{"id":67105,"date":"2020-11-22T11:45:52","date_gmt":"2020-11-22T10:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67105"},"modified":"2020-11-23T07:39:53","modified_gmt":"2020-11-23T06:39:53","slug":"bolivien-nach-der-amtsuebernahme-luis-arces-die-szenerie-und-die-akteure-des-lithium-krimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67105","title":{"rendered":"Bolivien nach der Amts\u00fcbernahme Luis Arces \u2013 Die Szenerie und die Akteure des Lithium-Krimis"},"content":{"rendered":"<p>Nach seinem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66013\">spektakul&auml;ren Wahlsieg<\/a> am vergangenen 18. Oktober wurde der &Ouml;konom, langj&auml;hrige Wirtschaftsminister und Hauptverantwortliche f&uuml;r den Wirtschafts- und Sozialboom der Regierung Evo Morales, Luis Arce, knappe drei Wochen sp&auml;ter, am vergangenen 8. November, mit seinem Vize und ehemaligem Au&szlig;enminister David Choquehuanca <a href=\"https:\/\/cnnespanol.cnn.com\/video\/bolivia-luis-arce-catacora-juramenta-nuevo-presidente-sot\/\">vereidigt<\/a>. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8825\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67105-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67105-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201122-Bolivien-nach-der-Amtsuebernahme-Luis-Arces-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der offiziellen Zeremonie am Sitz des bolivianischen Parlaments war das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kt008FQh2OE\">spirituelle Ritual<\/a> der <em>Amautas<\/em> &ndash; aus dem Quechua: hamawt&rsquo;a: &bdquo;geistiger F&uuml;hrer&ldquo;, &bdquo;Gelehrter&ldquo; &ndash; vorausgegangen, die getreu alter Inka-Tradition mit Litaneien und einem Feuer zur Huldigung der guten Geister Arce und Choquehuanca den symbolischen Herrschaftsstab &uuml;berreichten. Auf den Stra&szlig;en von La Paz und des bolivianischen Hinterlandes feierte die Bev&ouml;lkerung Arces Amtseinf&uuml;hrung mit freudigen T&auml;nzen, Umz&uuml;gen und Veranstaltungen sozialer Bewegungen. Insbesondere freute sich die indigene Bev&ouml;lkerung, dass trotz des gewaltsamen Putsches vom 12. November 2019 der in der Verfassung verankerte plurinationale Staat &ndash; also die ethnische Diversit&auml;t und ihr Rechtsanspruch &ndash; mit Arces Wahlsieg gerettet werden konnte.<\/p><p>Die Feiern setzten sich auch am Montag, dem 9. November, fort, als der gest&uuml;rzte und seit einem Jahr im argentinischen Exil lebende Ex-Pr&auml;sident Evo Morales vom argentinischen Pr&auml;sidenten Alberto Fern&aacute;ndez bei Quiaca <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=b610w-rhSDc\">&uuml;ber die Grenze nach Bolivien eskortiert<\/a> und dort <a href=\"https:\/\/twitter.com\/El_Ciudadano\/status\/1326652661542891520\">von einer beeindruckenden Menschenmasse empfangen<\/a> wurde. Mit Verlaub f&uuml;r die Redundanz, Bolivien hat in diesen Tagen vielfache Gr&uuml;nde zum Feiern.<\/p><p>Doch Arce und seine Regierung haben auch Gr&uuml;nde zur Sorge. Kurz nach seinem Wahlsieg brachen in der konservativen Hochburg Santa Cruz <a href=\"https:\/\/www.milenio.com\/internacional\/latinoamerica\/bolivia-decenas-personas-protestan-victoria-luis-arce\">Krawalle mit Stra&szlig;ensperren<\/a> gegen die Anerkennung seines Wahlsieges aus, die vom Putschf&uuml;hrer gegen Morales und Arce-Wahlherausforderer Luis Fernando Camacho angeheizt wurden. Wenige Tage darauf ver&uuml;bten am vergangenen 5. November rechtsradikale Banden in La Paz einen <a href=\"https:\/\/erbol.com.bo\/seguridad\/mas-denuncia-atentado-con-explosivo-en-su-casa-de-campa%C3%B1a\">schweren Sprengstoff-Anschlag<\/a> auf das zentrale Wahlkampagnenb&uuml;ro von Arces Partei &bdquo;Bewegung zum Sozialismus&ldquo; (MAS), dem der frischgew&auml;hlte Pr&auml;sident und seine Mitarbeiter nur um ein Haar entkamen, weil die Sprengstoffz&uuml;ndung versagte.<\/p><p>Die beiden Episoden signalisieren, dass Arce ohne eine rigorose politische S&auml;uberung und Demokratisierung von Polizei, Milit&auml;r und Geheimdiensten &ndash; sprich, des gesamten Staates &ndash; mit keinem Einlenken auf sein Vers&ouml;hnungsangebot rechnen kann und mit harter Hand regieren muss. Wird er also den Mut zum Durchgreifen haben?