{"id":6690,"date":"2010-09-09T08:52:47","date_gmt":"2010-09-09T06:52:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6690"},"modified":"2014-02-24T12:29:00","modified_gmt":"2014-02-24T11:29:00","slug":"deutscher-alterssurvey-die-rente-mit-67-ist-eine-kopfgeburt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6690","title":{"rendered":"\u201eDeutscher Alterssurvey\u201c- Die Rente mit 67 ist eine Kopfgeburt"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Deutsche gehen sp&auml;ter in Rente&ldquo; titelt die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/altersstudie-der-regierung-deutsche-gehen-spaeter-in-rente-1.997042\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> und &uuml;bernimmt damit kritiklos die Sprachregelung von <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/verlaengerten-lebensarbeitszeit-arbeitsministerin-verteidigt-rente-mit-1.986729\">Bundessozialministerin von der Leyen<\/a>. Die SZ st&uuml;tzt sich dabei auf den gestern ver&ouml;ffentlichten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.dza.de\/nn_11958\/SharedDocs\/Publikationen\/Pressetext__Befunde__Deutscher__Alterssurvey,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\/Pressetext_Befunde_Deutscher_Alterssurvey.pdf.\">Alterssurvey [PDF &ndash; 49 KB]<\/a>&ldquo;. Die Bef&uuml;rworter der Rente mit 67, die behaupten, dass &Auml;ltere wachsende Chancen auf dem Arbeitsmarkt h&auml;tten, k&ouml;nnen aus dem Alterssurvey jedoch keinen Honig saugen. Selbst bei einer angestiegenen &bdquo;Erwerbsbeteiligung&ldquo; der 60 bis 64-J&auml;hrigen von derzeit 33 Prozent (von der Leyen sprach sogar von 40 Prozent), bliebe aus heutiger Sicht die Rente mit 67 f&uuml;r den allergr&ouml;&szlig;ten Teil der Arbeitnehmer eine faktische Rentenk&uuml;rzung. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Zun&auml;chst die Zusammenfassung des &bdquo;Alterssurveys&ldquo; durch den Leiter des Deutschen Zentrums f&uuml;r Altersfragen, Professor Clemens Tesch-R&ouml;mer:<\/p><p>Aktuell betr&auml;gt die Lebenserwartung bei Geburt f&uuml;r M&auml;nner etwa 77, f&uuml;r Frauen 81 Jahre. In 50 Jahren k&ouml;nnte die Lebenserwartung f&uuml;r M&auml;nner auf 85 und f&uuml;r Frauen auf 89 Jahre steigen.<\/p><ul>\n<li>Die &bdquo;Alten der Zukunft&ldquo; sind ges&uuml;nder als vor ihnen geborene Jahrg&auml;nge<\/li>\n<li>Den Menschen in der zweiten Lebensh&auml;lfte geht es im Durchschnitt finanziell recht gut, aber sie machen sich Sorgen um die Zukunft. Es gab eine Zunahme von 18 (1996), auf 32 Prozent (2008) von Personen, die annehmen, dass ihr Lebensstandard in Zukunft schlechter sein wird.\n<\/li>\n<li>Die Lebensformen im Alter werden bunter &ndash; und zum Teil fragiler<\/li>\n<li>Die Familien halten zusammen, aber sie wohnen nicht mehr so nah beieinander<\/li>\n<li>&Auml;ltere Menschen spielen auf dem Arbeitsmarkt und in der Zivilgesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Unter den 60- bis 64-J&auml;hrigen stieg zwischen 1996 und 2008 die <\/li>\n<li>Erwerbsbeteiligung um zehn auf 33 Prozent.