, um der Polizei m&ouml;glichst wenig Zeit und Gelegenheit zu geben, Gegenma&szlig;nahmen zu treffen. Die Aktivit&auml;ten der Khana-Radsadon (Volksbewegung) entwickelten sich immer mehr zu einer Kombination aus Protest und Volksfest: Kunstdarbietungen, Ausstellungen, Tanzveranstaltungen, Diskussionsrunden und nat&uuml;rlich wie immer begleitet von den typisch thail&auml;ndischen Stra&szlig;enk&uuml;chen. Und sie beginnen, sich zu einer beliebten Attraktion in Bangkok zu entwickeln. Wichtig dabei ist vor allem, dass auf diesen Veranstaltungen st&auml;ndig politische Diskussionen stattfinden und sich so das politische Bewusstsein der Teilnehmer st&auml;ndig weiterentwickelt. <\/p><p>Am 26. Oktober demonstrierten die Menschen vor der deutschen Botschaft in Bangkok. Der Grund des Marsches zur deutschen Botschaft war, dass K&ouml;nig Vajiralongkorn in den letzten Jahren die meiste Zeit in Bayern wohnte und von dort aus seinen Amtsgesch&auml;ften nachging. Die Protestbewegung forderte die Regierung in Berlin auf, den Status des K&ouml;nigs w&auml;hrend seines Aufenthaltes in Deutschland zu untersuchen und zu pr&uuml;fen, ob er mit der Aus&uuml;bung politischer Macht von deutschem Boden aus die territoriale Souver&auml;nit&auml;t Deutschlands verletzt habe und ihn gegebenenfalls zur persona non grata zu erkl&auml;ren. Die Aktivit&auml;ten des K&ouml;nigs auf deutschem Boden k&ouml;nnten Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes widersprechen. Die Aktivisten h&auml;ndigten dem Botschafter ein Schreiben aus und der versprach, das Schreiben nach Berlin zu &uuml;bermitteln. Bundesau&szlig;enminister Heiko Maas drohte dem K&ouml;nig bereits mit Konsequenzen f&uuml;r den Fall, dass bei dessen Aufenthalten in Bayern rechtswidriges Verhalten festgestellt werde. <\/p><p>Ein weiterer Offener Brief der Aktivistengruppe &ldquo;B&uuml;rger Thailands&rdquo; forderte Deutschland auf, die Ein- und Ausreiseaufzeichnungen des K&ouml;nigs offenzulegen und zu pr&uuml;fen, ob der K&ouml;nig nach deutschem Recht zur Zahlung von Erbschaftssteuer verpflichtet ist, und zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob er die Menschenrechtsverletzungen billige, die in Thailand w&auml;hrend seines Aufenthalts in Deutschland begangen wurden.<\/p><p>Am selben Tag kam es auch zu Kundgebungen in weiteren Provinzen Thailands sowie vor der thail&auml;ndischen Botschaft in S&uuml;d-Korea und in den USA. Amnesty International forderte Thailand auf, alle politischen Gefangenen freizulassen. <\/p><p>Am 30. Oktober organisierte die Volksbewegung einen &bdquo;Laufsteg des Volkes&ldquo;, eine improvisierte Modenschau, weil die K&ouml;nigstochter, die eine private Modefirma der Marke &bdquo;Sirivannavari Bangkok&ldquo;, besitzt, im Hotel Mandarin Oriental eine Modenschau zur Vorstellung ihrer Winterkollektion veranstaltet hatte. Das Oriental ist das teuerste Hotel in Bangkok, dort kostet eine &Uuml;bernachtung, inklusive zimmereigenem Diener, mehr als 3.500 Dollar. Der thail&auml;ndische Staat hatte f&uuml;r die Veranstaltung 300.000 Dollar aus seiner Schatulle beigesteuert. Die Aktivisten-Models pr&auml;sentierten skurrile Kost&uuml;me, die in Europa als Faschingskost&uuml;me durchgehen k&ouml;nnten. Sie zeigten sich erbost &uuml;ber die Geldverschwendung des Staates an eine private Modefirma. <\/p><p>Der 31. Oktober war der Tag der Verleihung der Abschlussurkunden an der Thammasat-Universit&auml;t, dem Zentrum des politischen Aktivismus. Die Diplome wurden bisher den Studenten seit ewigen Zeiten vom K&ouml;nig pers&ouml;nlich &uuml;bergeben und die Feier auf allen Fernsehkan&auml;len &uuml;bertragen. Die Studenten stellen sich daf&uuml;r mit ihren Talaren und Doktorh&uuml;ten in einer vorgegebenen Reihenfolge auf und treten zur Entgegennahme der Urkunden einzeln vor, wobei ein Foto des Studenten mit dem K&ouml;nig gemacht wird, das dann sp&auml;ter eingerahmt einen Ehrenplatz im Haus der Familie des Absolventen findet. <\/p><p>Allerdings gl&auml;nzte Vajiralongkorn als neuer K&ouml;nig dort durch Abwesenheit und die Urkunden wurden den Studenten vor einem lebensgro&szlig;en Bild von Vajiralongkorn von einem Bediensteten &uuml;berreicht, der auf dem Boden kniete, damit man im Fernsehen und auf den Fotos nur seine H&auml;nde bei der Diplom&uuml;bergabe sehen konnte, um den Eindruck zu vermitteln, der K&ouml;nig habe die Diplome traditionsgem&auml;&szlig; &uuml;berreicht. Etwa die H&auml;lfte der Studenten nahm dieses Jahr demonstrativ nicht an der Feier teil. Sie wollten ihre Urkunden nicht aus den H&auml;nden von Vajiralongkorn empfangen. Einige Studenten der Thammasat-Universit&auml;t posierten w&auml;hrend der Feier mit Pappausschnitten bekannter Kritiker der Monarchie auf dem Gel&auml;nde. Milit&auml;r war zur Verst&auml;rkung der Sicherheit auf dem Campus herbeigerufen worden.