{"id":66971,"date":"2020-11-17T09:30:45","date_gmt":"2020-11-17T08:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66971"},"modified":"2026-01-27T11:37:46","modified_gmt":"2026-01-27T10:37:46","slug":"corona-massnahmen-zu-viele-richter-verstehen-sich-schon-fast-als-teil-der-regierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66971","title":{"rendered":"Corona-Ma\u00dfnahmen: \u201eZu viele Richter verstehen sich schon fast als Teil der Regierung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wenn jemand mit dieser Verantwortung nicht fertig wird, soll er die Richterrobe ausziehen und an den Nagel h&auml;ngen.&ldquo; Diese Worte stammen von <strong>Thorsten Schleif<\/strong>, der selbst Richter ist. Im NachDenkSeiten-Interview kritisiert Schleif scharf die Entscheidungen der Gerichte im Hinblick auf die Corona-Ma&szlig;nahmen. Schleif, der auch als Sachbuchautor bekannt ist, stellt klar, wie die Rechtsprechung in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66594\">Corona-Zeiten<\/a> aussehen m&uuml;sste und zeigt die Ursachen auf, warum Gerichte massenweise auch die schwersten Grundrechtseingriffe durchwinken. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7193\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-66971-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=66971-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201117_Corona_Massnahmen_Zu_viele_Richter_verstehen_sich_schon_fast_als_Teil_der_Regierung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Schleif, wie nehmen Sie als Richter die Rechtsprechung im Hinblick auf die Corona-Ma&szlig;nahmen wahr?<\/strong><\/p><p>So, wie ich sie erwartet habe. Leider.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das? Wie war die Rechtsprechung denn zu erwarten? <\/strong><\/p><p>Die Rechtsprechung zu den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66932\">Corona-Ma&szlig;nahmen<\/a> war besonders zu Anfang gepr&auml;gt von Angst. Urs&auml;chlich hierf&uuml;r ist die v&ouml;llig unzureichende Ausbildung der Richter vor allem auf dem Gebiet der Entscheidungspsychologie. Die Entscheidungen der Richter w&auml;hrend der medialen Corona-Hochphase im M&auml;rz wurden ma&szlig;geblich von dem sogenannten Priming-Effekt beeinflusst. <\/p><p><strong>Was ist das f&uuml;r ein Effekt? <\/strong><\/p><p>Priming kennt jeder, der einmal einen spannenden Horrorfilm gesehen hat und im Anschluss ein Ger&auml;usch in der Wohnung wahrnimmt. Unser Unterbewusstsein steht immer noch unter dem Eindruck des gesehenen Films. Deshalb wird das Ger&auml;usch unterbewusst einer Gefahr, etwa dem Filmm&ouml;rder, zugeordnet und nicht einem alten Holzboden. Wir lassen das Licht an, verriegeln die T&uuml;r, schlie&szlig;en die Fenster, obwohl wir das sonst nicht machen. Im M&auml;rz waren die Bilder von Intensivstationen, Beatmungsger&auml;ten und S&auml;rgen allgegenw&auml;rtig, in Zeitung, Fernsehen und Internet. Diese Bilder versetzten das Unterbewusstsein &ndash; auch das der Richter &ndash; in Angst und beeinflussten massiv die Entscheidungen aller Menschen. Die einen kauften Unmengen an Toilettenpapier, Mehl und Nudeln, die anderen winkten Corona-Ma&szlig;nahmen durch, obwohl diese auch damals rechtlich in vielerlei Hinsicht zu beanstanden waren.<\/p><p>Zu der unzureichenden Richterausbildung tritt ein auffallend gering ausgepr&auml;gtes Selbstbewusstsein vieler Richter. Zu viele Richter verstehen sich fast schon als Teil der Regierung und nicht als eigene Staatsgewalt. Hauptgrund daf&uuml;r ist, dass es in Deutschland keine konsequente Gewaltenteilung gibt. So werden Bef&ouml;rderungs&auml;mter, wie die Direktoren und Pr&auml;sidenten der Gerichte, nicht etwa von der Richterschaft bestimmt, sondern von der Regierung ausgesucht. Dieses schwerwiegende Vers&auml;umnis, das &uuml;brigens der Deutsche Juristentag bereits im Jahr 1953 (!) angemahnt hat, ist meines Erachtens die Hauptursache daf&uuml;r, dass Richter mit starkem Selbstbewusstsein eher die Ausnahme darstellen.