<\/p><p>Allerdings wird Arces Machtantritt von einem anspruchsvollen Regierungsplan angeregt, n&auml;mlich von der Devise von Evo Morales, Bolivien zur &bdquo;Weltmetropole des Lithiums&ldquo; auszubauen.<\/p><p><strong>Der Schwur von Uyuni: Arces Lithium-Pl&auml;ne<\/strong><\/p><p>&bdquo;Das Ziel des Staatsstreichs war die Beschlagnahme des Lithiums, das den Bolivianern geh&ouml;rt und bleiben wird. Wir werden sicherstellen, dass unsere nat&uuml;rlichen Ressourcen nicht in die H&auml;nde transnationaler Unternehmen gelangen. Wir werden das Heimatland, die Demokratie und die Regierung f&uuml;r das Volk wiederherstellen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gwZD74uN_Yk\">erkl&auml;rte ein k&auml;mpferischer und umjubelter Luis Arce Catacora<\/a> w&auml;hrend einer Wahlkundgebung Anfang Oktober am Salar (Salzsee) Uyuni.<\/p><p>Der Uyuni, auch Salar de Tunupa genannt, liegt auf dem s&uuml;dwestbolivianischen Hochplateau auf 3.653 Metern &uuml;ber dem Meeresspiegel und ist mit rund 10.500 Quadratkilometern die gr&ouml;&szlig;te &bdquo;Salzpfanne&ldquo; der Erde. Sie birgt sch&auml;tzungsweise 10 Milliarden Tonnen Salz. Vor 40.000 bis 25.000 Jahren bildeten sich hier aufgrund der Verdunstung mehrere Seen. Das Uyuni-Salz besteht aus 11 Schichten, zusammen haben sie eine Dicke von 2 bis 10 Metern.<\/p><p>Der Salzsee ruht auf der Grenzlinie zwischen den Regierungsbezirken Oruro und Potos&iacute;. Die Hauptstadt des Letztgenannten schwingt selbst 500 Jahre nach seiner Eroberung durch Spanien als warnende Metapher kolonialer Auspl&uuml;nderung in der Erinnerung von Arces &uuml;berwiegend indigenen W&auml;hlern mit und diente dem verstorbenen uruguayischen Schriftsteller Eduardo Galeano als symboltr&auml;chtige Inspiration f&uuml;r seinen Buchklassiker <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/eduardo-galeano\/die-offenen-adern-lateinamerikas.html\">&bdquo;Die offenen Adern Lateinamerikas&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Im &bdquo;Cerro Rico&ldquo;, dem <a href=\"https:\/\/books.google.com.mx\/books?id=EiJKAAAAIAAJ&amp;q=potosi&amp;hl=es-419#v=onepage&amp;q=potosi&amp;f=false\">&bdquo;Reichen Berg&ldquo; Potos&iacute;s<\/a>, sollen von den spanischen Conquistadoren 8.000 Tonnen Silber zum heutigen Wert von umgerechnet 50 Milliarden US-Dollar gepl&uuml;ndert worden sein. Die Silberadern finanzierten einen gro&szlig;en Teil des Haushalts der spanischen Krone und brachten Madrid zur architektonischen Bl&uuml;te. Die Pl&uuml;nderung forderte zudem einen &bdquo;Aufpreis&ldquo;: Mindestens 15.000 versklavte Indianer stie&szlig; die brutale Zwangsarbeit in den Tod. Doch das Schaudern vor der finsteren Geschichte ist nur eine Momentaufnahme f&uuml;r hunderttausende Touristen aus aller Welt, die beim Anblick des rund 150 Kilometer von Potos&iacute; gelegenen Uyuni staunend aufatmen. Am empfehlenswertesten von Anfang M&auml;rz bis Mitte April, wenn durch die Oberfl&auml;chen-Spiegelung des Salzsees Himmel und Erde miteinander verschmelzen; ein nat&uuml;rliches Ph&auml;nomen, das auftritt, wenn das Wasser die Salzoberfl&auml;che durchdringt und dem dar&uuml;ber aufgespannten, blauen Himmel den &bdquo;weltgr&ouml;&szlig;ten Naturspiegel&ldquo; vorh&auml;lt.<\/p><p>&bdquo;Nie wieder Potos&iacute;!&ldquo;, hei&szlig;t es seit der Unabh&auml;ngigkeit Boliviens und die Devise gilt neuerdings dem &bdquo;wei&szlig;en Gold&ldquo; Lithium, einem der weltweit begehrtesten Rohstoffe. Zwischen 40 und 50 Prozent der weltweiten Lithium-Vorkommen lagern in den bolivianischen Salzseen. Lithium soll den Kampf gegen den Klimawandel, f&uuml;r Elektro-Mobilit&auml;t, jedoch durch die Hintert&uuml;r auch die Kriegsindustrie bedienen. Der Rohstoff wird unter anderem zur Herstellung von Akkus und Batterien f&uuml;r Mobiltelefone, Elektroautos, in Medikamenten f&uuml;r psychische Erkrankungen wie Depressionen, aber auch in der Atomindustrie, ja selbst bei der Herstellung von Massenvernichtungswaffen wie der Wasserstoffbombe verwendet. Der Bedarf w&auml;chst exponentiell und mit ihm der Druck auf die Rohstoffbesitzer-L&auml;nder wie Bolivien, Argentinien und Chile.<\/p><p>&bdquo;Wir werden Bolivien zur Lithiumhauptstadt der Welt machen. Und daf&uuml;r haben wir einen Industrialisierungsplan nicht nur f&uuml;r Batterien, sondern f&uuml;r 41 neue Produkte, die aus Lithium gewonnen werden, um Arbeitspl&auml;tze zu schaffen und Einkommen zu f&ouml;rdern&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.cartamaior.com.br\/?