{"id":66951,"date":"2020-11-16T13:41:57","date_gmt":"2020-11-16T12:41:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66951"},"modified":"2020-11-16T14:07:53","modified_gmt":"2020-11-16T13:07:53","slug":"aufforderung-lenk-muss-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66951","title":{"rendered":"Aufforderung \u201eLenk muss weg\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Autorin in der &bdquo;Schw&auml;bischen Zeitung&ldquo; fordert dazu auf, Peter Lenks neue Skulptur aus Stuttgart zu verbannen. Von <strong>Winfried Wolf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Skulptur &ldquo;Schw&auml;bischer Laokoon&rdquo; von Peter Lenk steht noch keine zwei Wochen im Zentrum der baden-w&uuml;rttembergischen Landeshauptstadt, da zeichnen sich bereits drei Dinge ab: <\/p><p><em>Erstens.<\/em> Man kann jetzt Tag f&uuml;r Tag beobachten, wie hunderte Personen das Werk bestaunen und &ndash; meist erfolgreich &ndash; versuchen, einzelne Figuren zu erkennen: &ldquo;Da ganz oben &ndash; sitzt da nicht der Jesuitensch&uuml;ler Heiner Geissler und guckt wie ein scheinheiliger Pfaff?&rdquo; Oder: &ldquo;Der, dem die Pampers aus der Hose ragt &ndash; ist das nicht der Justizminister Wolf?&rdquo; Und dann auch: &ldquo;Das passt doch &ndash; wie die Friederike B. dem Ex-Ministerpr&auml;sidenten G&uuml;nther Oe. im Genick sitz und ihn reitet!&rdquo; <\/p><p><em>Zweitens.<\/em> Bereits jetzt beginnt in Stuttgarts opportunistischer Kulturszene das Wettrennen, wer sich am schnellsten an einen k&uuml;nftigen CDU-OB Nopper anschleimt und fordert: &ldquo;Der Lenk muss weg!&rdquo;. <\/p><p><em>Drittens.<\/em> Eine solche Schmutzkampagne ist nur machbar, wenn L&uuml;ge und Demagogie Hand in Hand gehen.<\/p><p>Im folgenden blog-Beitrag gehe ich n&auml;her auf diese Schmutzkampagne, die vor einer Woche in der &ldquo;Stuttgarter Zeitung&rdquo; gestartet wurde und die am 14. November in der &ldquo;Schw&auml;bischen Zeitung&rdquo; fortgesetzt wird, ein. <\/p><p>In der <em>Schw&auml;bischen Zeitung<\/em> vom 14. November 2020 (Link siehe unten) findet sich ein Artikel der Autorin Adrienne Braun, der &ndash; einigerma&szlig;en aufgeblasen &ndash; als &bdquo;Essay&ldquo;  bezeichnet wird. Die Autorin, die auch f&uuml;r die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> schreibt, setzt sich darin scheinbar wissenschaftlich mit dem Kunstbegriff auseinander. Ausgesprochen plump und b&ouml;sartig wird Peter Lenks Skulptur &bdquo;Schw&auml;bischer  Laokoon&ldquo;, die seit dem 26. Oktober in Stuttgart vor dem Stadtpalais steht, kritisiert, um am Ende kaum verh&uuml;llt zu sagen: Das kann (und soll) weg! <\/p><p>Dabei baut die Autorin in ihren Beitrag zwei Unwahrheiten, eine fragw&uuml;rdige Kunst-Definition und ein nochmals fragw&uuml;rdigeres Politikverst&auml;ndnis ein.<\/p><p><em><strong>Unwahrheit 1:<\/strong><\/em> Die Autorin behauptet: &bdquo;Seinen &bdquo;Schw&auml;bischen Laokoon&ldquo; w&uuml;rde Lenk gern der Stadt Stuttgart verkaufen.&ldquo; Das ist frei erfunden. Dieselbe Autorin hatte eine Woche zuvor bereits in der Stuttgarter Zeitung die Unwahrheit verbreitet, Lenk verlange f&uuml;r die Skulptur von der Stadt Stuttgart 500.000 Euro. Die Zeitung musste das dann dementieren.