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie uns bitte n&auml;her erl&auml;utern, wie, im Allgemeinen, eine saubere Rechtsprechung auszusehen hat? Woran sollten sich Richter orientieren?  <\/strong><\/p><p>Das ist leicht: Ein Richter hat auf Grundlage des Grundgesetzes und der Gesetze nach bestem Wissen und Gewissen ohne Ansehen der Person zu urteilen. Unser Grundgesetz ist ein starkes Gesetz, ein erprobtes Gesetz. Ein Gesetz, das auch und vor allem in Krisenzeiten Anwendung zu finden hat. Momentan scheint bei einigen Menschen der Irrglaube zu herrschen, wenn das Grundgesetz st&ouml;rt, muss man sich nicht daran halten, sofern man eine gute Absicht hat. Das ist ebenso falsch wie gef&auml;hrlich.<\/p><p><strong>Nun h&ouml;rt man immer wieder, die Gerichte h&auml;tten es in der Corona-Krise auch nicht leicht. Auf ihren Schultern laste eine enorme Verantwortung, da sie, wenn sie Ma&szlig;nahmen der Regierung kippen, mit die Schuld bei einem steigenden Infektionsrisiko tr&uuml;gen. <\/strong><br>\n<strong>Was halten Sie von dieser Argumentation? <\/strong><\/p><p>Ich habe gerade schon mal etwas zu dem Selbstbewusstsein der Richter gesagt. Wenn jemand mit dieser Verantwortung nicht fertig wird, soll er die Richterrobe ausziehen und an den Nagel h&auml;ngen. Das macht ihn oder sie nicht zu einem schlechten Menschen, aber f&uuml;r das Richteramt ungeeignet.<\/p><p><strong>Halten Sie es f&uuml;r berechtigt, wenn jemand sagt, dass wir es in Sachen Corona-Rechtsprechung mit offenen Rechtsbr&uuml;chen zu tun haben? <\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde den Begriff nicht w&auml;hlen, aber ich halte es auch nicht f&uuml;r unberechtigt, es so zu nennen. Ein brauchbarer Jurist kann mit etwas Zeit rechtlich begr&uuml;nden, dass die Erde eine Scheibe ist. So gerade noch juristisch vertretbar mag eine Entscheidung sein und damit kein offener Rechtsbruch. Ob diese Entscheidung allerdings grottenfalsch ist und zum Himmel stinkt, ist eine ganz andere Frage. <\/p><p><strong>In zahlreichen F&auml;llen haben die Gerichte die Ma&szlig;nahmen der Regierungen mitgetragen. Allerdings gibt es hier und da auch Gerichte, die anders entscheiden. Sind das nun bemerkenswerte Lichtblicke, die zeigen, dass der Rechtsstaat doch noch funktioniert, oder muss man auch da genauer schauen und differenzieren? <\/strong><\/p><p>Sagen wir: Es sind einzelne Hoffnungsschimmer, die zeigen, dass der Rechtsstaat doch noch funktionieren kann. Wenn man das Gl&uuml;ck hat, an einen Kollegen zu geraten, der ausreichend selbstbewusst ist und nicht bef&uuml;rchtet, dass sich seine weitere Karriere in der Justiz einem pl&ouml;tzlichen und dauerhaften Stillstand zuneigen k&ouml;nnte.<\/p><p>Allerdings: Selbst einige Entscheidungen, in denen eine oder mehrere Corona-Ma&szlig;nahmen f&uuml;r rechtswidrig erkl&auml;rt werden, weisen einen fast schon um Verzeihung bittenden, unterw&uuml;rfig anbiedernden Tonfall auf. Ich beginne meine Strafurteile selten mit: &bdquo;Es tut mir ja so leid, dass ich Sie verurteilen muss, nur weil Sie sich strafbar gemacht haben, und bitte Sie inst&auml;ndig, es mir nicht pers&ouml;nlich &uuml;bel zu nehmen.&ldquo;<\/p><p><strong>Das Verwaltungsgericht in D&uuml;sseldorf hat entschieden, dass sich ein Kl&auml;ger nicht an die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/duesseldorf-klaeger-muss-sich-nicht-an-maskenpflicht-halten-a-4d50cb77-037f-4c41-b30b-03bfbeb7eeb4\">Maskenpflicht<\/a> zu halten braucht. Was st&ouml;rt Sie an der Entscheidung? <\/strong><\/p><p>An der offiziellen Pressemitteilung zu dieser Entscheidung st&ouml;rt mich, dass ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen wurde, dass sich die gerichtliche Entscheidung nur im Verh&auml;ltnis zum Antragsteller auswirke und alle anderen Personen, die sich in D&uuml;sseldorf bewegen, die Allgemeinverf&uuml;gung beachten m&uuml;ssen. Zum einen fehlt bei anderen vergleichbaren Entscheidungen ein derartiger, etwas oberlehrerhaft erscheinender Hinweis. Zum anderen h&auml;tte man in der Pressemitteilung auch darauf hinweisen k&ouml;nnen, ob ein Bu&szlig;geldbescheid, der bei einem Versto&szlig; gegen eine als rechtswidrig erkannte Allgemeinverf&uuml;gung erteilt wird, ebenfalls rechtswidrig ist.