\/Editoria\/Pelo-Mundo\/Luis-Arce-apresenta-plano-de-industrializacao-do-litio-e-e-sempre-sera-dos-bolivianos-\/6\/48891\">prophezeite Arce<\/a>.<\/p><p>Des Pr&auml;sidenten industrie-politischer Kurs beruht auf drei unabdingbaren Bedingungen: die Wahrung nationaler Souver&auml;nit&auml;t &uuml;ber die Bodensch&auml;tze, Mehrheitsbeteiligungen des Staates an Bergbauunternehmen, verarbeitender Industrie und Joint-Ventures mit transnationalen Unternehmen bei Betonung eines genuinen Technologie-Transfers. Dieser Kurs begann im Jahr 2007, als die Regierung eine Gruppe von Technikern mit dem Entwurf eines Pilotprojektes zur Industrialisierung und Wertsch&ouml;pfung statt des Lithium-Exportes beauftragte, der Bodenschatz- und Handelswaren-Besitzer immer zu Verlierern im internationalen Handel verdammt.<\/p><p>So soll nach Arces &Uuml;berlegungen der geplante Lithium-Boom insgesamt 130.000 &ndash; 25.000 direkte und 105.000 indirekte &ndash; Arbeitspl&auml;tze schaffen, der unter anderem 14 Industrieanlagen f&uuml;r die Batterie-Herstellung und Solarenergie-Speicherung umfasst. Vorrangigstes Ziel ist die schrittweise Steigerung der Lithiumf&ouml;rderung und -verarbeitung von 15.000 Tonnen im Jahr 2023 auf 100.000 Tonnen im Jahr 2030, mit einer j&auml;hrlichen Gewinnaussch&uuml;ttung von 5 Milliarden US-Dollar an die Staatskassen, und von dort wiederum in umfassende Sozialprogramme. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes von rund 42 Milliarden US-Dollar, handelt es sich um erhebliche Finanzressourcen.<\/p><p>Indes scheute die MAS-Regierung von Evo Morales in den letzten Jahren kein Engagement und investierte sch&auml;tzungsweise 2 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung, Elektrizit&auml;t und zivile Infrastruktur rund um den Uyuni-Salzsee, doch dann trieb der Putsch vom 9. November 2019 Sand ins Getriebe des Lithium-Traums. Genauer: Der Sand war bereits Monate zuvor im Regierungsbezirk Potos&iacute; aufgewirbelt worden.<\/p><p><strong>Die internationalen Protagonisten des Lithium-Puzzles in Bolivien<\/strong><\/p><p>Eine kurze R&uuml;ckblende erkl&auml;rt Arces Ernst in der Sache.<\/p><p>Seit 2016 bestand ein Partnerschaftsvertrag mit dem chinesischen CAMC-Konzern, der auf dem Salar de Uyuni Kaliumchlorid f&ouml;rdert. Im Jahr 2017 wurde unter Aufsicht des bolivianischen Energieministeriums der staatliche Konzern Yacimientos de Litio Bolivianos (Bolivianische Lithiumvorkommen, Akronym YLB) f&uuml;r die Lithiumverarbeitung gegr&uuml;ndet. Dem schlossen sich &ouml;ffentliche Ausschreibungen des YLB f&uuml;r acht internationale Unternehmen f&uuml;r die Lithiumf&ouml;rderung an, darunter allein f&uuml;nf chinesische.<\/p><p>Im April 2018 wurde bekannt, dass das mittelst&auml;ndische deutsche Unternehmen ACI-Systems &ndash; eine Solarenergie-Firma aus Zimmern ob Rottweil, die unter anderem Batterien f&uuml;r den US-amerikanischen Tesla-Konzern Elon Musks herstellt und von ihrem Eigent&uuml;mer, dem Honorar-Professor an der Universit&auml;t Erlangen-N&uuml;rnberg, Wolfgang Schmutz, als &bdquo;Think-Tank f&uuml;r Gesch&auml;ftsmodelle&ldquo; beschrieben wird &ndash; die Ausschreibung gewonnen hatte. Entscheidend f&uuml;r den Vertrag mit YLB war jedoch, dass ACI-Systems im Bund mit der th&uuml;ringischen K-UTEC AG Salt Technologies auftrat, die das Know-How f&uuml;r die Solebehandlung des Uyuni und die Lithiumgewinnung besa&szlig;, sowie mit der Fraunhofer Gesellschaft und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).<\/p><p>Die chinesischen Unternehmen waren allerdings auch an einer Ausweitung der Kalium-Partnerschaft interessiert, um den gro&szlig;en chinesischen Bedarf nach Lithium zu decken. So kam es zu einem zweiten strategischen Vertrag, diesmal zwischen YLB und der chinesischen Xinjiang TBEA-Group Baocheng, mit der Installation neuer Lithiumcarbonat-Verarbeitungsanlagen um die Salzn&auml;pfe von Pastos Grandes und Coipasa von Potos&iacute; und Oruro mit einer beachtlichen Investition von 2,4 Milliarden US-Dollar und einem 51-prozentigen Anteil von YLB.