{"id":67006,"date":"2020-11-18T08:49:41","date_gmt":"2020-11-18T07:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67006"},"modified":"2020-11-19T09:39:49","modified_gmt":"2020-11-19T08:39:49","slug":"peru-mit-toten-und-schwerverletzten-ein-neuer-aufstand-gegen-den-maroden-minimal-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67006","title":{"rendered":"Peru \u2013 Mit Toten und Schwerverletzten, ein neuer Aufstand gegen den maroden \u201eMinimal-Staat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Innerhalb einer Woche <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-america-latina-54924923\">traten in Peru zwei Pr&auml;sidenten zur&uuml;ck<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=i6WYNyKseso\">Menschenmassen demonstrieren<\/a> seit dem 9. November in den Stra&szlig;en der Hauptstadt Lima und anderer St&auml;dte Perus. Am Samstag, dem 14. November, sammelten sich landesweit hunderttausende Menschen zum <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1RcX7ov_7EU\">gr&ouml;&szlig;ten Protestmarsch der vergangenen 20 Jahre<\/a> in dem Andenland. Ein Bericht unseres S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1920\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67006-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67006-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201118-Peru-mit-Toten-und-Schwerverletzten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Demonstrationen begannen, nachdem der peruanische Kongress mit einem mehrheitlichen Misstrauensvotum Pr&auml;sident Mart&iacute;n Vizcarra Cornejo <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KXjl3dY1Av4\">des Amtes enthob<\/a>, der seit Monaten ohne minimale politische Basis im Parlament regierte. Die Absetzung wurde mit Korruptionsvorw&uuml;rfen und &bdquo;dauerhafter moralischer Unf&auml;higkeit&ldquo; begr&uuml;ndet und Vizcarra wurde durch den Parlamentspr&auml;sidenten Manuel Merino ersetzt. Die Protestm&auml;rsche wurden w&auml;hrend der wenigen Tage von Merinos Amtszeit mit <a href=\"https:\/\/aristeguinoticias.com\/1511\/mundo\/dos-muertos-y-centenares-de-heridos-en-peru-por-la-represion-policial-de-las-protestas\/\">brutaler Polizeigewalt, zwei Toten und hunderten von Schwerverletzten<\/a> beantwortet. Wogegen sich am vergangenen Wochenende neue Proteste erhoben und im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1xqGtfHYVZY\">forcierten R&uuml;cktritt<\/a> des seit weniger als einer Woche regierenden Pr&auml;sidenten Merino gipfelten.<\/p><p><strong>Lawfare made in USA: die Korruptionsvorw&uuml;rfe gegen Mart&iacute;n Vizcarra<\/strong><\/p><p>Der rechtsliberale Ingenieur Vizcarra amtierte von Ende Juli 2016 bis Ende M&auml;rz 2018 als Vize des wegen nachgewiesener Korruption zu Fall gekommenen Pr&auml;sidenten Pedro Pablo Kuczynski und regierte Peru als dessen legaler Nachfolger bis zum vergangenen 9. November. Die fragw&uuml;rdige Entscheidung seiner Absetzung wurde von der nicht weniger umstrittenen Parlamentsleitung nur wenige Monate vor den f&uuml;r April 2021 geplanten Pr&auml;sidentschaftswahlen durchgepeitscht. Der Entschluss stie&szlig; auf massive Ablehnung in der Bev&ouml;lkerung. In deren Proteste mischen sich offensichtliche Entt&auml;uschungen, Frustrationen und Abscheu gegen das ultraliberale Wirtschaftsmodell, das das Land seit den 1990er Jahren zerm&uuml;rbt und mit mehr als 937.000 Infektionsf&auml;llen und 35.230 Toten bei einer Gesamtbev&ouml;lkerung von 32 Millionen Einwohnern zwar eine kontroverse Covid-19-Gesundheits-Administration offenlegte, der jedoch unter Vizcarra die Vorbeugung einer Katastrophe gelang.