{"id":6687,"date":"2010-09-08T10:06:09","date_gmt":"2010-09-08T08:06:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6687"},"modified":"2014-02-24T12:30:09","modified_gmt":"2014-02-24T11:30:09","slug":"bildungsbananenrepublik-auf-einen-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6687","title":{"rendered":"Bildungs(bananen)republik auf einen Blick"},"content":{"rendered":"<p>Die nachfolgenden Grafiken aus dem neuen OECD-Bildungsbericht sprechen eigentlich f&uuml;r sich und sagen mehr als tausend Worte. Deutschland nimmt bei fast allen Daten zur Finanzierung des Bildungsbereichs und bei allen Statistiken &uuml;ber die Bildungsbeteiligung und &ndash;erfolge vor allem im terti&auml;ren Bereich bestenfalls einen Platz im Mittelfeld, ja vielfach sogar am unteren Tabellenende der Rankings ein.<br>\nUnd die Bundesregierung hat nichts Besseres zu tun, als <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/de\/13920.php\">sich zu loben<\/a>: Deutschland liege als Zielland f&uuml;r ausl&auml;ndische Studierende an dritter Stelle in der Welt &ndash; ohne darauf hinzuweisen, dass dies auch daran liegt, dass an den meisten deutschen Universit&auml;ten noch keine Studiengeb&uuml;hren erhoben werden. In Deutschland sei der Anteil junger Menschen, die einen Hochschlussabschluss erworben haben, gestiegen  &ndash; ohne darauf hinzuweisen, dass auch die anderen L&auml;nder zugelegt haben und wir immer noch im hinteren Mittelfeld liegen. Statt aber den gro&szlig;spurigen Ank&uuml;ndigungen &uuml;ber den Vorrang der Bildung Taten folgen zu lassen, wird angesichts des sich abzeichnenden Fachkr&auml;ftemangels, nach ausl&auml;ndischen Fachkr&auml;ften gerufen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Die Bildungsausgaben sind in Deutschland im internationalen Vergleich weiter niedrig. Das geht aus dem neuen Bericht &ldquo;Bildung auf einen Blick&rdquo; der Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die gesamten &ouml;ffentlichen und privaten Ausgaben f&uuml;r Bildungseinrichtungen lagen laut OECD in Deutschland im Jahr 2007 lediglich bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).<br>\nUnter den OECD-L&auml;ndern, f&uuml;r die entsprechende Zahlen vorlagen, gaben nur die Slowakei, Tschechien und Italien einen geringeren Anteil der Wirtschaftsleistung f&uuml;r Bildung aus. Bei den Spitzenreitern USA, Korea und D&auml;nemark lag der Anteil bei mehr als sieben Prozent des BIP. Die Zahl der Hoch- und Fachhochschulabsolventen wuchs der Studie zufolge zwischen 2000 und 2008 um mehr als ein Drittel auf 260.000 pro Jahr. Ihr Anteil an einem Jahrgang stieg dadurch von 18 auf 25 Prozent. Im OECD-Mittel wuchs der Anteil der Hochqualifizierten dagegen im gleichen Zeitraum von 28 auf 38 Prozent.&ldquo;<\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_01.jpg\" title=\"Grafik 01 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_01_th.jpg\" alt=\"Grafik 01 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 01 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_02.jpg\" title=\"Grafik 02 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_02_th.jpg\" alt=\"Grafik 02 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 02 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/23\/0,3672,7931543,00.html\">ZDF heute.de OECD-Bericht zu wenige Studienanf&auml;nger anklicken<\/a><\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_03.jpg\" title=\"Grafik 03 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_03_th.jpg\" alt=\"Grafik 03 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 03 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_04.jpg\" title=\"Grafik 04 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_04_th.jpg\" alt=\"Grafik 04 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 04 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_05.jpg\" title=\"Grafik 05 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_05_th.jpg\" alt=\"Grafik 05 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 05 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_06.jpg\" title=\"Grafik 06 zu Bildungs(bananen)republik\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20100908_bildungs_bananen_republik_06_th.jpg\" alt=\"Grafik 