<\/p><p><strong>Gerichte ziehen sich, wenn es um die Corona-Ma&szlig;nahmen geht, erstaunlich oft auf die formale Ebene zur&uuml;ck. Sie kritisieren eventuelle Formfehler von Verf&uuml;gungen, aber sie tun sich schwer damit, inhaltlich Stellung zu beziehen. <\/strong><\/p><p>Ob dies besonders oft im Verh&auml;ltnis zu sonstigen verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen ist, wei&szlig; ich nicht. Ich habe bei einigen verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen allerdings auch einen auff&auml;lligen Weg bemerkt: Sie beschr&auml;nken ihre Entscheidung im Wesentlichen auf eine reine Folgenabw&auml;gung, die zu Gunsten der Ma&szlig;nahme ausgeht, ohne sich n&auml;her damit auseinanderzusetzen, ob &uuml;berhaupt eine ausreichende Rechtsgrundlage f&uuml;r die Ma&szlig;nahme gegeben ist. <\/p><p><strong>Sehen Sie aus dem Verhalten der Gerichte Probleme, die &uuml;ber die Rechtsprechung hinausgehen? Anders gefragt: Was bedeutet es f&uuml;r Demokratie und Gesellschaft, wenn Gerichte, so die Einsch&auml;tzung, nicht mehr Recht sprechen, sondern Recht der Politik unterordnen?<\/strong><\/p><p>Diese Problematik einer gegen&uuml;ber den anderen Staatsgewalten, insbesondere der Regierung, schwachen Rechtsprechung ist auf die in Deutschland fehlende konsequente Gewaltenteilung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die ich bereits angesprochen habe. Damit wird ein Grundpfeiler aller moderner Staaten ausgeh&ouml;hlt. Dies kann letztlich zu einem Zusammenbruch des Rechtsstaates insgesamt f&uuml;hren. Einige Kollegen haben w&auml;hrend der Corona-Hochphase die Auffassung vertreten, die Ma&szlig;nahmen des Staates m&uuml;ssten von den Gerichten mitgetragen werden, weil es sich nun einmal um notwendige Ma&szlig;nahmen handeln w&uuml;rde, auch wenn diese nicht mit dem Grundgesetz in Einklang st&uuml;nden. <\/p><p><strong>Lassen Sie uns nochmal auf Ma&szlig;nahmen der Regierungen eingehen. <\/strong><br>\n<strong>Wie ordnen Sie als Richter, aber auch als B&uuml;rger, die schweren Grundrechtseingriffe ein? <\/strong><\/p><p>Es ist erschreckend, wie schnell gegenw&auml;rtig Grundrechtseingriffe mit der blo&szlig;en Begr&uuml;ndung &bdquo;ist leider notwendig&ldquo; abgesegnet werden. Eingriffe in die Berufsfreiheit, die Religionsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Freiz&uuml;gigkeit. Sogenannte Experten sch&auml;men sich nicht, mit einer ma&szlig;losen Geringsch&auml;tzung zu erkl&auml;ren, das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung m&uuml;sse eben mal zur&uuml;ckstehen. Grundrechtseingriffe waren, sind und bleiben die schwersten Eingriffe, die unser Rechtssystem kennt, und m&uuml;ssen daher eine absolute und streng begrenzte Ausnahme darstellen. Keinesfalls d&uuml;rfen sie zur Regel werden. <\/p><p><strong>Grundrechtseingriffe, so hei&szlig;t es, m&uuml;ssen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sein und es m&uuml;sse auf das jeweils mildeste Mittel zugegriffen werden. W&uuml;rden Sie uns bitte erkl&auml;ren, wie das zu verstehen ist? <\/strong><\/p><p>Will der Staat eine Ma&szlig;nahme erlassen, die in ein Grundrecht eingreift, so muss er eine mehrstufige Pr&uuml;fung vornehmen. Zun&auml;chst hat er zu pr&uuml;fen, ob die Ma&szlig;nahme zur Erreichung des von ihm verfolgten Zwecks, der nat&uuml;rlich legitim sein muss, &uuml;berhaupt geeignet ist. Daran scheiterten bereits einige Quarant&auml;nebestimmungen und Beherbergungsverbote. Dann hat er zu pr&uuml;fen, ob die Ma&szlig;nahme erforderlich ist, das hei&szlig;t, ob der Zweck nicht durch eine mildere Ma&szlig;nahme ebenso gut erf&uuml;llt werden kann. Bei den Gastst&auml;ttenverboten wird zu pr&uuml;fen sein, ob es nicht ausreicht &ndash; was bisher immer behauptet wurde &ndash; Abst&auml;nde, regelm&auml;&szlig;ige L&uuml;ftungszeiten und Maskenpflichten einzuf&uuml;hren anstatt die Gasst&auml;tten insgesamt zu schlie&szlig;en. Bei der Frage der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit m&uuml;ssen die jeweils beteiligten Grundrechte gegeneinander abgewogen werden, also bei der Frage der Schlie&szlig;ung der Fitnessstudios zum Beispiel das Recht der Studiobetreiber auf die Aus&uuml;bung ihres Berufes, die Berufsfreiheit, gegen das Recht der vermeintlich zu sch&uuml;tzenden Personen auf k&ouml;rperliche Unversehrtheit.