<\/p><p>Letzten Samstag demonstrierte die LGTB-Szene und marschierte in einer Art Mini-Love-Parade durch die Stra&szlig;en von Bangkok. Dabei riefen auch sie wiederholt die Parole &bdquo;Weg mit Prayut!&ldquo;. <\/p><p>Neben den hier erw&auml;hnten Aktivit&auml;ten fanden seit dem 14. Oktober bis einschlie&szlig;lich heute jeden Tag sowohl in Bangkok als auch in den gr&ouml;&szlig;eren Provinzhauptst&auml;dten Thailands Kundgebungen zur Unterst&uuml;tzung der Volksbewegung und f&uuml;r die Freilassung ihrer verhafteten Anf&uuml;hrerInnen statt.<\/p><p><strong>Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Demonstranten <\/strong><\/p><p>Die Aktivisten finden gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung in der Bev&ouml;lkerung. Kleinere Hotels gew&auml;hren den Aktivisten freie Unterkunft, damit sie nicht drau&szlig;en schlafen m&uuml;ssen. Noch ist die Regenzeit in Thailand nicht zu Ende und Ende Oktober regnete es in Bangkok fast t&auml;glich. <\/p><p>Weitere Unterst&uuml;tzung erhalten die Studenten von Fans der koreanischen Popmusik (K-Pop), die Geld sammeln, um Schutzausr&uuml;stung, Helme und Schutzbrillen gegen Wasserwerfer und Tr&auml;nengas zu besorgen, und f&uuml;r gemeinn&uuml;tzige Organisationen spenden, die die verhafteten Anf&uuml;hrer unterst&uuml;tzen. Der Organisation Anw&auml;lte f&uuml;r Menschenrechte in Thailand konnten so bereits 10 Millionen Baht (330.000 USD) &uuml;berwiesen werden.<\/p><p>Die Anwesenheit von K-Pop-Fans ist bei Protesten sichtbar, wenn Aktivistinnen mit Leuchtst&auml;ben winken. Von der Beschaffung von Hunderttausenden USD f&uuml;r die Sache der Demonstranten &uuml;ber die Inspiration der Jugendlichen mit Musik und T&auml;nzen und die Unterst&uuml;tzung in den sozialen Medien haben sich die K-Pop-Fans zu einer starken politischen Kraft in Thailands Oppositionsbewegung entwickelt. Sie sind bereits seit langem Teil der Jugendkultur. Ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Protestbewegung spiegelt die Frustrationen einer heranwachsenden unzufriedenen Generation wider. Jung, weiblich, mit den sozialen Medien aufgewachsen und damit bestens vertraut. Wie so oft in Zeiten des Aufstandes zeigen sich die Frauen mutiger als die M&auml;nner. Insgesamt d&uuml;rften von den verschiedenen Anh&auml;ngergruppen bereits mehr als eine Million USD gespendet worden sein. <\/p><p>Die Volksbewegung in Thailand ist eine authentische Bewegung. Manche weisen zwar auf ihren Zusammenschluss in der &bdquo;Milk-Tea&ldquo;-Bewegung hin, einem Zusammenschluss von vorwiegend jungen Aktivisten gegen die Regierung in Hong Kong, Taiwan und jetzt auch in Thailand. Die Verbindungen sind allerdings nur informativ und beruhen auf gegenseitiger Unterst&uuml;tzung in den sozialen Medien und auf Austausch &uuml;ber Strategien des Widerstandes. Anders als in Hong Kong haben die Studenten in Thailand keine Verbindungen zur US-Botschaft oder anderen ausl&auml;ndischen Vertretungen. Sie reisen auch nicht nach Washington, um sich mit Mike Pompeo abzusprechen, bitten die USA nicht um Hilfe oder fordern gar Sanktionen gegen ihr eigenes Land. Sie laufen zudem nicht mit amerikanischen Fahnen durch Bangkok. Auch wenn Jushua Wong vor der thail&auml;ndischen Botschaft in Hong Kong demonstrierte, so hei&szlig;t das noch lange nicht, dass die Ziele der beiden Bewegungen identisch sind. Die thail&auml;ndischen Studenten bereiten keine Farbenrevolution vor und lassen sich auch nicht von irgendwelchen NGO&rsquo;s vor den Karren spannen.  Thailand tanzt, nach &bdquo;westlichen Werten&ldquo; gesehen, ja auch nicht aus der neoliberalen Reihe. Zwar herrscht in Thailand zurzeit eine Milit&auml;rdiktatur, das st&ouml;rt die kapitalistischen Gesch&auml;ftsbeziehungen aber wenig.  