<\/p><p>Das chinesische Projekt umfasst den Bau von f&uuml;nf Anlagen, in denen 146.000 Tonnen\/Jahr metallisches Lithium, Lithiumhydroxid, Bors&auml;ure, reines Bromid und Natriumbromid hergestellt werden sollen. Liang Yu, der chinesische Botschafter in La Paz, redete Klartext: &bdquo;Wir wollen die Industrialisierung von Unternehmen der Metallurgie und Chemie unterst&uuml;tzen und dazu beitragen, den Energie- und Industrietraum Boliviens zu verwirklichen. Bis 2025 wird China j&auml;hrlich 800.000 Tonnen Lithium ben&ouml;tigen.&ldquo; Das Unternehmen sollte planm&auml;&szlig;ig 2021 den Betrieb aufnehmen, doch der Putsch vom November 2019 funkte auch hier dazwischen. Genauer genommen legte er zun&auml;chst die gesamte Lithium-Industrie Boliviens lahm.<\/p><p>Mitte Juli 2019 stieg auch Russland in das s&uuml;damerikanische Lithium-Gesch&auml;ft ein. W&auml;hrend eines Staatsbesuchs in Moskau unterzeichneten die Pr&auml;sidenten Evo Morales und Wladimir Putin eine Reihe von Kooperationsvereinbarungen mit Fokus auf die Energiebranchen beider L&auml;nder. Der russische Staatskonzern Gazprom beschloss Investitionen in H&ouml;he von 500 Millionen US-Dollar zur Expansion der &Ouml;l- und Gasindustrie Boliviens, des Weiteren bot Russland Technologietransfer zur Entwicklung der bolivianischen Lithiumindustrie an und unterst&uuml;tzte den Ausbau des <a href=\"https:\/\/latinoamericapiensa.com\/bolivia-construye-su-primera-central-nuclear-con-apoyo-de-rusia\/18304\/#:~:text=El%20Gobierno%20de%20Bolivia%20y,anunciado%20a%C3%B1os%20atr%C3%A1s%20por%20Morales\">Kernforschungszentrums und des Technologiezentrums von El Alto<\/a>, das bereits im Jahr 2016 <a href=\"https:\/\/www.emol.com\/noticias\/Economia\/2019\/07\/11\/954308\/Rusia-apuesta-por-el-litio-boliviano.html\">Gegenstand einer Vereinbarung<\/a> mit Rosatom war und 2021 in Betrieb gehen sollte. Im darauffolgenden Oktober 2019 weitete Rosatom seine Lithium-Interessen nach Chile aus. Uranium One, Rosatoms Bergbauunternehmen, unterzeichnete ein Memorandum of Understanding mit Kanadas Wealth Minerals, womit der russische Konzern <a href=\"https:\/\/www.milenio.com\/negocios\/financial-times\/rosatom-compra-51-de-mina-en-chile\">51 Prozent an einem 46.200 Hektar gro&szlig;en Lithiumprojekt<\/a> in der Atacama-W&uuml;ste erwarb.<\/p><p>Es liegt nahe, dass das Lithium-Interesse und die Sorge um den Weiterbestand des Nuklearvertrags denn auch die ausschlaggebenden Gr&uuml;nde der russischen Diplomatie waren, trotz milder Kritik am Staatsstreich gegen Evo Morales, nicht &ndash; wie Argentinien, Mexiko oder Kuba &ndash; das Regime der De-facto-Pr&auml;sidentin Jeanine A&ntilde;ez politisch zu isolieren. &bdquo;Sie wird eindeutig als Boliviens Staatschefin angesehen werden, bis die Frage eines neuen Pr&auml;sidenten mit den Wahlen gel&ouml;st ist&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.clarin.com\/mundo\/reparos-rusia-reconoce-jeanine-anez-presidenta-interina-bolivia_0_NU1d4mv7.html\">erkl&auml;rte der stellvertretende russische Au&szlig;enminister Sergei Riabkov<\/a> bereits Mitte November 2019.<\/p><p><strong>Die deutsche Lobby und der ACI\/YLB-Vertrag<\/strong><\/p><p>Zweite R&uuml;ckschau. Im Oktober 2018 unterzeichneten die f&uuml;r das Bolivien-Gesch&auml;ft umbenannte ACISA und YLB ein &Uuml;bereinkommen zur Herstellung von Lithiumhydroxid mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro, an dem YLB mit 51 Prozent und ACI- Systems mit 49 Prozent beteiligt sind. Eine der Vertragsklauseln bestimmt auf bolivianischen Wunsch, dass ein wichtiger Teil des verarbeiteten Lithiums in Bolivien verbleibt. Ein Wagnis und Unding in der internationalen Vertragsszenerie, auf das sich die Regierung Morales einlie&szlig;, ist, dass das Abkommen eine Dauer von 70 Jahren vorsieht. Doch das Abkommen sieht Investitionen von mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar vor, die ACI-Systems niemals bedienen k&ouml;nnte. Es sei denn, mit gro&szlig;z&uuml;giger staatlicher Hilfe aus Berlin und von einigen deutschen Landesregierungen.