<\/p><p><strong>Je l&auml;nger ein Grundrechtseingriff andauert, umso problematischer wird es. Viele Grundrechtsverletzungen dauern nun schon ziemlich lange an. Die Regierungen bedienen sich eines Tricks: Die Rechtsverordnungen sind von kurzer Laufzeit &ndash; werden dann aber, mit kleineren Ver&auml;nderungen, immer wieder verl&auml;ngert. M&uuml;ssten hier nicht die Gerichte sagen: Jetzt reicht es, wir tragen das nicht mehr mit! <\/strong><\/p><p>Das m&uuml;ssten sie.<\/p><p><strong>Wie nehmen Sie die Berichterstattung der Medien wahr? Ausgewogen oder einseitig und tendenziell pro Ma&szlig;nahmen der Regierung? <\/strong><\/p><p>Aufgabe der Presse ist es seit jeher, die Starken zu schw&auml;chen und die Schwachen zu st&auml;rken. Sie schafft einen Ausgleich, indem sie verschiedene Positionen und unterschiedliche Meinungen darstellt. Das fehlte meines Erachtens gerade zu Beginn der Corona-Krise, als eine sehr einseitige, regierungstreue Berichterstattung stattfand und andere Meinungen, insbesondere auch solche von anerkannten Wissenschaftlern, ignoriert wurden. Im weiteren Verlauf der Krise gibt es auch regierungskritische Medienberichte, wenn auch immer noch besch&auml;mend wenige.<\/p><p><strong>Sie haben B&uuml;cher geschrieben, melden sich auch in Medien zu Wort. Haben Sie Erfahrungen mit Medien gemacht im Zusammenhang mit der Corona-Krise? <\/strong><\/p><p>Ja und zwar gute wie schlechte. Verschiedene private Medien, Focus, BILD, RTL, haben sich mit meiner Kritik an der Rechtsprechung zu den Corona-Ma&szlig;nahmen auseinandergesetzt. Vor einigen Tagen habe ich jedoch erlebt, dass ein geplantes Radiointerview beim WDR mit der Begr&uuml;ndung abgesagt wurde, man habe sich dazu entschieden, in der Vormittagsstrecke nur das &bdquo;Positive und Unterst&uuml;tzende&ldquo; zu betonen. Dass ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Sender nur das &bdquo;Positive und Unterst&uuml;tzende&ldquo; betonen m&ouml;chte und sich deshalb entschlie&szlig;t, eine kritische Stimme nicht zu Wort kommen zu lassen, ist schon alarmierend.<\/p><p><strong>Halten wir fest: Im Parlament gibt es kaum eine echte Opposition im Hinblick auf die Ma&szlig;nahmen. Gerichte sprechen auf eine fragw&uuml;rdige Weise &bdquo;Recht&ldquo;. Und Medien, die als S&auml;ule der Demokratie gelten, k&ouml;nnen Kritik an den Ma&szlig;nahmen auch nicht viel abgewinnen, lassen kaum eine echte Debatte zu. Haben wir als Demokratie ein Problem, dass &uuml;ber Covid-19 hinausgeht? <\/strong><\/p><p>Wir haben als Gesellschaft ein gewaltiges Problem, das weit &uuml;ber Covid-19 hinausgeht und das auch mit der momentan als Allheilmittel angesehenen Impfung nicht behoben sein wird. <\/p><p><em>Lesetipp: Schleif, Thorsten: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/endlich-richtig-entscheiden.html\">Endlich richtig entscheiden: Der Richter verr&auml;t seine besten Strategien<\/a>. Riva. 15. Sept. 2020. 240 S. 19,99 Euro. <\/em><\/p><p>Titelbild: r.classen\/shutterstock.com, &copy; Stefan Pick\/M&uuml;nchner Verlagsgruppe GmbH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wenn jemand mit dieser Verantwortung nicht fertig wird, soll er die Richterrobe ausziehen und an den Nagel h&auml;ngen.&ldquo; Diese Worte stammen von <strong>Thorsten Schleif<\/strong>, der selbst Richter ist. Im NachDenkSeiten-Interview kritisiert Schleif scharf die Entscheidungen der Gerichte im Hinblick auf die Corona-Ma&szlig;nahmen. 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