<\/p><p>Als Dreh- und Angelpunkt des Korruptionsvorwurfs gegen Vizcarra ver&ouml;ffentlichte das Parlament mitgeh&ouml;rte Audio-Ausschnitte, die belegen sollen, dass der Pr&auml;sident und sein engster Kreis angeblich versucht h&auml;tten, eine unregelm&auml;&szlig;ige Einstellung des S&auml;ngers Richard Swing im Kulturministerium zu verheimlichen. Doch die politisierte Staatsanwaltschaft sieht darin mehr als nur Peanuts und er&ouml;ffnete ein Ermittlungsverfahren. &Auml;hnlich wie im Fall Lula wirft der Ableger von Scharfrichter Sergio Moros Lava-Jato-Einsatzgruppe in der peruanischen Staatsanwaltschaft dem abgesetzten Pr&auml;sidenten angebliche Bestechung in zwei F&auml;llen an Privatunternehmen vor, als Vizcarra vor Jahren Gouverneur von Moquegua war. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin beim Obersten Gerichtshof, Vizcarra d&uuml;rfe f&uuml;r die Dauer von 18 Monaten das Land nicht verlassen.<\/p><p>Ein unverkennbarer Januskopf bei der Skizzierung des neoliberalen Szenarios in Peru ist die in Brasilien mit dem Sturz von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff, der Verhaftung von Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva und der Wahl Jair Bolsonaros erprobte Politisierung der Justiz unter F&uuml;hrung des von den USA ausgebildeten und gelenkten Richters S&eacute;rgio Moro. Der Fall Vizcarra und vor ihm die Kriminalisierungsversuche der ehemaligen, erfolgreichen Pr&auml;sidenten Argentiniens, Ecuadors und Boliviens &ndash; Cristina Kirchner, Rafael Correa und Evo Morales &ndash; deuten an, dass die &bdquo;Task Force&ldquo; Lava Jato (&bdquo;Unternehmen Autowaschanlage&ldquo;) mit logistischer Unterst&uuml;tzung des US-Departments of Justice die Arme des <em>Lawfare<\/em> (&bdquo;Rechtsfeldzug&ldquo;) mit der Kriminalisierung und Negation der Politik auch erfolgreich nach Peru ausgelagert hat.<\/p><p><strong>Absage der Milit&auml;rs an Merinos Umsturzversuch<\/strong><\/p><p>Manuel Arturo Merino de Lama ist die typische Inkarnation der so einpr&auml;gsam in Gabriel Garc&iacute;a M&aacute;rquez&lsquo; Romanen beschriebenen lateinamerikanischen Oligarchie. Als Agronom avancierte er zum Gro&szlig;grundbesitzer und Viehz&uuml;chter im nordwestlichen Landzipfel von Tumbes an der Grenze zu Ecuador und war zeitlebens Mitglied der ultrakonservativen Partei Acci&oacute;n Popular.<\/p><p>Oligarchen sind in Lateinamerika seit Jahrhunderten daf&uuml;r bekannt, dass sie sehr schnell das Milit&auml;r zu Hilfe rufen, wenn ihnen die Machtausstattung nicht ausreichend erscheint. Und so geschah es <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/acusan-a-jefe-del-congreso-de-per%C3%BA-de-complot-en-caso-vizcarra\/a-54909194\">Anfang vergangenen Septembers<\/a>, als Merino im Amt des Parlamentspr&auml;sidenten versuchte, das Oberkommando der peruanischen Streitkr&auml;fte in den laufenden Amtsenthebungsprozess gegen Vizcarra hineinzuziehen. Premierminister Walter Martos, ein pensionierter Armeegeneral, reagierte mit Emp&ouml;rung: &bdquo;Wir haben ein gravierendes Ereignis vor Augen, bei dem der Pr&auml;sident des Kongresses versucht hat, die Streitkr&auml;fte in einen politischen Prozess einzubeziehen, an dem sie nicht teilnehmen d&uuml;rfen&ldquo;. Im Kongress werde an einer &bdquo;Verschw&ouml;rung&ldquo; zum Sturz Vizcarras gestrickt, erkl&auml;rte General Martos.