<\/p><p>Indes, wie kam der Vertrag zustande? Das ACI\/YLB-Joint-Venture hatte l&auml;ngst vor Unterzeichnung die &bdquo;gro&szlig;e Politik&ldquo; von Bund und einigen L&auml;ndern als Lobbyisten auf den Plan gerufen. Wie aus diplomatischen und inoffiziellen Quellen durchsickerte, schaltete sich in fr&uuml;hem Stadium die deutsche Botschaft in La Paz ein und bem&uuml;hte sich um Gespr&auml;che mit der Regierung Evo Morales. Das Ausw&auml;rtige Amt und das Bundeswirtschaftsministerium scheuten sich nicht, die in der Lithiumverarbeitung weitgehend unerfahrene ACI der Regierung Boliviens zu empfehlen; ein Protektionismus, dem sich auch die Landesregierungen von Baden-W&uuml;rttemberg und Th&uuml;ringen anschlossen. Unter dem massiven Druck war die Reaktion von Pr&auml;sident Evo Morales im Anfangsstadium eher zur&uuml;ckhaltend. Dennoch gab die politische Lobby nicht nach, sie hatte die deutsche Automobilindustrie im R&uuml;cken, deren Ziel es ist, ab 2021 j&auml;hrlich mindestens 800.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Markt zu bringen, doch ohne Lithium-Akkus verk&auml;me das Ziel zum Tagtraum.<\/p><p>Dem extra angereisten Feature-Autor Karl Ludolf H&uuml;bener gestand ACI-Systems-Manager Stefan Kosel &ndash; verantwortlich f&uuml;r &bdquo;Verkauf und Entwicklung von strategischen Gesch&auml;ften in S&uuml;damerika&ldquo; und wohnhaft in Boliviens rechtsradikaler Bastion Santa Cruz &ndash; jedoch ein paar <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/hoerfunk-tipps-lithium-die-jagd-nach-dem-weissen-gold-1.4573915\">markante Einzelheiten<\/a>. So habe Wirtschaftsminister Peter Altmaier nahezu appellierend Pr&auml;sident Evo Morales direkt angerufen, um einen R&uuml;ckzieher zu vermeiden. Die umgekehrt von der Eile der Lithium-Industrialisierung angetriebene Regierung Morales gab nach und unterschrieb das Abkommen in Berlin. Doch die 51 Prozent Anteilsmehrheit von YLB &bdquo;bedeuten allerdings nicht, dass ACISA mit einfacher Mehrheit &uuml;berstimmt werden k&ouml;nne &hellip; Du musst ja &lsquo;ne Win-Win-Situation schaffen nach dem Motto: Ich m&ouml;chte das, wir wollen das, ihr wollt das &hellip; dass beide Seiten zufrieden sind &hellip; Wir bringen Euch eine neue Technologie, wir bringen Euch den Marktzugang nach Europa. 51 Prozent ist richtig, aber f&uuml;r die ganz wichtigen Entscheidungen brauchen die trotzdem immer unsere Zustimmung. Das haben wir deshalb so gemacht, weil wir den Markt bringen, die Technik und nat&uuml;rlich Innovationen auch, da reinbringen &hellip; Das hei&szlig;t, wir kontrollieren die Finanzstr&ouml;me, die Finanzen und die Technik. Das ist ganz klar festgelegt&ldquo;, verriet Kosel.<\/p><p>So entstanden unter anderem zwei Industrieanlagen &ndash; eine zur Herstellung von Kaliumchlorid, die andere zur Erzeugung von Lithiumcarbonat &ndash; sowie die Installierung von Verdunstungsbecken mit einer Ausdehnungsfl&auml;che von 2.400 Hektar und Batterie-Pilotanlagen. Das staatliche Konzept der &bdquo;Industrialisierung mit Souver&auml;nit&auml;t&ldquo; sollte die f&uuml;r 2020 geplante Jahres-Produktionskapazit&auml;t von 350.000 Tonnen Kaliumchlorid und 15.000 Tonnen Lithiumcarbonat politisch und technologisch absichern, doch l&auml;ngst vor dem Putsch vom 9. November 2019 meldete sich massiver Widerstand in Potos&iacute;.<\/p><p><strong>&bdquo;Lithium-Putsch&ldquo; oder Lithium-Krimi? Der Widerstand in Potos&iacute; und Evo Morales&lsquo; gefallener Groschen<\/strong><\/p><p>Kaum war das ACI\/YLB-Abkommen unterzeichnet, forderte ein gewisses &bdquo;B&uuml;rgerkomitee Potos&iacute;&ldquo; (Comcipo) die &bdquo;Offenlegung des deutsch-bolivianischen Vertrages zur Kenntnisnahme der Bev&ouml;lkerung von Potosi und des gesamten bolivianischen Volkes&ldquo;. Ihr selbsternannter Sprecher Marco Pumari inszenierte gar einen Hungerstreik und wurde <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=--hqW8ENBbE\">von der Polizei festgenommen<\/a>. Pumari ist ein ehemaliges Mitglied der damaligen und mit Arce zur Macht zur&uuml;ckgekehrten Regierungspartei MAS, driftete jedoch ins rechtsradikale Lager ab und trat bei den j&uuml;ngsten Pr&auml;sidentschaftswahlen als Vize des faschistischen Putschf&uuml;hrers gegen Evo Morales und Arce-Herausforderers Luis Fernando Camacho auf. F&uuml;r die Teilnahme an der Wahl forderte Pumari von Camacho 250.000 US-Dollar und im Falle eines Wahlsieges die Kontrolle &uuml;ber zwei Zollabfertigungs-B&uuml;ros. Der Korruptionsskandal <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/america\/america-latina\/2019\/12\/09\/difundieron-un-audio-en-el-que-marco-antonio-pumari-pide-a-camacho-250000-dolares-por-ser-companero-de-formula-en-las-elecciones-en-bolivia\/\">flog bereits im Dezember 2019 auf<\/a>, doch weder Pumari noch Camacho wurden von der Justiz rechtlich belangt. Bei der Pr&auml;sidentschaftswahl erlangten sie rund 17 Prozent der Stimmen, Camacho warf nach Morales nun auch Arce &bdquo;Wahlbetrug&ldquo; vor, zog sich jedoch in die rechtsradikale Bastion Santa Cruz zur&uuml;ck.