06 zu Bildungs(bananen)republik\" title=\"Grafik 06 zu Bildungs(bananen)republik\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/de\/13920.php\">BMBF<\/a><\/p><p>Typisch f&uuml;r ihre wirtschaftsliberale Ausrichtung ist f&uuml;r die OECD Bildung reduziert eindimensional auf die Entwicklung des &bdquo;Humankapitals&ldquo; als wesentliches Element des Standortwettbewerbs. In den Ausz&uuml;gen des volumin&ouml;sen Berichtes &bdquo;Bildung auf einen Blick 2010&ldquo;, den das <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/pub\/bildung_auf_einen_blick_10_wesentliche_aussagen.pdf\">Bundesbildungsministerium ver&ouml;ffentlichte [PDF &ndash; 800 KB]<\/a>, steht denn auch die Kosten-\/Nutzen-Rechnung f&uuml;r private und &ouml;ffentliche Investitionen in Bildung im Vordergrund. So wird denn auch vorgerechnet wie hoch die Rendite f&uuml;r ein privates Investment in ein Studium ausf&auml;llt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Entscheidet sich in Deutschland eine m&auml;nnliche Person, ein Studium aufzunehmen, muss sie f&uuml;r die Zeit des Studiums mit einem entgangenen Einkommen von rund 59.000 US-Dollar (50.000 Euro) rechnen. Hinzu kommen weitere Kosten in H&ouml;he von knapp 5.900 US-Dollar (5.000 Euro). Dem stehen allerdings gesch&auml;tzte Einnahmen in H&ouml;he von &uuml;ber 200.000 US-Dollar (170.000 Euro) gegen&uuml;ber, so dass unter dem Strich zus&auml;tzliche Einnahmen in H&ouml;he von fast 140.000 US-Dollar (120.000 Euro) bleiben. Damit kann er eine j&auml;hrliche Rendite von 9 % f&uuml;r sich verbuchen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>In der Logik dieses bildungspolitischen Ansatzes liegt es, dass f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren bzw. f&uuml;r eine h&ouml;here private Kostenbeteiligung f&uuml;r ein Studium einzutreten. <\/p><p>Immerhin macht die OECD auch die Gegenrechnung auf und berechnet die &bdquo;gesellschaftlichen Ertr&auml;ge&ldquo; eines Studiums: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Kosten der &ouml;ffentlichen Hand f&uuml;r einen m&auml;nnlichen Hochschulabsolventen betragen im Vergleich zu einem Absolventen einer beruflichen Ausbildung rund 47.000 US-Dollar. Diesen Kosten, die sich zusammensetzen aus direkten Kosten f&uuml;r das Studium sowie entgangenen Steuereinnahmen, stehen auf der anderen Seite Einnahmen in H&ouml;he von rund 226.000 US-Dollar (ca. 190.000 Euro) durch h&ouml;here Steuereinnahmen, Beitr&auml;ge zur Sozialversicherung und geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko gegen&uuml;ber. Im Saldo bedeutet dies ein Plus von rund 180.000 US-Dollar (ca. 150.000 Euro).&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Im Ergebnis bringen der &ouml;ffentlichen Hand die Investitionen in eine Hochschulausbildung mehr, als das private Investment in ein Studium. Und wenn man statt Studiengeb&uuml;hren eine Akademiker-Steuer bzw. noch einfacher eine entsprechende Steuererh&ouml;hung f&uuml;r die durch staatliche Investitionen in Bildung erzielten privaten &bdquo;Renditen&ldquo; einf&uuml;hrte, so w&auml;re das Thema Studiengeb&uuml;hren vom Tisch.<\/p><p>Man kann und muss die kapitaltheoretische Sichtweise auf Bildung mit guten Gr&uuml;nden kritisieren, aber an den nackten Zahlen des OECD-Bildungsberichts kann und sollte man nicht einfach vorbeigehen. Und schon gar nicht sollte man, wie die Bundesbildungsministerin ein paar Rosinen herauspicken, wo die Bundesrepublik Deutschland nicht ganz so schlecht da steht.<\/p><p>Es ist ohne weiteres zuzugeben, dass die duale Berufsausbildung in Deutschland einen internationalen Sonderstatus hat und deshalb die hohen Abschlussquoten im Hochschulbereich in anderen L&auml;ndern zu relativieren sind. Das darf aber nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass trotz der leicht angestiegenen Hochschulabsolventenquote in absehbarer Zeit in vielen Berufsfeldern nicht einmal der Ersatzbedarf an altersbedingt ausscheidenden Akademikern befriedigt werden kann.