<\/li>\n<li>Obwohl Altersdiskriminierung eine Tatsache ist, werden Altersbilder positiver<\/li>\n<\/ul><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dza.de\/nn_11958\/SharedDocs\/Publikationen\/Pressetext__Befunde__Deutscher__Alterssurvey,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\/Pressetext_Befunde_Deutscher_Alterssurvey.pdf\">Deutsches Zentrum f&uuml;r Altersfragen [PDF &ndash; 49 KB]<\/a><\/p><p>Leider wird aus keiner der bisher im Netz zug&auml;nglichen Quellen klar, welche Art der &bdquo;Erwerbst&auml;tigkeit&ldquo; das Drittel, das zwischen 60 bis 64 noch erwerbst&auml;tig ist, aus&uuml;bt. Ob also als Selbstst&auml;ndige(r), auf einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz, ob in 400-Euro-Jobs oder sonstigen Niedriglohnsektoren. Nach dem sog. ILO-Konzept wird unter &bdquo;Erwerbst&auml;tigkeit&ldquo; jede Form der Erwerbsbeteiligung verstanden. Erwerbst&auml;tige sind danach alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt (Lohn, Gehalt) oder als Selbstst&auml;ndige bzw. als <a href=\"\/?p=6624#h03\">mithelfende Familienangeh&ouml;rige gearbeitet haben<\/a>.  <\/p><p>Aus der <a href=\"\/upload\/pdf\/100706_hinweise_antwort_grosse_anfrage_beschaeftigungssituation_aelterer.pdf\">Antwort der Bundesregierung &uuml;ber die Besch&auml;ftigungssituation &Auml;lterer vom 23.06.2010 [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a> ergibt sich:<\/p><ul>\n<li>Nicht einmal zehn Prozent der 64-J&auml;hrigen waren 2008 sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt.<\/li>\n<li>Gerade ein F&uuml;nftel der 60-j&auml;hrigen schafft den &Uuml;bergang aus der Erwerbslosigkeit in Erwerbst&auml;tigkeit. Von den 64-j&auml;hrigen schaffen es nicht einmal mehr zehn Prozent.<\/li>\n<li>Mehr als ein F&uuml;nftel (22 Prozent) geht aus Erwerbslosigkeit (Leistungen SGB III\/SGB II) und weniger als ein F&uuml;nftel (18 Prozent) geht aus einer sozialversicherungspflichtigen Besch&auml;ftigung in die wohlverdiente Altersrente.\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Im Alterssurvey selbst wir folgendes festgestellt:<\/strong><\/p><p>&bdquo;Zu beachten ist, dass die seit 1996 deutlich gestiegene Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-J&auml;h-rigen <strong>nicht allein eine Folge des Reformkurses<\/strong> ist, sondern <strong>auch demografisch beg&uuml;nstigt<\/strong> wird. Denn in diesem Zeitraum r&uuml;ckten gleichzeitig geburtenstarke, besser gebildete Jahrg&auml;nge in die Gruppe der &auml;lteren Erwerbst&auml;tigen nach, die mit h&ouml;heren Qualifikationen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten und gleichzeitig vom damaligen konjunkturellen Aufschwung am Arbeitsmarkt profitierten.<br>\nParallel zur politisch gew&uuml;nschten Steigerung und Verl&auml;ngerung der Erwerbst&auml;tigkeit in der zweiten Lebensh&auml;lfte zeichnen sich zwei Tendenzen ab, die gegenl&auml;ufig zu diesem Reformkurs sind: <strong>Die Altersteilzeit wird zunehmend als Br&uuml;cke in den Ruhestand genutzt, und die Arbeitslosigkeit ist in der Gruppe erwerbsf&auml;higer &Auml;lterer gestiegen, die bereits vor dem Renteneintritt au&szlig;erhalb des Erwerbslebens standen<\/strong>.<br>\nIm Vergleich zu 2002 gehen im Jahr 2008 &auml;ltere Erwerbsf&auml;hige im Schnitt im Alter von 63 Jahren und damit ein Jahr sp&auml;ter in Rente. <strong>Aber nur Personen, die direkt aus der Berufst&auml;tigkeit in den Ruhestand wechselten, verl&auml;ngerten auch gleichzeitig ihr Arbeitsleben. F&uuml;r andere Personen, die vor dem Renteneintritt nicht mehr erwerbst&auml;tig waren, &auml;nderte sich hingegen mit dem Abbau der Fr&uuml;hberentungsoptionen der &Uuml;bergang in den Ruhestand. In dieser Personengruppe stieg der Anteil derjenigen deutlich, die unmittelbar vor dem Ruhestand arbeitslos waren oder &uuml;ber die Freistellungsphase der Altersteilzeit bereits vollst&auml;ndig aus dem Erwerbsleben ausgestiegen sind<\/strong>.