<\/p><p>Der Hauptgrund f&uuml;r die Proteste gegen das ACI\/YLB-Abkommen war die angeblich im Vertrag erw&auml;hnte Abgabe einer 3-prozentigen Tantieme an den Regierungsbezirk Potos&iacute; f&uuml;r Investitionen im Sozialbereich. Ein anderer Aspekt des Vertrages, den Comcipo f&uuml;r unzul&auml;ssig hielt, ist die Tatsache, dass &ndash; wie im &Uuml;brigen von Stefan Kosel best&auml;tigt &ndash; Minderheitspartner ACI-Systems im f&uuml;nfk&ouml;pfigen Verwaltungsrat ein Vetorecht besitzt. Luis Alberto Echaz&uacute;, langj&auml;hriger Minister und zuletzt Vizeminister f&uuml;r Hochenergie-Technologien in der Regierung Evo Morales, widersprach der 3-Prozent-Abgabe. Im vorangegangenen Juli 2019 hatte er versichert, Potos&iacute; w&uuml;rde vielmehr <a href=\"https:\/\/elpotosi.net\/local\/20190726_echazu-dice-que-potosi-recibira-29-79-de-los-beneficios-del-litio.html\">29,79 Prozent der Gewinnaussch&uuml;ttungen<\/a> aus dem ACI\/YLB-Deal erhalten. Doch auch diese Angabe und das damit verbundene Versprechen wurden bis zum Sturz von Evo Morales niemals best&auml;tigt. Also forderte Comcipo eine 11-prozentige Abgabe.<\/p><p>Mitte Oktober 2019 empfingen Pr&auml;sident Evo Morales und seine Fachminister eine Delegation von Comcipo. &bdquo;Das B&uuml;rgerkomitee hat seine Forderungen zum ersten Mal schriftlich vorgelegt. Wir haben jedes der angesprochenen Themen erhalten und als nationale Regierung werden wir jeden der Punkte bis Mittwochnachmittag oder Donnerstagmorgen beantworten&ldquo;, erkl&auml;rte Morales&lsquo; Kabinettschef Diego Pary. Einen Tag darauf erkl&auml;rte Pr&auml;sident Morales, die Regierung stimme mit dem B&uuml;rgerkomitee zugunsten Potos&iacute;s &uuml;berein. Doch Comcipo stellte die Attacken gegen die Regierung nicht ein. Es sei ein erfolgloser Dialog, <a href=\"https:\/\/rcbolivia.com\/dialogo-infructuoso-comcipo-en-alerta-a-la-espera-que-el-gobierno-aclare-sobre-el-decreto-del-litio\/\">erkl&auml;rte sein Sprecher Marco Pumari<\/a>. Comcipo trete in Alarmbereitschaft und erwarte von der Regierung die &Auml;nderung des Lithium-Dekrets 3738, worin das Abkommen ACI\/YLB gesetzlich verankert worden war.<\/p><p>Runde zwei Wochen sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.lavanguardia.com\/internacional\/20191103\/471363488586\/evo-morales-deroga-el-decreto-de-empresa-mixta-de-litio-con-una-firma-alemana.html#:~:text=%2D%20El%20presidente%20de%20Bolivia%2C%20Evo,reserva%20mundial%20de%20este%20mineral\">annullierte Morales kommentarlos das Dekret<\/a> und der Lithium-Deal mit dem deutschen Unternehmensverbund unter F&uuml;hrung von ACI-Systems sah sich in Seenot. ACI-Chef Wolfgang Schmutz erwischte die Nachricht unter der Dusche. Minister Peter Altmaier schien wie vor den Kopf gesto&szlig;en: &bdquo;Nachvollziehbare Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Entscheidung sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt.&ldquo;<\/p><p>Der Strippenzieher hinter dem sogenannten &bdquo;B&uuml;rgerkomitee&ldquo; Pumaris war Juan Carlos Zuleta Calder&oacute;n. Als in den USA graduierter Wirtschaftswissenschaftler und Autor zahlreicher Fachpublikationen fiel Zuleta in den j&uuml;ngsten Jahren als selbsternannter Lithium-Experte auf. Mit scharfer Kritik an Morales&lsquo; Lithium-Politik im Allgemeinen, insbesondere jedoch gegen das ACI\/YLB-Joint-Venture agierte er als &bdquo;Berater&ldquo; des B&uuml;rgerkomitees, doch genauer gesehen bediente sich Zuleta der Comcipo-Attrappe f&uuml;r seine Attacken gegen Morales.