<\/p><p>Merino wimmelte ab: &bdquo;Man hat versucht, die Bev&ouml;lkerung zu verwirren und glauben zu machen, dass es eine Verschw&ouml;rung gibt&ldquo;. General Martos wurde im Handumdrehen vom Verteidigungsminister und ebenfalls pensioniertem General Jorge Ch&aacute;vez unterst&uuml;tzt: &bdquo;Die Haltung des Kongresspr&auml;sidenten war r&uuml;cksichtslos, als er versuchte, die Streitkr&auml;fte in einen politischen Prozess einzubeziehen. Die Streitkr&auml;fte sind kein politischer Berater&ldquo;, erkl&auml;rte Ch&aacute;vez.<\/p><p>Nach Erkenntnissen des Verteidigungsministers hatte Merino vor der Abstimmung &uuml;ber den Vakanzantrag zugunsten seiner selbst den Generalkommandanten der Marine dazu aufgefordert, sich &uuml;ber den bevorstehenden Misstrauensantrag gegen Vizcarra zu &auml;u&szlig;ern. Merino rief auch den Leiter des gemeinsamen Kommandos der Streitkr&auml;fte, General C&eacute;sar Astudillo, an, der jedoch die Anrufe nicht beantwortete. &bdquo;Diese Aufrufe waren nicht nur r&uuml;cksichtslos und fehl am Platz, sondern sie kollidieren mit der demokratischen Ordnung&ldquo;, warnte der Verteidigungsminister vor peruanischen Medien und im Beisein zahlreicher Milit&auml;rchefs. In einem seltenen, mit der Haltung faschistischer brasilianischer und chilenischer Gener&auml;le kontrastierendem Aufruf bekr&auml;ftigte General Martos die <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/america\/america-latina\/2020\/11\/15\/el-mensaje-de-las-fuerzas-armadas-de-peru-en-medio-de-la-crisis\/\">demokratische Wertehaltung der peruanischen Milit&auml;rs<\/a>: &bdquo;Wir fordern die demokratischen Kr&auml;fte des Kongresses auf, sich nicht f&uuml;r Versuche zur Destabilisierung des Landes anzubieten&ldquo;.<\/p><p><strong>Die mediale Militanz im Dienst des Lawfare<\/strong><\/p><p>Im &bdquo;Rechtsfeldzug&ldquo; gegen Vizcarra waren, wie seinerzeit in Brasilien, das mehrheitlich konservative Parlament und die politisierte Justiz nur zwei der entscheidenden &bdquo;Kombattanten&ldquo;: Als dritter agierten die Medien. Insbesondere die Gruppe <a href=\"https:\/\/elcomercio.pe\/\">El Comercio<\/a>, im Besitz des Mir&oacute;-Quesada-Familien-Clans, der nicht nur 8 Tageszeitungen und 80 Prozent des Pressemarktes Perus, sondern auch mit <em>Am&eacute;rica Televisi&oacute;n<\/em> und <em>Kanal N<\/em> zum erheblichen Teil den privaten Fernsehmarkt kontrolliert.<\/p><p>In Brasilien plapperten die herrschenden Privatmedien jahrelang die infamen, weil nie erwiesenen Vorw&uuml;rfe von Lava Jato nach, denen zufolge &bdquo;Lula der Anf&uuml;hrer einer kriminellen Vereinigung&ldquo; sei, und &uuml;berzogen den Altpr&auml;sidenten mit Rufmord. In Peru die gleiche Inszenierung. F&uuml;r El Comercio <a href=\"https:\/\/elcomercio.pe\/opinion\/columnistas\/martin-vizcarra-el-lider-de-la-corrupcion-por-fernando-rospigliosi-noticia\/\">steht fest<\/a>: &bdquo;Mart&iacute;n Vizcarra ist der Anf&uuml;hrer der Korruption&ldquo;. Jorge Luis Acevedo Rojas, Medienexperte an der Universidad Cat&oacute;lica del Per&uacute;, errechnete, dass allein mit der ideologischen Militanz der TV-Sender <em>Am&eacute;rica Televisi&oacute;n<\/em> und <em>Kanal N<\/em> der <a href=\"http:\/\/www.vamospueblo.com\/el-lawfare-y-su-utilizacion-contra-lideres-opositores\/\">Einfluss der Mediengruppe El Comercio<\/a> auf mindestens viereinhalb Millionen Peruaner, ein Drittel des Fernsehpublikums, ausgeweitet wurde.