<\/p><p>Tats&auml;chlich wollen Peter Lenk und wir von der Kampagne lenk-in-stuttgart.de erreichen, dass die Skulptur in Stuttgart auch nach der aktuellen Ausstellung, die bis Ende M&auml;rz 2021 terminiert ist, bleibt und dass daf&uuml;r ein guter Platz gefunden wird (bzw. dass die Skulptur dort bleibt, wo sie aktuell steht.) Es gab seitens Peter Lenk nie einen Vorsto&szlig;, das Kunstwerk &bdquo;verkaufen&ldquo; zu wollen. <\/p><p><em><strong>Unwahrheit 2:<\/strong><\/em> Die Autorin schreibt: &bdquo;Fans von Peter Lenk haben bereits die Spendentrommel ger&uuml;hrt in der Hoffnung, dass die S-21-Skulptur bleiben kann.&ldquo; Tatsache ist, dass wir &ndash; auch erheblich unterst&uuml;tzt von den NachDenkSeiten &ndash; seit Januar 2019 140.000 Euro gesammelt haben, um die bisherigen Kosten f&uuml;r Material und Fremdarbeit, die bei der Arbeit von Peter Lenk f&uuml;r diese Skulptur anfielen, zu ersetzen. Der Zweck dieser Sammlung ist also nicht, dass die Skulptur dort bleiben kann. Der Zweck ist die Erstattung bereits verausgabter Gelder.<\/p><p><em><strong>Fragw&uuml;rdige Kunstdefinition:<\/strong><\/em> Die Autorin stellt mit Blick auf Lenks neue Skulptur die Frage: &bdquo;Aber ist das &uuml;berhaupt Kunst?&ldquo; Ihre Definition von Kunst lautet wie folgt: &bdquo;Die Karikatur ist eine journalistische Form, die auf aktuelle Ereignisse reagiert und dabei tendenzi&ouml;s sein darf [&hellip;]  Das ist genau der Unterschied zu Bildender Kunst [&hellip;] Kunst spie&szlig;t eben nicht das Aktuelle und Konkrete auf, sondern versucht, einen Schritt zur&uuml;ckzutreten, um gr&ouml;&szlig;ere Zusammenh&auml;nge sichtbar zu machen.&ldquo; Danach ist Picassos Werk &bdquo;Guernica&ldquo;, das sich gegen den damals aktuellen Vorgang der Bombardierung der baskischen Stadt durch die Kampfflugzeuge der NS-Legion Condor richtet, keine Kunst.  Danach sind die &bdquo;desastres de la guerra&ldquo; von Francisco de Goya auch keine Kunst. Diese richteten sich gegen die konkreten Gr&auml;ueltaten der napoleonischen Armee in Spanien. Wobei bereits die Unterscheidung zwischen &bdquo;Bildender (?!!) Kunst&ldquo; und &bdquo;Karikatur&ldquo; fragw&uuml;rdig ist. Die Arbeiten eines John Heartfield (man denke an die Darstellung des Hitler-Gru&szlig;es, bei der die aufgehaltene Hand Hitlers das Geld der Industriellen und Bankiers, die Hitler an die Macht brachten, entgegennimmt) sind  nat&uuml;rlich ebenfalls Kunst, obgleich sie zugleich eine (k&uuml;nstlerische) Karikatur sind. <\/p><p>Im &Uuml;brigen schreibt  die Autorin selbst: &bdquo;Der Begriff [Kunst; W.W.] wird ohnehin inflation&auml;r genutzt.&ldquo; Sie muss auch eingestehen: &bdquo;Museen w&uuml;rden sich w&uuml;nschen, dass ihr Publikum so interessiert bei der Kunstbetrachtung w&auml;re, wie die Menschen es vor der Stuttgarter Skulptur [von Peter Lenk; W.W.) sind.&ldquo; Und dann gesteht sie sogar noch ein: &bdquo;Der Mann [Peter Lenk; W.W.] versteht sein Handwerk.&ldquo; <\/p><p><em><strong>Seltsames Politikverst&auml;ndnis:<\/strong><\/em> Die Autorin schreibt: &bdquo;Statt zu schlichten oder zu einer differenzierten Analyse zu motivieren, zeigt Peter Lenk die Verantwortlichen als Witzfiguren. Damit best&auml;tigt er das schlechte Image, das M&auml;chtige in der Bev&ouml;lkerung oft haben. Vorurteile werden also nicht kritisch hinterfragt, sondern sogar best&auml;tigt.