<\/p><p>Ein interessanter Widerspruch ist wiederum der Umstand, dass der Bolivianer Zuleta <a href=\"http:\/\/www.minmineria.cl\/comision-nacional-del-litio\/expertos-de-la-comision-del-litio\/\">Mitglied des wissenschaftlichen Beirats<\/a> der Lithium-Kommission des Bergbauministeriums der Republik Chile ist. Ein Umstand, der einen heiklen Interessenskonflikt verr&auml;t, sind doch beide L&auml;nder nicht nur wegen des bolivianischen Anspruchs auf den Meereszugang au&szlig;enpolitisch im Konflikt, sondern auch harte Konkurrenten im internationalen Lithium-Gesch&auml;ft. Der Regierungspartei MAS und gro&szlig;en Teilen der &Ouml;ffentlichkeit gilt Zuleta als &bdquo;Vaterlandsverr&auml;ter&ldquo;. Ihm wird seit 2018 &bdquo;Boykott bolivianischer Staatsprojekte&ldquo; sowie &bdquo;bezahlte Agentent&auml;tigkeit f&uuml;r Chile&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.primeralinea.info\/funcionario-del-gobierno-de-chile-es-asesor-de-comcipo\/\">vorgeworfen<\/a>, &bdquo;weil er f&uuml;r diese Aktivit&auml;t ein Gehalt von Chile erh&auml;lt&ldquo;. Zuleta, so viel ist bekannt, tritt f&uuml;r die privatwirtschaftliche und nichtstaatliche Verwaltung der Lithiumverarbeitung ein.<\/p><p>Die De-facto-Regierung Jeanine A&ntilde;ez schien Zuletas Chile-Verbindungen nicht zu st&ouml;ren. Sie nominierte ihn zum Direktor von YLB, dem bolivianischen Partner von ACI-Systems. Doch Zuleta war gerade im Amt best&auml;tigt, da brachen schon <a href=\"https:\/\/elpotosi.net\/local\/20200114_rechazan-designacion-de-juan-carlos-zuleta-en-ylb.html\">Proteste gegen seine Nominierung<\/a> aus, diesmal am Uyuni, w&auml;hrend Mario Pumari <a href=\"http:\/\/rimaypampa.com\/comunidades-de-colcha-k-declaran-persona-no-grata-a-pumari\/\">zur &bdquo;persona non grata&ldquo; erkl&auml;rt<\/a> wurde. &bdquo;Chile-Agent&ldquo; Zuleta &uuml;berlebte keine 20 Tage auf seinem Posten und wurde als dritter YLB-Chef seit A&ntilde;ez&lsquo; Amts&uuml;bernahme entlassen.<\/p><p>Zu seinen Mutma&szlig;ungen geh&ouml;rt der Verdacht, Morales habe urspr&uuml;nglich dem ACI\/YLB-Joint-Venture im Austausch f&uuml;r Zuspruch und potenzielle Mitfinanzierung des virtuosen <a href=\"https:\/\/alnavio.es\/noticia\/14908\/economia\/angela-merkel-hace-mas-negocios-con-evo-morales-que-con-ningun-otro-presidente-latinoamericano.html\">bi-ozeanischen Eisenbahnprojekts<\/a> durch die Regierung Angela Merkel zugestimmt, das der ehemalige Pr&auml;sident seit Jahren als logistischen Kn&uuml;ller zur Zugverbindung zwischen Atlantik und Pazifik plant. Als Grund f&uuml;r seine Entlassung erw&auml;hnt Zuleta den Druck &bdquo;einiger Botschaften&ldquo; und winkt mit dem Zaunpfahl in Richtung der deutschen Vertretung in La Paz. &Uuml;ber Zuletas Umtriebe kein Wort in H&uuml;beners WDR-Feature, auch nicht in der bem&uuml;hten und von der Oxford-Stiftung finanzierten taz-Reportage <a href=\"https:\/\/taz.de\/Lithiumgewinnung-in-Bolivien\/!5709257\/#:~:text=Ein%20ambitioniertes%20Ziel%20%E2%80%93%20und%20dennoch,50%20Metern%20unterhalb%20der%20Salzkruste\">Lithiumgewinnung in Bolivien: Alles auf Wei&szlig;<\/a> vom September 2020.<\/p><p>Minister Altmaiers Satz, &bdquo;nachvollziehbare Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Entscheidung (Anm.: die Vertragsk&uuml;ndigung durch Evo Morales) sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt&ldquo;, darf als l&auml;cherlich oder gar zynisch gewertet werden. &Auml;hnliche Ausweichman&ouml;ver pr&auml;gen die Stellungnahmen von ACI-Systems. Auf Anfrage des Autors &uuml;ber die Rolle Marco Pumaris bei den Attacken gegen den Vertrag erkl&auml;rte ACI-Pressesprecherin Doris Schulz, &bdquo;als ausl&auml;ndisches Unternehmen haben und werden wir uns nicht in politische Vorg&auml;nge in Bolivien einmischen. Dazu sind uns keine Einzelheiten bekannt&ldquo;. Geradezu lachhaft mutet Schulz&lsquo; Ausrede an, ACI-Systems kenne die Kritikpunkte Zuletas an dem Joint-Venture nicht: &bdquo;Seine Gr&uuml;nde daf&uuml;r sind nicht bekannt. Es w&auml;re daher Spekulation, hier irgendwelche Vermutungen zu &auml;u&szlig;ern.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;ACISA und seine Partner haben in dieses Projekt sehr viel Zeit, finanzielle Mittel und Knowhow, beispielsweise die Entwicklung eines komplett neuen Prozesses f&uuml;r die Gewinnung von Lithiumhydroxid aus der Restsole &hellip;,  sowie die Ausarbeitung eines nachhaltigen und sozialvertr&auml;glichen Konzepts, durch das unter anderem qualifizierte Arbeitspl&auml;tze in Bolivien geschaffen werden k&ouml;nnen, und auch Herzblut investiert. Wir haben daher ein Interesse daran, es auch fortzusetzen&ldquo;. Gespr&auml;che mit der &bdquo;Interimsregierung von Frau Anez&ldquo; h&auml;tten stattgefunden, &bdquo;allerdings mit unverbindlichem Charakter. Denn als Aufgabe dieser Regierung sehen wir die Vorbereitung einer demokratischen Neuwahl, die nach derzeitigem Kenntnisstand f&uuml;r den 18. Oktober 2020 terminiert ist. Sobald die neue Regierung im Amt ist, die Einsetzung ist am 22. Januar 2021 vorgesehen, werden wir das Gespr&auml;ch mit dieser suchen, um &uuml;ber die Fortsetzung des Projekts zu diskutieren. Selbstverst&auml;ndlich loten wir auch Alternativen in anderen L&auml;ndern aus&ldquo;, schrieb Doris Schulz an den Autor.