<\/p><p><strong>Die Krise des maroden &ldquo;Minimal-Staates&rdquo; und ihre Bew&auml;ltigung<\/strong><\/p><p>Eine hervorragende Analyse zum besseren Verst&auml;ndnis der Zust&auml;nde in Peru lieferte vor wenigen Tagen die peruanische Soziologin Anah&iacute; Durand, Hochschulprofessorin an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos de Lima. In den vergangenen Jahren profilierte sich die Sozialwissenschaftlerin mit Untersuchungen &uuml;ber soziale Bewegungen, politische Repr&auml;sentation, indigene V&ouml;lker und Interkulturalit&auml;t in Peru, doch Durand wirkt dar&uuml;ber hinaus als Koordinatorin f&uuml;r internationale Beziehungen der linken Partei Nuevo Peru.<\/p><p>Peru erlebe Krisen-Momente, die von doppelter Bedeutung gepr&auml;gt sind. Einerseits dr&uuml;cken sie den Zerfall aus, den die peruanische Politik seit dem Ausbruch des Lava-Jato-Skandals im Jahr 2018 erfuhr, und andererseits machen sie die Ersch&ouml;pfung des 1992 oktroyierten neoliberalen Regimes deutlich, <a href=\"https:\/\/www.nodal.am\/2020\/11\/peru-anahi-durand-magister-en-ciencias-sociales-la-crisis-expresa-el-agotamiento-del-regimen-neoliberal-impuesto-en-1992\/\">erkl&auml;rte Durand<\/a> in einem Gespr&auml;ch mit der progressiven argentinischen Nachrichtenagentur Nodal.<\/p><p>Zum Verst&auml;ndnis der j&uuml;ngsten Ereignisse m&uuml;sse daran erinnert werden, so Durand, dass 2018 mit dem spektakul&auml;ren Vorgehen gegen die Korruption in Brasilien auch in Peru ein weitverzweigtes Korruptions-Szenario aufgedeckt wurde, das zum R&uuml;cktritt des damaligen Pr&auml;sidenten Pedro Pablo Kuczynski f&uuml;hrte. Die Krise l&ouml;ste zwar tiefe Unruhen in der Bev&ouml;lkerung aus, doch in diesem Machtvakuum rissen bestimmte Interessen- und Machtgruppen die Z&uuml;gel des Staates an sich, was in den Folgejahren zu Spannungen innerhalb derselben Machtgruppen f&uuml;hrte.<\/p><p>Vizcarra versuchte, w&auml;hrend seiner zweij&auml;hrigen Amtszeit mit der parlamentarischen Mehrheit des ultrakonservativen &bdquo;Fujimorismus&ldquo; (Anm.: das politische Parteierbe des wegen schweren Menschenrechtsverbrechen und Korruption verurteilten ehemaligen Pr&auml;sidenten Alberto Fujimori) und ohne eigene Parteifraktion zu regieren. Im Oktober 2019 ordnete Vizcarra wegen mehrfacher Beschwerden und Justizverfahren die vor&uuml;bergehende Schlie&szlig;ung des Parlaments an und besiegelte somit einen Kollisionskurs mit der Legislative.<\/p><p>Ein neuer Kongress wurde im Januar 2020 gew&auml;hlt und wenige Wochen danach brach in Peru die Covid-19-Pandemie aus, die das Andenland bald unter die zehn am h&auml;rtesten vom Coronavirus betroffenen L&auml;nder reihte und auch wirtschaftlich extrem bestrafte. Covid-19-Pandemie, latente politische Krise, ein stark fragmentiertes Parlament mit 24 politischen Parteien sowie die zahlreichen Fluchtversuche in die parlamentarische Immunit&auml;t seitens angeklagter Abgeordneter dienten dem Pulverfass als Z&uuml;ndschnur. Mit der Absetzung Vizcarras sprangen die ersten Funken, bei den Polizeieins&auml;tzen Merinos explodierte das Pulverfass.