Die amerikanischen Geheimdienste werden sich h&uuml;ten, junge Habenichtse nur um der Demokratie willen zu unterst&uuml;tzen, sie halten es lieber mit dem gro&szlig;en Geld. <\/p><p><strong>Katz- und Mausspiel mit den Anf&uuml;hrern<\/strong><\/p><p>In einem Katz- und Mausspiel wurden die Anf&uuml;hrer der Volksbewegung immer wieder verhaftet, um dann, nach einer Gerichtsentscheidung, teils gegen hohe Kaution wieder freigelassen und kurz danach, oft nur wenige Stunden sp&auml;ter, unter einer neuen Anklage verhaftet zu werden. Betroffen sind etwa 70 Anf&uuml;hrerInnen, vor allem aber die bekanntesten Protestf&uuml;hrer Panupong &ldquo;Mike&rdquo; Jadnok, Parit &ldquo;Pinguin&rdquo; Chiwarak, Panusaya &ldquo;Rainbow&rdquo; Sithijirawattanakul und Patiwat Saraiyaem alias Molam Bank sowie der Menschenrechtsanwalt Anon Nampa. Wenn Premierminister Prayut zum Dialog auffordert, so h&auml;tte er zumindest eine Amnestie f&uuml;r die Anf&uuml;hrer der Bewegung verk&uuml;nden m&uuml;ssen, um glaubw&uuml;rdig zu sein.<\/p><p>Nach einer ereignisreichen Nacht von Freitag auf Samstag, 31. Oktober, wurden Parit &ldquo;Pinguin&rdquo; Chiwarak und Panusaya &ldquo;Rainbow&rdquo; Sithijirawattanakul gegen 4.45 Uhr ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie von der Polizei in Ayutthaya befragt worden waren. &bdquo;Pinguin&ldquo; war mit mehreren Glassplittern am K&ouml;rper verletzt und &bdquo;Rainbow&ldquo; war ersch&ouml;pft und litt unter Dehydrierung und chronischem Schlafentzug. Sie gesellten sich zu Panupong &ldquo;Mike&rdquo; Jadnok, einem anderen Protestf&uuml;hrer, der vorher schon ins Krankenhaus gebracht worden war, nachdem er in Polizeigewahrsam ohnm&auml;chtig wurde. Alle drei br&auml;uchten mindestens zwei bis drei Tage, um sich zu erholen, sagten die &Auml;rzte. Sie waren 16 Tage lang im Gef&auml;ngnis gewesen.<\/p><p>Am sp&auml;ten Freitagnachmittag hatte der Strafgerichtshof den drei StudentenaktivistInnen Kaution gew&auml;hrt. Ein Gericht in Ayutthaya lehnte am Samstag einen Antrag der Polizei ab, die drei Protestf&uuml;hrer, die sich noch im Krankenhaus befanden, erneut festzunehmen. Nach aktuellem Stand sind fast alle AktivistInnen wieder auf freiem Fu&szlig;. Das Damoklesschwert einer erneuten Verhaftung schwebt stets &uuml;ber ihnen. Die Polizei wird immer einen Grund finden, sie erneut zu verhaften, solange es keine Amnestie f&uuml;r sie gibt. Nur der Sieg der Bewegung kann sie retten.<\/p><p><strong>Die wirtschaftliche Situation<\/strong><\/p><p>Die Situation der Tourismusindustrie, die je nachdem, was man dazu z&auml;hlt, bis zu einem F&uuml;nftel der Wirtschaftskraft ausmacht, ist nach wie vor desastr&ouml;s.  Die Hauptsaison beginnt gerade jetzt, die Grenzen sind immer noch geschlossen. Die Saison 2020\/2021 ist jetzt schon verloren. Die Belegung der Hotelbetten in Bangkok betr&auml;gt 20%, in anderen Touristenhotspots wie Koh Samui und Phuket sind es kaum 10%, was besonders schlimm f&uuml;r diese Orte ist, da sie fast ausschlie&szlig;lich vom Tourismus leben. 10 bis 20 Prozent Bettenbelegung, das reicht nicht aus, um zu &uuml;berleben. <\/p><p>Thai International Airlines ist pleite und stellt 34 Flugzeuge zum Verkauf. Zugleich baut die Fluggesellschaft 5.000 Mitarbeiter, ein Viertel der gesamten Belegschaft, ab. Nok Airlines, eine Billigfluglinie mit Sitz in Bangkok, ist ebenfalls bankrott. <\/p><p>Die Binnennachfrage ist gesunken, ausl&auml;ndische Firmen verlegen Produktionsst&auml;tten nach Vietnam, Laos oder Kambodscha. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie noch nie zuvor, es gibt kein Arbeitslosengeld in Thailand, die Leute werden einfach nach Hause geschickt und die Menschen, die noch Familie auf dem Land haben, gehen dorthin zur&uuml;ck, in die Provinzen, denn nur dort k&ouml;nnen sie &uuml;berhaupt noch &uuml;berleben. <\/p><p>Der Immobilienmarkt ist zusammengebrochen. Trotzdem steht der thail&auml;ndische Baht unerkl&auml;rlicherweise noch immer hoch im Kurs, was die Exporte und den geringen Rest-Tourismus weiterhin schw&auml;cht. Thail&auml;ndischer Reis, eines der landwirtschaftlichen Hauptexporterzeugnisse, ist im Ausland kaum noch konkurrenzf&auml;hig. <\/p><p>Die Sch&uuml;ler und Studenten stehen nach ihrem Schulabschluss vor der Arbeitslosigkeit. In einem Land wie Thailand sind es aber traditionell die Kinder, die die Eltern im Alter unterst&uuml;tzen, da fast niemand, abgesehen von den Staatsbediensteten, einen Rentenanspruch hat und es keine Rentenkasse in der Privatwirtschaft gibt. Die Rentenversicherung der heute nicht mehr arbeitsf&auml;higen Generation sind ihre Kinder.  