<br>\n(In der Gesamtheit der arbeitenden Bev&ouml;lkerung zwischen 25 und 64 Jahren haben 25 Prozent der Deutschen einen Hochschulabschluss. Hier liegt der OECD-Durchschnitt bei 28 Prozent. Betrachtet man jedoch nur die Gruppe der 25- bis 34-J&auml;hrigen, liegt Deutschland mit 24 Prozent bereits <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article9453659\/Deutschland-verliert-bei-der-Bildung-den-Anschluss.html\">weit unterhalb des OECD-Durchschnitts von 35 Prozent<\/a>).<\/p><p>Keinerlei besch&ouml;nigende Ausflucht lassen aber die Vergleiche zwischen den OECD-L&auml;ndern zu, wie viel den einzelnen L&auml;ndern die Bildung wert ist. Und da liegt eben Deutschland bei den Bildungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt genauso unter dem OECD-Durchschnitt auf dem viertletzten Platz wie beim Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten &ouml;ffentlichen Ausgaben.<\/p><p>Nachbemerkung:<br>\n<strong>Zur Kritik der humankapitaltheoretischen Betrachtung von Bildung<\/strong><br>\nDieser Ansatz ist in vielfacher Hinsicht eindimensional:<\/p><ul>\n<li>Er blickt nur auf den Status quo der Angebotsseite des Arbeitsmarkts, also darauf, was derzeit einem Arbeitnehmer ein Studium an Rendite bringt. Die Nachfrageseite, die schlie&szlig;lich f&uuml;r die Chancen einer Verwertung eines privaten Investments  entscheidend ist, bleibt ausgeblendet.<\/li>\n<li>Dieser Ansatz l&auml;sst andere Bedingungsfaktoren f&uuml;r unterschiedliche Bildungs- und Qualifikationsniveaus und auch f&uuml;r unterschiedliche Einkommen au&szlig;er Betracht.<\/li>\n<li>Und nat&uuml;rlich betrachtet die Humankapitaltheorie Bildung allein aus dem Nutzen\/-Kosten-Kalk&uuml;l bzw. im Hinblick auf die erzielten oder m&ouml;glicherweise erzielbaren Ertr&auml;ge.<\/li>\n<\/ul><p>Schon der Begriff Human-&ldquo;Kapital&ldquo; ist ein Tarnwort. Es verschleiert den Widerspruch zwischen dem Kapital (als dem Eigentum an den Produktionsmitteln) und dem Faktor Arbeit. Pl&ouml;tzlich ist jeder sein eigener Unternehmer, der Besitzer einer Firma genauso wie der Humankapitalist, der seine Bildung selbstunternehmerisch verwertet. Man suggeriert, die Individuen k&ouml;nnten &uuml;ber ihr Humankapital verf&uuml;gen und seine Vermehrung und Verringerung selbst steuern.<\/p><p>Dennoch nutzt die OECD den neoklassischen Humankapitalansatz als Methode zur L&ouml;sung von volkswirtschaftlichen, bildungspolitischen (z.B. Pisa) und sogar auch f&uuml;r soziale Probleme. Quantitativ richtige Aussagen auf der Makroebene werden h&auml;ufig unvermittelt als L&ouml;sungsansatz auf die Mikroebene &uuml;bertragen. Auch wenn die OECD diesen humankapitaltheoretischen Ansatz &uuml;ber das &ouml;konomische auch auf das soziale Wohlergehen des einzelnen &bdquo;Humankapitalisten&ldquo; auszuweiten versucht, so &auml;ndert das nichts an seinem grundlegenden Charakter, wonach Bildung vor allem auf die Selbstverwertung reduziert bleibt, sei es als Faktor der Produktivit&auml;t oder sei es im Hinblick auf nicht-&ouml;konomische Ertr&auml;ge, wie etwa auf des gesellschaftliche Ansehen und Wohlergehen. (Siehe ausf&uuml;hrlicher dazu: <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/de\/artikel\/25340\">Kompetenzen als Humankapital<\/a>) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die nachfolgenden Grafiken aus dem neuen OECD-Bildungsbericht sprechen eigentlich f&uuml;r sich und sagen mehr als tausend Worte. Deutschland nimmt bei fast allen Daten zur Finanzierung des Bildungsbereichs und bei allen Statistiken &uuml;ber die Bildungsbeteiligung und &ndash;erfolge vor allem im terti&auml;ren Bereich bestenfalls einen Platz im Mittelfeld, ja vielfach sogar am unteren Tabellenende der Rankings ein.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6687\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,151,92],"tags":[430,690,602,443,234],"class_list":["post-6687","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-bildungspolitik","category-fachkraftemangel","tag-bildungsausgaben","tag-neusprech","tag-oecd","tag-standortwettbewerb","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6687"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6689,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6687\/revisions\/6689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}