<\/p><p>Frage an Anah&iacute; Durand: Verglichen mit dem sozialen Aufstand vom Oktober 2019 in Chile, der nach Bewertung mehrerer Beobachter das Ende des neoliberalen Zyklus eingel&auml;utet hatte, darf man bereits &auml;hnliche Schlussfolgerungen f&uuml;r Peru wagen oder k&ouml;nnen die immergleichen Machtgruppen diese Umst&auml;nde dazu nutzen, um wieder &bdquo;aufzubauen&ldquo; und gest&auml;rkt neu aufzutreten?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich denke, es ist ein entscheidender Moment, obwohl dieses Modell bereits mehrere Krisen &uuml;berstanden hat. Die Regierung Fujimori fiel im Jahr 2000 als Folge des Mobilisierungs-Ansturms der Bev&ouml;lkerung, aber das &acute;Modell&acute; &uuml;berlebte. Es ber&uuml;hrte keine entscheidenden Aspekte der von Fujimori auferlegten politischen Verfassung. Die Machtgruppen schafften es vielmehr, einige sehr oberfl&auml;chliche Vorkehrungen zu treffen, und die w&auml;hrend der Re-Demokratisierung aufeinanderfolgenden Regierungen hielten sich an das gleiche Schema der maroden Verwaltung, aber auch der Korruption und des wirtschaftlichen Missmanagements.<\/p>\n<p>Dieses Land verf&uuml;gte &uuml;ber nachhaltiges Wachstum des Brutto-Inlandsproduktes und erzeugte einen ansehnlichen Haushalts&uuml;berschuss. Doch wie wir jetzt in der Pandemie erlebt haben, wurden massive Geldsummen f&uuml;r alles andere als f&uuml;r den Gesundheitsschutz der Menschen verschwendet &hellip; Es gibt viel Emp&ouml;rung &uuml;ber die Art und Weise, wie sie seit 30 Jahren regiert wird. Die Ersch&ouml;pfung, der Zerfall dieses Modells &ndash; das sich als g&uuml;nstig f&uuml;r Korruption und Autoritarismus offenbart hat &ndash; ist offensichtlich. Und ich denke, dass es auch eine M&ouml;glichkeit gibt, angesichts der f&uuml;r den 11. April 2021 geplanten Wahlen eine Plattform f&uuml;r grundlegendere Ver&auml;nderungen zu schaffen. Und wir hoffen, dass dies umgesetzt werden kann&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Nichimar\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innerhalb einer Woche <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/noticias-america-latina-54924923\">traten in Peru zwei Pr&auml;sidenten zur&uuml;ck<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=i6WYNyKseso\">Menschenmassen demonstrieren<\/a> seit dem 9. November in den Stra&szlig;en der Hauptstadt Lima und anderer St&auml;dte Perus. Am Samstag, dem 14. November, sammelten sich landesweit hunderttausende Menschen zum <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1RcX7ov_7EU\">gr&ouml;&szlig;ten Protestmarsch der vergangenen 20 Jahre<\/a> in dem Andenland. Ein Bericht unseres S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67006\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67007,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,127],"tags":[282,2047,603],"class_list":["post-67006","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-buergerproteste","tag-peru","tag-ruecktritt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_1855410643.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67006"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67006\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67053,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67006\/revisions\/67053"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}