Auch in Thailand wird so, falls nichts geschieht, eine verlorene Generation heranwachsen. <\/p><p><strong>Die Mobilmachung der Royalisten und die Charmeoffensive der Monarchie<\/strong><\/p><p>Die 10 Forderungen der von den Studenten angef&uuml;hrten Regierungsgegner, die Transparenz &uuml;ber das Verm&ouml;gen des K&ouml;nigs, die Aufhebung seiner Immunit&auml;t, die Abschaffung des Gesetzes &uuml;ber Majest&auml;tsbeleidigung und ein Verbot des K&ouml;nigs, in die thail&auml;ndische Politik einzugreifen, sind vom K&ouml;nigspalast und von der Regierung von Premierminister Prayut bisher unbeachtet geblieben.<\/p><p>Vajiralongkorn wird gegen die Demonstranten vorgehen. Er ist bekannt f&uuml;r seine Gewaltbereitschaft gegen&uuml;ber Menschen, die ihm missfallen. Er ist eigensinnig, unberechenbar und leicht zu ver&auml;rgern. Es ist daher wahrscheinlich, dass er extremen Druck auf Prayut aus&uuml;ben wird, um die Proteste zu beenden. Es ist weiter anzunehmen, dass der Palast hinter den Kulissen bereits mit konservativen Kr&auml;ften wie dem Geheimen Rat, den Sicherheitskr&auml;ften und der Regierung Prayut Ma&szlig;nahmen trifft, um eine schlagkr&auml;ftige Opposition gegen die Studentenbewegung zu organisieren. Die 10 Forderungen der Studenten werden nur gegen den Willen Vajiralongkorns umzusetzen sein, denn sie fordern, dass f&uuml;r die Monarchie die gleichen Gesetze gelten sollen wie f&uuml;r das Volk. <\/p><p>F&uuml;r Vajiralongkorn geht es auch um gesch&auml;tzte 60 Milliarden US-Dollar, die er sich 2018 unter den Nagel gerissen hat, als er eine Verfassungs&auml;nderung diesbez&uuml;glich erzwang. Zu Lebzeiten seines Vaters war nie ganz klar, wem das Verm&ouml;gen des Crown Property B&uuml;ros und zu welchen Anteilen geh&ouml;ren w&uuml;rde, dem K&ouml;nigshaus oder dem thail&auml;ndischen Staat. Diese Frage gewinnt zunehmend an Brisanz, seit die Protestbewegung sie gestellt hat und seit sie zudem den exzentrischen und boh&egrave;mehaften Lebenswandel des K&ouml;nigs anprangert, der sich diesen Lebenswandel vom thail&auml;ndischen Staat finanzieren l&auml;sst.<\/p><p>Es geht um Landbesitz von sch&auml;tzungsweise 54 km&sup2; in den besten Lagen von Bangkok und um weitere 160 km&sup2; in den Provinzen. Es geht um die Siam Commercial Bank, die den CPB geh&ouml;rt und um Siam Cement, den gr&ouml;&szlig;ten Zementhersteller im Land, ebenfalls im Besitz des CPB. Es geht des Weiteren um unz&auml;hlige weitere Unternehmen, wie z.B. das bekannte Dusit Thani Hotel in der Silom Road von Bangkok sowie um Beteiligungen an fast allen gr&ouml;&szlig;eren Unternehmen in Thailand, die ohne das Wohlwollen und mit Beteiligung des CPB niemals eine Genehmigung zur Gesch&auml;ftser&ouml;ffnung bekommen h&auml;tten. Das CPB hat seine Finger in allen gro&szlig;en Gesch&auml;ften in Thailand, am CPB kommt niemand vorbei, der in Thailand das gro&szlig;e Rad drehen will. <\/p><p>Der Monarch sieht offenbar keinen Reformbedarf. Der K&ouml;nig wird den geforderten Reformen niemals zustimmen, denn sie w&uuml;rden ihm praktisch seine gesamte Macht nehmen. Vergessen wir dabei nicht, dass die Herrschaft der Bangkoker Oberschicht mit dem Schicksal der Monarchie unaufl&ouml;slich verwoben ist. Die besitzenden Klassen Thailands sind durch und durch monarchistisch, sowohl in ihren finanziellen Interessen als auch in ihrer Tradition. Vajiralongkorn ist ihr gekr&ouml;ntes Haupt. <\/p><p>Die wahrscheinlichste Strategie des K&ouml;nigs, auf die Forderungen pro-demokratischer Gruppen zu reagieren &ndash; und um die Monarchie zu erhalten &ndash; wird sein, seinerseits massenhaft Anh&auml;nger der Royalisten auf die Stra&szlig;e zu bringen. Es steht zu bef&uuml;rchten, dass die Monarchie auf bew&auml;hrte Art erneut versuchen wird, die Proteste zum Verstummen zu bringen.<\/p><p>Vajiralongkorn hatte Ende Oktober Aufsehen erregt, als er bei einem Bad in der Menge pers&ouml;nlich einem Royalisten f&uuml;r dessen Loyalit&auml;t dankte. Der Mann hatte sich mit pro-demokratischen Demonstranten angelegt, indem er ein Portr&auml;t des 2016 verstorbenen K&ouml;nigs Bhumibol und seiner Frau Sirikit in die H&ouml;he gehalten hatte. &bdquo;Sehr tapfer, danke&ldquo;, sagte der K&ouml;nig zu ihm vor laufenden Kameras. Am Sonntag, 30. Oktober, nahmen die K&ouml;nigin und K&ouml;nig Vajiralongkorn erneut ein Bad in einer Menge von etwa 2.000 gelbgekleideten Anh&auml;ngern, die ihnen zujubelten. Die Frage eines Reporters nach der Studentenbewegung beantwortete er mit der Aussage, er &bdquo;liebe alle Thais&ldquo;.