<\/p><p>Seit Monaten, so viel ist aus inoffiziellen Quellen bekannt, ist der ACI-Beauftragte in Bolivien, Stefan Kosel, im Feld und f&uuml;hrt Gespr&auml;che mit der Putschregierung und der MAS-Opposition, die das Land ab Januar 2021 wieder regieren wird. Insbesondere suchte Kosel Tuchf&uuml;hlung zu den Uyuni-Anrainer-Kommunen, um ihre Zustimmung f&uuml;r das festgefahrene Lithium-Projekt auszuloten &ndash; und, ja, vielleicht doch auf ihre Forderung nach erh&ouml;hten Sozial-Tantiemen einzugehen. Dass diese samt Neubestimmung von Finanzstr&ouml;men und Sperrklauseln von der neuen Regierung Luis Arce zu erwarten sind, machte sein Wahlauftritt vom Oktober am Uyuni deutlich: &bdquo;Wir werden sicherstellen, dass unsere nat&uuml;rlichen Ressourcen nicht in die H&auml;nde transnationaler Unternehmen gelangen&ldquo;.<\/p><p>Das konfus anmutende &bdquo;Skript&ldquo; des deutsch-bolivianischen Lithium-Krimis l&auml;sst allerdings erkennen, dass es ACI-Systems und Berlin im Grunde egal war und ist, ob Gesch&auml;fte mit einer demokratischen Regierung oder einem Putschregime ausgehandelt werden. Hauptsache ist das Gesch&auml;ft. Das machte exemplarisch Dr. Bernhard B&ouml;sl, Landesdirektor Bolivien &amp; Paraguay der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, auf Anfrage deutlich. B&ouml;sl schrieb:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So viel kann ich Ihnen aber schon vorab mitteilen: Es gab hier keinen Staatsstreich, sondern nach massiven Wahlmanipulationen in allen Phasen des Wahlgangs (von der Erstellung der Wahlregister bis zur Ausz&auml;hlung) durch die MAS von Evo Morales, die durch die unabh&auml;ngigen Wahlbeobachter der OAS und der EU best&auml;tigt wurden, kam es zu zun&auml;chst friedlichen zivilen Protesten, die schlie&szlig;lich zum R&uuml;cktritt und zur Flucht von Evo Morales gef&uuml;hrt haben. Gem&auml;&szlig; der verfassungskonformen Amtsnachfolge gibt es derzeit eine &Uuml;bergangsregierung bis zur Wahlwiederholung. Von einem &bdquo;zivilen Staatsstreich&ldquo; (absurde Wortkreation) redet nur Evo Morales.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Ksenia Ragozina\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach seinem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66013\">spektakul&auml;ren Wahlsieg<\/a> am vergangenen 18. Oktober wurde der &Ouml;konom, langj&auml;hrige Wirtschaftsminister und Hauptverantwortliche f&uuml;r den Wirtschafts- und Sozialboom der Regierung Evo Morales, Luis Arce, knappe drei Wochen sp&auml;ter, am vergangenen 8. November, mit seinem Vize und ehemaligem Au&szlig;enminister David Choquehuanca <a href=\"https:\/\/cnnespanol.cnn.com\/video\/bolivia-luis-arce-catacora-juramenta-nuevo-presidente-sot\/\">vereidigt<\/a>. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67105\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67108,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,60,20,178,190,30],"tags":[2971,1276,2760,2186,2766,379,2126,2196,1507,259],"class_list":["post-67105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-ressourcen","category-wahlen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-arce-luis","tag-attentat","tag-bodenschaetze","tag-bolivien","tag-camacho-luis-fernando","tag-china","tag-elektromobilitaet","tag-indigene-voelker","tag-morales-evo","tag-russland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_427850248.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67105"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67105\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67187,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67105\/revisions\/67187"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}