&ldquo; Ist die entscheidende Frage hier nicht die, <em>welche konkrete Politik<\/em>  Peter Lenks Skulptur und Kunst zum Thema hat? Es geht um eine S21-Politik, bei der zehn und mehr Milliarden Euro an Steuergeldern daf&uuml;r ausgegeben werden, um einen bestehenden und funktionierenden Bahnhof in den Untergrund zu verlegen und dabei die Kapazit&auml;t um gut 30 Prozent zu reduzieren. Es geht darum, dass am 30. September 2010 &ndash; dargestellt auf einem gro&szlig;en, dem Stadtpalais zugewandten Relief &ndash; auf Befehl des damaligen Ministerpr&auml;sidenten und des damaligen Polizeipr&auml;sidenten eine friedliche Demonstration mit exzessivem Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern angegriffen wurde, sodass es am Ende mehrere dutzend Schwerverletzte und zumindest einen  Erblindeten gab. Wenn es nach der Autorin geht, darf derlei in Kunst nicht aufgegriffen werden, weil damit &bdquo;Vorurteile best&auml;tigt&ldquo; werden. <em>Tats&auml;chlich werden damit Ursache und Wirkung verwechselt<\/em>. Es sind doch die dargestellten Politiker, die Vorurteile in der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber &bdquo;die Politik&ldquo; best&auml;tigen bzw. die diese Vorurteile erst entstehen lassen und die erst zu diesem &bdquo;schlechten Image&ldquo; der Politik gef&uuml;hrt haben.<\/p><p>Am Ende schreibt Adrienne Braun das, was offensichtlich f&uuml;r sie Herzensangelegenheit und f&uuml;r die Zeitung selbst die Hauptsache ist: &bdquo;Die Stadt Stuttgart sollte sich also sehr genau &uuml;berlegen, ob sie eine solche gebaute Karikatur tats&auml;chlich dauerhaft an einem so prominenten Platz zeigen will.&ldquo;<\/p><p><em><strong>Tatsache ist:<\/strong><\/em> Die Skulptur &bdquo;Schw&auml;bischer Laokoon&ldquo; zeigt genau die Wirkung, die Peter Lenk und wir von ihr erwartet hatten. Sie st&ouml;&szlig;t Tag f&uuml;r Tag auf ein enormes Publikumsinteresse. In den Worten von Frau Braun selbst: &bdquo;Wann immer man vorbeischaut, finden sich in Stuttgart Menschentrauben vor der neuen Skulptur von Peter Lenk.&ldquo; Die Behauptung, das sei &bdquo;nicht Kunst&ldquo;, und die Forderung, dass Lenks Skulptur nicht dauerhaft in Stuttgart einen Platz finden soll, unterstreicht schlicht das Hauptziel dieses skandal&ouml;sen Beitrags: Eine Kunst, die von der Bev&ouml;lkerung angenommen wird und die konkrete zu kritisierende Vorg&auml;nge im Stadtgeschehen aufgreift, ist nicht gewollt. <\/p><p>Diese Haltung, wonach Kunst vor allem den Herrschenden schmeicheln soll und wonach f&uuml;r kritische Kunst gilt, &bdquo;Das kann dann weg&ldquo;, hat in unserem Land eine &uuml;ble Tradition. <\/p><p><em>Der Artikel in der &bdquo;Schw&auml;bischen Zeitung&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/ueberregional\/kultur_artikel,-essay-kretschmann-ohne-hosen-_arid,11294095.html%20\">findet sich hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorin in der &bdquo;Schw&auml;bischen Zeitung&ldquo; fordert dazu auf, Peter Lenks neue Skulptur aus Stuttgart zu verbannen. 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