<\/p><p>Seit die pro-demokratische Bewegung im Juli an Fahrt gewonnen hat, haben Royalisten einen Gegenangriff unternommen, indem sie Forderungen nach einer Reform der Monarchie verurteilen und als Verrat und &bdquo;Undankbarkeit&ldquo; brandmarken.<\/p><p>Im August wurde die Gruppe &ldquo;Loyale Thais&rdquo; von Warong Dechgitvigrom, einem ehemaligen Mitglied der royalistischen Demokratischen Partei, gegr&uuml;ndet. &ldquo;Heute wird unser Vater des Landes angegriffen und verleumdet. Ist dies f&uuml;r Thail&auml;nder akzeptabel? Die Zeit ist gekommen, dass die Thais dies nicht weiter tolerieren&rdquo;, sagte Warong bei der Gr&uuml;ndung seiner Gruppe. Die Gruppe hat bereits mehrere Demonstrationen organisiert und dabei Bef&uuml;rchtungen eines gewaltsamen Zusammensto&szlig;es mit Studentendemonstranten geweckt. Zudem versuchen konservative Regierungsbeamte, royalistische Thais auf die Stra&szlig;e zu bringen, um sie den Studenten entgegenzustellen.<\/p><p>Die Man&ouml;ver des Palastes erwecken Parallelen zu den Gr&uuml;ndungen der faschistisch-royalistischen Gruppen vor dem Massaker an den Studenten im Jahre 1976, als paramilit&auml;rische rechte Gruppen Studentenaktivisten an der oben erw&auml;hnten Thammasat-Universit&auml;t in Bangkok erschossen, verbrannt und gelyncht haben. Vajiralongkorn war an der Niederschlagung der Studentenrevolte damals pers&ouml;nlich beteiligt und einer ihrer Anf&uuml;hrer. (Siehe hierzu ausf&uuml;hrlicher: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65637\">Das Blutbad an der Thammasat-Universit&auml;t<\/a>).<\/p><p><strong>Die parlamentarische &bdquo;Offensive&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bereits bei seiner letzten Sondersitzung hatte das thail&auml;ndische Parlament lediglich beschlossen, die Abstimmung &uuml;ber 6 Gesetzesvorschl&auml;ge der Opposition zu vertagen und einen Ausschuss zur Beratung &uuml;ber eventuelle Verfassungs&auml;nderungen einzusetzen, welcher erste Ergebnisse in etwa 6 Monaten liefern sollte. Reine Verz&ouml;gerungstaktik. <\/p><p>Zum Verst&auml;ndnis sei hier angemerkt, dass es im thail&auml;ndischen Parlament keine &bdquo;Linkspartei&ldquo; egal welcher Couleur gibt. Es gibt nicht einmal eine sozialdemokratische Fraktion wie in den europ&auml;ischen Parlamenten, keine Partei, deren Genossen auf ihre Parteitagen noch die Internationale singen, sich zumindest noch in ihren Sonntagsreden daran erinnern, dass sie einmal in Zeiten, wo sie selber noch nicht geboren waren, die Vorhut der Arbeiterklasse waren, und die auf ihren Wahlveranstaltungen rote Luftballons an Kinder und rote Kugelschreiber mit ihrem Konterfei an die Erwachsenen verteilen. Eine gewisse Scham ist dort meist noch vorhanden, wenn es um den Beschluss asozialer Gesetze geht. In Thailand sind und waren s&auml;mtliche Parteien stets nur verschiedene Fraktionen derselben Bourgeoisie, alle sind rechts, der Arbeiterklasse durch nichts, nicht einmal durch Tradition, verbunden. Die Abgeordneten sind meist k&auml;uflich. Sie wechseln die Partei wie Sportler den Verein, je nachdem, wie viel man ihnen daf&uuml;r bezahlt. Diese prinzipienlosen Wendeh&auml;lse vertreten nur ihre eigenen Interessen. <\/p><p>Nach den Gro&szlig;demonstrationen vom 14. bis 16. Oktober hatte Premier Prayut dazu aufgerufen, die Meinungsverschiedenheiten auf parlamentarischem Weg zu l&ouml;sen und eine Sondersitzung f&uuml;r den 26. und 27. Oktober einberufen. An diesen beiden Tagen beschloss das Parlament erwartungsgem&auml;&szlig;, nichts zu beschlie&szlig;en. Und genau daf&uuml;r war es auch einberufen worden, um nichts anderes zu beschlie&szlig;en, als die Sache auf die lange Bank zu schieben. In der Hoffnung, dass die Proteste sich irgendwann von alleine aufl&ouml;sen w&uuml;rden. Wer h&auml;tte auch von diesen hasenf&uuml;&szlig;igen Bangkoker Million&auml;ren und Wendeh&auml;lsen eine mutige Entscheidung erwarten k&ouml;nnen? Im Gegenteil: Prayut erkl&auml;rte vor dem Parlament, er habe nichts falsch gemacht, er halte sich an die Gesetze (die seine Milit&auml;rclique und er selber geschrieben haben) und denke nicht an R&uuml;cktritt. Die Volksbewegung hatte den R&uuml;cktritt von Prayut bis sp&auml;testens 24. Oktober 22.00 Uhr gefordert, andernfalls sie ihre Aktionen zu intensivieren gezwungen s&auml;hen.