<br>\nZwischen 2002 und 2008 hat sich unter den Anspruchsberechtigten der Anteil der Personen in Altersteilzeit von acht auf 21 Prozent fast verdreifacht. Im Jahr 2008 nutzten bereits mehr als jede zehnte anspruchsberechtigte Person zwischen 55 und 59 Jahren und sogar etwas mehr als jede vierte zwischen 60 und 64 Jahren diese Option. Die Variante des &bdquo;Blockmodells&ldquo; der Altersteilzeit wird wesentlich h&auml;ufiger als das &bdquo;Teilzeitmodell&ldquo; gew&auml;hlt.<br>\n<strong>Die eindeutige Bevorzugung des Blockmodells konterkariert das mit der Altersteilzeit verbundene arbeitsmarktpolitische Ziel, &auml;lteren Erwerbst&auml;tigen ein l&auml;ngeres Arbeitsleben zu erleichtern.<\/strong>&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bmfsfj.de\/RedaktionBMFSFJ\/Broschuerenstelle\/Pdf-Anlagen\/Altern-im-Wandel,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf%20\">Altern im Wandel, Zentrale Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys (DEAS) [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a><\/p><p>Die letzte Aussage, l&auml;sst weitere &bdquo;Reformen&ldquo; bei der Altersteilzeit bef&uuml;rchten, die die Wahl des Blockmodells erschweren k&ouml;nnten.<\/p><p>Fazit: Die Bef&uuml;rworter der Rente mit 67, die behaupten, dass &Auml;ltere wachsende Chancen auf dem Arbeitsmarkt h&auml;tten, k&ouml;nnen aus dem Alterssurvey keinen Honig saugen. Selbst bei einer ansteigenden &bdquo;Erwerbsbeteiligung&ldquo; der 60 bis 64-J&auml;hrigen von derzeit 33 Prozent, bliebe aus heutiger Sicht die Rente mit 67 f&uuml;r den allergr&ouml;&szlig;ten Teil der Arbeitnehmer eine faktische Rentenk&uuml;rzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Deutsche gehen sp&auml;ter in Rente&ldquo; titelt die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/altersstudie-der-regierung-deutsche-gehen-spaeter-in-rente-1.997042\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> und &uuml;bernimmt damit kritiklos die Sprachregelung von <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/verlaengerten-lebensarbeitszeit-arbeitsministerin-verteidigt-rente-mit-1.986729\">Bundessozialministerin von der Leyen<\/a>. Die SZ st&uuml;tzt sich dabei auf den gestern ver&ouml;ffentlichten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.dza.de\/nn_11958\/SharedDocs\/Publikationen\/Pressetext__Befunde__Deutscher__Alterssurvey,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\/Pressetext_Befunde_Deutscher_Alterssurvey.pdf.\">Alterssurvey [PDF &ndash; 49 KB]<\/a>&ldquo;. Die Bef&uuml;rworter der Rente mit 67, die behaupten, dass &Auml;ltere wachsende Chancen auf dem Arbeitsmarkt h&auml;tten, k&ouml;nnen aus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6690\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,155,39],"tags":[301,460,626],"class_list":["post-6690","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-demografische-entwicklung","category-rente","tag-rentenalter","tag-sz","tag-von-der-leyen-ursula"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6690"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6693,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6690\/revisions\/6693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}