<\/p><p>Anstatt also eine konstruktive Diskussion &uuml;ber einen Kompromiss mit der Protestbewegung zu suchen, nutzen Pro-Prayut-Abgeordnete die Gelegenheit, um stattdessen die Forderungen der Studenten zu kritisieren und zu behaupten, dass sie Thailand in eine Republik f&uuml;hren wollten und dass Prayut die beste Person sei, um dies zu verhindern. Und &uuml;berhaupt stehe die Rolle der Monarchie hier nicht zur Debatte. Die enge Verflechtung von Monarchie und Milit&auml;r wird hier erneut deutlich. <\/p><p>Beschlossen wurde dann doch noch, einen &bdquo;politischen Vers&ouml;hnungsausschuss des Parlaments&ldquo; einzurichten, um, so hei&szlig;t es, &bdquo;die nationale Harmonie wiederherzustellen und den gegenw&auml;rtigen politischen Konflikt zu beenden&ldquo;. &Uuml;ber dessen Zusammensetzung und Struktur sollen jedoch nur der Parlamentspr&auml;sident und andere beteiligte Beamte entscheiden. Wie die Entscheidungen des Vers&ouml;hnungsausschusses umgesetzt werden sollen, dar&uuml;ber will sich niemand im Detail &auml;u&szlig;ern. Hervorzuheben sei hier noch, dass Chuan Leekpai, der Parlamentsvorsitzende, es schon abgelehnt hat, den Vorsitz des von ihm selbst vorgeschlagenen Ausschusses zu &uuml;bernehmen. Thailand habe genug hervorragende Pers&ouml;nlichkeiten, die diese Aufgabe &uuml;bernehmen k&ouml;nnten. Der Vorsitzende des Parlaments der Feiglinge entzieht sich damit gleich von Anfang an vorsichtshalber seiner Verantwortung. Von den Oppositionsparteien im Parlament will keiner dem Ausschuss beitreten und auch die F&uuml;hrung der Volksbewegung hat es bereits abgelehnt, daran teilzunehmen. Sie haben l&auml;ngst durchschaut, dass dieser Ausschuss nur ihrer Bewegung den Wind aus den Segeln nehmen will und ein Trick ist, um Prayut an der Macht zu halten. &bdquo;Wir erkl&auml;ren, dass wir einen von der Regierung zu bildenden Ausschuss nicht akzeptieren und ihm nicht beitreten werden&ldquo;, verk&uuml;ndete die Volksbewegung. Zugleich erneuerte sie ihre Forderung nach dem R&uuml;cktritt des Premierministers sowie der Ausarbeitung einer neuen Verfassung und der Reform der Monarchie. <\/p><p>Am 6. November erkl&auml;rte Prayut, er habe genug von der Macht und suche jemanden, der geeignet sei, seinen Job zu &uuml;bernehmen. Prayut l&auml;sst schon seit Jahren solche &Auml;u&szlig;erungen fallen. Und es ist durchaus anzunehmen, dass er es in einem gewissen Sinne auch ernst meint. Wenn jemand anders die Drecksarbeit f&uuml;r ihn &uuml;bernehmen will, dann w&uuml;rde er wahrscheinlich gerne in ein ruhigeres Privatleben zur&uuml;cktreten. Aber nur dann, wenn er und seine Kumpane sich sicher sein k&ouml;nnen, dass mit dem Wechsel des Premierministers alles beim Alten bleibt.<\/p><p><strong>Die Rede von einem neuen Milit&auml;rputsch<\/strong><\/p><p>&bdquo;Ich sehe einen Staatsstreich als keine schlechte Sache an&ldquo;, sagte  Medienmogul Sondhi Limthongkul, der Jimmy Lai Thailands und einer der Hauptleute der Gelbhemden, die 2010 mit ihren royalistisch-faschistischen Truppen so lange Unruhe in Thailand gestiftet hatten, bis das Milit&auml;r ausreichend Vorwand gefunden hatte, die Regierung von Thaksin Shinawatra, die von den Rothemden unterst&uuml;tzt wurde, aus dem Amt zu jagen und einen Putsch zu machen, um &bdquo;Ruhe und Ordnung&ldquo; wiederherzustellen. Die Rothemden wurden gnadenlos verfolgt, gegen die Gelbhemden unternahm das Milit&auml;r nichts. Manche m&ouml;gen sich vielleicht noch an die tagelange Besetzung des internationalen Flughafens Suvarnabhumi in Bangkok durch die Gelbhemden erinnern, gegen die die Polizei und das Milit&auml;r nichts unternahm. <\/p><p>Dieser Sondhi rief letzte Woche &ouml;ffentlich zu einer neuen milit&auml;rischen Intervention auf, um die Stabilit&auml;t wiederherzustellen und die Monarchie zu sch&uuml;tzen, und sagte, das Milit&auml;r m&uuml;sse die Macht nach der Macht&uuml;bernahme rasch wieder abgeben, damit der K&ouml;nig die Bildung einer Einheitsregierung &uuml;berwachen k&ouml;nne. Rechts neben Sondhi und seinen royalistischen Kumpanen steht nur noch Adolf Hitler. <\/p><p>Premierminister Prayut sagte daraufhin, er k&ouml;nne nicht sagen, ob es einen Putsch geben wird oder nicht, und f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Niemand will es tun, niemand will einen Putsch inszenieren&ldquo;. Dementis von einem bevorstehenden Staatsstreich werden immer dann lauter, wenn die Planungen f&uuml;r eben diesen in vollem Gange sind. Das Milit&auml;r und alle Interessengruppen, die von den Studentenprotestlern bedroht werden, werden das Ende des thail&auml;ndischen milit&auml;rischen Kapitalismus nicht zulassen. &bdquo;Das Milit&auml;r ist die einzige Institution, die die Macht des K&ouml;nigs aufrechterhalten kann&ldquo;, so ein Kenner des Landes, &bdquo;und die Monarchie verleiht dem Milit&auml;r Legitimit&auml;t und segnet jeden der Staatsstreiche ab.&ldquo; Im Oktober &uuml;bernahm General Narongpan Jittkaewtae als neuer Armeechef das Kommando und ging auf die Putschger&uuml;chte ein: &bdquo;Die Chance auf einen Putsch ist gleich null, solange es keine Gruppen gibt, die eine Situation oder einen gewaltsamen Konflikt herbeif&uuml;hren&ldquo;, sagte er. Er sagte nicht, was geschehen w&uuml;rde, wenn er glaubte, dass es solche Gruppen gibt.<\/p><p><strong>Wie wird es weitergehen?<\/strong><\/p><p>Die Ungleichheit, die Ungerechtigkeit, die Heuchelei, die L&uuml;gen, die Mythen und die Korruption dauern schon Jahrzehnte an und rauben den jungen Menschen die Zukunft. Das haben sie klar erkannt und sie benennen erstmals auch die Ursachen daf&uuml;r und fordern deren Abschaffung. Die Jugend hatte seit 1976 geschlummert. Ihr jetziges Hervortreten hat viel Best&uuml;rzung und auch Wut unter den &auml;lteren Generationen ausgel&ouml;st.<\/p><p>Viele Erwachsene sind ver&auml;rgert. Die &Uuml;berzeugungen und Werte, die sie an die n&auml;chste Generation weitergeben wollten, werden nun von ihren Kindern infrage gestellt. Es ist eine Situation, mit der sich viele nicht abfinden wollen. Alles soll so bleiben, wie es ist. Warum? Weil es eben immer schon so war. Die Logik bleibt auf der Strecke, die alten &Uuml;berzeugungen und L&uuml;gen bleiben erhalten. Es ist schwer zu akzeptieren, dass die Welt, wie sie die Alten gekannt hatten, sich ver&auml;ndert hat. Darum laufen viele von ihnen heute wieder mit gelben Hemden durch die Stra&szlig;en und jubeln einem K&ouml;nig zu, der f&uuml;r sein Volk nicht viel &uuml;brig hat. Die ewiggestrigen Omas und Opas sind dabei noch die Harmlosesten. Viel gef&auml;hrlicher sind die paramilit&auml;rischen gelben Truppen, die jetzt wieder mobilisiert werden, S.A.-&auml;hnliche Schl&auml;gertrupps, nicht im braunen, sondern im gelben Hemd. Man erkennt sie an ihrem gest&auml;hlten K&ouml;rperbau, an ihrem kurzen Haarschnitt und an ihrem milit&auml;risch disziplinierten Auftreten bei ihren Aktionen.<\/p><p>Gerade weil die ideologische Welt f&uuml;r viele Jahrzehnte in Thailand stehengeblieben ist, ist der Schaden, den die Jugend jetzt reparieren muss, umso gr&ouml;&szlig;er. <\/p><p>Am gestrigen Sonntag fand wieder eine gr&ouml;&szlig;ere Demonstration in Bangkok statt. Die Demonstranten versammelten sich am Nachmittag am Demokratie-Denkmal, um erneut den R&uuml;cktritt von Premierminister Prayut, eine neue Verfassung und eine Reform der k&ouml;niglichen Institution zu fordern. Danach wollten sie zum Gro&szlig;en Palast gehen. Die Demonstranten durchbrachen einen Polizeikordon, wo drei Busse und Stacheldrahtz&auml;une aufgestellt worden waren, um die Stra&szlig;en zu blockieren. Dahinter befand sich ein Wasserwerfer. Nachdem die Demonstranten die Warnungen ignoriert hatten, ihren Marsch zur k&ouml;niglichen Residenz zu stoppen, und gemeinsam einen Bus beiseitegeschoben hatten, setzte die Polizei den Wasserwerfer ein. Gegen 21.00 Uhr verlasen die Protestf&uuml;hrer eine &bdquo;vom Volk&rdquo; unterzeichnete Botschaft, in der erneut eine Reform der Monarchie gefordert wurde, bevor sich die Menge aufl&ouml;ste und die Kundgebung endete. Es gab mindestens drei Verletzte.<\/p><p>Der bisherige Erfolg der Proteste ist ein wichtiger und symbolischer Sieg. Aber der Kampf wird noch lang und hart sein. Es ist sonnenklar, dass weder die Monarchie noch das Milit&auml;r noch die Oberschicht gewillt sind, Kompromisse einzugehen. Sie haben bereits Blut an ihren H&auml;nden. Seit Jahrzehnten ermorden sie pro-demokratische Anf&uuml;hrer, zuletzt die Rothemden, und setzen Todesschwadronen gegen Dissidenten ein. Nach der Februarrevolution, der zum Sturz des russischen Zaren f&uuml;hrte, kam die Oktoberrevolution mit dem Sturz der Bourgeoisie. Die Oberschicht bef&uuml;rchtet, nicht ganz zu Unrecht, eine Wiederholung der Geschichte. Umso besser beraten w&auml;ren sie aber dann, auf die Anliegen des Volkes einzugehen und den Kompromiss zu suchen. Historisch gesehen geh&ouml;ren sie heute schon auf den Kehrrichthaufen der Geschichte.<\/p><p>Die Bewegung steht an einem Scheideweg. Immer wieder Blitzlichtmobs zu organisieren, birgt das Risiko, die Demonstranten zu erm&uuml;den, und diese Aktionen reichen zudem nicht aus, um das Land unregierbar zu machen. Entweder sie schreiten voran, um militantere und machtvollere Aktionen wie Streiks zu organisieren, oder der Schwung wird verlorengehen. Angesichts des Ausma&szlig;es der &ouml;ffentlichen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Proteste ist es wichtig, jetzt den Moment zu nutzen und zu versuchen, statt nur politische Forderungen auch soziale Forderungen zu stellen. Man muss die Arbeiterschaft mitnehmen und auf Streiks und Arbeitsniederlegungen bauen. Die Rolle der Arbeiterbewegung ist von entscheidender Bedeutung, die Unf&auml;higkeit, Streiks zur Unterst&uuml;tzung der Rothemden-Proteste im Jahr 2010 zu organisieren, war eine entscheidende Schw&auml;che, die dem Regime half, die Stra&szlig;endemonstrationen zu zerschlagen. Die politische Beteiligung der Arbeiterklasse ist auch deshalb von entscheidender Bedeutung, weil eine thail&auml;ndische Regierung nur dann eine wirtschaftlich-soziale Reformpolitik f&uuml;r eine gleichberechtigte Gesellschaft betreiben wird, wenn die Arbeiterbewegung ihre St&auml;rke zeigt und politischen Druck aus&uuml;bt, entweder durch den Aufbau einer eigenen Partei oder durch aktives Engagement in der sozialen Bewegung. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung w&auml;re dringend eine intensive Zusammenarbeit der Volksbewegung mit der Rothemdenbewegung und den Gewerkschaften.<\/p><p>Ansatzpunkte hierzu gibt es genug. Durch die Wirtschaftsrezession haben viele Menschen ihre Arbeit verloren und sind nun, in einem Land fast ganz ohne soziale Absicherung, von Armut bedroht. Wegen des starken Baht stagnieren die Exporte. Davon ist auch die Landwirtschaft betroffen, die Bauern k&ouml;nnen ihren Reis nicht mehr verkaufen. Die Gewerkschaft der Bangkoker Massentransporte wehrt sich gegen das Requirieren von Bussen durch die Polizei, um sie als Stra&szlig;ensperren zur Blockade von Demonstranten einzusetzen. <\/p><p>Und auch bei Polizei und Milit&auml;r w&auml;chst die Wut gegen ihre Vorgesetzten und Offiziere, die Polizisten beschweren sich dar&uuml;ber, dass man ihnen ihre &Uuml;berstunden nicht richtig bezahlt, und die Rekruten klagen allgemein &uuml;ber schlechten Sold und schlechte Behandlung. <\/p><p>Unterdessen k&uuml;ndigten Sch&uuml;leraktivisten an, dass sie f&uuml;r den 21. November eine gro&szlig;e Kundgebung geplant haben. Auch sie fordern den R&uuml;cktritt des Premierministers, um die Verantwortung f&uuml;r die Ernennung von Nataphol Teepsuwan zum Bildungsminister zu &uuml;bernehmen.<\/p><p>Die sogenannten &bdquo;schlechten Sch&uuml;ler&ldquo; haben den R&uuml;cktritt von Nataphol gefordert. Sie sagen, er habe es vers&auml;umt, die Qualit&auml;t der Bildung zu verbessern und mehr Freiheit an den Schulen zuzulassen. Die Bewegung ist bereits stark, aber noch von kindlicher Naivit&auml;t.<\/p><p>Titelbild: SPhotograph\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. August fand in Bangkok eine im Nachhinein historische Protestdemonstration gegen die Milit&auml;rregierung von Premierminister Prayut Cha-Oncha statt. Der Anwalt Anon Nampa ergriff das Mikrofon, kritisierte &ouml;ffentlich die Monarchie und forderte eine neue Verfassung inklusive einer neuen Definition der Rolle der Monarchie in der thail&auml;ndischen Gesellschaft. Damit war der Geist aus der Flasche. Niemals<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66650\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":66651,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[124,20,125,132,30],"tags":[282,2177,1451,1221,421,663,312,479,1617,2676,2128,2852],"class_list":["post-66650","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-buergerproteste","tag-militaerdiktatur","tag-monarchie","tag-perspektivlosigkeit","tag-polizei","tag-putsch","tag-reformpolitik","tag-reservearmee","tag-thailand","tag-tourismusindustrie","tag-verfassung","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_1391629919.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66650","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66650"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66650\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66672,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66650\/revisions\/66672"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/66651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66650"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66650"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66650"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}